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Prof. Eduard Hildebrandt's Reise um die Erde

Ernst Kossak: Prof. Eduard Hildebrandt's Reise um die Erde - Kapitel 9
Quellenangabe
typereport
authorErnst Kossak
year1867
firstpub1867
publisherOtto Janke
addressBerlin
titleProf. Eduard Hildebrandt's Reise um die Erde
pages1022
created20110425
sendergerd.bouillon@t-online.de
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VIII.

Von Colombo nach Candy. Der Mensch und der Kaffee. Eheschließung unter den Singhalesen. Der Zahn Buddha's. Ameisen im Mantelsack. Souper mit Prügel-Dessert.

Die landschaftliche Umgebung von Colombo ist jetzt, so weit es die regnerische Witterung der Insel gestattet, möglichst ausgebeutet, und ich muß mich beeilen, einen Ausflug in das Innere Ceylons zu veranstalten. Am 13. December lange vor Tagesanbruch erhob ich mich von meinem Schmerzenlager, packte meine Koffer, bezahlte die hohe Rechnung im Hotel, und machte mich um sechs Uhr auf den Weg nach Candy. Der Wagen war für vier Personen eingerichtet, aber von drei Engländerinnen besetzt, deren jede einen ungezogenen Jungen mit sich führte. Ich hoffe, diese Angabe wird zur Bezeichnung der Situation genügen. Nachdem die Morgennebel sich verzogen hatten und der Himmel erträglich klar geworden war, suchte ich von meinem beschränkten Sitz aus Einzelheiten der Gegend, wenn auch nur mit Bleistift, in meinem Notizbuch zu skizziren, doch ward ich vielfach durch die Fußtritte meiner drei jungen Reisegefährten gehindert. Der Weg von Colombo nach Candy ist von seltener Schönheit. Zwar führt er überall 100 zwischen Sümpfen hindurch, allein malerische Gebirgspartien beleben den Hintergrund, und die Flora und Fauna der Gegend wirken unablässig anregend auf die Einbildungskraft. Gruppen kolossaler alter Bäume mit einem abenteuerlichen Behang von Schlingpflanzen wechseln mit tiefen Abgründen und Wasserfällen, die zwischen bemoosten Felsspalten durchdrängen, hier gaukeln Schmetterlinge von wunderbarer Schönheit und Größe um seltsam geformte Blüthen, dort tauchen aus dem Waldesdunkel zwei Elephanten auf, die unter der Führung von Eingeborenen an der Verbesserung des Weges arbeiten. Gegen Mittag gelangten wir, indem das Terrain sich allmälig hob, in die Kaffeeregion. Der Weg führte fortwährend durch Reisfelder und Kaffeeplantagen, doch will ich gleich hier bemerken, daß man daraus nicht auf die Vortrefflichkeit des hier credenzten Kaffees schließen möge. So ausgezeichnet die edle Bohne auf Ceylon gedeiht; ich erinnere mich nicht, irgendwo auf meinen Reisen schlechteren Kaffee getrunken zu haben. Anderthalb Stunden vor unserer Ankunft in Candy wurden wir, etwa um 4 Uhr Nachmittags, von einem furchtbaren Regenschauer überrascht. Ich bin in allen Zonen und Höhen über der Meeresfläche eingeweicht worden, doch behauptet der Dunstkreis von Ceylon den Vorrang. Wir saßen in unserem an den Seiten offenen nur durch einige an den Fenstern baumelnde Leinewandfetzen geschützten Wagen, wie in einem Badebassin; das Wasser stürzte in einem Gießbach über den Tritt hinaus. Die kleinen englischen Knaben hielten sich bewunderungswürdig; sie entwickelten wahrhaft amphibische Seiten. Der Kleinste, der vielleicht auf der Insel geboren sein mochte, geberdete sich in dem 101 Sturzbade, wie ein Frosch nach wochenlanger Trockenheit, wenn der Himmel endlich seine Schleusen zieht, und doch hatte es schon beinahe zwei Monate hindurch täglich geregnet.

