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Prof. Eduard Hildebrandt's Reise um die Erde

Ernst Kossak: Prof. Eduard Hildebrandt's Reise um die Erde - Kapitel 2
Quellenangabe
typereport
authorErnst Kossak
year1867
firstpub1867
publisherOtto Janke
addressBerlin
titleProf. Eduard Hildebrandt's Reise um die Erde
pages1022
created20110425
sendergerd.bouillon@t-online.de
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I.

Von Berlin nach Alexandria. Gepäckproblem. Neptun. Corfu. Der erste Seeräuber der Reise. Alles seekrank. Amina und der erste Bassist. Hotel de l'Europe.

In der künstlerischen Thätigkeit des Landschaftsmalers wird Jeder den sehnlichsten Wunsch meines Lebens begründet finden, den Erdball zu umschiffen und die Phänomene, welche das Meer, die Luft und das Festland unter den verschiedenartigsten Himmelsstrichen hervorbringen, aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Seit einer Reihe von Jahren hatte ich mich auf die Ausführung meines Planes vorbereitet und mit der betreffenden Fachliteratur bekannt gemacht. Die Mehrzahl meiner Mußestunden war dem Studium der englischen Reiseschriften gewidmet gewesen. Auch in praktischer Beziehung konnte ich kein Neuling heißen; meine bisherigen Reisen schienen mir in propädeutischer Hinsicht ausreichend zu sein, das große Unternehmen zu wagen. In den Jahren 1844–1845 hatte ich Süd- und Nordamerika, 1847–49 Madeira, die canarischen Inseln, Spanien und Portugal bereist; in Italien, Aegypten, Syrien, der Türkei und Griechenland war ich 1851–52 gewesen, im Jahre 1856 hatte ich endlich eine Reise nach dem 2 Nord-Cap unternommen. Obgleich mit den einander widersprechendsten Klimaten vertraut, und bisher unberührt von ihren nachtheiligen Einwirkungen, konnte ich mich doch gewisser unheimlichen Gefühle nicht erwehren, wenn ich meiner Erlebnisse im Orient und der Schilderungen der indischen Reisenden gedachte. In solchen Augenblicken ist man besonders geneigt, seine nächsten Angehörigen zu Rathe zu ziehen, und ich verdanke es wesentlich der Zusprache meines in Stettin lebenden Bruders Julius, wenn ich mich rascher zur Abreise entschloß, als ich ungeachtet aller getroffenen Vorbereitungen ursprünglich Willens gewesen war.

Jenes Agens, dessen man zum Reisen eben so nothwendig bedarf, wie zur Kriegführung: das Geld, befand sich in allen jenen Formen und Transscriptionen, welche der heutige hochausgebildete Weltverkehr bedingt, in meinen Händen, mit den für Ausübung meines Berufs erforderlichen Materialien hatte ich mich längst reichlich versehen, über meinen Gesundheitszustand brauchte ich mich nicht zu beunruhigen, und hinsichtlich der Entbehrungen und Strapazen war ich auf das Aergste vorbereitet.

Am 11. September 1862, Abends 6½ Uhr, begleitete mich mein Bruder zur Anhaltischen Eisenbahn, eine Umarmung, noch ein Händedruck, und ich befand mich unterwegs. Es liegt immer etwas Komisches darin, wenn ein Weltumsegler als seine erste Station Dresden bezeichnet, als Bewohner des Binnenlandes und nach Anlage meines Reiseplanes war es jedoch unmöglich, Elbflorenz zu umgehen und Nachts um 12 Uhr kam ich im Hotel Bellevue an. Heute würde ich um zwei Stunden zeitiger eintreffen; vor drei Jahren glaubte ich rasch genug befördert zu sein. 3 Am Vormittag des nächsten Tages verabschiedete ich mich von Raphaels Sixtinischer Madonna und Rembrandts bekanntem Ganymed, den ich nach dem unfreiwilligen Erguß, den ihm der Schreck über den gewaltthätigen Adler auspreßt, den ersten Luftschiffer nennen möchte, und fuhr um 12 Uhr Mittags nach Prag ab.

