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Prinz Kuckuck

Otto Julius Bierbaum: Prinz Kuckuck - Kapitel 141
Quellenangabe
typefiction
booktitlePrinz Kuckuck
authorOtto Julius Bierbaum
year1980
publisherLangen Müller Verlag
addressMünchen - Wien
isbn3-7844-1806-6
titlePrinz Kuckuck
pages3-8
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1906
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Die Heimat mit der habsburgischen Enklave

Als Henry Felix die österreichische Staatsangehörigkeit erhielt (vorher schon längst mit seinem Gelde der Partei sehr wertvoll geworden und bestens willkommen geheißen als einstweilen stiller Teilnehmer und Förderer ihrer Interessen), bewohnte er bereits ein altes, aus neuadeligem Besitze erworbenes Schloß in Niederösterreich, zwei Bahnstunden von Wien entfernt, in einer Gegend, die als eine sichere Domäne der Partei betrachtet, aber gerade damals eifrig von gegnerischen Agitatoren heimgesucht wurde. Ein Parteiangehöriger von der lebhaften Beflissenheit und dem großen Reichtum des Grafen mußte hier, als Schloßherr und somit einflußreichster Mann des Wahlkreises, der Partei sehr wertvoll sein, und so war es denn auch die Partei gewesen, die, mit dem Pater Cassian als ihrem Mittelsmann, Henry Felix bewogen hatte, gerade dieses Schloßgut zu erwerben, mit dem auch das Kirchenpatronat verbunden war. Dafür war der Graf dann für die nächsten Reichsratswahlen, die drei Jahre nach seiner Naturalisierung bevorstanden, als Kandidat der Partei in Aussicht genommen.

Es hatte sich also alles nach seinen und seines Beichtvaters Wünschen entwickelt, und Henry Felix durfte mit Sicherheit darauf rechnen, bald als christlich-sozialer Reichsratsabgeordneter in das Haus mit den als antike Rauchaltäre maskierten Kaminen einzuziehen. Er brannte auf den Wahlkampf, wie ein feuriges Roß auf die Schlacht, und übte sich jetzt schon vor dem Spiegel Reden ein, in denen die Parolen seiner Partei gewaltig klirrten und krachten oder lieblich säuselten und warben, – je nachdem es die Gelegenheit erheischen mochte. Er war auf jede Gelegenheit und gegen jeden Gegner gerüstet. Er hatte gemütliche, leutselige, biedere Reden voll sozialer Versprechungen und christkatholischen Väterhausrats für die Bauern, darin es auch kräftige Witzworte und breite Wendungen von knorrigem Kalenderholzschnittstil gab, – zumal gegen die Juden; er hatte aber auch hallende, schallende, zornmütige Reden voll Wucht und Empörung für die Gegner, in denen Hohn, Verachtung, Grobheit, Herausforderung miteinander wechselten und Schlagwort auf Schlagwort niederprasselte im Dreschflegeltakt, – wiederum am heftigsten auf die Juden. Alle seine Reden aber gipfelten, wenn sie die Hauptnotwendigkeit des rücksichtslos bis zur Vernichtung geführten Kampfes gegen das Judentum so oder so erledigt hatten, in einem inbrünstigen Werberufe für Rom und Habsburg. »Das Reich Gottes, aufgebaut auf dem Felsen Petri, und das Reich der Habsburger, aufgebaut auf göttlichem Rechte und der Liebe jedes wahrhaben Österreichers, – diese zwei Reiche, verehrte Anwesende, sind unsre Heimat, in der, für die wir leben und sterben wollen als gute Katholiken und treue Diener Seiner Majestät unseres erhabenen Kaisers.«

