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Prosastücke und Texte

Jakob van Hoddis: Prosastücke und Texte - Kapitel 1
Quellenangabe
typemisc
authorJakob van Hoddis
titleProsastücke und Texte
booktitleDichtungen und Briefe
publisherArche Verlag AG, Raabe + Vitali
editorRegina Nörtemann
year1987
isbn3716020468
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20131209
projectidc62c19ec
wgs
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Stachlige Opuntien

Leider fühlen sich die meisten nicht getroffen.

I.

Selbstverständlich wird ein geistig höher organisierter Mensch nur aus Versehen aktiv. Man kann ja geistig minder hoch organisiert und doch ein wertvoller Mensch sein. Wir sind aber keine Vereinigung wertvoller Menschen, sondern eine freie wissenschaftliche Vereinigung. Die F.W.V. muß also ihre Mitglieder erziehen.

Im allgemeinen wird man bei uns nur bis zur Eintragung in das Anmeldebuch beachtet. Auch die Vorträge und Diskussionsabende werden mehr zu Keilzwecken, als zu Nutz und Frommen der F.W.Ver veranstaltet.

 

II.

Durch seinen Eintritt in die F.W.V. gibt man zu, daß man einen wissenschaftlichen Verkehr für nützlich hält. Der Nutzen dieses Verkehrs kann unmöglich in der Sammlung von allerlei Kenntnissen bestehen, denn wenn es auf Kenntnisse ankäme, wäre ein Konversationslexikon weiser als Sokrates. Die Förderung durch die geistige Tätigkeit kann nur in der Förderung der geistigen Tätigkeit bestehen. Darauf kommt es an. Nicht darauf, daß man seine Phrasen spazieren führt und sie eine Weltanschauung benamst. Jede Ansicht ist beschränkt, nur wer immer strebend sich bemüht, kann sich aus Beschränkung und Beschränktheit erlösen.

 

III.

Die Beschäftigung mit künstlerischen Problemen. Auch da kann die Debatte nur den fördern, der sich selber fördert. Ich habe noch nie einen B undesbr uder im Museum oder in einer Gemäldeausstellung getroffen.

 

IV.

Ich erlaube jedem Erfahrungsmanne, der doch immer, wenn was Tüchtiges aus ihm wird, ein philosophe sans le savoir ist und bleibt gegen die Philosophie, besonders wie sie in unsern Tagen erscheint, eine Art Apprehension, die aber nicht in Abneigung auflösen, sondern sich in eine stille vorsichtige Neigung auflösen muß. Geschieht das nicht, so ist ehe man sichs versieht, der Weg zur Philisterei betreten, auf dem ein guter Kopf sich nur desto schlimmer befindet, als er, auf eine ungeschickte Weise, die bessere Gesellschaft vermeidet, die ihm allein bei seinem Streben behilflich sein konnte.

(Goethe an Fr. H. Jakobi, am 23. 11. 1801.)

Auch die vorsichtigste Neigung fordert und erlaubt eine gewisse Beschäftigung mit ihrem Gegenstande.

 

V.

Ja, aber ...! Sehr richtig! Da alles in der Welt seine Ursachen hat, so hat es auch seine Ursachen, wenn man Banause ist. Man ist es darum aber doch, und doch ein schlechter F.W.Ver.

 

VI.

Wehe dem Nicht-F.W.Ver, der sagt: »Die F.W.V. bietet bloß allerlei Brocken aus allen möglichen Gebieten des Wissens und Nichtwissens. Populärwissenschaft für Studierende.« Und doch wird der wissenschaftliche Teil vom Vorstand mit Absicht zu einer geistigen Brockensammlung gemacht. Man wird ja auch nicht wegen seiner Intelligenz Vorstandsmitglied.

Daher bringen unsere Abende keinen zusammenhängenden, fortlaufenden Ideenaustausch und bieten nur selten und zufällig Förderndes.

 

VII.

Platos Akademie war die erste F.W.V! Wer über diesen Satz lacht, erklärt sich oder seine Bundesbrüder für inferior. Wir wollen unsere Sache endlich einmal ernst nehmen!

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