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Paul Clifford

Edward Bulwer-Lytton: Paul Clifford - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
authorEdward Bulwer
titlePaul Clifford
publisherJ. B. Metzler'schen Buchhandlung
volumeErstes Bändchen
year1836
translatorGustav Pfizer
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20061009
projectidc716417b
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**** ******, Esq.

Vor einigen Jahren, mein lieber Freund, als Sie und ich noch mehr Poesie des Lebens im Herzen trugen, als, ich fürchte, beiden jezt noch geblieben ist, sezte ich Ihren Namen einem schwachen Bändchen von Gedichten vor, die gedruckt, aber nicht veröffentlicht wurden. Von den hundert Abdrücken dieser knabenhaften Unbesonnenheiten, welche das Kunstprodukt einer französischen Presse, von unglaublichen Drukfehlern und Versehen wimmelten, habe ich bis auf diesen Tag nicht mehr als zwei- oder dreiundzwanzig weggegeben. Ich widmete Ihnen damals ein Buch, das nur durch die Hände von Freunden gehen sollte, in der stillschweigenden Voraussetzung, daß sie gleicherweise bereitwillig zum Entschuldigen und geneigt zum Loben seyn würden. Jetzt widme ich Ihnen ein Buch, das im Augenblik, da ich es aus der Hand gebe, in die Hände von Lesern fällt, von welchen selbst die mir Gutgesinnten zu lau sind, um zu loben, und die mir Abholden im Voraus zu tadeln entschlossen; und wo Jeder, voll grausamer Gerechtigkeit, es für billig erachtet, durchgängig treffliche Leistungen vom Schriftsteller zu erwarten und ihm nirgends Nachsicht zu gewähren. Dies ist das natürliche, hergebrachte Schiksal der Veröffentlichung; es versteht sich, daß auch ich, wie alle welche sich dazu entschließen, auf diese Bedingungen mich gefaßt halte. Aber ehe ich wieder vor einem Publikum erscheine, das nur um so strenger in seinem Urtheil und vielleicht auch um so verduzter ist, als ich in diesem Buche seinen Meinungen Troz biete, lassen Sie mich einige Minuten hinter der Scene hinbringen und mich durch freundschaftliche Zwiesprache mit Ihnen ermuthigen. Es schmerzt mich, mein lieber ******, wenn ich denke, daß ich meine Blätter nicht mit Ihrem Namen schmücken darf; denn es ist mir wohl bewußt, daß wenn nach Jahren sich Ihren Talenten die schickliche Bahn eröffnet hat, dieser Name dann nicht leicht ins Gewicht fallen wird, wo man immer Rechtlichkeit und Wahrheit, die Einsicht, welche das Gute erkennt, und den Muth, der es ausübt, als achtungswerthe Eigenschaften betrachtet. Aber bei Ihren gegenwärtigen Bestrebungen dürfte es für Sie kaum von Werth seyn, von einem Romanschreiber gerühmt und in der Zueignung einer Novelle genannt zu werden. Auch würden es Ihre Freunde nicht eben gern sehen, wenn Sie auf eine so prunkend feierliche Art einem Buche die Weihe ertheilen wollten, das Sie, den Wünschen und Hoffnungen jener Männer zufolge, nie auch nur zu lesen sich Muße gewinnen sollten.

Vier Jahre sind verflossen, seit ich Ihnen die schon erwähnten Gedichte widmete; sie haben an uns beiden nicht unbeträchtliche Veränderungen herbeigeführt. Wir sind nicht mehr die keken Springinsfelde, die nach Lust und Laune umherschweiften und nach unsern Wünschen Abenteuer aufsuchten. Wir fühlen, wenn wir auch dieß Bewußtseyn in dem stummen Herzen verschließen, daß das Leben rauhere und dornenvollere Pfade hat, als wir uns vorstellten, und wir betrachten die Wege auf unsrer Pilgerfahrt nicht mehr mit dem frohmüthigen oder flüchtig hingleitenden Blick sorglos heiterer Wanderer, sondern mit dem müden gedankenvollen Auge des umgetriebenen Geschäftsmanns. Sie haben den gewiß ehrenvollen, aber etwas unfruchtbaren Arbeiten der Gerichtsschranken sich hingegeben: und ich – ein bloßer Betrachter von anderer Leute Glück und AbenteuernBurton – ich ziehe aus dem Gelärme der regsamen Welt eine so harmlose Beobachtung, wie Sie solche, wenn Sie eine kleine Weile in meinem Gemüthe gelegen hat, in gewissen mäßigen und sehr unschuldigen Novellen wieder zu Tage gefördert finden. Nicht minder innig jedoch häng ich meinem alten Glauben an: daß Erfahrung die einzige Waare ist, welche nie ermangelt, uns unsere Auslagen dafür zehnfältig zu ersehen, und daß wir keine bessere und zuverläßigere Führer durch die Irrgänge dieses Lebens, welche wir nicht nur Einmal, sondern wiederholt zu durchwandern haben, finden können, als den Irrthum ober das Vorurtheil, oder die Reue, die wir bei jedem Lebensabsatz als Merkzeichen auf unserm Wege hinter uns lassen.

