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Physiologie der Ehe

Honoré de Balzac: Physiologie der Ehe - Kapitel 26
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authorHonoré de Balzac
titlePhysiologie der Ehe
publisherInsel-Verlag zu Leipzig
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Die Peripetien

Das Wort ›Peripetie‹ ist ein literarischer und dramatischer Fachausdruck, der so viel wie ›die Lösung des Knotens‹ bedeutet.

In dem Drama, das du spielst, eine Peripetie herbeizuführen, ist ein Verteidigungsmittel, das ebenso leicht ins Werk zu setzen ist, wie dessen Erfolg sicher ist. Indem wir dir also den Gebrauch desselben anraten, wollen wir doch nicht die damit verbundenen Gefahren verhehlen.

Die eheliche Peripetie läßt sich mit einem jener schönen Fieber vergleichen, die einen Menschen von kräftiger Körperanlage ins Grab bringen oder ihn auf Lebenszeit gesund machen. So führt auch eine Peripetie, wenn sie gelingt, eine Frau auf Jahre hinaus in das Gebiet der Ehrsamkeit und Tugend zurück.

Zudem ist dieses Mittel das letzte von allen, die uns die Wissenschaft bis heute hat entdecken lassen.

Die Bartholomäusnacht, die Sizilianische Vesper, Lucrezias Tod, die beiden Landungen Napoleons bei Fréjus sind politische Peripetien. So gewaltige darfst du freilich nicht machen; indessen werden verhältnismäßig deine ehelichen Theatercoups nicht weniger bedeutungsvoll sein, als jene weltgeschichtlichen.

Nun liegt aber das Genie gerade in der Kunst, Situationen zu schaffen und durch natürliche Ereignisse ein völlig anderes Bühnenbild herbeizuführen; nun aber ist es die schwierigste aller Peripetien, wenn eine Frau, deren Fuß bereits einige Spuren auf dem weichen goldigen Sande der Pfade des Lasters zurückgelassen hat, zur Tugend zurückkehrt; nun aber läßt sich das Genie nicht lernen und nicht lehren – und darum sieht sich der Lizentiat des Eherechts gezwungen, hier zu erklären, daß er völlig außerstande ist, feste Grundsätze für eine Wissenschaft aufzustellen, die ebenso wechselnd ist wie die Umstände, ebenso flüchtig wie die Gelegenheit, ebenso unerklärbar wie der Instinkt.

Es wird uns daher nichts anderes übrigbleiben, als einige in dieses Kapitel hineingehörende eheliche Situationen flüchtig hinzuzeichnen und es damit zu machen wie jener Philosoph des Altertums, der sich vergeblich das Wesen der Bewegung zu erklären versuchte und schließlich einfach drauflos marschierte, um ihre unfaßlichen Gesetze zu erfassen.

Ein Ehemann wird, wenn er die in unserer Betrachtung über die Polizei niedergelegten Grundsätze befolgt, seiner Frau ausdrücklich verboten haben, die Besuche des Junggesellen zu empfangen, den er als ihren Liebhaber im Verdacht hat; sie hat versprochen, ihn niemals zu sehen. Es gibt gewisse kleine Auftritte am häuslichen Herde, deren Ausgestaltung wir der Einbildungskraft der Beteiligten überlassen; ein Ehemann wird sie sich viel besser vorstellen, als wir sie ihm schildern könnten, indem er sich in Gedanken jene Tage vorstellt, wo aus köstlichen Begierden aufrichtig gemeinte Vertraulichkeiten entstanden, wo die Triebfedern seiner Politik einige geschickt konstruierte Maschinen in Bewegung setzten.

Wir wollen hier eine derartige Normalszene vorführen, und um diese etwas interessanter zu machen, wollen wir annehmen, daß du, mein Leser, der Ehemann seiest, der die Entdeckung macht, daß deine Frau die Einladung zu einem Essen beim Minister – die sie dir vielleicht selbst verschafft hat – dazu benutzen will, um Herrn A. – Z. zu empfangen.

Hier sind alle Bedingungen vorhanden, um eine der schönsten Peripetien herbeizuführen.

