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Prosaskizzen

Peter Altenberg: Prosaskizzen - Kapitel 64
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typesketch
authorPeter Altenberg
titleProsaskizzen
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Grammophonplatte

(Deutsche Grammophonaktiengesellschaft.)
C 2-42 531. Die Forelle von Schubert.

(in "Märchen des Lebens", Berlin 1908)

In Musik umgesetztes Gebirgswässerlein, kristallklar zwischen Felsen und Fichten murmelnd. Die Forelle, ein entzückendes Raubtier, hellgrau, rot punktiert, auf Beute lauernd, stehend, fließend, vorschießend, hinab, hinauf, verschwindend. Anmutige Mordgier!

Die Begleitung auf dem Klavier ist süßes sanftes eintöniges Wassergurgeln von Berggewässer, tief und dunkelgrün. Das reale Leben ist nicht mehr vorhanden. Man spürt das Märchen der Natur!

In Gmunden wußte ich es, daß täglich in den Nachmittagsstunden eine Dame in dem Laden des Uhrmachers die Grammophonplatte C 2-42 531 zwei- bis dreimal spielen ließ. Sie saß auf einem Taburett, ich stand ganz nahe beim Apparate.

Wir sprachen niemals miteinander.

Sie wartete dann später immer mit dem Konzerte, bis ich erschien.

Eines Tages bezahlte sie das Stück dreimal, wollte sich dann entfernen. Da bezahlte ich es ein viertes Mal. Sie blieb an der Türe stehen, hörte es mit an bis zu Ende.

Grammophonplatte C 2-42 531, Schubert, Die Forelle.

Eines Tages kam sie nicht mehr.

Wie ein Geschenk von ihr blieb mir nun das Lied zurück.

Der Herbst kam, und die Esplanade wurde licht von gelben spärlichen Blättern.

Da wurde denn auch das Grammophon im Uhrmacherladen eingestellt, weil es sich nicht mehr rentierte.

 


 

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