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Per aspera

Georg Ebers: Per aspera - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
booktitlePer aspera
authorGeorg Ebers
year1892
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
addressStuttgart, Leipzig, Berlin, Wien
titlePer aspera
created20030215
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1892
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Zweites Kapitel.

Die Geschwister waren allein.

Melissa seufzte tief auf; der Bruder aber trat ihr näher, legte ihr den Arm um die Schulter und sagte: »Schwer hast Du's gewiß, armes Ding! Achtzehn Jahre alt und bei so großer Anmut eingesperrt zu sein wie im Gefängnis. – Es wird Dich keiner darum beneiden, wenn auch Dein Kerkergenoß und Meister jünger und anders geartet wäre wie unser Alter! Aber wir kennen ihn ja. Es nagt ihm so viel an der Seele, und das Poltern und Toben thut ihm gut wie unsereinem das Lachen.«

»Wüßten die anderen nur auch,« versetzte das Mädchen, »wie gut und weich doch im Grunde sein Herz ist.«

»Den Freunden zeigt er sich anders als uns,« versicherte der Jüngling; doch Melissa schüttelte das Haupt und rief traurig: »Gestern noch fuhr er den Kunsthändler Apion an, es war schrecklich. Er hatte euch beide nun schon das siebentemal vergeblich zur Mahlzeit erwartet, und in der Dämmerstunde, als er die Arbeit beendet, faßte ihn wieder der Jammer, und ihn weinen zu sehen, o, wie das weh thut! Der Syrer fand ihn mit nassen Wangen, und wie er sich herausnahm, in seiner witzelnden Weise darüber zu scherzen . . .«

»Da hat's ihm der Alte gegeben!« unterbrach sie der Bruder und lachte hell auf. »Der wagt sich gewiß so bald nicht wieder an den verwundeten Löwen!«

»Das ist das rechte Wort,« erwiderte Melissa, und ihre großen Augen leuchteten heller. »Schon bei der Hetze im Zirkus mußte ich an den Vater denken, wie der große Wüstenkönig mit dem abgebrochenen Speer im Rücken dalag und laut winselnd das mähnige Haupt in den Pranken verbarg. Die Götter sind grausam.«

»Das sind sie,« entgegnete der Jüngling im Tone fester Ueberzeugung; seine Schwester aber blickte erschrocken zu ihm auf und rief: »Das sagst Du, Alexander? Ja, ja . . . Du sahst schon vorhin nicht wie sonst aus. Auch Dich hat ein Unglück betroffen.«

»Ein Unglück?« fragte der andere, und seine Hand glitt ihr besänftigend über die Locken. »Das eben nicht, und, Du weißt ja, dergleichen geht bei mir schnell genug vorüber. Die da oben haben mir freilich recht deutlich gezeigt, daß es ihnen bisweilen gefällt, das Gastmahl des Lebens mit recht bitterem Trank zu verderben. Aber wie der Mond, so wechselt zum Glück alles, was er bescheint. Manches hier unten ist allerdings sonderbar bestellt. Wie Augen und Ohren, Hände und Füße, schaffen die Himmlischen so vielerlei doppelt, und das Unglück, sagt man, kommt wie die Ochsen gewöhnlich paarweis.«

»So hat es auch Dich zwiefach getroffen?« fragte Melissa und faltete die Hände über der angstvoll wogenden Brust.

»Mich, Kind, nein! Den jüngeren Sohn Deines Vaters eigentlich gar nicht, und wär' ich ein Philosoph wie unser Bruder Philipp, dann grübelte ich jetzt nach, woher es komme, daß man nur naß werden kann, wenn die Feuchtigkeit uns selbst berührt, und doch recht jämmerlich elend, wenn das Unglück einen andern durchnäßt. Aber sieh mich nicht so ängstlich an mit den großen Augen! Einen Eid kann ich leisten, daß ich als Mensch und Künstler mich niemals wohler fühlte, und ich sollte darum eigentlich auch heute noch meine alte Meinung verteidigen. Aber es ward mir die Larva beim Festschmaus des Lebens gezeigt. – Was das für ein Ding ist? Eine Puppe, das Abbild eines verstorbenen Menschen, das die Aegypter und jetzt auch die Römer bei den Gastmählern die Runde machen lassen, um die Fröhlichen zu ermahnen, jede Stunde mit Genuß zu erfüllen, weil es mit der Freude nur allzu bald aus sei. Solche Larva nun, Mädchen – –«

»Du denkst an die verstorbene Tochter des Seleukus, deren Bildnis Du maltest?« fragte Melissa.

