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Pervonte oder die Wünsche

Christoph Martin Wieland: Pervonte oder die Wünsche - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitleC. M. Wieland's sämmtliche Werke. Zwölfter Band.
authorChristoph Martin Wieland
year1855
firstpub1778-1796
publisherG. J. Göschen'sche Verlagshandlung
addressLeipzig
titlePervonte oder die Wünsche
pages64
created20130803
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Pervonte
oder
die Wünsche.

Das Original dieses Gedichts ist ein altes neapolitanisches Ammenmährchen und findet sich in dem Pentamerone del Cavalier Giovan Battista Basile, overo, lo Cunto delli Cunti, trattenemiento del li Peccerille, di Gian Alesio Abbatutis. Napoli 1674. Ein Auszug davon findet sich in der Bibl. univ. des Romans vom Juni und Sept. 1777.

 


 

Erster Theil.

            Es war einmal, ich denke zu Salern,
Ein König, Namens – ja! die Namen,
Die Namen, die vergess' ich gar zu gern'!
Am Ende sind's ja auch nur Rahmen
Und Schalen, – das Gemäld, der Kern
Macht Alles aus. Nennt ihn Astolfo, Holofern,
Hengst oder Horst – genug, daß in Salern
Ihm Niemand gern den Preis der Schönheit streitig machte.
Was Mancher in geheim vor seinem Spiegel dachte,
Ging zollfrei durch. Indessen, wie es geht,
Kam eine Zeit und kam mit schnellen Flügeln,
Worin bei seiner Majestät
Von allen einst so treudevoten Spiegeln
Nicht einer mehr den Dienst so gut wie sonst versah.
Zum Troste blieb ihm noch, sich täglich zu bespiegeln,
Die Erbprinzessin Vastola,
Die ihm – der ganze Hof beschwor's – so ähnlich sah,
Als wäre sie ihm aus den Augen ausgeschnitten.
Dieß war gewiß: aus Kappadocia 4
Und Pontus bis zum Land der wilden Britten
Und HersenHersen oder Ersen, gehörten zum Volksstamme der alten Galen (Gallier, Celten), der sich in Irland und Nord-Schottland niedergelassen hatte. Von ihnen stammen die jetzt sogenannten Hochländer. hatte sich der schönen Vastola
Von Allen, die auf Abenteuer ritten
Noch Keiner ungestraft genaht,
Und wer ins Aug' ihr sah, that eine kühne That.
So, (dachten sie) so sah die Heldenzucht der Alten,
So sahn die Omphale's, die DejanirenOmphale. Dejanira – Omphale, eine lydische Königin, hatte den Hercules als Sklaven erkauft, und man sagt, daß er bei ihr Wolle spann. Nachmals erzeugte er zwei Söhne mit ihr. – – Dejanira war des Hercules Gemahlin. aus,
Die eines Hercules Umarmung auszuhalten
Vermochten, forderten mit solchem trotzig kalten
Sich selbst bewußten Blick die Herrn der Welt heraus
Und tändelten, indeß im Kreis der Mägde
Der Göttersohn Flachs an den Rocken legte,
In seine Löwenhaut gehüllt,
Mit seiner Keul', als wär's ein Sonnenfächer.
Gott steh' uns bei! uns arme Schächer
Der Afterwelt, uns wirft ein bloßes Bild
In Gyps von Weibern dieses Schlages
Zehn Schritte weit! – Doch freilich, dazumal,
Ihr lieben Herrn, war's nicht wie heutigs Tages.

Umringt von Freiern ohne Zahl
Ging Vastola daher, sah ganze Legionen
Markgrafen, Grafen und Baronen
Erbötig, sollt' es auch ums bare Leben gehn,
Das Abenteuer zu bestehn.
Indessen war von diesen Freiern allen
Doch keiner schön genug, der Stolzen zu gefallen,
Geschweig' als Ehgemahl zur Rechten ihr zu stehn.
Zwar, daß die Herrn, vom Hoffnungsgeist belogen, 5
Sich athemlos an ihrem Wagen zogen,
Stand ihnen frei; mitunter wurden sie,
Um ihnen Athem zuzufächeln,
Wohl gar mit einem kaum bemerkbarn Lächeln
Zum Fortziehn gnädigst angefrischt:
Doch immer war darein, ich weiß nicht was, gemischt,
Das ihm die Kraft, die Anmuth, kurz, was Lächeln
Zum Lächeln macht, auf einmal wieder nahm,
So daß den Herrn nicht viel davon zu Gute kam.

Der König, der sich Großpapa begrüßen
Zu hören eben noch nicht mächtig lüstern war,
Ließ bis ins zweimal zehnte Jahr
Der mädchenhaften Lust sein Töchterchen genießen;
Und Vastola, der Abgott von Salern,
Indem sie rings umher die liebessiechen Herrn
An ihrer Sonnenglut, Schneemännchen gleich, zusammen
Hinschmelzen sah, blieb mitten in den Flammen,
Nach wahrer Salamanderart,
Stets unversengt, eiskalt und felsenhart.

Wir lassen nun, um weiter vorzugehen,
Die schöne Vastola mit ihrem Zauberstab'
Und hören, was im Walde sich begab,
Den wir dort rechter Hand die Höhen
Der Gegend von Salern mit Schatten decken sehen.

Da steht bei einem Bündel Reis
Ein junger Kerl. – Wer doch, zu Lob und Preis
Der Bildnerin Natur, den Burschen malen könnte!
So wie er da, im Kopfe kratzend, stund, 6
Im dicksten Kopf, den je der weite Sund
Von einem Ochsenmaul' in zwei Halbkugeln trennte,
Mit rothem Haar garnirt, das kurz und borstig stund
Und um die platte Stirne rund
Wie angezünd'te Stoppeln brennte;
Die Ohren ellenlang, die Nase flach und weit,
Der Nacken kurz, die Schultern breit,
Der Rücken hoch, und etwas krumm die Beine;
Mit einem Wort, der Cruditäten eine
Des alten MütterchensCruditäten des alten Mütterchens – Werke, welche die alte Isis, als Mutter Natur gedacht, nicht hatte ausarbeiten können., ein Kauz, für dessen Glück
Ich Bürge bin! – Denn wahrlich, das Geschick,
Sagt, was ihr wollt, verfährt doch immer billig
Und nimmt Figuren dieser Art
In seinen sondern Schutz, stets gut zu machen willig,
Was Mutter Isis dran gespart.

Der junge Kerl, so schön als wir ihn eben
Geschildert, war der einz'ge Erb' und Sohn
Von einer guten Frau, die manchen Winter schon
Im Wittwenstande sich und ihrem Sohn das Leben
Mit Spinnen fristete; ein braves flinkes Weib,
Das früh und spät sich Müh zu geben
Gewohnt ist, keinen Zeitvertreib
Als ihres Haspels Knarren kennet
Und sehr zufrieden ist, wenn auf dem kleinen Herd'
Ein wenig dürres Reis zur Mittagssuppe brennet,
Wirthschaftlich dann den Rest zusammenkehrt
Und in den Wärmer thut, der in der morschen Hütte
Dem Winterfrost nur dürftig wehrt. 7

Bei dieser Lebensart und Sitte
War ihre einz'ge Plage die,
Daß sie, mit aller ihrer Müh',
Aus ihrem lieben Sohn Pervonte
Nichts ziehen und zu nichts den Lümmel brauchen konnte.
Da war auch keine Spur von Neugier und Verstand,
Nichts ging in seinen Kopf, nichts ging ihm von der Hand;
Sein Werk war, Tage lang, mit halb geschloss'nen Augen,
Am Ofen, auf die Streu der Länge nach gestreckt,
An seinen kurzen Fingern saugen
Und, wenn die Mutter ihn zur Arbeit scheltend weckt,
Sich über Rückenweh beklagen.
Drei Späne Holz zur Küche stöhnend tragen,
Auch dann und wann, wenn's Mutter ihm gebot,
Die Gänse aus dem Garten jagen,
War Alles, was das Faulthier sich mit Noth
Bereden ließ zum Haushalt beizutragen;
Im Uebrigen ein gutes Vieh,
Den nie der Kitzel stach, nach wann, warum und wie
Bei irgend einem Ding zu fragen,
Und den, ist nur sein Wanst, womit es sey, gefüllt,
Nichts weiter in der Welt bekümmert;
Das wahre Seitenstück zum Bild
Des Weisen beim HorazDer Weise beim Horaz – Wieland spielt hier auf die von seinem Sklaven parodirte Schilderung des stoischen Weisen an (Sat. 2, 7, 83 fgg.)

Wer ist denn also frei? Der Weise, der
Sich selbst beherrscht, den weder Armuth, Kerker,
Noch Tod aus seiner Fassung setzen kann;
Der Stärke hat, den Lüsten Trotz zu bieten
Und Titel zu verschmähn; der ganz aus einem Stück
Und rund und glatt ist, so daß nichts von außen
An ihn sich hängen, und kein Fall des Glücks ihn
Sein Gleichgewicht verlieren machen kann.

, dem's mächtig gleich viel gilt,
Wozu die Götter wohl dieß schöne Rund gezimmert,
Dem Sonne, Mond und Stern stets unbewundert schimmert;
Kurz, der, fein warm und dicht in – Dummheit eingehüllt,
Nichts liebt und haßt, nichts billigt und nichts schilt. 8

Als eines Morgens nun die Mutter
Den Topf zum Feuer setzen will,
Gebrach's an Holz. Mein Flegel, mäuschenstill,
Saß auf der Schwell' und aß sein Brod und Butter.
Pervonte, sprach sie, sey einmal zu etwas gut!
Du siehst, der Topf kann ohne Holz nicht kochen;
Frisch auf, mein Sohn! nimm deinen Hut,
Lauf in den Wald! da liegt vom Sturm gebrochen
Des dürren Reisigs viel umher;
Mach' einen Bündel draus, so schwer
Du tragen kannst! Auf! rege deine Glieder
Und mach' es hübsch und komm bald wieder.

Pervonte, der an diesem Morgen just
Bei guter Laune war, wie wenig Lieb' und Lust
Er auch zur Arbeit hat, so rafft er doch am Ende
Sich auf und schlendert in den Wald;
Steht da und gafft, als ob er gar besonders fände,
Wie so viel Bäume in den Wald
Gekommen; schreitet drauf zum Werk, spuckt in die Hände,
Kriecht im Gesträuch' herum und bringt so ziemlich bald
Sein Bündel dürres Holz zusammen;
Stellt sich dann hin dazu und denkt: Ja, wer mich nun
Mit meinem Bündel da in einem Hui zu Ammen
Nach Hause trüg'! – Allein da war nun nichts zu thun,
Als selbst den Bündel frisch auf seinen breiten Rücken
Zu nehmen und zu gehn. Die Sonne fing schon an,
Als er aus dem Gebüsch' hervor kam, stark zu drücken.

Von ungefähr erblickt er auf dem Plan 9
Drei Frauen, jung und schön von Farbe, Wuchs und Zügen,
Die schlafend an der Sonne liegen;
Bleibt stehn, betrachtet sie vom Haarband bis zum Schuh,
Drückt vor Behaglichkeit die kleinen Augen zu,
Guckt abermal und denkt so bei sich selber:
's ist Schade doch für diese Dirnen da,
So in der Sonne, wie die Kälber,
Zu liegen, unbeschirmt! Ist doch der Busch so nah';
Ich geh' und schneide Holz und steck' es in die Erde
Und mach' ein Obdach um sie her.

Nun sagt mir noch, daß auch der dümmste Bär
Nicht durch die Zaubermacht der Schönheit menschlich werde!

