Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Martin Luther >

Predigten durch ein Jahr

Martin Luther: Predigten durch ein Jahr - Kapitel 4
Quellenangabe
typespeech
authorMartin Luther
titlePredigten durch ein Jahr
senderandreas.janssen@gmx.co.uk
created20010526
Schließen

Navigation:

Am vierten Sonntag nach Trinitatis

Lukas 6,36 bis 42

Darum seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr auch nicht verdammt. Vergebet, so wird euch vergeben. Gebt, so wird euch gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, da ihr messet, wird man euch wieder messen. Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Mag auch ein Blinder einen Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen? Der Jünger ist nicht über seinen Meister; wenn der Jünger ist wie sein Meister, so ist er vollkommen. Was siehst du aber einen Splitter in deines Bruders Auge, und des Balken in deinem Auge wirst du nicht gewahr? Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder: halte still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem Auge ziehen; und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuvor den Balken aus deinem Auge und besiehe dann, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest.

Im heutigen Evangelium lehrt uns unser lieber Herr Christus seine Jünger und uns alle, wie wir uns gegeneinander verhalten und christlich leben sollen. Denn wenn wir gläubig geworden sind, und nun den Namen haben, daß wir Christen heißen, die durch den Herrn Christum von Sünde, Tod und allem Unglück er rettet sind: da soll danach ein neues Leben folgen, daß wir tun, was er von uns begehrt. Dieses neue Leben faßt er in das einige Wort, da er spricht: «Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.»

Nun weiß aber jeder Mann wohl, was barmherzig heißt, nämlich, ein solcher Mensch, der gegen seinen Nächsten ein freundlich, gütig Herz trägt, Mitleid mit ihm hat, und sich seiner Not und Unglückes, es betreffe seine Seele, Leib und Gut, mit Ernst annimmt, und sich so zu Herzen gehen läßt, daß er denkt, er ihm helfen kann. Beweist dies auch mit der Tat und tut es mit Lust und Freude gern. Ein solches Herz, sagt der Herr, sollt ihr gegen jedermann haben, daß es nicht eine Barmherzigkeit ist, wie der Sünder und Zöllner ist: die üben auch (wie Christus kurz vor diesen Evangelium sagt) Barmherzigkeit unter einander, liebt einer den anderen, erzeigt einer dem anderen Wohltat und Freundschaft, leiht einer dem anderen; aber solches tun sie darum, daß sie Gleiches wieder nehmen. Das ist eine falsche Barmherzigkeit, die darum Gutes tun, daß sie wieder Gutes oder Besseres empfangen.

Wir aber, so wir Christen sind, sollen barmherzig sein, wie unser Vater im Himmel: nicht allein gegen die, die unsere Freunde sind, sondern gegen jedermann, auch gegen die, so uns feind sind und verfolgen, auch wenn wir denken, sie sind es nicht wert, daß er ihnen ein freundliches Wort zu sprechen. Wie wir auch erfahren, wie schwer uns das wird. Ei, sprechen wir, was geht mich der Bube an, er hat mir die dies oder das getan, ich erkenne sein unnützes Maul wohl, warum sollte ich ihm helfen? Ich wollte eher, daß ihn die Läuse fräßen. Also will unsere Natur immer uns auf eine falsche Barmherzigkeit ziehen, welcher nur auf unsere Mitgenossen geht, die mit uns Büberei treiben; mit den anderen wollen wir nichts zu schaffen haben.

Dieses ist meine Meinung nicht, spricht Christus; sondern wenn euch gleich eure Nächsten beleidigt haben, wollt ihr Christen sein, so denkt, daß ihr barmherzig seid, und so barmherzig, wie euer Vater ist, sonst könnt ihr nicht seine Kinder, noch meine Brüder sein, der ich euch mit meinem Blut von Sünden und Tod erlöst habe. Denn das müßt ihr alle bekennen, daß ihr eurem Gott und Vater im Himmel alles Leid und viel Verdruß getan habt, und seine Gebote nicht gehalten, ja, alle über treten habt, so hätte er Ursache genug zu sagen: Sollte ich meinen Sohn für solche bösen Buben geben? Zum Teufel mit ihnen, in den Abgrund der Hölle; denn sie fürchten, lieben und Vertrauen mir nicht, ja, verachten, lästern und hassen mich, schwören und fluchen bei meinem Namen, verfolgen und verdammen mein Wort, sind den Eltern und Obrigkeit ungehorsam, sind Mörder, Ehebrecher, Diebe, Geizhälse, Wucherer, Meineidige, in der Summe, sie tun alle Übel, darum laß sie da hin fahren, wo sie hingehören. Also könnte Gott, spricht Christus, zu euch auch sagen: aber er tut es nicht, sondern über alle eure Bosheit fährt er zu und ist gütig und gnädig, gibt nicht allein Leib und Leben, Essen und Trinken, Weib und Kind, Nahrung und alle Notdurft zu diesem Leben, sondern auch seinen Sohn und das ewige Leben.