Da nickte der Jüngling ihr zu, warf sich auf den Arbeitsstuhl der Schwester und rief mit ihrer Stickerei in den Händen: »Schaffe Licht, Mädchen! Ich will Dein hübsches Gesicht sehen. Es gilt zu prüfen, ob Diodor keinen Meineid leistete als er neulich im ›Kranich‹ schwur, in ganz Alexandria geb' es kein gleiches. Außerdem ist mir das Dunkel zuwider.«

Wie Melissa mit der brennenden Lampe zurückkam, fand sie den Bruder, der sonst nie lange stillsaß, immer noch in sich selbst versunken an der nämlichen Stelle; doch sprang er bei ihrem Eintritt in die Höhe und schnitt ihre besorgten Fragen mit dem Rufe ab: »Geduld, nur Geduld. Du sollst alles erfahren. Eigentlich wollt' ich Dir heute am Totenfest die Ruhe nicht stören. Und dann . . . Morgen steht es vielleicht schon wieder besser mit ihm, und übermorgen . . .«

Da fiel Melissa ihm dringlich ins Wort. »So ist Philippus erkrankt . . .«

»Nicht eigentlich, Kind,« lautete die Antwort. »Kein Fieber, kein Schüttelfrost, kein Ziehen und Reißen. Er liegt auch nicht im Bett und trinkt keine bitteren Mixturen. Aber gesund ist er auch nicht, so wenig wie ich, der ich doch vorhin in die Speisen des Elefantenwirtes eingehauen habe wie ein hungriger Wolf und sofort mit gleichen Füßen über diesen Tisch fortspringen könnte. Befiehlst Du die Probe?«

»Nein, nein,« bat Melissa mit wachsender Besorgnis. »Wenn Du mich lieb hast, so gib mir kurz und bündig zu hören . . .«

»Kurz und bündig,« seufzte der Maler. »Das wird in diesem Falle nicht leicht sein; aber ich will mein Bestes versuchen. Hast Du Korinna gekannt?«

»Die Tochter des Seleukus?«

»Ganz rechte die verstorbene Jungfrau, deren Leiche ich malte.«

»Nein, doch Du wolltest . . .«

»Ich wollte kurz sein, aber es liegt mir mehr daran, verstanden zu werden, und wenn Du sie nicht mit Augen gesehen, wenn Du nicht weißt, welches Wunder der Schönheit die Götter bei der Schöpfung dieser Jungfrau verrichtet, dann bist Du berechtigt, mich für einen Narren und den Philipp für wahnsinnig zu halten, was er doch, dank den Göttern, einstweilen noch keineswegs ist.«

»So hat auch er die Verstorbene gesehen?«

»Nein, nein . . . Und vielleicht dennoch! Das ist alles noch dunkel. Ich weiß ja kaum, was mit mir selber geschah. Vor dem Vater glückte es mir, mich zusammenzunehmen, aber jetzt, wo das alles in mir aufsteigt, wo ich es vor Augen habe, so deutlich, so körperlich, so mit Händen zu greifen, jetzt . . . Beim Hunde, Melissa, wenn Du mich noch einmal unterbrichst . . .«

»So fang doch an; ich will schweigen,« fiel ihm die Schwester ins Wort. »Deine Korinna kann ich mir leicht als ein göttlich schönes Frauenbild denken.«

Da hob der Jüngling die Hände mit leidenschaftlichem Ungestüm und rief: »O, wie wollt' ich sie, die dies wundervollste Kunstwerk gebildet, rühmen und preisen, wie wäre mein Mund übergeflossen von ihrer Huld und Güte, wenn sie es der Welt vergönnt hätten, sich an dem Zauber dieses herrlichen Wesens weiter das Herz zu erwärmen und in ihr das Abbild ihrer eigenen, ewigen Schönheit mit frommer Andacht zu ehren. Aber sie haben ihr eigenes Meisterwerk frevlerisch vernichtet, die kaum erschlossene Blume zertreten, den Stern schon beim Aufgang verlöscht! Wenn das ein Mensch gethan hätte, Melissa, ein Mensch, was wäre sein Schicksal! Wenn das . . .«

Hier schlug Alexander in leidenschaftlicher Erregung die Hände vor das Antlitz; doch als er den Arm der Schwester auf seiner Schulter fühlte, gewann er die Fassung zurück und fuhr ruhiger fort: »Du hast ja gehört, daß sie tot ist. In Deinem Alter stand sie; achtzehn Jahre alt ist sie gestorben, und ihr Vater gab mir den Auftrag, das Bild ihrer Leiche zu malen. Füll mir den Becher. Ich will so gelassen fortfahren wie ein Ausrufer, der den Leuten einen ausgebrochenen Sklaven beschreibt.«

Nun trank er in langen Zügen und wandelte ruhelos vor der Schwester auf und nieder, während er berichtete, was ihm in den letzten Tagen begegnet.