Seit seiner Gymnasiastenzeit, wenn er Aufsätze zusammengeschmiedet hatte aus Phrasen, die ihm selber über den Kopf wuchsen, aus dem sie nicht ursprünglich gekommen waren, war er nicht so glücklich gewesen wie jetzt, – da er ja auch im Grunde das gleiche tat und schließlich zu demselben Zwecke, obwohl er sich dessen nicht bewußt war –: eine gute Zensur zu erhalten. Damals vom Herrn Professor, jetzt vom Beichtvater und der Partei. Dieses Fahnenschwingen fremder Meinungen (worin nicht wenige Zeitgenossen einen intensiven Genuß fanden, da sie es für eine Beschäftigung mit Idealen hielten und in dem Wind, den sie erzeugten, das Wehen eigener Kraft zu verspüren glaubten) tat ihm gewaltig wohl; – jetzt schon, da es noch innerhalb seines Spiegelzimmers geschah und er sein einziger Zuhörer war: optisch freilich zu einer Volksversammlung von Tausenden vervielfältigt, die jede seiner Bewegungen getreulich wiederholten, so daß um ihn herum ein Meer von stürmisch bewegten gelbseidenen Schlafröcken wogte.

Dieses Spiegelarrangement, obwohl es durchaus das Gepräge seines Geistes trug, stammte nicht von ihm her, sondern vom zweitletzten der Besitzer des Schlosses vor ihm, einem Armeelieferanten aus der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, gleich ihm von dunkler, vermutlich auch jüdischer Herkunft, gleich ihm geadelt für Verdienste seines Geldbeutels, gleich ihm schwarz-gelb bis zur Verzückung.

Henry Felix lächelte über diesen seinen Vorgänger in der Biedermeierzeit, von dessen Wunderlichkeit noch immer sonderbare Reden im Volke gingen, wie er sich selbst in Schloß und Park und Beweisen dieses wunderlichen Wesens noch umgeben sah. Der biedermeierische Armeelieferant hatte entweder einen heroischen Tick oder die Gabe der Selbstironie in hohem Grade besessen. Er, der sich am Kriegshandwerk nur durch Lieferung von Fourage und Kleidungsstücken beteiligt hatte, weit entfernt davon, Gut und Blut zu opfern, vielmehr klug und mit großem Erfolg darauf bedacht, den brüllenden Mars, der im Schlachtgewühl und am Biwakfeuer wenig Zeit und Lust zum Nachrechnen hatte, durch den stillen Merkur für sich schröpfen zu lassen; er, der namenlose, waffenlose Mann hinter der Front, der nur Wagenzüge dirigierte und Zahlenkolonnen kommandiert, kein Blut, aber viele Rollen Goldes gesehen hatte, die in seinen Händen zu Marschallstäben des Reichtums wurden: er – umgab sich, als er sein Schäfchen im Trocknen hatte, mit Erzbildern von Löwen und Kriegshelden und erblickte seinen Ehrgeiz darin, neben den Lenkern der Schlachten – begraben zu werden, an denen er sich von seinem Kontor aus profitabel beteiligt hatte. In seinem Grund und Boden, erworben mit dem Profite, den ihm das Völkerringen abgeworfen hatte, ruhten zwei der siegberühmtesten Feldherren seines Landes und seiner Zeit von ihren Taten aus, – und er zwischen ihnen von seinen Geschäften. Sie in erzenen Särgen, ausgestreckt, wie es ruhmmüden Leichen geziemt, er aber in einer vergoldeten Ritterrüstung, sitzend: gewissermaßen noch immer zum Sprunge bereit, – ein prachtvolles Symbol der ewig wachen Macht des Geldes. Er hatte ihnen, die auch darin Helden waren, daß sie heldenmäßig viel Geld brauchten, zu ihren Lebzeiten ihre Leichen abgekauft: – sich, seinem Leichnam zur Folie. Und so saß nun das kleine Biedermeiergerippe, den molligen Schlafrock des guten Geschäfts um die Schultern, darüber und darum aber das vergoldete Eisen in seiner adeligsten Form: als Kriegsrüstung, zwischen den hingestreckten Skeletten in Feldmarschallsuniform: Mammon zwischen seinen Gehilfen.