Gedacht, gethan! Er haut sechs Stangen oder acht,
Befestigt sie, so gut ihm möglich, macht
Ein grünes Dach um diese schönen Kinder
Und spreitet dann sein Wamms und Halstuch drüber hin.
Nie ging ihm, weil er lebt, geschwinder
Die Arbeit von der Faust. Und nun, in seinem Sinn
Sehr mit sich selbst vergnügt, schlägt er ein herzlich Lachen
Ob seinem Einfall' auf und gähnt aus vollem Rachen
So laut als eine Eselin,
Daß unsre Nymphen dran erwachen.

Bist du's, fragt ihn die eine, der so gut
Gewesen ist, uns dieses Dach zu machen?
Pervonte schmunzelt, läßt den abgegriffnen Hut
Im Kreis' um seinen Daumen treiben
Und spricht kein Wort, wie sanft ihm auch die Frage thut.

Dein gutes Herz soll unbelohnt nicht bleiben, 10
Fährt jene fort, das ist nun unsre Pflicht.
Vernimm, Pervonte, wir sind Feen.
Man legt uns viel zur Last; allein, das sollst du sehen,
Undankbar mindstens sind wir nicht.
Verlange, was du willst, es soll sogleich geschehen!

Mit diesem Wort verschwanden alle drei.
Pervonte guckt noch immer nach dem Orte,
Wo nichts mehr ist, und brummt bei sich: Ei, ei!
Um dieses Edelvolk! – Was sie mir gute Worte
Und Augen gab! ich dachte, wie geschwind
Sie mir den Sack mit Thalern füllen würde!
Nun seh' ich wohl, 's war Alles lauter Wind.

Mein Bursche kehrt zu seiner Bürde
Zurück, lupft auf, kratzt hinterm Ohr, beginnt
Am Ende doch den Bündel aufzupacken,
Und wie er ihn so ziemlich drückend find't,
Spricht er: Da muß ich mich dich heim zu tragen placken!
Ich wollte wohl, du müßtest mich
Nach Hause tragen!
                                Kaum entschlich
Pervonten dieses Wort, so scheint ein thierisch Leben
Auf einmal in dem Holz zu weben;
Der Bündel schlüpft, so sanft wie Flaum,
Dem Burschen zwischen seine Beine,
Hebt ihn empor und läuft euch über Stock und Steine
Mit ihm davon, so hurtig als ihn kaum
Der schnellste Klepper tragen konnte.
Ha, ha! das geht ja schön, ihr Feen! ruft Pervonte; 11
Ich sagt' es nur im Spaß', und ihr macht Ernst daraus!
Nun, weil's denn so ist, hott! mein Gäulchen, grad nach Haus!

Der nächste Weg nach seiner Mutter Hütte
Ging durch die Stadt, am Schloß vorbei.
Nun denket euch den Lärm, den solche Reiterei
Da machen muß! Bei jedem Schritte
Nimmt Zulauf, Drang, Gelächter und Geschrei
So überhand, daß man sein eigen Wort nicht hörte.
Pervonte, den das Alles wenig scherte,
Trabt ruhig seines Weges fort.
Der Bündel, dem das Volk zu nah kommt, schlägt auf Mord
Bald links, bald rechts und weiß sich Platz zu machen.
So langt denn, unter lautem Lachen
Der ganzen Stadt, mein Kauz am Schloßplatz' an.
Prinzessin Vastola und ihre Damen sahn
Durchs Fenster, wie der neue Reiter
Vorüber trabt, und weil nun Ihre Hoheit just
Nicht mit dem rechten Fuß' heut' aus dem Bette stiegen,
Macht ihr die allgemeine Lust
Verdruß und Laune statt Vergnügen.
»Ha! (ruft sie laut genug, daß hört, wer Ohren hat)
Das lohnt sich auch der Müh, daß eine ganze Stadt
Um einen solchen Bärenhäuter
So närrisch thut!
Sein Pferd ist schlecht und doch für solchen Reiter,
Den Wechselbalg, den Unhold, noch zu gut!«

Pervonte's wohl gestreckte Ohren, 12
So dumm er sonsten war, verloren
Kein Wort von diesem Lob. – »So? Fräulein Isabell,
So? bin ich nicht nach Ihrem kleinen Schnabel?
Ich bin ein Wechselbalg, ein Unhold? – Wohl, Mamsell
Prinzessin, wär' ich gar der große Bel zu Babel,
So wollt' ich, daß Sie gleich von mir
Mit Zwillingen zur Stelle schwanger ginge!
Dann sollte man doch sehn, eh Sie von Thür zu Thür
Mit Ihren Krabben betteln ginge,
Ob Sie dem Wechselbalg, der Ihr
So mißbehagt, nicht selbst sich an den Gürtel hinge!«

Mit diesen Worten sprengt mein Krauskopf stolz davon,
Verliert in drei Minuten schon
Die Stadt aus dem Gesicht' und reitet wohlbehalten,
Zu großem Schrecken seiner Alten,
Auf seinem Bündel Reis in ihre Wohnung ein.
Die gute Frau erschöpft sich ganz mit Fragen;
Allein der Gänsekopf weiß wenig drauf zu sagen,
Bringt klaren Unsinn auf die Bahn,
Fängt, weil er schon den Handel halb vergessen,
Sein Mährchen stets von vornen wieder an
Und, kurz, verwickelt sich in Bündeln und Prinzessen,
Bis er nicht mehr heraus sich helfen kann.

Die Mutter hört zuletzt zu fragen
Und er zu trätschen auf; man denkt nicht weiter dran;
Pervont bleibt, was er war, lebt ohne Zweck und Plan,
Gelüstet nichts, als täglich seinen Magen
Zu füllen und auf seinem Schragen 13
Zu flacken wie bisher, macht gutes Blut dabei,
Und alles Andre ist ihm völlig einerlei.

Indessen zu Salern im Schlosse stand es, leider!
So ruhig nicht. Vier Monden waren kaum
Vorbei, so muß bereits der Kammerschneider
Der schönen Vastola, ganz in geheim, mehr Raum
Für Ihrer Hoheit Weichen machen;
Zwar mit den Freiern spielt sie immer noch den Drachen:
Von allen keiner, der sich nur
Der kleinsten Gunst von ihr zu rühmen hätte.
Nichts desto minder schwillt zusehens ihr Contour,
Und, kurz, man bringt (nicht ohne viel Gespötte
Und Achselzuckerei des Hofes und der Stadt)
Sie, die den Ruf der sprödsten Kälte hat,
Bei hohem Wohl – mit Zwillingen zu Bette.

Des Königs Wuth und der Prinzessin Scham,
Die billig es sehr übel nahm,
Daß gegen ihren Ruhm, so rein, so unbescholten,
Die Zwillinge als Zeugen gelten sollten;
Das wicht'ge Air der jungen Herrn
Markgrafen, Grafen und Baronen von Salern,
Als ob ein jeder hier viel zu verschweigen hätte,
Der seine Unschuld doch ganz in geheim bedaurt
Und auf den Schuldigen an diesem Wochenbette
In jedem andern hämisch laurt;
Die Stille in den Vorgemächern,
Der inhaltsschwere Blick, das Zischeln hinter Fächern,
Das Aergerniß der tugend-, ehr- und zucht- 14
Begabten Raths- und Bürgersweiber;
Der Jungfern Angst vor gleicher Wassersucht;
Die Scherze platter Zeitvertreiber
Und all die undankbare Müh
Der Herren der Akademie,
Um durch verschiedne Hypothesen,
Mit A + B und Kupfern ausstaffirt,
Ganz klärlich darzuthun: daß der Begriff vom Wesen
Des Dings die Möglichkeit unleugbar in sich führt,
Wie Vastola zwei Keimchen aufgelesen,
Die ihr, Gott weiß woher, ein Zephyr zugeführt,
Und die, in ihrem Leib' allmählich evolvirt,
So weit gediehn, bis sie, wie sich gebührt,
Der holden Töchterchen zu rechter Zeit genesen:
Dieß Alles, und was Jedermann
Bei einem solchen Fall moralisiren kann;
Und daß der Großpapa vor Gift und Galle gelber
Wie eine Quitte wird und nicht verschmerzen kann,
Von einem ungenannten Mann
Sich so gefoppt zu sehn – versteht sich von sich selber.
Genug, die Hauptperson dabei
Betheurt mit reinestem Gewissen,
Daß die Begebenheit ihr unbegreiflich sey:
Und damit wird man sich für jetzt begnügen müssen.

Die beiden Töchterchen, die (wie wir Alle wissen)
Ein bloßer Wunsch gezeugt, die wuchsen nun heran.
Sie waren lieblich anzuschauen,
Und hätten Ammen, Kammerfrauen 15
Und Gouvernanten nichts gethan,
So hätten sie mit Gottes Segen
Ganz wackre Mädchen werden mögen.

Und als sie nun zum sechsten Mal
Die Rosen blühen sahn, da trat der Seneschall
(Ein Mann von großem Kopf) zum König,
Strich seinen Bauch und sprach: »Ich lese ziemlich wenig. –
Denn unser einem läßt die Amtsgeschäftigkeit
Zum Bücherlesen keine Zeit –
Indessen fällt mir bei, daß ich vorlängst gelesen,
(Wo? weiß ich nicht – ich denk' in einem Versebuch –
Ja, ja, so etwas ist's gewesen,
Sie nannten's, ist mir recht, Terentiens Eunuch)
»Es sey – wie heißen's doch auf Griechisch die Doctoren? –
So ein – so ein – Instinct den Kindern angeboren,
Der sie vermögend macht, aus einem ganzen Heer
Von Vätern flugs den wahren auszuspüren.«

Der Einfall, spricht der König, ist nicht leer,
Herr Seneschall, wir können's ja probiren.

Und ein Gebot geht aus, es soll am nächsten Fest
Vom kleinsten Junker an bis zu den Herrn mit Stäben,
Was Ahnen hat, nach Hofe sich erheben.
Die Zwillinge, die man nicht merken läßt
Warum, erscheinen auch. Man läßt bei offnen Thüren
In einem ungeheuren Saal
Die Herren allerseits vor ihnen defiliren
Zum ersten, andern, dritten Mal:
Doch, von Instinct ist nicht das Mindeste zu spüren. 16

Gut, spricht der Seneschall, wir sehen also klar,
Daß es von diesen keiner war;
Doch gegen mein System kann das noch nichts probiren.
Wir gäben, dächt' ich, nun den Bürgern einen Ball,
Vielleicht – Ei, ei, Herr Seneschall!
Ihr denkt nicht, was Ihr sagt, (fällt ihm sein Herr, der König,
Ins Wort) so tief kann meine Tochter nicht
Gesunken seyn! – Ich bitte unterthänig,
Versetzt der Seneschall; zu glauben ist es nicht –
Allein – was wollen wir? Gelegenheit macht Diebe,
Das Fleisch ist schwach, und blind die Liebe,
Spricht mein Ovidius. – Da spricht er freilich wahr,
Versetzt der Fürst. Wohlan, den Ball gegeben!
Wir tanzen mit, Herr Seneschall, nicht wahr?
Man findet im gemeinen Leben
Oft manches feine Augenpaar
Und Busen, die sich noch aus eigner Kraft im Schweben
Zu halten wissen – kurz, erschlafften Magen thut
Auch grobe Kost mitunter gut.

Der Ball versammelt nun, was innerhalb den Pfählen
Der Stadt Salern zur schönen Welt sich zählt;
Allein der große Zweck wird abermal verfehlt.
Die beiden Grazien, mit Flinkern und Juwelen
Reich ausgeziert, sind, wie man schließen kann,
Zuerst dabei: umsonst! für keinen einz'gen Mann
Spricht die Natur ein Wort zu ihren Seelen.

