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Gutenberg > Edward Bulwer-Lytton >

Paul Clifford

Edward Bulwer-Lytton: Paul Clifford - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bulwer
titlePaul Clifford
publisherJ. B. Metzler'schen Buchhandlung
volumeSechstes Bändchen
printrun Zweite Auflage
year1836
translatorGustav Pfizer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20061009
projectid0dea50ec
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Einunddreißigstes Kapitel.

Zwischen dem Mund und des Glases Rand
Kann hinunter fallen noch allerhand.
                              Der Mann gefällt mir
Mit seiner Eitelkeit.
          *           *           *             *
Kommt Chanon Hugh, wie Ihr Ihn seht, geputzt, verlarvt.
Und so soll ich betrügen den Konstabel
Und plötzlich ein Gewaffneter tritt auf.
          *           *           *             *
Der Hochkonstabel war mehr, obgleich
Den Dick Tator er in den Stock gelegt.

Ben Jonson Geschichte einer Tonne.

Mittlerweile eilte Clifford mit raschen Schritten durch die Straßen in der Nähe von des Richters Haus, wandte sich dann einem abgelegneren Quartier zu und betrat ein düsteres Gäßchen oder Gang. Hier ward er plötzlich von einem Mann, in einen groben Oberrock gehüllt, von ziemlich verdächtigem Aussehen angeredet:

»Ah Kapitän, Ihr seyd über die Zeit ausgeblieben, aber Alles steht gut.«

Clifford suchte sich, doch nur mit halbem Erfolge, die unbefangne Selbstbeherrschung zu erkämpfen, welche sonst immer seinem Benehmen gegenüber von seinen Genossen eigen war; er wiederholte die Worte des Fremden und versetzte:

»Alles steht gut! was! sind die Gefangnen befreit?«

»Nein, wahrlich!« antwortete der Mensch mit rohem Gelächter, »noch nicht; aber Alles zur rechten Zeit; es wäre ein wenig zu viel verlangt, wenn wir erwarten wollten, die Gerechtigkeit verrichte unser Werk, obgleich wir, Gott weiß, oft das ihrige verrichten.«

»Was denn?« fragte Clifford ungeduldig.

»Nun die armen Bursche sind nach der Stadt – – abgeführt und vor den Richter gebracht worden, eh' ich ankam, obgleich ich im Augenblick, da Ihr mir's befohlen, aufsaß und in vier Stunden den Weg zurücklegte. Das Verhör dauerte gestern den ganzen Tag und auf heute wurden sie wieder bestellt; laßt sehen – es ist noch nicht Mittag; wir können dort seyn, eh es vorüber ist.«

»Und das heißt ihr gutstehen!« sagte Clifford ärgerlich.

»Nein Hauptmann, werdet nicht falsch! Ihr habt noch nicht Alles gehört! es scheint die einzige harte Anklage, die gegen sie vorgebracht ward, ist die eines stämmigen Viehmästers, dem man etwa fünfzig Meilen von der Stadt: Halt! zurief, und deßhalb gedenkt der Richter, die armen Bursche in das Gefängniß der Grafschaft zu schicken, wo sie dieses Geschäft machten.«

»Ha! das kann einige Hoffnung für sie gewähren; wir müssen scharf auf ihre Reise aufpassen; wenn sie einmal im Gefängniß sitzen, so haben sie keine Aussicht mehr, als durch die Feile und das Händeschmieren. Unglücklicherweise ist keiner von ihnen in diesem Fach so geschickt, wie ich.«

»Nein, wahrhaftig nicht! da ist keine steinerne Mauer in England, wo der große Hauptmann Lovett nicht durchkröche, das will ich beschwören!« sagte der bewundernde Satellite.

»Sattelt die Pferde und ladet die Pistolen! Ich will in zehen Minuten euch treffen. Haltet meine Pachterskleidung bereit samt dem falschen Haar u.s.w. Lest euch auch einen Anzug aus! Beeilt Euch; die drei Federn sind der Ort, wo wir uns finden.«

»Und erst in zehen Minuten, Hauptmann?«

»Pünktlich!«

Der Fremde bog um eine Ecke und verschwand aus dem Gesicht.

Clifford murmelte vor sich hin: »Ja, ich war die Ursache ihrer Verhaftung, ich war es, den man suchte; es ist billig, daß ich einen Streich führe, um ihnen zur Flucht zu helfen, eh' ich meine eigne ins Werk setze,« und setzte seinen Weg fort bis er an die Thüre eines Wirthshauses kam. Das Zeichen eines Seemanns hing oben, den lustigen Matrosen darstellend, mit einem artigen Zinnkrug in der Hand, bei weitem beträchtlicher an Umfang, als er selbst. Ein ungeheurer Mops saß vor der Thüre, der seine Zunge heraus reckte, als ob er sich bis an die Zunge vollgestopft hätte und nun genöthigt wäre, dieses nützliche Glied aus seiner eigentlichen Stelle zu verdrängen. Die Läden waren halb geschlossen; aber die Töne roher Lustigkeit drangen lärmend durch.

