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Prosaskizzen

Peter Altenberg: Prosaskizzen - Kapitel 133
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typesketch
authorPeter Altenberg
titleProsaskizzen
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Der Ort K. nächst Wien

(in "Nachfechsung", Berlin 1916)

Ich nenne ihn nicht, meinen Liebling, den Ort K., obzwar Tausende Heilbedürftige ihn kennen und ihn eben nicht kennen. Frische feuchte Hügelketten zeigen nicht jedem ihre mysteriösen Reize, nur dem Liebevollen, nur Paula und mir! Die anderen führen ein gesichertes wohlgeordnetes edel-gesundes aber unbewußtes Leben, liegen punkt zehn zu Bett, wer weiß, ob bei weitgeöffneten Fenstern, daß der heilige feuchte kühle Atem der Waldhügelnacht eindringe! In geschlossenem Räume atmest du 300 Liter giftiger Kohlensäure aus und dann doch wieder ein. Man macht sorgfältig Kur, alles ist sorgfältig eingeteilt, keine Stunde ohne langsame Gesundung. Aber die Kur der Natur durchs Auge in die tiefen Seelennerven hinein, machen sie nicht, von morgens bis abends Franz Schubert-, S. Grieg-, Hugo Wolf-Stimmungen, durch feucht-kühle Hügellandschaft. Wasser ist heilkräftig in Form von Halbbädern 26 Grad bis 18 Grad herunter, in Form von raschen sanften kalten Abreibungen; aber das Wasser, das man liebevollst-träumerisch im murmelnden Bach, im stillen See, im Strom, im melancholischen Landregen betrachtet, ist heilkräftiger! Etwas um Gotteswillen müssen ja die Enterbten voraus haben vor denen, die geerbt haben! Die Seelenkranken vor den Körperkranken, die, die gesunden könnten, vor denen, die nie gesunden können!

 


 

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