Vorgestern mittag war er von dem Wirtshause aus, wo er mit Freunden munter und sorglos gezecht hatte, dem Rufe des Seleukus gefolgt. Noch kurz bevor er den Thürklopfer hob, hatte ihm ein lustiges Lied auf den Lippen geschwebt. Daseinsfreudiger war ihm, dem Frohesten der Frohen, nie zu Sinne gewesen. Einer der ersten Männer der Stadt, ein Kenner, hatte ihn mit einer schönen Bestellung beehrt, und die Aussicht, etwas Totes zu malen, gefiel ihm. Sein alter Meister hatte oftmals den reizvoll feinen Ton der Fleischfarben an frischen Leichen gerühmt. Wie sein Blick auf das Gerät gefallen war, das der Sklave ihm nachtrug, hatte er sich höher aufgerichtet im stolzen Gefühl, vor einer schönen Aufgabe zu stehen, der er gewachsen. Dann hatte der Thürhüter ihm das Haus geöffnet, ein graubärtiger Gallier, und wie er ihm in das verhärmte Antlitz geschaut und von ihm durch eine stumme Bewegung die Weisung erhalten, vorwärts zu schreiten, war er schon ernster geworden.

Er hatte Wunderdinge von der Pracht des Hauses vernommen, das er nun betrat, und der hohe Säulensaal, der ihn aufnahm, der Mosaikboden, über den er schritt, die Marmorbilder und Hautreliefs an dem oberen Teil der Wände wären wohl wert gewesen, sie aufmerksam zu bewundern, doch er, dessen Auge sich sonst alles, was er einmal gesehen, so fest einprägte, daß er es nachzeichnen konnte, hatte nichts einzelnes von dem vielen, das es dort zu bewundern gab, näher betrachtet; denn schon im Vorsaal war es ihm ganz seltsam zu Mute geworden. Grabesstille hatte in den hohen Hallen geherrscht, die ein beklemmender Duft von Ambra und Weihrauch erfüllte. Es war ihm auch gewesen, als sei die Sonne, die doch eben noch mit vollem Glanz am azurblauen Himmel strahlte, hinter Wolken verschwunden; denn ein befremdliches Dämmerlicht, wie es noch keinem begegnet war, hatte ihn umgeben. Jetzt wußte er, daß es durch die schwarzen Velarien gedrungen war, womit man die offenen Decken der Räume verschlossen hielt, durch die man ihn führte.

Ein junger Freigelassener hatte sich schon im Vorsaal an ihm vorbeigedrängt und war lautlos wie ein Schatten durch dämmerige Räume geeilt. Seine Aufgabe war wohl gewesen, der Mutter der Verstorbenen die Ankunft des Malers zu melden; denn bevor Alexander noch Zeit gefunden hatte, das Auge an den üppig blühenden Pflanzenmassen zu weiden, die den Springbrunnen in der Mitte des Impluviums umgaben, war ihm eine hohe Matrone in lang wallenden Trauergewändern entgegengetreten: die Mutter Korinnas.

Ohne den schwarzen Schleier zu lüften, der ihr vom Scheitel bis auf die Füße herabfloß, hatte sie ihm stumm gewinkt, ihr zu folgen.

Bis dahin war in diesem von Tod und Kummer heimgesuchten Hause noch kein Laut aus dem Mund eines Menschen an sein Ohr gedrungen, und diese Stille hatte den lebensfrohen Künstler so schwer bedrückt, daß er, um nur den Ton der eigenen Stimme zu vernehmen, der Matrone mitgeteilt hatte, wer er sei und wozu er komme.

Doch die Antwort war wieder nur eine stumme, zustimmende Neigung des Hauptes gewesen.

Die Wanderung mit seiner hohen Führerin hatte übrigens nicht lange gedauert und in einem weiten Gemache ein Ende genommen. Durch hundert und aberhundert der herrlichsten Pflanzen, vor denen eine Menge von Kränzen ruhte, war es in einen Blumengarten verwandelt worden, und in seiner Mitte hatte das Lager der Verstorbenen gestanden. Auch diese Halle war von dem schwärzlichen Dämmerlicht erfüllt gewesen, das ihn schon im Vorsaale befremdet.

Der dunkle und verhüllte regungslose Körper dort auf dem Lager, das ein dichter Kranz von Lotusblumen und weißen Rosen umrahmte, war sein Modell. Hier sollte er malen, und er konnte kaum eine Pflanze von der andern unterscheiden, kaum die Form der Vasen erkennen, die das Totenbett umstanden. Nur die weißen Blütenblätter schimmerten wie eine Reihe von Lichtern durch das unheimliche Halbdunkel und außer ihnen in ähnlichem Glanz mitten auf dem Lager ein sanft gerundetes Etwas, der unverhüllte Arm der Verstorbenen.

Da hatte das Herz ihm höher zu schlagen begonnen, die Schaffenslust des Künstlers war wieder in ihm erwacht, und er hatte sich zusammengerafft und der Matrone eröffnet, daß es unmöglich sei, in solchem Lichte zu malen.