Zwar habe ich mir schon bei der Anordnung meines Gepäcks vorgenommen, den Männern der Wissenschaft nicht in das Handwerk zu pfuschen, und mich in meiner zwanglosen Reisebeschreibung lediglich auf das künstlerische und culturhistorische Gebiet zu beschränken, allein es ist mir unmöglich, gewissen Gelegenheiten auszuweichen, die mich eben auffordern, das Gutachten der Gelehrten einzuholen, doch begnüge ich mich, in gerechter Erwartung einer Erklärung von competenter Seite, die nackte Thatsache mitzutheilen. Hatte das Gewicht meines Gepäcks auf dem Berliner Bahnhofe 160 Pfund betragen, so stieg es von Dresden bis Prag auf 170 Pfund, und von hier aus bis Wien sogar im Verhältniß der Hebung des Terrains auf 175 Pfund. Viele Reisende wollen dieselbe Beobachtung gemacht haben, während wieder andere eine Verminderung der Schwere ihrer Koffer in Süd- und Südwestdeutschland wahrgenommen zu haben behaupten. Jedenfalls liegt hier ein Problem vor, das ich im Interesse aller, an Ueberfracht leidenden Touristen den Naturforschern sämmtlicher Gepäckexpeditionen empfehle.

Da ich mich sehr wohl fühlte, und das Wetter nichts zu wünschen übrig ließ, verweilte ich nicht in Wien, sondern fuhr gleich mit dem Nachtzuge nach Graz weiter. Ueber unsere Hotel-Abfütterung an diesem schön gelegenen Orte 4 vermag ich nicht viel Gutes mitzutheilen, doch lernte ich hier eine löbliche Einrichtung kennen, die mich schon auf den Orient und seine berüchtigten Plagen vorbereitete. Neben jedem Teller und Besteck lag ein Fliegenwedel, dessen der Couvertinhaber unstreitig zur Abwehr des zudringlichen Ungeziefers nothwendiger bedurfte, als jener occidentalen Geräthschaften zur Verkleinerung der wenigen aufgetragenen Speisen. Wahrscheinlich hatte der Hotelbesitzer den Küchenzettel in weisem Vorbedacht geschmälert, seinen Gästen nicht die Freuden der Fliegenjagd zu verkümmern. Ich darf nicht verschweigen, daß das Gewicht meines Gepäcks bei der abendlichen Abfahrt von Graz wieder auf 150 Pfund sank! Die Nachtreise nach Triest war in Gesellschaft einiger liebenswürdigen Wiener Damen zweiter Klasse (Wagenklasse) äußerst angenehm, und am 15. September, Morgens acht Uhr, stiegen wir bei unvergleichlichem Wetter in dem prachtvoll am Meere gelegenen Triester Hotel de la Ville ab, wo ich von einem lieben Freunde und seiner Familie empfangen wurde.

Gleich beim ersten Anlauf zu einer so weitschichtigen Reise über meine Triester Ausflüge und Skizzen mich ausführlicher zu verbreiten, halte ich für unangemessen. Lectüre von Poste restante-Briefen aus der Heimath, Studium des Himmels, der während einer halben Woche alle Nüancen zwischen dem reinsten Ultramarin und der unsaubersten Maculatur durchlief und eine Aquarelle des Schlosses Miramare; darin bestand die Quintessenz meines Aufenthaltes in Triest.

Schon am 18. September war bei einem Himmel, den der Soldat und Landschafter »Commißhimmel« nennt, 5 stürmisches Wetter gewesen; am 19. September blies bei kaltem Regen eine widerwärtige Bora; auch am 20. September machte ein fliegender Sturm die Abfahrt noch so bedenklich, daß die Lloyd-Compagnie um 8 Uhr Morgens den heutigen Abgang ihres nach Alexandria fälligen Dampfers Neptun zweifelhaft ließ. Meine Ungeduld trieb mich jedoch schon um 9 Uhr an Bord. Ich zahlte das Reisegeld erster Klasse von 16 Pf. Sterling; von Stunde an besserte sich das Wetter, und um halb 11 Uhr stachen wir in Gegenwart einer großen Zuschauermenge in See.

