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Physiologie der Ehe

Honoré de Balzac: Physiologie der Ehe - Kapitel 34
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authorHonoré de Balzac
titlePhysiologie der Ehe
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
year1920
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Schluß

Ein Einsiedler, der mit dem zweiten Gesicht begabt zu sein glaubt, hatte dem Volke Israels gesagt, es möge mit ihm auf einen Berg gehen, um dort die Offenbarung einiger Geheimnisse zu vernehmen; er sah sich von einer Schar begleitet, die eine so beträchtliche Strecke Weges bedeckte, daß seine Eitelkeit – obwohl er ein Prophet war – dadurch gekitzelt wurde.

Da aber sein Berg ziemlich weit entfernt war, so geschah es, daß bei der ersten Rast ein Handwerker sich erinnerte, daß er einem Herzog und Pair ein Paar Hausschuhe zu liefern habe; einer Frau fiel ein, daß der Brei für ihre Kinder auf dem Feuer stehe; und ein Zollpächter dachte daran, daß er Staatspapiere auf der Börse begeben müsse. Und sie gingen.

Ein bißchen weiterhin blieben unter den Ölbäumen Liebespaare zurück und vergaßen der Reden des Propheten; denn sie waren der Meinung, das Gelobte Land sei da, wo sie weilten, und das göttliche Wort da, wo sie plauderten.

Fettleibige mit Sanchoschen Bäuchen, die seit einer Viertelstunde sich die Stirn mit ihren Taschentüchern abwischten, begannen Durst zu bekommen und blieben bei einer klaren Quelle zurück.

Einige frühere Soldaten klagten über Hühneraugen, die ihnen Nervenschmerzen machten, und sprachen von Austerlitz und engen Stiefeln.

An der zweiten Haltestelle flüsterten einige Angehörige der guten Gesellschaft sich ins Ohr:

»Aber dieser Prophet ist ja verrückt!«

»Haben Sie ihn reden hören?«

»Ich?! Ich bin nur aus Neugier gekommen.«

»Und ich, weil ich sah, daß man ihm nachlief.« (Dieser letztere war ein Fashionable.)

»Der Kerl ist ein Scharlatan.«

Der Prophet ging rüstig weiter. Aber als er auf der Bergeshöhe angelangt war, von der man einen unermeßlichen Gesichtskreis überblickte, da wandte er sich um und sah bei sich nur einen einzigen armen Israeliten, zu dem er hätte sagen können, wie der Fürst von Ligne zu dem krummbeinigen kleinen Tambour, den er auf dem Platze fand, wo, wie er geglaubt hatte, die ganze Garnison ihn erwarten sollte:

»Nun, meine Herren Leser, wie es scheint, sind Sie nur einer?«

»Mann Gottes, der du mir bis hierher gefolgt bist! Ich hoffe, eine kurze Wiederholung der Hauptzüge wird dich nicht erschrecken; denn während dieser ganzen Reise bin ich überzeugt gewesen, daß du – genau wie ich selber – manchmal zu dir sagtest: ›Zum Teufel auch, wohin geraten wir denn eigentlich?‹«

»Nun, mein ehrenwerter Leser, hier ist der rechte Ort, dich zu fragen, wie du über die Erneuerung des Tabakmonopols denkst, über die ungeheuerliche Besteuerung des Weins, des Waffentragens, des Spiels, der Lotterie und der Spielkarten, des Branntweins, der Seife, der Baumwollen- und Seidenwaren usw.«

»Ich meine: da diese Steuern ein volles Dritteil der ganzen Staatseinnahmen ausmachen, so wären wir in großer Verlegenheit, wenn . . .«