Wiederum war nur eine Neigung des Hauptes die Antwort gewesen, – doch die wortkarge Frau hatte nach dem Lager hingewinkt, und zwei dienende Jungfrauen, die hinter ihm am Boden gekauert, waren plötzlich, als entstiegen sie der Erde, aus dem Dunkel emporgetaucht, und ihrer Gebieterin näher getreten.

Da hatte ein neuer Schauer das Blut des Malers durchrieselt, aber gleich darauf war die Stimme der Matrone beinah männlich tief, doch wohllautend ihm ans Ohr geklungen, und sie hatte den Mädchen geboten, den Vorhang zurückzuziehen, so weit es der Maler begehre.

Nun meinte er, sei der Zauber gebrochen, und statt der frommen Todesschauer werde Neugier und Schaffenslust seine Seele beherrschen. Gelassen hatte er die nötigen Anordnungen getroffen, den Dienerinnen thatkräftig geholfen, sein Gerät geordnet und dann die Matrone gebeten, die Verstorbene zu entschleiern, damit er sehe, von welcher Seite her er am besten ans Werk gehen könne.

Doch nun war die Fassung ihm wieder ins Wanken geraten; denn die hohe Frau hatte die Hand auf den Schleier gelegt und ihn mit einem Blicke gemessen, als habe er etwas Unerhörtes, Empörendes gefordert.

So mächtige Augen waren ihm noch unter der Stirn keines andern Weibes begegnet, und doch waren sie vom Weinen gerötet und schwammen in Thränen. Bitteres Weh sprach auch aus jedem Auge ihres wohlerhaltenen Antlitzes, dessen strenge, majestätische Schönheit wohl zu dem tiefen Klang der Stimme paßte. Wem es vergönnt gewesen war, dies Weib in der Blütezeit jungfräulicher Schönheit zu schauen!

Aber sie hatte seiner staunenden Bewunderung nicht geachtet, und bevor sie seiner Forderung nachkam, war ihre fürstliche Gestalt erzittert, und laut aufschluchzend hatte sie die Hand erhoben, um die Hülle von dem Haupt der Tochter zu heben. Dann war sie stöhnend neben dem Lager zusammengesunken, um die Wange an das Antlitz der Verstorbenen zu schmiegen. Endlich war sie aufgestanden und hatte dem Maler zugeraunt, daß, wenn das Werk ihm gelinge, ihr Dank keine Grenzen kennen werde.

»Was sie weiter sagte,« fuhr Alexander fort, »verstand ich nur halb; denn sie weinte dabei, und ich konnte die Gedanken nicht sammeln. Später erst hörte ich von ihrer Zofe – es war eine Christin – sie habe mir eröffnet, daß am nächsten Morgen die Verwandten und die Klagefrauen kommen würden. Bis in die Nacht hinein dürfe ich hier den Pinsel führen, nicht länger. Man habe gerade mir diesen Auftrag erteilt, weil Seleukus von meinem alten Meister Bion vernommen, es gelinge mir schneller als anderen, die Züge des Vorbildes treu wiederzugeben. Vielleicht sagte sie auch noch ganz anderes; ich aber, ich hörte nichts; denn ich sah nur. Es war mir, wie der Schleier dies Antlitz nicht länger den Blicken entzog, als hätten mir die Götter ein Geheimnis offenbart, das sie sonst nur den Himmlischen zu teilen gestatten. So andächtig war mir die Seele nie vorher und nachher gestimmt, in so feierlicher Glückseligkeit wie in jenen Augenblicken hat mir das Herz nimmer geschlagen.

»Was ich da schauen und nachbilden durfte, das war kein menschliches und auch kein göttliches Wesen, das war die Schönheit selbst, von der ich schon manchmal im seligsten Rausche geträumt.

»Und – versteh' mich aber nicht falsch – es kam mir nicht in den Sinn, um diese Verstorbene zu trauern und ihren frühen Tod zu beklagen. Sie schlummerte ja nur. – Es war mir, als belausche ich den Schlaf der Geliebten. Wie schlug mir das Herz! O Kind, Kind, und das Schaffen, das nun folgte, das waren Wonnen, wie sie sonst wohl nur die Olympischen an ihren goldenen Tafeln empfinden. Jeder Zug, jede Farbe das vollendet Schönste, was des Künstlers Seele nicht auszudenken, nein, nur zu ahnen vermag. Die köstliche Freudigkeit blieb, doch die Unruhe wich einem unbeschreiblichen, stillen Genügen. Und während ich den Rotstift gebrauchte und die Farben mit dem Cestrum verschmolz, blieb mir nach wie vor die traurige Empfindung weltenfern, eine Leiche zu malen. Schlummerte sie, so war sie unter glückseligen Erinnerungen entschlafen. Oft war es mir auch, als regten sich die Lippen des wundervoll geschnittenen Mundes und als spiele ein leiser Hauch mit dem wie das Deine verschwenderisch reich gewellten, braunen, glänzenden Haar. Die Muse half mir, und das Bildnis – Meister Bion und andere, denk' ich, werden es loben, wenn es auch dem unerreichbaren Vorbild nur gleicht wie die Lampe dort dem glänzenden Abendstern drüben.«

»Und bekommen wir es zu sehen?« fiel Melissa dem Bruder, dem sie mit angehaltenem Atem gelauscht hatte, eifrig ins Wort.

