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Peter Altenberg. Auswahl aus seinen Büchern von Karl Kraus

Peter Altenberg: Peter Altenberg. Auswahl aus seinen Büchern von Karl Kraus - Kapitel 11
Quellenangabe
typeaphorism
authorPeter Altenberg
titlePeter Altenberg. Auswahl aus seinen Büchern von Karl Kraus
publisherInsel Verlag
printrunErste Auflage
editorChristian Wagenknecht
year1997
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140210
projectid25f66321
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Vita ipsa

Das Personal

Das »Personal« unseres Hotels ist »mysteriös«, viel viel interessanter, merkwürdiger als die »bourgeoisen« Damen. Von 6 Uhr morgens bis 1 Uhr nachts der »Pflicht« ergeben, wofür denn bitte, ewig dienstbereit, gleichsam freiwillig gebückten Rückens! Niemals irgendein Aufbegehren gegen das zufällige unglückliche Schicksal, niemals, sondern mysteriös ergeben, ergeben! Ich will gar nicht von unserer 51jährigen Therese sprechen im 1. Stocke, die sich außerdem für eine 92jährige, seit 23 Jahren gelähmte Mutter aufopfert (sie hätte sonst sich schon » zurückziehen« können), aber wir haben auch Junge, Blühende, Frische, die auf den engen Hotelgängen ihre Pflicht tun, in Selbstverständlichkeit! Sie bedürfen nicht erst der »Bergalmen«, 2300 Meter über dem Meere, um »sich glücklich zu fühlen«. Sie tun auf düsteren Hotelgängen ihre unentrinnbare und deshalb wertvolle Pflicht. Niemanden belästigen sie mit Klagen über ihre Lebenslage, und sie verstehen es, daß man hartherzig gegen sie ist, trotz alledem, denn, siehe, das ganze Leben ist ebenso, außer für die paar Auserwählten, zu denen man eben leider zufällig nicht gehört! »Herr Peter, Sie anerkennen uns, aber Sie sind eben der Herr Peter!«

Kann man da nicht ruhig auf andere Dinge verzichten?!?

Solche primitive Aussprüche sind ausgestellte Zeugnisse, wertvoller als die Titel: Hofrat, Exzellenz! Die »Volkesseele« rafft sich auf (die sich leider Gottes nie aufrafft), dem Dichter im düsteren schmalen Hotelgang ein günstiges Zeugnis auszustellen wegen naturgemäßer Gemeinsamkeiten!

Modern

Es gibt Frauen, die hören zu, horchen auf, lauschen gespannt. Das heißt, sie halten es für vorteilhaft, es zu tun. Andere wieder halten es für vorteilhafter, selbst zu sprechen, das heißt einem einen raschen Einblick zu gewähren in alles das, was sie gelesen und mißverstanden haben. Oder was sie erlebt haben, ohne es erlebt zu haben. Sie halten es zum Beispiel für psychologisch interessant, wenn jemand »einst für sie sterben« wollte und hernach doch am Leben geblieben ist. Für viele ist P. A. der »auserkorene« Dichter, weil er Seelen schildert und Körper, von denen sie sich einbilden, den größten Teil davon selbst zu besitzen. Die anderen, zum Beispiel die Fetten, verachten ihn und halten ihn für gefährlich überspannt und vor allem nicht ernst zu nehmen. Wenn eine junge feine Dame mir sagt: »Lieben Sie den Wald, den See auch so sehr?!«, so erwidere ich: »Nicht auch, sondern nur!« Und wenn sie dann gekränkt sagt: »Wissen Sie denn genau, was in mir vorgeht?!«, so erwidere ich: » Ganz genau, dazu bin ich ja da, das zu wissen, ich, der Dichter!«

Wenn sie mir sagen: »Aber warme Bäder sind doch angenehm!«, sage ich: »Aber schädlich, also unangenehm!« Ich sage: »Das ›Opossum‹ ist sehr lieblich und niedlich dort, wo es wohnt, in seiner Erdhöhle oder auf seinem Baumast, was weiß ich, wo es sich herumtreibt, aber der Hals, der Nacken einer schönen Dame ist wieder nur schön mit der eigenen Haut ohne ›Blaufuchs‹!«

»Wollen Sie uns denn allen Luxus verbieten?!«

»Verbieten nicht, aber übelnehmen! Der höchste, kostbarste Luxus, den ich gestatte, ist die eigene Schönheit! Nicht Handschuhe, sondern die Hand, nicht Schuhe, sondern die Füße, nicht Strümpfe, sondern – –, nicht, nicht, nicht, sondern – – –!« »Man will aber doch auch ein bißchen sein eigenes Leben leben!?« »Wozu?! Folget dem, der es besser, tiefer, weiser, einfacher versteht!«

»Sie sind ein strenger Hofmeister

»Nein, ein menschenfreundlicher Dichter

Anhänglichkeit

Die Frau, die uns ernstlich lieb hat, will es bei uns durchsetzen, daß das allein uns glücklich mache.

Sie spürt es, daß ihre ganze Anhänglichkeit nur dann einen Sinn habe – – –.

Sonst wäre es eben leider Zudringlichkeit.

Wie macht sie es also?!

»Du scheinst gar nicht so besonders erfreut zu sein, Maxl, daß ich um eine Stunde früher gekommen bin?!?«

»O ja, sehr.«

»O ja sehr, heißt gar nichts. Ich kann ja übrigens weggehen und erst in einer Stunde wiederkommen – – –.«

»Nein, bleibe nur da.«

»Ich kann auch gar nicht mehr wiederkommen!?«

Pause.

»Ich weiß jemanden, der sehr froh wäre, wenn ich ihm jetzt im Café eine Stunde meiner Zeit schenkte!«

Pause.

»Nein, das lasse ich mir nicht mehr gefallen! Bin ich eine ›zudringliche‹ Person?! Ich glaubte, du brauchest mich?! Du, sei gut und lieb, was hast du denn dann von mir, wenn du dich gar nicht auf mich freust?! Das ist doch nur dein eigener Schaden! Geh' Maxl, freu' dich über mich!«

Das Benehmen

Dein Benehmen, Mädchen, sei ja keine mühselig (müh-unselig) anerzogene, anerzwungene Sache, die hinwegtäuscht über innerliche Mängel! Das Benehmen sei ein natürlicher Außen-Spiegel aller deiner verborgenen inneren Werte selbst! Dein Lächeln zum Beispiel beim Begrüßen sei der Spiegel deiner reinen, liebenswürdigen, zarten, menschenfreundlichen, noch ungetrübten Mädchenseele! Fürchte nicht, dadurch in jemandem falsche und lächerliche Hoffnungen zu erwecken, Mädchen! Wer es nicht auffaßt, so wie es gespendet wird, der ist ein Unhold, ein Eitelkeits-Hund! Er werde grausam enttäuscht durch deine baldigst eintretende Frostigkeit im gewöhnlichen Verkehre. Wer liebenswürdiges Verhalten persönlich deutet als » Eroberung«, ist ein eitles Vieh! Lasset euch, zarte Mädchenseelen, nicht kopfscheu machen, lasset euer ungetrübtes zartes Innerstes nach außen widerspiegeln als liebenswürdiges Benehmen und straft jene mit unnachsichtlicher Verachtung, die eure zarten Menschlichkeiten blöd-frech mißverstehen! Aber lasset euch durch solche Teufel die natürliche Liebenswürdigkeit eurer Unverdorbenheiten nicht rauben! Besieget sie, indem ihr unwandelbar liebenswürdig bleibt!

Buchenwälder

Wißt ihr, wie sie sind?! Ja, ihr wißt es, nein, ihr wißt es nicht! Ihr sagt: sie sind schattig, kühl, im Herbste schön braun, und die grauen Wurzeln sind häufig sichtbar auf dem Waldesboden wie Riesenschlangen. Aber könnt ihr sagen: Mein Buchenwald?! Dieser eine einzige, von allen allen allen Buchenwäldern weitaus unterschiedene Buchenwald, sei er so oder so, aber mit der Kindheit goldenem Weben braun mitverwebt!? Zu jeder Stunde des Tages ist er anders, und du weißt es nicht, wieso!? Er spricht nichts zu dir, das sind öde Kindermärchen oder falsche Gedichte, er flüstert nichts zu dir, rein gar nichts, aber wenn der Wind in ihm, über ihm, durch ihn hindurch rauscht, so fühlst du: » Mozart!« Irgend etwas von deinem Leben birgt dieser Wald. Aber nicht vielleicht, daß du in seinem Schatten den ersten Kuß gegeben, pfui, oder daß er dich lehrte, die Menschen zu verachten und zu fliehen, auch ein Blödsinn. Aber er spielt in deinem Leben dennoch eine große Rolle. Wie ein allgemeines Gesundungs-Bad von allem und jedem, das kränklich machte in der langen Zeit des Daseins! Ich suche ihn auf, nicht wie einen Freund, Gott sei Dank, nicht wie eine Geliebte, Gott sei Dank, eigentlich sucht er mich auf. Wälder, Wälder, alle Wälder sind herrlich, aber keinem sage ich: mein Wald! Nur meinem Buchenwald, irgendwo, was geht's euch an?!