Henry Felix lächelte über seinen Vorgänger in Schlafrock und Ritterrüstung, lächelte über die vielen metallgegossenen Löwen des Armeelieferanten, lächelte über die großen seidenen Sonnenschirme des Biedermeiers, die noch jetzt in den alten schönen Empireschränken des Schlosses lehnten, keiner ohne Silberplatte mit dem Wappen des frischbewappneten Ritters vom großen Portemonnaie, – lächelte und übersah, wie vieles von alledem recht gut zu ihm paßte, der solange eine Fürstenrüstung aus dem billigen Golde der Einbildung getragen, seine persönliche Kümmerlichkeit mit allerhand Attributen der Größe ausstaffiert und den gräflichen Namen für noch geringere Leistung erhalten hatte. Dafür wurde er um so ernster und nachdenklicher, wo es höchstihm gefiel, Beziehungen zu sich zu finden, – oder, da er ja nun etwas bescheidener geworden war, zu seiner Bestimmung.

Da war eine Art Siegestor en miniature (mit dem obligaten, etwas zu groß und zu schwer ausgefallenen Löwen darauf, denn die schmächtigen Pfeiler schienen nicht darauf berechnet, ein so grimmiges Ungetüm aus Blei zu tragen), an dem sich (wie auch über der Tür zum Weinkeller und anderswo) eine rätselhafte Inschrift befand: geheimnisvoll aneinander gefügte Buchstaben ohne ersichtlichen Sinn. Aber: die Bevölkerung hatte, wer weiß nach welchem phantastischen Dechiffrierungssystem, wohl einen Sinn herausgelesen. Nämlich den, daß diese Aufschrift besagen sollte: der Errichter dieses Löwen-Siegestores, der aus dem Dunkeln aufgetauchte Armeelieferant, sei ein Sohn des Kaisers Josef II. gewesen.

Henry Felix besaß viele Fantasie, kam aber dennoch nicht dahinter, inwiefern die Buchstaben gerade dies bedeuten mußten. Indessen war seine Fantasie groß genug, schon in der Tatsache dieser Auslegung wiederum einen Beweis dafür zu erblicken, daß der schwarz-gelbe Faden in seinem Leben noch nicht abgerissen sei. Er sann oft genug darüber nach, ob es nicht doch am Ende wahr sein könnte, vielleicht sogar mußte, was das Volk aus dieser Inschrift herauslas. Die merkwürdige Freundschaft des Namenlosen mit Radetzky, dem berühmtesten Helden des damaligen Österreich...? Die Überlassung von dessen Leichnam an ihn...? Die Übernahme des Geländes mit dem Grabe in den Besitz der Krone...?

Denn dieses Gelände, ein kleiner Berg, auf dem sich nicht allein das Grabgewölbe mit der Viktoriasäule, sondern auch eine Art Ruhmestempel, sowie eine Unmasse von militärischen Denkmälern aus den Kriegen befand, an denen sich der unermüdliche Denkmalserrichter mit Lieferungen beteiligt hatte, war nach Radetzkys Tode von dem glühenden Patrioten dem erhabenen Erzhause unter der Bedingung dargeboten worden, daß auch sein Leichnam dereinst darin ruhen sollte, und die Allerhöchste Gnade hatte geruht, das patriotische Opfer anzunehmen und damit gleichzeitig zu gestatten, daß der dafür zum Ritter erhöhte Armeelieferant einmal in kaiserlichem Grund und Boden beerdigt werde.

Und nun bildete dieser kaiserliche Besitz eine mit schwarzgelben Barrieren abgeschlossene Enklave seines Gutes.

War das nicht eine fortwährende Mahnung? War das nicht ein Symbol für die habsburgische Enklave seines Herzens?

Und nun gar dies: Auf diesem Gelände erhoben sich Standbilder sämtlicher Fürsten aus dem Hause Habsburg, darunter das erste, das dem regierenden Kaiser in der Öffentlichkeit errichtet worden war, ihn als blutjungen Herrscher im ersten Jahre seiner Regierung darstellend.