Nun, sagt der Seneschall, ist nichts, was auf die Spur
Uns bringen kann, als ein CocagneCocagneCocagna war eine Lustbarkeit in Neapel, wobei der Hof dem Volke allerlei Esswaaren auf einem Gerüste preisgab. Pays de cocaigne ist daher im Französischen so viel als Schlaraffenland. nur: 17
Dieß, Gnädigster, dieß muß den Ausschlag geben!
Top, ruft der Fürst, ich lieb' es für mein Leben:
Nur Anstalt gleich dazu gemacht,
Und daß nichts fehl' an Ueberfluß und Pracht,
Herr Seneschall!
                            Sogleich, am Fuß der großen Treppe,
Wird's bei Trompetenschall dem Volke kund gethan.
Man fährt, was eßbar ist, Gans, Ente, Truthahn, Schneppe,
Kaninchen, Rebhuhn und Fasan,
Rindszungen, Schinken, Bretzeln, Wecken
Und Würste aller Art zu ganzen Fudern an,
Die Pyramide zu umstecken,
Die man an diesem Freudenfest
Dem Volk zu plündern überläßt.

Als nun, erharret mit Verlangen
Von jung und alt, der große Freudentag
Erschienen war, an dem, noch eh' er aufgegangen,
In ganz Salern kein Mensch im Bette lag,
Die Trommeln trommelten, Trompet' und Cymbeln klangen,
Rings um den großen Platz die Fenster überall
Schon mit geputzten Köpfen prangen,
Die ganze Stadt von Jubelschall
Ertönt, und wogenweis' in wimmelndem Gedränge
Aus allen Gassen schon die Menge
Sich auf den Platz ergoß, mit Augen voller Durst
Den Raub verschlang und kaum erwarten konnte,
Bis man zum Angriff blies; spricht zu Pervonte
Die Mutter: Geh du auch! Du wirst doch eine Wurst 18
Zum wenigsten von diesem Spaß' erhaschen;
Lauf, was du kannst!
                                  Der Hof, der gern bei jedem Fest',
Um desto reizender zuletzt zu überraschen,
Fein lange auf sich warten läßt,
Der Hof war eben angekommen
Und hatte schichtenweis' auf einem Schaugerüst,
Zu großem Trost des Volkes, Platz genommen;
Und was dem Volk dabei das Liebste ist,
Das sind die Zwillinge, die in gar schönen Mützen
Am Fuß der Pyramide sitzen.

Wie nun zum großen Reihentanz
Die Jugend hin sich stellt in einen bunten Kranz,
Kommt plötzlich mitten in den Haufen
Mein Rothkopf keuchend angelaufen.
Und nun hört Alle, was geschah!
Kaum werden sein, so schmutzig als er da
In seiner Jacke steht, mit ungekämmtem Haar
Und ohne Schuh,
Kaum werden sein die Kinderchen gewahr,
So laufen sie zu aller Welt Erstaunen
Mit offnen Armen auf ihn zu.

Hm! sagt' ich's nicht? beginnt in großer Ruh
Der alte Seneschall dem König zuzuraunen,
Hält mein Instinctus sich nicht gut?

Verdammt sey dein Instinct, fährt in der größten Wuth
Der König auf. – Was? Ich den Schimpf erleben?
Ha! meine Tochter! Mir! von einem solchen Strolch! 19
Von einem Schuft mir Enkelchen zu geben!
Das ist zu grob! – Gift, Feuer, Strang und Dolch
Sind zu gelinde noch, die Majestät zu rächen,
Die so entheiligt wird!
                                    Die arme Vastola,
Sich keiner Schuld bewußt, will sprechen:
Allein der König droht, ihr Arm und Bein zu brechen.
Es war ihr Glück, daß er das Faß ersah,
Das, nach Gebrauch des Festes, neben
Der Pyramide stand, voll ziemlich saurem Wein,
Den man gesonnen war, die Herzen zu erfreun,
Dem Pöbel gnädigst preiszugeben.
Man schlag den Boden aus und werfe sie hinein,
Ruft der ergrimmte Fürst: fort! ohne Widerstreben!
Sie und den herrlichen Galan
Und ihr Gezücht! fort, in den Ocean!

Des Königs strenges Wort wird ungesäumt vollzogen.
Man steckt die Kinderchen, die ganz erbärmlich schrein,
Und Vastola und ihn, den man, vom Schein betrogen,
Für ihren Buhler hält, stracks in das Faß hinein
Und überlässet sie den Winden und den Wogen. 20

 


 

Zweiter Theil.

        Man denke nun sich eine Omphale,
Alkmene, Danae, Latone,
Kurz, Dame Vastola, von ihrem Schönheitsthrone
Herabgestürzt, der unwirthbaren See
In einer Tonne preisgegeben,
Mit Zwillingen, wozu sie um ihr Leben
Sich nicht bekennen kann und doch ein Mutterherz
Zu ihnen fühlt, und – was vor Scham und Schmerz
Sie zur Medea machen möchte –
Gesperrt zu einem solchen Hechte!
Und diesen seinen Seladon
(Das Ideal von einem Besenbinder)
So öffentlich zum Vater ihrer Kinder
Erklärt! – die Situation
War neu und einzig, sollt' ich meinen;
Zumal wenn ihr den Raum bedenkt,
Der die Prinzessin und die Kleinen
Und unsern Kauz so nah zusammenschränkt,
Daß sie mit Armen und mit Beinen
Bei jedem neuen Wellenstoß
Sich mehr verwickeln, – seine Nase
All' Augenblick' in ihres Halstuchs Gaze 21
Behangen bleibt, und oft zwei Linien bloß
Den schönen Mund von seinem Rüssel trennen:
Das Alles sollte wohl die Obermeisterin
Der Spröden mürbe machen können!
Doch Vastola's erhabner Fürstensinn
Zeigt just im Unglück, wo die Blöße
Gemeiner Seelen sich am schnellsten offenbart,
Die Majestät der angestammten Art
In ihrer ganzen Heldengröße;
Zeigt durch den kalten Stolz, womit
Ihr Blick Pervonten niedertritt,
Daß Kränkungen ihr Herz nur höher schwellen.
»Pfui des Gedankens! ruft sie: Ich,
Bei einem solchen Alp mir Zwillinge bestellen?«

O meiner Treu! das könnt ihr sicherlich
Mir glauben, Frau, (versetzt der ungeschlachte Lümmel)
Den großen Spaß,
Gesperrt zu seyn mit Euch in dieses muff'ge Faß
Und zwischen Wasser, Luft und Himmel
Zu schaukeln, hätt' ich auch entbehren können. – Dumm!
Zu Euren Zwillingen als Vater stehn zu müssen!
Wenn Ihr nicht besser wißt warum,
Als ich –
              »Was soll ich besser wissen,
Ich, die dich nie in meinem Leben sah?«

Was das betrifft, Frau Vastola,
Da möchtet Ihr die Wahrheit ziemlich sparen.

»Ah, nun besinn' ich mich – an deinen rothen Haaren 22
Und an dem weitgespaltnen Maul –
Bist du vielleicht der Schuft, der auf dem Steckengaul
Bei unserm Schloß vor sieben Jahren
Vorbeigeritten kam?«
                                  Ei, freilich bin ich der!
Ich weiß es noch, als wär's von gestern her;
Besinne mich gar wohl, wie Ihr die Nase rümpftet
Und wie ein Rohrspatz auf mich schimpftet,
Und hießt mich Wechselbalg und Kauz und Murmelthier,
Und was vors Maul Euch kam. Es kroch mir übern Magen,
Das leugn' ich nicht; und, mit Respect zu sagen,
Da wünscht' ich Euch, Ihr möchtet stracks von mir
Mit Zwillingen ein wenig schwanger gehen.
Ihr solltet, dacht' ich, Spaß verstehen:
Wie Ihr draus Ernst gemacht und zu den Püppchen hier
Gekommen seyd, da mögt Ihr selber sehen!
Ich, wie Ihr wißt, bin rein von ihnen und von Euch.
Genug, ich hatt' es von den Feen,
Daß damals, was ich wünschte, gleich
Geschehen mußte.
                              »Wie? das hattest du von Feen?«

Nicht anders. Meine Reiterei
Auf einem Bündel Holz bei Eurem Schloß vorbei
Kam bloß daher.
                            »So hast du diese Gabe
Wohl immer noch?«
                                Nicht daß ich wüßte.
                                                                  »Wie? 23
Du hast es nie erforscht?«
                                          Der Anlaß gab sich nie.
Mag seyn, es ist vorbei, mag seyn vielleicht, ich habe
Sie noch; mir stieg es nie zu Kopf,
Das Ding erkundigen zu wollen:
An Suppe fehlt es nie in meiner Mutter Topf
Und nie dem Topf' an Holz; was hätt' ich wünschen sollen?

»Ein Philosoph von feinem Schrot!
Die Dummheit, wie ich seh, macht auch Diogonesse
So gut und besser, als die Noth,
Ruft Vastola: doch in der Presse,
Worin wir sind, da uns ein blasser Tod
Bei jedem Athemzug' in jeder Welle droht,
Wird deine Weisheit wohl nicht länger Anstand nehmen,
Zu sehn, daß Feen uns jetzt sehr zu Statten kämen,
Versuch' es! wünsche dir!«
                                          Ich, wünschen? und wofür?
Ich bin ein Alp, ein Schuft, ein dummes Thier,
Ein Philosoph, hab' Eselsohren
Und hinten einen Sterz, nicht wahr?
Zum Wetter auch! die Schmeichelein sind rar!
Wenn Ihr nichts Bessers habt, so laßt mich ungeschoren!
Zum Wünschen, ja, da bin ich gut genug!

»Ei, ei, Pervonte, bist du klug?
Wer wird den Worten gleich die schlimmste Deutung geben?
Es war nicht so gemeint. Komm, Männchen, sey so gut!
Laß dich erbitten!«
                                So? nun, da es Noth Euch thut, 24
Nun könnt Ihr gute Worte geben!
Ich dachte ja, wir würden's noch erleben!
Allein, Pervonte hat sein Köpfchen auch, mein Schatz!
Wohlfeiler als um einen derben Schmatz
Wird meiner Mutter Sohn sich nimmermehr ergeben.

Schwer lag die Hand des Schicksals einmal nun
Auf Vastola: die Wahl, was hier zu thun,
Ist hart für eine Dejanire.
Allein, wiewohl sich Magen, Herz und Niere
Entgegensträubt – gut, daß der Grobian
Noch so begnügsam ist! eh sie die Wasserspinnen
Zu füttern sich bequemt, was hätte sie gethan?
Kurz, da dem Tode zu entrinnen
Kein ander Mittel war, hielt sie den Athem an,
Die Augen zu, und that, was sie nicht lassen konnte.

Ah! nur noch einen, ruft Pervonte:
Und nun, Madonna, eh die alte Tonne voll
Mit Wasser ist, sagt, was ich wünschen soll.

»Daß sie sich in die schönste kleine Barke
Verwandle, wohl versehn mit Allem, was uns Noth
Zur Seefahrt ist, und zwanzig tücht'ge starke
Matrosen drin, und ein Pilot,
An Bajens UferAn Bajens Ufer – In Campanien (terra di lavore), der schönsten und reichsten Provinz Unter-Italiens. uns zu führen.«

Pervonte, wie ihr wißt, ein wenig schwach
Von Kopfe, läßt sich's repetiren
Und spricht den Wunsch von Wort zu Wort ihr nach.
Und wie er's sprach, verwandelt sich die Tonne
Ins schönste Schiff, worauf die liebe Sonne 25
Geschienen, seit KleopatraKleopatra, bestieg bei ihrer ersten Zusammenkunft mit Antonius auf dem Fluß Cydnus ein Schiff, dessen Pracht und Geschmack Alles übertraf. Die Segel waren von Purpur, die Ruder von Silber, sie selbst ruhte in einem Zelt von Goldstoff auf dem Verdeck im Costume der Venus, und um sie stellten die schönsten Knaben und Mädchen Grazien, Liebesgötter und Nereiden vor. Duftendes Räucherwerk und wollüstige Musik vollendeten die Bezauberung der Sinne.
In einer Glorie von Reiz und Liebeswonne
Der Cydnus dem Anton entgegen schwimmen sah.