Wenn Sie diese drei Bände erhalten, gedruckt und mit Zetteln behängt und broschirt – in all der unbeschnittenen Stutzerhaftigkeit der letzten allerneusten Novelle: so kann ich mir ganz genau das halb lächelnde, halb stirnrunzelnde Gesicht vorstellen, womit Sie dieselben begrüßen, und den freundschaftlichen Muthwillen, womit Sie dieselben verdammen und denken: »Wie Schade ist es, daß – – noch immer nichts als Romane schreibt!« Ist es wirklich Schade, mein lieber Freund? Sind Sie dessen gewiß, daß ich, wenn ich etwas Anderes schriebe, etwas Besseres schreiben würde? Ich lege mir selbst oft diese Frage vor, und wenn ich sie zu meiner Zufriedenheit zu bejahen wüßte, wäre dieß Buch ungeschrieben blieben. Aber fassen wir einmal die Sache genau ins Auge; was soll ich denn Anderes schreiben? Da ist einmal obenan die Poesie! – Werden Sie, wird irgend Jemand epische Gedichte oder Sonnete – Märchen oder Satiren, Tragödien oder Epigramme lesen? Wie groß auch die Mannigfaltigkeit seyn mag – verwerfen Sie nicht auf einmal die ganze Gattung? Und würden Sie es nicht für minder ermüdend und dabei nützlicher halten, drei Bände zu durchlaufen, als über einer einzigen Stanze zu gähnen? Die Zeit – die allgemeine Meinung widersagt der Poesie; und in der literarischen Welt wie in der fysischen kann auch der keckste Abenteurer über Zeit und Stunde sich schwerlich wegsetzen. Verbannen wir also die Poesie aus der Sfäre der Wahl, – und mein Wunsch geht, weil mir noch immer die ganze Zärtlichkeit und Weichheit der ersten Liebe inwohnt, dahin: Sie möchten selbst mich von dieser Ansicht abzubringen versuchen; – sollen wir uns zur Filosofie wenden? Soll ich über die Seele schreiben, oder Forschungen über die Sinne anstellen? – Ach, zu welchem Zwecke? Man kann die Nachfrage nach Schriften über die praktische Filosofie daraus abnehmen, wenn man erwägt: daß die Werke von Hobbes nicht vollständig gedruckt sind, und die Analysis von Mills keine Beurtheilung fand. Ich gestehe Ihnen frei: für mich trägt das Schreiben schon seinen Lohn in sich selbst; wenn ich schreiben soll, muß ich immer auch Aussicht haben, gelesen zu werden. Politik, Versuche, Reisebeschreibungen, Biografie, Geschichte, – sind dieß Gegenstände, von welchen man mit größerer Wahrscheinlichkeit einen ehrenvollen Namen von ewiger Dauer zu erwarten hat, als von der Abfassung von Novellen? Ich sollte kaum denken. Sehen wir uns einmal um! Welche Ermunterung lockt uns zu einem von diesen Gegenständen? Sind nicht die Schriften in diesen Gebieten weit mehr die Efemeren der Literatur als die erdichtenden Erzählungen?Auch ist dieß nicht, wie es auf den ersten Blick scheinen könnte, der Fehlerhaftigkeit oder Geringfügigkeit dieser Schriften selbst zuzuschreiben. Während man das Skizzenbuch auf der Toilette jeder jungen Dame trifft und Bracebridge Hall noch in jeder Lesegesellschaft auf dem Land eifrigst gesucht wird: sind das Leben des Columbus, ein schon um der glücklichen Wahl des Stoffs willen unschätzbares Buch, und die Kriege von Granada, kaum minder werthvoll, wegen des so prachtvoll behandelten Gegenstands und der lebendigen Darstellung, das eine schon halb in Vergessenheit versunken und das andere steht unberührt mit unaufgeschnittenen Blättern im Bücherständer. Man vergleiche das augenblickliche Aufsehen, das durch das erste Erscheinen von Lord Klings: Leben Locke's erregt wurde, mit dem nachhaltigen und dauernden Eindruck, der es, erfüllt von dem Schatz von Locke's Gedanken und Aeußerungen im Kreise des häuslichen Lebens, vor zwanzig Jahren hätte hervorbringen müssen: Godwin's Geschichte der Republik, eine der mannhaftesten und unpartheilichsten Schriften, die je geschrieben wurde, lebt weniger im Gedächtniß der Welt als seine Almacks; und Cyril Thornton, vor etwa vier Jahren erschienen, steht in frischerer Blüthe des Ruhms als die vortreffliche Geschichte desselben Verfassers, die erst ganz neuerlich herauskam. Zwar bei einem spätern Geschlecht kann eine Reaction eintreten; die schlaftrunknen Oktavbände können sich dann aus ihrem unzeitigen Zauberschlaf ermuntern und wiederbelebte Quartanten ihre Betten aufnehmen und wandeln. Aber vor der Hand, da die Leute eben so gut denken, als fühlen, und die Gegenwart ihnen Gegenstand ihrer Ehrfurcht und Hochachtung ist, wie die Zukunft es ihren träumerischeren Vorfahren war, ist der Ruhm, der erst jenseits des Grabs beginnt, für Alle außer für die Dichter, eine sehr kalte und machtlose Triebfeder geworden.