Zufall? Zufall, daß er gerade dieses Schloßgut hatte erwerben müssen? Ein Gut mit einer schwarz-gelben Enklave, wo der Retter Österreichs aus dunkelster Gefahr ruhte...? Alle Habsburger in Erz gegossen standen?... Dessen ehemaliger Besitzer für den Sohn eines österreichischen Kaisers galt?

So befand sich sein Gemüt wieder einmal im Wirbel oberflächlicher, nicht zugrunde, nicht ausgefühlter und darum ewig schwankender, unklarer Gefühle – wohl in einem Nebel, der diesmal seinen goldenen Rand von einer Selbstgefälligkeit mit der Etikette göttliche Gnade erhielt.

Aber auch sein Leib befand sich wohl. Seine Art Wollust war hier in der Tat ebenso zu Hause, wie die selbstgefällige Nachgiebigkeit seines Geistes. In seinem Schlosse umgab ihn die weichliche Atmosphäre der guten alten Zeit des guten alten Österreich, sybaritische Behaglichkeit, mollig geschmackvoller Luxus, üppiges Wohlleben aller Sinne: Wohlleben ohne den Geist der großen Lebenskünstler jener Epoche, die ihren Höhepunkt zur Zeit des Wiener Kongresses hatte, als man endlich wieder beginnen konnte, sich gemütlich zu strecken und zu dehnen, da die elektrische Spannung über Europa, die Napoleon hieß, auf eine Insel im Meere isoliert war.

Es war kein falscher Instinkt (obwohl er ihn fälschlich als christlich und habsburgisch empfand), der Henry Felix veranlaßte, als erstes eine Säuberung seines Schlosses von allen den Napoleonreminiszenzen vorzunehmen, deren es zahlreiche in ihm gab.

Alles übrige ließ er, wie es war, denn es war alles recht wie für ihn geschaffen und bereitet. Nur brachte er an jeder Türe Weihwasserbecken, in jedem Zimmer ein Kruzifix, eine Weihrauchpfanne und eine ewige Lampe an.

Diese Gegenstände des kirchlichen Kultus hielten ihn jedoch nicht davon ab, die einzelnen Zimmer nach seinen früheren Freundinnen zu benennen und zahlreiche neue in ihnen zu empfangen.

Er trieb sein altes Wesen wie früher (nur daß er es heimlich trieb), und gieriger noch, als je vordem. Aber er nannte es jetzt Sünde und beichtete nachher. Was seiner Wollust nicht Eintrag tat, sondern sie verdoppelte.

Nie hatte er den geblümten, seidenen Schlafrock so oft getragen, wie jetzt. Aber er war nun mit Flaumfedern gefüttert. Dazu schmückte ihn das Hauskäppchen Radetzkys, eine durchaus nicht heldenhaft stilisierte Kopfbedeckung, die der begeisterte Armeelieferant gleich einem Heiligtume in dem Zimmer aufbewahrt gehalten hatte, das seinem berühmten Freunde immer reserviert gewesen und oft von ihm bewohnt worden war. Es wurde zum eigentlichen Wohnzimmer des Grafen, da alles in ihm: Möbel, Tapeten, Vorhänge, Teppiche, die heiligen Farben schwarz-gelb zeigte.