Kunstgewerbliches

Wie kann man einen Gegenstand kaufen oder sich schenken lassen, den man nicht ebenso und ununterbrochen liebhaben kann wie die Blumen der Wiese, die Sträucher am Bache, die Schmetterlinge usw. usw.?! Wie kann man »der Mode« Folge leisten und nicht seinem Herzen oder wenigstens seinem angeborenen hoffentlich guten Geschmacke?! Wie kann denn der andere, der Spender, wissen, was ich und was ich nicht auf meinem Schreibtische, an der Wand, in meinem Zimmer ununterbrochen stehen haben möchte?! Eine Ruskin-Vase mit natürlicher Überlauf-Glasur gefällt mir besser als alle die Meißener Künsteleien und Ziselierungen in Porzellan. Ich bin gegen Spitzenhöschen in Porzellan. Wenn schon, denn schon. Von Hölzern liebe ich den Vogelahorn, die graue Platane, die hellgelbe Esche, das rötliche Kirschholz. Da kann man mir weder Nuß noch Birn einreden. Ich bin für Perlmutter, Bernstein und Schildkrot. Einen Kamm aus geflecktem Schildpatt (Karett-Schildkröte) achte ich gleich einem edlen Kunstgegenstande. Ebenso eine tiefe Schale aus irisierender Perlmutter und einen halb hellen, halb wolkigen dicken Bernsteinspitz für edle Zigaretten. Alles, was noch einen Hauch der absolut und ewig genialen Natur in sich trägt, ist mir als Kunstgegenstand werter, als wenn die Menschen »zuviel«, also zu wenig, daraus schon gemacht haben! Im Kasten will ich noch den adeligen Baum selbst fast erblicken, daher schwärme ich für stark gemaserte, gefladerte Möbel, für Sommer-Zimmer mit Zirbelholz-Möbeln. Nur nichts ausdenken, ausknobeln, meine Herrschaften, sondern der Natur auf ihren geheimnisvoll einfachen Spuren folgen! Zweckmäßigkeit = Natürlichkeit. Ein Rauchzimmer zum Beispiel hat nur den Zweck, daß man darin bequem rauchen könne, also in die Fensterscheiben eingeschnittene kleine elektrische Ventilatoren, um frische Luft hereinzubringen, und bequeme Sessel. Das ist seine Schönheit, eine andere gibt es nicht. Alles andere ist » Pflanz«. Architekten-Honorare künstlich steigern durch Luxus ist eine Gemeinheit. Mein Tintenfäßchen ist aus braunem Glas, fabelhaft leicht zu reinigen, kostet 2 Kronen, und heißt noch dazu »Bobby«, also jetzt »Robert«. Es ist daher ein Kunstwerkchen, es erfüllt seinen Zweck, stört niemanden und ist schön braun. Von kunstgewerblichen Gegenständen, die etwas vorstellen, nehme ich die Porzellan-Tiere der Königlichen Kopenhagen-Manufaktur aus, da zum Beispiel das »Käuzchen«, der »Eisvogel«, die zwei »Enten«, die »Gans«, der »Nußhäher« der Natur höchst abgelauscht sind. Jemand sagte zu mir: »Ich habe die schönsten Nippes-Gegenstände in meinem Zimmer: auf einem Postamentchen unter Glas ein Stück Föhrenrinde, das ein Klopfspecht auf dem ›Alpl‹ in meiner Gegenwart ungeniert weggeklopft hat, um auf Kerfe darunter zu kommen. Und lauter solche Andenken!« Bei uns glaubt man leider, daß etwas schön sei, weil es teuer ist. Und die »Gewerbler«, die Perzente nehmen, bestärken das Publikum darin. 10 Prozent von einem Salon für 10.000 Kronen sind halt doch schon ganz nette 1000 Kronen! Schäme dich, frech-feiger Verführer! Natur- Entfremdetster!

Zimmereinrichtung

Ein Nest sich bauen, wirklich sein höchsteigenes, apartes, von allen anderen unterschiedenes Nest! Wie der Vogel es Halm für Halm sorgsam zusammenträgt! Und jedes Nest ist anders, grundverschieden, hat gleichsam irgendwie den Charakter des Besitzers, des Bewohners. Ja, die Vögel haben halt nicht das Unglück, Architekten für Innen-Einrichtung in der Vogelwelt zu besitzen, die für 10.000 Mark ein »schönes« Logis herstellen! Mein einfenstriges Kabinett im fünften Stock des »Grabenhotels« ist mein »Nest«, Halm für Halm zusammengesucht seit zwanzig Jahren. Die Wände ganz bedeckt mit Photos: Die Prinzessin Elisabeth Windisch-Grätz im fünften Lebensjahre. Dieselbe mit ihren vier Engels-Kindern. Franz Schubert und Hugo Wolf, Beethoven und Tolstoi, Richard Wagner und Goethe. Japanische Sumpfvögel, der Berg »Fushji«, ein großes Kruzifix aus der Bozener Holzbildnerschule, Gustav Klimts »Schubert-Idylle«, Schloß Orth im Winter, »Grablegung« von Ciseri. Photos von: Bertha L., Klara P., Nâbaduh aus Accrâ, Paula Sch., Grete H., Kamilla G., Fräulein Mayen, Fräulein Mewes, und meine dreiunddreißig geliebten Ton-Vasen und vierundsechzig japanischen Kleinkunst-Sachen, zusammengeschnorrt von »Verehrerinnen«. Kurz, alles meinem Sein, meinem Geschmacke, meinen inneren »Erlebnissen« entsprechend. Ein Nest! Wenn ich denke, wer dieses geliebte Kabinett einmal in Bausch und Bogen erben wird, da freut mich wirklich das ganze Sterben nicht! Aber anderseits, die Paula Sch., amen!

Anerkennungen

Welche Anerkennung ich mir erwünsche?!

Daß in hundert Jahren die Leute sagen: »Wenn der Altenberg damals nicht gewesen wäre, stünden wir heute noch dort, wo unsere Großeltern standen!«

— — — — —

»Peter, Sie sind ein Narr, der zum Nachdenken zwingt – – – über die eigenen Narrheiten!«

— — — — —

»Peter, mit dir zu leben ist unmöglich, aber ohne dich zu leben noch unmöglicher

Die Maske

Es gibt Leute, die sich über sich selbst lustig machen, das sind die allerärgsten, sie glauben, sich auf diese raffinierte Art der Verpflichtung zu entziehen, sich zu bessern, sich zu ändern!

»Aber Sie selbst, mein lieber Peter – – –?!«

»Ich mache mich nie lustig über mich selbst, sondern ich stelle mich nur hie und da auf den Standpunkt, von wo aus die anderen mich betrachten und beurteilen, um ihnen es zu beweisen, was für Schafsköpfe sie sind!

Oder, mitleidiger gesprochen, ich erniedrige mich selbst, damit sie besser heruntersehen können, wie ich eigentlich – – – nicht bin!«

Ein König trug in königlicher Laune einem Bettler das » Du« an. Da erkannte der Bettler erst, daß er ein Bettler sei!

Das Postgebäude

Ich sah heute eine, im Postgebäude, so zwischen 13 und 14, aschblond und stumpf wie ein Meernixchen. Ich rekommandierte meinen Brief nicht, ließ ihr den Vortritt. Und als sie wegging, ging ich mit meinen unrekommandierten Briefen ihr nach. Ich war sehr verlegen. Ich sagte: »Sie, Sie Allerlieblichste!« Sie machte eine Bewegung gegen mich, als sagte sie: »Du, du bist mein allererster Versteher hienieden! Sage mir aber noch etwas, daß ich verweilen könnte einen Augenblick

Aber zwischen Zudringlichkeit und Anbetung ist es für uns »edlere« Männer schwer, die richtige Grenze zu finden – – –.

Sie hätte es vielleicht begriffen, was sie mir war, denn ihr rascher erstaunter gutmütiger Blick sagte mir: »Du hast mich liebgewonnen, Fremder!«

Ich hätte meine Abreise verschoben und vieles geändert, mein Leben wäre eine Beethoven-Symphonie geworden.

Das spürte ich momentan.

Wenn ich nur gesagt hätte noch einmal: Sie, Sie, Sie Allerlieblichste!

Schicksal, wie kraus, wie schrecklich bist du!

Wenn ich nur im Postgebäude gesagt hätte in der Ecke: »Du, du, du Allerlieblichste

Aber ich hielt es leider für zudringlich – – –.

Mein Begräbnis

Also das mit den Kränzen und Inschriften in Gold heißt nichts, es kostet viel Geld, und, wenn ich es recht bedenke, so sehr es mich ehrt, ich habe eigentlich nichts mehr davon. Es ist mehr für die »Angehörigen«, für die »Hinterbliebenen«. Ich bin also für Kranz-Ablösungs-Spenden, radikal. Aber so ein nackter, undekorierter Sarg anderseits taugt auch nichts. Da friert die ohnedies kalte Leiche direkt in ihrem engen Sarge. Daher bin ich, wie alle gescheiten Leute, für einen »Mittelweg«. Man lasse schöne einfache Kartons mit schwarzem breitem Rande drucken, aufgehängt an schwarzen seidenen Kordonett-Schnüren um den ganzen Sarg herum, auf denen stehe in deutlichen Lettern: Statt eines Kranzes, für die Wiener Kinderschutz- und Rettungsgesellschaft: Das »Prager Tagblatt« so und so viel, »Die Dame, Berlin«, »S. Fischer, Verleger, Berlin«, »Ewig Deiner gedenkend, Anna P.«, »Meinem Dichter, Sofie G.«. Dann bitte ich, damit eine Abwechslung sei, daß jene großen Wiener Zeitungen, die deshalb keine Kranz-Ablösungs-Spenden spenden, weil sie auch nie Kränze gespendet hätten, mir hübsch große Strohkränze, mit altem Spagat verschnürt, dazwischenhängen, denn man soll doch im Tode wenigstens genau wissen, wie jeder zu einem im Leben gestanden hat!?