Ueberlebt die Biografie, oder der filosofische Versuch, oder die Abhandlung auch nur das Jahr, über welches wenigstens die Novelle hinausreicht? Und wenn solche Schriften den Roman nicht an Dauer übertreffen, so können sie sich, wie Sie mir zugeben werden, an allgemeinem Beifall gar nicht mit ihm messen. Der literarische Müßiggänger, der sie vom Buchhändler bekommt, schickt sie wieder zurück und wartet deren Beurtheilung im Quarterly-Rewiew ab; und der Freund, der Hausgenosse, dem Sie ein Geschenk damit machen, geht Ihnen Zeitlebens aus dem Wege, damit Sie ihn nicht um seine Meinung darüber fragen können. Sie sehen, mein lieber ******, ich habe die Sache vom umfassendsten Gesichtspunkt aus erwogen. Ich hätte die Frage auf Einmal abschneiden, ich hätte, statt eine Erörterung zu veranlassen, durch Auseinandersetzung des Unpassenden an solchen Bestrebungen, mich mit einer leichten Anspielung auf die Unfähigkeit meiner Person begnügen, und ausrufen können: Poesie! Ich bin ein Poetaster und kein Poet. Filosofie! Ich bin ein lernender Jünger und kein Entdecker. Versuche! Ich habe die Welt schon mit solchen im »Devereur« und im »Verstoßenen« ermüdet. Reisen! Wo, o wo hab ich Reisen gemacht? Aber, wir leben nicht in dem Zeitalter, wo die Menschen so unerfinderisch in Beweggründen wären, daß sie einen Mangel an Geist oder Armuth an Kenntnissen eingeständen, und folglich bitte auch ich Sie, zu glauben, daß ich Romane schreibe, nicht, weil ich sonst nichts zu schreiben vermag, sondern weil Romane das beste sind, was man irgend schreiben kann.

Wir leben in einer für die Literatur verhängnißvollen, drohenden Zeit. In Büchern, wie in andern Manufakturen, scheint das große Ziel: Abkürzung der Arbeit, zu seyn. Das leichteste Werk ist das angenehmste. Die Leute wollen ihren Zeitaufwand immer durch einen augenblicklichen Ertrag von Kenntnissen vergütet sehen; und der gesunde und schöne Gewinn, der langsam kommt aber nachhaltig bleibt, heißt ihnen in der Literatur abgeschmackt, und in der Politik eine unnütze Träumerei. Dieser unruhige und doch faule Hang der Gemüther, der jetzt so allgemein ist, hat eine ausländische, buntscheckige Art von Literatur, die früher in unserem Lande wenig gekannt und beliebt war, auf die Bahn gebracht. Beiseite legt man die tiefen Forschungen und wirft sich auf populäre Darstellungen: wir verlassen unsern alten Weg durch fleißig gearbeitete Geschichtswerke, um uns in die Fluth unterhaltender Memoiren zu werfen. Wenn in diesem Punkte, unsrem nächsten Hauptzweck in der Literatur, irgend eine Classe von Schriften es allen andern in Popularität und Achtung zuvorgethan hat, so ist es der Roman. Die Leser suchen jezt in erdichteten Erzählungen nach Thatsachen; wie Voltaire mit seiner witzigen Filosofie unter