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Polizei-Geschichten

Ernst Dronke: Polizei-Geschichten - Kapitel 2
Quellenangabe
typereport
authorErnst Dronke
titlePolizei-Geschichten
publisherVerlag von Carl B. Lorck
printrun1. Auflage
year1846
firstpub1846
correctorJosef Muehlgassner
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Armuth und Verbrechen.

»Unter den Verbrechern selbst giebt es Angeber von Profession, die sogenannten Vigilanten. Diese Vigilanten sind fast ohne Ausnahme früher bestrafte Verbrecher, welche gewöhnlich gar keine oder nur eine scheinbare Beschäftigung haben und als Spione im Dienst der Polizei stehen.« –

Der (Berliner) Publizist, Juni 1845, Nr. 6, S. 179.

 

In dem Kriminalgefängniß zu B. erhängte sich vor einiger Zeit ein Gefangner, der nach den Aussagen des Arztes und des Gefängniß-Inspektors an Schwermuth gelitten hatte. Die Geschichte dieses Unglücklichen, welche wir dem Leser hier erzählen, ist ein vollkommen wahres Ereigniß, und die folgenden Einzelheiten, wobei wir nur die Namen verschweigen, werden vielleicht bei Manchem die Erinnerung an die handelnden Personen erwecken.

Fritz Schenk war ein Tischler.

Er hatte als Geselle lange Zeit bei einem der größern Meister in B. gearbeitet, und stand im Rufe eines ordentlichen Menschen und fleißigen und geschickten Arbeiters. Da er für Niemand weiter zu sorgen hatte, so reichte sein Verdienst eben zu seinen nothwendigen Bedürfnissen aus, und nicht minder wie bei dem Meister wegen seiner Brauchbarkeit, stand er bei den andern Gesellen wegen seines Frohsinns in Gunst.

Eines Abends war Fritz aus der Werkstatt auf die dunkle Straße getreten, als eine Karosse, die an einem andern Wagen vorüberfuhr, ihn streifte und zu Boden warf. Er erhob sich zwar alsogleich wieder, fühlte aber, daß sein rechter Arm plötzlich erschlafft war. Der Herr in bei Karosse ließ bei dem Schrei, den der Handwerker unwillkührlich ausgestoßen hatte, halten und erkundigte sich, ob er Schaden genommen. Auch der Meister und die übrigen Gesellen kamen herzu, und als sie den Verwundeten in die Werkstatt führten, ergab sich, daß er den Arm zweimal gebrochen hatte. Der vornehme Besitzer der Karosse ließ seine Börse zurück, um die ersten Kosten der Heilung zu decken, und auf die Bemerkung des Meisters, daß Schenk der tüchtigste seiner Arbeiter sei, versprach er noch weitere Sorge für ihn zu tragen.


Schenk wurde in das Stadt-Krankenhaus gebracht, wo die langwierige Behandlung den an Thätigkeit gewöhnten Arbeiter geistig und körperlich ziemlich bedrückte. Der Verursacher seines Unglücks bezahlte die Kosten seiner Pflege, bekümmerte sich aber nicht weiter um ihn, und nachdem Schenk endlich als geheilt entlassen worden war, glaubte er seiner Verpflichtung gänzlich quitt zu sein. – Als Schenk zu seinem Meister zurückkehrte, fand sich, daß es mit der Arbeit keineswegs mehr so wie früher fortging. In dem Arm war eine große Schwäche zurückgeblieben, und war er auch nicht gerade gelähmt und arbeitsunfähig geworden, so vermochte er doch nicht so anhaltend und schnell zu arbeiten, wie ehedem. Er sah, daß die Mitgesellen ihn, der sonst stolz auf seine Arbeit war, überflügelten. Er wurde mißgestimmt und sein Fleiß und seine Sorgsamkeit erlahmten mit der Lust zur Arbeit. Dazu kam, daß auch seine Verhältnisse eine neue Gestaltung bekommen hatten.

In dem Stadt-Krankenhaus hatte Schenk ein junges Mädchen, das seine Erziehung im Waisenhaus genossen, zur Wärterin gehabt. In der leeren Einsamkeit dieser Stunden war sie sein tröstender Engel gewesen, sie hatte ihn mit frommem, schwesterlichem Eifer gepflegt, und der junge Arbeiter fühlte sich durch ihr sittsames Wesen mächtig zu ihr hingezogen. Als er die Anstalt verließ, war ihm der Umgang bereits zur nothwendigen Gewohnheit geworden. Er benutzte Sonntags seine freien Stunden regelmäßig, um sie zu besuchen, und die junge Wärterin verhehlte nicht, daß sie ihn mit Vergnügen kommen sah. Die Theilnahme, welche sie anfangs für den Kranken gefühlt hatte, machte einem innigeren Gefühl Platz, und als Fritz seinen Heirathsantrag vorbrachte, hatte ihr Herz ihm längst schon das Versprechen der Treue gegeben.

Schenk hoffte dazumal noch, daß die Schwäche des Armes sich allmählig durch Wiedergewöhnung an die Arbeit verlieren würde, und dann hätten ihn ja seine Ersparnisse, seine Geschicklichkeit und sein zu dem Ziel verdoppelter Eifer vielleicht bald in den Stand setzen können, eine eigne Werkstatt anzulegen. Aber das Uebel verzog sich nicht, und eine düstere Niedergeschlagenheit bemächtigte sich des Unglücklichen. Seine treue Verlobte verbarg ihren eignen Kummer über sein Mißgeschick und suchte ihn zu trösten und so viel als möglich mit Hoffnungen zu trösten, an die sie selbst nicht glaubte. Schenk konnte nicht anders glauben, als daß ihm unter solchen Verhältnissen eine trübe Zukunft bevorstand.

Der Meister mußte jedesmal in den stillen Monaten, wo es weniger Arbeit gab, einige seiner Arbeiter entlassen. So lange Schenk im Besitz seiner vollen Kraft und Thätigkeit war, hatte er nicht nöthig gehabt, um sein Unterkommen besorgt zu sein, jetzt machten ihn tüchtigere Arbeiter seinem Meister entbehrlich. Der Mann war nicht hart gegen ihn gewesen. Er hatte Schenk von früher als einen brauchbaren, ordentlichen und willigen Arbeiter schätzen gelernt und wollte ihn wegen seines Unglückes nicht von sich stoßen. So lange er noch die Hoffnung hatte, daß der schwache Arm des Gesellen sich an die Arbeit gewöhnen würde, hatte er Nachsicht und Geduld mit ihm gehabt. Als sich jedoch diese Hoffnung verlor, vermochte er nichts mehr für Schenks Zukunft zu thun. Er stellte ihn in die zweite Klasse der Arbeiter, gab ihm nur geringere Arbeit, welche weniger Sorgfalt und Kraft erforderte, und beschränkte demgemäß seinen frühern Lohn. Schenk verlor dabei die Lust und Liebe zur Arbeit, denn er fühlte sich unverschuldeter Weise gedrückt. Der Meister machte ihm jetzt zum erstenmal Vorwürfe wegen Nachlässigkeit und wies ihn zu größerem Eifer an. Allein Schenk war überhaupt nicht mehr der alte. Seine Lage hatte ihn finster und mürrisch gemacht, und die Ermahnungen des Meisters fanden statt der gehofften Willfährigkeit einen verschlossenen, widerspenstigen Trotz. So kam es denn, daß bei der nächsten stillen Zeit der Tischler unter andern Gesellen auch Schenk von dem Meister entlassen und arbeitslos wurde.


