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Paul und Virginie

Bernardin de Saint-Pierre: Paul und Virginie - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
booktitlePaul und Virginie und die Indische Hütte
authorBernardin de Saint-Pierre
translatorG. Fink
firstpub1840
year1840
publisherVerlag von Dennig, Finck & Co.
addressPforzheim
titlePaul und Virginie
created20050528
sendergerd.bouillon
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Bernardin de Saint-Pierre

Paul und Virginie

 

 

Bernardin de Saint-Pierre: Paul und Virginie

 

 

Vorwort

Ich habe mir bei diesem kleinen Werke große Dinge vorgesetzt. Ich versuchte einen Boden und eine Vegetation zu schildern, die von der Europa's himmelweit verschieden ist. Lange genug haben unsre Dichter ihre Liebenden an Bachesufern, auf Wiesen und unter dem Laubwerk der Buchen ausruhen lassen. Die meinigen mußten sich auf dem Gestade des Meeres, am Fuße der Felsen, im Schatten der Cocospalmen, der Bananen und blühenden Citronenbäume niedersetzen. Es fehlt der andern Hälfte der Welt nur an Theokriten und Virgilen: sonst hätten wir schon längst mindestens eben so interessante Gemälde von ihr, als von unserm eigenen Lande. Ich weiß, daß geschmackvolle Reisende uns begeisterte Schilderungen von mehreren Inseln der Südsee entworfen haben; aber die Sitten ihrer Einwohner, und noch mehr die der Europäer, die dort landen, verderben oft die Landschaften. Ich wünschte, mit der Schönheit der Tropennatur die moralische Schönheit einer kleinen Gesellschaft zu verbinden. Dabei beabsichtigte ich den Beweis von mehreren großen Wahrheiten herzustellen, z. B. von der, daß unser Glück einzig und allein auf einem natur- und tugendgemäßen Wandel beruht. Ich brauchte nicht erst einen Roman zu ersinnen, um glückliche Familien zu schildern. Ich kann versichern, daß Diejenigen, von denen ich sprechen will, wirklich gelebt haben, und daß ihre Geschichte in den Hauptbegebenheiten wahr ist. Mehrere Bewohner von Isle-de-France, mit denen ich in genauer Bekanntschaft stand, haben mir dieß verbürgt. Ich selbst habe bloß einige unbedeutende Umstände hinzugefügt, die aber für mich persönlich sind und dadurch auch Anspruch auf Realität haben. Als ich vor einigen Jahren eine höchst unvollkommene Skizze von dieser Art Idylle entworfen hatte, bat ich eine schöne Dame, die sich viel in der großen Welt umhertrieb, und einige ernste Männer, die fern von ihrem Geräusche lebten, um Erlaubniß, sie ihnen vorzulesen, um ihren Eindruck auf Leser von so verschiedenen Gemüthsarten zum Voraus einigermaßen berechnen zu können: und es wurde mir die Befriedigung zu Theil, sie Alle in Thränen zu sehen. Dieß war mir Urtheils genug und ich verlangte nicht mehr zu wissen. Aber wie oft große Fehler mit kleinen Talenten Hand in Hand gehen, so brachte mich dieser Erfolg auf den eiteln Gedanken, meinem Werke den Titel: ein Naturgemälde zu geben. Glücklicher Weise fiel mir noch ein, wie sehr mir die Natur selbst des Klima's, wo ich geboren bin, fremd war; wie sie in den Ländern, wo ich ihre Erzeugnisse nur als Reisender gesehen habe, so reich, so mannigfaltig, so liebenswürdig, so prachtvoll und so geheimnißvoll ist, und wie es mir so gänzlich an Scharfblick, Geschmack und Ausdrücken fehlt, um sie vollkommen zu erkennen und zu malen. Ich besann mich also eines Bessern, reihte diesen schwachen Versuch als Anhang meinen Studien der Natur an, die das Publicum so wohlwollend aufgenommen hat, und da ich in diesem Titel die Unzulänglichkeit meiner Kräfte selbst zugestehe, so hoffe ich auch ferner auf seine Nachsicht rechnen zu dürfen.

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