Solche Barmherzigkeit sollt ihr auch lernen üben. Denn wo schon jemand dich beleidigt, und getan hat, das dir nicht gefällt: was ist das gegen dem, daß du so oft und schwer gegen Gott getan hast? So nun Gott eine so große Barmherzigkeit hat, daß er seinen Feinden seinen eingeborenen Sohn schenkt, daß sie durch ihn erlöst werden von der Sünde und Tod; begibt uns dazu Seele, Leib, Gut und alles, was wir bedürfen, da er ja eigentlich Strafen ja, Hagel, Donner, Blitz und höllisches Feuer, und noch viel mehr Unglück schicken sollte: so lerne du auch an diesem Beispiel, daß du sagen kannst: Ob mich wohl dieser oder jener stark beleidigt hat, daß ich ihm wünschen würde es sollten ihn die Maden fressen, so will ich es doch nicht tun. Denn dieses wäre nur eine heidnische, und nicht eine christliche Barmherzigkeit. Hat er mir Übel und Unrecht getan: nun, wer weiß, wie ich es verdient hätte. Ich will ihn darum jetzt nicht, da er meiner Hilfe bedarf, laufen lassen; denn ich sehe, daß er Hilfe bedarf und ich ihm helfen kann. Also tut mein Vater im Himmel doch auch mit mir.

Man sieht, was für ein großer Frevel in unserem Volk überall ist, jeder will für seine Arbeit und seine Ware soviel Geld haben, wie er nur bekommen kann. Jedermann sammelt Geld, schlemmt und praßt, belügt und betrügt daneben einer den anderen, wo er nur kann. Dieses sollte wohl eine Unlust machen, wenn sie in eine Not kommen, daß man denken würde: Das ist richtig, damit die Buben müde werden. Aber ein Christ soll nicht so tun, sondern sagen: Was liegt mir daran, ob sie gleich böse sind? Dieses soll mich nicht bewegen, daß ich auch wollte böse sein, ich will tun wie ein guter Baum. Wenn man die Früchte abbricht, die er getragen hat, über ein Jahr bringt der andere, und zürnt darum nicht, also will ich es auch tun. Habe ich dir zuvor Gutes getan, und du bist und dankbar gewesen und hast mir dagegen Böses getan; damit sollst du mich nicht bewegen, daß ich auch sollte böse werden. Du bist ein Dornstrauch, der nichts weiter kann als stechen, so bleibe es, darum will aber ich keiner werden, sondern ein feiner, fruchtbarer Weinstock bleiben und gute Trauben bringen. Denn also tut mein Vater in Himmel auch: Der gibt bösen Buben genau so, als Frommen und Gerechten, Vieh, Ochsen, Eier, Butter, Käse, Haus, Hof, Geld, Gut, Leib und Seele, Frieden, schönes Wetter, und was man bedarf. Er läßt die liebe Sonne leuchten, obwohl wir wohl verdient hätten, daß er höllisches Feuer herunter regnen ließe. Aber er tut es nicht: er will kein Dornstrauch werden wegen unseres Undankes willen; sondern spricht: Wollt ihr nichts anderes denn böse sein, so will ich doch gut bleiben, meine Sonne, meinen Regen über Böse und Gute gehen lassen.

Das ist das Beispiel, welches unser lieber Herr Christus uns zeigt, daß wir in solcher Frömmigkeit auch bleiben, und anderer Leute Bosheit uns nicht dazu verleiten sollen, daß wir auch böse werden, wie es in der Welt geschieht, die rächt sich, bezahlt gleiches mit gleichem. Das soll unter den Christen nicht sein, sondern sollen sagen: Du bist ein Dornstrauch, hast mich übel gestochen; aber um deiner Sünde willen will ich nicht auch zu einem Dornstrauch werden, sondern dir in deiner Not alles Gute tun; dazu Gott für dich bitten, daß er dir solches vergeben, und dich aus dem Dornstrauch zum schönen fruchtbaren Weinstock machen wolle. Das heißt: «Seid barmherzig, wie euer Himmlische Vater barmherzig ist,» der seinen ärgsten Feinden das allerbeste tut.