Nach mehreren vergeblichen Versuchen, bei andern Meistern ein Unterkommen zu finden, entschloß sich Schenk, seine Lage jenem reichen Manne zu offenbaren, der die erste Ursache seines Unglücks war. Er hoffte im Stillen, daß ihm jener den Grundstein zu einem selbstständigen Erwerb legen würde. Eine mittelmäßige Summe reichte hin, ihm eine Werkstatt zu gründen. Dann wollte er sich Gesellen halten, und wenn er auch selbst nicht viel zu arbeiten vermochte, so konnte er doch durch sein Geschick und seine Erfahrung die Arbeit leiten. Damit, so hoffte er, wäre ihm eine erträgliche Existenz geschafft gewesen, auf die hin er alsdann zu heirathen gedachte.

Der vornehme Herr hörte ihn gelassen an. Er schien wohl zu fühlen, daß er allein der eigentliche Quell des Mißgeschicks des Arbeiters war, betrachtete aber seine Vermittlung als eine Sache der bloßen Mildthätigkeit. Schenk wurde auf den folgenden Tag zurückbestellt, und als er sich zur bestimmten Stunde einfand, händigte ihm der Kassirer im Namen seines Herrn eine kleine Summe Geldes ein. Als Geschenk zur augenblicklichen Unterstützung war die Summe nicht unbedeutend, allein um Schenk, wie er gehofft hatte, in Stand zu setzen, sich eine Zukunft zu gründen, hätte es vielleicht des Doppelten bedurft. Schenk war daher angewiesen, das Geld allmählig zu verzehren.

Der Arme, der nach qualvollem vergeblichem Mühen rettungslos im Jammer seines Elends sitzt und täglich die Glücklichen im Glanz ihres ererbten Reichthums sieht, giebt sich gewöhnlich den thörichten Hoffnungen auf den unwahrscheinlichsten, entferntest liegenden Zufall hin, welche die kaltblütigen reichen Spekulanten wahnsinnig nennen werden. Wenn der Arme seine letzte Hoffnung auf eine Nummer des Bankhalters setzt, so schilt ihn die gesunde Vernunft einen verächtlichen Thoren, indem sie ihm das Betrügerische und Unmoralische des Spiels auseinandersetzt. Der reiche Kaufmann, der in einer Handelskrise seinen ganzen Besitz verliert, wird gewöhnlich nur bedauert. Im Grunde aber läuft Alles auf dasselbe hinaus. In einer Welt, wo der Besitz das Höchste ist, spekulirt und spielt Jeder, je nach seinem Vermögen, und die gesunde Vernunft dessen, was man ehrlichen Handel nennt, ist nicht minder auf Betrug und Immoralität gebaut, als die Thorheit des Hazardspiels.

Als Schenk sein Geld allmählig verschwinden sah, gab er sich den unbestimmtesten Hoffnungen hin. Die Hoffnung verließ ihn nicht, aber er wußte eigentlich nicht, worauf er hoffte. Einmal wollte er sein Glück im Spiel versuchen, aber der Gedanke, daß er von dem Rest seines Geldes noch so und so viel Tage leben könne, während er hier vielleicht das Ganze auf einmal einbüßen würde, hielt ihn wieder zurück. Es war ihm immer, als wisse er fest, daß sich diese Lage doch noch ändern werde. Wenn er über die Straße ging, so blickte er immer rechts und links auf das Pflaster, als ob er etwas Verlorenes suche. Diese Hoffnung war unsinnig, nicht wahr? Es war auch keine Hoffnung mehr, es war eine bewußtlose Träumerei, da ihm die Wirklichkeit nichts mehr bot. Bei einem bestimmten Lebensziel hätte er auch nicht nöthig gehabt, auf einen unbestimmten Zufall zu warten. Der Anblick der vornehmen sorgenlosen Vergnüglinge verursachte ihm ein Gefühl zorniger Bitterkeit, und er fragte sich jedesmal, was er denn gethan, daß er im Elend schmachten müsse, und was wohl jene gethan, daß sie aufgespeicherte Reichthümer verschwelgen dürften? Wenn ein Reicher seine goldgespickte Börse zog, blieb er unwillkührlich stehn, und sein Blick haftete begierig auf den glänzenden Münzen. Er dachte, daß diese Summe vielleicht hinreichen würde, ihm eine zufriedene Zukunft zu begründen, und eine leise Stimme fügte in seinem Innern hinzu: ein vorsichtiger Griff in solch eines Mannes Tasche, und du bist gerettet. Als er sich zum erstenmal auf diesem Gedanken ertappte, rannte er erschrocken, gleichsam um dem eignen Innern zu entfliehen, von dannen. Aber die Versuchung begann bald darauf wieder damit, daß sie ihm einredete: wenn Einer jener Leute solch eine Börse verliert, so wirst du sie doch aufheben und behalten; Jenen ruinirt sie nicht und dich rettet sie. Dann durchwogten und kreuzten sich die Gedanken weiter; der Begriff des fremden Gutes verlor sich allmählig in ihm, und wenn er darauf zurückkam, so wußte er ihn mit der Antwort zu bekämpfen, daß er eben so viel Recht zum Leben wie jeder Andere habe, und daß sein Elend eben so unverschuldet, wie der ererbte Reichthum der Vornehmen unverdient sei. Zuletzt kam immer jener erste Gedanke zurück, und wenn er ihn noch nicht ausführte, so geschah es aus Furcht vor der Entdeckung und – weil er im Augenblick noch einen ganz kleinen Rest der erhaltenen Unterstützung besaß, weil die Noth ihn noch nicht gewaltsam dazu trieb. In seinem Innern war Schenk längst zum Verbrecher geworden, bevor und ohne daß er selbst wußte.


Eines Tages wurde Schenk in dem Hause, wo er in Schlafstelle lag, zu einem Manne beschieden, um eine Unebenheit am Fußboden auszuhobeln. Als er seine Arbeit beendigt hatte und sich vom Boden erhob, war der Besitzer des Zimmers auf einen Augenblick hinausgegangen. Schenk sah mit einer Art ängstlicher Neugierde umher, während er die Rückkehr des Mannes erwartete. Da bemerkte er dicht am Ofen auf dem Boden eine Brieftasche. Daneben stand ein Stuhl, über den einige Kleider gebreitet lagen; augenscheinlich war die Brieftasche aus einem der Kleidungsstücke gefallen. Schenk lauschte einen Moment mit bangem Zögern, ob Niemand komme. Es war Alles still, und ängstlich vorsichtig hob er die Brieftasche auf. Als er sie eben geöffnet hatte, und nur den Rand einiges Papiergeldes sah, nahte sich von Außen der Schritt des Herrn. Schenk wollte die Brieftasche rasch wieder zusammenklappen, aber die zitternde Hast ließ ihn im Augenblick das kleine Schlößchen nicht finden, und mit einem plötzlichen Entschluß schob er sie unter seinen Rock auf die Brust. Als der Mann eintrat, klopfte sein Herz heftig gegen das lederne Etui; es war, als wollten die Schläge das geraubte Gut von dort wegdrängen. Während ihm der Eigenthümer den Lohn für die Tischlerarbeit auf den Tisch zählte, stand er in fiebernder Angst vor Entdeckung und die Sohlen brannten ihm, den Ort seines Vergehens endlich verlassen zu können.