Da war es dem Künstler, als werde er aus dem Traume gerissen, und er mußte sich besinnen, wo er war und zu wem er sprach. Mit einer raschen Handbewegung strich er sich das Lockenhaar von der perlenden Stirn und frug hastig: »Ich verstand Dich nicht recht, was begehrst Du?«

»Ich fragte nur, ob wir das Bildnis zu sehen bekämen,« versetzte sie schüchtern. »Es war nicht recht, Dich zu stören. Und doch! Wie das Haupt Dir glüht. Trinke noch einmal, bevor Du fortfährst. Bist Du wirklich vor Sonnenuntergang fertig geworden?«

Da schüttelte Alexander verneinend das Haupt, leerte den Becher und fuhr dann ruhiger fort: »Nein, nein. Schade, daß Du mich unterbrachst. Ich war im Geiste mitten im Malen. Da ist der Mond ja schon! Ich muß mich beeilen; denn nicht um meinet-, um Philipps willen erzähl' ich das alles.«

»Ich störe Dich gewiß nicht wieder,« versicherte Melissa.

»Gut, gut,« entgegnen der Maler. »Es gibt übrigens auch nicht viel Freundliches mehr zu berichten. Wo bin ich nur stehen geblieben?«

»Beim Malen, so lang es noch Tag war.«

»Ganz recht; ich erinnere mich! Es begann also zu dunkeln. Dann brachte man Lampen, helle, prächtige, und so viel ich begehrte. Kurz vor Sonnenuntergang kam auch Seleukus, der Vater Korinnas, um die verstorbene Tochter noch einmal zu sehen. Der stattliche Mann trug sein Leid mit maßvoller Ruhe; vor der Leiche seines Kindes faßte es ihn aber dennoch hart genug an. Aber das kannst Du Dir denken . . . Er lud mich auch zu einem Imbisse, und was man da auftrug, hätte einen Satten zum Zugreifen gereizt; ich aber konnte nur wenige Bissen genießen. Berenike, so heißt die Mutter, netzte nicht einmal die Lippen, doch Seleukus griff zu für uns beide, und das verdroß – man sah es ihr an – seine Gattin. Während der Mahlzeit fragte der Kaufherr mancherlei nach mir und dem Vater. Den Philipp hatte er von seinem Bruder Theophilus, dem Oberpriester, rühmen hören. Von ihm erfuhr ich auch, Korinna sei von den kranken Sklavinnen, die sie gepflegt, angesteckt worden und schon am dritten Tage an einem hitzigen Fieber gestorben. Während ich aber dem redenden und schmausenden Lebemanne zuhörte, mußte ich sein Weib, das mir stumm und regungslos gegenüber lag, fortwährend betrachten; denn die Götter hatten in Korinna ihr verjüngtes Ebenbild geschaffen. Frau Berenikes Augen glühten freilich in einem düsteren, ich möchte sagen Furcht erregenden Glanz, – und doch waren sie wie die Korinnas geschnitten. Das sprach ich aus und fragte, ob sie von der gleichen Farbe gewesen; wegen des Bildnisses liege mir daran, es zu wissen. Da verwies mich Seleukus auf das Gemälde, das der alte Sosibius malte, der neulich nach Rom ging zur Arbeit in den neuen Bädern des Kaisers. Im vorigen Jahr bemalte er die Wand eines Saales im Landhause des Kaufherrn zu Kanopus. Eine Galatea bildet den Mittelpunkt des Werkes, und sie ist – jetzt weiß ich's – ein gutes, recht ähnliches Bildnis.

»Was ich in dieser Nacht vollende, erklärte Seleukus weiter, solle an dem Hauptende des Sarges der Tochter angebracht werden; doch dürfe ich es noch zwei Tage behalten, um in meiner Werkstatt bei größerer Ruhe und mit Hilfe der Galatea zu Kanopus ein zweites Bildnis der Verstorbenen für das Stadthaus zu malen.

»Darauf ließ er mich wieder mit der Gattin allein.

»Welch ein herrlicher neuer Auftrag! Und mit wachsender Lust und ruhiger als vorher bin ich auch wieder an die Arbeit gegangen. Es galt ja nicht mehr zu eilen; denn das erste Bild kam in die Gruft, und auf das Zweite konnte ich alle Sorgfalt verwenden. Uebrigens standen mir auch schon damals Korinnas Züge unauslöschlich deutlich vor Augen.