Im Hotel zu Candy wurde ich von der dicken Wirthin in ihrem sauberen, sehr elegant möblirten Boudoir freundlich genug empfangen, aber wie erschrak ich, als ich das mir angewiesene Gemach betrat. Es stand, gleich dem eben verlassenen Postwagen, unter Wasser, und ich muß sofort einen der vor dem Hotel umherlungernden Boys engagiren, um den Raum nothdürftig zu entwässern, und die Nacht in erträglicher Trockenheit zuzubringen. Mir gehen jetzt die Reize der tropischen Regenzeit auf, und ich fange an, den »Eingeborenen« bei Boz zu beneiden, der in einer immerwährenden Regenzeit, aber nur von Stiefelknechten lebte, die sein Herr, der englische Major, nach ihm schleuderte. Einer Beleuchtung meines Zimmers am ersten Abende nach meiner Ankunft bedurfte ich nicht, denn die Leuchtkäfer hatten sich durch die offenen Fenster in ungewöhnlicher Anzahl eingefunden, doch war diese an sich nicht unangenehme Gesellschaft mit anderweitigen Elementen versetzt, die mir immer den äußersten Widerwillen eingeflößt haben. Sobald ich den Boden eines außereuropäischen Continents betrete, mache ich mir zum Gesetze, sowohl Abends jeden Winkel des Bettes, wie Morgens jede Falte der an den Nagel gehängten Kleider zu untersuchen. Den unbekannten Stubengenossen ist in den Hotels zwischen den Wendekreisen niemals zu trauen. Meine Recherchen waren nicht unfruchtbar. Das Zimmer glich im Ganzen weniger einem menschlichen Aufenthalte, als einem Schweinestalle, das Bett wimmelte daher von Schwaben oder Kakerlaken (Cockroaches), 102 dem wiederwärtigsten Ungeziefer, das mich schon an Bord der indischen Dampfer zur Verzweiflung gebracht hatte. Gleich unter dem Kopfkissen fand ich mehrere Paare dieser abscheulichen Geschöpfe, die unähnlich den Singhalesen, im Zustande der Monogamie zu leben scheinen. Da der Saft der Cockroaches, wenn man sie tödtet, einen unleidlichen Gestank verbreitet, ist es kaum möglich, sich ihrer zu entledigen. In äußerster Niedergeschlagenheit flüchtete ich in das Gesellschaftszimmer des Erdgeschosses, aber hier war noch weniger Trost zu finden. An der Tafel saßen drei Kaffeeplantagen-Besitzer, Engländer von Geburt, doch drehte sich die Unterhaltung nur um das klimatische Fieber, mit dem meine Tischnachbarn behaftet waren, und die dagegen anzuwendenden Mittel.