Clifford störte den Mops auf, ging über die Schwelle und rief mit lauter Stimme: »Janseen?« »Hier!« antwortete eine mürrische Stimme und Clifford ging weiter in ein kleines Sprechzimmer neben der Schenkstube. Da fand er den Herrn Wirth an einem runden Eichentisch sitzend, eine rothe trotzige, wetterfeste aber aufgedunsene Gestalt, wie Dirk Hatteraik mit der Wassersucht behaftet.

»Wie nun, Hauptmann?« rief er in einem Gurgelton und untermengte seine Worte mit manchen niederländischen Zierlichkeiten, die wir mit Erlaubniß unseres Lesers übergehen, weil sie sich unmöglich buchstabiren lassen, »wie nun! noch nicht fort?«

»Nein! ich breche morgen nach der Küste auf; heute hält mich noch ein Geschäft hin. Ich kam zu fragen, ob man sich auf Mellon vollkommen verlassen kann?«

»Ja! zuverläßig bis zu den großen Zehen!«

»Und Ihr seyd gewiß, daß er trotz meinem längern Verzug die Stadt nicht verlassen hat?«

»Gewiß! Wie wär' es anders möglich? Kenn' ich nicht den Jack Mellon zwanzig Jahre her? Er bliebe wie das Log in der Windstille zehen Monate an einander ruhig liegen, ohne sich ein Haarbreit zu rühren, wenn er unter Befehlen steht.«

»Und sein Schiff ist schnell und wohl bemannt, für den Fall einer polizeilichen Verfolgung?«

»Die schwarze Molly schnell? da fragt nur Eure Großmutter! die schwarze Molly würde einen Haifisch übersegeln und zum Teufel gehen.«

»Dann wohlauf, Janseen, hier ist etwas, Eure Pfeife in Glut zu erhalten; wir werden uns nicht mehr, denke ich, innerhalb der drei Meere begegnen. England ist für mich eben so zu heiß, wie Holland für Euch!«

»Ihr seyd ein ganzer Kerl!« rief der Herr Wirth, Clifford die Hand schüttelnd, »und wenn die Bursche ihren Verlust erfahren, so werden sie einsehen, daß sie den bravsten und treusten Gesellen, verloren haben, der je das Gewerb eines Freibeuters ergriff; somit Gott befohlen und geht zum T – –!«

Mit diesem Abschiedssegen entließ Myn Herr Wirth Clifford und der Räuber eilte in sein Gemach in den drei Federn.

Er fand Alles bereit. Eilig legte er seine Maske an und sein Begleiter führte sein Pferd vor, ein edles Thier von der großen irländischen Zucht, von ausgezeichneter Kraft und Knochenstärke, und abgesehen davon, daß es im hintern Theile des Körpers etwas scharf war, (ein Fehler den derjenige leicht verzeiht, der ebenso sehr auf Schnelligkeit als gefällige Form sieht), von beinahe unvergleichlicher Schönheit in Bau und Verhältnissen. Wohl kannte der Renner seinen Herrn und stolz leistete er ihm Gehorsam, das scharfsinnige Thier schnaubte ungeduldig, entzog sich der Hand des es haltenden Räubers, befreite sich vom Zaume und trabte, seine lange Mähne dem Wehen der frischen Luft entgegenschüttelnd, dem Platze zu, wo Clifford stand.

»Holla, Robin! holla! was, du zürnst darüber, daß ich deinen Genossen in der rothen Höhle zurückgelassen habe. Den werden wir nie mehr zu sehen bekommen. Aber so lange ich das Leben behalte, will ich nicht von dir lassen, Robin.«

Mit diesen Worten streichelte der Räuber seinem Lieblingspferde sanft den schimmernden Hals und als das Thier die Liebkosung erwiederte, indem es den Kopf an den Händen und der athletischen Brust seines Herrn rieb, empfand Clifford in seinem Herzen etwas von dem alten heftigen Aufruhr des Bluts, der für ihn einst der Hauptreiz bei seinem verbrecherischen Gewerbe gewesen, und den er bei dem neuerlichen Wechsel in seinen Gefühlen beinah vergessen hatte.

»Wohl, Robin, wohl!« begann er wieder und küßte den Kopf seines Pferdes, »wohl! wir werden noch Tage haben ähnlich den vormaligen; du sollst der Trommete entgegenwiehern und deinen Herrn zu glorreichern Unternehmungen tragen als diejenigen, bei deren Ausführung du dir bisher seinen Dank erwarbst. Du wirst jetzt mein einziger Vertrauter werden, mein einziger Freund, Robin; wir werden beide Fremdlinge seyn im fremden Lande. Aber dich wird man eher willkommen heißen, als deinen Herrn, Robin; und du wirst die alten Tage und deine alten Kameraden und deine alten Neigungen vergessen, wenn – ha!« und jetzt wandte sich Clifford plötzlich zu seinem Begleiter und sagte: »Es ist spät, sagt Ihr; wahr! seht, es wäre unklug, wollten wir beide zusammen London verlassen; Ihr wißt den sechsten Meilenstein; dort trefft mich und dann reisen wir miteinander weiter.«