»Bei Lampenlicht malen ist sonst nicht meine Sache; doch diesmal sagte es mir zu, und bald überkam mich wieder die glückselig feierliche Stimmung, die mich vor der Leiche beherrschte. Nur bisweilen ward sie durch einen Seufzer oder den leisen Ruf der Mutter getrübt: ›Dahin, dahin, kein Trost, auch nicht der ärmste.‹

»Und was gab es darauf zu erwidern? Wem gäbe der Tod wohl zurück, was er raubte?

»›Und ich kann mir nichts Abwesendes vorstellen,‹ murmelte sie einmal dumpf vor sich hin. Aber gegen diesen Mangel konnte meine Kunst Abhilfe schaffen, und so malte ich mit feurigem Eifer weiter und weiter, und zuletzt störte sie mich auch nicht mehr mit Klagen; denn der Schlaf übermannte sie, und das schöne Haupt sank ihr auf die Brust. Auch die Dienerinnen hinter dem Lager waren entschlummert, und nur ihre tiefen Atemzüge unterbrachen die Stille.

»Da überkam mich plötzlich der Gedanke, daß ich mit Korinna allein sei, und er wurde immer mächtiger in mir, und dabei war es mir, als bewegten sich ihre lieblichen Lippen und als umschwebe sie ein Lächeln, und sie lade mich ein, sie zu küssen. Und so oft ich entzückt nach ihr hinsah, immer sah und empfand ich das Gleiche, und zuletzt zog mich alles, was in mir ist, zu ihr hin, und ich konnte nicht mehr widerstehen, und meine Lippen vereinten sich in einem Kuß mit den ihren.«

Da seufzte Melissa leise auf; der Künstler aber hörte es nicht und fuhr wie außer sich fort: »Und mit diesem Kusse ward ich ihr eigen, mit ihm nahm sie mir Herz und Sinn gefangen. Ich kann nicht mehr von ihr lassen; denn im Wachen und Schlaf steht mir ihr Bild vor Augen und hält mir Geist und Seele gefangen.«

Dabei ergriff er wieder den Becher, leerte ihn mit einem raschen Zuge und rief dann. »Sei es drum! Wer einen Gott geschaut hat, sagen sie, der müsse sterben, und es ist recht so; denn ihm ist etwas Herrlicheres widerfahren als den anderen allen. Auch unserem Bruder Philipp hat die Einzige das Herz in Banden geschlagen, wenn ihm nicht ein Dämon in ihrer Gestalt die Sinne verwirrte. Ich ängstige mich um ihn, und Du mußt mir helfen.«

Nun sprang er auf, um das Zimmer wieder mit langen Schritten zu durchmessen, die Schwester aber hing sich ihm an den Arm und flehte ihn an, von dem bestrickenden Wahnbilde zu lassen.

Wie warm klang diese Bitte, wie zärtliche Besorgnis aus jedem Worte Melissas, da sie zu wissen verlangte, wo und wie auch ihr älterer Bruder Philipp mit der Tochter des Seleukus zusammen gekommen.

Dem Künstler wurde das leicht bewegte Herz weich, und während er dem geliebten, sonst immer hilfreichen und jetzt so ratlosen Wesen an seiner Seite das Haar streichelte, suchte er Melissa zu beruhigen, indem er den leichten Ton wieder zu finden strebte, der ihm sonst eigen, und lächelnd zu wiederholen, daß der alte frohe Mut bald wieder bei ihm einkehren werde. Sie wisse ja, rief er heiter, daß jede seiner lebenden Geliebten schnell eine Nachfolgerin gefunden, und es müsse doch seltsam zugehen, wenn eine Verstorbene ihn länger zu fesseln verstehe. Mit dem Kuß nehme übrigens seine Geschichte, so weit sie im Hause des Seleukus spiele, ein Ende; denn Frau Berenike sei bald darauf erwacht und in ihn gedrungen, das Bildnis daheim zu vollenden. Am nächsten Morgen habe er die Arbeit mit Hilfe der Galatea in der Villa zu Kanopus weiter ausgeführt, und dort sei ihm auch mancherlei über die Verstorbene zu Ohren gekommen. Ein junges Weibchen habe die Villa gehütet und ihm zur Verfügung gestellt, was er brauchte. Ihr hübsches Gesicht sei geschwollen gewesen vom Weinen, und sie habe unter Thränen gerufen, ihr Mann, der als Centurio unter den Prätorianern des Kaisers diene, werde morgen oder übermorgen mit dem Cäsar nach Alexandria kommen. Sie habe ihn lang nicht gesehen und ihm ein Kindchen zu zeigen, das er noch gar nicht kenne, und doch könne sie sich nicht freuen; denn mit der jungen Herrin sei alle Fröhlichkeit in ihr wie erloschen.

