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Paul Becks Gefangennahme

Mathias McDonnell Bodkin: Paul Becks Gefangennahme - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
booktitlePaul Becks Gefangennahme
authorMc Donnell Bodkin
year1911
firstpub1911
translatorBerta Pogson
publisherJ. Engelhorns Nachf.
addressStuttgart
titlePaul Becks Gefangennahme
pages160
created20130624
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Achtes Kapitel
Der Angriff

Aby Lamman war schwer getroffen, sein Verlust belief sich auf mindestens eine halbe Million Pfund, dazu kam der Verlust der halben Million, die er hätte machen müssen, wenn sein Auftrag befolgt worden wäre. Vor allem aber war sein Kredit bei der Standard Oil-Gruppe erschüttert, die sich auf seinen Rat mit dem Vertrauen jahrelangen Erfolgs in den Kampf gestürzt hatte. Es folgte ein wütender Austausch telegraphischer Anklagen von beiden Seiten und mit recht starken Worten wurde es Lamman klargemacht, daß der Irrtum oder die Täuschung, als was es sich nun auch herausstellen möge, nicht in New York zustande gekommen sei. Als er auf das Telegraphenamt ging und dort erfuhr, daß der Beamte etwa eine halbe Stunde, nachdem er sein Telegramm aufgegeben, 44 verschwunden sei, wurde sein Argwohn wach; und als er in der Wohnung hörte, daß Littledale am selben Abend mit seinem Handkoffer fortgefahren sei, wurde sein Verdacht zur Gewißheit. Der gewitzigte Mann erkannte den schlauen Plan, dessen Opfer er geworden und mußte widerstrebend der Erkenntnis Raum geben, daß sein fein erdachter Geheimcode, auf den er sehr stolz war, von einem andern entziffert worden sei. In überschäumender Wut raste er durch die Straßen. Das Geld war sein Götze, und nun war er einer solchen Summe beraubt; außerdem war er stolz auf seine Pfiffigkeit, und hier hatte ihn jemand zum Narren gehabt. Den Kerl hätte er erwürgen können.

Als sein namenloser Ärger sich in unterdrückten Ausrufen Luft machen konnte, begann er seine Gedanken auf die Auffindung dieses Beamten zu richten, denn wenn er diesen Menschen auch nicht durch seine bloßen Wünsche vernichten konnte, so würde es ihm vielleicht gelingen, ihn ins Zuchthaus zu bringen. Er griff nach seinem Telephonhörer und klingelte. »Ja, bitte, verbinden Sie mich mit Herrn Beck, Mondstraße. Ja, Herrn Paul Beck. Ja, ja, danke.« Dann nach einer Pause: »Sind Sie selbst da, Herr Beck? Hier Aby Lamman; Sie erinnern sich meiner? Ja, ganz recht, das war der Fall, den ich meine. Nein, ich habe jetzt etwas andres, was ich in Ihre Hände legen möchte. Ja, sehr wichtig, Geld spielt keine Rolle. Können Sie es einrichten, gleich zu mir ins Kontor zu kommen? Ja, gleich! Vielen Dank! Ich warte, bis Sie kommen.«

Nach einer knappen halben Stunde schon öffnete sich auf Lammans scharfes »Herein!« leise die Tür und ließ Herrn Paul Beck eintreten. Er war ein starker Mann, der denen schwerfällig erschien, die nicht wußten, daß an ihm alles Knochen und Muskeln war, ohne eine Spur überflüssigen Fettes. Das freundliche Gesicht, die ehrlichen Augen und der wohlwollende Mund, dessen Winkel sich leicht senkten, sprachen für einen wohltätigen Geistlichen, bei dem das Mitleid bei weitem seine Mittel überschritt; alles vermutete man eher in ihm als den entschlossenen, scharfsinnigen und so überaus erfolgreichen Detektiv.