Du kommst so zeitig nach Hause, daß deine Ankunft ungefähr mit der des Herrn A. – Z. zusammenfällt; denn wir würden dir nicht raten, einen zu langen Zwischenakt zu riskieren. Aber in welcher Weise kommst du an? Hier sollen für dich nicht mehr die in der vorhergehenden Betrachtung aufgestellten Grundsätze maßgebend sein – ›Also als Wütender?‹ – Erst recht nicht. Du kommst mit einem recht harmlosen Gesicht, als ob du in der Zerstreutheit deine Börse oder die für den Minister bestimmte Denkschrift oder dein Taschentuch oder deine Tabaksdose vergessen hättest.

Nun wirst du also entweder die beiden Liebenden zusammen überraschen, oder deine Frau ist von ihrer Zofe gewarnt worden und hat den Junggesellen versteckt.

Versetzen wir uns in diese beiden Situationen, da außer ihnen eine andere nicht möglich ist.

Hier möchten wir darauf aufmerksam machen, daß alle Ehemänner imstande sein müssen, in ihrem Hause Angst und Schrecken zu verbreiten, und daß von ihnen häusliche Septemberschreckenstage schon lange vorher vorbereitet werden müssen.

So wird ein Ehemann, sobald seine Frau einige ›erste Symptome‹ verraten hat, auf keinen Fall verfehlen, von Zeit zu Zeit eine persönliche Meinung darüber auszusprechen, wie ein Gatte sich in den großen Krisen des Ehelebens zu verhalten habe. Du wirst zum Beispiel sagen:

»Ich? Ich würde ohne jedes Bedenken einen Mann töten, den ich zu den Füßen meiner Frau überraschte.«

Du wirst die Rede auf dieses Thema bringen und im Laufe der Debatte Gelegenheit zu dem Ausspruch finden: das Gesetz hätte, wie bei den alten Römern, einem Ehemann das Recht über Leben und Tod seiner Kinder geben sollen, so daß er die im Ehebruch erzeugten Bankerte töten könnte.

Diese blutdürstigen Ansichten, die ja für dich in keiner Weise bindend sind, werden deiner Frau einen heilsamen Schrecken einjagen; es empfiehlt sich sogar, derartige Aussprüche lachenden Mundes zu tun, indem du ihr etwa sagst: »O mein Gott ja, mein geliebtes Herz, ich würde dich sehr elegant abmurksen. Wäre es dir lieb, wenn du von mir getötet würdest?«

Eine Frau wird stets unwillkürlich fürchten, aus solchem Spaß könnte eines Tages sehr blutiger Ernst werden denn auch diesen Verbrechen, zu denen ein betrogener Gatte sich blindlings hinreißen läßt, steht die Liebe nicht fern. Ferner wissen die Frauen besser als sonst jemand, unter Lachen die Wahrheit zu sagen, und haben darum manchmal ihre Ehemänner im Verdacht, sie wendeten diese weibliche List an.

Wenn also ein Gatte seine Frau mit ihrem Liebhaber überrascht – und wäre es auch nur bei einem unschuldigen Gespräch – so muß sein Kopf, den man so noch niemals gesehen hat, die mythische Wirkung der berühmten Gorgo hervorbringen.

Um unter solchen Umständen eine günstige Peripetie hervorzubringen, mußt du, je nach dem Charakter deiner Frau, entweder einen pathetischen Auftritt à la Diderot spielen oder mit ciceronianischer Ironie vorgehen oder deine mit Pulver geladenen Pistolen von der Wand reißen, ja sogar sie abschießen, wenn du einen großen Spektakel für unbedingt notwendig hältst.

Ein geschickter Ehemann meiner Bekanntschaft hat mit einer Szene gemäßigter Empfindsamkeit einen recht hübschen Erfolg gehabt. Er tritt ein, sieht den Liebhaber und treibt ihn mit einem Blick zur Tür hinaus. Kaum ist der andere fort, so fällt er seiner Frau zu Füßen und deklamiert eine Tirade, worin außer andern Redensarten auch die folgende vorkommt: »Ach, meine teure Karoline, ich habe dich nicht zu lieben gewußt!«

Er weint – sie weint, und diese tränenreiche Peripetie führt vollständig zum Ziel.

Bei der Besprechung der zweiten Art, auf welche sich die Peripetie vollziehen kann, werden wir die Beweggründe auseinandersetzen, die einen Ehemann verpflichten müssen, diesen Auftritt je nach dem mehr oder weniger hohen Grade der ihm gegenüberstehenden weiblichen Kraft abzuändern.

