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Port Tarascon - Letzte Abenteuer des berühmten Tartarin

Alphonse Daudet: Port Tarascon - Letzte Abenteuer des berühmten Tartarin - Kapitel 10
Quellenangabe
typefiction
authorAlphonse Daudet
titlePort Tarascon - Letzte Abenteuer des berühmten Tartarin
publisherVerlag von J. Engelhorn
seriesEngelhorns Allgemeine Romanbibliothek
volumeBand 7
translatorNatalie Rümelin
year1890
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
projectide5344f2d
modified20140408
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Siebentes Kapitel.

»Fahren Sie fort, Bézuquet. . . . Ist der Herzog von Mons ein Betrüger, oder ist er's nicht? – Der Advokat Franquebalme. – Verum enim vero, »das ist, weil es ist«. – Ein Plebiscit. – Der Tutu-panpan verschwindet am Horizont.

Schlimm klang sie, diese Odyssee der ersten Ansiedler auf Port Tarascon, die nun im Salon des Tutu-panpan berichtet wurde vor dem versammelten Rat, in dem die Alten, der Gouverneur, die Direktoren, die Granden erster und zweiter Klasse und der Kapitän Scrapouchinat mit seinem Stabe thronten, wahrend die übrigen Fahrgäste droben auf dem Deck, von Ungeduld und Neugierde fast verzehrt, nichts vernahmen als das kräftige Summen von Bézuquets Baßstimme und die leidenschaftlichen Unterbrechungen seiner Zuhörer.

Zuerst, gleich nach der Einschiffung, als die »Farandole« kaum den Hafen von Marseille verlassen hatte, erkrankte Bompard, der provisorische Gouverneur und Anführer der Expedition, an einer eigentümlichen und, wie er sagte, ansteckenden Krankheit und ließ sich ans Land setzen, nachdem er seine Machtbefugnisse auf Bézuquet übertragen hatte. . . . Glücklicher Bompard! . . . Man hätte denken können, er ahne alles, was sie dort drüben erwartete.

In Suez hatten sie den »Lucifer« gefunden, in viel zu schlechtem Zustand, als daß er die Reise hätte fortsetzen können, weshalb seine Ladung an Bord der »Farandole« gebracht wurde, obgleich diese schon vorher vollgestaut war.

Was sie auf diesem verdammten Fahrzeug unter der Hitze gelitten hatten! Blieb man oben, so schmorte man an der Sonne, ging man hinunter, so war man so zusammengedrängt, daß man fast erstickte.

So fühlten sie dann, als sie in Port Tarascon ankamen, eine solches Bedürfnis, sich zu recken und auszubreiten, daß ihnen das Anschiffen auf dieser öden Insel ein Trost, eine wahre Freude war, trotz der Enttäuschung darüber, daß sie nichts, gar nichts hier vorfanden, weder Stadt noch Hafen, noch sonstige Einrichtungen irgend welcher Art. Der Notar Cambalalette, der Katasterbeamte, hatte sie sogar durch ein komisches Lied über das australische Kataster erheitert. Danach waren aber ernste Betrachtungen gekommen.

»Wir beschlossen dann,« sagte Bézuquet, »das Schiff nach Sidney zu schicken, um Baumaterialien zu holen und das verzweifelte Telegramm an euch abzuschicken, das ihr erhalten habt.«

Von allen Seiten erhob sich Widerspruch.

»Ein verzweifeltes Telegramm? . . .«

»Welches Telegramm? . . .«

»Wir haben kein verzweifeltes Telegramm erhalten!« Tartarins Stimme beherrschte den Tumult: »Was Telegramme betrifft, mein lieber Bézuquet, so haben mir nur das eine erhalten, in dem ihr von dem schönen Empfang erzähltet, den euch die Eingeborenen bereitet haben, und von dem in der Kathedrale gesungenen Te Deum

Die Augen des Apothekers traten fast aus ihren Höhlen vor Verwunderung.

»Ein Te Deum in der Kathedrale! In welcher Kathedrale?«

»Das wird sich alles aufklären,« sagte Tartarin. »Fahren Sie fort, Ferdinand!«

»Ich fahre fort,« erwiderte Bézuquet. Und seine Erzählung wurde immer grausiger.

