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Prinz Kuckuck

Otto Julius Bierbaum: Prinz Kuckuck - Kapitel 35
Quellenangabe
typefiction
booktitlePrinz Kuckuck
authorOtto Julius Bierbaum
year1980
publisherLangen Müller Verlag
addressMünchen - Wien
isbn3-7844-1806-6
titlePrinz Kuckuck
pages3-8
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1906
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Diese Betten!

»Dieser Junge ist förchterlich!« sagte Frau Sanna, als Henfel ihnen ihr Zimmer gezeigt hatte und hinuntergegangen war.

»Er macht mir den denkbar übelsten Eindruck,« erwiderte Jeremias.

»Sollte man ihn nicht lieber in eine christliche Erziehungsanstalt geben?« meinte die sorgende Mutter Karls und Bertas.

»Das hieße kleinmütig handeln, Sanna,« entgegnete Jeremias. »So unwahrscheinlich mir der Erfolg ist, wir müssen versuchen, ihn uns anzugliedern.«

Frau Sanna verstand: »In Gottes Namen, Jeremias, aber es wird ein schweres Stück Arbeit werden.«

– »Jäten, Sanna, jäten! Das Unkraut ausreißen mit der Wurzel! Hast du dir seine Augen angesehen? Hast du den gleißenden Wurm in ihnen erblickt?«

Frau Sanna genierte sich, zu bekennen, daß sie ihn nicht bemerkt hatte, und zog es vor, sich jetzt über die Üppigkeit des Zimmers aufzuhalten.

»Dies ist nun nur das Gastzimmer!« bemerkte sie. »Man sollte meinen, Henry sei an abscheuliche Besuche gewöhnt gewesen. Diese Betten!!« Sie hob die seidenen, mit Spitzen besetzten Decken hoch und ließ sie mit einer resignierten Geste fallen... »Diese unmäßig hohen Spiegel! Diese – Gerätschaften!« Ihr beleidigter Blick streifte ein Bidet. »Und dieser Toilettentisch! Es ist eine Impertinenz, einer anständigen Frau ein derart ausgestattetes Zimmer anzuweisen!« Dabei war ihr Blick noch nicht einmal auf die Tiziansche Venus gefallen, die Herrn Hauarts Freund für ihn kopiert hatte. Als sie dieser ansichtig wurde, wollte sie, obwohl jetzt nur ein gestrickter Unterrock die untere Partie ihrer Leiblichkeit bedeckte, unverzüglich das »Lotterzimmer« verlassen.

»Laß dich nicht ärgern!« mahnte Herr Jeremias, »tu es mir nach und wende deinen Blick ab von dem Greuel!«

Er sah wirklich nicht hin. Jeremias war kein Tartüff; nur ein richtiger Mucker: keine Schönheit rührte ihn an.

»Verhänge sie wenigstens!« gebot Frau Sanna.

– »Sie wird rechtzeitig auf den Speicher kommen, verlaß dich darauf, sobald ich als Vormund bestellt bin. Bis dahin: Schweigen.«

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