Die Zahl der Passagiere des Neptun betrug vorläufig nur sechs und dreißig, und bestand aus Italienern, Franzosen, einem Engländer mit seiner schönen Tochter und einigen Indiern. Dann war eine Missionsgesellschaft aus Basel mit einer schwarzen Kindsmagd, wie das dazugehörige Männchen und Weibchen sich gut schwäbisch auszudrücken beliebten, vorhanden, im Ganzen zehn Köpfe stark. Drei der Damen waren auf photographischem Wege Braut geworden und eilten nach Indien und Malabar in die Arme ihrer künftigen Gatten, eines Schullehrers, Leinewebers und Geistlichen.

Fern am Horizonte tauchten mehrere Gewitter empor, die See ging ungewöhnlich hoch, aber der Dampfer, ein »tüchtiges Seeboot«, nach Angabe des Steuermannes, drängte gewaltig durch den wüsten Wogenschwall, die Verpflegung an Bord genügte und die Reisegesellschaft blieb für den ersten Tag von der Seekrankheit verschont.

Gleich vielversprechend begann nach einer leidlich ruhigen Nacht der zweite Tag, die Sonne brach schon frühe durch das wirre Wolkengespinnst, der Wind war günstig und der 6 Capitän befahl, die Segel aufzuziehen. Wir fuhren zwischen vielen kleinen reizenden Inseln hindurch, an der Küste von Dalmatien entlang, aber die See ging höher, immer höher, das Schiff rollte gewaltig und die Mehrzahl der Passagiere streckte das Gewehr. Ich mußte alle meine Selbstbeherrschung aufbieten, um nicht bei dem Anblick der schrecklichen Kämpfe der schwarzen Kindsmagd ihrem unglücklichen Beispiele zu folgen.

Nach leidlich überstandener zweiter Nacht waren wir am Morgen des 22. September in Sicht von Corfu; die Küste von Montenegro blieb in einer Entfernung von drei Seemeilen zur Linken liegen. Um sieben Uhr erlebten wir ein Beispiel der grenzenlosen Unbedachtsamkeit und Nachlässigkeit der Seeleute in den griechischen Gewässern. Hart am Neptun segelte eine griechische Brigg mit dichtgerefftem Marssegel vorüber, an Bord derselben, selbst am Steuerrade, war jedoch keine lebende Seele zu bemerken. Ich nahm mein scharfes Fernrohr zu Hilfe, ohne ein menschliches Wesen zu entdecken. Wahrscheinlich lag die gesammte Mannschaft, Capitän und Steuermann in den Hängematten, und überließ die Brigg unbekümmert ihrem Schicksal.