»Mutig hatten sich die Kolonisten ans Werk gemacht. Da sie im Besitz von landwirtschaftlichen Werkzeugen waren, begannen sie mit der Urbarmachung – nur war der Boden abscheulich, so daß nichts gedieh. Dann kam die Regenzeit. . . .«

Ein allgemeiner Aufschrei seiner Zuhörer unterbrach den Redner: »Es regnet also?«

»Ob es regnet! . . . Mehr als in Lyon. . . . Mehr als in der Schweiz. . . . Zehn Monate im Jahr!«

Allgemeine Verblüfftheit! Alle Augen richten sich nach den Lichtöffnungen des Schiffes, durch die man dichten Nebel bemerkte und unbewegliche Wolken, die über das ungesunde Schwarzgrün der Küste herabhingen.

»Fahren Sie fort, Ferdinand,« sagte Tartarin.

Und Bézuquet fuhr fort:

»Infolge der beständigen Regengüsse, der stehenden Wasserlachen kamen das Fieber und die Malaria, und der Kirchhof wurde gar bald eingeweiht. Zu den Krankheiten gesellten sich die Sorgen, das Heimweh. Selbst die Mutigsten hatten keine Lust zur Arbeit mehr, so sehr verweichlichten die Körper in diesem erschlaffenden Klima.

»Man lebte von Konserven und von Eidechsen und Schlangen, die von den Papuanern, die sich auf der andern Seite der Insel niedergelassen hatten, gebracht wurden.

»Unter dem Vorwand, die Erträgnisse ihrer Jagd- und Fischzüge zu verkaufen, schlichen sie sich hinterlistig in das Lager, ohne daß ihnen jemand mißtraut hätte – bis sie in einer schönen Nacht die Niederlassung überfielen. Wie lauter Teufel drangen sie gleichzeitig durch Thüren, Fenster und Dachöffnungen herein, bemächtigen sich der Waffen, machten nieder, was sich ihnen zu widersetzen suchte, und führten die übrigen gefangen in ihr Lager.

»Einen Monat lang folgte ein entsetzliches Festmahl dem andern. Die Gefangenen wurden der Reihe nach mit Keulenhieben niedergeschlagen, wie junge Spanferkel auf glühenden Steinen in der Erde gebraten und von den Kannibalen verspeist. . . .«

Ein Schrei des Entsetzens, den die ganze Ratsversammlung ausstieß, verbreitete den Schrecken bis auf das Deck, und der Gouverneur fand kaum die Kraft, noch einmal zu lispeln: »Fahren Sie fort, Ferdinand!«

So hatte der Apotheker einen um den andern verschwinden sehen; der sanfte Bruder Bézole hatte lächelnd und ergeben bis zuletzt gesagt: »Gelobt sei Gott!« und der Notar Cambalalette, der vergnügte Katasterbeamte, fand die Kraft, selbst auf dem Bratrost zu lächeln.

»Und die Unmenschen haben mich gezwungen, von ihm zu essen, von dem armen Cambalalette,« fügte Bézuquet, noch bei der Erinnerung daran erschaudernd, hinzu.

Während der darauffolgenden Stille wandte sich der gallsüchtige Costecalde gelb, mit wutverzerrtem Mund gegen den Gouverneur: »Nichtsdestoweniger haben Sie gesagt, geschrieben und schreiben lassen, es gebe hier gar keine Menschenfresser!«

Und da der niedergeschmetterte Gouverneur nur sein Haupt neigte, erwiderte Bézuquet: »Keine Menschenfresser! . . . Das heißt, sie sind es alle. Für sie gibt es keinen größeren Leckerbissen als Menschenfleisch, und besonders als das unsre, das der Weißen aus Tarascon, und diese Vorliebe geht so weit, daß sie, nachdem sie die Lebenden gefressen, sich an die Toten gemacht haben. Sie haben den alten Kirchhof gesehen? Es ist nichts mehr drin, kein Knochen mehr; sie haben alles abgekratzt, abgenagt und abgeleckt, wie man es bei uns zu Hause mit den Tellern macht, wenn die Suppe recht gut ist, oder wenn wir ein Kotelett mit Knoblauchmayonnaise bekommen.«

»Aber wie kommt es, Bézuquet,« fragte ein Grande erster Klasse, »daß Sie verschont worden sind?«

Der Apotheker vermutete, daß sein Fleisch durch die ständige Beschäftigung mit seinen großen Kolben und allerlei Arzneimitteln wie Pfefferminze, Arsenik, Arnika, Ipekakuanha und dergleichen einen Kräutergeruch angenommen habe, der den Wilden zweifelsohne nicht zusagte, oder aber, daß sie sich ihn gerade deshalb als besten Bissen bis zuletzt aufgespart hatten.