Thatsachen nach Erdichtungen sich umsah. Ich sage nicht: der Roman habe durch sein wachsendes Verdienst seinen wachsenden Ruf verdient; im Gegentheil: ich meine, obgleich unser Styl weniger breit seyn mag als im vergangenen Jahrhundert, so seyen doch unsre Gedanken matter und unsre Erfindung minder kräftig.Bei Allem was ich über den Roman sage, wird man mir natürlich zutrauen, daß ich die Dichtungen von Sir Walter Scott nicht mit einbegreife. Auch muß ich eine Ausnahme mit den Novellen von Zweien seiner Landsleute machen; ich meine den feinen und körnigten Humor von Lawrie Todd und die leidenschaftliche Keckheit von Adam Blair. Wie dem auch sey: die Mode in der Literatur, wovon ich spreche, hat über den Trümmern von vielem Großen und Edeln, dem guten Kopf vom zweitem Rang und der mittelmäßigen Einsicht Bahnen eröffnet, die ihnen früher verschlossen waren. Und ich meines Orts, wenn ich als Mitglied des Publikums verloren habe, gewinne als Individuum mehr als verhältnißmäßig. Ich bin mir bewußt, eben dasjenige Maß von Gelehrsamkeit, oder Beobachtung, oder Scharfsinn, kurz von Talenten irgend einer Art zu besitzen, welches mir es möglich macht, daß ich in einer leichten Dichtung diese und jene ergötzliche, vielleicht selbst nützliche Wahrheiten aufgable; während weder meine Gelehrsamkeit, noch meine Beobachtung, noch mein Scharfsinn oder irgend ein Talent muthmaßlicherweise hinreichen würden, mir einen auch nur vorübergehenden Anspruch auf einen Namen durch ein ernsteres und tiefer gehendes Werk zu erringen. Zudem bilde ich mir in Verdauungsstunden, wenn eine gewisse Selbstzufriedenheit ihre anmuthige Wärme über die Seele verbreitet – ich bilde mir dann ein, zufälligerweise eine nicht so ganz ausgebeutete Ader angeschlagen zu haben, daß ich mit meinen nächsten Zeitgenossen den Besitz theilen müßte; denn der filosofische Roman in irgend welcher Gestalt ist dermalen nicht nur wenig bearbeitet, sondern diejenigen, welche den wenig verheißenden Boden aufwühlen, sind in der That ganz ernste und lehrhafte Schriftsteller. So der liebenswürdige mit allen Vorzügen geschmükte Verfasser von De Vere, oder der sinnige Schöpfer von St. Leon und Maudeville, auf dessen Styl man die schon auf Tertullian, aber zu schmeichelhaft bezogene Bezeichnung anwenden darf: daß er sey wie Ebenholz, dunkel und glänzend. Die Novelle, welche das Komische und gelegentlich auch das Dramatische mit der Betrachtung und Erörterung verbindet, diese ist es, welche mit Ausnahme des Devereux, ich mir als das meinen Bestrebungen abgesteckte Gebiet herausgefunden habe und indem ich den Wettstreit mit den ausgezeichneten, eben genannten Schriftstellern vermied, lenkte ich ganz unabhängig mein Augenmerk auf die Klugheit und gewann vielleicht selbst einige Neuheit.