Nun muß man aber solches also verstehen, daß man nicht denke, Gott will alle Strafe verboten und hinweg haben. Denn Christus predigt hier seinen Jüngern, die kein Regiment hatten. Die Kinder im Hause, die Bauern im Dorf, die Bürger in der Stadt, die Politiker in der Regierung, da verhält es sich anders, denn im Haus regiert Vater und Mutter, im Dorf der Richter, in der Stadt der Bürgermeister usw. die Kinder im Haus, die Bauern im Dorf die Bürger in der Stadt, die Politiker in der Regierung sind alle gleich untereinander, deswegen sollen sie diese Regel untereinander halten, welche der Herr hier gibt, daß keiner dem anderen soll übles tun, sondern untereinander barmherzig sein. Wo aber die Personen ungleich sind, als, Politiker in der Regierung gegen das Volk, der Richter über die Leute, da soll man keine Barmherzigkeit gegen die bösen brauchen, sondern das Böse strafen. Also sollen die Eltern nicht barmherzig sein gegen die Kinder, wenn sie böse sind, sondern strafen, was zu strafen ist, und nichts übersehen. Das fordert Gott von ihnen; und wo Sie es nicht tun, müssen sie Gott harte Rechenschaft dafür geben.

Also geht dieser Befehl Christi von der Barmherzigkeit allein auf die, die gleich sind. Wo aber ungleiche Personen sind, der soll ein jeder seines sonderlichen Befehls warten, und sich die Barmherzigkeit an solchem Befehl nicht hindern lassen. Aber wo gleiche Personen sind, Bürger gegen Bürger, Bauer gegen Bauer, Kind gegen Kind, da soll ein Christ sprechen: Du hast mir Leid und Übel getan, daß dir es Gott vergebe; aber ich habe dich darum nicht zu strafen. Das heißt Barmherzigkeit.

Wo nun dir weiter Leid geschieht, so sage es deinem Vater, Richter, Bürgermeister, und sprich: Daß und das tut mir der; auf das du nur nicht richtest noch urteilst. Also soll kein Kind das andere, kein Bauer, kein Bürger den anderen schlagen, kein Mensch soll den anderen übervorteilen; sondern es soll der Obrigkeit angesagt werden: Dies und das ist mir widerfahren, ich aber soll es nicht strafen, denn ich habe das Amt dazu nicht. Das heißt denn auch eine Barmherzigkeit, wo man dies ordentliche Mittel sucht bei denen, die dazu die Macht haben, daß den bösen Buben der Mutwillen genommen wird. Also tat Josef. Der sah viel Unrecht von seinen Brüdern, aber er selbst straft es nicht, denn es war ihm nicht befohlen; sondern sagte es dem Vater an: Vater, so tut Simeon, so tut Levi; ihr mögt zusehen und wehren. Das war recht und wohl getan, und ein sonderliches Werk der Barmherzigkeit. Aber er verdiente Ungunst, Haß und Neid damit. Denn seine Brüder konnten es nicht glauben, daß er es so gut mit ihnen meinte und so ein großes Werk der Barmherzigkeit an ihnen täte. Denn mit solchem Ansagen half Josef der Seele vom Teufel und dem Leibe vom Henker.

Also solle es unter den Kindern und Menschen auch noch gehen, daß niemand sich selbst räche, sondern aus sanftem und nicht bitterem Herzen der Herrschaft, den Eltern oder Herrn es sage, was für ein Unrecht geschehen ist. Damit hilft eins dem anderen an Leib, Geld und Gut, ja auch an der Seele, daß du nicht mehr so faul, unachtsam, untreu bist, sondern dich besserst. Darum soll das junge Volk solche Barmherzigkeit lernen, wenn dir ein Leid geschieht, oder du etwas schlechtes siehst, daß du nicht dazwischen schlagen, sondern sagst: Es ist mir leid, ich wollte, du hättest es nicht getan. Solches heißt ein Gebet für deinen Nächsten getan. Danach kannst du hingehen, und dem sagen, der die Macht hat es strafen, daß er es bessern und ändern soll, und den Befehl hat, daß er als tun soll. Denn Gott hat Leute genug dazu verordnet, nämlich, Richter, Herren, Vater, Mutter, Pastoren, und zuletzt auch die Henker, die sollen die Untugend strafen. Die anderen, so in diesen Ämtern nicht sind, sollen es ungestraft lassen und Barmherzigkeit beweisen, das ist, beraten und helfen, womit sie können.

So sollen wir nun wohl merken, daß dieser Befehl hier geht gegen gleiche Personen, wo keiner über den anderen Macht oder Befehl hat. Wo aber ungleiche Personen sind, ist einer Vater, der andere Richter, der dritte Amtmann, die sollen gegen ihres Gleichen auch Barmherzigkeit beweisen; aber nicht gegen die Untertanen. Denn da steht der sonderliche Befehl, daß sie das Übel an den Kindern, Volk und Untertanen strafen sollen. Aber wo gleiche Personen sind, die sollen gegen einander ein freundlich, gütig, mitleidendes Herz tragen, helfen, vermahnen, ansagen; das heißt christlich gelebt. Ob man dich aber darüber schimpfen würden, wie die Kinder und das Volk pflegen, und dich einen Verräter heißen, das schadet nicht. Denke du, daß du ein Feigenbaum oder guter Weinstock bleibst, und las dich nur nicht zu einem Dornstrauch machen. Also tut die liebe Sonne auch: die sieht jetzt manchen Menschen an, der die vergangenen Nacht gestohlen hat, wo er die Ehe gebrochen hat, und dennoch bleibt sie eine schöne Sonne, ob du gleich ein schwarzer Teufel, und einer Sünde wegen nicht wert bist, daß sie ansehen solltest. Denn Sie denkt so: Wenn ich doch auch deine Bosheit sehen mußte, so will ich doch einmal auch zu sehen, daß man dich an den Galgen hänge. Jetzt lachst du meiner und ich muß dir zu deiner Bosheit leuchten; aber was gilt es, wenn du dich nicht besserst, ich werde dir auch einmal zu deiner Strafe leuchten?