Nach Beendigung der Erzählung fragte der Marquis von Espazettes: »Nun, und was thun wir jetzt?«

»Wie, was Sie thun sollen?« sagte Scrapouchinat in seinem zänkischen Ton. »Sie werden doch wohl nicht da bleiben, denke ich?«

Von allen Seiten schrie man: »Ach nein! . . . Ganz gewiß nicht. . . .«

». . . Obgleich ich nur dafür bezahlt worden bin, Sie herzuführen,« fuhr der Kapitän fort, »bin ich doch bereit, diejenigen, die zurück wollen, wieder heimzubringen.«

In diesem Augenblick waren ihm alle seine Mängel und Fehler verziehen. Sie vergaßen, daß sie für ihn eigentlich nur grüne Affen waren, gut zum niederschießen. Man umringte ihn, man feierte ihn, alle Hände streckten sich ihm entgegen. Inmitten des Lärms ließ sich plötzlich die Stimme Tartarins vernehmen, der im würdevollsten Tone sprach: »Sie werden thun, was Sie für gut finden, meine Herren, ich für meine Person bleibe hier. Ich habe meine Sendung als Gouverneur und muß dieselbe erfüllen.«

Scrapouchinat brüllte: »Gouverneur von was denn? Es ist ja gar nichts da!«

Und die andern: »Der Kapitän hat recht . . . wenn doch nichts da ist. . . .«

Aber Tartarin entgegnete: »Der Herzog von Mons hat mein Wort, meine Herren!«

»Ein Spitzbube ist er, Ihr Herzog von Mons,« rief Bézuquet, »ich habe es immer geahnt, selbst als ich noch keinen Beweis dafür hatte.«

»Und wo ist dieser Beweis?«

»Jedenfalls nicht in meiner Tasche!« Und mit einer verschämten Bewegung zog er den Mantel des Granden erster Klasse, der seine tättowierte Nacktheit verhüllte, fester an sich.

»Das steht einmal fest, daß der sterbende Bompard in dem Augenblick, wo er die ›Farandole‹ verließ, zu mir sagte: ›Trauen Sie dem Belgier nicht, er ist ein Schwindler. . . .‹ Wenn er hätte sprechen können, würde er mir wohl noch mehr gesagt haben . . . aber die Krankheit hatte ihm alle Kraft geraubt.«

Welch besseren Beweis konnte es denn übrigens geben, als diese unfruchtbare, ungesunde Insel selbst, nach der sie der Herzog zum Urbarmachen und zur Gründung einer Kolonie geschickt hatte – und dann noch diese gefälschten Telegramme!

Eine große Bewegung bemächtigte sich der Ratsversammlung: alle sprachen zumal, stimmten Bézuquet zu und überschütteten den Herzog mit beleidigenden Schimpfworten: »Lügner . . ., Schwindler . . ., ehrloser Belgier! . . .«

Heroisch hielt Tartarin ihnen allen stand: »Bis das Gegenteil erwiesen ist, halte ich mit meiner Meinung über Herrn von Mons zurück. . . .«

»Unsre Meinung haben wir uns schon gebildet . . . ein Dieb . . . ein Dieb ist er. . . .«

»Er war vielleicht unvorsichtig, selbst schlecht unterrichtet. . . .«

»Verteidigen Sie ihn nicht, er gehört auf die Galeere. . . .«

»Was mich betrifft, der ich von ihm zum Gouverneur von Port Tarascon ernannt worden bin, so bleibe ich in Port Tarascon. . . .«

»So bleiben Sie eben allein da!«

»Gewiß, auch allein, wenn ihr mich verlaßt. Man lasse mir Ackergeräte zurück. . . .«

»Aber wenn ich Ihnen doch sage, daß nichts fortkommt!« rief Bézuquet.

