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Prosaskizzen

Peter Altenberg: Prosaskizzen - Kapitel 34
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typesketch
authorPeter Altenberg
titleProsaskizzen
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Über das »Drahn«

(in "Fechsung", Berlin 1915)

Sein Wesen und seine wirkliche Bedeutung im Lichte – – – der Drahrer!

Die meisten verstehen den Sinn dessen, was sie aus Ungezogenheit und Stupidität tun, nicht. Der Drahrer draht stupid. Das heißt, er opfert die Nachtruhe, Zeit, Geld, und noch etwas anderes, um zu drahn, d. h. um in einem marmorgetäfelten gut erleuchteten Räume mit Klavierbegleitung Barmädeln den Hof zu machen und gesehen zu werden von denen, die nicht genug Geld haben, um den Mädeln den Hof zu machen. Denn Hof kostet eine Unmenge »Drinks«, Zigaretten, Trinkgeld für die gestohlene, geraubte Zeit, für Langweile der unglücklichen Schönen, die zu allem nett lächeln müssen oder jedenfalls nicht allzu beleidigt sein dürfen, wenn er doch zu witzig und »fesch« werden sollte infolge des Alkohols!

Nein, drahn ist eine Regenerationskur, ein momentanes, wenn auch stundenlanges Ausspannen aus allem, was dich den Tag über bedrängt, gekränkt, geknebelt, gedemütigt hatte! Siehe, du wirst ein freier Mann! Kein Vorgesetzter, keine Verpflichtung, keine Familie, keine Frau, kein Kind, kein Gläubiger! Du bist dein eigener Herr, und, falls du generös bist, sogar beliebt und gern gesehen! Draußen freilich auf der dunklen Gasse, überfällt dich wieder deine eigene Nichtigkeit! Aber willst du ihr denn endgültig entrinnen?! Sei froh und dankbar, daß du auf sie vergessen durftest, konntest, von 1–4!

 


 

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