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Physiologie des Geschmacks

Jean Anthelme Brillat-Savarin: Physiologie des Geschmacks - Kapitel 3
Quellenangabe
typetractate
authorJean Anthelme Brillat-Savarin
titlePhysiologie des Geschmacks
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
translatorRobert Habs
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20130716
projectid539c9440
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Aphorismen des Professors als Prolegomena zu seinem Werke und ewige Grundlage für die Wissenschaft.

1. Nur durch das Leben ist das Weltall von Bedeutung, und alles, was lebt, nimmt Nahrung zu sich.

2. Die Thiere fressen, der Mensch ißt, aber nur der Mann von Geist versteht zu essen.

3. Das Schicksal der Nationen hängt von der Weise ihrer Ernährung ab.

4. Sage mir, was du ißt, und ich sage dir, was du bist.

5. Der Schöpfer, der den Menschen nöthigt, zu essen, um zu leben, lädt ihn durch den Appetit dazu ein und belohnt ihn durch den Genuß.

6. Die Feinschmeckerei ist eine Bethätigung unserer Urtheilskraft, durch welche wir den schmackhaften Dingen den Vorzug vor denen einräumen, die diese Eigenschaft nicht besitzen.

7. Das Vergnügen der Tafel gehört jedem Alter, jedem Stande, jedem Lande und jeder Zeit an. Es verträgt sich mit allen andern Genüssen und bleibt uns bis ans Ende, um uns über deren Untergang zu trösten.

8. Die Tafel ist der einzige Ort, wo man sich niemals während der ersten Stunde langweilt.

9. Die Entdeckung eines neuen Gerichts ist für das Glück der Menschheit von größerm Nutzen als die Entdeckung eines neuen Gestirns.

10. Wer sich den Magen überlädt oder sich berauscht, versteht nichts vom Essen und Trinken.

11. Die Stufenleiter der Speisen geht vom Kräftigern zum Leichtern.

12. Die Stufenleiter der Getränke geht vom Mildern zum Schwerern und Würzhafteren.

13. Die Behauptung, man dürfe den Wein nicht wechseln, ist eine Ketzerei. Die Zunge wird übersättigt, und nach dem dritten Glase erregt der beste Wein nur noch eine schwache Empfindung.

14. Ein Nachtisch ohne Käse gleicht einer Schönen, der ein Auge fehlt.

15. Der Koch wird erzogen, der Bratkünstler geboren.

16. Die unerläßlichste Eigenschaft des Kochs ist die Pünktlichkeit: sie soll auch die des Gastes sein.

17. Das allzu lange Warten auf einen säumigen Gast ist ein Mangel an Rücksicht auf die anwesenden Gäste.

18. Wer seine Freunde empfängt und nicht persönlich für das Mahl Sorge trägt, das er ihnen bereitet, ist nicht werth, Freunde zu haben.

19. Die Hausfrau muß sich stets vergewissern, daß der Kaffee ausgezeichnet, und der Hausherr, daß die Liqueure von bester Qualität sind.

20. Jemand einladen, heißt die Sorge für sein Glück auf sich nehmen, so lange er unter unserm Dache weilt.

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