»Die Liebe, die mir aus jedem Wort der Centurionenfrau entgegenklang,« schloß er, »half mir übrigens beim Malen, und ich konnte mit meinem Werk zufrieden sein. Das Bild war so gut geraten, daß ich es für den Seleukus in aller Ruhe vollenden, für den Sarg aber, so gut oder schlecht die vergönnte Zeit es gestattete, eine neue Kopie herstellen wollte. Solche Leichenbilder verschwinden ja in der halbdunklen Gruft, und wie wenige bekommen sie zu sehen! Es gehört auch ein Seleukus dazu, den – Dank der Muse – recht teuren Pinsel Deines Bruders für dergleichen in Bewegung zu setzen. Aber auf das zweite Bildnis kommt etwas an; denn dem kann es begegnen, neben einer Tafel von der Hand des Apelles aufgestellt zu werden, und es sollte auch den Eltern so viel von ihrem verlorenen Kinde wieder geben, wie nur immer in meiner Macht stand. Unterwegs nahm ich mir vor, gleich nach der Heimkehr bei Licht mit der Kopie zu beginnen; denn spätestens am nächsten Abend mußte sie abgeliefert werden.

»So betrete ich denn eifrig die Werkstatt, und der Sklave stellt das verhängte Bild auf die Staffelei, während ich meinen Besucher, den Philipp, begrüße, der die Lampe angesteckt und sich natürlich ein Buch mitgebracht hat. Er war so vertieft in die Stelle, daß er mein Kommen erst merkte, wie ich ihn anrief. Da erzähle ich ihm denn, woher ich komme und was mir begegnet ist, und er findet das sehr eigentümlich und fesselnd.

»Etwas hastig und suchend war er wie immer, sonst aber klar und verständig. Dann begann er mir zu erzählen, was er von einem neu aufgetauchten Philosophen, einem früheren Sackträger, Wundersames vernommen, und erst als mein Syrus Austern brachte – denn für Kräftigeres fehlte mir noch immer die Eßlust – verlangte er das Bild der Verstorbenen zu sehen.

»Da weise ich ihn auf die Staffelei und schaue ihm nach; denn je schwerer er zu befriedigen ist, desto höher schätz' ich sein Urteil. Diesmal glaubte ich sicher auf unbedingtes Lob, ja auf einige Bewunderung zählen zu dürfen; schon um des Vorbildes willen.

»Mit einer etwas hastigen Bewegung wirft er denn auch das Tuch von dem Bilde; aber statt wie sonst erst ruhig zu schauen und dann seine scharfen Bemerkungen hervorzuschnellen, prallt er vor dem Bildnisse zurück, als habe die blendende Mittagssonne ihm ins Auge geschienen. Dann starrt er, weit vorgebeugt, auf mein Werk, und dabei fliegt ihm der Atem wie nach einem stürmischen Wettlaus. Lautlos und als schaue er der Meduse ins Antlitz, bleibt er, ich weiß nicht wie lange, stehen, und als er endlich gar die Faust erhebt und sie an die Stirn preßt, rufe ich ihn an. Doch er erwidert nichts als ein ungeduldiges ›Laß mich!‹ und dann, – dann fuhr er fort, das Bildnis stumm mit dem Blick zu verschlingen.

»Ich störte ihn nicht; denn auch ihn, dachte ich, habe die unsagbare Schönheit dieses Jungfrauenantlitzes bezaubert. So blieben wir beide still, bis er endlich mit heiserer Stimme fragte: ›Das hast Du gemacht? Das, sagst Du, sei des Seleukus verstorbene Tochter?‹

»Ich bejahte dies natürlich, und nicht ganz ohne Stolz; er aber brauste plötzlich unwillig auf und warf mir in bitteren Worten vor, daß ich ihm nachgehe, ihn belauere und mit Dingen Scherz treibe, die ihm heilig seien, wenn ich es auch vorziehe, damit zu spielen.

»Ich versicherte dagegen, daß meine Antwort so ernst wie zutreffend gewesen und meine Erzählung von vorhin in jedem Worte der Wahrheit entspreche.

»Da fuhr er noch heftiger auf mich los. Auch ich begann ärgerlich zu werden, und wie er, bis ins Innerste erregt, hartnäckig auf seiner Meinung beharrte, das Vorbild meines Gemäldes könne die verstorbene Korinna nicht sein, schwur ich ihm mit der feierlichsten Würde, die ich aufbringen konnte, einen großen Eid, daß es sich doch so verhalte.

»Da stellte er mir in so weichen, rührenden Worten, wie ich sie nie aus seinem Munde vernahm, dringend vor, daß wenn ich ihn hinters Licht führe, es um seine Ruhe geschehen sei, ja daß er fürchte, den Verstand zu verlieren, – und wie ich nun zum andernmale und beim Andenken an unsere verstorbene Mutter beteuere, es sei mir nicht eingefallen, Spaß mit ihm zu treiben, schüttelt er mehrmals das Haupt, greift sich an die Stirn und schickt sich an, die Werkstätte ohne Gruß zu verlassen.«

»Und Du ließest ihn gehen?« fragte Melissa in angstvoller Spannung.