Die Erfahrung lehrt uns, daß keine Untugend und Bosheit von Gott ungestraft bleibt. Denn wer Vater und Mutter entläuft, der entläuft doch den Henker nicht. Du mußt entweder büßen und dich bessern, oder gewiß auf die Strafe warten; denn Gott will nichts ungestraft lassen, wo nicht Besserung folgt. Mancher Mörder und Dieb wird nicht gefaßt, zieht aus dem Lande, und entgeht so eine Zeitlang der Strafe; wo aber keine Besserung folgt, so findet es sich letztlich wunderbarer Weise, daß er doch der Obrigkeit in die Hände läuft und seinen Lohn empfängt. Denn das Sprichwort fehlt nicht: Den Eltern können böse Buben entlaufen, aber dem Henker können sie nicht entlaufen. Darum was der Vater nicht zwingen kann mit der Rute, daß soll des Henkers Strick und Schwert zwingen. Willst du dich an die Lebensstrafe nicht kehren, so leide die Todesstrafe, die ist dein verdienter Lohn.

Also wollte der Herr Christus gern, in das wir ein gutes Leben führten, und gute Werke unter einander täten, die rechtschaffen, und nicht ein schlechter Schein wären. Er befiehlt deswegen, wir sollen barmherzig sein, nicht wie die Heiden, die barmherzig sind gegen die, von welchem sie wieder eine Hilfe erwarten, daß also eine Hand die andere wasche. Nicht so, sondern wie der Vater im Himmel, der schüttet mit Haufen herunter, was wir bedürfen, daß die ganze Welt genug hat zu nehmen: nicht allein die Frommen, die hätte er an einem Tage alle bezahlt; sondern auch den Bösen. Darum läßt er seine Güte nicht versiegen, obwohl der meiste Teil böse und undankbar ist, ja, die Bösen bekommen dabei sogar noch den besseren Teil.

Diesen, spricht Christus, setze ich euch, die ihr meine Christen seid, zum Exempel, daß ihr nicht allein euren Freunden helfet; solche Frömmigkeit will ich wohl unter den Heiden bekommen: sondern auch Feinden, wie ihr seht, daß euer Vater die Sonne jedermann leuchten läßt, auch den Mördern, Dieben, Ehebrechern, bösen Buben, Bürgern und Bauern, die es wohl wert wären, daß sie mit den Augen die liebe Sonne nicht sehen sollten. Er tut es aber nicht, er will seine Gnade nicht um der Leute Bosheit willen nicht versiegen lassen.

Also, spricht er, tut ihr auch, laßt euch nicht erzürnen, zieht die Hand nicht zurück, wie die Welt pflegt, und sagt: Ja, es ist alles verloren, was man den Menschen tut. Das ist falsch geredet. Freunden dienen, ist nichts besonderes, denn die Heiden selbst sind so lange freundlich und hilfreich, solange sie wieder auf eine Hilfe hoffen und spüren. Wenn aber die Hilfe nicht kommt, so versiegt auch die Wohltat. Da sieht man es dann öffentlich, daß es nicht ein Quell oder ein lebendiger Brunnen der Liebe, sondern nur Wasser in den Sand getragen und eine heidnische Hilfe. Ihr Christen müßt schon mehr tun, und unverdrossen sein zu helfen, auch euren Feinden, obwohl ihr Undank verdient, und denken: Wollen sie undankbar sein, nun gut, da ist Gott, der hat noch so viel Teufel, so viel böser Buben auf Erden, so viel Wasser, Feuer, Pest und andere Plagen, damit er strafen kann; der wird das rechte Maß dazu finden. Weil ich nun weiß, daß es nicht ungestraft bleiben kann, so will ich ein süßes, mitleidiges Herz, daß zu raten und zu helfen bereit ist, behalten. Dieses heißt dann ein christliches Herz und christliche Liebe, welche die Heiden nicht haben, denn sie helfen nur dann, wenn sie dadurch Dank und wieder eine Hilfe erwarten. Die Christen aber sollen ein solches Herz und Liebe haben, die, wie eine lebendige Quelle, nicht auszuschöpfen ist, noch versiege, obwohl sich die Wohltat, wie das Wasser in den Sand verliert und umsonst ist. Nun geht unser Heiland weiter, und teilt solche Barmherzigkeit in einige Stücke, und spricht: Richtet nicht, so werdet ihr nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

