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Prosaskizzen

Peter Altenberg: Prosaskizzen - Kapitel 4
Quellenangabe
typesketch
authorPeter Altenberg
titleProsaskizzen
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Siebzehn bis dreißig

(in "Wie ich es sehe", Berlin 1896)

Ich kam einmal zu dem ersten Friseur der Residenz.

Es roch nach Eau de Cologne, nach frisch gewaschenen Leinenmänteln und zartem Zigarettenrauch Sultan flor, Cigarettes des Princesses égyptiennes.

An der Kassa saß ein junges Mädchen, mit hellblonden seidenen Haaren.

»Ah«, dachte ich, »ein Graf wird dich verführen, du Wunderschöne – – –!«

Sie sah mich an, mit einem Blick, der sagte: »Wer du auch seist, einer unter Tausenden, ich sage dir, das Leben liegt vor mir, das Leben – – –! Weißt du das?!«

Ich wußte es.

»Ah«, dachte ich, »es kann aber auch ein Fürst sein – – –!«

Sie heiratete einen Cafetier, der in einem Jahr zugrunde ging.

Sie war gebaut wie eine Gazelle. Seide und Samt erhöhten nicht ihre Schönheit – – am schönsten war sie wahrscheinlich nackt.

Der Cafetier ging zugrunde.

Ich traf sie auf der Straße mit einem Kinde.

Sie sah mich an, mit einem Blick, der sagte: »Ich habe das Leben dennoch vor mir, das Leben, weißt du das – –?!«

Ich wußte es.

Ein Freund von mir hatte den Typhus. Er war Junggeselle, reich und bewohnte die See-Villa.

Als ich ihn besuchte, machte eine junge Dame, mit hellblonden seidenen Haaren, die Eisumschläge. Ihre zarten Hände waren ganz aufgerissen vom Eiswasser. Sie blickte mich an: »Das ist das Leben – –! Ich habe ihn lieb – –! Weil das das Leben ist – –!«

Als er genesen war, überließ er die Dame einem anderen reichen jungen Manne – – –.

Er trat sie einfach ab, ganz einfach – – –.

Das war im Sommer.

Später überfiel ihn die Sehnsucht – – im Herbst.

Sie hatte ihn gepflegt, sich an ihn angeschmiegt mit ihrem süßen Gazellenleib – – –.

Er schrieb ihr: »Komm zu mir – – –

Eines Abends im Oktober sah ich sie mit ihm in den wunderschönen Hausflur treten, in dem acht Säulen aus rotem Marmor schimmerten.

Ich grüßte sie.

Sie blickte mich an: »Das Leben liegt hinter mir, das Leben – –! Weißt du das?!«

Ich wußte es.

Ich kam zu dem ersten Friseur der Residenz.

Es roch noch immer nach Eau de Cologne, nach frisch gewaschenen Leinenmänteln und zartem Zigarettenrauch Sultan flor, Cigarettes des Princesses – –.

An der Kassa saß wieder ein junges Mädchen, mit braunen welligen Haaren.

Sie blickte mich an mit dem großen Triumphblick der Jugend – – – profectio Divae Augustae Victricis – – –: »Wer du auch seist, einer unter Tausenden, ich sage dir, das Leben liegt vor mir, das Leben – – –! Weißt du das?!«

Ich wußte es.

»Ah«, dachte ich, »ein Graf wird dich verführen – – – es kann aber auch ein Fürst sein!«

 


 

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