Zu Hause fand er, daß die Brieftasche nur eine Kleinigkeit an Geld enthielt. Er vermochte jedoch nicht, darüber zu rechnen, seine Gedanken waren einzig mit seiner bösen That beschäftigt. Die Folgen blieben auch nicht aus.

Als der Besitzer den Verlust seiner Brieftasche bemerkte, stieg in ihm sogleich der Verdacht gegen den Handwerker auf, da er sich des verlegnen und zweideutigen Benehmens desselben erinnerte. Der Polizei-Kommissair, der alsbald herbeigeholt wurde, begab sich nach der Kammer Schenks, und sein erster Blick traf gleich den Gegenstand der Nachforschung. Der Unglückliche hatte, von seinem Gewissen gefoltert, gar nicht daran gedacht, seinen Raub zu verbergen.

Schenk wurde alsbald verhaftet und später zu sechswöchentlicher Einsperrung verurtheilt.

Hatte in ihm schon das böse Bewußtsein seiner That die bittersten Gefühle erweckt, so wurde er während seiner Haft vollends von tiefster Beschämung und Reue ergriffen. Die Genossen, welche er hier fand, waren meist alte, mit Verbrechen vertrautere Gefangene, die den scheuen, in sich gekehrten Neuling mit der Jauche ihres Spottes übergossen. Schenk fühlte, wie sein Herz bei den rohen Späßen seiner in Sünde erzogenen Gefährten sich zusammenzog. Er gedachte mit Entsetzen, wie doch er auch denselben Weg dieser Unglücklichen bereits betreten habe, und die Zukunft, die er hier vor sich sah, erfüllte ihn mit verzweifelnder Angst. Der einzige Trost, der ihn noch aufrecht hielt, war seine Geliebte. Dies arme Wesen hing mit rührender Treue an ihm, und statt ihn in seinem Elend zu verlassen, hatte sie sich mit doppelter Hingebung an ihn angeschlossen. Ihr Herz blutete über das Vergehen und die beschämende Lage ihres Geliebten, aber sie duldete schweigend, ohne einen Laut der Klage zu äußern. Sie machte ihm keine Vorwürfe, sie redete ihm nie von ihrem Kummer, sie hoffte nur durch ihre Liebe ihn auf eine andere Bahn zu führen. Schenk wurde tief ergriffen von dem stummen Leiden dieser treuen Seele, und in stillen Stunden sagte er sich oft, daß er noch einmal Alles aufbieten wolle, um sich ein ehrliches Leben zu sichern, und wenn ihm dies nicht gelänge, lieber vom Leben als von der Ehrlichkeit zu lassen.


Die Sonne des Glücks schien noch einmal über den beiden Liebenden aufgehen zu wollen.

Schenk erhielt unmittelbar nach seiner Freilassung die Nachricht, daß eine alte Verwandte, deren er sich kaum erinnerte, gestorben sei und ihm ein paar Hundert Thaler hinterlassen habe. In dem befriedigenden Stolz des Gefühls, seine Vorsätze nun ausführen zu können, eilte er zu seiner Verlobten, und mit Thränen freudiger Hoffnung versprach er ihr jetzt, das Glück ihres Lebens durch kein Vergehen mehr zu trüben.

Schenk hatte kurz vorher, ehe ihn der Unfall mit seinem Arme traf, den Meisterbrief erhalten, und war Anfangs, weil ihm die Mittel zu einem selbstständigen Geschäft fehlten, später, weil ihn auch sein Gebrechen hinderte, noch bei seinem ersten Meister geblieben. Jetzt wurde eine Werkstatt eingerichtet, mehrere Gesellen wurden geworben, und als die Arbeit in Schwung gekommen war, fand endlich auch die Vereinigung der beiden Liebesleute statt.

Eine Zeit lang ging das Geschäft ganz gut. Die Gesellen waren tüchtige Arbeiter, Schenk verstand dem Gewerk wohl vorzustehen, und da es im Ganzen genug zu thun gab, so war auch der Verdienst leidlich vortheilhaft. Schenks Frau fühlte sich Mutter, und dies neue Band der Vereinigten erhöhte das friedliche Glück ihres Heerdes.

Allmählig aber stellten sich einzelne Sorgen ein.

Die Leute, welche bei Schenk arbeiten ließen, bezahlten nicht immer sogleich, und Schenk konnte sich die Kundschaft bei den vornehmen Leuten nicht dadurch verderben, daß er alsogleich sein Geld verlangte. Doch mußte er selbst seine Gesellen und das Material zur Arbeit regelmäßig bezahlen. Schenk war daher genöthigt, hin und wieder Schulden zu machen. Die unregelmäßigen Einnahmen ließen ihn nicht zur ordentlichen Einrichtung kommen, und es kam öfters vor, daß er das Geld, statt damit die kleinen Schulden zu bezahlen, in die Wirtschaft verwenden mußte. So wurde er allmählig immer verschuldeter, ohne es eigentlich selbst ganz zu bemerken.

Als seine Frau in die Wochen kam, war eben wieder stille Zeit unter den Tischlern eingetreten, und Schenk hätte bei den geringen Bestellungen zwei seiner Gesellen entlassen können. Aber die gesteigerten Bedürfnisse zwangen ihn zu verdoppelter Anstrengung, und statt die Arbeit der Zeit gemäß beschränken zu können, war er genöthigt, dieselbe auf eigne Gefahr fortzuführen und zu erweitern. Schenk arbeitete, was sonst nie geschehen war, öfters bis in die späte Nacht. Jeden Sonnabend Abend fuhr er dann mit den verfertigten Möbeln zu den Händlern, um ihnen seine Waaren zum schnellen Verkauf anzubieten. Sonnabends war die Zeit, wo er durchaus Geld einnehmen mußte. An diesem Tage erhielten die Gesellen ihren Lohn, ohne den sie die Arbeit eingestellt haben würden, und gleichzeitig mußten auch die Bretterhändler bezahlt werden, da sie ebenfalls mit der Bezahlung nicht länger als eine Woche warteten und Schenk ohne sie kein Material zur Arbeit gefunden haben würde. So hatte er die doppelte Sorge, einmal seine Waaren regelmäßig bis zum Ende der Woche zu vollenden, und dann sie auch noch an den Mann zu bringen. Die Möbelhändler, welche die Lage der kleinen Meister sehr wohl kennen, nahmen die Anerbietungen Schenks gewöhnlich nicht sehr freundlich auf. Sie zeigten ihm ihre reichgefüllten Magazine, klagten über schlechten Absatz und Verdienst, und meinten, daß sie, ohne sich zu ruiniren, nicht noch mehr Kapital in ihr Geschäft verwenden könnten. Zuletzt boten sie ihm auf seine Waare einen so geringen Preis, daß Schenk trotz der drängenden Noth weiter ging. Aber je länger er umherzog, desto mehr schwanden seine Hoffnungen. Die anderen Händler beobachteten dasselbe Verfahren, Manche boten ihm noch geringere Summen, und Schenk war zuletzt genöthigt, seine Waare für einen Spottpreis wegzugeben. Bezahlte er dann seine Gesellen und die Bretterhändler, so blieb ihm kaum so viel, um das unumgänglich Nothwendige für die Wirthschaft zu beschaffen.