Am Morgen des 14. December hatte der Regen aufgehört, doch waren die Berghöhen in der Umgegend Candys von dichten Wolkenballen belastet. Trotzdem begab ich mich, gegen die Nässe durch Gummischuhe geschützt, auf die Studienjagd, machte auf dieser indessen die unangenehme Bekanntschaft des Landblutegels. Diese Unholde stecken wie Schieferstifte in der feuchten Erde, kriechen den Menschen an und beißen, um zu seinem Blute zu gelangen, durch Strümpfe und Kleider. Ich ließ mich durch einen empfindlichen Biß, dem eine heftige Blutung folgte, nicht abhalten, meinen Weg nach dem berühmten Buddhatempel von Candy fortzusetzen und das Innere desselben in näheren Augenschein zu nehmen. An Cicerone's war kein Mangel, doch waren die Müssiggänger bei ihrer mangelhaften Kenntniß der englischen Sprache nicht zu brauchen. Ihr Vocabelvorrath bestand nur in zehn bis zwölf nichtssagenden Phrasen, 103 und auf die verschiedenartigsten Fragen erfolgte stets nur die Antwort: »Yes Sir! yes Sir!« Dennoch gehört die Mehrzahl dieser Subjecte zu dem Stande der Beamten, Polizei und Soldaten. Die meiste Bewunderung erregt auch in Candy mein solider Berliner Regenschirm. Stände mir ein zweites Exemplar zur Verfügung, ich würde den vortheilhaftesten Tausch mit Kleinodien des Tempels machen können, denn selbst die Priester müssen sich mit elenden chinesischen Papierschirmen, oder den Blättern der Fächerpalme begnügen. Nächst meinem Regenschirm mache ich selbst bei dem schönen Geschlecht von Candy Glück. Die jungen Damen, wenn sie die üblichen Blumenspenden zu den Gräbern ihrer Ahnen tragen, wo ich mich meiner Studien halber gern aufhalte, werfen mir so freundliche Blicke zu, daß ich fast in Versuchung geführt werde, mittelst der Geberdensprache eine nähere Unterhaltung anzuknüpfen. Eine derselben, eine hohe schlanke Gestalt, war trotz der lichtbraunen Gesichtsfarbe von großer Schönheit der Züge. Ihre nackten Arme und Füße – sie hätten jedem Bildhauer zum Modell dienen können – waren mit schweren goldenen Spangen geschmückt und in jedem Ohr trug sie vier Ringe mit Rubinen und Brillanten. Dennoch wage ich nicht, sie von allen Speculationen auf meine Börse freizusprechen, ohne ihr jedoch dergleichen geheime Absichten moralisch zur Last zu legen. In diese Naturmenschen ist ein Zug von Gemeinheit verwebt, eine Habsucht, die unter allen Umständen befriedigt werden muß. Darin stimmt der Indier mit dem Italiener vollkommen überein. Nach Ausbezahlung des bedungenen Lohnes verzichten sie nie auf ein Trinkgeld. Je bereitwilliger man es ihnen verabreicht, desto 104 begehrlicher setzen sie ihre Betteleien fort, legt man eine Kleinigkeit zu, so mag man die Hoffnung aufgeben, sie sobald loszuwerden; sie heften sich wie Kletten an die Fersen. Zwischen einem Hindu in Bombay oder Calcutta und einem Facchino in Neapel ist in dieser Hinsicht kein Unterschied.

Meinen Humor will ich nicht loben; die unaufhörliche Unterbrechung meiner Arbeiten im Freien durch die Regengüsse verdirbt mir jeden frohen Augenblick. Blickt freilich die Sonne durch das Wolkengewebe, schaart sich um meinen Malerdreifuß ein Haufe von braunen Maulaffen, so fehlt es nicht an Stoff zur heitersten Unterhaltung. Häufig habe ich mir beim Besuch der Begräbnißstätten Mühe gegeben, in den Gesichtern der Betenden eine Spur innerer gemüthlicher Vorgänge zu entdecken. Vergebens, es war in ihnen eben so wenig Unzufriedenheit und Kummer über die »Sansara«, die Welt des diesseitigen Leidens, wie Hoffnung auf den jenseitigen ewigen Frieden der »Nirwana« zu bemerken; nur meine irdischen Rupien versetzten die frommen Singhalesen sofort in die beste Laune. Es ist begreiflich, daß die europäischen Missionäre mit ihren, allen Anschauungen dieses Volks widersprechenden Lehren und Sittengesetzen unglaublich wenig ausrichten. Ehebündnisse werden z. B. überaus leicht geschlossen. Hat ein Singhalese gewählt, so richtet er an das Weib seines Herzens nur die Frage: »Willst Du den Reis für mich kochen?« Giebt sie eine bejahende Antwort, so ist die Ehe geschlossen, denn die wirthschaftlichen Geschäfte eines Weibes (des Wortes »Hausfrau« kann man sich nicht wohl bedienen), gehen über diese einfache Verpflichtung nicht hinaus. Die junge Gattin ist jedoch durch ihre Zusage nicht im Sinne eines 105 Jawortes nach dem Civilgesetzbuche gebunden. Erkundigt sich ein anderer brauner Gentleman nach ihrer Bereitwilligkeit, für ihn den Reis zu kochen, und hat ihr Geschmack gegen seine Persönlichkeit nichts einzuwenden, so übernimmt sie dasselbe Geschäft nebst allen ferneren Consequenzen auch für ihn, ohne daß der eheliche Friede dadurch beeinträchtigt würde. Nur einmal war ich Zeuge eines Zwistes. Er war in Folge einer kränkenden Frage entstanden, die ein Weib an ihre Freundin gerichtet. Diese lautete: »Für solch' einen Kerl kochst Du den Reis?!« und ist die schwerste Beleidigung, die einem weiblichen Geschöpf auf Ceylon angethan werden kann.