Bereitwillig noch zu bleiben um ein Abschiedsglas zu leeren, stimmte der Genosse der Klugheit des vorgeschlagnen Plans gerne bei, und nach ein paar weitern Worten des Raths und der Warnung stieg Clifford zu Pferd und ritt aus dem Hofe der Herberge. Als er durch das große hölzerne Thor auf die Straße ritt und ein unvollkommner Strahl der winterlichen Sonne auf ihn und sein Pferd fiel: da konnte man sich wohl kaum, trotz seiner Verkleidung und seines unzierlichen Aufzugs, ein anmuthigeres und reizenderes Bild von dem gesetzlosen und verwegnen Gewerbe denken, dem er angehörte; die Größe, Stärke, Schönheit und außerordentliche Dressur, die das Pferd zeigte – das funkelnde Auge, das kühne Profil, die sehnigte Brust, der gefällige Wuchs und die sorglose, kunstreiche Führung des Pferdes an dem Reiter.

Mit langem, bewunderndem Blick seinem Chef nachschauend, sagte der Räuber zu dem Hausknecht der Herberge, einem bejahrten, verwitterten Mann, der neun Generationen von Highwaymen hatte aufblühen und untergehen sehen:

»Nun, Sef, wann saht Ihr je einen Helden wie diesen da? Das bravste Herz, die sicherste Hand, der beste Pferdekenner, und der schönste Mann, der je der Hounslower-Heide Ehre machte.«

»Bei alle dem,« erwiederte der Hausknecht, seinen lahmen Kopf schüttelnd und in die Schenkstube zurückkehrend, »bei all dem, Herr, ist seine Zeit um. Merkt auf mein Wort, Hauptmann Lovett wird es nicht über ein Jahr, vielleicht nicht über einen Monat mehr treiben!«

»Warum, Ihr alter Schuft? Woher habt Ihr diese Weisheit, Ihr werdet hoffentlich nicht den Angeber machen?«

»Ich angeben? den Teufel auch! Aber nie gab es einen Herrn von der Landstraße groß oder klein, einsichtsvoll oder dumm, der das siebente Jahr überstand. Und das ist das siebente des Hauptmanns, am einundzwanzigsten des nächsten Monats; aber er ist ein ganzer Bursch, und ich werde dazu gehen, wenn man ihn hängt.«

»Bscht!« sagte der Räuber verdrießlich, denn er selbst näherte sich dem Ende seines sechsten Jahrs, »Bscht!«

»Behaltet es wohl, ich sag' es Euch, Herr! und mag dem seyn, wie ihm wollte, ich denke – und ich habe in solchen Sachen Erfahrung – nach dem unglücklichen Ausdruck seines Augs und dem Herabhängen seines Mundes, daß die Zeit des Hauptmanns heute um seyn wird!«

Hier verlor der Räuber ganz und gar die Geduld, schleuderte den grauen Unglücksprofeten gegen die Mauer, drehte sich um und suchte sich einen angenehmern Gesellschafter, mit dem er das Abschiedsglas trinken konnte.

Am Morgen des Tags der auf denjenigen folgte, an welchem die obigen Gespräche vorfielen, rollten der scharfsinnige Augustus Tomlinson und der starke Edward Pepper, mit Ketten und Handschellen belastet, auf der Landstraße in einer Postchaise dahin; neben den erstern hatte sich Herr Nabbem angeschmiegt und zwei andre Herrn, Vertraute von ihm, hatten den Bock bestiegen und versperrten auf widerliche Art, wie der lange Ned brummend bemerkte, die Schönheit der Aussicht.

»Ah, schon gut!« sagte Nabbem, seinen Ellbogen ohne Schonung in Augustus Seite stoßend, als er seine Tabacksdose herauslangte und sich reichlich mit dem berauschenden Staube versah. »Ihr thätet besser, Herr Pepper, Euch für eine Veränderung der Aussicht vorzubereiten! Ich meine, 's wird Euch nicht absonderlich wohlgefallen in der Prison.«

»Nichts macht doch die Leute so witzig als das Unglück Anderer!« sagte der moralisirende Augustus und wandte und drehte sich, so gut er im Stand war, um seinen Körper von dem eingestemmten Ellbogen des Herrn Nabbem zu befreien. »Wenn Einer in der Welt unten ist, so werden alle Umstehenden, vorher die blödesten Köpfe, plötzlich witzig.«

»Ihr macht Bemerkungen über mir,« sagte Herr Nabbem, »nun, das hat nicht Nagelsgroß zu bedeuten, denn sobald wir unsere Pflicht und Schuldigkeit thun, werdet Ihr Kameraden infam undankbar!«