Ergebenst der Gestorbene.

Frühling

Sie war ungefähr 9 Jahre alt, sah aus wie ein Bub, hatte ideale nackte Beine, einen kurzen weiten Matrosenmantel mit leider goldenen Knöpfen. Sie legte ein viereckiges Stückchen mitgebrachten braunen Pappendeckels vor sich hin, schob es, auf einem Beine hüpfend, durch leisen Stoß sanft weiter. Ihre Anmut dabei übertraf die aller modernen schlanken Tänzerinnen. Sie kam direkt »aus der Schule der Natur«, war also deshalb absolvierte moderne Tänzerin! Sie hatte noch weder Ehrgeiz noch Lernbegier, noch die Sehnsucht, andere zu übertreffen, geschweige denn Geld zu verdienen und sich demnächst sogar zur verdienten Ruhe zu setzen! Sie wollte auch noch nicht Chopin, Opus 5, tanzen, sie wollte ein belangloses viereckiges Stückchen braunen mitgebrachten Pappendeckels sanft vorwärtsstoßen, auf einem Beine hüpfend. Und es gelang, in höchster Anmut. Niemand beobachtete ihre Herrlichkeiten, und der, der sie beobachtete und dieses schreibt, den konnte sie nicht sehen. Endlich sah sie ihn dennoch. Sie errötete, nahm ihr viereckiges braunes Pappendeckelstückchen vom Boden auf und entschwand.

Splitter

»Machen Sie mir dasselbe Speisezimmer wie der Frau Müller, nur teurer!«

— — — — —

» Wohnlich« ist der Dachs-Bau, der Bienen-Korb, der Ameisen-Haufen, aber nicht die modernen Wohnungen!

— — — — —

Das Wort »Prunk« darf nie aus der Welt geschafft werden: prunke mit Einfachheit!

— — — — —

»Was dieses Mädel mit ihren paar armseligen Vasen im Kristall-Kasten treibt, jetzt hat sie jeder einen Namen gegeben: Coelum, weil sie blau ist, Tschechoff, weil das ihr Dichter ist, Karsawina, weil es die Holdeste ist, Isenbart, weil es ihre Lieblingsbirne ist, kurz, hysterisch

»Vielleicht hat sie ihre Vasen lieb?!«

»Ich sage ja, hysterisch!«

— — — — —

Wenn dich jemand durch irgend etwas Richtiges » beschämt«, bleibt dir nichts anderes übrig, als dich an ihm dafür zu rächen!

— — — — —

»Wie ist Ihr Zimmer ›eingerichtet‹?!«

»Es stehen Tag und Nacht die Fenster weit offen!«

Liebeserklärung

Oh, Max, ich möchte für dich alles, alles sein, oh Max!

Aber wenn ich dann endlich für dich wirklich alles wäre, würde mir dieser Zustand des Für-dich- alles-sein allmählich langweilig werden!

Weshalb?! Weil du nur ein Max bist!

Vielleicht sogar nur ein Maxl.

Dich erringen, ist vorläufig meine reelle, unentrinnbare Sehnsucht. Was kann ich dafür?!

Aber weshalb ich gerade dich gewinnen muß?!

Wahrscheinlich, weil ich dich noch nicht gewonnen habe!

Denn hätt' ich dich, so hätt' ich dich nicht mehr!

Drum, Maxl, pardon, Max, lasse dich von mir gewinnen!

Je schneller es geschieht,
desto schneller bist du mich armes Mistviech los!

Die Jugendzeit

Weißt du denn nicht, wo man die herrlichsten Bockkäfer findet?!

Auf den gelben Holunderbüschen sitzen sie am sonnigen ausgetrockneten Bachbette!

Weißt du denn nicht, wo Admirale hurtig schweben, Apollofalter still auf Stauden sitzen?! Admirale auf feuchten dunklen Waldstellen, Apollos auf sonnigen Lichtungen!

Weißt du denn nicht, was am schrecklichsten ist?!

Wenn Mama abends ins Theater geht oder sonstwohin!

Hast du denn niemals eine Kusine gleichen Alters irrsinnig liebgehabt?!

Meine hieß Elisabeth und ließ sich niemals küssen!

Warst du denn niemals auf sonnigen Erdbeer-Plätzen und hast dich vor Kreuzottern gefürchtet, die nur Blindschleichen waren?!

Bist du denn niemals jung gewesen?! Niemals?!

Den Manen August Strindbergs

Der Mann, der seelisch leidet,
versinkt sofort, ohne Erbarmen mit sich selbst, in alle seine bisher mühselig überbrückten Abgründe!

Er kann sich zu Tode saufen, sich verhuren, sein Geld zum Fenster hinauswerfen, dem Spielteufel verfallen, aufhören sich zu waschen, sich rasieren zu lassen, sich die Nägel zu schneiden, Hemden und Socken rechtzeitig zu wechseln, die Zähne zu reinigen, kurz der Verfall!!!

Aus innerer Kränkung.

Die Frau, die seelisch leidet, nimmt hingegen ein laues Reinigungs-Bad trotzdem, schneidet die Nägel sorgsam an ihren schönen Händen und Füßen, onduliert sich die schön gepflegten Locken, sorgt wie eh und je für jegliches angeblich Wichtigste, geht pünktlichst zu ihrem Zahnarzt, spült den Mund außerdem mit Pfefferminz-Lysoform, wechselt wie eh und je die Wäsche, sorgt für ihren Haut-Duft in jeder Beziehung, turnt vielleicht sogar ein bißchen, schläft ziemlich ausgiebig!

Bei aller inneren Kränkung, die vorhanden ist. Sie bereitet sich eben sogleich vor, unbewußt, für den anderen, der vielleicht noch gar nicht da ist. Sie tut es genial automatisch.

Wohl ihr, der Stärkeren, der, sagen wir, in den »Ur-Nerven des Lebens« Gesünderen, Widerstandsfähigeren! Der, die sich eben nicht so leicht » herumkriegen« läßt von »Kleinigkeiten«!

Es gibt Frauen und Männer, die das lesen werden und kein einziges Wort davon verstehen werden. Sie gehören eben einer früheren Generation an.

Elegie

Bin ich aus meiner Ruhe nunmehr endgültig aufgescheucht,
wie ein Tier, das jahrelang im dunklen angenehmen feuchten grünen kühlen Dickicht
seines undurchdringlichen Waldes lebte?!
Gingen meine Seele, mein Denken
nicht bisher ihre zarten, für die meisten fast unvernehmbaren Tritte durch ihr ureigenes Terrain?!?

Wer hat mich aufgescheucht in diese dumme helle wertlose offene Welt,
wo Eifersucht und Demütigung mich plötzlich,
das bisher einsam-göttlich-ruhende Tier, erniedrigen können zum Lebens-Bürger?!?

Paula tat es.

Ich zürne ihr nicht.

Mögen die wenigen ihr zürnen, Jünglinge, Mädchen, irgendwo verstreut in Landen,
denen sie dadurch ihren Dichter, der für sie bisher tönte, zum feigen Schweigen brachte!

»Pumpen«

Ihr Reichen, wen, wen bedenkt ihr denn mit eurer Gnade?! Wen?!

Solche, die sich mühselig völlernd dahinschleppen,
niemandem zu Nutz und Frommen, nur
um ihre paar gewohnten Bedürfnisse zu befriedigen!

Gewohnheits- Tieren spendet ihr,
weil sie es euch einreden, daß sie nicht leben können ohne ihre nichtig-blöden Bedürfnisse! Wem kommt es zugute?!?

Aber dem Dichter verhelft ihr – – zum Dichten!

Das heißt, zu geistig-seelischen Taten, die allen dann zugute kommen!

Der Dichter allein gibt wieder, was man ihm spendete,
denn je sorgenloser, je Lebenslast-befreiter sein Geist und seine Seele sind,
desto leichter, schöner, milder, gerechter erfaßt er des ganzen Lebens-Getriebes bisher ziemlich unerforschten Sinn!

Sende ihn für dein Geld nach Gmunden, und er wird dir es reichlich abzahlen.

Abschied

Da Paula Dienstag, 31. Juli 1917, nach Innsbruck fährt,
und ich eine Frei-Karte auf den »Hochschneeberg« habe,
so träume ich es mir aus, wie es denn wäre,
was nie sein kann und nie sein wird,
wenn ich die 13jährige, M. F., mitnähme in die Zirbelkiefer-Welt mit grauem Nebelreißen, weißen Schneeflecken wie Winters unsanft-romantische Erinnerung in Sommerszeiten!?

Wie sehnlichst würde ich es erwarten, rastlos und geduldig,
daß Berges-Friedens-Pracht sich deiner geliebten jugendlichen Seele eröffne wie ein Paradies!