Fahren wir fort!

Wenn du das Glück hast, daß der Liebhaber sich versteckt hat, so wird die Peripetie noch viel schöner sein.

Wenn die Wohnung nur einigermaßen nach den in der Betrachtung über die Wohnungen besprochenen Grundsätzen eingerichtet ist, wirst du leicht das Versteck erkennen, in das sich der Junggeselle hineingezwängt hat – hätte er sich auch wie Lord Byrons Don Juan unter dem Kissen eines Diwans zusammengerollt. Sollte zufällig deine Wohnung in Unordnung sein, so mußt du sie so vollkommen kennen, um zu wissen, daß es in ihr nicht zwei Stellen gibt, wo ein Mann sich verstecken könnte.

Sollte er sich schließlich durch irgendeine teuflische Eingebung so klein gemacht haben, daß er in einen ganz unwahrscheinlichen Winkel geschlüpft wäre – denn von seiten eines Junggesellen muß man auf alles gefaßt sein – nun, so wird deine Frau sich nicht enthalten können, einen Blick auf diesen geheimnisvollen Ort zu werfen oder sie wird absichtlich ihre Augen genau nach der entgegengesetzten Seite wenden, und alsdann ist für einen Mann nichts leichter, als seiner Frau eine kleine Falle zu stellen.

Sobald das Versteck entdeckt ist, gehst du gerade auf den Liebhaber los. Du stehst ihm gegenüber!

Und nun mußt du dir Mühe geben, recht schön dazustehen. Halte beständig deinen Kopf zu drei Vierteln abgewandt, indem du ihn mit einer überlegenen Miene erhebst. Diese Haltung wird viel zu der Wirkung beitragen, die du notwendigerweise erzielen mußt.

Das Allerwichtigste besteht in diesem Augenblick darin, daß du den Junggesellen durch eine bedeutende Redensart, die du vorher in aller Muße improvisiert hast, zu Boden schmetterst; wenn er dann unten liegt, mußt du ihm kalt bedeuten, er könne gehen. Du wirst sehr höflich sein, dabei aber scharf wie das Richtbeil des Henkers und unbeugsamer als das Gesetz. Diese eisige Verachtung wird vielleicht schon in dem Geiste deiner Frau eine Peripetie herbeiführen. Kein Geschrei, keine wilden Armbewegungen, kein Herumtoben! Die Angehörigen der hohen Gesellschaftskreise – hat ein junger englischer Schriftsteller gesagt – gleichen niemals jenen kleinen Leuten, die keine Gabel verlieren können, ohne das ganze Stadtviertel durch das Läuten der Sturmglocke in Aufregung zu bringen.

Ist der Liebhaber fort, so bist du allein mit deiner Frau; und in dieser Situation mußt du sie dir für immer zurückgewinnen.