Der Herr wollte gern, daß wir rechtschaffene Christen würden, die nicht mit Worten den Glauben und das Evangelium rühmen; wie die Leute jetzt tun, die evangelisch sein wollen und viel von Christus sagen und wissen, aber wenn man es recht besieht, ist nichts dahinter. Täuscht also der meiste Teil, auch die, welche das Evangelium haben und hören, sich selbst und fahren zum Teufel mit ihrem falschen Glauben. Solchen Unrat wollte Christus gern wehren; stellt uns deswegen nicht ein fremd, unbekannt, sondern seines Vaters und unser eigenes Exempel vor, daß wir selbst erfahren haben, daß er so mit uns gehandelt hat, und sagt: wir sollen mit anderen Leuten auch so tun.

Denn wir sind ja alle im Gericht Gottes und in der Verdammnis gewesen, unserer Sünde wegen. Was hat nun unser Vater im Himmel getan? Ist es nicht wahr, er hat dich weder richten noch verdammen wollen, sondern dir deine Sünden vergeben, und die Hölle und Verdammnis hinweg getan, und dich zu Gnaden angenommen? Solch ein Beispiel hast du an dir unter deiner eigenen Person; dem folge und tue gegen andere auch so: so bist du denn ein rechter Christ, der du ein Christ und glaubst, deinen Nächsten nicht richtest noch verdammst, sondern ihm gern vergibst, was er gegen dich getan hat.

So du es aber nicht tun willst, sondern mit dem Schalksknecht, Matthäus 18, dort Gnade empfangen und hier einen anderen dieselbe nicht auch beweisen; so sollst du wissen, daß du kein Christ bist, und das dich Gott wiederum aus der Barmherzigkeit in das Gericht und in die Verdammnis werfe, und dir alle Güter, die er dir gegeben, berauben, und alle Schuld, die er dir erlassen, dir wieder auf den Hals legen will: das sollst du gewiß haben; denn dann steht es: «Richtet nicht, daß ihr nicht gerichtet werdet,» das ist, wollt ihr nicht aufhören zu richten, so wird euch Gott auch richten.

Nun sieht man aber, wie man es so über die Maßen schwer lassen kann; sobald jemand uns im geringsten beleidigt, da geht schnell das Gericht her: Was soll ich diesem Schalk noch mehr tun? Ich habe ihm dies und das getan, das ist der Dank, also bezahlt er mich. Das heißt eine unbarmherzige Barmherzigkeit und eine schlechte Hilfe, daß man sobald richten will, wenn der Dank nicht folgt. Die richtige Frömmigkeit ist mitleidig, aber die heuchlerische Frömmigkeit ist eine zweifache Unbarmherzigkeit. Das erfährt man dabei, wenn mir einer einen Gulden schenkt, wollte er mich gern damit kaufen und mich zu seinem eigen machen. Darum, sobald ich nun etwas rede oder tue, daß ihm nicht gefällt, oder in einem Fall nicht dienlich ist, bald drängt er mich die Hand zu drücken: Siehe, daß und das habe ich dir gegeben, warum willst du mir den nicht auch diese Freundschaft tun? Das heißt dienen, daß man dir wieder diene, wie die Heiden tun, und richten.

Aber es soll so sein: Tust du jemand etwas Gutes, und er erkennt es nicht, oder tut dir etwas Böses dafür, dann kannst du ihn wohl warnen, er soll es nicht tun, er würde sich sonst gegen Gott versündigen. Aber das du ihm darum feind werden, und ihn urteilen oder richten und in seiner Not nicht wieder helfen in wolltest, da hüte dich vor. Befiehl ihn seinem Richter; denn du weißt nicht, was Gott mit ihm machen will, ob er sich werde bekehren oder nicht. Bekehrt er sich nicht, so hat Gott, wie zuvor gesagt, so viel Teufel, Henker und sonst böse Buben, daß er ihn zu seiner Zeit wohl strafen kann. Wie man sieht, daß jetzt da, jetzt dort unversehens ein Unglück sich zuträgt. Darum hüte dich, daß du nicht richtest, sondern denken: Hätte Gott mit mir auch nach der Strenge, die ich ja auch verdient hätte, es mit mir gemacht, so hätte ich vor 10,20,30 Jahren in meinen Sünden sterben müssen, da ich in aller schändlicher Abgötterei und Heuchelei gelebt habe.

