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Palaeophron und Neoterpe

Johann Wolfgang von Goethe: Palaeophron und Neoterpe - Kapitel 1
Quellenangabe
type
authorJohann Wolfgang von Goethe
titlePalaeophron und Neoterpe
publisherbtb
seriesSämtliche Werke
volume6.1
printrun1. Auflage
year2006
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
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senderwww.gaga.net
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Johann Wolfgang von Goethe

Palaeophron und Neoterpe

Der Herzogin Amalia von Sachsen Weimar widmete dieses kleine Stück der Verfasser mit dankbarer Verehrung. Er hatte dabei die Absicht, an alte bildende Kunst zu erinnern und ein plastisches, doch bewegliches und belebtes Werk den Zuschauern vor Augen zu stellen.

Durch gegenwärtigen Abdruck kann man dem Publikum freilich nur einen Teil des Ganzen vorlegen, indem die Wirkung der vollständigen Darstellung auf die Gesinnungen und die Empfänglichkeit gebildeter Zuschauer, auf die Empfindung und die persönlichen Vorzüge der spielenden Personen, auf gefühlte Rezitation, auf Kleidung, Masken und mehr Umstände berechnet war.

Um jedoch wenigstens die Einbildungskraft des Lesers einigermaßen zu bestimmen, wird eine bedeutende Situation, worin beide Hauptfiguren, nebst den sie begleitenden vier Masken, zusammen erscheinen, in Kupfer gestochen und illuminiert, wahrscheinlich durch den Weg der »Zeitung für elegante Welt«, welche bei Voß und Komp. in Leipzig angekündigt ist, verbreitet werden.

 

Eine Vorhalle, an der Seite ein Altar, um denselben ein Asyl, durch eine niedrige Mauer bezeichnet; außerhalb, an dem Fortsatze der Mauer, ein steinerner Sessel.

Neoterpe (mit zwei Kindern in Charaktermasken)
Zum frohen Feste find' ich feine Leute hier
Versammelt, und ich dränge mich beherzt herein,
Ob sie mir und den Meinen guten Schutz vielleicht
Gewähren möchten, dessen ich so sehr bedarf.
Zwar wenn ich komme Gastgerechtigkeit zu flehn,
Könnte man auch fordern daß ich sagte wer ich sei;
Doch dieses ist viel schwerer als man denken mag.
Zu leben weiß ich, mich zu kennen weiß ich nicht;
Doch was so manche Leute von mir sagen weiß ich wohl.
Die einen haben mich die neue Zeit genannt,
Auch manchmal heiß' ich ihnen Genius der Zeit;
Genug! ich bin das Neue eben überall.
Willkommen stets und unwillkommen wandl' ich fort,
Und wär' ich nicht, so wäre nichts auch überall.
Und ob ich gleich so nötig als erfreulich bin;
So wandelt doch ein Alter immer hinter mir,
Der mich vernichten würde, wenn es ihm einmal,
Mit seinem langsam langbedächt'gen Schritt,
Mich zu erreichen glückte. Doch so hetzt er mich
Von einem Ort zum andern, daß ich nicht so froh
Mit meinen artigen Gespielen mich, der Lust
Des heitern Lebens hingegeben, freuen darf.
Nun hab' ich mich hierher gerettet, wo mit Recht
Man sich des schönsten Tags zu freun versammelt ist,
Und denke Schutz zu finden vor dem wilden Mann
Und Recht, obgleich er stärker ist als ich.
Drum werf ich bittend mich an den Altar
Der Götter dieses Hauses flehend hin.
Kniet nieder gleichfalls, allerliebste Kinder ihr,
Die ihr, zu mir gesellt, ein gleich Geschick,
Wie ich es hoffe, hier getrost erwarten dürft.

Palaeophron (auf zwei Alte in Charaktermasken gelehnt, im Hereintreten zu seiner Begleiterin)
Ihr habet klug die Flüchtige mir ausgespürt,
Und nicht vergebens wenden wir den Fuß hierher;
Denn seht! sie hat sich flehend an den Ort gewandt,
Berühret den Altar der uns verehrlich ist.
Doch wenn er gleich sie schützt und ihre leid'ge Brut;
So wollen wir sie doch belagern, daß sie sich
Von ihrem Schutzort nicht entfernen darf, wofern
Sie nicht in unsre Hände sich begeben will.
Drum führet mich zum Sessel, daß ich mich
Ihr gegenüber setzen und bedenken kann,
Wiefern ich mit Gewalt, wo nicht mit gutem Wort,
Zu ihrer Schuldigkeit zu bringen sie vermag.
    Er setzt sich und spricht zu den Zuschauern.
Und ihr, die ihr vielleicht in euern Schutz sie nehmt,
Dieweil sie lieblich aussieht und betulich ist,
Und jedem gern nach seiner eignen Art erscheint,
Erfahrt, welch Recht sie zu verfolgen mir gebührt.
Ich will nicht sagen daß sie meine Tochter sei;
Doch hab' ich stets als Oheim Vaterrecht auf sie,
Und kann behaupten daß aus meinem Blute sie
Entsprossen, mir vor allen andern angehört.
Im Allgemeinen nennt man mich die alte Zeit,
Und wer besonders wohl mir will, der nennt mich auch
Die goldne Zeit, und will in seiner Jugend mich
Als Freund besessen haben, da ich, jung wie er
Und rüstig, unvergleichlich soll gewesen sein.
Auch hör' ich überall, wohin ich horchend nur
Die Ohren wende, mein entzückend großes Lob.
Und dennoch kehret jedermann den Rücken mir
Und richtet emsig sein Gesicht der neuen zu,
Der jungen da, die schmeichelnd jeglichen verdirbt,
Mit törichtem Gefolge durch das Volk sich drängt.
Drum hab' ich sie, mit diesen wackeren Gesellen hier,
Verfolgt und in die Enge sie zuletzt gebracht.
Ihr seht es, wie ich hoffe, doch zufrieden an,
Daß ich ein Ende mache solchem Frevelgang.