Du stellst dich vor sie hin, mit einer ruhigen Miene, in der sich aber eine tiefe Bewegung verrät; hierauf wählst du dir von den folgenden Gedanken, die wir dir mit rhetorischer Weitschweifigkeit unterbreiten, diejenigen aus, die am besten mit deinen Grundsätzen übereinstimmen: »Madame, ich werde Ihnen weder von Ihren Eiden noch von meiner Liebe sprechen; denn Sie sind zu klug, und ich bin zu stolz, als daß ich Sie mit den abgedroschenen Klagen behelligen sollte, die alle Ehemänner in einem derartigen Fall vorzubringen das Recht haben; dabei ist eben ihr geringster Fehler, daß sie nur zu sehr im Rechte sind. Ich werde mich sogar, wenn ich kann, vom Zorn freihalten und werde nichts nachtragen. Nicht ich bin der Beschimpfte; denn ich habe ein zu großes Herz, um Angst vor jener öffentlichen Meinung zu haben, die fast immer mit vollem Recht einen Ehemann, dessen Frau sich schlecht aufführt, lächerlich und tadelnswert findet. Ich prüfe mich selbst und finde nicht, wodurch ich, wie die meisten von jenen, es hätte verdienen können, von Ihnen verraten zu werden. Ich liebe Sie immer noch. Niemals verstieß ich, ich will nicht sagen: gegen meine Pflichten – denn es hat mich keine Mühe gekostet, Sie anzubeten; aber niemals, sage ich, verstieß ich gegen jene süßen Verbindlichkeiten, die uns ein wahres Gefühl auferlegt. Sie besitzen mein ganzes Vertrauen; Sie schalten und walten mit meinem Vermögen. Ich habe Ihnen nichts verweigert. Mit einem Wort: heute zum erstenmal zeige ich Ihnen ein mißbilligendes Gesicht, aber selbst jetzt kein strenges. Aber schweigen wir hiervon – denn ich darf mich nicht in einem Augenblicke verteidigen, wo Sie mir auf eine so nachdrückliche Art beweisen, daß mir notwendig irgend etwas fehlen muß und daß ich nicht von der Natur bestimmt bin, die schwierige Aufgabe zu vollbringen und Sie glücklich zu machen. Ich will also nur, wie ein Freund zum Freunde spricht, Sie fragen, wie Sie das Leben von drei Menschen zugleich haben aufs Spiel setzen können: das Leben der Mutter meiner Kinder, die mir stets geheiligt sein wird, das Leben des Familienhauptes und endlich das Leben des . . . dessen, den Sie lieben . . .« (vielleicht wird sie sich dir zu Füßen werfen; du darfst sie niemals da liegen lassen, denn das wäre ihrer unwürdig) . . . »denn . . . du liebst mich nicht mehr, Elisa. Ach ja, mein armes Kind,« (sollte die Tat noch nicht begangen sein, so darfst du sie auch nicht ›mein armes Kind‹ nennen) . . . »warum sich selber täuschen? Warum sagten Sie mir es nicht? Wenn zwischen zwei Gatten die Liebe erlischt – bleibt dann nicht noch die Freundschaft, das Vertrauen? Sind wir nicht zwei Gefährten, die denselben Weg zu gehen haben? Soll auf diesem Wege niemals der eine von uns dem andern seine Hand hinstrecken, um seinen Gefährten aufzuheben, vor dem Fallen zu bewahren? Aber ich sage vielleicht schon zu viel und verletze Ihren Stolz . . . Elisa! . . . Elisa!«

Was, zum Teufel auch, soll hierauf eine Frau antworten? Die Peripetie ist unvermeidlich.

Unter hundert Frauen gibt es wenigstens ein gutes halbes Dutzend schwacher Geschöpfe, die infolge eines solchen derben Stoßes vielleicht für immer zu ihrem Gatten zurückkehren, recht wie verbrühte Katzen, die seitdem auch das kalte Wasser fürchten. Doch ist dieser Auftritt ein Gegengift im wahren Sinne des Wortes, und daher müssen die Dosen mit vorsichtigen Händen abgewogen werden.

Bei gewissen Frauen mit weichen Nervenfasern, sanften und furchtsamen Seelen wird es genügen, auf das Versteck zu zeigen, worin der Liebhaber sitzt und zu sagen: »Da ist Herr A. – Z.!« (Achselzucken.) »Wie können Sie es wagen, ein Spiel zu treiben, wobei zwei brave Männer sich den Hals brechen können? Ich gehe. Lassen Sie ihn heraus, und daß mir so etwas nicht wieder vorkommt!«

Aber es gibt Frauen, die sich infolge zu großer Nervenspannung bei derartigen furchtbaren Peripetien eine Herzerweiterung zuziehen; andere, denen der Schrecken ins Blut schlägt und die in eine schwere Krankheit verfallen. Einige können geradezu den Verstand verlieren. Es fehlt sogar nicht an Beispielen, daß eine Frau sich vergiftet hat oder eines plötzlichen Todes gestorben ist, und wir glauben doch nicht, daß du den Tod der Sünderin wünschest.

Allerdings hat die schönste und galanteste aller Königinnen von Frankreich, die anmutige unglückliche Maria Stuart, nachdem sie ihren Rizzio fast in ihren Armen hatte ermorden sehen, trotzdem später den Grafen Bothwell geliebt. Aber sie war eine Königin, und Königinnen sind Naturen ganz eigener Art.

Wir wollen nun annehmen, die Frau, deren Bildnis unsere erste Betrachtung schmückt, sei eine kleine Maria Stuart, und wollen sofort den Vorhang aufziehen und den fünften Akt jenes großen Dramas, ›Ehe‹ genannt, beginnen lassen.

