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Prosaskizzen

Peter Altenberg: Prosaskizzen - Kapitel 48
Quellenangabe
typesketch
authorPeter Altenberg
titleProsaskizzen
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Meine Films

(in "Mein Lebensabend", Berlin 1919)

Ich habe Erna Morena gesehen in »Die weiße Rose« und jetzt kürzlich in »Höhenrausch«, Tuchlauben-Kino. Sie ist die beste, modernste, diskreteste, zarteste, rührendste von Allen, Allen! Sie allein hat dieses seit der »Marlitt« viel mißbrauchte Epitheton ornans: »Sprechende Augen«! Sie allein ersetzt durch milde sanfte edle Geste das schnöde Wort! Sie spielt »zerstörte Frauenseelen«, nein, sie ist es! Wie sie in ein Zimmer tritt, aus einem Zimmer wegwankt, wie sie eine Türe zum letztenmal leise schließt, wie sie zitternd zusammenfällt, das ganze »Verhängnis« der überzarten Frauenseele, das erlebt, erleidet sie. Wie wenn sie ihr eigenes adeliges Innenleben da photographieren ließe! Ihre Augen, ihre Hände, ihre Finger sind das Vollkommenste, was es überhaupt hienieden gibt! Nur solche Frauen können, dürfen, sollen besondere Schicksale des Lebens der Seele darstellen, denn den Anderen glaubt man es ja doch beim besten Willen nicht! Ihre Gestalt ist mimosenhaft, elfenhaft, biegsam-kränklich, zwischen Lebendsein und Baldverlöschen schwankend! Wenn sie abends sich im Soiree-Gewande aus dem Berg-Hotel schleicht auf die Holzbrücke, die den Bergbach überspannt, um den Berg zu sehen, wo sie »etwas Anderes« findet wie in ihrem Salon-Leben, wenn sie ihre allerzartesten Hände auf das Geländer aufstützt, so voll, so voll von weinender Sehnsucht – – – Schluß des zweiten Aktes!

 


 

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