»Gewiß nicht,« versetzte der Maler. »Ich vertrat ihm vielmehr den Weg und verlangte zu wissen, ob er Korinna gekannt, und was das alles bedeute; er aber verweigerte mir die Antwort und machte den Versuch, sich an mir vorbei über die Schwelle zu drängen. Da mag es denn ein sonderbares Schauspiel gegeben haben, wie wir großen, ausgewachsenen Menschen uns miteinander balgten, als wären wir noch auf dem Spielplatz. Aber ich zwänge ihn ja mit einer Hand in die Kniee, und so mußte er bleiben, und nachdem ich ihm gelobt, ihn dann ungehindert gehen zu lassen, bekannte er, daß er Korinna im Hause ihres Oheims, des Oberpriesters, gesehen habe, ohne zu wissen, wer sie sei, und ohne auch nur ein Wort mit ihr zu reden. Aber er, der sonst allem aus dem Wege geht, was ein langes Gewand trägt, hatte diese Jungfrau und ihre herrliche Schönheit nicht vergessen und – er sprach es nicht aus, doch aus jedem seiner Worte ging es hervor – war wie von Sinnen vor Liebe. Ihre Augen hatten ihn überall hin verfolgt, und das war ihm wie ein großes Unglück erschienen, weil es ihm beim Denken die Ruhe störte. Vor vier Wochen war er über den mareotischen See zum Polybius gefahren, um den Andreas zu sprechen, und wie er bei der Heimkehr am Ufer stand, hatte er sie zum andernmale an der Seite eines älteren Mannes in weißen Gewändern getroffen. Das letzte Zusammentreffen soll aber am Morgen des Tages, an dem dies alles vorging, stattgefunden haben, und darf man ihm glauben, so sah er sie nicht nur, sondern berührte sogar ihre Hand. Es war wieder an unserem See gewesen, und sie hatte sich angeschickt, aus dem Fährboot zu steigen. Der Obolus, womit sie den Schiffsherrn bezahlen wollte, war zu Boden gefallen, und er hatte ihn aufgehoben und ihr zurückgegeben. Dabei waren seine Finger mit den ihren in Berührung gekommen. Das, sagte er, fühle er noch, und doch sollte sie nicht mehr unter den Lebenden wandeln.

»Nun war die Reihe an mir, seinen Bericht zu bezweifeln, er aber bestand auf jedem seiner Worte, wollte von Aehnlichkeiten und dergleichen nichts wissen und sprach von Dämonen, die ihm Trugbilder zeigten, um ihn zu verwirren und ihn zu verhindern, die Erkenntnis des wahren Wesens der Dinge zu einem glücklichen Ende zu führen. Das steht ja im geraden Gegensatz zu seiner Anschauung von den Dämonen, und wie er endlich ins Freie stürzte, sah er aus wie von bösen Geistern besessen.

»Ich eilte ihm nach, doch in einer dunklen Gasse verschwand er. Dann hatt' ich mit der Kopie alle Hände voll zu thun, und gestern übergab ich sie dem Seleukus.

»Nun ging es ans Suchen; doch weder in seiner Wohnung, noch im Museum konnte man mir Auskunft erteilen. Heute nun war ich von früh an hinter ihm her. Selbst wie sonst bei den Nekysien Blumen aufs Grab der Mutter zu bringen, hab' ich um seinetwillen vergessen. Aber gerade in der Totenstadt wird er sein; denn als ich, bevor ich hieher kam, auf dem Blumenmarkt einen Kranz bestellte, zeigte mir die hübsche Doxion zwei ganz wunderschöne, die sie für ihn gewunden und die er später abholen wollte. Er ist also jetzt in der Nekropole, und ich weiß auch, was er mit dem zweiten Kranze vorhat; denn der Thorhüter des Seleukus sagte mir, ein Mann, der sich mein Bruder genannt, sei zweimal bei ihm gewesen und habe sich lebhaft erkundigt, ob mein Bildnis schon an die Leichenhülle Korinnas befestigt. Das hatte der Alte verneint, weil die Balsamirung natürlich nicht fertig sein könne; das Gemälde werde aber heute, als am Totenfeste, in der Halle der Taricheuten ausgestellt sein. So ward es auch wirklich bestimmt. Nun aber, Kind, nimm Du Deinen klugen Mädchenkopf recht fest zusammen und ersinne etwas, wodurch man ihn wieder zu sich selbst bringt und ihn von seinem thörichten Wahne befreit.«

Da rief Melissa eifrig: »Erst gilt es, ihm nachgehen und mit ihm reden. Warte einen Augenblick. Ich muß noch schnell mit den Sklaven sprechen. Der Nachttrunk des Vaters ist rasch gemischt. Vielleicht kehrt er vor uns heim, und da muß ich ihm jetzt schon das Lager . . . Im Augenblick bin ich zurück.«

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