Vor Corfu kreuzte eine englische Fregatte, und um ein Uhr gingen wir bei strahlendem Himmel und tiefblauer See vor Anker; es traten wichtige Veränderungen unter den Passagieren ein. Zu unserem gerechten Leidwesen verließen der Engländer und sein reizendes Töchterlein das Schiff, dafür nahmen wir zwei Schlachtochsen und eine italienische Sängertruppe, außerdem Steinkohlen, Südfrüchte, Fische, zwei Juden aus Jerusalem, Granatäpfel, Schwefelhölzer, Melonen, Türken, Feigen, mehrere kleine Kinder, 7 schwarze Seife und Milch an Bord. Die Zahl der Passagiere reichte jetzt über fünfzig hinaus. Durch den unerwarteten Zuwachs kam nächstdem regeres Leben unter die Reisegefährten. In erster Reihe bemühte sich die Primadonna der Gesellschaft, leidenschaftliche Empfindungen in den Herzen der männlichen Reisenden zu erwecken, doch gelang es ihr nicht, den an und für sich keinesweges tadelnswerthen Zweck zu erreichen. Ihre Intentionen wurden nicht allein durch vorgerücktes Lebensalter, sondern auch durch mehrere braune und blaue Flecke im Gesicht, die sie sich durch einen Fall auf der Schiffstreppe zugezogen hatte, schwer beeinträchtigt. Unsere abergläubischen Matrosen machten inzwischen ihre Glossen über zwei Franziskanermönche, die noch zuletzt von Corfu an Bord gekommen waren. Nach ihrer Meinung durften wir von jetzt an nicht mehr auf erträgliches Wetter hoffen; die Anwesenheit der Geistlichen machte alle frohen Erwartungen zu Schanden. Nichtsdestoweniger brachten uns die armen Mönche am 23. September einen unvergleichlich schönen Sonnenaufgang nebst einer frischen Brise, und schon gegen Mittag segelten wir ganz nahe an Navarin und dem Gebiet der berühmten Seeschlacht vorüber. Der Humor an Bord war so vortrefflich und für höhere seemännische Belustigungen so empfänglich, daß unser italienischer Capitän zum Vergnügen eines hohen Adels und verehrungswürdigen Publikums etwas draufgehen zu lassen beschloß. Schon seit geraumer Zeit war ein griechischer Pirat, ein kleiner Schoner, bemerkt worden, der den Neptun, wie eine Mücke das Gewebe der Kreuzspinne, umgaukelte, aber sich stets in angemessener Entfernung hielt. Der Capitän gedachte, dem 8 lüsternen, aber vorsichtigen Seeräuber eine kleine Lection zu ertheilen. Er befahl, mit voller Dampfkraft auf ihn loszusteuern, als beabsichtige er, ihn in den Grund zu bohren. Um ihn von der Redlichkeit unseres Willens zu überzeugen, wurden außerdem von Zeit zu Zeit blinde Kanonenschüsse auf ihn abgefeuert; es war ein jämmerliches Schauspiel. Der Pirat riß aus, wie eine, vom Revierjäger und seinen Hunden im Forste aufgetriebene wilddiebende Katze, aber der Neptun, ein eben so schnelles, wie starkes Schiff, war ihm unablässig auf den Fersen. Die geängstigte Mannschaft, die ihr böses Gewissen wohl von der Gerechtigkeit unseres argen Verfahrens überzeugen mochte, rannte auf dem Verdeck in Verzweiflung hin und her; durch mein Fernrohr erkannte ich ihre verzerrten Gesichter. Immer mehr näherte sich ihnen der mächtige Neptun. Noch fünfzig oder hundert Fuß weiter und die schmutzige Nußschaale mußte unter seinem Kiel verschwinden. Da im entscheidenden Momente ließ der Capitän eine Schwenkung machen, der Schoner glitt auf dem Rücken einer Woge an unserem Bug vorüber; die ganze Mannschaft lag mit gefalteten Händen auf den Knieen, oder bat mit Gebehrden um Gnade. Einige Kerle mit besonders confiscirten Gesichtern hatten zur Erhöhung des Eindrucks Mönchskutten angelegt, die weiß Gott durch welches Verbrechen in ihre Hände gelangt waren. Bald darauf salutirten wir das nach Constantinopel bestimmte Dampfschiff »Erzherzogin Caroline« und um vier Uhr Nachmittags begegneten wir einem anderen, aus Aegypten kommenden Dampfer. Der Meeresgott schien unsere, an den griechischen Piraten verübte Thierquälerei übel vermerkt zu haben, denn der Wind wurde contrair, 9 und in schweren Wogen wälzte sich die See über Bord. Von den Passagieren stand keiner mehr auf den eigenen Beinen; auch ich, so wenig ich zur Seekrankheit disponirt bin, fühlte mich nicht wohl. Unerträglicher Kopfschmerz, Schwindel, Flimmern vor den Augen und Uebelkeit verkündeten mir, daß der Moment der Tributzahlung an den Pathen des Schiffes gekommen sei. Kleinlaut kroch ich um 7 Uhr in's Bette; es war darin nicht auszuhalten. Eine Stunde später stand ich auf und suchte in der Kajüte eine Tasse Thee einzunehmen. Aber schon auf der Schwelle verging mir sofort aller Appetit. Thee-Service, Teller, Flaschen, Stühle und Passagiere flogen und rollten auf dem Fußboden in einer aus unbeschreiblichen Ingredienzien gemischten Tunke umher; ich floh voller Abscheu und verhüllte mein Haupt in die Tücher der Bettstatt. Die ganze Nacht hindurch rang ich mit der Seekrankheit. Wenn die Anfälle mir etwas Ruhe gönnten, wurde ich durch die Jammerlaute der Reisegefährten wieder aufgeschreckt. Aus allen Regionen des Dampfers wurden klägliche Hülferufe an Götter, Götzen und Heilige adressirt. Das Juden- und Christenthum, einige Muselmänner und ein paar Brahmanen wandten sich um Hülfe flehend an ihre unsichtbaren Patrone.