M. F., du edle 13jährige, ohne mich zu kennen,
von wieviel Leid befreist du mich in diesen schwierigen Tagen,
da ich davon träumen darf, am Hochschneeberg
dir Berg-Frieden zu zeigen inmitten einer stupiden, rohen, häßlichen Welt!

Du, liebliches entzückendes Kind, wirst nie mit mir sein und ich nicht mit dir.

Ja, ich bin mit dir.

Denn, unabhängig vom Gebot des Tages und des Lebens,
ziehe ich am Dienstag, 31. Juli 1917, wenn Paula nach Innsbruck fährt,
mit dir ohne dich, 13jährige, M. F., in die Zirbelholz-Wälder des Hochschneebergs!

Erinnerungen

Erinnerungen? Ich soll, ich will Erinnerungen aufzeichnen und weiß, daß alles in meinem einfachen-vielfachen Dasein ganz gleichförmig war. Meine Uransicht, daß diese Maschinerie »Mensch« die Möglichkeiten in sich tief verborgen trage, irgend einmal ein gottähnliches Wesen zu werden, und daß Goethe, Schiller, Beethoven, Mozart, Schubert usw. nur Vorläufer oder eigentlich nur »schöne, einleuchtende, ergreifende Beispiele« einer solchen Möglichkeit, wenigstens nach einer Richtung hin, vorstellten, um zu zeigen, wie weit es diese »Maschinerie« Mensch in irgendeiner Sphäre von Betätigung also wirklich bringen könne, diese Uransicht hatte ich schon fast im Gymnasium. Und heute ist sie noch immer meine unzerstörbare Religion geblieben! Die Genies freilich haben es leicht hienieden, sie sind zu höherer Entwicklung bereits vor-ausgestattet. Aber wir können, müssen ihnen, wenn auch auf den langsameren Wegen hygienisch-diätetischer Lebensweise, nachzukriechen, nachzuklettern versuchen auf die Höhen des Lebendigseins! Also darin habe ich mich in nichts verändert und entwickelt. Womit also auftischen?! Mädchen habe ich von meinem frühesten Kindesalter an unter bitteren Tränen verehrt wegen nichts. Ich hob mir Haarnadeln aus ihren lieben, duftenden, verehrten Haaren auf, ich stahl Gläser, aus denen sie getrunken hatten, ich schrieb mir in einem Notizbuch auf, mit Datum: »Heute sie gesehen, ¼11 Uhr vormittags, Ecke Spiegelgasse.«

Sie werden hoffentlich erwarten, daß ich mich seitdem gründlich, aber schon recht gründlich, in meinem Charakter verändert habe?!? Keine Spur. Ich bin der alte Esel geblieben, leider Gott sei Dank. Richard Wagner war stets und ist heute noch mein Abgott in musicalibus geblieben. Von den Weiterentwicklern sage ich nichts, nicht ich verstehe sie nicht, sondern sie verstehen mich nicht, aber schon gar nicht! Auch in der Lyrik ist es so. Und wenn man mich vor zwanzig Jahren für verrückt hielt, ist das gar kein Grund für andere, jetzt absichtlich verblödete Gedichte zu schreiben! Man wird ihnen nicht die Ehre antun, sie für Verrückte zu halten, sondern hoffentlich für allzu wissentliche Gauner! Ihre Devise ist: »Man wird sich in unserem Geschreibsel schon nicht zurechtfinden!« Ich war stets ein »ehrlicher Kauz«, aber Kauz und unehrlich, das ist denn doch zu viel!

Meine ökonomischen Verhältnisse waren, so lange man mir im Vaterhause alles bezahlte, recht günstige. Aber sobald die sogenannte schreckliche Selbständigkeit begann, haperte es an allen Ecken und Enden. Ich bin für Selbständigkeit, für äußerste Selbständigkeit, aber bezahlen soll das der andere! Nur der Künstler hat die ehrliche Ausrede, sich nichts verdienen zu müssen mit seinen Betätigungen. Und er hat ein Recht auf diese Ausrede. Weil er ein Künstler ist. Meistens ist es nur, weil er keinen reichen oder vermögenden Papa gehabt hat. Denn dann hätte er keine Ausrede mehr, besonders wenn er gar kein Künstler ist. Das ist dann sehr traurig für ihn.

So also schauen meine Lebenserinnerungen aus, mit denen ich in einem großen Blatte aufwarten soll?!? Ich sage es ja immer: Dieser P.A. ist nur für Momenteindrücke auf die Welt gekommen!

Splitter (In eigener Sache)

Die Distanz spüren und einhalten zwischen mir und euch, wäre das tiefste Zeugnis eurer eigenen Kultur! Aber das eben könnt ihr euch nicht ausstellen – – deshalb klopft ihr mir lächelnd familiär auf die Schulter! Brrr.

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Jemand sagte zu mir: »Haben Sie Ihre Paula eigentlich gern?!«

»Eigentlich nicht, nämlich nicht so, wie Sie es unter › eigentlich‹ verstehen!«

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Die Menschen zwingen mich liebevoll in das Prokrustesbett ihres eigenen Denkens, und wenn ich dann »Au!« seufze, sagen sie: Undankbarer!

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Wirklich lernen kann man nur das, was man schon wußte, bevor man es gelernt hat! Man wird nämlich allmählich » aufmerksam gemacht« im Trubel des Lebens!

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Die schlechtesten Früchte sind es nicht, an denen die Karl K... nagen! Oft sind es aber die schlechtesten! Er hat ein geniales Zartgefühl für Unreelles im Leben.

— — — — —

K. K. – – – Mundus?!

Etsch!

Noch lange nicht!

Ein geniales Teilchen!

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Das Verhängnis, ja die Tragik so manchen Frauenschicksals: »Wie ich bin, so bin ich nun einmal! Wem's nicht recht ist, der mache sich's anders (statt: der mache mich anders)!«

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Sei nicht froh darüber, daß die Menschen dir ununterbrochen Gelegenheit geben, ihre Schändlichkeiten, Eitelkeiten, Hochnäsigkeiten, Vorurteile, Lebenslügen, Stupiditäten zu bekämpfen oder wenigstens lächerlich zu machen (K. K.), sondern sei traurig darüber, daß es noch immer so oft notwendig ist (P. A.)!

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Moderne Architekten: Er richtete ihr die Wohnung ziemlich teuer ein, damit sie bequem lebe? Er richtete ihr die Wohnung ziemlich teuer ein, damit er bequem lebe!

Landeindrücke

Ein Mensch, der sich einredet, hohe Trinkgelder durch besonders liebenswürdiges Benehmen und »sich sogar einlassen« in Gespräche detaillierter Natur ersetzen zu können, ist nur – – – ein frecher geiziger Narr!

Sei arrogant, aber zahle menschenfreundlichst!

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Es gibt Menschen, die nicht das Recht haben, von Bergalmen zu schwärmen; »Gott, schön war es da droben!« ist eine Beleidigung aller, für die es dort oben schön war!

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Architekt Pr. sagte zu mir: »Um Gottes willen, schreiben Sie uns nur keine Hymne auf diesen Ort! Die, die ihn erkannt haben, sind schon seit langen Jahren da Sommergäste, und die, die durch Sie erst aufmerksam gemacht werden, verschandeln ihn!«

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Als mir jemand detailliert vorschwärmte von einer 1000 Meter hoch gelegenen einsamen Alm, sagte ich: »Ich war auf einer viel schöneren, dem Gärtchen gleich hinterm Hotel!«

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Wir sahen gestern Nachmittag am Waldabhange im Gebüsche einen Zaunkönig, der sich durch unser Sprechen nicht stören ließ. Meine Freundin sagte: »Ich glaube, es ist das einzige Lebewesen in dieser Welt, dem niemand etwas zuleide tun möchte!«

Splitter

Besitz mordet – – – die Sehnsucht nach dem Besitze!

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Wenn sie nicht kommt, kann sie, könnte sie dennoch noch kommen. Wenn sie da ist, nicht mehr. Dann ist sie da!

Wie ich mir Karl Kraus »gewann«

Ich war damals, 1894, der »reine Niemand«, obzwar ich damals schon ebenso exzentrisch mich kleidete wie heute. Wir trafen uns in Ebensee, und auf dem Wege nach Traunkirchen begann ich aus Langeweile den »Heini von Steyer« zu singen, Text von Gottfried Keller, Musik von Engelsberg. Dadurch gewann ich mir sofort den sonst Ungewinnbaren. Später schickte er hinter meinem Rücken die in Nachtkästchen, Tischlade, Kleiderkiste etc. etc. verstreut liegenden Manuskripte meines ersten Buches »Wie ich es sehe« an den ersten Verleger Deutschlands in modernibus, S. Fischer, Berlin. Ob er es nur tat, um zu erweisen, daß die anderen keine Echten seien, weiß ich nicht. Aber möglich wäre es immerhin bei seiner aggressiven Gesinnungsart. Er war für mich, weil ich »echt« bin. Jeder hält sich für »echt«, versteht den riesigen Unterschied gar nicht zwischen »echt« und »unecht«. Keinerlei Konzessionen machen können, selbst wenn es einem noch so sehr schadet, bei der Frau, bei den Vorgesetzten, im Leben überhaupt, ein »Gerade-Schreiter« sein hinein in den eventuellen Abgrund seines eigenen, von Natur aus teilweise vorbestimmten Schicksals, heißt »ein Echter« sein! Den immanenten Selbsterhaltungstrieb überwinden können durch eine Art von »höherer Leitung« seines armseligen Lebens (siehe die sozialdemokratischen echten Geleiter der Menschheit), heißt »ein Echter« sein! Ambitiöse, nach irgendeiner Richtung hin, sind niemals »Echte«. Ich könnte infolgedessen ganze Familien brandmarken und als »Unechte« deklarieren, wenn ich dazu nicht zu verständnisvoll wäre für diesen Krebs der Seele: Eitelkeit und Ehrgeiz und Versuch, Schlechtrassigkeit durch äußeren Prunk zu verwischen! Ich kenne euch alle, die ihr vorzeitig, kopflos, unbedacht, eurem Selbsterhaltungstriebe unvernünftige, schlecht berechnete, falsch berechnete Opfer gebracht habt, sei es ökonomisch, in puncto Liebe, sozial oder irgendwie. Euch zu bedauern wäre unphilosophisch. Denn Gott bestraft jeden Mangel an »Geist und Seele« schon hienieden gerecht nachsichtslos Gott sei Dank irgendwie!

