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Parzival und Titurel

Wolfram von Eschenbach: Parzival und Titurel - Kapitel 59
Quellenangabe
typepoem
booktitleParzival und Titurel
authorWolfram von Eschenbach
translatorKarl Simrock
firstpub1842
year1883
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleParzival und Titurel
pages3-365
created20050502
sendergerd.bouillon
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§. 21. Klinschor.

Klinschors Name, eigentlich auch seine Sage, taucht bei unserm Dichter zuerst auf. Zwar ist das Wunderbette und die Spiegelsäule, die er aus Indien entführt hat, auch anderwärts nachzuweisen, nicht aber seine eigene Geschichte. In Sicilien wird er entmannt: das könnte allerdings orientalische Abkunft andeuten, da bekanntlich auch diese Insel halb von Sarazenen bevölkert war. Wenn aber Terre de Labour (Kampanien) sein Land, Kapua seine Hauptstadt heißt, so müste dieß unter jener Voraussetzung nur der Anknüpfung an den in Neapel heimischen Zauberer Virgilius wegen erdacht sein, dessen Enkel er genannt wird; wirklich heimisch wird seine Sage hier nicht sein, wo neben seinem Ahnherrn kein Platz für ihn war. Mit der Gralssage kann er ursprünglich nicht zusammenhängen, da Parzival sein Abenteuer von sich abweist, und Artusens Neffe Gawan es besteht; aber auch der brittischen Sage scheint er fremd, da diese in Merlin einen andere Zauberer besitzt. Da uns Kiots Werk problematisch bleibt, so könnte ihn Wolfram selber erfunden oder aus deutscher Ueberlieferung aufgenommen haben. Ein Zusammenhang mit der eddischen Sage von Kwasir, die mit der von Adonis und dem entmannten Attys, also auch mit der von Johannes und Pharaildis verwandt ist, wäre auch hier nicht undenkbar; die Entscheidung darüber muß aber einer Vergleichung der Klinschorssage mit der von den Zauberern Merlin und Virgilius vorbehalten bleiben. Die französischen Bearbeitungen der Gralssage kennen zwar das Abenteuer von Chatelmerveil, vermeiden aber, den Namen des Zauberers zu nennen. (Ueber den in der Aventüre Krone vgl. §. 9.) Die Worte: Un clerc bon negromancien et bien saige en Astrologie stimmen zu Wolframs erster Erwähnung desselben (66, 4): »ein Pfaffe, der wol zouber las.« Der Vermuthung St. Martes, daß Chrestien diese ganze Episode so dürftig und trocken behandelt habe, weil der Sagenkreiß von Artus schon den Merlin besaß, und ihm also dieser zweite bei Wolfram so imposante Zauberer unbequem war, läßt sich entgegnen, daß er den Zauber ja für ein Werk Merlins hätte ausgeben können. Zwar unterscheidet sich Klinschor als Repräsentant der arglistigen Magie wesentlich von dem gutmüthigern Merlin; aber die Bosheit, die aus seiner Entmannung entspringt, tritt in dem Abenteuer von Chatelmerveil nicht so entschieden hervor, daß es sich nicht als Merlins Werk hätte motivieren laßen, besonders da die entführten Frauen bei Chrestien in keiner Beziehung zu Artus stehen wie bei Wolfram und Heinrich. In der später angeknüpften deutschen Sage vom Wartburgkriege ist Klingsor zwar ein Schwarzkünstler, der Teufel bannt, aber als boshaft wird er nicht geschildert, und seine Entmannung ist vergeßen. Daß diese ihn zum Zaubern brachte, stimmt mit dem Mythus von Attys.

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