Von ihren Sinnen hielt sich Vastola belogen,
Da sie die seidnen Wimpel sah,
Die, Zephyrflügeln gleich, hoch in die Lüfte flogen;
Die Ruder ganz mit Silber überzogen,
Die Segel Purpur, Gold die Stangen sammt dem Rah,
Und jede Stang' umwebt mit einem Blumenkranze;
Das Rudervolk geputzt als wie zum Tanze,
Belebten Bildern gleich, die, ohne auszuruhn,
Die Arbeit nach dem Tact' in tiefster Stille thun;
Kurz, Alles so, wie man's erwarten konnte
Von einem Feenwerk.
                                  Prinzessin Vastola,
Vor deren Augen hier geschah,
Was ihr ein Mährchen däucht, begonnte
Pervonten nun für etwas mehr,
Als was er schien und war, zu halten.
Doch er, er bleibt in seinen vor'gen Falten
Und bildet sich nicht minder und nicht mehr
Auf eine Gabe ein, die ihm so fremde sitzet,
Wie jener Eselin die Redeseligkeit.
Der große Schild, der ihn zu aller Zeit
Vor Fragen und vor Wünschen schützet,
Ist Wolfens goldnes: Ist was ist!
Das Schiff ist einmal da, und weil es ist, ist gegen
Sein Daseyn mit Gebühr kein Zweifel zu erregen. 26
Es scheint nur, dächt' ein Platonist;
Allein Pervont, der keiner ist,
Hält steif und fest sich, gegen zehn Platonen,
An die Realität der Mundprovisionen,
Womit das Schiff versehen war:
Die Möglichkeit, die kümmert ihn kein Haar;
Genug, wo Futter ist, da ist für ihn gut wohnen.

Indessen nun Pervont, für den nichts existirt,
Als was er schmeckt, das Magazin durchnistert,
Und Vastola, die Alles gleich verliert,
So bald sie's hat, nach neuen Wünschen lüstert,
Schwimmt unvermerkt die Barke fort, doublirt
Ein Vorgebirg' und langt bei gutem Wind' und Wetter
Vor Abend noch am schönsten Ufer an.

Es schien im Abendroth ein Sitz der Frühlingsgötter,
Ein Zaubergrund, ein wahres TinianTinian – Eine der Marianischen Inseln, wird von den Spaniern, des schönen Anblicks halber, den sie darbietet, Buena vista genannt.;
Doch, wie sie's in der Nähe sahn,
Da war's ein einsam Thal, von Hügeln eingeschlossen,
Mit Wäldchen hier und da und Büschen untermischt,
Wo Bäche unter Rosen flossen,
Und ungestört im Gras die Sommergrille zischt.

Hier, spricht die Dame, lass' uns landen,
Der Ort gefällt mir; doch, um leidlich hier zu seyn,
Mein guter Freund, fehlt, wie du siehst, allein,
Die Feen noch um einen Wunsch zu pfänden.

»Ha! ich versteh' Euch – meiner Treu!
Der Wunsch ist gut, ich bin dabei!
Daß alle Zweige hier, sobald wir es verlangen, 27
Voll Bretzeln und voll Leberwürste hangen,
Das wäre drollig! Meint Ihr nicht?«

Still, Dummkopf! Muß ich denn mich ewig deiner schämen?
Ruft Vastola mit glühendem Gesicht.
Lass', eh die Feen dir die Gabe wieder nehmen,
Die du so schlecht verwaltest, mich
Im Wünschen deinen Platz vertreten;
Begnüge dich, mir nachzubeten:
Das Schiff verwandle – Hörst du? sprich
Mir jede Sylbe nach! – Das Schiff verwandle sich
Flugs in das schönste Schloß, das Augen sehen mögen!
Es sey mit Pracht und Eleganz meublirt,
Die Decken und die Fensterbögen
Mit Stuckatur und Malerei geziert,
Die Wände reich vergoldet und lackirt;
Nichts fehle drin, Gemälde, Marmorköpfe,
Bildsäulen, Basreliefs, Campan'sche Blumentöpfe,
Japanisches Geschirr, kurz, nichts, was sich gebührt,
Wenn unser eines für meublirt
Sich halten soll; und, weil's nur wünschen gilt, so ziehe
Sich rings ums Schloß ein großer Garten her,
Wo Alles ewig grün' und blühe
Und dufte, wie ein Balsammeer.
Auch wünsch' ich mir im dunkelsten der Büsche
Ein Marmorbad, so schön, daß Venus selbst sich gleich
Drin baden möcht', und einen Schwanenteich
Und einen Schmerlenbach, der sanft durch Blumen zische,
Und einen Hühnerhof und eine Meierei 28
Und hübsches Schäfervolk, dieß Alles zu verwalten,
Und Jungfern, wie aus Leda's Ei
Gekrochen, und Lakein und – kurz, was Hof zu halten
Erfordert wird –
                          »He! ist's nicht bald vorbei?
Die Feen können's ja nicht all im Kopf behalten!
Ihr wollt auch gar zu viel auf einmal!« –
                                                                Aber, eh
Pervonte noch das letzte Wort vollendet,
Hebt ein Palast vor ihm sich luftig in die Höh,
Woran die Feerei all' ihre Kunst verschwendet.
Selbst die Prinzessin steht von seinem Glanz verblendet;
Der zu Salern, den sie zum Muster nahm,
War nur ein Bürgerhaus dagegen.
Pervonte starrt und gafft. Nun seh' ich, spricht Madame,
Nichts, was ich wünschen kann, geht über dein Vermögen.

Sie tritt hinein, die Kinder an der Hand,
Und auf der Treppe schon schallt ihr Musik entgegen;
Doch, was bei diesem neuen Segen
Pervonte weit das Schönste fand,
War, daß für Viere schon gedeckt die Tafel stand.
Sie setzten sich; er aß, bis ihm das Athemholen
Beschwerlich ward, und schien von all dem Glanz',
Und von dem neuen Tag, den hundert Girandolen
Durch zwanzig Zimmer strahlten, ganz
Verblüfft und außer sich. Oft lacht er überlaut
Vor Freuden, rief: Die Feen sollen leben!
Ließ noch ein Glas sich auf ihr Wohlseyn geben 29
Und that mit seiner künft'gen Braut
Beim Nachtisch schon so heimlich und vertraut,
Daß Vastola vor seiner plumpen Hände
Zu ausdrucksvoller Zärtlichkeit
Den Sessel nach und nach bis an des Tisches Ende
Zu rücken nöthig fand. Und gleichwohl war es Zeit,
Sich zu gestehn, was alle Sprödigkeit
Und aller Stolz der Welt ihr nicht verbergen konnte.
Des Lustspiels Ausgang war zu klar.
So plump, so ungestalt Pervonte,
So dick sein Kopf, so roth sein struppicht Haar,
So eseltreiberhaft sein ganzes Ansehn war,
Was half es ihr? Die Zwillinge, die Tonne
Entschieden ein für alle Mal
Ihr Schicksal; kurz, entweder eine Nonne,
Wo nicht, Pervonten zum Gemahl.
Nun freilich, eine Morgengabe,
Wie er zu geben hat, erleichtert sehr die Wahl.
Allein dann wieder ein Gemahl,
Wie er, für Vastola? – Ein Rabe
Am Wagen Cypriens gespannt zu einem Schwan'!
Es war zu arg, es ging unmöglich an!

Pervonte, spricht zuletzt die Dame, deine Feen
Sind sehr gefällig: aber doch,
Mein guter Freund, fehlt, däucht mich, etwas noch.
Du hast wohl nie im Spiegel dich gesehen?
Da, schau hinein und sey so billig, zu gestehen, 30
Wofern sie dich von Fuß auf um und um
Verwandelten, du könntest nichts verlieren!

»Verwandeln? mich? verwandeln! und warum?«
– Um schön zu seyn. – »Mein feines Lieb, darum,
Das glaubt mir, möcht' ich Euch nicht einen Finger rühren.
Ich war mir selber immer recht.
Indessen, wenn Euch ein Gefallen
Damit geschieht, meinethalben! Laßt vom Ballen
Zum Schopf mich seyn, wie Ihr mich haben mögt.«

Nicht gar zu schön ist oft nur desto besser,
Denkt Vastola: sey immer ein Adon,
Nur muskelhaft dabei, wie Milo von KrotonMilo von Kroton, sechsmaliger Sieger in den olympischen Spielen, war von so außerordentlicher Stärke, daß er einen Stier auf den Schultern forttrug und mit einem Faustschlag tödtete.;
Nicht allzu schlank; zwei Daumen höchstens größer,
Als ich – kurz, minder zart als derb und ritterlich,
So bist du schön genug für mich.

Daß Vastola nicht laut so offenherzig dachte,
Versteht sich. Rathet nun, was sie für Augen machte,
Da sie, von Wort zu Wort, Pervonten, wie sie sich
Ihn in Gedanken zugeschnitten,
Leibhaftig vor sich sah! so ganz aus einem Guss'!
Ein Ideal, worin Antinous
Und Hercules so um den Vorzug stritten,
Daß jeder siegt, und keiner weichen muß.

Ein lauter Schrei entfuhr ihr, von den Feen
Bei Wünschen, deren sie sich selber kaum bewußt
Zu seyn gewagt, sich so ertappt zu sehen.
Sie wurde roth bis an die Brust,
Sah hin und her, unruhig und verlegen, 31
Und hätte gern' ein wenig trotzen mögen.
Allein der Undank schrie zu laut.
Das Beste war, in seiner neuen Haut
Den jungen Herrn stillschweigend anzunehmen
Und sich der Mildigkeit der Götter nicht zu schämen.

Wir wollen's nur geradezu gestehn,
(Bedungen daß ihr guter Name
Nicht drunter leiden soll) die liebe junge Dame
Schien in der Dankbarkeit beinah zu weit zu gehn.
Drei Tage lang (und, wie wir schier besorgen,
Die Nächte auch) vom frühsten Sommermorgen,
(Daß Feerei dabei im Spiele war,
Ist sonnenklar!)
Drei Tage, wie gesagt, vom Morgen
Bis in die Nacht, war alle ihre Zeit
Dem holden Korydon geweiht.
Sie trug ihn, wie ein Kind die neu bescherte Puppe,
In ihrem neuen Eigenthum
Von Platz zu Platz wie im Triumph herum;
Wohin man sah, stand die verliebte Gruppe,
Strich Arm in Arm durchs Grüne oder saß
In Lauben oder lag beisammen tief im Gras,
Mit Küssen nur den Fluß der Stunden messend,
Sich selbst genug, sonst Alles rein vergessend.

Pervonte, der nunmehr der Prinz Pervonte hieß,
War übrigens so dumm geblieben,
Als wie er war, eh' ihn zum Amadis
Die Feen umgeschmelzt. Für seine Art zu lieben 32
Schien in gewissem Sinn
Der Schade klein, beträchtlich der Gewinn.
Hätt' er ihr etwa baß mit Witz die Zeit vertrieben?
Was uns in dieser Meinung stärkt,
Ist, daß acht Tage rein verflossen,
Eh Vastola den Mangel nur bemerkt.
Doch immer Einerlei wird endlich ausgenossen!
Die Spitze der Begier erstumpft sich im Genuß,
Dieß bringt Ersättigung, und dann folgt Ueberdruß;
Kurz, Amors Köcher war verschossen.
Ein Hercules, der ruhen muß,
Gibt wenig Trost; und ein Antinous,
Der nur die Zähne weist, ist, jenen abzulösen,
Nicht das geschickteste der Wesen.