Das Wesentliche der »Ablenkung«

Wissen Sie, was »Ablenkung« ist? Es ist etwas Schreckliches, Gefahrvolles, unstet Machendes, charakterlos Machendes, es ist mit einem Wort etwas Künstlerisches! Bilde dir nichts darauf ein, es ist eher ein Verhängnis, im großen und ganzen genommen, wenn wir nämlich genau Buch führen über unser Leben, als ein Vorteil. Zum Beispiel du konzentrierst dein begeistertes, sagen wir »romantischbegeistertes« Auge auf die süße liebliche Wirkung der Lindenblüte. Du bist nahe daran sogar, dadurch zum Dichter zu werden, wir wollen nicht hoffen, daß du es ausführst, aber innerlich, in der Anlage, bist du nahe daran. Nun erblickst du plötzlich daneben den riesigen hellgrünen »Acer Dasycarpus« mit seinen zartgefiederten Blättchen. Aus ist es mit »Tilia rotundifolia«, aus! Wo bleibt die Dichtung, wo bleibt die Impression, wo bleibt, was einst, vor einer Minute noch, war?! Das ist das unholde und dennoch in gewisser Beziehung wieder nützliche und direkt vorteilhafte Wesen der »Ablenkung«. Erstrecke das auf andere Gebiete des Empfindens als auf Bäume, zum Beispiel auf Frauen oder, was weiß ich: Ablenkung von irgend etwas ist eine heilsame und zugleich unheilsame Ablenkung! Wer daran Kräfte, innere, geistig-seelische Lebenskräfte gewinnt, topp! Wer dadurch geschwächt, zersplittert, zerfahren wird, nicht topp! Das muß doch jeder Erwachsene um Gottes willen endlich, wenn nicht sogleich mit 15 und 16, wissen, ob er sich »konzentrieren« oder »dezentralisieren« will, soll, hienieden!? Letzteres nennt man »künstlerische Veranlagung«. Weshalb?! Weil aus einem solchen Zustande von Nichtgebundensein durch etwas Bestimmtes, sogar Frau und Kind, oft für die Fremden etwas ganz Wertvolles herauskommt! Nichtgebundensein durch irgend etwas Bestimmtes hienieden, ja, Skribler, leicht schreibst du es so hin! Aber diese Kerle haben Ehrgeiz, Eitelkeit und Geldgier, vor allem Eitelkeit, diesen Krebs der Seele! Sind sie also nicht gebunden durch sich selbst, wenn sie auch sonst noch so schuftig-freie Don Juans und außerhalb von Gut und Böse wären!? Nicht gebunden sein beißt für den anständigen Künstler nur: tausendfach mehr als alle anderen gebunden sein durch höhere, anständigere Anständigkeit! Freier denken und empfinden dürfen, weil man Gottes Ratschläge eben mehr befolgt! »Im Trüben Fischende« seien gemieden und verdammt!

Wiederkehr

Ich sage dir nicht: komme! Ich sage dir nicht: komme nicht! Ich sage dir: komme!

Du aber wirst erwidern: »Und wenn ich komme, stör' ich dich, in deinem Allein-sein. Und wenn ich nicht komme, stör' ich dich auch, wenn auch nicht in deinem Allein-sein!«

Wie du und ich es also dreh'n und wenden,
irgend etwas stimmt nicht. Eben deshalb sage ich zu dir: komme!

Denn, wenn du da bist, bist du wenigstens da, ein tatsächliches Ereignis, das man hinnimmt, so oder so, da gibt es nichts zu grübeln.

Aber dein Fernbleiben erregt die Phantasie,
ob man nicht dennoch Wertvolles, Unwiederbringliches von sich mutwillig gebannt habe – – –?!?

Drum sag' ich resignierend: komm'!

Dorfjugend

Ich erschaute in einem Dorfe ein wunderbar schönes Mäderl von sieben Jahren. Infolgedessen schenkte ich ihr 30 Heller. Sie lief zum Kaufmann und kaufte sich Früchtenzuckerl. Eines Tages gab ich nur 20 Heller. Da sagte sie: »Es fehlt ein Zehnerl!« Ich errötete und gab es ihr. Man soll von einer einmal bestimmten Schönheits-Taxe nichts herunterknausern, das heißt, man soll vielleicht, aber man kann nicht! Eines Tages schlich sie mir nach, refüsierte aber die 30 Heller. »Siehe!«, sagte ich zu meiner Freundin, »sie folgt meinen Spuren, aber sie will zeigen, daß sie es nicht wegen des Geldes tut!«

»Es ist mir ganz unverständlich!«, erwiderte meine Freundin.

»Weil du keinen Idealismus hast!«, sagte ich. Die Kleine blieb stehen und sagte: »Haben S' am Weg kane Brieftaschen g'funden mit 20 Kronen?! I trau' mi nit nach Haus, die Mutter schlagt mich!«

Meine Freundin sagte: »So ein Mistviecherl, so eine Ausnützerin!«

Ich sagte: »Weil du keinen Idealismus hast. Es ist ihr angelernt worden!«

»Wahrscheinlich von der eigenen Mutter!«

»Weil du keinen Idealismus hast! Wahrscheinlich von Schulbuben!«

Wir begaben uns zur Mutter. Sie nahm das Mäderl ins Gebet. Die Kleine war weder verlegen noch betroffen.

»Der Franzl und der Pepperl haben mir's angelernt, sie haben g'sagt, 30 Heller san zu wenig für alle drei!«

Ich sagte: »Von nun an bekommst du wieder deine 30 Heller, der Pepperl und der Franzl brauchen keine Früchtenzuckerl. Das sind Männer, die sollen sich ihr Geld nur schön selber verdienen!«

Landleben

Sie fuhr aufs Land bedrängten Herzens. Er verlangte allzu heftig seine einsame Freiheit.

Nach einer Woche aber schrieb sie: »Diese Promenade am Gaflenz-Bach, an Weidenbüschen und an Bauerngärten, nach Kastenreith, zur brausenden Enns!«

Und später schrieb sie: »Diese Mödlinger-Hütte, Hochalm, um fünf erwachten wir, alles war erfüllt mit weißen Nebeln, wunderbar!«

Und noch später schrieb sie: »Heute in Gstatterboden. Abends wurden die Riesenwände rosenrot, dann purpurn, dann grau. Ich war ganz bedrückt!«

Und niemals schrieb sie: »Wenn du erst hier wärest!«

Da wußte er, daß er sie verloren hatte, wenn auch an einen noblen anständigen zarten Konkurrenten, die Natur!

Zwei Mädchenseelen

Ich kaufte meiner blonden Freundin für 50 Heller ein Büschel Schneeglöckchen mit Wurzeln, stellte das Büschel in ein schönes trichterförmiges Kristallglas. Sie sagte: »Zuerst war es Vorfrühling in meinem Zimmerchen, nur die lieben schmalen grünen Blätter von Galanthus nivalis, dann wurde es über Nacht Frühling, alle weißen Blüten kamen, und jetzt ist es wieder nur grün, und die langen schmalen Blätter stehen, hängen über wie in Sommergewirr

Meine andere Freundin sagte: »Du, der ›Meinige‹ hat mir so an uralte seltene japanische Zwergföhre, Kryptomérien haßen s', glaub' i, g'schenkt. 250 Kronen! Da muß sie schon besonders schön sein, was?!«

Aphorismus

Die meisten Menschen halten es mitten in einem Weltkriege für nicht gar so wichtig, ob die Schauspielerin Lucie Höflich eine besondere schlichte »Naturkraft« sei! Aber wichtig ist es, bei dieser vielleicht unwichtigen Gelegenheit schlicht zu konstatieren, daß die meisten anderen keine Naturkräfte sind!

