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Prosaskizzen

Peter Altenberg: Prosaskizzen - Kapitel 156
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authorPeter Altenberg
titleProsaskizzen
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Rückkehr vom Lande

(in "Neues Altes", Berlin 1911)

Nun ist es wieder Herbst geworden, und die Grabenkioske füllen sich zur Abendzeit mit wohlgepflegten und gebräunten Damen.

Man hätte so viel zu erzählen, und man schweigt!

Man ist wieder in diesem Gefängnis »Großstadt«.

Man träumt von Licht und Luft und Wasser.

Man war ein anderer, besser, menschlicher.

Nun geht man seinen Trab wie eh und je.

Man fühlt sich altern, schwerfällig werden, klammert sich an dieses unglückselige Wort: »Verpflichtungen«!

Die Wohnung will nicht in Ordnung kommen, und die Dienstboten kündigen.

»Die gnädige Frau war am Land viel netter zu uns – – –.«

Ja, das war sie.

Die Kellner in den Kiosken begrüßen alle Gäste wie Weltreisende, die vielfache Gefahren überstanden haben – – –.

Nun nehmen sie Soda-Himbeer im sicheren Port!

Die Deklassierten, die nicht fort waren, mischen sich in die Menge der Zurückgekehrten, als ob nichts vorgefallen wäre – – –.

Ja, sie haben sogar die naive Frechheit, zu behaupten, Wien wäre am angenehmsten, wenn alles »auf den Ländern« weile – – –.

Damen, mit den veredelten gebräunten Antlitzen, lasset euch nicht betrügen von dem Prunk der Großstadt! Erschauet in den Spiegeln eurer Gemächer einen Zug auf eurem Antlitz, den Licht und Luft und Wasser und Freiheit modelliert haben, und der nicht da war ehedem, und der verschwinden wird im Wintertrubel!

Komödie hier, Komödie dort vielleicht – – –.

Doch unter freiem Himmel ist das Theater schöner!

 


 

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