Mit besonderer Wärme empfing Lamman seinen Besuch. »Setzen Sie sich, bitte, Herr Beck. Auf dem 45 Tisch finden Sie Whisky und Soda. Hier sind ein paar anständige Zigarren. Ich möchte Sie erst in guter Stimmung haben, ehe ich mit meiner Geschichte beginne.«

»Ich bin immer in guter Stimmung,« sagte Herr Beck, »wenigstens fast immer.«

»Eine längere Rede anzuhören, ist ein langweiliges Geschäft. Je behaglicher Sie sich fühlen, desto geduldiger werden Sie sein.«

Darauf begann Lamman seine Geschichte zu erzählen, während Beck völlig unbewegt seine Zigarre rauchte und dann und wann an seinem Whisky nippte.

»Sie sind fest überzeugt, daß die Nachricht hier geändert wurde?« fragte er, als Lamman geendet hatte. »Die Sache war wohlüberlegt, wer es nun auch gewesen sein mag.«

»Ganz überzeugt. Meine Freunde haben die Echtheit der in New York eingegangenen Depesche geprüft. Überdies ist die Flucht des Beamten Littledale ein schlagender Beweis.«

»Allerdings stark verdächtig.«

»Für mich schlagend,« rief Lamman, »ich zahle Ihnen tausend Pfund auf den Tisch, wenn Sie ihn fangen.«

»Ich will es versuchen. Es müßte ja ein leichtes Ding sein, wenn nichts weiter dahinter steckte, ich wittere aber Komplikationen, denn ich glaube nicht, daß irgendein Telegraphenbeamter so etwas allein auf seine Kappe nehmen würde. Kann ich Sie übermorgen zur selben Stunde hier antreffen? Wenn mein Glück mir treu ist, müßte ich Ihnen nach zwei Tagen schon etwas zu berichten haben.«

Er leerte sein Glas und zündete sich noch eine Zigarre an. Lammans Zigarren waren vorzüglich, und niemand wußte etwas Gutes besser zu würdigen als Herr Paul Beck.

Pünktlich auf die Minute betrat er zwei Tage später wieder das Kontor.

»Nun?« rief Lamman erregt, denn er sah sofort, daß der Detektiv Neuigkeiten für ihn hatte. Herr Beck nahm sich eine Zigarre aus der offenen Kiste und zündete sie mit feierlicher Umständlichkeit an.

»Ja,« sagte er dann gelassen, »der Streich wurde Ihnen nicht von dem Beamten Littledale gespielt. 46 Ich neige überhaupt zu der Ansicht, daß eine Persönlichkeit Littledale gar nicht existiert.«

»Sie haben aber den wahren Schuldigen ausfindig gemacht?«

»Ja,« erwiderte Herr Beck langsam zwischen zwei behaglichen Zügen an seiner Zigarre, »ich glaube es, möchte fast sagen, ich bin davon überzeugt.«

»Und Sie können ihn ergreifen lassen?«

»Sicher, zu jeder Zeit.«

»Dann haben Sie Ihren Scheck verdient. Fünfhundert Pfund an einem Tag, das ist selbst für Sie kein schlechtes Geschäft.«

»Nur Ruhe, Herr Lamman, Sie haben es zu eilig. Meinen Scheck muß ich mir erst noch verdienen. Wissen und beweisen sind zwei sehr verschiedene Dinge, und ich habe gegen unsern Mann auch nicht den Schatten eines Beweises.«

»Aber wieso in des Teufels Namen –« begann Lamman in etwas unverschämtem Ton.

»Ich seiner gewiß bin?« fragte Beck ruhig, indem er den Satz beendete. »Das ist allerdings eine schwierige Frage. Vielleicht wäre es die beste Antwort, wenn ich Ihnen alles erzähle. – Diese Zigarre ist wirklich erstklassig. Ja, danke, ein halbes Glas; eigentlich trinke ich nie etwas vor dem Essen. – Also, meine erste Aufgabe war, die Spur des Mannes zu finden, der sich an Ihrem Telegramm vergriffen hat.«

»Aber ich dachte, Sie sagten –«

»Bitte, lassen Sie alles Denken aus dem Spiel,« sagte Beck kurz, »wenn Sie mich zu Ende gehört haben, werden Sie wissen, was zu denken ist. – Ich ging von hier direkt nach dem Telegraphenamt, sagte dort, der junge Mann sei verschwunden, und ich beauftragt, ihn aufzufinden. Sie waren alle sehr in Sorge wegen des jungen Menschen, besonders ein allerliebstes junges Mädchen, die wohl ihr Herz an ihn verloren hat.«

»Das Mädel kenne ich,« warf Lamman ein.