Die Uhr

Sie sagte zu Herrn – –, einem Uhren-Narren, er bildete sich nämlich ein, ob mit Recht oder Unrecht ist doch wirklich irrelevant, da es doch nicht »sein Beruf« war, ein großer Uhr-Mechaniker so nebenbei von Schicksals unverdienten Gnaden aus zu sein, schreibe lieber deine Expensennoten, zu diesem also sagte das wunderschöne Fräulein Sabine: »Seitdem Sie mir sie gerichtet haben, geht sie wie ein Chronometer, Otto hat jedoch nur 60 Kronen für die ganze Uhr bezahlt.«

Da sagte ihr Otto: »Du willst den Uhr-Narren, den Idioten, damit einfangen, daß du ihm sagst, sie gehe jetzt wie ein Chronometer?!«

»Aber, Otterl, wenn sie wirklich seitdem so geht?!«

»Dann hast du es ihm erst recht nicht zu sagen!«

»Aber das wäre ja eine Ungerechtigkeit, eine Unmenschlichkeit direkt, nein, Otto, da werde ich ja an dir ganz irre!«

Diese Besprechung endete mit einer Ohrfeige, die er ihr applizierte.

Seitdem glaubt sie, daß sie im Unrecht war – –.

No, und war sie es vielleicht nicht?!

Einem Uhr-Narren darf eine Dame nicht diesbezüglich schmeicheln, denn das schmeichelt ihm!

Sie darf ihm eher sagen: »Ich bete Sie an!«

Denn das schmeichelt ihm nicht, das interessiert ihn nicht.

Aber wenn sie zu ihm spricht: »Sie haben mir meine Uhr gut repariert«, dann wird's gefährlich! Dann könnte er sich sogar ernstlich in sie verlieben.

Land

Jeden Morgen um sechs saß ich auf der ziemlich ramponierten Hotelbank in der Dorfstraße und fühlte:

Wie kommst du zu dem Glücke, in dieser frischen schneidenden Bergmorgenluft auf dieser noch einsamen Hotelbank zu sitzen und die gemächliche Geschäftigkeit des erwachenden Dorfes abzuwarten?! Bist du ein Bevorzugter des Daseins und weshalb?! Es kommen spärlich Leute vorüber, die in ein Tagewerk gehen. Später kommen Hotelgäste, sie besprechen Vormittags-Ausflüge, Tages-Ausflüge, tuen sich zusammen zu Geselligkeiten, das Annerl bleibt mit der Bonne zu Hause, der Karl war gestern schlimm, bleibt auch zu Hause, nein, Onkel bittet für ihn, er geht mit. Ich sitze gemächlich auf der Hotelbank. Man fragt mich: »Keinen Ausflug?!« Ja, ich fliege aus in das Land des Schicksals, in das Reich der Gnade, das mich diesen Sommerfrieden erleben läßt!

Die Vierzehnjährige

Ich weiß doch ganz genau, was ich unter den Kleidern habe. Aber alle Herren, die mich liebenswürdig oder sogar bereits respektvoll grüßen auf der Straße, wissen es doch ebenso genau wie ich selbst, mit allen Details. Unser Hausarzt würde der Mama sagen, es sei eine krankhafte Pubertäts-Phantasie, die man mit kalten Sitzbädern (20 Minuten lang) des Morgens heilen könne! Ich aber sage: Weiß also nicht jeder, der mich grüßt und lächelt, was ich für Schätze (für mich sind es ja keine) unter meinen Kleidern verborgen trage?! So ein Idiot ist doch keiner, das nicht mit allen minutiösesten Details zu wissen!? Also gehe ich eigentlich für jeden fremden Mann splitternackt spazieren! Meine liebe gute Mama würde zwar sagen: »Kümmere dich lieber um deine Geographie und deine Physik«, aber erstens sind es Gott sei Dank gar nicht meine, und zweitens ist das andere meinem Leben viel näher! Ich achte und ehre die Wissenschaft, aber, pardon, ich bin leider auch noch daneben vorhanden, und zwar intensiv, besonders mit vierzehn, später, sagt meine alte Jungfer von Schwester, wird man eben klüger! Pfui klug, pfui klüger, pfui am klügsten! Etsch, ich bin doch ganz splitternackt unter meinen Kleidern!

Wirkung von »Lektüre«

P. A.: »Paula möchte mich ununterbrochen auf jene ›Höhen‹ bringen, wo es für den › Menschen‹ Altenberg gut, für den Dichter Altenberg gefährlich wäre zu wandeln! Wo Shakespeare Othello bedauern und Jago hassen würde! Da würde er aufhören, Shakespeare zu sein! Und vor allem ›Othello‹ zu dichten

Meine Sommerreise 1916

Zwischen Rekawinkel und Neulengbach brannten drei Heu-Waggons in einem endlos langen Heu-Zuge. Wir mußten 1½ Stunden irgendwo halten. Daher mußte ich in » Amstetten« bleiben, von elf vormittags bis vier nachmittags.

Ich sah Wiesen, die niemand je betritt, ich hörte im Buchenwalde Vögel oder Eichhörnchen Bucheckern knacken und die Schalen herabfallen lassen. Ich sah ein Mäderl von dreizehn Jahren vor dem Armenhause, mit unbeschreiblich herrlichen schmalen langen Füßen und Zehen, mit nackten natürlich. Sie spürte es, wie sehr ich ihre nackten Füße anbetete. Sie ging mir nach, eine ganze Strecke, blieb stehen, verzagt. Ich werde sie nie, nie vergessen. Und einst wird sie ihrem Geliebten oder Bräutigam sagen: »Aber so kannst du mir doch nicht in die Augen ganz hineinschauen, dort wo unser besseres Selbst wohnt, wie der alte Narr damals, 5. August 1916, 2 Uhr nachmittags!« Drei Heu-Waggons brannten auf der Strecke, und alle Mitreisenden waren verzweifelt, obzwar ein junger Leutnant sagte, der kein rechtes Bein mehr hatte, sondern elegante federleichte gelbe Bambuskrücken: »Meine Damen, im Schützengraben ist es noch langweiliger oft als in Amstetten!«

Splitter

Zeige mir deine Auserwählte – – – und ich werde dir sagen, wer du bist!

Nein, ich werde es dir nicht sagen, denn ich bin meistens doch zu feinfühlig dazu!

— — — — —

Wenn man Menschen gutmütig-gerecht behandelt, so »übernehmen« sie sich, werden frech. Wenn man sie ungutmütig-ungerecht behandelt, so hassen sie uns. Ist da nicht die »Tonne« das beste, sicherste Logis?!

Diogenes

Je kultivierter man ist, desto mehr Konzessionen macht man unwillkürlich sanftmütig verständnisvoll den weniger Kultivierten. Infolgedessen sagen diese: »Sehen Sie, wie sogar er ganz meiner Ansicht ist?!«

Holzschuhe

Ich trage seit 14 Tagen das Ideal der Fußbekleidung, Sandalen aus Lindenholz, gesund und billig. Der Fuß glaubt jetzt, er wäre fünfzig Jahre lang »eingesargt« gewesen, abgesperrt von Luft, eingekerkert! Viele glauben, ich tue es um aufzufallen. Ja, weshalb soll man aber nicht auffallen durch etwas Besseres, Vorteilhafteres, Gesünderes?! Da soll man ja eben auffallen, damit die anderen aufmerksam werden, wie stupid sie bisher waren und noch die Absicht haben, es sogar noch längere Zeit zu bleiben. Aber dieses ewige ironische Fragen wurde mir zu dumm. Ich sagte daher von nun an: »Bitte, man beschwert sich so über die Schuhteuerung, exorbitant, ein Paar guter fester Halbschuhe bereits 35 Kronen?! Bitte, diese Holz-Pantinen kosten 5 Kronen; falls Sie mir die übrigen 30 Kronen dazuschenken, werde ich mir wieder eine ›anständige‹ (?!) Beschuhung leisten, die Sie nicht kränkt und beleidigt!« Da sagen alle: »No, warum, Ihnen paßt sie vortrefflich, ein jeder freilich darf sich das nicht erlauben, aber Sie?! Auch scheint es wirklich besonders gesund und dem Fuße zuträglich zu sein. Sie haben ja immer so reizende aparte billige Ideen!«

Sonntag der Einsamkeiten

1./7. 1917.

Ich bin durch Leid, Selbstbesinnen, Angst, dich zu verlieren,
nun zum Dichter geworden für dich;
ich darf es, gegen alle andern Männer,
die bisher dieses Wort leicht so hinschrieben und sagten, sagen: »Du mein Alles

Niemand außer mir, bisher, Paula, hätte das je sentimental -romantisch sagen oder schreiben dürfen!

Denn es enthielt irgendeine Lüge, es gibt deren so mannigfaltige auf Erden,
wenn auch nicht sogleich während es gesprochen wurde,
so doch für eine Zukunft, die auch einmal doch eben von selbst dann Gegenwart wird!

Nur mein Wort ist und bleibt für alle Zeiten.

Drei Jahre lang warst du die » Photographie meines geistig-seelischen Ich«, die ewig besorgte Mütterliche, die ergebenst Schwesterliche,
die grenzenlos lautlos Duldende, aus »Mission« des Geistes, die Beste aller Allerbesten, nie, nie, nie mich eigentlich je enttäuschend;
nun, aber die Romantik meiner zitternden Seele fehlte bisher,
und ich »besann mich nicht«,
daß ich, Alter, Kranker, Armer, Ungetreuer, Gleichgültiger, allzu Willensstarker,
ein Milliardär war, durch dich.

Nun aber besinn' ich mich!

Sei gegrüßt, Paula!

Wenn auch zu spät.

Splitterchen

Häßliche Menschen bilden von selbst, ob sie wollen oder nicht, eine Liga gegen schöne Menschen. Schöne Menschen bilden nie eine Liga, sie stehen einzeln unter dem Schutze der gnädigen Natur!