Also hüte dich vor dem verdammen, denn es gehört nicht zu dir. Strafen, unterweisen, vermahnen, kannst du es denen, die richten sollen und verdammen. Dir aber gebührt anderes nicht zu tun, denn das du barmherzig bist, nicht richtest, nicht verdammst, sondern vergibst. Und wenngleich dein Nächster nichts aufhören will, gegen dich zu sündigen, dennoch soll dein Herz geneigt sein ihm zu vergeben, ihn weder hindern, noch sollst du begehren dich zu rächen, sondern wo du kannst, sein Bestes fördern.

Dieses alles aber tut weh, und ist schwer zu tun. Aber da bedenke, daß du ein Christ bist, und mußt dich, so du ein Christ bleiben willst, die Sache ernster angehen als die Unchristen. Wie das Beispiel unseres Vaters in Himmel uns vorleuchtet. Denn wenn du deinem Nächsten Gutes tust, und er dir es nicht danken, ja, dagegen Schaden zufügen will, da darfst du nicht zweifeln, Gott wird ihn wohl finden; dem laß die Rache, und tue du, was dir befohlen ist.

Man liest eine Geschichte, wie ein ungezogener ungeratener Sohn seinen Vater bei den Haaren genommen und ihn bis an die Türschwelle geschleift hat, da hat der Vater angefangen zu schreien: Hör auf, hör auf, mein Sohn, denn bis hierher habe ich meinen Vater auch an den Haaren gezogen; wie ich es bei ihm getan habe, so tust du es jetzt wieder bei mir. Dieses ist das Urteil unseres Gottes, dieser weiß wohl Rat dazu, wie er Untugend, besonders aber den Undank strafe. Darum sollen wir ihm es befehlen, und tun, was uns hier befohlen ist, daß wir nicht strafen, sondern barmherzig sind. Gott wird mit der Strafe nicht ausbleiben, wie der Herr hier weiter meldete: Gebet, so wird euch wieder gegeben. Ein voll, gedrückt, gerüttelt, und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben. Denn eben mit dem Maß, da ihr messet, wird man euch wieder messen.

Es hat doch der Herr alles fein zusammengefaßt, will gern, daß wir feine, fromme Christen würden, und uns immer rechtschaffen hielten. Darum, eben wie er befohlen, man soll mit den armen Sündern gnädig umgehen, wie Gott mit uns umgeht, sie nicht richten, noch verdammen, sondern Gericht und Urteil Gott befehlen und für Sie bitten: also befiehlt er hier weiter, daß man in anderen Nöten ihnen auch behilflich sein soll mit Geben und Raten; und soll dann gewiß hoffen, so viel und reichlich kann man nicht geben, denn Gott will immer mehr und reichlicher geben. Das also unser Herz immer eine Quelle in Liebe, und von Dornen sich nicht stechen lasse, damit es nicht versiege. Wie die Heiden tun: die können des Richtens und Verdammens nicht lassen; sobald man etwas tut, daß ihnen nicht gefällt, wollen sie es nicht eher vergeben, denn daß man ihnen zu Fuße fällt und sie anbete. Also, wo sie es nicht wissen wieder zu genießen, da geben sie nichts hin. Darum bleibt das schwere Urteil über sie, daß sie Gott wieder richten, verdammen, und ihnen auch nicht vergeben will.

Vor solcher Unart sollen wir uns hüten, und unserem Nächsten tun, wie uns unser lieber Gott im Himmel getan hat. Dieser hebt das Urteil auf und will vergeben; er will weder rächen noch verdammen, ganz gleich, daß wir so undankbar sind und seine Wohltat und seine Hände nicht annehmen wollen. Dieses sollen wir auch lernen. Wo nicht, so werden wir das Urteil bekommen, daß er sagt: «Mit was Maß ihr messet, wird euch wieder gemessen werden.»

Nun müßten wir aber ja erkennen, daß uns unser Gott sehe reichlich gegeben hat. Denn so wir nach unserem Verdienst bekommen würden, so hätten wir Zorn, Unfriede und alles Unglück verdient, daß es richtig wäre wenn uns die Erde verschlingen würde, sobald wir darauf geboren sind; geschweige denn, daß wir uns danach durch unser ganzes Leben so böse gehalten haben. Das also das rechte Maß auf uns wäre gewesen der Tod und die Hölle. Aber was tut Gott? Er nimmt hinweg alles, was wir verdient haben, Zorn, Ungnade, Gericht, Tod, Hölle, und schenkt uns den Himmel, Gnade und Freiheit von der Anklage des Gesetzes und unseren bösen Gewissens. Er schüttet aus allen Mangel und Schuld, und gibt alles Gute. Das heißt doch gnädig gemessen. Aber danach, wenn du anderen Leute nicht willst also wieder messen, so erwarte nur anderes nicht, denn wie du mißt, also wird dir Gott auch wieder messen. Zuvor hatte Gott dir nur Gnade eingemessen: aber jetzt, gleich wie du tust und mißt mit deinem Undank, also soll dir auch gemessen werden.