Auf diese Weise kam das Hauswesen immer mehr zurück. Die Frau kränkelte und vermochte ihres Zustandes wegen nicht mehr auf Ordnung zu sehen, die Gesellen wurden laß oder arbeiteten wenigstens nicht wie früher mit Eifer und Liebe, der Hausmann, Bäcker, Schuhmacher und andere kleine Gläubiger drängten allmählig ernstlicher, und Schenk selbst verfiel durch all diesen Jammer in düstere Stumpfheit. Seine Seele erlag nach dem kurzen Traum des Glückes nur um so schneller dem Druck der hoffnungslosen Armuth, es ward wüst und leer in ihm, und selbst sein Aeußeres fiel ab in Elend.

In einer stillen Nacht kniete der Mann vor einem ärmlichen Bett, und seine heißen Thränen rollten auf die abgemagerte Hand seines bleichen Weibes. Neben ihr regte es sich, und ein hinfälliges neugebornes Kind erwachte eben aus seinem ersten Schlafe. Der Handwerker sah mit einem starren Blick der Verzweiflung durch seine Thränen auf das kleine welke Geschöpf.

» Was wird dein Schicksal sein, du unschuldig Wesen!« grollte er bitter in sich hinein. »Was hast du gethan, daß du geschaffen werden mußtest? In Armuth geboren, in Noth und Elend zu leben, in Sünde vielleicht zu sterben! Was willst Du in der Welt? Wahrlich, es wäre besser, ich tödtete Dich in Deinem friedlichen Schlummer, bevor ihn das Bewußtsein Deines verfluchten Lebens zerstört!« –


Als die Arbeit dergestalt zu erlahmen begann, daß Schenk von dem Erlös kaum noch die Gesellen bezahlen konnte, mußte er sich endlich dazu entschließen, einen derselben zu entlassen. Es war dies der Anfang eines immer größeren Verfalls. Die Arbeit wurde jetzt geringer und demgemäß auch der Verdienst des Meisters schmäler. Die Kränklichkeit der Wöchnerin, die stärkender Nahrung bedurfte, verlangte größere Ausgaben, und da Schenk Alles auf sie verwendete, oft ohne daß sie das Opfer selbst bemerkte, so mußten die übrigen Verpflichtungen zurückstehen. Demzufolge kündigte ihm zunächst der Hausmann, der seit längerer Zeit keine Miethe erhalten hatte, die Wohnung auf, und Schenk mußte noch zufrieden sein, daß ihm nicht sein kleines Besitzthum an Zahlungs Statt zurückgehalten wurde.

Sie bezogen jetzt eine ärmlich kleine Wohnung. Schenk arbeitete nur noch mit einem einzigen Gesellen und die Werkstatt bildete zugleich Wohn- und Schlafstube. Die kränkliche Frau und das hinfällige Kind litten indeß nicht lange unter dem Geräusch der Arbeit, denn ein halbes Jahr darauf stand dieselbe ganz still. Schenks Verdienst bei der angestrengtesten Thätigkeit war jetzt so gering geworden, daß er damit nicht einmal die notwendigsten Existenzmittel bestreiten konnte. Einige Vorschüsse bei dem Bretterhändler und der Rückstand des Gesellenlohnes setzten ihn bald außer Brot.

Eine Zeitlang lief Schenk umher, um bei Andern Arbeit zu suchen, aber wie er auch flehte und seine verzweiflungsvolle Noth schilderte, sein Bemühen blieb ohne Erfolg. Sein früherer Meister, an den er sich mit der Bitte wendete, ihm nur irgend eine geringe und grobe Arbeit zu geben, ließ ihn am härtesten an.

»Wenn es blos auf Euren schwachen Arm ankäme,« sagte er, »da wollte ich schon Nachsicht haben. Aber Ihr habt bereits einen Diebstahl begangen und einen solchen Menschen, der mir vielleicht meine Gesellen noch verführt, kann ich nicht brauchen.« –

Schenk trieb sich in düsterer Verzweiflung umher. Zuweilen erhielt er irgend eine zufällige Beschäftigung, einen Auftrag zum Lasttragen oder auch auf Tagelohn. Den kleinen Verdienst brachte er dann seinem Weib und Kinde, für sich selbst – erbettelte er das Brot. Er sank moralisch und physisch tiefer und tiefer in's Elend. Und dennoch, bei all diesem Jammer, den ihm das stumme Leid seines abgezehrten, zerlumpten Weibes und seines siechenden Kindes verursachte, bei all der gräßlichen Verzweiflung und all dem heißen, bittern Groll gegen die Gerechtigkeit der menschlichen Gesellschaft, die ihn zu diesem unverschuldeten Loos verfluchte, dennoch lebte er dies Leben drei lange Jahre lang. Drei Jahre! Wie ist doch die Zeit ein schlechtes Maaß für ein Menschenleben! Dem Reichen verfliegt in Lust und Freuden die Zeit so schnell, daß er am Sterbebett nicht weiß, wo sie geblieben ist; aber dem Unglücklichen war sie eine qualvolle Ewigkeit.


Eines Tages ging Schenk langsam in stumpfem Brüten durch die Gassen. Seine Frau, das arme liebende, duldende Geschöpf, die nie über ihr Loos murrte oder nur seufzte, hatte ihm am Tage vorher sagen müssen, daß sie nicht das Geringste mehr zum Essen im Hause habe. Das Kind war lange krank gewesen und hatte jetzt vom Arzt eine Pflege verordnet bekommen, die die Armen seit Langem nicht mehr kannten. Endlich aber hatte der Hausmann Schenk beim Ausgehen angehalten, und ihm barsch ins Gesicht gesagt: daß er mit der rückständigen Miethe für die letzten drei Vierteljahre nicht länger warten könne; wenn er daher am folgenden Tage das Geld nicht erhalte, so müsse er die Familie aus dem Hause weisen und sich an ihrem Geräth bezahlt zu machen suchen. Das letztere war für den Unglücklichen die gräßlichste Drohung. Er hatte nach und nach die einigermaßen entbehrlichen Stücke aus seiner Wirthschaft in den Zeiten der höchsten Noth versetzt, und besaß nur noch ebensoviel, um mit Weib und Kind nicht auf dem harten Boden schlafen zu müssen. Wurde ihm auch das noch entrissen, so konnten sie zusammen elend in der Straße sterben.