»Das glaube ich, solch hübsches Gesicht vergißt man nicht so leicht. Ich war sehr sanft und teilnahmsvoll und erreichte dadurch, daß sie mir in allem behilflich war. Ich durchsuchte sein Zimmer und seinen Papierkorb, fand einige Brieffetzen und dieses –«

Er entnahm mit großer Sorgfalt seiner Brieftasche 47 ein abgerissenes Stückchen dünnen Kopierpapiers, auf dem sich ein Schmutzfleck befand, durchzogen von einem ganz feinen Geäder.

»Und was ist das, wenn ich fragen darf?«

Beck betrachtete seinen Schatz mit unverhohlenem Entzücken. »Dieser Fleck wurde von dem Daumen eines Mannes gemacht. Sie wissen doch, daß Telegramme mit Blaupapier kopiert werden. An dem Blaupapier beschmutzte er sich den Finger und machte später diesen Fleck. Nun gibt es auf der ganzen Welt nicht zwei Daumen, die den gleichen Abdruck geben. Finden wir also einen Daumen, der einen gleichen Fleck macht, so haben wir den richtigen.«

»Ich habe schon davon gehört, daß man so die Identität eines Menschen nachweisen könne, verstand es aber nicht recht. Und die Brieffetzen?«

»Zeigten eine, freilich sehr gut verstellte Handschrift, die fast zur zweiten Natur geworden zu sein scheint; meinen Augen, die darin ziemliche Erfahrung besitzen, erschien sie nicht ganz natürlich. Weiter war hier nichts zu machen. Die Leute wußten augenscheinlich nichts und hatten den Verschwundenen sehr gern. Sie waren höflich zu mir, weil ich nach ihm suchte, hätten sie aber eine Ahnung gehabt, wozu, so hätten sie mich geschwind an die Luft gesetzt. Ich fuhr dann in seine Wohnung; seine Wirtin erzählte mir, was sie Ihnen erzählt hat und noch einige Einzelheiten, die mir nützlich waren. Aber von dem Augenblick an, wo er in seinem Hansom davonfuhr, wußte sie nichts mehr von ihm. Die Frau war auch ein bißchen verliebt in den Schwindler; jedenfalls versteht er es, sich bei Frauen beliebt zu machen. Vor der Tür dieses Hauses blieb ich eine Weile stehen, um nachzudenken, sollte ich vorwärts oder rückwärts gehen.«

»Rückwärts, wieso?« fragte Lamman.

»Die Spur rückwärts verfolgen, wie ich begonnen hatte. Ein Detektiv muß seine Augen vorn und hinten haben. Wenn man eine Spur verloren hat, so ist es am besten, rückwärts sie wieder aufzunehmen. Bevor ich mich daran machte, herauszufinden, wohin er gegangen, wollte ich erst wissen, woher er kam, und das fand ich leicht genug durch einige Fingerzeige der Wirtin heraus. Ich will Ihnen die lange Geschichte mit ein 48 paar Worten erklären. Vor einigen Monaten wurde der Beamte von einem Automobil überfahren und von einem jungen Mann in seinem Alter gerettet; das Leben wurde dem Beamten gerettet, doch sein eines Bein gebrochen und der Besitzer des Autos fuhr beide jungen Leute in das Hospital. Die beiden wurden dicke Freunde. Nun kommt der interessanteste Teil. Einer der beiden trug zu der Zeit einen Bart, der andre war glatt rasiert, sonst aber glichen sie sich wie ein Ei dem andern. Als sich dann der Glattrasierte auch einen Bart stehen ließ, gab es fortwährend Verwechslungen. Ein alter Arzt am Hospital erzählte mir, daß er noch nie zwei so ähnliche Zwillingsbrüder gesehen habe. Obwohl unser Freund, der Beamte, Geld im Überfluß hatte, einerlei, woher er es nahm, so wurde ihm doch seine Stellung offengehalten, und nachdem er geheilt entlassen war, kehrte er auf seinen Posten zurück – jedenfalls ein junger Mann gleichen Namens und ebenso aussehend. Ich begann Verdacht zu schöpfen, und einige weitere Nachfragen überzeugten mich, daß der Zwilling, der die Stellung wieder aufnahm, nicht derselbe war, wie der, der den Unfall erlitt.«

»Wohin ging der andre?« fragte Lamman eifrig. Ihm begann ein Schimmer des Zusammenhangs aufzudämmern.