Dieses ist eine wunderbare Predigt, in welcher man sieht, daß Gott sich viel mehr des Dienstes gegen den Nächsten annimmt, denn seines eigenen Dienstes. Denn in seiner Sache und so viel ihn betrifft, vergibt er alle Sünde, und will sich nicht rächen, was wir wieder ihn getan haben. Wiederum aber, wenn wir uns gegen unseren nächsten Übel halten, so will er auch uns gar nichts vergeben. Deswegen muß man das Messen hier verstehen nach dem Glauben, und nicht vor dem Glauben. Denn ehe du zum Glauben gekommen bist, da hat Gott mit dir nicht gehandelt nach deinem Verdienst, sondern nach Gnaden. Er hat dich zu seinem Wort kommen lassen, und dir Vergebung deiner Sünde zugesagt. Das ist das erste Maß, womit er uns gemessen hat, da wir angefangen haben zu glauben.

Weil wir nun solch ein Maß von Gott empfangen haben, sagt er: Gedenke, und bist du zu anderen Leute nicht anders. Tust du es aber nicht, so soll es dir gehen, wie du anderen tust. Du bist ihnen ungnädig: ich will dir auch ungnädig sein. Du richtest und verdammst sie: ich will dich auch richten und verdammen. Du nimmst und gibst nichts: ich will dir auch nehmen und nichts geben. Da geht das Maß an nach dem Glauben, daß sich unser lieber Herr Gott der Werke gegen den Nächsten so sehr annimmt, daß er will zurück rufen, was er für Gutes getan hat, wenn wir unserem Nächsten nicht auch Gutes tun wollen.

Deswegen, wer da denkt Gott treulich zu dienen, der tue seinen Nächsten, wie Gott ihm getan hat, das ist, er richte nicht, er verdamme nicht, er vergebe und gebe gern, sei freundlich und hilfreich, wo er kann. Denn sonst wird es ihm gehen, wie mit dem Knecht, Matthäus 18. Diesem war eitel Gnade zugemessen, daß der Herr ihn ohne Schuld entließ, da er aber nicht wollte seinem Nächsten die hundert Groschen schenken, noch Geduld haben, bis er sie bezahlte; der kamen die 10000 Pfund wieder auf ihn, und wurde den Peinigern überantworte, bis er alles bezahlte.

Nun ist wohl war, möglich ist es nicht, daß wir uns an diese Regel immer halten könnten. Wir vergessen der Barmherzigkeit sehr oft: wo wir freundlich sein sollten, da zürnen wir; wo wir gute Worte geben sollten, da fluchen wir. Wenn sich nun alles bei uns zuträgt, daß wir in diesem Fall gegen den Befehl Christus tun, da sollen wir beachten, daß wir uns vor der Sünde der Pharisäer hüten, und unser Gewissen nicht tot machen und in der Sünde fortfahren, sondern daß wir bald umkehren, an dieses Bild denken, und tun, wie uns unser Vater getan hat, daß wir auch vergessen und vergeben, und uns durch keinen Undank bitter machen lassen.

Doch wenn man vergeben soll, so gehört auch dazu, daß der Teil, dem man vergeben soll, seine Sünde erkenne und lasse diese sich leid sein. Denn daß ich dem Papst und anderen Feinden des Wortes ihre Sünde vergeben soll, das ist mir nicht möglich. Ursache, sie halten es für Recht, daß sie unsere Lehre verfolgen. Denn so man Sünde vergeben soll, so muß ja Sünde da sein. Wer nun Recht haben will und Sünde nicht bekennen, wie Saul mit Samuel tat, dem kann man die Sünde nicht vergeben.

Das ist die Lehre vom christlichen Leben, welche der Herr aus dem Beispiel unseres Vaters im Himmel uns vorhält. Diese Lehre hält er uns vor in dem Gleichnis vom Splitter im Auge, und dem Balken. Als wollte er sagen: Ich sehe wohl, es ist euch sauer, denn wenn ihr Schaden habt tut es euch so weh, ihr könnte es nicht sobald vergessen: sobald ihr euren Widersacher seht, wo der an ihn denkt, so läuft euch die Galle über, und denkt: Er hat mir das und das getan, ich wollte, daß er alles Unglück hätte. Liebe Kinder, spricht Christus, nicht so: wenn er dir schon da und dort Schaden getan, oder dich mit einem Wort geärgert hat, so ist es doch in der Wahrheit nur ein Splitter, ein kleines Staubkorn im Auge, dagegen hast du einen großen Balken im Auge, wenn du dahin sehen willst, was du gegen Gott getan hast. Darum gehört sehr viel dazu, wer einen anderen richten und verdammen will.

