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Physiologie der Ehe

Honoré de Balzac: Physiologie der Ehe - Kapitel 6
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authorHonoré de Balzac
titlePhysiologie der Ehe
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
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Die tugendhafte Frau

Die Frage dreht sich vielleicht nicht so sehr um die Feststellung, wie viele tugendhafte Frauen es gibt, als darum, ob eine anständige Frau tugendhaft bleiben kann.

Um über einen so wichtigen Punkt helleres Licht verbreiten zu können, wollen wir schnell einen Blick auf die männliche Bevölkerung werfen.

Von unsern fünfzehn Millionen Männern rechnen wir zunächst die neun Millionen Zweihänder mit zweiunddreißig Wirbeln ab und ziehen für unsere physiologische Untersuchung nur sechs Millionen in Betracht. Männer wie Marceau, Massena, Rousseau, Diderot, Rollin entsprießen oftmals plötzlich dieser gärenden gesellschaftlichen Trebermasse, hier wollen wir aber mit Absicht etwas ungenau sein. Diese Rechenfehler werden zum Schluß mit ihrem ganzen Gewicht in Betracht kommen und werden nur die furchtbaren Ergebnisse bekräftigen, die ein Einblick in das Getriebe der für unser öffentliches Leben bedeutungsvollen Leidenschaften uns enthüllen wird.

Von den sechs Millionen bevorrechtigter Männer wollen wir drei Millionen Greise und Kinder abziehen.

Dieser Abzug – wird man sagen – belief sich bei den Frauen auf vier Millionen.

Dieser Unterschied könnte allerdings auf den ersten Blick auffallend erscheinen, läßt sich aber leicht rechtfertigen.

Das Durchschnittsalter, in dem die Frauen sich verheiraten, ist zwanzig Jahre, und vom vierzigsten Jahre an gehören sie nicht mehr der Liebe zu eigen.

Nun macht aber schon ein junger Bursch von siebzehn Jahren ganz tüchtige Risse in die Pergamente der Eheverträge, und ganz besonders in die ältesten, so sagen wenigstens die Skandalchroniken.

Ferner ist ein Mann von zweiundfünfzig in diesem Alter gefährlicher als in jedem andern. In diesem schönen Lebensalter verfügt er nicht nur über eine teuer bezahlte Erfahrung, sondern auch über das Vermögen, das er sich erworben haben wird. Da die Leidenschaften, deren Stachel ihn treibt, die letzten sind, so ist er unerbittlich und stark wie jemand, der von der Strömung eines Flusses fortgerissen wird und nach einem grünen schwankenden Weidenzweig greift, der im letzten Frühjahr erst gesprossen ist.

 

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