Jetzt endlich merkt die Dame, wo es fehlt.
Ich dächte, spricht sie einst zu ihrem Cicisbeen,
Ich dächte, Freund, es wäre Zeit, die Feen
Um etwas anzugehn, woran dir's stark gebricht. –

»Was wäre das?«
                            Verstand! – Ein wenig mehr Gehirne,
Pervonte, sollte, dächt' ich, nicht
So übel gehn zu dieser schönen Stirne?

»Ein toller Wunsch! versetzt der Haubenstock:
Ich glaube gar, verzeih mir meine Sünden!
Ihr haltet mich für einen Sägeblock?
Warum nicht gar Verstand! Was gilt davon das Schock?
Ich hatte stets genug, um meinen Mund zu finden,
Und, wie Ihr wißt – 33
                              Still! ruft sie, still! (und hält
Aus Furcht, was Albernes zu hören,
Die Hand ihm vor den Mund) Freund, diese Waare fällt
Nicht ins Gewicht; du kannst die Dose zehnfach mehren,
Je mehr du hast, je leichter trägst du dran.

»Nun gut, mein Schatz, ich lasse mich belehren.
Was soll ich wünschen? Gebt mir's an.«

Nichts als Verstand, Verstand, um zu verstehen!
Dieß einz'ge Wort sagt Alles.
                                              »Nun wohlan,
So gebt mir denn Verstand, ihr Feen,
Und zwar vom guten; denn es heißt,
Es sey nicht Alles Gold, was gleißt.«

Ihr seht, beim ersten Wort' erhörten ihn die Feen,
Und mehr vielleicht, als Vastola
Am Ende selber gerne sah.

Prinzessin, spricht Pervont, wir haben
Der Wünsche nun genug. Der Feen Gütigkeit
Ist groß; doch immer neue Gaben
Erpressen, wäre Geiz und Unbescheidenheit.
Nichts ist nunmehr uns Noth als die Begnügsamkeit;
Allein mit dieser muß der Mensch sich selbst begaben.
Laß durch Genuß uns nun verdienen, was wir haben!
Uns lieben, Vastola, und Alles um uns her
Mit unserm Glück' erfreuen und beleben,
Sey unser Los! Was könnten wir noch mehr
Uns wünschen, oder was die Feen mehr uns geben? 34

 


 

Dritter Theil.

            Fürs erste Probestück bewährte, dächten wir,
Pervont die neue Feengabe
Nicht übel durch dieß Wort. Auch ihr,
Der schönen Vastola, bedünkt es selbst, sie habe
Nun nichts zu wünschen mehr, als was Horaz sich dort
Genügsam von Mercur erbittetWas Horaz – von Mercur erbittet. S. Horazens Satiren Buch 2. Sat. 6..
An diesem zauberischen Ort
Mit jeder Gunst des Glückes überschüttet,
An einen schönen Mann von Amorn angekittet,
Der fast bis zur Abgötterei
Sie liebt und nun auch klug ist und gesittet
Und von Gefühl so zart, als hätten statt mit Brei
Mit lauter Rosen ihn die Grazien aufgefüttert;
Von Allem, was bei Hof das Leben uns verbittert,
Von Zwang und langer Weile frei;
Kurz, glücklich, wie man es auf Erden
Gewöhnlich nur im Traume pflegt zu werden,
Was könnte Vastola, wie weit ihr Herz auch sey,
Noch wünschen, daß ein Gott zu ihrem Glücke lege,
Als daß es ewig dauern möge?

Vier Wochen lang, bei Tage wie bei Nacht,
(Wir müssen es zu ihrem Ruhm gestehen) 35
Vier ganzer Wochen lang wird an die guten Feen
Nicht mehr als an den Mann im Mond gedacht:
So sinnreich weiß Pervonte das Vergnügen,
Das jeder neue Tag ihr macht,
Der Phantasie der Schönen anzuschmiegen,
So leise jeden Wunsch gleich wieder einzuwiegen,
Bevor er recht in ihrer Brust erwacht.

Allein – wie könnten wir's verhehlen? –
Am ersten Tag der fünften Woche schon
Begann ich weiß nicht welch ein matter Farbenton
Dem Glück der Liebe was von seinem Glanz zu stehlen.
Zwar machte die Natur auch dießmal keinen Sprung,
Und, wie vom Mittagslicht zum Schein der Dämmerung,
Schlich sie bei Vastola durch unmerkbare Grade
Vom Vollgenuß zur Sättigung.
Kurz, es entdeckte sich, daß eine eigne Gnade
Dazu gehört, um fern von Hof und Stadt
In einem Dörfchen sich bei Laune zu erhalten.
Wie viel Verdienste auch der Prinz Pervonte hat,
Wie weislich (nach der Warnung unsrer Alten)
Er mit der süßen Schwärmerei
Der Hochgefühle hauszuhalten
Versteht, wie mancherlei Gestalten
Er auch dem ew'gen Einerlei
Zu geben weiß, – ein Glück, das schon so lange neu
Zu scheinen aufgehört, wie sollt' es nicht ermatten?
Wie könnte sie, mit einem Gatten,
Wär's auch im Paradies', allein, 36
Beständig ihm und sich genugsam seyn?
Gewohnt, sich stets von mehr als hundert
Verehrern, deren Zahl tagtäglich sich erneut,
Gefolgt, geschmeichelt und bewundert
Zu sehn, wie käme nicht in dieser Einsamkeit
(Wo von den ewigen einschläfernden Gefühlen
Ununterbrochner Zärtlichkeit
Nichts Neues, Fremdes sie zerstreut)
Die Lust sie wieder an, der Jugend Rosenzeit
Ein wenig muntrer zu verspielen?

Das Schäferleben hier verdient den Namen kaum,
(Spricht sie bei sich) es gleicht dem Schattenleben
Elysiums, und ist, um ihm sein Recht zu geben,
Sehr wenig besser, als ein Traum.
Der schönste Hirt, der unterm schönsten Baum
Mir ewig gegenüber sitzet
Und seine Zärtlichkeit mir in die Augen blitzet,
Sagt mir zuletzt kein Sterbenswörtchen mehr,
Als wenn's ein Bild von Alabaster wäre.
Wo nimmt es wohl Pervonte her,
Daß unser eine sich von Zartgefühlen nähre?
Er, der so klug sich dünkt, er will
(Ich muß des närr'schen Einfalls lachen)
Zu einer Hirtin in Arkadien mich machen?
Doch länger halt' ich ihm nicht still!
Ich bin des Schattenreichs der Linden und der Buchen,
Des Wiesendufts, des Schlafs am rieselnden Krystall,
Des Mondscheins und der Nachtigall 37
Von Herzen satt. Man muß, zumal mit meinem Fall,
Ja wohl von Allem was versuchen,
Wenn sich der Anlaß gibt, und Bessers uns gebricht:
Es war ein hübscher Traum, Pervont, ich leugn' es nicht,
Man träumt nicht stets so angenehme Sachen;
Nur sey es mir erlaubt, auch wieder aufzuwachen!

Ihr seht, der Monolog verspricht
Pervontens Glücke wenig Dauer.
Seit sein Palast ihr nur ein Vogelbauer,
Und sein Arkadien ein Bauergütchen däucht,
Hat seine Seligkeit den Mittagspunkt erreicht
Und wird nun schnellen Schritts zum Untergang sich neigen.
Schon fängt sie an, bei einem Hirtenfest,
Wo sein Geschmack mit Glanz sich sehen läßt,
Ein schläfriges Gesicht zu zeigen,
Das mitten im erzwungnen Lächeln gähnt
Und nach des Festes Schluß sich unverhohlen sehnt.
Der arme Mann beklagt sich selber
Und sie noch mehr: doch schickt er sich darein
Und wird darum nicht magerer, noch gelber.
»Ein schönes Weib kann auch nicht stets ergetzbar seyn,
Ein ander Mal vielleicht wird's besser mir gelingen.«
So tröstet er sich selbst; allein
Die Zeit will dieses Mal ihm keine Rosen bringen.
Die Launen nehmen überhand
Und täuschen seinen besten Willen.
Oft werden aus den Launen Grillen,
Die er, auch wenn er sie verstand, 38
Zu schwichtigen nicht immer rathsam fand.
Um Vastola's Gelüste zu vergnügen,
Müßt' einer, denkt er, Tag und Nacht
Den Feen in den Ohren liegen,
Und wen sein Herz nicht glücklich macht,
Den kann man nicht ins Glück hinein betrügen.

Von diesem Augenblick beschließt
Pervonte, der nicht gern' ins Faß der Danaiden
Vergebens volle Eimer gießt,
Mit dieser Frohne sich nicht länger zu ermüden.
Ich, denkt er, war mit meinem Los zufrieden;
Des reinsten Glückes Quelle fließt
Für sie und mich: will sie sich glücklich machen lassen,
Wohl ihr! – wo nicht, so seh sie selber zu!
Ich kann mit diesem Amt mich länger nicht befassen;
Ich sorge nun für meine eigne Ruh'.

In diesem Selbstgespräch war etwas üble Laune.
Man weiß, sie malt die Dinge gern ins Braune.
Im Grunde war Pervont ein guter Mann,
Das heißt, so eine fromme, zahme,
Weichherz'ge Creatur, aus welcher eine Dame,
Wie Vastola, was ihr bequem ist machen kann.
Kaum merkt sie also, daß der Wärmemesser
Von seiner Liebe bis auf lau
Zu fallen droht, so stimmt die schlaue Frau
Die Saiten um. – »Pervont, du siehst heut blässer,
(Spricht sie mit einem Blick der wärmsten Zärtlichkeit)
Es ist, als ob ich weiß nicht was dir fehle, 39
Dein Auge wölket sich, du scheinst zerstreut
Und anderswo, du suchst die Einsamkeit;
Am Ende, Freund, ist's nichts als Atonie der Seele,
Die leicht zu heben ist. Du kommst seit ein'ger Zeit
Kaum aus dem Hause; Luftveränderung, mein Lieber,
Vertreibt vielleicht dieß kleine Nervenfieber.
Ich statt' in unserm Dorf' ein hübsches Bräutchen aus,
Der Bräut'gam ist ein feiner Junggeselle,
Ich selbst vertrete Mutterstelle
Und sorge für den Hochzeitschmaus:
Darf ich zu diesem Fest dich bitten?«

Der Blick, der Ton, womit die Zauberin
Dieß sagt, erheitert stracks Pervontens düstern Sinn.
Wer liebt wohl mehr, als er, den Sitz der milden Sitten
Der goldnen Zeit, die frohen Schäferhütten,
Für ihn das Schätzbarste von allem seinem Gut'!
Und daß ihm Vastola aus eignem freien Triebe
Den Antrag thut, so freundlich an der Liebe
Des jungen Brautpaars Antheil nimmt,
Sich selbst mit ihrem Glück beschäftigt
Und sich dabei das Mutteramt bestimmt:
Wie mächtig wird dadurch der süße Wahn bekräftigt,
Daß, trotz der Eitelkeit, die sich zuweilen regt,
Ein gutes Herz in ihrem Busen schlägt!
Wie schnell entwölken sich die finstern Augenbrauen!
Wie dankt sein Blick, sein Mund ihr diese reine Lust!
Wie innig presset sich sein Herz an ihre Brust!

Mit stillem Jubel sieht die listigste der Frauen 40
Den leichten Sieg, den über Manneskraft
Und Mannesklugheit ihr die Weiberlist verschafft.
Das Hirtenfest geht nun nach Herzenslust von Statten.
Pervonte, den das Glück der neuen Gatten
Kaum minder als sie selber glücklich macht,
Feir't seine eigne Hochzeitnacht
Und hängt mit wonnevollem Blicke
An Vastola. Die Schlaue hascht im Flug
Den günstigsten der Augenblicke
Und spricht zu ihm: Mein Schatz, wir haben lang genug
Den Feen nichts mehr vorgetragen;
Sie können sich, zumal da sie so willig sind,
Nicht über unsere Bescheidenheit beklagen.
Nun aber hab' ich was, mein Kind;
Und wär' es auch nur eine von den Grillen,
Die einer jungen Frau das leichte Hirnchen drillen,
So weiß ich doch, du bist ein zu getreuer Hirt',
Um ein Verlangen nicht zu stillen,
Das nur ein Wort dich kosten wird.

