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Physiologie des Alltagslebens

Honoré de Balzac: Physiologie des Alltagslebens - Kapitel 12
Quellenangabe
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typeessay
authorHonore de Balzac
titlePhysiologie des Alltagslebens
publisherGeorg Müller
editorW. Fred
year1912
translatorFranz Blei
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20121126
modified20171128
projectide5219d1f
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IX. Der Landbewohner

Dieser wilde Rentier nistet auf den Höhen von Belleville oder Montmartre, von la Villette, la Chapelle. Unter den neuen Gefilden von Batignolles bevorzugt er Parterrewohnungen mit einem Garten, hundertzwanzig Fuss im Geviert, wo er kümmerliche Pflanzen zieht, die er am Blumenmarkt ersteht. Seine Situation extra muros ermöglicht ihm den Luxus eines Gärtners zum Ausstecken seiner Pflanzen. Seine Gesichtsfarbe ist lebhafter, als die der andern Varietäten, er gibt vor, reine Luft zu atmen, sein Gang ist breitspurig, er spricht über Landwirtschaft und liest den »Bon Jardinier«, Tollard ist sein Mann. Er hätte gerne ein Treibhaus, um eine Blume im Louvre ausstellen zu können. Man ertappt ihn gelegentlich in den Wäldern von Romainville oder Vincennes, wo er zu botanisieren vorgibt; dabei geht er aber auf Nahrung aus, denn er bildet sich ein, etwas von Pilzen zu verstehen. Sein Weibchen, die ebenso vorsichtig als ängstlich ist, wirft mit Bedacht diese gefährlichen Kryptogamen weg und ersetzt sie heimlich durch gezüchtete Champignons und erhält mit diesem unschuldigen Betrug den Rentier in seinen botanischen Neigungen. Es fehlt nicht viel, und er würde zum Sammler ausarten. Er ist der Glücklichste unter den Rentiers. Er hält sich in einer grossen Hühnersteige aus Weidenruten ein paar Hennen, die an einer Krankheit zugrunde gehen, die den Verkäufern, von denen er sein Geflügel kauft, unbekannt ist. Dieser Landbewohner sagt: »Ja, wir Landleute«, und bildet sich ein, am Lande zu leben zwischen einem Viehzüchter und den Stallungen eines Fuhrwerksbesitzers. Das Leben am Lande ist wesentlich billiger, behauptet er, und setzt einem stolz einen Wein aus der Auvergne vor, den er der Einfuhrsteuer zu entziehen verstanden hat. Ein treuer Habitué der Theater von Belleville oder vom Montmartre, lebt er glückselig bis zu dem Tage, wo er seine Frau an den Folgen eines heftigen Rheumatismus verliert. Da erwacht in ihm die Angst vor demselben Schicksal, und er kehrt mit einer Träne im Auge nach Paris zurück. Er hätte es niemals verlassen dürfen, sagt er, wenn er seine liebe Gottselige sich hätte erhalten wollen!

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