»Ihr habt es nicht recht angefangen, Ferdinand.«

Nun wurde Scrapouchinat zornig und schlug mit der Faust auf den Ratstisch.

»Er ist verrückt! . . . Ich weiß nicht, was mich abhalten könnte, ihn gewaltsam mitzuführen und ihn, wenn er Widerstand leistet, wie einen grünen Affen niederschießen zu lassen!«

»Versuchen Sie es doch einmal! Kreuzmillionendonnerwetter!«

Wutschnaubend, mit drohender Gebärde hatte sich Bruder Bataillet neben Tartarin aufgerichtet. Heftige Worte wurden gewechselt und tarasconische Redensarten ausgetauscht, wie: »Sie sind jeder Vernunft bar . . . Sie wissen ja gar nicht, was Sie sagen . . . Sie schwatzen das reine Blech. . . .«

Gott weiß, wie das alles noch geendet hätte, ohne das Dazwischentreten des Advokaten Franquebalme, des Gerichtsdirektors.

Es war dieser Franquebalme ein sehr sprachgewandter Advokat, dessen Beweisführungen mit »jedoch« und »so weit nötig«, mit »einerseits« und »andrerseits« gespickt waren. Sein Vortrag hatte ein so festes Gefüge, war so dauerhaft remontiert, wie der römische Viadukt über den Gard. Ein mit ciceronischer Redekunst und Logik vollgestopfter, gravitätischer, einfältiger Philister, erging er sich ständig in Sentenzen, erklärte das »ist, weil es ist«, aufs ausführlichste durch »verum enim vero«, und benutzte nun den ersten Augenblick einer kurzen Windstille, um das Wort zu ergreifen und in langen und schönen Perioden, die sich ganz endlos ausspannen, ein Plebiscit vorzuschlagen.

Die Auswanderer sollten mit ja oder nein abstimmen: einerseits sollten die, die bleiben wollten, bleiben, andrerseits sollten die, die gehen wollten, mit dem Schiff zurückfahren, nachdem die an Bord befindlichen Zimmerleute das große Haus und das Blockhaus wieder hergerichtet hätten.

Nachdem dieser Antrag Franquebalmes, der allen Wünschen Rechnung trug, einmal angenommen war, schritt man ohne Zögern zur Abstimmung.

Auf dem Deck und in den Kabinen machte sich eine große Unruhe geltend, sobald man erfuhr, um was es sich handle. Man hörte nur Seufzen und Klagen. Die armen Leute hatten ihr Vermögen in den Ankauf dieser berühmten Hektare gesteckt, sollten sie denn alles verlieren, auf das Land, das sie bezahlt hatten, und auf ihre Kolonisationshoffnungen verzichten?

Derartige Vermögensrücksichten trieben sie zum Bleiben, aber sofort wurden sie durch einen Blick auf die unheilverkündende Landschaft vor ihnen wieder bedenklich. Die große, zerfallene Baracke, dieses schwärzliche, feuchte Grün, hinter dem man sich eine Wüste voller Kannibalen dachte, die Aussicht, wie Cambalalette verspeist zu werden, all dies war nicht ermutigend, und die Sehnsucht trieb sie zurück nach dem so unvorsichtig verlassenen Lande der Provence.

Das Auswanderungsschiff glich einem zerstörten Ameisenhaufen. Die alte Gräfinwitwe von Aigueboulide irrte auf dem Deck umher, ohne ihre Wärmflasche oder ihren Papagei loszulassen.

Während der lärmenden Erörterungen, die der Abstimmung vorangingen, hörte man nur immer Verwünschungen gegen den Belgier, den ehrlosen Belgier ausstoßen . . . Ach, das war nicht mehr der Herr Herzog von Mons! . . . »Der ehrlose Belgier . . .« Man knirschte dies mit übereinander gebissenen Zähnen und ballte grimmig die Hände.

Trotz alledem stimmten doch von einem Tausend Tarasconern fünfhundert dafür, mit Tartarin da zu bleiben. Allerdings bestand der größte Teil dieser fünfhundert aus Würdenträgern, denen der Gouverneur die Beibehaltung ihrer Aemter und Titel zugesichert hatte.

Neue Streitigkeiten erhoben sich über die Verteilung der Lebensmittel zwischen den Zurückbleibenden und den Abfahrenden.

