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Prosaskizzen

Peter Altenberg: Prosaskizzen - Kapitel 179
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typesketch
authorPeter Altenberg
titleProsaskizzen
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Stammgäste

(in "Semmering 1912", Berlin 1913)

Die »Stammgäste« eines Hotels haben eine eigentümliche Art von Sicherheit, die ein wenig an »Größenwahn« erinnert. Sie haben die Ansicht, daß alles glücklich sei, daß sie wieder da sind, und daß bisher in dem gesamten Hotelbetrieb eine Art von empfindlicher Stockung eingetreten sei, die nun glücklicherweise schwinden werde! Sie haben eine »falsche Liebenswürdigkeit« mit dem Bedienungspersonal, erkundigen sich nicht ungern nach Dingen, die sie nichts angehen. Auch ihre eventuellen »Beschwerden« gegen die Hotelusancen bringen sie in einem gütig-väterlich-wohlwollenden Tone an, als wollten sie das ganze Etablissement vor dem Ruine schützen! In J. war ein reicher Stammgast, der jeden »Eingeborenen« mit der Frage beglückte: »Nun, wie war der Winter bei Euch heuer?!« Obzwar ein jeder darauf mit Freuden geantwortet hätte: »Schmecks!«, so sagten doch alle, mit Rücksicht auf Trinkgelder, die niemals stattfanden: »Heuer besonders hart, gnä' Herr –.« Worauf der Stammgast leutselig erwiderte, daß dafür der Sommer zur Erholung, nämlich für ihn, diene!

Trotz aller dieser Eigenheiten möchte dennoch keine Gegend ihre Stammgäste missen, denn sie gehören dazu und machen das Ganze sogar heimlich, wie die Schwalben, die Störche und anderes stets wiederkehrendes Getier!

 


 

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