Hier empfing er nur die obersten Favoritinnen – ausschließlich Mädchen und Frauen aus den österreichischen Kronländern. Da es innerhalb dieses politischen Rahmens an Rassenabwechselung nicht fehlte, war diese patriotische Beschränkung der intimsten und intensivsten Tätigkeit des Grafen auf das schwarz-gelbe Revier nicht eigentlich ein Opfer zu nennen. Allein die Prüfung der verschiedenen slawischen Völkerschaften Österreichs auf ihre erotische Begabung: ein Studium, das den Grafen besonders anzog (jedoch nur in der Richtung auf die slawische Weiblichkeit, denn die liebevolle Beschäftigung mit Männern verwarf Henry Felix jetzt als heidnische Unfläterei aufs heftigste), nahm ein paar Jahre lebhaftester Aktivität in Anspruch. Der Graf schwankte lange, ob er der Polin oder der Tschechin die Palme reichen sollte. Jene lag ihm eigentlich mehr, denn er fand bei ihr häufig eine ihm sehr zusagende Mischung von plötzlich ausbrechendem Temperament und einer gewissen müden Lässigkeit im nachzitternden Aushalten, Ausdehnen der Wonne; aber diese besaß dafür eine Gabe, die ihm schließlich nicht minder schätzenswert erschien und für die er in einem inspirierten Momente das Wort Sumpfrausch gefunden hatte. In seinem Tagebuch, das jetzt ausschließlich mit derartigen Beobachtungen und darauf folgenden Bußlitaneien angefüllt wurde, fand sich darüber der Passus: »Mit der Tschechin ist es wie das Waten in einem warmen Sumpfe zwischen geilfetten Blüten von unerhört schamlosen Formen auf schenkelhaft üppigen Stielen. Ein Dunst, ein Brodem wie von animalischem Moder – schmutzig, schwül, aber narkotisch berauschend. So tierhaft, daß das Gemeine naiv wirkt. Ungeheuer profus. Libussa: die Strömende...« – Indessen erhielt schließlich doch weder die Polin noch die Tschechin die Palme, sondern die Ruthenin. Daran war eine ruthenische Tänzerin schuld, die er als Mitglied einer Nationaltanzgesellschaft im Orpheum gesehen und am selben Abend in sein Schloß gefahren hatte, wo sie dann über ein Vierteljahr lang das Unterste zu oberst kehrte und den Grafen so sehr um die Besinnung brachte, daß er sich öffentlich vor seinen Bauern mit ihr zeigte und in dieser Frist sämtliche Parteikomiteesitzungen versäumte. Auch seine religiöse Inbrunst ließ während dieser Monate, die er später »die abgöttische Periode« nannte, entschieden nach. Dafür wurde er an diesem Mädchen wieder einmal zum Dichter.

Welch eine Wonne das war! Er, der dick und bis zur Unbeweglichkeit faul Gewordene, konnte wieder, wenn die Verse auf das Papier niedergeraschelt waren, vom Stuhle aufspringen und mit hingerissenen Schritten durch die ganze lange Zimmerflucht des ersten Stockwerkes eilen, daß der wattierte Schlafrock in weite Schwingungen kam und Radetzkys Hauskappe mit der schwarz-gelben Quaste verwegen auf die Seite rutschte. Das schwammige Gesicht, jetzt ins Österreichische stilisiert durch Bartkoteletten à la Franz Josef, rötete sich; die großen kugeligen Augen, sonst nur im Zorn so erschrecklich vortretend, purzelten fast heraus vor Entzücken; aus der fatal massig und niederhängig gewordenen Nase, die ihm im Profil etwas von einem ramsköpfigen Pferde gab, kam ein Schnaufen, das wie Asthma klang, aber Begeisterung war. Alle die vielen zuckerbutterigen Mehlspeisen, alle die schweren Weine (zum Teil noch aus des Armeelieferanten Keller), all das altösterreichische Wohlleben, all das versessene katholische Seelenwonnenweh, – alles, was ihn fett und bei allem Behagen doch stumpf und schwer gemacht hatte, schien, für diese köstlich leichten Momente wenigstens, in seinen Wirkungen aufgehoben durch den Anhauch der Muse.

– Welch ein Dichter hätte ich werden können! dachte er sich in diesen Tagen zuweilen. Und: das ist mein größtes Opfer; daß ich auf diese Wonnen verzichte um meiner höheren Bestimmung willen.

Aber er hätte noch lange nicht darauf verzichtet, wenn ihm Pater Cassian nicht bedeutet hätte, daß sein Lebenswandel ärgerlich zu werden begönne und es um so dringender nötig sei, die auffällige und anstößige Person aus dem Hause zu tun, als der Wahlkampf vor der Türe stehe.

Und Henry Felix wachte aus seinem Rausche auf: dem letzten, der ihn seine Art Glück noch einmal hatte genießen lassen.

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