»Ihr könnt euch in Sidney frisch verproviantieren,« sagten die von der Insel zu denen vom Schiff.

»Ihr könnt jagen und fischen,« erwiderten die andern, »zu was braucht ihr dann so viele Konserven?« Auch die »Tarasque« erregte furchtbaren Zwist. Sollte sie nach Tarascon zurückkehren? . . . Sollte sie in der Kolonie bleiben?

Der Zank entbrannte heftig. Mehreremal drohte Scrapouchinat den Bruder Bataillet niederschießen zu lassen.

Um den Frieden aufrecht zu erhalten, mußte der Advokat Franquebalme alle Hilfsmittel seiner Nestorweisheit anwenden und all seine klugen »verum enim vero« aufspazieren lassen. Allein er hatte viel Mühe, die Geister zu beruhigen, die durch den heuchlerischen Excourbaniès, der die Zwietracht nur zu nähren suchte, immer aufs neue aufgehetzt wurden.

Der rauhborstige Krakeeler und Lieutenant der Miliz mit seinem Wahlspruch: »Fen dé brut . . . Krakeel machen! . . .« war so sehr ein Kind des Südens, daß er zum Neger geworden war, und zwar nicht durch die Schwärze seiner Haut und die wolligen Haare, sondern durch seine Feigheit und seinen Wunsch, zu gefallen. Stets tanzte er den Siegesreigen vor dem, der im Augenblick der Mächtigste war: vor dem von seiner Mannschaft umgebenen Kapitän Scrapouchinat an Bord des Schiffes, vor Tartarin inmitten seiner Bürgerwehr, wenn man am Lande war. Jedem der beiden erklärte er die Gründe, die ihn veranlaßt hatten, für Port Tarascon zu stimmen, auf ganz verschiedene Weise. Zu Scrapouchinat sagte er: »Ich bleibe hier, weil meine Frau vor ihrer Niederkunft steht, sonst . . .«

Und zu Tartarin: »Um nichts in der Welt würde ich die Fahrt noch einmal mit diesem rohen, ungeschliffenen Menschen machen!«

Endlich nach vielem Hin- und Herzerren wurde die Teilung so gut als möglich beendet. Für eine Schiffskanone und eine Schaluppe verblieb die »Tarasque« denen auf dem Schiff.

Tartarin hatte sich Stück für Stück Lebensmittel, Waffen und Kisten mit Werkzeug, erkämpfen müssen.

Während mehrerer Tage fand ein beständiges Hin- und Herfahren von Booten statt, die mit tausenderlei Gegenständen beladen waren, mit Gewehren, Konserven, Büchsen mit Thunfisch und Sardinen, Biskuits und Vorräten an Schwalbenpasteten und Quittenkrapfen.

Gleichzeitig erklang auch die Axt in den Wäldern, wo man zur Instandsetzung des großen Gebäudes und des Blockhauses eine Menge Bäume fällte. Trompetensignale vermischten sich mit dem Schall der Axthiebe und der Hammerschläge. Bei Tage wurden die Arbeiter aus Angst vor einem Ueberfall der Wilden von den Bürgerwehrsoldaten bewacht; des Nachts kampierte die Miliz im Bivouac am Ufer, »um sich an den Dienst im Felde zu gewöhnen«, wie Tartarin sagte.

Als alles fertig war, trennte man sich etwas kühl. Die Abfahrenden beneideten die Zurückbleibenden, was sie aber nicht abhielt, in höhnischem Ton zu sagen: »Na, wenn die Sache vorwärts geht, könnt ihr es schreiben, dann kommen wir wieder. . . .«

Andrerseits hätten auch die Kolonisten trotz ihrer anscheinenden Zuversicht vorgezogen, sich an Bord zu befinden.

Nachdem die Anker gelichtet waren, gab das Schiff einen Salut von Kanonenschüssen ab, was von der Insel aus durch die von Bruder Bataillet bediente Feldschlange erwidert wurde, während Excourbaniès auf seiner Klarinette blies: »Das Schiff streicht durch die Wellen, Fridolin!«

Gleichviel! Als der Tutu-panpan die Landspitze erreicht hatte und für immer den Blicken entschwand, wurden auf dem Strande viele Augen feucht, und plötzlich erschien die Reede von Port Tarascon unermeßlich groß.

Zweites Buch.

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