»Undankbar!« sagte Pepper, »welcher Plage sind wir theilhaftig geworden, wofür wir dankbar seyn sollten? Ich glaube gar, Ihr meint, wir sollen Euch sagen, Ihr seyd der beste Freund den wir haben, weil Ihr uns krumm geschlossen in diesen fürchterlichen Kasten hineingepreßt habt, wie Truthähne, die man auf Weihnachten gemästet. Bei Gott, das Haar ist einem hingetätscht, wie ein Pfannkuchen, und was die Beine betrifft, da hättet Ihr besser gethan, sie auf einmal abzuhauen, als sie in einem Raum von einem Quadratschuh einzukeilen – um nichts von den lumpigen Eisen da zu sagen!«

»Die einzigen Eisen, welche in Euren Augen Gnade finden, Ned,« sagte Tomlinson, »sind die Kräuseleisen, he?«

»Nun wenn das nicht zu arg ist,« rief Nabbem dazwischen. »Ihr weigert Euch in einen Karren Euch packen zu lassen, wie die Andern Eures Gewerbes, und wenn ich mich über die Gebühr anstrenge, zu oblischiren mit einem Gefährt, so scheltet ihr mich dafür aus!«

»Ruhig, guter Nabbem!« sagte Augustus mit der Würde eines Weisen. »Ein wenig üble Laune müßt ihr schon Leuten in so unglücklicher Lage, wie wir sind, nachsehen!«

Eine milde Antwort wendet den Zorn ab. Tomlinson's Antwort besänftigte den Herrn Nabbem; und zum Zeichen der Versöhnung hielt er seine Tabacksdose der Nase des unglücklichen Gefangenen hin. Mit verschlossenen Augen zog Tomlinson lang und eifrig das köstliche Pulver hinauf und sobald ihm der Beamte mit seinem eigenen gelbgewürfelten Taschentuch einige hängende Körnchen von der Nasenspitze abgewischt hatte, sprach Tomlinson also:

»Ihr seht uns jetzt, Herr Nabbem, im Zustand eines gebrochnen Widerstands, aber unser Muth ist noch nicht gebrochen. Zu unsrer Zeit haben wir etwas mit der Verwaltung zu schaffen gehabt; und unser jetziger Trost ist der Trost gefallner Minister.«

»Oho! waret Ihr im Methodistenklub, eh' Ihr auf die Landstraße verfielet?« fragte Nabbem.

»Nicht das!« antwortete Augustus ernsthaft; »wir waren politische, nicht kirchliche Methodisten; d. h. wir lebten in einer eignen Gemeinde, ohne eine gesetzliche Berechtigung dazu, und was das Gesetz uns verweigerte, gab uns unser eigner Witz. Aber sagt mir, Herr Nabbem, seyd Ihr der Politik zugethan?«

»Nun, sie sagen ich sey es,« sagte Herr Nabbem mit einem Grinsen, »und ich für meinen Theil denke: Alle die dem König dienen, sollten für ihn aufstehen und für ihre kleinen Familien Sorge tragen!«

»Ihr sprecht was Andre denken!« antwortete Tomlinson ebenfalls lächelnd, »und da Ihr also die Politik liebt, will ich Euch Etwas sagen, was Ihr, ich darf es wohl behaupten, vorher nie bemerkt habt.«

»Was wäre das?« fragte Nabbem.

»Eine wunderbare Ähnlichkeit zwischen dem Leben eines Gentleman, der eine Zierde des Raths seiner Majestät ist, und dem Leben eines solchen, den Ihr in seiner Majestät Gefängnis abführt.«

Augustus Tomlinsons verläumderische Parallele.