Der Sonnenaufgang des 24. September brachte uns Erlösung von unseren Leiden. Der Wind legt sich, das Wehgeheul der Gläubigen und Ungläubigen verstummt und ich fühle mich wieder ganz wohl. Dank der normalen Beschaffenheit meines Magens frühstücke ich mit vortrefflichem Appetit, die übrigen Passagiere kommen jedoch nur nach und nach zum Vorschein. Die italienische 10 Operngesellschaft zeigt sich erst in den späteren Nachmittagsstunden auf dem Verdeck, denn die See ging den ganzen Tag über hoch genug, es war für keinen Neuling rathsam, mit leerem Magen, in das wilde Getümmel der Wasser zu blicken. Schon auf meiner ersten Seereise hatte mich die Wahrheit der Bemerkung des alten Kant überzeugt, der auf seiner Fahrt über das frische Haff die Beobachtung gemacht haben wollte, daß die Seekrankheit den Menschen hauptsächlich durch eine Irritation der Sehnerven überkomme. Ob zwischen Fischhausen und Pillau, oder auf der Höhe von Candia, die Sache bleibt sich gleich; das Betragen und Gebehrdenspiel der Primadonna assoluta hätten den Ausspruch des großen Philosophen unfehlbar bestätigt. Am Arme des ersten Bassisten näherte sie sich langsam dem Vordermaste, gleich Amina in der Sonnambula, blickt sie starr vor sich hin, da rollt eine mächtige See heran, der Dampfer hebt sich, das Bugspriet richtet sich wie ein Mast empor: die Primadonna erblaßt und umklammert angstvoll und krampfhaft den armen Bassisten. Um die Herrlichkeit seines grünen, reich mit Schnüren verzierten Rockes, der einst einem polnischen Flüchtling gehört haben mochte, ist es für immer gethan, und selbst der Regen, der, eine Seltenheit in diesen Gegenden, eben beginnt, wird seine Sauberkeit nicht wiederherstellen.

Am 25. September, Abends fünf Uhr, waren wir in Sicht von Alexandria, aber es war offenbar zu spät, in den Hafen zu laufen, und wir mußten uns darin finden, noch zwölf Stunden Angesichts des Festlandes umherzukreuzen und von der wilden See hin- und hergeworfen zu werden. Endlich am 26. September, früh Morgens 11 7 Uhr, kam ein ägyptischer Lootse an Bord und eine Stunde später stiegen wir in Alexandria an's Land. Ich enthalte mich der Beschreibung des bekanntem Wirrwarrs bei der Ausschiffung unter dem unverschämten Andrange des orientalischen Gesindels und bemerke nur, zum Besten der Vergnügungsreisenden, daß ich für die Fahrt nach dem Hotel de l'Europe incl. meines Gepäcks, dem Kutscher, einem Neger, einen Thaler zahlen mußte, ebenso daß die Tour von fünf Minuten an bis zu einer Stunde, mit vier englischen Schillingen, einem Thaler zehn Silbergroschen, berechnet wird. Ich stattete auf dem preußischen Consulat einen Besuch ab, wurde mit großer Zuvorkommenheit empfangen, und fand bei meiner Rückkehr im Hotel ein ausgezeichnetes Dejeuner aufgetischt, bestehend aus trefflichen Seefischen, Hammelrippen, Tauben und frischen Südfrüchten, Melonen, Feigen und Datteln. Der französische Rothwein war trinkbar und brauchte bei der Temperatur des Ortes nicht erst künstlich erwärmt zu werden, allem Anschein nach ließ sich im Lande der Pharaonen noch immer so leidlich leben, wie ich es schon im Jahre 1852 gefunden hatte.

Dem dienstthuenden Schwarzen gebot ich, einen zweiten Lehnstuhl heranzurollen und streckte beide Füße darauf aus, schnell war ein Tschibuk in Brand gesteckt und eine heiße Tasse Kaffee eingeschenkt – von Berlin bis Alexandria – der erste Schritt war gethan! 12

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