Sag' an, Geliebte, spricht Pervonte,
(So kirr' in diesem Nu, als Juno einst den Herrn
Der Welt auf Ida machen konnte)
Dein Wink ist mein Gesetz. Wofern,
Was du begehrst, die Macht der guten Feen
Nicht übersteigt, so nimm es für geschehen.

Mich plagt, erwiedert sie, die Sehnsucht, mein Salern,
Woraus ich schon so lang verstoßen bin, zu sehen.
Heut' ist des Königs Fest; er gibt ein prächtig Mahl, 41
Und dann ist Tanz im großen Rittersaal.
Nun, Männchen, thu mir den Gefallen
Und wünsche dich mit mir zur Stunde nach Salern,
So prächtig ausgeschmückt, daß allen
Den steifen Damen und den unverschämten Herrn,
Die uns ins Weiße sehen wollen,
Die Augen übergehen sollen;
Und wenn wir uns an ihrem Vorwitz satt
Erlustigt, und, uns auszufinden,
Der König selbst, was nur am Hofe Athem hat,
Uns auf den Hals schickt, plötzlich schwinden
Wir wieder weg und sind in heiler Haut
Schon wieder hier, noch eh der Morgen graut.

Pervonte, der sich noch vor Kurzem schlecht erbaut
Durch diesen Wunsch gefunden hätte,
In diesem Augenblick vergnügt und liebetraut
Mit Vastola auf einem Ruhebette,
Wie könnt' er jetzt den rein gestimmten Ton
Des Einklangs ihrer Herzen stören
Und einem solchen Weib die kleine Freude wehren?

Kaum ist der rasche Wunsch aus seinem Mund' entflohn,
So däucht ihn auch, die Hörner schon
Im Schlosse zu Salern zu hören.
Sie sehen einen Saal, mit allen Zubehören
Zu einem Königsfest, sich selber mitten drin,
Er einem Sultan gleich, sie einer Kaiserin
Von Hindostan, mit blitzenden Karfunkeln
So dicht besät, daß sie der Kerzen Schein verdunkeln. 42
Das Hofgesind sperrt Mund und Augen auf,
Drängt sich hinzu, drückt wieder auf die Seite,
Fragt flüsternd, was die Vision bedeute,
Begreift es nicht, und Niemand fällt darauf,
Den Lümmel, dem noch jetzt die treuen Bürger fluchen,
In diesem Großsultan' und Fräulein Vastola,
Die man in einem Fass' im Meere schaukeln sah,
In dieser Kaiserin zu suchen,
Der, wo sie geht, gleich Alles schüchtern weicht,
Und die, im leichten Tanz von ihm daher geführet,
An Wuchs und Majestät mehr einer Göttin gleicht
Als einem Erdenkind.
                                  Der Hof indeß verlieret
Vor Ungeduld, zu wissen, wer sie sind,
Und welche Windesbraut sie nach Salern geführet,
Beinahe den Verstand. Die Sache wird zuletzt
Ein Staatsgeschäft, nachdem aus gnädigstem Befehle
Der Seneschall, so fein als eine dicke Seele,
Wie er, nur immer kann, dem Sultan zugesetzt
Und nichts von ihm als Wendungen und Schrauben
Zurück erhielt. Der Fürst verliert nun ganz
Die königliche Contenanz.
Ihr Schranzen, fängt er an den Alten anzuschnauben,
Ihn selbst, mit Gunst, Herr Oberschranz,
Mit eingeschlossen, habt nicht mehr Verstand als Kälber;
Ich sehe wohl, am Ende muß ich selber
Das Beste thun. Und nun, nachdem er einen Tanz
Mit Vastola gethan und alle seine Künste 43
Und Grazien, zu Majestät geprägt,
In einer zierlichen ChaconneChaconneCiaconna, Chaconne, ein aus Italien stammender, ehemals sehr beliebter, jetzt veralteter Tanz, dessen Melodie in einer mäßig langsamen Bewegung vorgetragen wird. ausgelegt,
Entbietet er der Göttin seine Dienste
Mit so galantem Schwung' und macht es ihr so schwer,
Mit guter Art sich von ihm los zu winden,
Daß sie genöthigt ist, ihn auf die Frage, Wer?
Mit einer Antwort zu verbinden.
Wie? spricht sie, kennen Sie von zwanzig Wochen her
Die arme Vastola nicht mehr?

Der König prallt zurück, und augenblicks verschwinden
Die Fremden aus dem Saal. So grimmig als ein Bär
Tobt Seine Majestät im ganzen Schloss' umher
Und droht, sein Hofgesind mit eigener Hand zu schinden,
Entdeckt man nicht die Spuren ihrer Flucht,
Bevor die letzten Sterne schwinden.
Allein umsonst wird Schloß und Stadt durchsucht;
Sie sind Gespenstern gleich verschwunden,
Und nirgendswo wird ihre Spur gefunden.

Prinzessin Vastola hingegen fand den Spaß
Zu lustig, es dabei verbleiben
Zu lassen. Sollte sie die Zeit sich nicht vertreiben,
Da sie nur wollen darf? Und Alles also, was
Pervont damit gewann, die erste ihrer Grillen
Zu füttern, war, daß nun das vorbesagte Faß
Der Danaiden voll zu füllen
Noch eher möglich schien, als seiner Dame Willen.
Was sie begehrt, ist immer – nur ein Spaß,
Ihm ist's so leicht, ihr diesen Spaß zu machen, 44
Ihm, der nur wünschen darf. Vernunft wird ohne Frucht
An einem Köpfchen, wie das ihre war, versucht:
Sobald er ernsthaft spricht, erwiedert sie mit Lachen;
Und gute Laune, Fröhlichkeit,
Muthwille selbst (dieß hat sie ausgefunden)
Macht ihre Stärke aus; sein Ernst wird jederzeit
Mit diesen Waffen überwunden,
Denn immer lohnt Gefälligkeit
Ihr jede kleine Lust, die er durch sie empfunden.
Ein Kranz, von ihrer Hand gebunden,
Mit Freundlichkeit gereicht, ein Blümchen, eine Frucht,
Von ihrem schönen Aug' in goldnen Morgenstunden
Für ihn im Garten ausgesucht
Und noch versüßt durch einen dieser Küsse,
Die sie allein nur küssen kann,
Was braucht es mehr, damit der gute Mann
Zu Allem, was sie wünschen kann,
Sich dankbarlich verbunden halten müsse?

Der erste Wunsch, den wenig Tage drauf
Die schöne Vastola vom Stapel
Der Wünsche laufen ließ, flog in geradem Lauf
Zur stolzen Königsstadt Neapel.
Hier läßt sie sich als Erbin von Salern
Mit ihrem schönen Mann' in solchem Glanze sehen,
Daß selbst die Königin nicht gern,
Wo sie ist, sichtbar wird. Der Werth von ganz Salern
Schien im Juwelenbusch auf ihrem Hut zu wehen,
Und jeder Knopf an ihrem Kleide war 45
Der bare Preis von einem kleinen Lehen.
Auch mußte sich Pervont, wiewohl sich jedes Haar
An ihm dagegen sträubt, zu gleicher Pracht verstehen.
Mit Gold bedeckt umrauscht sie, wo sie gehen,
Das Wimmeln einer Heeresschaar
Von großen, zierlichen und schmucken
Leibdienern aller Art, von Läufern und Heiducken.
Der prächtigste Palast, das schönste Gartenhaus
Zu Pausilipp war nicht für sie zu theuer;
An jedem Galatage, bei jeder Kirchenfeier
Sticht Vastola die andern Fürsten aus,
Ist ihr Gefolg das schimmerndste von allen,
Macht ihrer Wagen Glanz die Pracht der andern fallen,
Ist ihr Geschirr das reichste, und ihr Zug
Der schönste, aber gleichwohl beides
Für ihre Eitelkeit nie ungemein genug.

Ob Alles dieß den Zahn des Neides
Auf Vastola gewetzt, kann keine Frage seyn:
Auch wendete Pervont gar viel dagegen ein,
Sie stritten öfters sich selbst hinter den Gardinen;
Wiewohl sich leicht errathen läßt,
Daß Fehden dieser Art, wie hitzig sie auch schienen,
Der Dame Regiment nur zu befesten dienen.

Inzwischen nahte sich ein weltbühmtes Fest,
Der Hochzeittag des Doge von Venedig,
Der sich das Meer von Adria vermählt.
Natürlich wird sie hier noch eines Wunsches ledig.
»Es wird so viel von diesem Fest' erzählt. 46
Es nicht zu sehn, mein Schatz, in meinem ganzen Leben,
So lieb du mir auch bist, könnt' ich dir's nicht vergeben.«

Was soll Pervonte thun? Um eine Kleinigkeit
Wie diese mit dem holden Weibe brechen?
Es geht nicht an! – »Befiehl, es ist die höchste Zeit,
Der Barke in die See zu stechen,
Die uns vor einem Jahr' an Bajens Strand gebracht!
Sie segelt leicht und schnell und bringt noch diese Nacht
Dem Marcusplatz' uns gegenüber.«

Pervont, wiewohl er zehnmal lieber
In sein Arkadien, wo ihm so wohl ist, sich
Mit ihr (zusammt dem prallen Schwanenbette,
Worauf er eben lag) zurück gewünschet hätte,
Fügt sich mit guter Art und wird auch dankbarlich,
Nach ihrem Brauch, dafür mit einem Kuß beseligt.

Die Barke wird sogleich befehligt.
Sie steigen ein, sie langen an.
Das Fest beginnt. Schon füllt mit aufgeschmückten Nachen
Sich der Canal, schon drängt sich Kahn an Kahn:
Da schwimmt, begrüßt aus hundert Feuerrachen,
In träger Majestät der BucentaurBucentaurBucentoro, hieß in der ehemaligen Republik Venedig das große und prächtige Schiff, worauf der Doge alljährlich am Himmelfahrtsfeste in das adriatische Meer hinausfuhr, um sich mit demselben zu vermählen. Er warf bei dieser Ceremonie einen Ring in das Meer und rief aus: Desponsamus te, mare, in signum perpetui dominii. heran;
Die Reihen trennen sich, dem Stolzen Raum zu machen,
Und fei'rlich-lustig wird die launenvolle Braut,
Die unbezähmbarste der Widerbellerinnen,
Dem alten Herrn im HorneDem alten Herrn im Horne – Dem Doge, welcher als Kopfbekleidung eine prächtige Mütze trug, il corno, das Horn genannt. angetraut.
Vor Wonne kommt der Pöbel fast von Sinnen,
Wiewohl man ihn bei diesem Hochzeitfest
(Wie überall) die Geiger zahlen läßt. 47

Prinzessin Vastola ergetzte sich nicht wenig
An diesem prächt'gen Possenspiel:
Doch, was dabei am besten ihr gefiel,
War, daß ihr Feenschiff an Form und Pracht der König
Der Gondeln, deren wimmelndes Gewühl
Das Meer verdeckt, und sie allein die Schöne
Des Festes schien; so unverwandt
Und gierig hielten stets Venetiens blonde Söhne
Die Augen nur auf sie gespannt.
Frau Vastola, Dank sey den unerschöpfbarn Feen,
Wird bald genug auch hier von Jedermann gekannt.
Venedig hatte, seit Sanct Marcus Thürme stehen,
Noch keine fremde Frau wie Vastola gesehen;
Noch keine, die so prächt'ge Assembleen
Und Bälle gab, das Gold für bloßen Kies
Zu achten schien, den hungrigen Harpyen
Von Brocantirern so freigebig sich erwies
Und mittelmäßige Copien
So theuer sich für echt verkaufen ließ.
Die Dame muß den Stein der Weisen haben,
(So dachte man) und gieriger als Raben
Fällt Alles zu und frißt so lang sich satt,
Als die Verschwenderin noch was zu geben hat.