»Jawohl, ein ausgezeichneter Musterehemann: wenn niemand sich betränke, spielte, rauchte und schnupfte, jagte mit einem Wort: wenn wir in Frankreich keine Laster, keine Leidenschaften, keine Krankheiten hätten, dann stände der Staat zwei Fingerbreit vor einem Bankrott; denn wie es scheint, beruhen unsere Renten auf der hypothekarischen Grundlage der öffentlichen Verderbtheit, wie unser Handel nur vom Luxus lebt. Nenn man ein wenig genauer hinsehen will, beruhen alle Steuern auf der Ausnützung einer moralischen Krankheit, und um diese philosophische Untersuchung fortzusetzen – ich würde Gendarmen ohne Pferde und Lederhosen sehen, wenn jedermann sich ruhig verhielte, und wenn es weder Dummköpfe noch Faulenzer gäbe. Zwingen Sie also doch einmal die Menschen zur Tugend! . . . Nun meine ich, es bestehen zwischen meinen anständigen Frauen und dem Staatshaushalt mehr Beziehungen, als man glaubt; und ich erbiete mich, Ihnen dies zu beweisen, wenn Sie mir erlauben wollen, mein Buch so zu beendigen, wie ich es angefangen habe: nämlich mit einem kleinen statistischen Aufsatz. Wollen Sie mir zugeben, daß ein Liebhaber öfter ein weißes Hemd anziehen muß, als ein Ehemann oder ein nicht mit einer Liebschaft beschäftigter Junggeselle es tut? Das scheint mir zweifellos zu sein. Den Unterschied, der zwischen einem Ehemann und einem Liebhaber besteht, erkennt man schon am Äußern ihres Anzugs. Der eine verschmäht künstliche Schönheitsmittel, sein Bart bleibt oftmals längere Zeit unbeschnitten – der andere dagegen läßt sich stets nur in Wehr und Rüstung sehen. Sterne hat sehr witzig gesagt, das Rechnungsbuch seiner Wäscherin habe von allen ihm bekannten Abhandlungen über seinen Tristram Shandy den größten historischen Wert; aus der Anzahl der von ihm verbrauchten Hemden könne man darauf schließen, welche Stellen seines Buches ihm beim Schreiben die größte Mühe gemacht hätten. So ist auch bei Liebenden die Wäscherechnung der getreueste und unparteiischste Geschichtsbericht über ihre Liebe. Eine Leidenschaft erfordert nämlich eine erstaunliche Menge von Kragen, Krawatten und Kleidern, um den Ansprüchen der Koketterie zu genügen; denn ein ungeheurer Nimbus umgibt die blendende Weiße des Strumpfs, den Glanz eines Halskragens oder eines Spencers, die künstlerisch gelegten Falten eines Herrenhemds, die Anmut einer Krawatte und einer Halsbinde. Dies erklärt die Stelle in meiner zweiten Betrachtung, wo ich von der anständigen Frau sagte: »Fortwährend hat sie damit zu tun, ihre Röcke stärken zu lassen.« Ich habe mich bei einer Dame erkundigt, auf welche Summe diese von der Liebe auferlegte Brandschatzung veranschlagt werden könnte, und ich erinnere mich, daß sie diese für eine Frau auf hundert Franken jährlich festsetzte, dann aber mit einer gewissen Offenherzigkeit hinzufügte: »Aber das richtet sich ganz nach dem Charakter der Männer, denn es gibt unter ihnen manche, deren Ansprüche ganz unberechenbar sind.« Indessen kamen wir nach einer sehr gründlichen Untersuchung, wobei ich die Partei der Junggesellen und die Dame die ihres Geschlechts vertrat, dahin überein: daß zwei Liebende der gesellschaftlichen Kreise, mit denen unser Buch sich beschäftigt hat, zusammen, und eins und das andere berechnet, jährlich hundertfünfzig Franken mehr ausgeben müssen als in Friedenszeiten. Durch ein ähnliches freundschaftliches Übereinkommen stellten wir nach langem Hin- und Widerreden ferner fest, daß für alle andern Teile des Anzugs der Unterschied in der Ausrüstung auf Kriegsfuß und zu Friedenszeit zusammen etwa vierhundert Franken betrage. Diese Berechnung wurde sogar von allen männlichen und weiblichen kriegführenden Mächten, die wir befragten, für sehr knapp erachtet. Da uns mehrere Personen wichtige Aufklärungen über diesen heiklen Gegenstand gaben, so gerieten wir auf den Gedanken, einige kluge Köpfe bei einem Mahle zu vereinigen, damit wir bei diesen wichtigen Untersuchungen uns einer sachverständigen Führung erfreuen dürften. Glänzende Reden wurden improvisiert, und beim Gläserklang empfingen die nachstehenden Abschnitte des Staatshaushalts der Liebe eine Art gesetzgeberischer Weihe: eine Summe von hundert Franken wurde für Dienstmänner und Droschken zugebilligt. Fünfzig Taler schienen durchaus nicht übertrieben zu sein für die Pastetchen, die man auf Spaziergängen ißt, für Veilchensträuße und Theaterbesuche. Eine Summe von zweihundert Franken wurde als notwendig erachtet für die außerordentlichen Ansprüche des Gaumens und die Diners, die man in den Restaurationen einnimmt.