»Nach New York, wo er ohne Zweifel ein Telegramm von seinem Mitverschworenen erhielt, nachdem Ihre Nachricht geändert worden war.«

»Haben Sie den wahren Namen des Fälschers entdeckt?«

»Gewiß. Philip Armitage.«

Lamman sprang mit einem Fluch auf. »Der verfluchte Schweinehund! Halb und halb hatte ich den schon im Verdacht.« Dann aber ließ er sich wieder in seinen Sessel fallen. »Nein, Beck, diesmal sind Sie auf falscher Fährte, denn ich habe Phil Armitage selbst in Liverpool auf den amerikanischen Dampfer gebracht.«

»Sie haben Littledale, oder den Mann, der sich so nannte, an Bord gebracht. Die beiden haben wie die Bärte auch ihre Persönlichkeiten getauscht, und nachdem Armitage Ihre Depesche als Littledale expediert hatte, glitt er in sein früheres Ich zurück, rasierte sich, wechselte seinen Anzug, wechselte am Bahnhof den 49 Wagen und erschien als Phil Armitage im Ganymedklub, wo er noch wohnt.«

»Meiner Treu, Sie haben recht,« rief Lamman ungestüm, »wenn die Geschichte auch noch so unglaublich klingt.«

»Ich verlange nicht, daß Sie mir einfach alles glauben sollen,« entgegnete Paul Beck. »Hier habe ich eine Photographie, die vor kurzem von dem Beamten Littledale aufgenommen wurde. Sieht er Ihrem Freund Armitage nicht ähnlich?«

»Das ist Armitage bis auf den Bart,« rief Lamman erregt.

»Jetzt trägt er keinen Bart mehr.«

»Ich würde jederzeit beschwören, daß der Mensch auf dem Bilde da Armitage sei.«

»Unglücklicherweise sind aber eine ganze Menge Leute ebenso bereit, zu beschwören, es sei Littledale.«

»Meineidige!«

»Nicht im geringsten. Ehrliche Leute, die das fest glauben. Zum Beispiel der Postmeister und seine Tochter, die Littledale schon ein Jahr vor dem Unfall kannten, ebenso die Wirtin, die ihn lange kannte. Es ist wunderbar genug, wie leicht die Menschen glauben, was sie glauben wollen. Die Frau ist schon völlig darauf vorbereitet, zu beschwören, daß er noch den Bart trug, als er fortfuhr, obwohl er sich ganz gewiß vorher rasiert hatte. Je mehr ich sie fragte, desto genauer entsann sie sich des Bartes. Ihr Zeugnis allein würde genügen, um Armitage zu entlasten.«

»Sie sind aber sicher, daß er es war?«

»Ja, vollkommen.«

»Ich auch. Ich habe es im Gefühl. Verhaften Sie den Schurken.«

»Nein.«

»Ich begreife nicht, was Sie dagegen zu sagen haben, Herr Beck!«

»Nur ruhig, Mr. Lammau,« sagte Beck, mit seinem gelassenen, aber scharfen Blick die Erregung des andern zügelnd. »Wenn ich Ihnen helfen soll, so tue ich das nur nach meinem eigenen Gutdünken. Ich werde mich nicht Ihretwegen zum Narren machen. Wie die Dinge jetzt stehen, haben Sie absolut keine Chancen; der Mann würde am nächsten Tag entlassen werden 50 und Sie würden große Kosten und Unannehmlichkeiten haben wegen böswilliger Verleumdung. Da tue ich nicht mit. Wir haben unsern Mann ausfindig gemacht, nun heißt es Beweise schaffen.«