Schenk ging aus, ohne zu wissen, wohin, und ohne Gedanken, wie er diesmal die augenblickliche Noth abwenden könne. Wer ihn jetzt sah, erkannte in ihm den früher fleißigen und ordentlichen Arbeiter nicht mehr. Sein Aeußeres trug den Stempel der schauderhaftesten Verwahrlosung, die Kleider schlotterten ihm schmutzig und zerlumpt am Leibe herab, seine tiefliegenden Augen waren glanzlos und stumpf, sein Haar wirr und struppig, und sein Gesicht zeugte von Entbehrungen und gräßlichem Elend. An der Ecke zweier Straßen blieb er einige Augenblicke vor der Ladenthür eines eleganten Fleischerladens stehen. Während er mit heimlicher Lüsternheit die verlockenden, reinlichen Fleischwaaren betrachtete und an seine Armen daheim dachte, stieg eine plötzliche Versuchung in ihm auf. Die Thür war offen und der Laden leer. Sein Herz pochte in Unentschlossenheit, aber er wandte sich weg, und schritt langsam die Straße weiter.

In diesem Augenblick war ein Mann flüchtig an ihm vorüber gestreift. Einige Schritte weiter blieb derselbe plötzlich stehen, gleich als ob Schenks Gesicht eine Erinnerung in ihm hervorgerufen, und blickte ihm nach. Als er über die Person Schenks im Reinen zu sein schien, kehrte er um, und Schenk ward durch einen Schlag auf seine Schulter aus seinen trübsinnigen Gedanken aufgeschreckt.

»Guten Tag, Fritz Schenk! Kennst Du mich nicht mehr?« –

Der Angeredete starrte zu dem Andern in stumpfer Gleichgültigkeit auf. Der Mann, der vor ihm stand, war eine hohe breitschulterige Figur, ziemlich fein und modern gekleidet, und von einem auffallenden und erzwungen vornehmen Wesen. Damit stand freilich der Ausdruck seines Gesichts in keiner Uebereinstimmung, denn seine von einem dichten rothen Bart umzogenen Züge waren der Typus der niedrigsten Gemeinheit. Dieser Mensch hieß Wilhelm Fischer, hatte wegen Raubanfalls auf offener Heerstraße und verschiedener Diebereien mehrere Jahre im Zuchthaus und Gefängniß gesessen, und kannte Schenk aus der Zeit seiner Haft. Fischer hatte seitdem seinem frühern Treiben Valet gesagt, und einen Erwerbszweig ergriffen, bei dem er sich augenscheinlich ganz wohl befand. Er war, nachdem er zuletzt aus dem Gefängniß entlassen worden, zu dem Polizeichef gegangen, hatte ihm vorgestellt, daß er von seinem bisherigen Leben abstehen wolle, und gebeten, in irgend einer Weise verwendet zu werden. Der Polizeirath, der in Fischers ausgebreiteter Diebsbekanntschaft ein treffliches Mittel zur Entdeckung manches Verbrechens erblickte, hatte ihn in seine Dienste genommen und ihm den Auftrag gegeben, seine früheren Bekanntschaften fortzusetzen, und wenn er einen Anschlag erführe, ihn davon in Kenntniß zu setzen. Das war gegenwärtig die eigentliche Stellung Fischers. Dieser Elende begnügte sich jedoch keineswegs damit, die Absichten und Thaten seiner ehemaligen Genossen zu belauschen, sondern, um seinem Chef öftere Beweise seiner Thätigkeit geben zu können und sich in den Augen desselben hervorzuthun, spornte er auch selbst die Unschlüssigen an und machte ihnen nicht selten sogar die Anschläge, um die er sie nachher verrieth.

»Nun? Was starrst Du mich an?« sagte er zu dem Handwerker. »Kennst Du Will Fischer nicht mehr? Thust ja, als hätten wir nicht zusammen da –«

»Nun, Will Fischer,« erwiderte Schenk düster, »und was willst Du von mir!« –

»Was ich von Dir will, Du Tropf? Dich fragen, wie es Dir geht, nichts weiter. Und ich habe ein Recht dazu, denn ich bin ein alter Bekannter, und Du siehst nicht aus, als ob Du einen Freundschaftsdienst zurückstoßen würdest.«

»Ja, es geht mir schlecht genug!« murmelte dumpf der Unglückliche. »Keine Arbeit und kein Verdienst mehr, Gott weiß, wie das enden wird. Ich habe seit vorgestern nichts mehr gegessen!« –

»Komm mit,« sagte der Andere mit rauhem Mitleid. »Ich weiß da in der Nähe einen Ort für unser Einen, wo Du Dich füttern kannst.«

Schenk folgte ihm mechanisch, ohne ein Wort zu sagen. Plötzlich aber blieb er stehen, sein Auge belebte sich, wie von einem glücklichen Gedanken beseelt, und er hielt seinen Gefährten am Arm fest, indem er ihn ängstlich forschend betrachtete.

»Will Fischer,« sagte er mit bangem Ton, »es geht Dir gut, ich sehe Dir es an. Du meinst es auch gut mit mir, denn Du willst mir eben zu essen geben. Hilf mir daher ganz – wenn Du kannst, leihe mir zehn Thaler. Ich muß morgen meine rückständige Miethe bezahlen, oder ich werde mit meiner Frau und einem kranken Kinde nackt und bloß auf die Straße gestoßen. Ich bin verloren, Will, wenn Du mir nicht hilfst!« –

Will Fischer verzog sein Gesicht zu einem sonderbaren Lächeln und drückte seine Hände fest in die Taschen.

»So,« sagte er, »Du brauchst morgen zehn Thaler – mußt sie haben, wie man so sagt– unter jeder Bedingung.« –

»Ja, ich muß sie haben, unter jeder Bedingung. Ich weiß nicht, was ich sonst thun würde, aber den Jammer daheim würd' ich nicht erleben! Zehn Thaler, Will – es ist ja nicht so viel, und uns kann es jetzt retten. Gott wird es dir lohnen, Will!« –

»Ja, Gott wird es mir lohnen und der Teufel den Segen drüber sprechen. Ich könnte nachher sehen, wie ich's wieder einbrächte, und für Dich wär's auch nur auf ein paar Tage. Uebrigens laß uns jetzt nur nach der Kneipe gehen, da können wir weiter davon sprechen. Ich habe zwar selbst das Geld nicht, vielleicht läßt sich aber noch anderer Rath schaffen.« –

Sie schritten wieder fort. Will Fischer führte den Handwerker durch mehrere kleine Nebenstraßen, bis sie zuletzt vor dem Schlußgebäude einer engen Sackgasse ankamen.

»Das da ist ein neues Bureau!« sagte er, auf das Kneipenschild über einer Kellerwohnung zeigend. »Es kommen oft tüchtige Kerle hieher, weil der Wirth ehrlich ist und immer einen geheimen Weg hinten über das Wasser bauen kann. Wenn Du mich einmal suchst, so komme nur Abends in diesen Fuchsbau.« –

Sie traten die Stufen hinunter in den Keller, wo Fischer bekannt zu sein schien. Während er mit dem Wirth, dem Hehler der hier verkehrenden Diebsbande, im Winkel ein leises und angelegentliches Gespräch führte, hatte ein Mädchen Brot, Käse und Branntwein gebracht. Schenk goß die beiden Gläser mit jäher Hast hinunter und begann gierig das Essen zu verzehren.