Schon bei meiner Ankunft in Point de Galle habe ich angeführt, daß die Insel Ceylon die Centralstelle des Buddhaismus ist; in Candy befand ich mich im Allerheiligsten derselben. Dicht an den hier befindlichen berühmtesten Tempel Buddhas grenzt der alte Palast der Könige von Candy, doch sind von ihm nur einige Ruinen übrig geblieben: der Tempel dagegen ist wohlerhalten. Er besteht aus einem zweistöckigen, aus gemischten Baumaterialien aufgeführten Gebäude, das in einem erhöhten Hofe liegt und von Colonnaden umgeben wird. An irgend welche Regelmäßigkeit des Styles ist nicht zu denken, und die statuarischen Verzierungen bestehen aus riesigen Elephantenzähnen, hunde-drachen-löwenartigen Gebilden und einigen Bildwerken Buddhas.

Der Gegenstand der höchsten Verehrung ist eine Reliquie, ein Zahn Buddhas, der in einem kleinen Hinterzimmer des thurmartigen Seitengebäudes aufbewahrt werden soll. Ich besichtige grundsätzlich niemals religiöse 106 Kostbarbarkeiten und Alterthümer, wenn ein hohes Honorar dafür gefordert wird, zudem verlangte der mir sonst wohlgesinnte Buddhapriester, seinem Range nach eine Art Diakonus, für die Besichtigung der Reliquie die für einen malerischen Reisenden unerschwingliche Summe von zwei Pfund Sterling. Auf den Genuß mußte daher verzichtet werden, doch erfuhr ich von einem der englischen Kaffeeplantagenbesitzer, der den angeblichen, in einer goldenen Lotosblume aufbewahrten Zahn Buddhas gesehen zu haben behauptete, daß er nichts weiter sei, als ein großer, mit Gold gefüllter Schweinezahn. Relata refero: mag mein Gewährsmann für seine Angabe aufkommen. Ich habe kein Interesse daran, die Reliquie zu verdächtigen.

In einiger Entfernung von Candy sollen in den Waldungen zerstreut noch mehrere sehenswerthe kleinere Tempel liegen, allein mehr die Unwegsamkeit der Pfade in der Regenzeit, als die Furcht vor den Eingeborenen, hält mich ab, ihnen einen Besuch abzustatten; ich überschreite ungern die Umgegend des Ortes. Einige hundert Schritte von den letzten Häusern beginnt sogleich eine Wildniß, in der man sich leicht verirren kann. Die Herren Ornithologen wollen mir hier eine Bemerkung gestatten.

In vielen Reisebeschreibungen aus den Tropen wird behauptet, daß der liebliche Vogelgesang der gemäßigten Zone in ihnen verstumme, und die Stimmen der hiesigen gefiederten Waldbewohner nur rauh und widerwärtig klängen. Ich habe dagegen an mehreren Tagen in den Morgenstunden unweit Candy den Gesang eines Vogels gehört, dessen Stimme unserer Nachtigall an Kraft und Annehmlichkeit nicht nachstand, doch gelang es mir nicht, seiner ansichtig 107 zu werden, oder seinen Namen von Engländern und Eingeborenen zu erfahren.

Am letzten Tage meiner Anwesenheit in Candy hatte ich des unaufhörlich vom Himmel fluthenden Regens halber das Hotel gar nicht verlassen. Ein Engländer mit einem ungewöhnlich schmutzigen Hemde benutzte diesen glücklichen Umstand, mich, ohne mir der Sitte nach durch einen Dritten vorgestellt zu sein, anzureden und alsbald um ein Darlehen von 60 bis 80 Pfund Sterling zu bitten. Der Petent beabsichtigte nach Hause zu reisen und vorher seine Schulden zu bezahlen, die Physiognomie des Mannes strafte seine Worte Lügen; ich hätte ihm, auch wenn mir eine so hohe Summe zur freien Verfügung gestanden, einen abschlägigen Bescheid ertheilt. Um ferneren Quälereien zu entgehen, zog ich mich in mein Zimmer zurück und ordnete meine Sachen für die bevorstehende Rückreise nach Point de Galle. Als ich meinen Mantelsack ergriff und ihn öffnete, quoll mir eine runde schwarzbraune Masse von der Größe eines Kopfes daraus entgegen, ein Anblick, der mir sogleich ein Uebelbefinden verursachte, das erst einem heftigen Erbrechen wich. Die Masse bestand in einem Ameisenschwarm, der vor der Nässe des Zimmers in dem Mantelsack Schutz gesucht hatte. Die letzte Nacht in Candy in einem feuchten Bette und der Gesellschaft von Kakerlaken will ich nicht beschreiben, ebenso wenig die Rückfahrt von Colombo auf dem Kutscherbock. Nur den Preis der Fuhre werde ich zur Ermunterung der thüringischen Fuhrleute nicht verschweigen; er betrug zwei Pfund Sterling für eine kaum zwölfstündige Fahrt.