»Können Sie das?«

»Ich kann es versuchen.«

»Was wird der Kerl kriegen, wenn Sie ihn überführen?«

»Zuchthaus vermutlich. Telegramme fälschen ist schwerer Betrug.«

»Hören Sie, Beck,« rief Lamman lebhaft, »ich versprach Ihnen tausend Pfund, wenn Sie den Mann auffänden. Ich gebe Ihnen einen Scheck auf fünftausend an dem Tag, wo Armitage verurteilt wird.«

»Mr. Lammau, meine Dienste werden nicht verauktioniert. Sie brauchen sich nicht selbst zu überbieten. Ich versprach, für tausend alles zu tun, was in meinen Kräften steht; mehr kann ich auch für hunderttausend nicht tun. Aber sagen Sie mir, weshalb sind Sie so versessen darauf, den jungen Armitage ins Gefängnis zu bringen?«

Lamman zögerte einen Augenblick. Er fühlte Becks festen Blick und begegnete ihm, ohne mit den Wimpern zu zucken. Fieberhaft arbeiteten seine Gedanken, um eine glaubhafte Geschichte zu erfinden, halb Wahrheit, halb Dichtung.

»Ich möchte es lieber nicht sagen.«

»Wie es Ihnen beliebt, aber dann gebe ich die Sache auf. Mit halbem Vertrauen kann ich mich nicht begnügen.«

»Es ist eine Frau in die Sache verwickelt.«

»So ist es ja meistens.«

»Es ist nicht mein Geheimnis,« rief Lamman freimütig, »ich fühle aber, daß ich Ihnen vertrauen kann.«

Beck hob abwehrend die Hand. »Soll das ein Kompliment sein? Das ist es nicht. Natürlich können Sie mir trauen. Wenn Sie ehrlich mit mir sind, so handle ich auch ehrlich in Ihrem Interesse.«

»Der Name der Dame ist Norma Lee. Ihr Vater war Theophilus Lee.«

»Der war mir bekannt,« sagte Beck trocken.

»Er liebte seine Tochter über alles.«

Beck nickte. »Das ist wahr.«

»Na, der junge Armitage spekulierte auf diese Liebe. 51 Er wußte das Mädchen zu gewinnen und sich heimlich mit ihr zu verloben; sie ist noch sehr jung. Der Vater versagte seine Einwilligung zu einer Heirat seiner Tochter mit diesem jungen Wüstling. Armitage war wütend über die Vereitlung seiner Hoffnungen und schwor Rache.«

»Was haben denn Sie mit der Sache zu tun?«

»Ich bewarb mich ebenfalls um das Mädchen, und der Vater begünstigte mich; ich glaube, daß meine Aussichten gut waren, bis dieser junge Lothario dazwischen kam. Lachen Sie nicht über das Geständnis solch eines alten Kerls wie ich, ich bin nämlich bis über beide Ohren verliebt in das Mädchen.«

»Daran ist gar nichts Lächerliches,« sagte Beck ernst, und Lamman freute sich, in seinem Ton wieder größere Herzlichkeit zu finden.

»Vielleicht verstehen Sie, daß ich das Mädchen, wenn ich es selbst nicht haben kann, am wenigsten solch einem Betrüger und Schwindler gönne. Er ist verderbt durch und durch. Er gab sich für meinen Freund aus, während er darüber nachsann, mich zu betrügen. Er tut schön mit andern Frauen, während er Miß Lee den Hof macht. Man darf ihm nicht trauen, weder in der Liebe, noch in der Freundschaft, noch geschäftlich. Begreifen Sie nun, warum ich ihn sicher hinter Schloß und Riegel wissen möchte?«

»Ja, das verstehe ich,« sagte Beck einfach, »und es war richtig, daß Sie mir offen alles sagten.«

»Und Sie werden mir helfen, das junge Mädchen schützen?«

»Ich werde mein Möglichstes tun.«

»Das ist recht, dann habe ich keine Furcht. Ich weiß recht gut, für Sie gibt es das Wort ›mißlingen‹ nicht.«

»Die Sache scheint so leicht, es kann nicht schwer halten, Littledale unter Armitages Maske zu fassen. Trotzdem habe ich ein Gefühl, als stände uns eine schwierige Zeit bevor, ehe es uns gelingt, den jungen Mann in die Sträflingsjacke zu stecken. Er ist klug und hat sehr kluge Freunde.«


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