Sie werden bemerken, daß ich auf die Worte: nächste Zeitgenossen einen Nachdruk gelegt habe, denn ich täusche mich nicht selbst mit der Einbildung, etwas im mindesten Neues aufgebracht zu haben; ich habe mich nur bemüht, etwas wieder ins Leben zu rufen, was ein wenig außer Augen gesetzt worden war, und wenn meine Bücher einiges Glück gemacht haben, so ist dieß der Trefflichkeit der Schule zuzuschreiben, trotz den Fehlern des Schülers. Die Verbindung des filosofischen Romans mit dem komischen ist in der That längst durch zwei große Schriftsteller in einer Vollendung durchgeführt worden, der, ich gesteh' es, kaum irgend ein glüklicher Schriftsteller auch nur von weitem sich nähern dürfte. Der erste und bei weitem gröste von diesen (ich rede von Fielding) erscheint als ein Mann, dem, bei allgemeinem Ruf, doch nie volle Schätzung zu Theil wurde. Mir erscheint er nicht nur als Romandichter unvergleichlich, sondern auch als einer der gesundesten Denker und tiefsten, gründlichsten Moralisten, die je einem Land Ehre und der Menschheit Belehrung gebracht haben. Der zweite, Dr. Moore, hat dieß merkwürdige Verdienst: er hat uns an ihm zwei Sünden vergessen machen, die bei jedem andern Schriftsteller eine unverzeihliche Schuld begründet hätten: – im Styl nämlich ein widriges Haschen nach Gallicismen und in der Moral eine geheime Neigung, lieber den schon ganz fertigen Gedanken einzuführen, als aus dem rohen Stoff allmälig herauszuschaffen. Diesen Zweien kann Miß Edgeworth beigezählt werden, die fehlerfreiste, wenn nicht die glänzendste unter allen Romanschreibern jetziger und vergangner Zeit. Ich rechne sie nicht zu den nächsten Zeitgenossen, theils weil sie sich ganz von diesem Gebiet scheint zurückgezogen zu haben, und theils weil diejenige gediegene und ruhige Beurtheilung schon über ihre lieblichen und nützlichen Erzählungen ergangen ist, die gewöhnlich sonst der Entscheidung der Nachwelt vorbehalten bleibt. Obwol ich also nur mit den Ansprüchen auf das Verdienst des Erneurers, nicht des Schöpfers, des Auffrischers von alten Gemälden und nicht des Künstlers, auftreten kann: so bin ich doch sehr weit von der Gewißheit entfernt, in einem andern Zweige der Literatur auch nur so viel erreichen zu können; und so empfangen Sie denn eine vierte Novelle von meiner Feder, obwohl Ihre mich überschätzende Freundschaft vorgezogen hätte, einen Versuch im Gebiete der politischen Moral oder der Geschichte von mir zu sehen. Geschichte! es liegt, Alles zusammengenommen und ungeachtet aller niederschlagenden Umstände, für jeden, der sich mit Studien beschäftigt, für jeden Mann, der in seinen gelehrten Beschäftigungen oder in akademischen Erinnerungen lebt, ein wundervoller Reiz in diesem Worte und vielleicht habe ich selbst, meinem eignen Urtheil und den Warnungen rings um mich her zum Trotz, bereits den Embryo eines Entwurfs in meinem Innern, der sich auf dieses edelste und am wenigsten ausgebeutete Feld geistiger Forschung bezieht, und der nach Jahren Ihnen enthüllt werden und ins Leben treten soll. Aber dieß ist keine Sache, die man leichtsinnig anfassen, oder ehe sie im Geiste gezeitigt, anrühren darf; und wie viele Zufälligkeiten können in den Weg kommen, um die Ausführung eines solchen Plans ganz zu vereiteln, wie viele Zufälligkeiten können, im besten Falle, sie bis auf das mattere Alter hinausschieben, wo die Kräfte durch lange Gewöhnung an die Kämpfe und Widerwärtigkeiten des Lebens erschlafft sind. Oft wenn wir in der Blüte der Jugend und Mannhaftigkeit an unsrem höchsten Triumf zu arbeiten wähnen, verschwenden wir unsre Kräfte nur an einen letzten Fehlwurf. Inzwischen, wenn ich vor der Hand nur auf wenig Gewinn rechnen darf, kann mich auch nur geringer Verlust treffen; ich setzte nicht mein ganzes Herz auf den Erfolg von Bestrebungen, die, wie ich mit meinen Feinden bekenne, (denn Feinde haben ist das allgemeine Schicksal in der Literatur, dem auch die allergewöhnlichsten Schriftsteller nicht entgehen) unbedeutend und schwach sind; ich lasse mich durch das Lob dieses Mannes nicht so aufblähen, durch den Tadel von jenem nicht so niederschlagen, daß ich des ruhigen Gleichgewichts des Geistes verlustig gienge, oder den kleinen anmuthigen Kreis überschritte, in welchen die Vernunft – eine Zauberin, wenn sie ihr Reich beschränkt, eine Betrügerin, wenn sie es ausdehnt, – Andern sich einzudrängen verwehrt. Auch glaube ich nicht, daß für Einen, der sich eine strenge und ernste Geistesthätigkeit angewöhnt hat, das Schreiben von Büchern, wenn sie nur nicht Poesie oder abstrakte Wissenschaften find, mit einem so völligen, alles Andre verschlingenden Zeitaufwand verbunden ist, wie man sich gewöhnlich einbildet. Für Alle, nur nicht für den Müßiggänger, hat das Leben Stunden genug, und was mich selbst betrifft: läge es nicht in meiner Lebensgewohnheit, ernstere Gegenstände als Studium zu betreiben, so hätte ich es mir auch nie dürfen in den Sinn kommen lassen, Novellen zu schreiben – zur Erholung. Glauben Sie jedoch nicht, nach dem was ich sage, ich wolle mein ganzes Leben über Novellen schreiben; ich entschuldige was ich that und was ich thue; ich mache keine Vorrede zu dem was noch geschehen soll.