»Nun, das muß ich sagen,« lachte Will Fischer, wieder herantretend, »dein Appetit wenigstens hat bei Deinem Leben nicht gelitten.« –

Schenk nahm schweigend den Rest des Essens, wickelte ihn in ein Stück Papier und steckte das Ganze sorgfältig in seine Tasche.

»Ich werde das meiner Frau bringen,« sagte er dann halb vor sich hin. »Sie wartet schon den ganzen Morgen, und es ist doch etwas.« –

»Deine Frau! So, so. Sagtest es ja auch zuvor schon. Kenn' ich sie vielleicht? Etwa eine Bekanntschaft von damals, als wir zusammen –«

Schenk warf einen zornigen Blick auf seinen Nachbar und stieß das leere Glas heftig auf den Tisch.

»Nun, ereifre Dich nicht!« begütigte der Andere sogleich. »War nur neugierig, wie es eigentlich mit Dir aussieht, seit wir auseinander gekommen sind.« –

»Wie im Himmel sieht's bei uns aus, wie im Himmel, Will,« erwiderte Schenk mit wilder Bitterkeit, »wir essen nicht und trinken nicht. Es ist ein herrliches Leben, man genießt die ganze Schöpfung, man hört die Vögel singen, man hat im Sommer die schöne Natur, im Winter das prächtige Eis, und braucht für Alles das gar Nichts zu bezahlen. Ich erinnere mich, daß der Pfaffe mir früher sagte, es sei eine Gnade Gottes, daß wir geschaffen würden und leben dürften. Ich wollte das lange nicht einsehen, aber es ist doch wahr, es liegt nur an dem Einzelnen selbst, wenn er sich das Leben verkümmert. Das Leben ist doch umsonst, wozu sich da plagen und Sorgen machen? Es kömmt am Ende doch auf Eins heraus, ob man auf seidenen Kissen oder allmählig Hungers gestorben ist.« –

»Ich verstehe nicht, was Du da sagst,« antwortete Will Fischer. »Aber wenn Du schon verzweifelst, so thust Du Unrecht. Ich weiß eben was für Dich, was Dich auf lange Zeit herausreißen kann.« –

»Will!« rief der Handwerker plötzlich erregt.

»Laß mich los und mach' keine Flausen. Kennst Du das Landhaus drüben in Ch***?«

»Ich habe einmal darin gearbeitet.« –

»Desto besser. Es wollten ein paar tüchtige Kerle heut Nacht Besuch drin machen, aber der Wirth erzählt mir, daß sie's verschieben müssen, weil ihrer zu wenig sind. Wenn Du dabei sein willst, kannst Du Dein Schäfchen scheeren und Deine Familie ins Trockne bringen.« –

Schenk sah seinen Nachbar mit einem festen Blick an und sagte dann langsam:

»Stehlen also. Ich hatte noch nicht daran gedacht, und es liegt doch so nahe. Ich glaube, ich habe nicht einmal Muth dazu.« –

Der Polizeiagent schenkte die Gläser voll und erwiderte verächtlich:

»Es gehört freilich weniger Muth dazu, mit Frau und Kind zu verhungern. Uebrigens hätten sie Dich vielleicht nur zur Wache gebraucht.« –

»Wenn ich sagte, daß mir der Muth fehlte,« versetzte Schenk, »so meine ich, daß ich nicht die Kraft hatte, den Gedanken zum Stehlen zu fassen. Es ist wahrhaftig weit gekommen. Und doch ist es wahr, das Einzige bliebe mir noch übrig. Ich werde mir's überlegen, Will.« –

Mit diesen Worten erhob er sich, fühlte in die Tasche, ob er das Essen auch noch habe, und wendete sich nach der Thüre.

»Wenn Du mir Bescheid bringen willst,« rief Fischer ihm nach, »so weißt Du, wo Du mich heut Abend findest.« –


Schenk wanderte in trübsinnigem Brüten durch die engen und schmutzigen Gassen des ›schlechten Viertels,‹ jener Höhlen des Elends und des Verbrechens, wo die aus den Kreisen der herrschenden Gesellschaft verstoßene Armuth den Fluch ihres Daseins verbirgt.

In einer niedrigen, baufälligen Hütte kletterte Schenk eine Stiege hinauf, und befand sich hier – unter dem Dache – in der Behausung der Seinen. Bei dem Geräusch, welches sein Eintreten verursachte, erhob in der Ecke eine Frau ihren Kopf von dem Bettchen eines Kindes, wo sie dessen fieberhaften Schlaf belauscht hatte. Die Kleidung dieser Frau war mehr als ärmlich, und in den leidenden von Gram entstellten Zügen ihres Gesichts waren auch die letzten Spuren ihrer früheren Anmuth verloren. Das Aussehen des Zimmers stimmte traurig mit dem Ausdruck der Bewohner überein. Die Möbel bestanden außer dem Bettchen des Kindes in einem Stuhl, einer Kommode, welche zugleich die Stelle des Tisches versah, einem alten Kasten, welcher statt eines zweiten Stuhls ebenfalls zum Sitz benutzt wurde, und einer einzigen Lagerstätte: einem Strohsack, über den eine Decke gebreitet war. Auf dem Ofen des Zimmers wurde gekocht, – wenn es etwas zu kochen gab, und in diesem glücklichen Falle wurde die ohnedies dumpfige Atmosphäre des feuchten, an den Wänden schimmelnden Raumes vollends schwül und ungesund. Und doch wären die Unglücklichen auch in diesen Räumen zufrieden gewesen, hätten sie nur sich und ihr krankes Kind vor der gräßlichen Qual des Hungers schützen können.

Bei dem fragenden Blick, den das matte, glanzlose Auge seiner Frau auf ihn heftete, zog der Handwerker das Essen aus der Tasche und reichte ihr dasselbe schweigend hin.

»Du hast irgend eine Arbeit bekommen?« sagte sie lebhaft.

Schenk hatte sich auf den alten Kasten gesetzt und die Hände über das Knie gekreuzt. Ohne nur aufzublicken, erwiederte er nachlässig:

»Nein. Ich habe das von einem Bekannten aus meiner Gefängnißzeit gekriegt.« –

Die Frau hielt plötzlich mit Essen inne, und blickte erschrocken bei diesen Worten nach ihrem Manne hin.