Sobald die Höhe der Ausgaben festgestellt war, mußte sie doch auch durch eine Einnahme gedeckt werden. Bei der Debatte darüber wurde ein junger Chevauleger – der König hatte damals, als diese Beratung stattfand, noch nicht seine roten Haustruppen aufgelöst – der durch den Champagnerwein ein bißchen ›ebriolus‹ geworden war, zur Ordnung gerufen, weil er Liebesleute mit Destillierapparaten zu vergleichen wagte. Aber ein Kapitel, das die heftigsten Debatten hervorrief, das sogar mehrere Wochen hindurch vertagt wurde und die Ernennung eines eigenen Berichterstatters notwendig machte, war das Kapitel der Geschenke. In der letzten Sitzung ergriff die zarte Frau von D. zuerst das Wort und suchte in einer anmutsvollen Rede, die für den Adel ihrer Gefühle ein schönes Zeugnis ablegte, nachzuweisen, daß den Geschenken der Liebe meistens ein innerer Wert nicht beikomme. Der Verfasser antwortete, es gebe keine Liebenden, die nicht ihr Bildnis anfertigen ließen. Eine Dame wandte dagegen ein, die Ausgabe für das Porträt sei nur eine einmalige Kapitalanlage, denn man versäume niemals, es zurückzufordern, um es von neuem in Kurs zu setzen. Plötzlich aber stand ein provenzalischer Edelmann auf, um eine Philippika gegen die Frauen zu halten. Er sprach von der die meisten verliebten Frauen verzehrenden unglaublich heißen Gier nach Pelzwerk, Seidenzeug, Stoffen, Schmucksachen und Möbeln; aber eine Dame unterbrach ihn mit der Frage, ob ihre intime Freundin, Frau von O . . . y, nicht bereits zweimal seine Schulden für ihn bezahlt hätte.

»Sie irren sich, meine Gnädige!« versetzte der Provenzale, »das war ihr Gatte.«

»Der Redner wird zur Ordnung gerufen«, rief der Präsident, »und wird dazu verurteilt, die ganze Versammlung zu bewirten, weil er das Wort ›Gatte‹ gebraucht hat.«

Der Provenzale wurde in allen Punkten widerlegt durch eine Dame, die den Nachweis zu führen suchte, daß die Frauen in der Liebe einer viel größern Hingebung fähig seien als die Männer; daß die Liebhaber sehr viel Geld kosteten, und daß eine anständige Frau sich sehr glücklich schätzen würde, wenn sie jährlich auch nur mit einer Ausgabe von zweitausend Franken davonkäme. Die Debatte drohte in persönliche Bemerkungen auszuarten, als schließlich der Antrag auf Abstimmung gestellt wurde. Die Schlußfolgerungen der Kommission wurden von der Versammlung als richtig anerkannt. Sie gingen im wesentlichen dahin, daß die jährliche Ausgabe für gegenseitige Geschenke zwischen Liebesleuten auf fünfhundert Franken zu veranschlagen seien; in dieser Zahl seien jedoch inbegriffen: 1. die Ausgaben für Landpartien; 2. die Kosten der Medizinen für die Erkältungen, die man sich holte, indem man abends in den zu feuchten Parkwegen spazieren ging, oder indem man spät nachts vom Theater nach Hause käme; diese Erkältungen seien nämlich als richtige Geschenke anzusehen; 3. Briefporto und Ausgaben für Schreibzeug; 4. Reisen und allgemeine Unkosten, die etwa sonst bei der Berechnung übersehen sein sollten. Unberücksichtigt blieben jedoch etwaige törichte Ausgaben von Verschwendern, sintemalen es nach den Untersuchungen der Kommission feststände, daß derartige Verschwendung meistens nicht für verheiratete Frauen, sondern nur für Operntänzerinnen betrieben würde. Das Ergebnis dieser pekuniären Liebesstatistik lautete, daß, eins ins andere gerechnet, eine Leidenschaft jährlich etwa fünfzehnhundert Franken kostete; diese Ausgabe verteile sich auf die beiden Liebenden oft in sehr ungleicher Art, ohne deren Verhältnis aber würde es nicht stattfinden. Einstimmig stellte die Versammlung fest, daß diese Zahl das Mindestmaß der Jahreskosten einer Liebesleidenschaft bezeichnete. Da wir nun, mein werter Herr, durch die Berechnungen unserer Ehestatistik in den Betrachtungen I bis III unwiderleglich nachgewiesen haben, daß in Frankreich eine Durchschnittszahl von mindestens fünfzehnhunderttausend illegitimen Liebesverhältnissen vorhanden ist, so folgt daraus:

  • daß zu der großen Umlaufsbewegung des Geldes dieses echten sozialen Blutes, für das das Staatsbudget die Stelle des Herzens vertritt – die unerlaubten Liebesverhältnisse des Drittels der französischen Bevölkerung eine Summe von ungefähr drei Milliarden beitragen;
  • daß die anständige Frau nicht nur den Kindern des Vaterlands, sondern auch dessen Kapitalien das Leben schenkt;
  • daß unsere gewerblichen Unternehmungen ihr Gedeihen nur diesem Umlauf verdanken;
  • daß die anständige Frau im wahren Sinne des Worts am Budget beteiligt und Konsumentin ist;
  • daß die geringste Baisse in der allgemeinen Liebe unberechenbares Unglück für den Fiskus und die Rentner nach sich ziehen würde;
  • daß mindestens der dritte Teil des Einkommens eines Ehemanns hypothekarisch auf die Unbeständigkeit seiner Frau sichergestellt ist – usw.

Ich weiß wohl, Sie öffnen bereits den Mund, um mir einen Vortrag über Sitten, über Politik, über Gut und Böse zu halten . . . Aber mein werter Minotaurisierter, ist nicht das Glück das Ziel, wonach alle gesellschaftlichen Einrichtungen streben müssen? Ist nicht dieser Grundsatz schuld daran, daß die armen Könige sich mit ihren Völkern so viele Mühe machen? Nun, die anständige Frau hat allerdings nicht wie jene Throne, Gendarmen, Gerichtshöfe – sie hat nur ein Bett darzubieten. Aber wenn unsere vierhunderttausend Frauen mit Hilfe dieser sinnreichen Maschine eine Million Junggesellen glücklich machen und obendrein noch ihre vierhunderttausend Ehemänner – erreichen sie dadurch nicht auf eine geheimnisvolle Weise und ohne jedes Aufsehen dasselbe Ziel, das jede Regierung im Auge hat: nämlich der großen Menge eine möglichst große Summe von Glück zu geben?