Nun hab' ich, mein theurer Freund, alles gesagt, worauf ich mich zur Entschuldigung der Art meiner Werke berufen kann. Ich will mich nicht gegen Sie oder durch Sie gegen meinen Leser wegen meiner Selbstgefälligkeit und Weitschweifigkeit rechtfertigen. Für alle Schriftsteller ist die Zueignung ein unangefochtener und freier Boden; allen Lesern ist eine nicht minder anerkannte Freiheit bewilligt: die nemlich, so schnell als sie immer mögen, darüber wegzugehen. Ich habe mich gegen Sie mit einer Freimüthigkeit ausgesprochen, bei der ich ganz vergessen, daß die Zeilen, die ich Ihnen hier schreibe, in die entfremdeten Charaktere der Druckerpresse übergehen werden; und wenn ich mich in allgemeinen Aeußerungen, oder in solchen, die meine Person angehen, etwas zu breit herausgelassen habe, so muß ich den Fehler dadurch gut machen, daß ich über das vorliegende Werk mich so kurz als möglich fasse.

Für die ursprüngliche Idee zu Paul Clifford bin ich einem Herrn verpflichtet, der einen ausgezeichneten Namen in der Literatur hat, und dessen Güte gegen mich zu meinen wohlthuendsten Erinnerungen gehört. Diese Idee würde, wenn das Buch kürzer geworden wäre, das Ganze durchdrungen haben; so wie es jezt ist, findet man sie in denjenigen Partien dargestellt, welche, wie ich glaube, die beliebtesten in diesem Buche seyn werden. So die Scene bei Gentleman George, die Skizze von Bachelor Bill u. s. w. Da das Beispiel belehrender ist als die Erörterung, beziehe ich mich lieber auf diese Stellen, um ins Licht zu sezen, was ich von meinem Freunde überkam, als daß ich versuchen sollte, es hier zu entwickeln und im Einzelnen zu verfolgen. Um gegen meinen Freund gerecht zu seyn, muß ich beifügen, erstlich, daß ich mir wohl bewußt bin, einen meines Bedünkens ausgezeichnet glücklich erfundenen Gedanken durchaus nicht in vollkommen entsprechender Form dargestellt zu haben; und fürs zweite, daß, weil ich seine Idee mehr nur als Stütze und Beiwerk für meine Geschichte denn als Kern und Basis des Ganzen benutzt habe, alle Fehler der Verwicklung und alle Mängel der Erfindung, auf die man im Verlauf und in der endlichen Lösung meiner Erzählung stößt, ganz und einzig mir zur Last fallen.Auch muß ich hinzusezen, daß ich allein für die Persönlichkeit einiger Carrikaturen in den vorliegenden Scenen verantwortlich bin; Alles was mein Freund beitrug war: die satirische Uebertragung von lebenden Personen in erdichtete Charaktere von dem Stand und Gewerbe, deren Zierde ein Old Bags, ein Long Ned sind; für die Wahl gerade dieser Personen ist die Verantwortung durchaus nicht sein. Ich berühre dieß, weil es nicht anders als billig ist, daß ich einen möglichen Anstoß auf mich nehme; obgleich die Derbheit und augenscheinliche Gutmüthigkeit in den fraglichen Carrikaturen, die so Gezeichneten selbst, ich wage dieß vorherzusagen, zuerst und vielleicht Sie allein – über die übertriebene Aehnlichkeit wird zu lachen machen. Es wäre zu wünschen, daß mein Freund selbst unter wichtigeren Arbeiten die Muße gefunden hätte, seine Idee zu verkörpern, oder daß er, indem er mir die Leinwand gab, mir auch seine Geschicklichkeit in Führung des Pinsels und Mischung der Farben und seine Schöpferkraft hätte mittheilen können.

Kaum vermag ich zu errathen, was Sie, der Sie so streng und ekel auf die Zierlichkeit der Sprache halten, von den etwas gemeinen Reizen denken werden, womit der größere Theil meines ersten Bandes ausgestattet ist. Ich muß gestehen, ich habe mich in diesem Punkt gegen jeden Tadel gepanzert; denn abgesehen von einer geheimen Beimischung von Ironie in der Sprache, wovon es sich hier handelt,Man muß sich auch erinnern, daß dieser Dialekt nicht gleichbedeutend ist mit der Verdorbenheit ungefüger Provinzialismen. Die Sprache der Diebe oder der gemeinen Londoner (eine Unterscheidung fürchte ich, ohne einen eigentlichen Unterschied!) ist vielleicht eine der ausdrucksvollsten, ja vielleicht eine der metafysischsten von der Welt. Welche tiefe Filosofie z. V. liegt in dem Ausdruck: Palmenöl, was Geld bedeutet. ich will einmal einen Versuch wagen, der in Schottland und Irland glücklich durchgesetzt wurde, obwohl er in jetziger Zeit in England noch nicht gemacht wurde: die getreue und eigenthümliche Redeweise von gewissen Menschenklassen wiederzugeben, welche Lesern jedes Standes, wenn sie nur geistige Beweglichkeit besitzen, weit mehr Theilnahme einflößen und lebhaftere Unterhaltung gewähren müßen als abgedroschne Schilderungen der mattherzigen Erbärmlichkeiten eines Prunkzimmers, oder die leblosen Gemälde von Originalen, deren Ruhm eigentlich darin besteht: kaum lebendig zu seyn.Der Uebersetzer setzt hier bei, was jeder Leser sich selbst sagen wird, daß die Übersetzung darauf verzichten muß, die Eigenthümlichkeiten der Sprache wieder zu geben. Wie sollte das Schottische im Deutschen gegeben werden? etwa schwäbisch? Aber dann ersähen die Leser doch nur wie das Schwäbische, aber nicht wie das Schottische lautet. Man hat sich daher begnügt, um das Gemeine anzudeuten, aus scharfen Buchstaben stumpfe zu machen u. dergl.
Anmerkung des Verfassers.