»Wir treten, Herr Nabbem, in unsre Laufbahn ebenso ein, wie der Embryominister ins Parlament: durch Bestechung und Verführung. Nun ist freilich zwischen beiden Fällen der Unterschied: wir werden zum Eintritt verlockt durch die Bestechung und Verführung Anderer, sie treten freiwillig und aus eigenem Antrieb ein. Im Anfang, von schwärmerischen Träumen getäuscht, lieben wir den Ruhm unserer Laufbahn mehr als den Gewinn und in jugendlicher Großmuth rühmen wir uns, die Reichen nur aus Rücksicht für die Armen anzugreifen. Allmälig, wenn wir verstockter werden, lachen wir über diese kindischen Träume, Bauer und Fürst fallen gleicherweise in unsre unparteiischen Hände; wir langen nach dem Eimer, aber verachten auch nicht den Fingerhut voll, wir brauchen das Wort Ruhm nur als eine Falle für Proselyten und Neulinge, unsre Finger, wie eine Amtsthüre, thun sich für Alles auf, was ihnen begegnen mag, wir betrachten die Reichen als unsre Besoldung, die Armen als unsre Nebeneinkünfte. Was ist dieß anders als das Bild eines Parlamentsglieds, das zum Minister heranreift, eines Patrioten, der sich für ein Amt mürb macht? Und merkt wohl, Herr Nabbem! ist nicht auch bei Beiden die Sprache, wie ihr Thun sich gleich? Was ist die bei beiden beliebte Redensart? »Zu erleichtern.« Was? »das Publikum!« und erleichtern wir es nicht beide um dieselbe Last? um seinen Geldbeutel nemlich. Fehlt es uns an einer Entschuldigung, wenn wir mit unsern Nebenmenschen ihr Gold theilen oder sie mißhandeln, falls sie Widerstand leisten? ist nicht unsre beiderseitige, unsre bündigste Ausrede der Mißstand? Freilich unser Patriot nennt es den Mißstand des Landes, aber hat er um ein Jota mehr als wir einen andern Mißstand als seinen eignen im Sinn? Wenn wir heruntergekommen und unsre Röcke schäbig sind – schütteln wir nicht beide den Kopf und sprechen von Reform? Und wenn – o wenn wir hoch oben sind, in der Welt, weisen wir nicht beide jede Reform zum Teufel? Wie oft geschieht es, daß der Parlamentsmann seinen Platz räumt, nur in der Absicht ihn mit volleren Taschen wieder einzunehmen! Wie oft, theuerster Ned, haben wir in derselben Absicht unsre Plätze geräumt! Bisweilen freilich beschließt er wirklich seine Laufbahn mit der Annahme der Centgerichte – und auch die unsrige kann mit den Centgerichten ihr Ende nehmen! (Ned that einen tiefen Seufzer!) Beobachten Sie uns jetzt, Herr Nabbem, auf dem höchsten Gipfel unsres Glücks! wir haben unsre Taschen gefüllt, wir sind bedeutende Männer im Munde unsrer Partei. Unsre Jungen bewundern uns, unsre Besen beten uns an. Was thun wir in diesem kurzen flüchtigen Sommer? Sparen und Haushalten? Ach nein! wir müssen Essen geben und unser Getränk aufgeben lassen. Wir lassen Pferde beim Wettrennen laufen und zeigen uns als dicke Leute der Menge, die wir geschnellt haben. Ist das nicht ganz der Minister wenn er das Amt bekommen hat? Erinnert Euch das nicht an seine Equipage, seinen Palast, sein Silbergeschirr? In beiden Fällen wird das leicht Gewonnene üppig verschwendet, und das Publikum, dem wir seine Kasse wegstipitzt, kann am Ende das Vergnügen haben, die Figur anzugaffen, die wir damit machen. Dieß ist dann der Herbst unsres Glückes; unsre Feinde, unsre Freunde möchten uns fressen vor Neid; und doch was ist weniger beneidenswerth als unsre Stellung? Haben wir nicht beide unsre gleichen Belästigungen, unsre gemeinschaftlichen Beunruhigungen? Bestechen wir nicht beide (hier schüttelte Herr Nabbem den Kopf und knöpfte seine Weste zu,) unsre Feinde, schmeicheln unsern Anhängern, schreien die an, welche von uns abhängig sind und streiten mit unsern einzigen Freunden, d. h. mit uns selbst? Ist nicht bei beiden der geheime Gedanke: Es steht alles ganz verwünscht artig; aber wie lang wird es dauern? Nun Herr Nabbem, aufgemerkt: beseht das Bild von der andern Seite, wir sind gestürzt, unsre Laufbahn ist beendigt, die Straße ist uns verschlossen und neue Räuber plündern jetzt die Wagen, die wir sonst plünderten. Ist das nicht das Loos von – nein, nein ich täusche mich! die Minister, die geplagten Männer, melken größtentheils die Volkskuh, so lang nur ein Tropfen noch im Euter ist. Der Kanzler stirbt auf einer Pension ab, der Minister siecht bei einer Dotation hin, die großen Spitzbuben haben zwar die Füße unter den Schatzkammerbänken weggezogen, aber sie haben noch ihre Fingerchen im Schatze. Ihre geleisteten Dienste blieben seiner Majestät in gutem Andenken; die unsern werden nur von den Fiskalen angemerkt; sie salviren sich, weil sie an einander hängen; wir fahren zum Teufel, weil wir mutterseelenallein hängen; wir haben unsern kleinen Festtag auf Kosten des Publikums und Alles ist vorbei – aber bei ihnen ist es nie aus. Wir hetzen beide den nemlichen Fuchs; aber wir sind die leichtsinnigen Reiter und sie die schlauen; wir wagen den Satz und brechen den Hals; sie drücken sich durch die Thore und erjagen ihn im Ende.«

Als er geschlossen, senkte sich Tomlinsons Haupt auf seine Brust und es war leicht zu sehen, wie diese schmerzhaften Vergleichungen, gemischt vielleicht mit geheimen Seufzern über die Ungerechtigkeit des Schicksals, seine Brust durchwühlten, der lange Ned saß in düstrem Stillschweigen da, und selbst das harte Herz des Herrn Nabbem war durch die ergreifende Parallele, welche er so eben angehört, erweicht worden.