Im Hotel Royal angekommen, verfiel ich zum ersten 108 Male auf meiner Reise in einen Zustand von moralischer Schwäche. Die Hitze und Nässe der Tage in Candy hatte meine sonstige Spannkraft so vermindert, daß Todesgedanken in mir aufstiegen. Ich glaubte nicht mehr bis Point de Galle zu kommen, wo ich im Falle einer Krankheit doch immer auf die Pflege des guten Consul Sonnenkalb zählen konnte, die Sehnsucht nach den Meinigen, nach der Heimath erwachte in mir; ich befand mich wirklich sehr übel. Die Hoffnung, am nächsten Tage den Weg nach Point de Galle im Wagen zurückzulegen, gewährte mir einigen Trost, ich genoß eine heiße Suppe, trank eine halbe Flasche Champagner, eine Schale Kaffee und fuhr in einer verdeckten Equipage eine Stunde lang in der frischen Seeluft am Strande spazieren. Dieses diätetische Verfahren bewährte sich. Wohlthätig angeregt von der grandiosen Scenerie der Brandung, welche die ganze Insel in ihren Fluthen begraben zu wollen schien, kam ich nach Hause und brachte die Erlebnisse der letzten Tage vollständig in meinem Tagebuche zu Papier. Unterdessen schnarchte mein Boy auf der platten Diele vor der Thür, und selbst die Tändeleien der Eidechsen und Cockroaches um seine Zehen, Finger und Ohren vermochten ihn nicht zu ermuntern.

Das abscheuliche Wetter des 18. December hielt die ganze Nacht hindurch an und bereitete mehreren Schiffen den Untergang; auch eine prächtige nordamerikanische Bark, »Neu-Schottland«, die wir auf hoher See vor Bombay getroffen, scheiterte an dem Strande von Colombo. Ich hörte die Nothschüsse des Schiffes im Nachtdunkel, aber als der Tag graute, trieb der tobende Wogenschwall schon Bretter, Fässer, Masten, Ballen, Segel und Flaggen ans Land; 109 die Mannschaft war längst ums Leben gekommen. Die Post wartete nicht auf ihre Passagiere und ich fuhr, ohne mich länger aufzuhalten und Erkundigungen einzuziehen, nach Point de Galle. Hier herrschte reges Leben, der französische Dampfer mit den Japanesen war angekommen, das Hotel wimmelte von Seeoffizieren und ich erneuerte meine Bekanntschaft mit mehreren derselben, die ich in Stettin kennen gelernt. Doch sollte auch dieser vielversprechende Abend nicht friedlich enden. Nach Tisch entspann sich nämlich zwischen Engländern und Franzosen eine Prügelei, vor der ich mich auf den Rath des erfahrenen Wirthes, sogleich in meine Gemächer zurückzog. Am liebsten hätte ich mich bei meiner Ermüdung nach der anstrengenden Tagesfahrt zu Bette gelegt, allein das leicht gebaute Haus erbebte unter dem rasenden Tumult im Erdgeschoß, und erst, nachdem mehrere Stunden später die Polizei herbeigekommen war, die Blessirten aus dem Gefecht auf die Wache gebracht und zum Schutz der bis dahin mit Prügeln Verschonten eine Abtheilung im Hause zurückgelassen hatte, wagte ich Neuling auf einem solchen Knotenpunkte des Weltverkehrs, mich der Kleider und Stiefel zu entledigen. 110

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