In einigen feindseligen und ziemlich persönlichen, aber geistreichen Bemerkungen gegen mich in einem neuen periodischen Werke, wird die Behauptung aufgestellt: Leute, die in guter Gesellschaft leben, verstehen nicht filosofisch, ja, so scheine es, überhaupt nicht gut zu schreiben. Ich setze natürlich voraus, der Critiker rede von solchen, die nur in guter Gesellschaft leben; und obgleich die Bemerkung unrichtig ist, wie es denn sich merkwürdigerweise trifft, daß die meisten filosofischen Prosaiker, namentlich in England, Männer von Stande waren, und wie es sich von selbst ergab, den grösten Theil ihres Lebens unter ihren Standesgenossen zubrachten; so will ich mich doch mit der Erklärung begnügen: daß die Bemerkung, wahr oder falsch, in diesem Falle keineswegs mich betrifft, der ich wohl eben so viel mit den niedrigsten Ständen als mit andern verkehrt habe und der ich die sogenannte Welt kaum betrete. Beiläufig, da der gemeldete Critiker sich in dem sehr witzigen Einfalle, mich als den Schriftsteller und Helden meines Buchs (Pelham) in Einer Person anzusehen, gefallen hat, so veranlaßt mich dieß zu einigen Worten über diesen Gegenstand. Ein Jahr ehe Pelham erschien, gab ich Falkland heraus, dessen Held ganz und gar jener düstern, schwärmerischen, nebelhaften Classe angehört; kurz: Sir Reginald Glanville – noch überboten und übertroffen. Der Schwarm der Allerweltswisser, die Wir sagen und sich Critiker nennen, erklärte: Falkland sey offenbar eine Selbstschilderung des Autors. Im folgenden Jahr erschien Pelham, der moralische Antipode von Falkland, und derselbe Schwarm behauptete genau dasselbe von Pelham. Werden sie sich herablassen diesen Widerspruch auszugleichen? die Wahrheit ist, daß sobald einem Helden eine hervorragende und wesenhafte Persönlichkeit gegeben wird, und, wohlgemerkt, der Held nicht als auffallend trefflich geschildert wird, (Niemand hat noch gesagt, ich gleiche Mordaunt!) dann der Held und der Autor dieselbe Person seyn müssen. Dieß ist der eine Grund, warum die Helden heutzutage zu so armen Geschöpfen heruntergesunken sind. Die Autoren, ein friedliebendes, harmloses Volk, sehen sich nicht gern persönlich mit ihren eignen Schöpfungen vermischt. Ich für meinen Theil, obgleich ich eine besondere Ursache haben mag, mich über eine solche Uebertragung zu beschweren, da ich nie zwei Helden Worte als Bezeichnungen desselben Gegenstandes,) für manches ziemlich harte Wort und manchen derben Hieb gegen mich selbst – biete ich keine Entschuldigung: meine Rache liegt im Geiste der englischen Kampfführung; Schläge in einem Augenblick, und gute Laune im nächsten. Was die Schottländer betrifft, so bin ich noch nicht ganz sicher, ob es ihnen bis jetzt gelungen ist, die in der Tiefe meines Herzens lauschende Zuneigung, die ich einst gegen sie hegte, zu verdrängen. Es ist nicht so leicht, im Ernste sich mit dem Lande zu verfeinden, wie scharf man auch spottend gegen es zu Felde zieht, das Burns, Scott und Campbell erzeugte; ein Land zudem, mit welchem man gern in Verkehr steht und dessen Sohn der ausgezeichnete Freund ist, dessen ich in diesem Brief erwähnte. Ich erwiedere nur, vor der Hand ziemlich mild, die Streiche, welche sie zuerst gegen mich geführt haben; ich weiß, was ich als Erwiederung hierauf zu erwarten habe und werde schwerlich Der seyn, der zuerst ruft:

Halt! Genug!

Für manche gelegenheitliche Rache, an Critikern, Feinden, oder Schottländern ausgeübt, (bei mir erwiesen sich meist diese drei über Einen Leisten zugeschnitten, sondern jeden, Falkland, Pelham, Mordaunt, Devereux, als ein von den andern ganz verschiedenes Wesen dargestellt habe;– ich bin es doch vollkommen zufrieden, falls es den guten Leuten das geringste Vergnügen macht, daß meine Critiker mich mit Pelham zusammenwerfen. Ja, wenn Pelham überhaupt das ist, was er seyn soll: nemlich, eine lebendige Satire auf die übertriebenen, menschenfeindlichen Romane des Tags – ein ächt menschliches Wesen, dessen wahrhaft gute Eigenschaften die krankhafte Sentimentalität mit blauen Himmeln und offener Brust, die schwermüthigen Geckereien und interessanten Schurkenstreiche beschämen; wenn er überhaupt ein solcher ist: dann bin ich außerordentlich stolz, mit ihm verwechselt zu werden. Denn obgleich er allerdings ein Mann ist, der sich badet und säuberlich lebt, (die zwei Hauptvorwürfe, welche von den großen Ungewaschenen gegen ihn vorgebracht werden) ist er doch auch tapfer, edelmüthig, gerecht; ein treuer Freund, ein thätiger Bürger, in seiner Pflichterfüllung tadellos, in seinen Grundsätzen unerschütterlich! Wie? ist dieß mein Bild, mein Facsimile, Ihr Herren? Auf mein Wort, ich bin Ihnen unendlich verbunden. Bitte, fahren Sie fort! Ich möchte Sie um Alles nicht unterbrechen.