Sie waren ohne zu sprechen zwei oder drei Meilen fortgefahren, als der lange Ned, das Auge auf Tomlinson geheftet, ausrief:

»Wißt Ihr wohl, Tomlinson, ich meine es ist eine ewige Schmach für Lovett, daß er uns so wie Hammel wegschleppen ließ, ohne einen Versuch zu machen uns unterwegs zu befreien. Es ist allein seine Schuld, daß wir hier sind, denn er war es, den Nabbem aufsuchte, nicht wir.«

»Sehr wahr!« sagte der schlaue Polizeimann, »und wenn ich an Eurer Stelle wäre, Herr Pepper, Gott straff mich, ich würd' mich als 'nen Mann von Verstand ausweisen und ebenso wenig Rücksicht für ihn zeigen, als Er für Euch. Nun, beim Himmel, ich brauch' Euch nicht Mittel und Wege zu zeigen; aber das weiß ich, den Behörden liegt es gar am Herzen den Lovett zu fangen, und Einer der ihn angibt und mit ein paar Worten gegen seine Person aussagt, um ihn zu überweisen, der darf sich drauf verlassen für seine kleinen Lumpereien und sofort Pardon zu kriegen.«

»Ach,« sagte der lange Ned mit einem Seufzer, »das ist alles sehr gut, Herr Nabbem, aber ich will wie ein Gentleman an den Galgen gehen und nicht meine Kameraden angeben; und jetzt bedenk' ich es erst recht, Lovett hätte uns schwerlich helfen können. Ein einzelner Mann, auch Lovett, so geschickt er ist, hätte uns nicht aus Euern und Eurer Myrmidonen Klauen zu reißen vermocht, Herr Nabbem! Und als wir einmal in – – waren, hatten Sie ein gar scharfes Auge auf uns. – Aber sagt mir jetzt, mein lieber Nabbem,« und die Stimme des langen Ned schien etwas wie einschmeichelnde Milde anzunehmen, »sagt mir, meint Ihr, der Viehmäster werde uns in die Enge treiben?«

»Ohne allen Zweifel!« sagte der unerschütterliche Nabbem; der lange Ned ließ das Maul sinken. »Und dann, wenn er es thut, so kann man uns doch blos deportiren?«

»Täuscht Euch nicht, Meister Pepper!« sagte Herr Nabbem. »Ihr seyd ein zu alter Schlaukopf für die Heringstonnen! Man ist schon entschlossen Galgenäpfel aus allen solchen Nonpareils wie Ihr seyd, zu machen!«

Ned warf einen finstern Blick auf den Beamten.

»Ein herrlicher Tröster seyd Ihr,« erwiederte er. »Ich bin in einer Postchaise mit einem Lustigmacher gefahren, das will ich beschwören. Ihr mögt mich einen Apfel nennen, wenn es Euch beliebt, aber dabei bleib' ich, ich bin kein Apfel, den Ihr gerne schälen sehen möchtet.«

Mit diesem drohenden Boxerwortspiel versank der kräftige Held wieder in sein nachdenkliches Schweigen.

Unsre Reisenden erreichten jetzt eine Stelle, wo die Straße auf einer Seite von einer ziemlich ausgedehnten Heide begrenzt war und auf der andern Seite von einer dichten Baumhecke, deren Lücken gelegentlich den Anblick von Waldungen und Brachfeld gewährten, durchschnitten von Querwegen und kleinen Bächen.

»Da reist ein hübscher Geselle!« sagte Nabbem auf einen athletisch aussehenden Mann deutend, der vor dem Wagen ritt, wie ein Pächter gekleidet war und ein großes, gewaltiges Pferd irländischer Zucht hatte. »Ich darf wohl behaupten, er ist genau bekannt mit jenem Viehmäster, Herr Tomlinson; er sieht auf und nieder aus wie Einer von derselben Gattung, und da kommt noch ein Bursche,« (hier erreichte den Unbekannten ein kurzer, stämmiger, röthlicher Mann in einem Kärrnerkittel, auf einem Pferde, das weniger ansehnlich war, als das seines Kameraden, doch von dem kräftigen, elastischen, schlanken und muskelstarken Schlag, auf welchen ein erfahrner Jockey gerne reitet.)