— — — — —

Wenn Paula ein schönes Kind bewundert, nimmt sie mir gleichsam meine Bewunderung ab, nimmt mir die Bürde des Bewunderns liebevoll ab. Wenn andere scheinbar dasselbe tun, bestehlen sie mich frech!

Blumen

»Weshalb, Anna, ist Ihnen dieser Mann, der Ihnen so zart entgegenkommt, so entgegen?! Er sendet doch zum Beispiel so liebliche Blumen!?«

»Liebliche Blumen?! Auf Draht gebundene oder zu einem engen Strauß zusammengepreßte! Also kein Verständnis dafür, mir die Freude an den Blumen, die er schenkt, mindestens acht Tage lang zu verlängern! Die geschenkten Blumen sollen einfach ihm nützen in meiner Seele! Wie schenkt P. A. Blumen?! Einzelne langstielige, und vorerst eine Blumenschere, um sie täglich schief ein bißchen zu kürzen! Als ich die Blumenschere erhielt, wußte ich bereits alles über seine Seele!«

»Erzählen Sie, Anna, diese Sache niemandem, sonst bekommen alle Hunde einen ›Typ‹, wie man es nunmehr anstellen soll!«

»Das macht nichts. Sie werden sich schon irgendwo anders hundertmal ›in ihre falschen Karten schauen lassen‹!«

Karl Kraus

Fluch denen, die naturgemäße Entwicklungen hemmen wollen! Sie finden sich leider » in jeder Branche« des menschlichen Lebens!

Wenn Karl Kraus nicht gerade so angegriffen, mißverstanden und beleidigt werden würde, als es geschieht, so müßte man fast an der Wahrhaftigkeit seines Wertes zweifeln! Kein Jesus ohne Judas! Der Niedrige, Feige, Böswillige, Heimtückische, Beschränkte gehört zum Dasein des Edlen, Durchgeistigten, Vorausdenkenden, Überschauenden, Gütigen!!!

Das in tausend Vorurteilen der heutzutage angeblich befreiten, geistig befreiten Menschen dahinsiechende, torkelnde, keuchende Leben des Tages, der Stunde und der Jahre benötigt tausend Karl Kraus, freie, ritterliche, Sprache-beherrschende, unabhängige Kämpfer mit tausend »Fackeln«!

Den einen, den es gibt, auslöschen wollen, ist eine stupide feige Gemeinheit!

Der Morgen

Wehe, es beginnt zu dämmern, zu tagen.

Alle Vorurteile werden also erwachen, alle Lügen dieses Lebens, alle Lächerlichkeiten, alle Gemeinheiten!

Alles schlief bis dahin, ungefähr von 11 bis 6.

Die Welt war erlöst von ihren geistig-seelischen Infamien, von ihren heuchlerischen Scheinheiligkeiten.

Man schlief, man schlief, man schlief, und teilweise sogar sanft und angenehm!

Der Morgen, der so oft besungene, erweckt uns nun zu erneuten Scheinheiligkeiten.

Wir erkundigen uns zärtlich: »Wie hast du geruht?!«, während nichts uns gleichgültiger ist, als wie er oder sie geruht hat?!

Der Morgen findet uns wieder am Tagewerke, das wir doch erst gestern abends, also vor elf kurzen Stunden, selig waren, endlich zu beenden!?

Der Morgen flüstert uns bereits im Morgenrote zu:

»Du, du hast Schulden! Du, du bist ernstlich krank! Du, du hast dich in ihr getäuscht! Du, du bist ein Esel, in jeder Beziehung, ob so, ob so!«

Der Morgen, der Morgen sendet sein rötlichgraues Licht über die Stadt, aber was er da alles zum Leben erweckt, ist es meistens nicht wert, erweckt zu werden!

Weshalb ich nicht aufs Land gehen kann

Erstens geht mir der kleine grüne Jute-Koffer mit braunem Lederbeschlag absolut nicht zu, zweitens, wer wird meine kleine Kaktee pflegen, die bereits bei mir von 7 Zentimetern auf 30 Zentimeter gediehen ist und schon zweimal in einen größeren Topf umgesetzt werden mußte?! Die einen geben zu viel Wasser, die anderen zu wenig, nur ich, ich gebe gerade richtig. Und drittens bringt sich die Paula um, wenn ich wegfahre. Und viertens habe ich kein Geld zum Wegfahren. Und sechstens bergen die Donau-Auen, in einer Stunde von Wien aus erreichbar, tour-retour 1 Krone 20 Heller, für den wirklichen Naturfreund die Schätze der ganzen Welt! Ich schrieb einmal irgendwo, es war aber gar nicht irgendwo, sondern in meinem berühmten Buche »Wie ich es sehe« (Betonung auf dem »sehe«): »Ihr reist fort?! Wohin denn?! Von euch selbst weg vielleicht?! Wozu also?!« Dieses ist seit diesen zwanzig Jahren (acht Auflagen) Wahrheit geblieben, für mich! »Raum ist in der kleinsten Hütte« – – – die Natur zu genießen. Es geht nicht nach Kilometern! Nur für Schmöcke, Seelenlose und »falsch Erlebens-Hungrige«! »Vielleicht bin ich in Australien kein so armseliges, nichtiges, leeres Vieh wie in Wien?!« Du irrst, mein Freund, meine Freundin! Du bleibst es!

Gespräch mit einem Stubenmädchen

»Also, meine liebe Anna, ich bin selig. Eine Verehrerin, aber nicht so, wie Sie vielleicht meinen, sondern nur wegen meiner Bücher, bezahlt mir im heurigen Sommer solange die Miete für mein Stadtzimmer, wie ich am Lande zu meiner wirklich sehr nötigen Erholung weilen werde!«

Sie wurde ganz bleich bei dieser Mitteilung. Sie dachte: »Jessas, da verliere ich ja das ganze Aufräumegeld von sechs Kronen monatlich! Wenn er nicht da ist, braucht er doch nichts für das Aufräumen des sogar mit Yale-Schloß versperrten Kabinettes zu bezahlen! Da wäre er ja direkt ein Narr!«

Infolgedessen erwiderte ich: »Ihre sechs Kronen monatlich bekommen Sie aber selbstverständlich weiter. Wie kommen Sie denn dazu, einen Verlust zu erleiden, weil ich mich am Lande erholen will?!«

Da sagte sie: »Schön und bequem könnt' man leben, wann es viele solche Menschen geben täte wie Sie! In vierzig Jahren könnt' man sich sogar dann vielleicht ins Privatleben zurückziehen! Herr von Altenberg, was haben wir davon, aufrichtig gesprochen, wenn es unter Tausenden nur einen Dichter gibt, und alle anderen san solche Schmutziane?!?«

Als meine süße, anhänglichste Geliebte diese » Skizze aus dem Leben« las, sagte sie: »Siehst du, ihr ersetzest du deine Abwesenheit am Lande, aber wer, wer ersetzt sie mir?!«

Landgasthaus

»Sie, Herr Wirt, in dieser Sardellensauce ist ja lauter Einbrenn!«

»Hat sich noch niemand beklagt von alle meine Herren Gäste!«

»No ja, einer muß doch aber anfangen

»Was soll denn drin sein in einer Sardellensauce wie Einbrenn?!«

»No, zum Beispiel Sardellen!«

»Sie san heut ›schief gewickelt‹ oder hat Sie die Fräul'n vielleicht schiach g'macht?!«

Auf alles kommt er, auf die psychologischesten Subtilitäten, aber daß doch vielleicht in der »Sardellensauce« keine Sardellen waren, darauf kommt er nicht. Das heißt, wozu braucht er erst darauf zu kommen, da er es doch am besten weiß, daß keine drin waren!?

De Amore

Wenn man liebt, ist einem kein Weg zu weit! Aber »Meidling bei Wien« ist ja doch zu weit.

Wie lange fährt die Tramway?! Endlos.

Wenn man liebt, ist einem kein Geld zu viel.

Aber »Vorspeise« und »Kompott« und »Käse« ist zu viel.

Wenn man liebt, langweilt man sich nie!

Aber wenn man sich doch langweilt?!?

Wenn man liebt, gefällt einem keine andere.

Wer hat diesen verlogenen verfluchten Satz aufgestellt?!?

Wenn man liebt, ist man ganz verwandelt.

Das ist richtig, früher war man ein gescheiter netter geriebener Bursche!

Wenn man liebt, wird man eifersüchtig.

Und das ist das schrecklichste, ärger als Bauchschmerzen!

Das Wiegenlied

Frauen sind wie kleine zarte Kindchen,
immer schreien sie gleich »habäh«
nach etwas, was sie haben möchten,
sei es nach einem Hut, sei es nach einer Seele!

Hut kann ich dir, falls ich Geld genug habe, leichter kaufen,
aber Seele?!

Drum, Püppchen, verlange nicht immer mit ängstlichem inneren Geschrei, das ich dennoch stets höre,
daß ich mich Tag und Nacht lang nach dir sehnen solle!

Ich sehne mich ja sowieso hie und da,
aber es ängstlich verlangen?! Da kauf ich dir doch lieber einen neuen Hut!