Aber (ich spreche ohne Leidenschaft), unsre guten Mitunterthanen auf dem andern Ufer des Tweed haben eine kleine ungefällige Schwäche, die sie weit weniger liebenswürdig macht, als sie ohne jene seyn würden: sie verlieren ihre Gemüthsruhe, sobald ein Engländer irgend einen Vortheil erringt; sie werden ganz widersinnig-zornig, wenn wir einen noch so kleinen Namen, ein noch so kleines Vermögen in unsrem Lande gewinnen; sie scheinen sich einzubilden, Gott der Allmächtige habe ihnen ein Geschenk mit England gemacht, um damit anzufangen, was ihnen beliebt, und jeder Engländer, der ihr Monopol antaste, begehe einen Frevel der schlimmsten Art. Wenn wir den allerunbedeutendsten Schritt thun, so dürfen wir gewiß versichert seyn, darüber gescholten zu werden; aber ich denke mir, bei näherer Untersuchung würde sich herausstellen, daß neunmal unter zehen der Tadel in breitem Schottisch sich ergießt! Man hat es diesem Buch zum Vorwurf gemacht, daß der Styl des ersten Bandes von dem des zweiten und dritten verschieden ist; diese Verschiedenheit war mir beim Niederschreiben dieses Buchs ein Hauptaugenmerk. Scenen im Leben, die einen wesentlichen Contrast bilden, scheinen auch eine dem Contrast gemäße Sprache zu erheischen, und ich kann nicht umhin, es für einen der grösten und gewöhnlichsten Fehler in der Dichtung zu halten, wenn man alle Begebenheiten und all die wechselnden Auftritte in einförmiger, sich nie senkender und hebender Sprache erzählt und schildert.

Im Helden der Geschichte wird ein Individuum von einer Menschenklasse zu zeichnen gesucht, deren das Land jetzt glücklicherweise entledigt ist, aber die mir so viele ächte, für den Roman, besonders in seiner Komik und Naturwahrheit taugliche Züge gehabt zu haben scheint, als die fremden Carbonari und die ausländischen Piraten, welche englische Schriftsteller, Jagd auf herzgewinnende Verbrecher machend, so gerne in ihren Büchern aufführten. Ich für meinen Theil will einen englischen Landstraßenritter, wie er verlarvt, bewaffnet und beritten über die Hundslow-Heide trabt, mit dem stattlichsten Bösewicht, den je das Festland hervorbrachte, sich messen lassen.

Zum Schluß will ich noch hinzufügen, daß ich mich bemüht habe, mich vor den Fehlern meiner frühern Werke zu hüten. Vielleicht wird man finden, daß die Geschichte besser durchgeführt und das Interesse gleichmäßiger aufrecht erhalten wird, als in meinen andern Schriften. Ich habe den Wunsch des Recluse, belehrend seyn zu wollen, überlebt und habe gleicherweise den Moralton und die Abschweifung vermieden, mit Einem Wort, ich habe mir mehr Mühe gegeben als in meinen zwei letzten Büchern, eine ziemlich unterhaltende Novelle zu schreiben. Nur Eine Episode von Belang habe ich zugelassen – die Geschichte des Augustus Tomlinson; und ich habe mir diese Ausnahme nur gestattet, weil diese Geschichte, wenn man auf Moral und die Abzweckung des Ganzen steht, keine Episode ist, wenn gleich sie im Verlauf der Erzählung als solche erscheint.

Und nun, mein lieber Freund, ist es hohe Zeit, einen selbst für Ihre Geduld bereits zu langen Brief zu schließen. Was auch immer das Schicksal dieses Buchs und seiner Vorgänger seyn mag; ob sie aufgeflattert seyn mögen, wie die von der sicilischen Quelle angezündeten Insekten – in Einem Augenblick belebt und im nächsten getödtet; oder ob, trotz tausend Fehlern, die Niemand besser als ich selbst an ihnen entdecken kann, vielleicht Etwas, das eine nicht gedankenlose noch unehrerbietige Achtsamkeit auf die Mannigfaltigkeit und die Spiele der Natur, und eine liebevolle Zärtlichkeit gegen ihre Erzeugnisse, verkündigt, ihnen in der Neigung der Welt ihr Daseyn noch um eine kleine Weile über den kurzen Zeitraum hinaus fristet, der ihnen die Geburt gab. Einen Dank habe ich mir wenigstens gesichert! ich habe diese Novelle, die, so möchte ich gerne glauben, nicht als meine schlechteste wird betrachtet werden, und die möglicherweise meine letzte bleiben dürfte, mit solchen Erinnerungen verwoben, welche ihren Untergang überleben, oder ihren Erfolg mir noch theurer machen.

Adieu mein lieber ******

Ich wünsche Ihnen Gesundheit und Glück, und versichere Sie meiner zärtlichsten Freundschaft.

Hertfort-Street, April 1830.

E.L.B.

Anmerkung. Man findet in diesen Blättern ein- oder zweimal Bemerkungen oder Anspielungen auf Moore's Leben Byron's. Seit sie niedergeschrieben wurden, ist der Gegenstand etwas abgedroschen worden, und die hier ausgesprochenen Ansichten hat man mir gewissermaßen vorweggenommen. Zur Zeit der Abfassung jedoch waren sie neu und schienen mir am Orte.

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