»Nun, das ist 'mal, was ich einen wackern Kerl nenne!« fuhr Nabbem fort, auf den letztern Reiter deutend, »das ist kein so leibarmer, schwarzer, gezierter Bursche wie dieser Hauptmann Lovett, der den Weibsleuten die Köpfe verrückt, sondern ein stattlicher, gedrungener kleiner Kerl mit einem Gesicht wie eine rothe Rübe! das ist eine Schönheit nach meinem Geschmack! Ehrlichkeit ist ihm ins Gesicht geschrieben, Hr. Tomlinson! Ich darf sagen« (der Polizeimann grinste, denn er war selbst seiner Zeit ein Wegelagerer gewesen,) »ich darf wohl sagen, der arme, unschuldige Einfaltspinsel kennt nichts von den Wegen und Schlichen Londons; und wenn er deßhalb kein so lustiges Leben hat als andere Leute, so hat er vielleicht ein desto längeres. Aber ein lustiges Leben immerdar, für solche Bursche wie wir, Herr Pepper! Ich sage, Ihr habt doch schon gehört wie Bill Fang nach Spottland (Schottland) kam, und expedirt wurde, weil er der Bank ins Handwerk pfuschte? Er machte im Tod seinem Leben Ehre; denn als sein Vater, ein grauköpfiger Geistlicher, nach gefälltem Urtheil kam, ihn zu sehen, da sagte er zum Erzieher seiner Kindheit: »Schieß was her, Alter,« sagte er, »die Kosten damit zu bezahlen und patent zu sterben.« Der Pfaff holt zehn Füchse heraus und betet dazu immer fort wie besessen. Der Junge läßt eine von den Guineen zwischen die Finger gleiten und sagt: »Ey wie, Aette, du hast ja nur neun Goldsvögel hergeschossen – und eben sprachst du als sollten es zehn seyn?« Auf dieß fingert der Pfaffe, der so arm war, wie einer Kirchenmaus und nicht einem Geistlichen ansteht, eine andre Guinee heraus; und der Junge zum Schließer sich wendend, ruft: den Aette um eine Guinee geprellt, bei Gott!Thatsache. Nun das heiß ich es einmal bis aufs Ende durchsetzen!«

Kaum hatte Herr Nabbem seine Anekdote beschlossen, als der wie ein Pächter aussehende Fremde, der neben der Chaise hergeritten war, plötzlich an das Fenster ritt und an den Hut greifend, in Norfolkischer Aussprache sagte:

»Gehörten die Herrn, welchen wir auf der Straße begegneten, zu Ihrer Gesellschaft? Sie erkundigten sich nach einer zweispännigen Chaise?«

»Nein!« sagte Nabbem, »es gehören keine Herren zu unsrer Gesellschaft!« Zu diesen Worten warf er dem Pächter einen schlauen Wink zu und blinzelte über die Schulter weg die Gefangnen an.

»Wie, Ihr reist ganz allein?« sagte der Pächter.

»Ja, ganz gewiß,« antwortete Nabbem, »und ohne große Gefahr, dünkt mich, zu dieser Tagszeit, wo die Sonne am Himmel steht so groß wie ein Sechspfenningstück; denn größer als so hab ich sie in diesem Land noch nie gesehen.«

In diesem Augenblick sprang der untersetzte Fremde, dessen Erscheinung das Lob des Herrn Nabbem auf sich gezogen hatte, (er war nemlich selbst auch sehr untersetzt und röthlich,) und welcher bisher, im Gespräch mit den Beamten auf dem Bock, neben den Postpferden hergeritten war, plötzlich vom Pferde und im selben Augenblick hatte er die Postpferde angehalten, und den Postillion zu Boden gestreckt mittelst eines kurzen schweren Prügels, den er unter seinem Kittel hervorzog. Ein Pfeifen, wie ein verabredetes Zeichen, ward gehört und beantwortet; drei mit Knitteln bewaffnete Kerls sprangen hinter dem Zaun hervor; und in der Zwischenzeit stieg der vermeintliche Pächter ab, riß die Wagenthüre auf, faßte Herrn Nabbem beim Kragen und schleuderte ihn mit einer Behendigkeit zu Boden, welche mehr der kräuselartigen Rundung der Gestalt dieses Polizeimannes, als dem abgemessenen Ernste seines würdevollen Amtes angemessen war.

So rasch und blitzschnell diese That ausgeführt ward, ging sie doch nicht ohne Störung vorüber. Obgleich die Polizeibeamten von einem Befreiungsversuch am hellen Tage und auf offener Landstraße sich nicht hatten träumen lassen, so war doch ihr Beruf der Art, daß sie nicht leicht überraschen ließen. Die zwei Wärter auf dem Bock sprangen behend auf den Boden, aber ehe sie Zeit hatten, sich ihrer Feuergewehre zu bedienen, drangen zwei von den neuen Angreifern, die hinter den Hecken hervorgekommen, auf sie ein und balgten sich mit ihnen herum; während dieß Handgemenge stattfand, hatte der Pächter den niedergestreckten Nabbem entwaffnet, gab ihn dann den noch übrigen Genossen zu Bewachung und befreite dann Tomlinson und seinen Gefährten aus der Chaise.

»Bscht!« sagte er leise flüsternd, »verschweigt meinen Namen, meine Maske versteckt mich für jetzt; stützt Euch auf mich – nur durch die Hecke, dort wartet ein Fuhrwerk und Ihr seyd in Sicherheit.«