Die eheliche Peripetie kann überall stattfinden, und tausend Zufälle, die sich nicht vorher beschreiben lassen, können dazu führen. Bald wird es ein Schnupftuch sein, wie im Mohren von Venedig; oder ein Paar Pantoffeln, wie im Don Juan; oder der Irrtum deiner Frau, die statt ›lieber Adolphe!‹ ein ›lieber Alfonse!‹ ausruft. Endlich wird oftmals ein Ehemann, wenn er bemerkt, daß seine Frau in Schulden sitzt, ihren Hauptgläubiger aufsuchen und ihn ganz zufällig eines Morgens in seiner Wohnung erscheinen lassen, um eine Peripetie herbeizuführen. »Herr Josse, Sie sind Juwelier, und Ihrer Leidenschaft, Juwelen zu verkaufen, kommt nur eine andere Leidenschaft gleich, nämlich Ihr Geld dafür zu bekommen. Frau Gräfin ist Ihnen dreißigtausend Franken schuldig. Wenn Sie sie morgen haben wollen,« – man muß den Geschäftsmann in solchen Angelegenheiten stets gegen Ende eines Monats aufsuchen – »so gehen Sie um zwölf Uhr mittags zu ihr. Ihr Mann wird im Zimmer sein; achten Sie auf kein Zeichen, wodurch sie Sie etwa auffordert, stille zu sein, sprechen Sie nur frisch von der Leber weg! – Ich werde bezahlen.«

Mit einem Wort: die Peripetie bedeutet in der Wissenschaft des Ehelebens, was in der Arithmetik die Zahlen bedeuten.

 

Alle der höheren Ehephilosophie zugrunde liegenden Prinzipien, die den in diesem zweiten Teil unseres Buches angegebenen Verteidigungsmitteln ihr Leben verleihen, sind aus der Natur der menschlichen Gefühle abgeleitet, wir haben sie in dem großen Buch der Welt hie und da verstreut gefunden. Wie nämlich geistvolle Menschen ganz instinktmäßig die Gesetze des guten Geschmacks anwenden, deren Prinzipien auseinanderzusetzen für sie oftmals eine große Verlegenheit sein würde – so haben auch wir zahlreiche liebebeseelte Ehemänner gesehen, die mit außerordentlichem Glück die von uns des nähern erläuterten Lehren befolgen, und bei keinem einzigen dieser Ehemänner lag jemals ein bestimmter Plan vor. Die ahnungsvolle Erkenntnis ihrer Lage enthüllte ihnen nur unvollständige Bruchstücke eines ungeheuer großen Systems; hierin gleichen sie jenen Gelehrten des sechzehnten Jahrhunderts, deren Mikroskope noch nicht auf einer solchen Stufe der Vollkommenheit standen, als daß sie damit alle die Wesen hätten bemerken können, deren Dasein trotzdem durch die geduldige Denkarbeit ihres Geistes für sie feststand.

Wir hoffen, die in unserm Buche bereits mitgeteilten und die in dem folgenden letzten Abschnitt desselben noch mitzuteilenden Beobachtungen werden imstande sein, die Ansicht zu zerstören, wonach oberflächliche Menschen die Ehe als eine Sinekure betrachten. Nach unserer Meinung ist ein Ehegatte, der sich langweilt, ein verständnisloser Ketzer; ja noch mehr: er ist ein Mensch, der in das Eheleben überhaupt gar nicht eingedrungen sein kann und es nicht begreift. In dieser Hinsicht werden diese Betrachtungen vielleicht gar viele Unwissende auf die Geheimnisse einer Welt hinweisen, der sie mit offenen Augen gegenüberstanden, ohne sie zu sehen.

Und nun wollen wir noch hoffen, daß diese Grundsätze, verständig angewandt, gar manche Bekehrung herbeiführen, und daß auf die beinahe weißen Blätter, die diesen zweiten Teil vom ›Häuslichen Krieg‹ trennen, recht viele Tränen der Reue fallen werden.

Ja, wir wollen uns gerne dem Glauben hingeben, daß von den vierhunderttausend anständigen Frauen, die wir so sorgfältig ausgelesen haben, nur eine gewisse Anzahl, sagen wir dreihunderttausend, so verderbt, so reizend, so anbetungswürdig, so kriegerisch sein werden, um die Standarte des ›Häuslichen Krieges‹ aufzupflanzen.

Zu den Waffen also, zu den Waffen!

 

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