»Fritz!« rief sie mit ängstlichem Ausdruck, »Du hast doch nicht –«

»Gestohlen, willst Du sagen?« antwortete Schenk mit erzwungenem Lachen, als die Frau inne hielt. »Noch nicht, mein Schatz, noch nicht. Nur eine Gelegenheit dazu hat er mir angegeben.« –

»Gott steh' uns bei, Fritz! Wie kannst Du nur solche Gedanken haben! Denkst Du nicht an uns, an das arme Kind –«

»Eben drum, eben drum! Grade weil ich an Euch denke,« sagte der Mann sich erhebend und durch's Zimmer schreitend. »Ich weiß auch wahrhaftig nicht, weshalb wir uns davor zu scheuen brauchten. Wir haben ebensoviel Recht zu leben, als die Andern, und wenn sie uns unser Leben stehlen, so dürfen wir's doch wieder stehlen!« –

»Fritz, um Gotteswillen, führ' keine so lästerlichen Reden im Mund! Es ist eine Prüfung, die uns der Herr aufgelegt, wir müssen ausharren!« –

»Ja, unser ganzes Leben ist eine Prüfung, und wir sind nur dazu geboren, daß sich der Herrgott droben an unserm Todeskampf erlustiren kann. Drum sind auch die reichen Faullenzer geschaffen, für die die armen Leute schaffen und rackern müssen, ohne selber was davon zu haben. Die Reichen betrügen die Armen, und betrügen sich dann im Handel und Wandel wieder untereinander. Der Jammer muß sich von oben recht komisch ansehen.« –

»Gott verzeih' Dir die Sünde, Mann!« rief die entsetzte Frau.

Schenk, der fortwährend im Zimmer auf- und niederging, schlug eine grimmige Lache auf.

»Freilich, freilich! Die Sünde ist nur für uns. Wenn unser Einer stiehlt oder betrügt, dann ist's Sünde; wenn Einem aber der Kaufmann schlechte Waare auflügt, wenn die Kinder der Reichen unsere Kinder um das Glück des Lebens bestehlen, dann ist's Recht und Ordnung. Wir müssen suchen reich zu werden, um nach Recht und Ordnung stehlen und betrügen zu können, so lange aber müssen wir's heimlich thun.« –

»Keinen Bissen esse ich von Deinem Sündenbrot!« rief die Frau, indem sie das Essen, welches sie bis dahin in der Hand gehalten, von sich warf.

Schenk ging eine Zeitlang schweigend durch's Zimmer. Als er endlich sah, wie seine Frau das Gesicht in die Hände verborgen hatte und leise in sich hineinweinte, trat er an sie heran, und sagte milder:

»Sei ruhig, mein Weib! Achte nicht auf das, was ich Dir gesagt habe, die Noth giebt Einem solch' verrückte Gedanken ein.« –

»Willst Du mir versprechen, Dir solch sündhaftes Zeug aus dem Sinne zu schlagen, und Dich nicht wieder mit dem elenden Diebspack einzulassen?« fragte die Frau, indem sie ihm ihre thränenbenetzte Hand reichte.

»Ich will Dir versprechen, immer nur an Dich und unser armes Kind zu denken,« erwiederte Schenk, ihr die dargebotene Hand drückend. »Ich will mich noch einmal an jenen reichen Mann wenden, durch den wir eigentlich so in's Unglück gekommen sind. Vielleicht erbarmt er sich, wenn ich ihm unseren Jammer schildere. Du weißt, daß wir morgen den Miethsmann bezahlen müssen, wenn wir das kranke Kind nicht einem elenden Ende aussetzen wollen.« –

In diesem Augenblick erwachte die arme Kleine. Schenk, der schon seine Mütze aufgesetzt hatte, näherte sich wieder dem Bettchen, und drückte einen Kuß auf die fieberglühenden Lippen des Kindes.

»Und doch wird Dein Ende Elend sein!« grollte er in seinem Innern. »Warum hab' ich Dich nicht bei der Geburt getödtet, bevor mein Herz Dich lieben lernte?!«

Dann versuchte er nochmals die geängstigte Frau zu trösten, – hatte er selbst wohl Trost? Der Anblick ihres wehmüthig resignirten Leidens preßte ihm fast das Herz ab, und schon seit langer Zeit suchte er sich, so oft es ging, von den Seinen zu entfernen, die ihm nur das Bild seines Jammers waren. Aber er küßte seine Frau innig und sagte beim Weggehn mit fester Ruhe:

»Es wird wohl noch gut werden!« –


Bei dem reichen Manne mußte Schenk diesmal geraume Zeit in der Hausflur stehen. Die gallonirten Bedienten kamen mit silbernen Schüsseln aus den Zimmern, und strichen an ihm vorüber, indem sie ihn aus dem Wege gehn hießen oder gar verächtlich zur Seite stießen. Anfangs hatten sie ihn, seines schmutzigen und zerschlissenen Aeußern wegen, fortjagen wollen, zumal der Herr noch bei Tische saß, aber Schenk behauptete, dringlich mit dem Herrn sprechen zu müssen, und wollte lieber unter der beleidigenden Behandlung des Bedientenvolks ausharren, als sich seiner letzten Hoffnung begeben.

Nach Verlauf von anderthalb Stunden endlich ward er in einen Vorsaal gewiesen, wo er abermals eine Viertelstunde wartete. Er betrachtete mit ausdruckslosem Blick ein Gemälde, während seine Gedanken, ermüdet und abgespannt, fern von dem Ort und dem Zweck seines Besuches waren. Als er aber im Nebenzimmer den Tritt des Herrn vernahm, schlug sein Herz plötzlich höher, und die Erinnerung an Frau und Kind richtete seine Sinne wieder ganz auf den einen Punkt, die Entscheidung seiner nächsten Zukunft.

Der gnädige Herr zeigte ein ziemlich geröthetes und aufgeregtes Gesicht, und schien im Ganzen guter Laune zu sein. Schenk trug ihm seine Verhältnisse mit zager, verlegener Stimme vor, und bat ihn schließlich um eine Unterstützung von fünfzehn Thalern.

»Ihr seid ein Taugenichts, Schenk,« sagte der gnädige Herr, sich die Zähne stochernd. »Ihr habt keine Lust zur Arbeit, sonst würde es Euch nicht so gehen, wie Ihr sagt. Euch Geld geben, hieße Euch im Müßiggang bestärken, und man würde Euch zuletzt gar nicht mehr loswerden.« –

»Ach, gnädiger Herr, wenn mir die Leute nur Arbeit geben wollten, daß wir nothdürftig davon leben könnten, wie gern wollt' ich schaffen von früh bis in die Nacht!« erwiederte der Handwerker mit feuchtem Auge. »Versuchen Sie es mit mir, gnädiger Herr! Geben Sie mir Arbeit, wie Sie wollen, schicken Sie mich auf Botengänge, lassen Sie mich Holz hacken und Wasser tragen, ich will Ihnen das Geld wieder abarbeiten, und gewiß, Sie sollen mit meinem Fleiß zufrieden sein!« –

»Ja, ich kenne das! Als ich Euch damals das Geld gab, damit Ihr Euch herausreißen könntet, da habt Ihr, statt zu arbeiten, das Geld durchgebracht und seid nachher wegen Diebstahl eingesperrt worden. Das wäre das Richtige, Euch in's Haus zu nehmen und Sachen von Werth anzuvertrauen!« –

»Gnädiger Herr!« sagte der Handwerker verletzt.