In anderen Sachen ist es also, daß der Schulmeister muß gelehrter sein als sein Schüler, sonst wird der Schüler nicht viel von ihm lernen. Was bist du denn für ein Schulmeister, der du andere lehren und richten willst, und hast genauso viel Schuld, und kannst ebenso wenig als der, den du dich unterstehst zu lehren? Vor den Leuten, will der Herr sagen, taugt solches keinen Tropfen; wie will es sich denn schicken in meinem Reich und vor Gott, da ihr alle gleich viel Schuld habt?

Darum so lerne solches Gleichnis fein in das Werk ziehen: wenn du etwas hörst, siehst, leidest, daß du nicht gern hörst, siehst oder leidest, daß du sagst: es ist eine geringe Sünde gegen meine Sünden; Gott sieht viel mehr Mangel an mir, denn ich an anderen Leuten sehen kann: darum will ich gern still schweigen und vergeben ist; das Gott mir auch vergebe und still schweige. Aber da wird nichts draus; in der Welt straft immer ein Bruder den anderen um des Splitters willen, und er selbst hat doch einen großen Balken im Auge. Denn wo du eine Sache zu deinem Nächsten hast, dagegen hat Gott tausend und aber tausend zu dir, daß du seine Gebote dein Leben lang nie gehalten, ja, häufig dagegen gesündigt hast. Solches siehst du nicht, willst deinen Nächsten um eines bösen Wortes willen fressen. Pfui dich, bist du denn so scharfäugig und kannst doch einen solchen großen Balken nicht sehen?

Darum soll ein Christ sich anders gewöhnen: wenn er den Splitter in seines nächsten Auge sieht, soll er zuvor, ehe er urteilt, vor den Spiegel treten und sich darin besehen; da würde er so große Balken finden, aus denen man Schweinetröge machen möchte, und er sagen müßte: Was soll doch das sein? Mein Nächster beleidigt mich in einem viertel, halben, ganzen Jahr einmal; ich aber bin so alt geworden, und habe meines Gottes Gebote noch nie gehalten, ja, übertretet sie stündlich, wie kann dich denn so ein großer verzweifelter Schalk sein? Meine Sünden sind so groß wie Eichbäume; und den kleinen Splitter, daß Staubkorn in meines Bruders Auge, nehme ich mich mehr an denn als meinem großen Balken? Aber es soll so nicht sein; ich muß zuvor sehen, wie ich meine Sünde los werde. Denn ich bin Gott, meiner Obrigkeit, meinen Vater und Mutter, meiner Herrschaft ungehorsam, mache dabei immer weiter, und höre nicht auf zu sündigen: und will noch gegen meinen Nächsten so ungnädig sein und ihm nicht ein einziges gutes Wort gönnen? Oh nein, so sollen Christen nicht sein.

Als so will der Herr uns immer auf das Beispiel unseres Vaters im Himmel weisen, der unsere großen Balken nicht sehen will, auf das wir mit dem kleinen Splitter auch Geduld haben, und nicht richten und verdammen.

Der nun solche herrliche, schöne Verheißung sich zur Barmherzigkeit nicht will bewegen lassen, daß Gott alles Gericht und Verdammnis aufheben und uns gern vergeben will, wenn wir uns untereinander vergeben und nicht richten, daß keine Hölle noch Tod, sondern lauter Gnade und Freundlichkeit da sein soll; wiederum, wer sich nun nicht schrecken lassen will vom Gericht und von der Verdammnis, daß wo er einen Splitter den seines Nächsten Auge findet, Gott dagegen in seinen Augen viel Balken findet, da kann ich nicht wissen, was ihn noch sollte bewegen, Trösten oder erschrecken.

Sind wir nicht heillose Leute und große Narren, daß wir nicht einem ein gutes Wort gönnen, so doch Gott uns allen unsere Sünde dagegen zu gute halten? Und wo wir einen Augenblick unser richten nachlassen? Was hilft es uns aber, wenn wir solches nicht tun, und mehr dem Beispiel der Welt, denn dem Beispiel unseres Vaters im Himmel folgen wollen? Anderes nicht, denn daß wir uns aus der Gnade in die höchste Ungnade werfen, und wo wir sonst einen gnädigen, barmherzigen, milden Gott haben könnten, da machen wir selbst Gott uns zum Feind, und bewegen ihn zu Zorn und Strafe gegen uns.

Diesen Jammer sollten wir wohl bedenken, und unser Leben also christlich lernen anstellen, auf das jedermann, Freunde und Feinde, an uns sehen können, daß wir rechte Schüler Christi wären, und ein solches Herz hätten, wo eine unerschöpfte Quelle der Liebe innen ist, die nimmermehr versiegt. Das wolle uns unser lieber Vater im Himmel durch seinen Heiligen Geist um Christ die Willen allen gnädiglich verleihen, Amen.

 

 << Kapitel 3  Kapitel 5 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.