Pervonten wird zuletzt dieß Leben unerträglich.
Oft denkt er, wie Horaz: O, wer bei magerm Kohl'
In seiner Hütte säß' und fühlte sich behäglich!
Frau Vastola bemerkt es nur zu wohl,
Daß ein Gewitter sich um seine Stirne ziehet, 48
Und eh die Wolke platzt und Blitze sprühet,
Wär's, däucht ihr, klüger, ihm den Antrag selbst zu thun.
Pervonte, (spricht sie einst und schlingt die runden Arme
Um seinen Nacken) auszuruhn
Von diesem langen Fastnachtsschwarme
Ist's hohe Zeit; ich fühl's so sehr, als du!
Komm', eilen wir der Freistatt wieder zu,
Wo wir, geheilt von diesem ew'gen Streben
Der Phantasie, uns selbst und unsrer Liebe leben.

Wo ist in diesem Augenblick'
Ein Mann so froh, wie er? Was gleichet seinem Glück'?
Er glaubt das holde Weib von allem eiteln Wesen
Auf immer aus dem Grund genesen.
Wie segnet er den löblichen Entschluß!
Wie dankbar drückt er sie an seinen Busen!
Komm, mein Pervont, spricht sie mit einem Kuß;
Die reine Landluft sey für uns, was Lethens Fluß
Den frommen Schatten! Dort, im Schoße stiller Musen,
Am Mutterbusen der Natur
Und an dem deinen, mein Pervonte, soll in süßen,
Schuldlosen Freuden nun mein Leben, wie ein Bach
Durch stille Rosenbüsche, fließen!

Die Freude preßt ein wollustvolles Ach
Ihm aus der Brust, von ihrem schönen Munde
Zu hören, was er hört; und zu derselben Stunde
Trägt sie das Zauberschiff zurück nach ihrem Gut.

Sechs Tage machte nun der glückliche Pervonte
In seiner Vastola Gesellschaft gutes Blut; 49
Sechs Tage lang bleibt sie bei frohem Muth,
Sich selber gleich, empfindsam, sanft und gut;
Allein das war auch alles, was sie konnte!
Am siebenten fällt ihr auf einmal ein,
Sie habe – Gäste eingeladen.
Man kann doch, spricht sie, auch nicht stets in einem Hain
Zu lauter Nymphen, Oreaden
Und Schäfern eingeschlossen seyn!
Auch siehst du leicht, da mir so viele Ehre
Zu Napel und Venedig widerfuhr,
Daß es von mir nicht schön gewesen wäre,
Zu thun, als lebten wir auf unserm Gute nur
Für uns allein. Es mußte dich beschämen
Wie mich, mein Schatz, hätt' ich dem leisesten Verdacht',
Als wären wir zu karg, um Gäste aufzunehmen,
Bei unsern Freunden Raum gemacht.
Ich hab' indeß mit gutem Vorbedacht
Nur bloß die Wichtigsten gebeten,
Den Kern der schönen Welt an Alter, Geist und Rang.

Pervonte hört dieß Alles sehr betreten
Mit Achselzucken an, sein Kinn wird ellenlang,
Die Lippe bebt, schon fängt der Kamm sich an zu röthen;
Allein ein liebevoller Blick
Aus diesen Augen, die noch niemals fehl gebeten,
Bringt plötzlich zur Besinnung ihn zurück:
Ein Blick, so arglos, sanft und unbefangen,
Als wäre, was sie angestellt, 50
Das tadelloseste Benehmen von der Welt.
Was ist mit einem Weib wie dieses anzufangen?

Mein Kind, versetzt der arme Herr Gemahl,
Wenn du mich kennst, so weißt du, das Getümmel
Der großen Welt ist niemals meine Wahl:
Mit dir allein in diesem schönen Thal
Bin ich, sofern' ich dich zufrieden seh', im Himmel.
Du denkst in diesem Stücke nicht
Wie dein Pervont: du findest mehr Behagen
An höfischem Geräusch', und ihm ist's immer Pflicht,
Dir keinen Wunsch, den du gerecht nennst, abzuschlagen.

Der Dame scheint dieß Wort ein Stich;
Sie fühlt es wenigstens, und also glaubt sie, sich
Mit Ernst vertheidigen zu müssen.
Ihr halb erwachendes Gewissen
Will eingeschläfert seyn; kurz, Vastola beweist,
Sie habe Recht, mit so viel Witz und Geist,
Daß, sich mit ihr herum zu fechten,
Pervonten wenig edel däucht,
Und sie mit ihrem Haberechten,
Zu künft'gem Präjudiz' in ähnlichen Gefechten,
Was sie gesucht, im Wege Rechts erreicht.
Im Hauptwerk' übrigens (ein Punkt, worauf vielleicht
Pervonte Rücksicht nahm) war nichts dadurch verloren.
Denn kurz und gut, bevor die schönen Horen
Dem Sonnenwagen zwier die Pforten aufgethan,
Langt eine Ladung schon von feinen Herrn und Damen, 51
Die von Neapel her mit gutem Winde kamen,
In Vastola's prachtvollem Vorhof' an.

Das Leben, das nunmehr erfolgte, zu beschreiben,
Das würde mir und euch die Zeit gar schlecht vertreiben.
Genug, die Damen und die Herrn
Sind (wie uns Vastola sie angerühmt) der Kern
Der schönen Welt in ParthenopelParthenopel – In der Nähe von Neapel war die berühmte Grotte der Sirene Parthenope. Auch bei Ovid wird Neapel durch die Parthenopeischen Mauern bezeichnet.,
Und hatten, Paar und Paar an Amors seidner Koppel,
Sich in geheim hierher bestellt,
Im Vollgenuß von allen guten Dingen
Bei Vastola den Sommer zuzubringen.

Natürlich hatten sie nicht dazu sich bestellt,
Um ihre edle Zeit sich thöricht zu betrügen.
Das Land war hier nur als Verzierung da,
Und auch nicht eine dieser Schönen
Schien nach der Grabschrift sich zu sehnen:
            »Auch ich lebt' in Arkadia!«
Man will in diesen stillen Gründen
Die Stadt (die man aus langer Weile zwar
Verlassen hat) vollständig wieder finden.
Beim Auszug wähnte wohl die ganze hohe Schaar,
Die in der Stadt nicht länger zu gedeihen
Vermocht', unsäglich auf die Landlust sich zu freuen,
Die ihnen was ganz Neues war.
Die reine frische Luft, der Duft der Blüthenhaine;
Der Wiesen Schmelz, der Wälder grüne Nacht,
Der Nachtigallen Sang im stillen Mondenscheine,
Kurz, Alles das, wonach Guarini lüstern macht, 52
(Der diese Dinge uns so zauberisch ins Feine
Zu malen weiß) im lieblichsten Vereine,
Wer glaubte nicht, ins Feenland
Zu ziehn? – Allein das Alles fand
Sich in der Wirklichkeit ganz anders. Denn bei Tage
War Sonnenglanz der blöden Augen Plage,
Auch kränkt der Blumen Duft die ekeln Nasen sehr;
Daß Morgenthau an zarten Wangen nage,
Ist ausgemacht; der Brust ist Abendluft zu schwer,
Und, dem Triumph der Sonn' im Aufgang zuzusehen,
Wär's Noth, nach durchgewachter Nacht
Sechs Stunden früher aufzustehen,
Als man vom ersten Schlaf' erwacht.

Man fliegt demnach in Tag und Nacht
Die Freuden alle durch, auf die man sich gefreuet,
Und nun, wie billig, wird nicht weiter dran gedacht.
Das vor'ge Leben wird an ihrer Statt erneuet.
Hier träte nun der Fall der alten Seelenpein,
Der Langweil', augenscheinlich ein:
Allein dafür weiß Vastola zu sorgen.
Den armen Feen wird vom Morgen
Zur Mitternacht, von Mitternacht zum Morgen
Nicht eine Stunde Ruh vergönnt.
Die Stadt hat nichts, was man Vergnügen nennt,
Das nicht bei Vastola sich besser wieder fände;
Theater und Concert, Ballet und Opera,
Was Aug' und Ohr von einem Ende
Der Welt zum andern je Kurzweiligs hört' und sah, 53
Mit einem Wunsch' ist Alles da!
Und bis zur Sättigung der Gäste
Folgt Spiel auf Spiele, Fest auf Feste.
Auch hielten sie den ew'gen Sinnenschmaus,
Der Feenkunst zu Trotz, nicht in die Länge aus,
Thät Amor nicht dabei das Beste.

Pervont, an dem von seinem ersten Stand
Noch manche Ueberbleibsel kleben,
Und welcher, als er um Verstand
Zu bitten sich gemüssigt fand,
Die Feen bat, vom besten ihm zu geben,
Pervonte, der Natur getreu,
Fand diese Art, sich selbst zu überfüllen
Und in dem buntsten Einerlei
Von Sinnenrausch den Geist herum zu drillen,
So lästig, daß er sich dem alten Sisyphus
Den Felsen, den er schon so lange wälzen muß,
Für diese ganze Zeit viel lieber abzunehmen
Entschlossen hätte, als zum tödtlichen Verdruß
Der Rolle, die sein Weib um einen schalen Kuß
Ihn spielen macht, sich länger zu bequemen.
Er zieht allmählich sich mit guter Art zurück,
Gewiß, man werde sich nicht mächtig nach ihm sehnen,
Sein platter Ernst, sein finstrer Blick,
Der Zwang, den Herrn und Fraun nicht ins Gesicht zu gähnen,
Kurz, Alles, was ihn lächerlich
In ihren Augen macht und ihrer Lust gefährlich, 54
Macht seine Gegenwart für Alle sehr entbehrlich,
Noch eh der zwölfte Tag verstrich:
Zumal nachdem, getäuscht von seinem Aeußerlichen,
Zwei Damen oder drei (sich schwesterlich in ihn
Zu theilen, in geheim verglichen)
Den Gimpel in ihr Garn zu ziehn
Vergebens Mühe sich gegeben;
Ein Unfall, der in ihrem Leben
Zum ersten Mal sie traf, und den ein hübscher Mann
Durch schnelle Flucht allein vergüten kann.

Selbst seine Vastola scheint ihn mit höflich kalten
Formalitäten mehr zu scheuchen als zu halten;
Im Grunde hielt sie ihn aus bloßer Weiberlist.
Denn leider! können wir euch länger nicht verhalten,
Daß es ganz richtig nicht mit ihrem Herzen ist.
Daß Sympathie sie mit Pervonten nicht verbunden,
Habt ihr schon ohne uns vermuthlich ausgefunden;
Daß sie dem wundervollen Mann',
In welchen durch der Feen Gunst Pervonte
Verwandelt ward, sich nicht versagen konnte,
Begreift sich: doch, daß dann und wann
Der gute Hausverstand, womit besagte Feen
Auf sein Begehren ihn versehen,
Ihr lästig fiel, ist auch nicht zweifelhaft.
Zwar liebt' er sie mit einer Leidenschaft,
Die ziemlich nah' an Schwäche gränzte;
Und gleichwohl hieß er ihr nicht selten grillenhaft;
Auch war es nicht der Witz, wodurch Pervonte glänzte. 55
Was Wunder denn, wenn ihre Neigung sich
In Jahr und Tag ein wenig abgemattet
Befand, und ein Adon in ihre Gunst sich schlich,
Dem ihr Gemahl an jedem Vorzug wich,
Worin sich Witz und feiner Weltsinn gattet;
Ein junger Mann, der die Verführungskunst
Seit manchem Frühling schon zu seinem einz'gen Fache
Gemacht, die Liebe nicht als eine Herzenssache,
Sie bloß als Spiel der Phantasie,
Als Sache des Geschmacks und einverstandner Sinne
Behandelt und – zwar immer spät und früh
Darauf bedacht, wie er ihr Herz gewinne –
Stets ohne Anspruch scheint, sich nie
Zur Unzeit aufdringt, nie im Styl der hohen Minne
Von seiner Liebe spricht, kurz, sie wie eine Spinne
So fein umwebt und an sich zieht,
Daß sie, indem sie nur zu scherzen
Vermeint, sich unvermerkt mit überraschtem Herzen
In – seinem Arm gefangen sieht.