»Ah, Ihr wollt den Gekränkten spielen! Das verlohnte sich der Mühe! Ihr werdet das wohl schon öfters gehört haben, und ich verdenke es den Leuten gar nicht, wenn sie einem Taugenichts, wie Ihr seid, keine Arbeit geben.« –

»Gnädiger Herr,« erwiederte Schenk, sich aufrichtend, »hätte ich immer den vollen Gebrauch meines gesunden Armes gehabt, so wäre ich vielleicht nicht in die Noth verfallen, die mich zu dem Verbrechen verleitete!« –

»So! Ihr glaubt wohl ein Recht auf meine Unterstützung zu haben?« rief der vornehme Mann. »Da seid Ihr aber im Irrthum. Ich habe Euch pflegen und kuriren lassen, und noch Geld obendrein zu einem ehrlichen Geschäft gegeben. Damit Basta! Eure Halunkereien zu unterstützen, habe ich wahrlich nicht nöthig. Jetzt scheert Euch Eurer Wege!« –

»Sie haben gar keine Verpflichtung gegen mich – ich weiß das,« sagte Schenk plötzlich, über die Wendung erschreckt, »ich wollte ja nur sagen, daß ich vor meinem Unglück zufrieden und ehrlich gelebt habe, und daß ich gewiß wieder so leben würde, wenn ich ausreichende Arbeit hätte. Ich wollte Sie ja nur bitten, gnädiger Herr –«

»Nichts da! Ich habe es schon einmal gethan und es hat nichts bei Euch geholfen, so würde es auch jetzt nichts helfen. In ein paar Tagen wäret Ihr wieder so weit, und würdet wieder mit Betteleien kommen. Es ist besser, daß Ihr Euch von vornherein daran gewöhnt, selbst zu sorgen und zu arbeiten, statt daß Ihr durch Unterstützungen, die doch einmal aufhören müssen, im Faullenzen bestärkt und für die Zukunft verdorben werdet!« –

»Gnädiger Herr, nur dies eine Mal noch! Haben Sie Erbarmen mit meiner Familie!« –

»Ich gebe Euch mein Wort, daß ich nichts mehr für Euch thue, macht, daß Ihr fortkommt!« sagte der Gnädige streng.

»Meine Familie, Herr! Mein Weib und mein krankes Kind!« –

»Ich habe auch Familie und kann mich für Euch nicht aufreiben! 's ist auch zu Eurem eignen Besten. Ihr werdet arbeiten lernen! – Macht fort, macht fort! Ich sag' Euch, ich geb' Euch nichts!« –

»Sie sind Schuld, wenn wir elendiglich verderben, gnädiger Herr!« rief der Handwerker in Verzweiflung.

»Wollt Ihr Euch gleich zum Henker scheeren, Halunke, oder soll ich Euch hinauswerfen lassen? – Wird's noch nicht bald?« –

Schenk stand wie eingewurzelt, den verzweiflungsvollen Blick flehentlich auf den reichen Mann gerichtet, die Hände krampfhaft in einander gefaltet. Erst als der erbitterte Herr mit Heftigkeit an der Klingel riß, wendete er sich langsam nach der Thür und schritt hinaus auf die Straße.

»Daß Ihr mir diesen Kerl nicht wieder hereinlaßt, wenn er wieder kommt!« sagte der Gnädige zu seinem Bedienten.

Aber Schenk kam nicht wieder. Draußen vor dem Hause des Reichen stand er einen Augenblick still und murmelte in kochender Wuth, während er drohend die geballte Faust in die Höhe reckte:

»Möge mein Blut über Dich kommen, Du unbarmherziger Hund! Möge der Jammer meines Weibes und meines unschuldigen Kindes auf den Seelen der Deinen brennen, und Dein verfluchtes Geschlecht in derselben Noth und Verzweiflung verderben lassen!« –

Dann wendete er sich ab und schritt weiter, schnell und entschlossen, nach der Schenke, wo, wie er wußte, Will Fischer ihn erwartete.


Am andern Morgen erzählte man sich allenthalben von einer Diebsbande, die bei einem frechen, nächtlichen Einbruch von der Polizei ertappt und aufgehoben worden sei. Schenks Frau ängstigte sich noch nicht darüber, daß ihr Mann die Nacht über ausgeblieben war, denn er hatte sich öfters, um sein häusliches Leid nicht zu sehn, in einer Kneipe eine Streu gesucht. Am Nachmittag aber kam der Hausmann, kündigte ihr in brutalen Worten das Schicksal ihres Mannes an und sagte, daß sie jetzt, wo sie ihm allein gar keine Garantie mehr biete, ungesäumt ausziehen müsse. Dann ließ er sie mit ihrer Verzweiflung allein.

Den Nachmittag über blieb die Aermste noch in dieser Stätte des Jammers zurück. Sie saß vor dem Bett ihres Kindes, stumm und in sich gekehrt. Kein Laut der Klage entschlüpfte ihren Lippen, ihre Augen warm trocken, aber ihr Blick brannte auf die Züge ihrer schlummernden Kleinen. Am Abend, als die Dunkelheit tiefer hereingebrochen war, hing sie ihren Mantel um, nahm das Kind in den Arm und schritt durch die Gassen. Als sie am Quai angekommen war, machte sie Halt und zog ihr Kind noch einmal aus der Verhüllung des Mantels hervor. Das schwankende Licht einer entfernten Laterne fiel auf die Züge der schlummernden Kleinen, und blitzte wieder in den perlenden Thränen, die jetzt heiß aus den Augen der Mutter rollten. Sie küßte die kleinen Züge mehrmals fest und innig, und ihre Lippen bewegten sich, wie zum Gebet. Als das Kind sich dann leise zu bewegen begann, machte sie eine rasche Bewegung und sprang mit ihm in den Fluß. – –

Schenk vernahm von dem Ende der Seinen nichts. Da sein Inquirent ein ausführliches Geständniß, namentlich in Bezug weiterer Mitschuldigen, zu erlangen hoffte, so wurde er in einsamem, strengem Gewahrsam gehalten, und so konnte ihn das Ausbleiben seiner Frau nicht wundern. Aber der Gedanke an sie, die Hülflose, Verzweifelnde, nagte gräßlich in seinem Innern. Zuweilen ergriff ihn eine plötzliche Angst, daß er hätte aufschreien oder weit, weit fortlaufen mögen, dann wieder verfiel er in den tiefsten Trübsinn. In einer Nacht fuhr er aus einem Traum auf. Die Angst jagte ihn ruhelos im Zimmer umher, und die hoffnungslose Verzweiflung seiner Lage ließ ihn seinem Zustande ein Ende machen. Er stieg auf einen Stuhl in der Nähe des Fensters, band sein Halstuch um den Hals, knüpfte dann die Enden fest an die Gitterstäbe des Fensters und stieß den Stuhl unter sich mit dem Fuße fort.

Als am Morgen der Gefangenenwärter eintrat, hatte die gequälte Seele Ruhe gefunden.


Nachdem in jener Nacht des Einbruchs die Diebe glücklich eingefangen waren, hatte sich Will Fischer, im Voraus eines gnädigen Empfanges gewiß, seinem Chef präsentirt.

»Ihr seid ein brauchbarer Mann, Fischer,« sagte der Polizeirath, indem er ihm den Lohn auszahlte. »Dient mir so fort, und es soll Euer Schade nicht sein.« –

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