Unter diesen abgebrochenen Worten half er den Räubern, trotz ihren Fesseln, so gut er konnte durch dieselbe Stelle des Geheges, hinter dem die drei Verbündeten vorgesprungen waren. Sie waren bereits durch den Paß, nur die langen Beine des Ned Pepper baumelten noch hintendrein, als am äußersten Ende der ganz ebenen Straße der Wagen eines Gentleman sichtbar wurde. Eine kräftige Hand, auf der anderen Seite des Geheges, faßte Pepper und zog ihn hinüber, und Clifford – welchen der Leser längst in dem Pächter erkannt hat – gab, als er die herannahende Verstärkung wahrnahm, auf einmal mit lautem Geschrei das Zeichen zur Flucht. Der Räuber, welcher Herrn Nabbem bewacht hatte und kein anderer war, als der alte Sack, verlor, so bedächtlich er sonst war, keinen Augenblick, sich in Sicherheit zu bringen; ehe man sagen konnte: Laudamus! war er schon jenseits der Hecke; die zwei mit den Polizeibeamten beschäftigten Männer konnten nicht eben so schnell loskommen, aber Clifford warf sich in das Handgemenge, beschäftigte die beiden, und verschaffte so den Räubern Gelegenheit zu entfliehen. Sie drängten sich durch das Hag – die Beamten, zähe und kühne Gesellen, machten sich tapfer hinter ihnen her, bis der eine von Clifford niedergestreckt wurde, und der andere, gegen einen Baumstamm anrennend, gezwungen ward, seine Beute aufzugeben; er sprang nun auf die Straße zurück und rüstete sich mit Clifford anzubinden, der jedoch jetzt mehr auf die Flucht, als auf die Offensive bedacht war. Sobald indeß die andern Angreifer über dem Rubicon des Hags wären, fing auch ihre Flucht, so wie die der beiden Herren an, die vor ihnen denselben überschritten. Auf dieser geheimnißvollen Seite des Hags war ein Feldweg, der auf einmal durch eine dicht bewachsene, waldige Gegend führte, welche schleunige und vielfache Gelegenheit sich zu zerstreuen darbot. Hier erwartete ein leichtes Fuhrwerk, nach Art der Tandems von zwei raschen Pferden gezogen, die Flüchtlinge. Der lange Ned und Augustus wurden in den Bauch dieses Fuhrwerks gepackt, drei Gesellen feilten ihnen die Eisen los, und ein vierter, der bisher ruhmlos bei dem Karren verweilt hatte, schwang mit vieler Kunstfertigkeit die Peitsche über den Rennern. Die Equipage rasselte fort, und so ward eine Flucht ins Werk gesetzt, noch immer denkwürdig in den Annalen der Auserwählten und lange gepriesen, als eine der kecksten und waghalsigsten Taten, welche frevelhafter Unternehmungsgeist je ausführte.

Clifford und sein berittener Kamerade blieben allein auf dem Feld oder vielmehr der Straße zurück; jener sprang mit Einemmale auf sein Pferd und der andre folgte, nicht faul, seinem Beispiel. Aber der Polizeimann, dem, wie schon gesagt, sein Versuch die Flüchtlinge am Hag festzuhalten, mißlungen und der dann auf die Straße zurückgesprungen war, hatte indeß nicht gefeiert. Als er Clifford im Begriff sah, aufzusteigen, griff er, statt einen Versuch zu machen, den Feind zu greifen, nach der Pistole, die er im vorigen Handgemenge nicht hatte brauchen können, zielte scharf auf Clifford, in dem er bald den Führer des Angriffs erkannt hatte, und jagte dem Räuber eine Kugel in die rechte Seite in dem Augenblick, wo er seinem Pferde die Sporen eingesetzt hatte um zu fliehen. Clifford ließ das Haupt auf den Sattelbogen sinken, das Pferd sprang scheu auf; der Räuber suchte, trotz dem, daß ihm die Sinne schwanden, sich im Sattel zu behaupten – noch einmal erhob er das Haupt – noch einmal ermannte er seine erschlafften, schlotternden Glieder – dann sank er mit einem schwachen Seufzer zur Erde. Das Pferd machte nur noch Einen Sprung und dann blieb es getreu dem empfangenen Unterricht plötzlich stehen. Clifford stützte sich mit großer Mühe auf den einen Arm; mit der andern Hand zog er eine Pistole heraus, er richtete sie wohl bedächtig gegen den Polizeibeamten, der ihn verwundet hatte, der Mann stand regungslos, sich kauernd und wie vom Zauber gebannt, vor dem forschenden Auge des Räubers. Nur einen Augenblick hatte der Mensch Grund zur Flucht, denn Clifford, zwischen den Zähnen murmelnd: Warum es an Einem Feinde verschwenden? wandte die Mündung gegen den Kopf des arglosen Pferds, das sorglich und traurig sich zu ihm hinabzubeugen schien. »Du,« sagte er, »den ich gefüttert und geliebt habe, sollst nie von einem Andern rauhe Behandlung erfahren!« und mit mitleidiger Grausamkeit wälzte er sich um einen Schritt näher zu dem geliebten Thier hin, sprach ein wohlbekanntes Wort aus, welches das gelehrige Thier an seine Seite rief, setzte ihm die Mündung der Pistole nahe aus Ohr, drückte los und sank bewußtlos, sobald er es gethan, zurück. Das Thier taumelte und sank todt nieder.

Inzwischen hatte Cliffords Kamerade die Ueberraschung und den panischen Schrecken des Häschers benützt und war bereits außer Schußweite, er sprengte über die Heide und rasch verschwanden er und sein zottiger Renner.

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