Die Buchung

Das Leben ist kurz, voller Tücke, beschwerlich, enttäuschungsvoll, jedenfalls zu Ende, eh' man sich's versieht! Da gibt es nur das eine: eine reelle Buchung zu führen in einem nett ausgestatteten (sogar in Leder, wenn es dich mehr freut) Tagebuche, Stundenbuche, über alles und jedes was dir dafür steht, die zahlreichen anderen Dinge geduldig, ja sanftmütig ergeben so mitzunehmen wie die unbrauchbaren Knochen zum genießbaren Lendenstücke, bei uns genannt »Zuwag«. Zum Beispiel: Heute ½8 morgens im »Stadtpark« gefrühstückt, Joghurt, bulgarische Sauermilch, gegenüber blühte ein Mispelstrauch, gelb, ein Amygdalus-Baum rosig, weinrote Tulpen, gelbgrüne Linden. Oder: Heute, siehe, Nachdruckhonorar erhalten vom »Prager Tagblatt«, 5 Kronen für irgend etwas, das schon in einer anderen Zeitung honoriert wurde mit 20 Kronen. Oder: Sie kam heute nicht, Gott sei Dank. Oder: Sie kam heute, dennoch, trotz allem! Oder: Sie kam heute, ganz einfach, sie kam heute, ja, sie kam! Wenn man dann nach einer längeren Spanne Zeit die »Buchung« revidiert, dann weiß man, ob es dafür gestanden ist zu existieren oder nicht! Man schließt mit einem Plus oder mit einem Minus ab. Bei wirklichen echten Menschen wird es aber stets trotz allem ein bißchen irgendwie »dafürgestanden« sein!

Ewige Pubertät

Gestern, zwischen 5 und 7 abends,
sah ich ein Kind von ungefähr elf Jahren
im Volksgarten, mit wasserblauen Augen,
brauner Hautfarbe, schlank-elastisch, überschlank sogar. Überschlank gibt es nicht!

Da wußte ich, man ist erst dann ein Dichter,
wenn man so begeistert ist, daß man es
nicht mehr in irgend welche noch so apart-moderne Worte umsetzen kann für die anderen, obzwar man es ihnen dennoch mitteilen möchte.

Die Grenzen ausdrückbarer Begeisterungen sind erreicht; man fühlt, daß man trotz seinem leider allen augenscheinlichen Alter
derselbe geblieben ist wie mit 17 Jahren.

Man möchte die Lieblichste behüten und betreuen.

Doch wie?!

Lächerlich, sie hat ihre gebildete Gouvernante, einen schönen Ball und ihre Lieblingsbücher; und hundert Tanten und Onkel verwöhnen sie blöd kolossal.

Daß du ihr eben nichts zu bieten hast,
wie eh und je, war es denn früher anders?!,
ja, daß du ausgeschlossen bist aus dem Kreise ihres süßen Seins,
das kränkt dich, Alternden, heute so wie mit 17 Jahren. Du bist und bleibst verwaist.

Du möchtest ihr zum Beispiel die »Bibliothèque rose« der Madame de Ségure, née Rostopchine, zu Füßen legen, deine » Kinder-Bibeln«, »Les vacances«, »Les bons enfants«, »Les malheurs de Sophie«, »Gribouille«, »Mémoires d'un âne«, »Les petites filles
modèles«,
aber du darfst es nicht, würdest dich lächerlich machen, wie eh und je.

Wann also macht man sich nicht lächerlich, wenn man begeistert ist?!?

Nie! Nur der ewig » Nüchterne im Leben« behält Anstand, Würde und Selbstzucht! In jeglicher Situation. Pfui!

Beziehungen

Es gibt Beziehungen, die halten ewig,
fragt mich doch nicht indiskret, wieso, wodurch, weswegen?!

Es gibt so viele Schwächen im schwachen Menschen, im starken Menschen aber noch viel schwächere!

Es gibt Beziehungen, die halten, halten, halten,
und plötzlich, eines Tages, einer Stunde, einer Minute, ist es aus! Aus, aus, aus!

»Denn allzu straff gespannt, zerbricht der Bogen!«

Ist es von Schiller, ist es von Goethe, gleichviel, es ist wahr!

Es gibt aber Beziehungen, die » bröckeln ab«, unmerklich, seltsam unmerklich, mysteriös unmerklich, schauerlich unmerklich!

Sie bröckeln ab, bis die » Ruine deiner Seele« dasteht und ihrer Seele,
eurer beiden Seelen,
und Ihr nicht mehr wißt, daß es einst ein Palast war,
bequem und herrlich und erbaut aus euren Seelen wie für Ewigkeiten!

Es gibt Beziehungen, die »bröckeln ab«:

Das sind die tragischesten. Denn gerade diese hätten naturgemäß bestehen bleiben sollen!

Der Besuch

»Ihr Zimmerchen ist allerdings sehr apart, ungewöhnlich, und von einem ›persönlichen‹ Geiste erfüllt, den man leider nicht oft genug antrifft. Aber, wenn ich mir überhaupt es erlauben darf, weshalb alles so Blau in Braun?!« »Es sind meine Lieblingsfarben!« »Ach ja, dann allerdings. Die zahlreichen Photos an den Wänden beziehen sich also auf Ihr eigenes Leben, Erleben, Erleiden?! Sehr nette Ideen, aber weshalb die vielen Aphorismen darunter?! Sie selbst, meine ich, wissen doch genau, was es Ihnen bedeutet, und den Fremden mag es indiskret vorkommen, in Ihr meistens unglückliches Liebesleben eingeweiht zu werden! Ferner – nun – ein jeder nach seinem Geschmacke. Eigenartig befremdend finde ich bei Ihnen die Vorliebe für Vasen mit Überlauflasuren, finden Sie Vasen mit Bemalungen von Künstlerhand nicht schöner?!« »Nein, häßlicher, unnatürlicher!« »Ja, dann allerdings verstehe ich Ihre bizarre Geschmacksrichtung!« »Ich speziell, wenn Sie mich fragen, finde an meinem Zimmerchen nur die eine Geschmacklosigkeit, solche Kerle wie Sie überhaupt hereinzulassen!«

Rassen

Der braune zarte Griffon de Bruxelles ist wie ein liebes kleines Äffchen, anmutig beweglich, schaut dich an, daß du sogleich gerührt wirst, du kannst ihm nie, nie ernstlich böse werden, auch hat man ihm nichts zu verzeihen, weil ihm alles von vornherein pardoniert ist. Der Barzoë ist dekorativ, für Leute, die die elegante »Linie« lieben. Aber was sind das für Leute, die die »Linie« favorisieren, statt des Inhaltes?! Der Bully ist ein lebendiges Spielzeug, weiter nichts! Der Dachshund ist der » Hund gewordene« schamlose hündische Egoismus der ganzen Menschheit! Der Polizeihund ist die »Pflicht«, ernste Tüchtigkeit, in sich gekehrte Konzentration auf das, was sein soll; pflichtbewußt schreitet er gemessen, hart an der Seite seines Herren, seiner Herrin, läuft nie voraus, bleibt nie zurück, bespricht sich nicht mit anderen Hunden, die Pflicht erdrückt ihn fast, benimmt ihm alles Hundemäßige, rangiert ihn von selbst in eine höhere Rangordnung. Der Rehrattler hat etwas von einem Reh, das von einem Zauberer in eine Ratte verwandelt wurde, sonst bedeutet er höchstens noch: man kann ihn im Muff verstecken in der Tramway! Der Pudel ist die » Legende vom getreuen Begleiter«. Was gibt es dann noch für Hunde?! Es gibt sehr viel Hunde unter den Menschen! Aber pardon, Hunde, ich wollte euch nicht beleidigen, ich meine nur das gebräuchliche Schimpfwort.

Ver

Mitzi F..., in welches »Traumland blütenreicher
Frühlings-Sträucher«, 13jährige, entführst du nun wieder meine arme Seele,
die jahrelang schon bequem-unbequem
auf Greisenalters grauer Erde unbelebt hockte?!?

Alle deine Kameradinnen im »Garten« baten mich um Autogramme.

Ich schrieb jedesmal automatisch: »Datum des Tages, im abendlichen Volksgarten, P. A.«

Nur du batest mich nie darum. Ich sandte dir
mit meinem Blicke mein Autogramm: »Du, mein Frühling! P. A., Datum eines jeden neuen Tages.«

Und eines Tages entschwandest du, aufs Land wahrscheinlich.

Volksgarten, wie sommerlich ausgedörrt, fast
bräunlich-staubig bist du bald geworden!

Und herbstlich bald, das Sommer-Schilf
im Teiche wurde braun und dürr
und seine Fahnen schleißig, wie abgenützt vom Winde.

Mitzi F., Jauchzende nun auf fernen Fluren,
deinen Gazellen-Sprüngen, deinem Gazellen-Blicke träum' ich nach!

Weltkrieg

»Bis jetzt waren wir unserer fünf. Jetzt san mir nur mehr unserer drei. Aber unsere Mitzl kränkt sich so schrecklich wegen dem erschossenen Karl, daß mer bald nur mehr zwei sein werden.«

Die Mutter

Heute morgens ist der Franz weggefahren.

Urlaub unterbrochen.

Telegramm von der Isonzo-Front:

Einrücken!

Gestern abends hat er nichts gegessen.

Ich habe in der Nacht einen leichten »Brech-Durchfall« gehabt.

Er wollte nicht, daß man ihn zur Bahn begleite.

Ich sah dem »Einspänner« nach, bis ich nichts mehr sah.

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