War's ihre Schuld, daß unter den Adonen,
Die ihr Neapel zugesandt,
Zum Unglück sich ein solcher Mann befand?
Und daß sie schon acht Tag' in Freiheit auf dem Land
Stets unter einem Dache wohnen?
Daß täglich sich ein neuer Zug entdeckt,
Der die Befreundung ihrer Seelen
Bestätigt, jeden Tag ein Reiz, der noch versteckt
Geblieben war, sich zeigt, daß Niemand im Erzählen 56
Ihn übertrifft, daß Niemand seiner lacht,
Als Signor Claudio, noch schöner tanzt und singet,
Gewandter reitet, höher springet,
Die Cither besser spielt und schneller Verse macht?
Wo lebte wohl vom Arno bis zur Brente
Die Vastola, die solchem Uebermaß
Gefälliger und reizender Talente
Acht Tage widerstehen könnte?
Die unsrige, die selbst nicht wenige besaß,
Fand desto leichter durch die seinen sich gewonnen.

Von Allem diesem wurde zwar
Vor lauter Ehrlichkeit Pervonte nichts gewahr,
Doch sind die Vastolen zuweilen unbesonnen;
Und wirklich ist es hohe Zeit,
Daß eine Reis' in dringenden Geschäften
Von seinen Augen sie befreit,
Seitdem, so oft sie sich lang' auf die ihren heften,
Sie Zeugen ihrer Schuld darin zu sehn sich scheut.

Pervont ist nun entfernt und hat den Scherzen, Freuden
Und Liebesgöttern Platz gemacht,
In voller Freiheit sich zu letzen und zu weiden.
Auf jeden schönen Tag folgt eine schöne Nacht.
Vergnügen wechselt mit Vergnügen,
Genuß wird von Genuß gepreßt,
Und Amor, der hier Niemand seufzen läßt,
Belustigt sich mit leichten Siegen.

Er ruft auch unsern Mann zu Vastola zurück.
Allein ihr kalter Gruß schlägt gleich beim ersten Blick' 57
Ihm alle Lebensgeister nieder.
Er sieht in ihm den Urlaub, schnurstracks wieder
Zu gehen, sieht, indem er um sich schaut,
Sein Mißgeschick an jeder Stirn geschrieben,
Und das Gefühl, das ihn von Hause weggetrieben,
Treibt ihn beinah' aus seiner Haut.

Man hatte seiner sich so bald noch nicht versehen,
Sein Anblick stört der Gäste frohen Muth;
Indeß, da er zum Schatz der guten Feen
Den Schlüssel hat, so ist er doch zu etwas gut.
Es gänzlich mit ihm zu verderben,
Wär' unklug. Vastola läßt also sich herab,
Beim ersten Anlaß, der sich gab,
Durch einen süßen Kuß um seine Gunst zu werben;
Durch einen Kuß, den für die halbe Welt,
Gäb' ihn das Herz, er nicht zu theuer hält.

»Mein Schatz, spricht sie zu ihm, ich bin, wie du, der Feste
Von Herzen satt; der Landlust nur allein
Werd' ich, wie du, nie überdrüssig seyn.
Es ladet einer unsrer Gäste
Uns nach Sorrent zum Traubenlesen ein:
Meinst du nicht auch, es wär' an uns nicht fein,
Ihm diese Freude zu versagen?
Ich mache dann in den Novembertagen
Von da wohl einen kleinen Flug
Nach Rom, vielleicht auch nach Venedig
Aufs Carneval. – Nur ist nicht Gold genug
In meinem kleinen Schatz zu einem solchen Zug. 58
Noch einen Wunsch, mein Kind, so bist du meiner ledig!
Ein mäßig Beutelchen, das von Zechinen schwillt
Und, wenn es leer ist, stets von selbst sich wieder füllt.
Mir würd' ein großer Dienst durch diesen Wunsch geschehen,
Mir, der nichts ärgern Ueberdruß
Als rechnen macht; und was verschlüg's den Feen?«

Von Herzen gern, versetzt, indem er sie umarmt,
Pervont mit nassem Blick': ich hoffe, meine Feen
(Wiewohl wir sie, die Wahrheit zu gestehen,
Nicht sehr geschont) sind noch nicht so verarmt,
Mir diesen letzten Wunsch für dich nicht nachzusehen.

Kaum spricht Pervont ihn aus, so ist er schon erfüllt.
Der goldgewirkte Beutel schwillt
Von lauter wichtigen Zechinen
Und schrumpft, wie oft und ernstlich ihnen
Auch zugesprochen wird, doch niemals wieder ein.

Die Reisezeit bricht nun herein.
Pervonte sieht mit ziemlich schiefen Mienen
Der Anstalt zu und rührt euch keinen Finger nicht.
Ich sehe wohl, mein Bester, spricht
Frau Vastola mit halb verbiss'nem Lachen,
Du hast nicht große Lust, die Reise mitzumachen;
Ich hätte dich zwar gern dabei,
Allein von Pflichten spricht mein Herz dich immer frei;
Ergetze dich nach deiner eignen Weise,
Mein Schatz, und bleibe (raunt sie leise
Mit Lächeln ihm ins Ohr) und bleibe mir getreu!

Adieu, Madame! Glück auf die Reise! 59
Erwiedert ihr Pervont, eilt in sein Kämmerlein
Und schiebt den Riegel vor – Ihr denkt vielleicht, den Kragen
Sich abzuschneiden – aber, nein!
Er geht – dem Himmel Dank zu sagen;
Und kaum ist Vastola mit sechs gestopften Wagen
Und ihrem Sack voll Feengold
Im großen Trott zum Thor' hinausgerollt,
So wirft sich, ohn' ihr nachzusehen,
Der Mann auf beide Kniee hin
Und spricht aus voller Brust: Hört mich, ihr gute Feen,
An denen ich, trotz meinem bessern Sinn,
So oft durch Wünschen mich vergangen,
Hört meinen letzten Wunsch! Nehmt Alles wieder hin,
Was ich von eurer Huld empfangen,
Und setzt in diesem Augenblick
Mich in den Stand, worin ich war, zurück,
Als ich zu wünschen angefangen!

Kaum hat er diesen Wunsch gethan,
So fängt das Schloß zu beben an;
Es blitzt und kracht, und vor ihm stehen
Die nämlichen drei schönen Feen,
Die für sein freundliches Bemühn
Die Wünschelgabe ihm verliehn.

»Du sollst, was du begehrest, haben,
Spricht ihn der Feen eine an,
Es ist die beste unsrer Gaben,
Und du verdienst, sie zu empfahn! 60
Nur den Verstand, den du gehörig zu verwalten
Gelernt hast, sollst du, uns zu Ehren, noch behalten!«

Und mit den Feen sieht er Haus
Und Hof und Gärten, Buchen, Linden
Und Meierei und Dorf verschwinden;
Er sieht in flaches Feld hinaus,
Und – die Komödie ist aus.

Auf einmal steht er in der Mitte
Der alten mütterlichen Hütte,
Sieht wieder fast so plump und kraus
Wie an demselben Morgen aus,
Da scheltend, einer Wurst zu Lieb,
Die Mutter nach der Stadt ihn trieb.
Er findet sie an ihrem Rocken.
Vor Wunder will das Blut ihr stocken.
Ihm däucht, was ihm in Jahresfrist
Und drüber widerfahren ist,
Ein langer wunderlicher Traum,
Und er besinnt sich dessen kaum.
Ich hatt' es, spricht er, von den Feen;
Ich wünschte nur, so war's geschehen.
Auch wünscht' ich Euch, zum Zeitvertreib
Von einem launenvollen Weib,
Den Tag lang, Gott verzeih mir's! viel
Gar tolles Zeug; ein Schattenspiel
Von kunterbunten Siebensachen,
Ihr müßtet krank Euch drüber lachen!
Genug, ich wünschte mich zuletzt, 61
So wie ich bin, zu Euch versetzt
Und hoff' es nun nicht schlimm zu machen;
Ich bring' Euch aus dem Feenland
Gesunden derben Hausverstand,
Nothfeste Schultern, tücht'ge Hände,
Und mit dem Wünschen hat's ein Ende.

―――
»Gut! Aber noch ist Jemand da,
Von dessen Schicksal wir was Näheres zu wissen
Berechtigt sind. Die arme Vastola
Wird, da sie sich's am wenigsten versah,
Pervontens letzten Wunsch zu grausam büßen müssen!
Denn, daß sie, seit die guten Feen
Die andern Wünsche ungeschehen
Gemacht, beim ersten Pferdewechsel,
Wie sie den Beutel zog, nur Häcksel
Statt funkelnder Ducaten fand,
Das gibt schon Jedem sein Verstand.
Ihr prächt'ges Reisekleid sogar,
Ja Alles, bis aufs Hemde, war
(So wie Pervontens ganze Habe)
Bekanntlich bloße Feengabe
Und fiel demnach dem armen Weib'
Auf einmal wie versengt vom Leib.« –
Doch, sorget nicht, so weit soll's niemals mit ihr kommen!
Wir haben ihr mit gutem Vorbedacht 62
Schon einen Rückenhalt an Claudio gemacht;
Der hätt' auf allen Fall sich ihrer angenommen.
Allein sie braucht auch diesen Schützer nicht.
Denn, kurz, (um euch nicht aufzuhalten)
Sobald der Feenzauber bricht,
So stellt sich Alles in den alten
Naturstand her, und Vastola
Ist, was sie war, bevor der Possen
Ihr durch Pervontens Wunsch geschah;
Sieht sich, vom vor'gen Glanz' umflossen,
Umringt von Damen und von Herrn,
Die Zier des Hofes zu Salern;
Ist ihres Vaters Liebling wieder,
Ist wieder oder gilt für eine reine Magd,
So gut als eh' ihr klaffend Mieder
Verletzter Zucht sie angeklagt;
Die Zwillingstöchter fliegen wieder
Zurück ins luft'ge Feenland;
Kurz, Alles setzet sich in seinen alten Stand.
Nur hielten es die Feen, die so willig
Ein volles Jahr des Fräuleins Uebermuth
Gefröhnt, zu ihrer Besserung für gut
Und wenigstens zur Züchtigung für billig,
Von jenem Glück, womit ihr Leichtsinn solch ein Spiel
Getrieben, ihr gerade noch so viel
Erinnerung und Nachgefühl zu lassen,
Als nöthig war, sich selbst dafür zu hassen,
Daß sie aus eigner Schuld verlor, 63
Was Fürstenstand und Hof ihr nicht ersetzen können.
Stets schwebt ihr, mitten in dem ew'gen Ringelrennen
Nach wesenloser Lust, das schöne Traumbild vor,
Wovon die Farben nie ermatten;
In ihrem größten Glanz, beim üppigsten Genuß
Der Welt, dem Zwang und Ueberdruß
In kurzer Zeit den Reiz genommen hatten,
Scheint sie sich selber oft ein abgeschiedner Schatten
Und ruft mit Wehmuth aus: Du arme Vastola,
                Auch du warst in Arkadia!

 


 

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