»Ja, aber die Verdrießlichkeiten, die Kinder, all das Unglück . . .«

Ach, erlauben Sie mir nur, auf das tröstende Wort hinzuweisen, das einer unserer geistvollsten Karikaturenzeichner unter einen seiner bittern Angriffe schrieb: ›Der Mensch ist nicht vollkommen!‹ Damit sie vollkommen seien, genügt es also, wenn bei unsern Einrichtungen die Unzuträglichkeiten nicht größer sind als die Vorteile; denn vom sozialen Standpunkt aus betrachtet, befindet das Menschengeschlecht sich nicht zwischen dem Guten und dem Schlimmen, sondern zwischen dem Schlimmen und dem Schlimmeren. Wenn nun unser jetzt vollendetes Buch sich das Ziel gesetzt hat, die schlimmste aller Eheeinrichtungen etwas weniger schlimm zu machen, indem es die Irrtümer und Widersprüche enthüllt, an denen unsere Sitten und unsere Vorurteile schuld sind – so wird dies gewiß einer der schönsten Ruhmestitel sein, die ein Mensch vorweisen kann, um unter die ›Wohltäter der Menschheit‹ gerechnet zu werden. Der Verfasser hat ja versucht, indem er den Ehemännern Waffen gab, dadurch die Frauen zu größerer Zurückhaltung zu bewegen – oder was dasselbe sagen will, die Leidenschaften heftiger zu machen, dem Fiskus mehr Geld, dem Handel und Ackerbau mehr Leben zuzuführen! Dank dieser letzten Betrachtung darf er sich schmeicheln, das Gelübde des Eklektizismus, womit er an dieses Buch herantrat, vollkommen erfüllt zu haben; er hofft wie ein Generalstaatsanwalt, alle für den Prozeß in Betracht kommenden Fragen klargelegt zu haben, ohne aber Schlußfolgerungen zu ziehen. Welchen Zweck hätte es denn auch für Sie, hier ein Axiom zu finden? Tronchet war gegen Ende seines Lebens der Meinung, die Gesetzgebung habe bei der Ehe viel weniger Rücksicht auf die Gatten als auf die Kinder genommen. Wünschen Sie in diesem Buch eine Verteidigung dieser Meinung zu sehen? Mir ist es recht. Oder wäre es Ihnen lieber, dieses Buch wäre eine Art Beweis für die Predigt jenes Kapuziners, der vor Anna von Osterreich predigte; als er sah, daß die Königin und ihre Damen über seine allzu siegreichen Beweisgründe ihrer Schwachheit sehr aufgebracht waren, sagte er zu ihnen beim Herabsteigen von der Kanzel der Wahrheit: ›Aber Sie alle sind anständige Frauen, und nur wir Männer sind leider Söhne von Samariterinnen.‹ Auch dies ist mir recht. Es sei Ihnen erlaubt, jede Ihnen beliebige Schlußfolgerung aus meinem Buche zu ziehen; denn nach meiner Meinung ist es kaum möglich, daß zwei einander widersprechende Ideen über diesen Gegenstand trotz allen Widersprüchen nicht dennoch beide dieses oder jenes Richtige enthalten. Aber dies Buch ist nicht für oder gegen die Ehe geschrieben; es sollte Ihnen nur eine möglichst genaue Beschreibung derselben liefern. Wenn wir durch die Untersuchung der Maschine dahin gelangen können, einen ihrer Räderteile zu vervollkommnen, wenn wir durch die Reinigung eines verrosteten Bestandteils dem ganzen Mechanismus neue Triebkraft gegeben haben – so billigt dem Arbeiter einen Lohn zu. Wenn der Verfasser so unverschämt gewesen ist, allzu harte Wahrheiten zu sagen; wenn er zu oft Einzelfälle verallgemeinert hat; wenn er sich zu wenig um die Gemeinplätze bekümmert hat, deren man sich seit undenklichen Zeiten bedient, um den Frauen Weihrauch zu streuen – oh! so werde er gekreuzigt! Aber schreibt ihm keine feindseligen Absichten gegen die Einrichtung selbst zu: was er gesagt hat, richtet sich nur gegen die Frauen und gegen die Männer. Er weiß, daß die Ehe unangreifbar ist, solange sie nicht durch die Ehe selber umgestürzt ist. Und wenn so viele Klagen gegen diese Einrichtung laut werden, so geschieht dies im Grunde vielleicht nur deshalb, weil der Mensch nur für seine Leiden Gedächtnis hat, weil er seine Frau anklagt, wie er das Leben anklagt – denn die Ehe ist ein Leben im Leben. Indessen mag es Leute geben, die sich beim Lesen ihrer Zeitung selber ein Urteil zu bilden gewohnt sind, trotzdem aber über ein Buch herziehen, wenn es in der grundsätzlichen Durchführung des Eklektizismus zu weit gehen wollte. Wenn nun diese Leute durchaus etwas brauchen, was nach einem Schluß aussieht, so ist es nicht unmöglich, ihnen so einen zu finden. Und da dies Buch mit einigen Worten Napoleons begann – warum sollte es nicht ebenso schließen?

In voller Sitzung des Staatsrats schleuderte der erste Konsul ein Donnerwort hervor, das ein Lobspruch und eine Satire auf die Ehe ist und zugleich den Inhalt unseres Buches wiedergibt:

›Wenn der Mann nicht alt würde, so wollte ich nichts davon wissen, daß er eine Frau nähme!‹

 

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