Neoterpe Holde Gottheit dieses Hauses,
Der die Bürger, der die Fremden
Auf dem reinlichen Altare
Manche Dankesgabe bringen,
Hast du jemals den Vertriebnen
Aufgenommen, dem Verirrten
Aufgeholfen, und der Jugend
Süßes Jubelfest begünstigt;
Ward an dieser heil'gen Schwelle
Mancher Hungrige gespeiset,
Mancher Durstige getränket,
Und erquickt durch Mild' und Güte,
Mehr als durch die besten Gaben;
hör auch unser Flehen!
Sieh der zarten Kleinen Jammer!
Steh uns gegen unsre Feinde,
Gegen diesen Wütrich bei!

Palaeophron Wenn ihr freventlich so lange
Guter Ordnung euch entzogen,
Zwecklos hin und her geschwärmet,
Und zuletzt euch Sorg' und Mangel
An die kalten Steine treiben,
Denkt ihr, werden gleich die Götter
Euretwillen sich hernieder
Aus der hohen Ruhe regen!
Nein, mein gutes süßes Püppchen!
Sammle nach dem eignen Herzen
Die zerstreuten Blicke nieder,
Und wenn du dich unvermögend
Fühlest, deiner Not zu raten;
Wende seitwärts, wende hieher
Nach dem alten, immer strengen,
Aber immer guten Oheim,
Deine Seufzer, deine Bitten,
Und erwarte Trost und Glück.

Neoterpe Wenn dieser Mann, den ich zum erstenmal so nah
Ins Auge fasse, nicht die allerhäßlichsten
Begleiter hätte, die so grämlich um ihn stehn;
So könnt' er mir gefallen, da er freundlich spricht
Und edel aussieht, daß man eines Göttlichen
Erfreulich schöne Gegenwart empfinden muß.
Ich dächt' ich wendete mich um und spräch' ihn an!

Palaeophron Wenn dieses Mädchen, das ich nur von ferne sonst
Und auf der Flucht gesehen, nicht die läppische
Gesellschaft mit sich schleppte, die verhaßt mir ist;
So müßt' ich wünschen, immer an der Seite mir
Die liebliche Gestalt zu sehn, die Heben gleich
Der Jugend Becher aus den holden Augen gießt.
Sie kehrt sich um, und spricht sie nicht, so ist's an mir.

Neoterpe Wenn wir uns zu den Göttern wenden, ist es wohl
Kein Wunder, da uns auf der Erde solche Not
Bereitet ist, und ich des edlen Mannes Kraft,
Die mich beschützen sollte, mir als ärgsten Feind
Und Widersacher finde. Solches hofft' ich nicht!
Denn da ich noch ein Kind war, hört' ich stets:
Der Jugend Führer sei das Alter; beiden sei,
Nur wenn sie als Verbundne wandeln, Glück beschert.

Palaeophron Dergleichen Reden hören freilich gut sich an;
Doch hat es allerlei Bedenkliches damit,
Das ich jetzt nicht berühren will. Doch sage mir!
Wer sind die Kreaturen beide, die an dich
So fest geschlossen durch die Straßen ziehn?
Du ehrest dich mit solcherlei Gesellschaft nicht.

Neoterpe Die guten Kinder! Beide haben das Verdienst,
Daß sie, so schnell als ich durch alles durchzugehn
Gewohnt, die Menge teilen, die ich finden mag.
Nicht eine Spur von Faulheit zeigt das junge Paar,
Und immer sind sie früher an dem Platz als ich.
Doch wenn du mich nach Eigenschaft und Namen fragst;
Gelbschnabel heißt man diesen. Heiter tritt er auf
Und hat nichts Arges weiter in der argen Welt.
Doch diesen heißt man Naseweiß, der flink und rasch
Nach allen Gegenden das stumpfe Näschen kehrt.
Wie kannst du solchen guten zarten Kindern nur
Gehässig sein, die seltne Lebenszierden sind?
Doch daß ich dein Vertraun erwidre, sage mir!
Wer sind die Männer, die, nicht eben liebenswert,
An deiner Seite stehn, mit düstrem wilden Blick?

Palaeophron Das Ernste kommt euch eben wild und düster vor,
Weil ihr, gewöhnt an flache leere Heiterkeit,
Des Augenblicks Bedeutung nicht empfinden könnt.
Dagegen fühlet dieser Mann nur allzugut,
Daß in der Welt nur wenig zur Befriedigung
Des weisen Mannes eigentlich gereichen kann.
Griesgram wird er daher genannt. Er muß fürwahr,
Wie ich es selbst gestehe, der bepflanzten Welt
Und des gestirnten Himmels Hochzeitschmuck
Mit ganz besondern wunderlichen Farben sehn,
Die Sonne rot, die Frühlingsblätter braun und falb.
So sagt er wenigstens, und scheint gewiß zu sein,
Daß das Gewölb des Himmels nächstens brechen wird.
Doch dieser, den man Haberecht mit Recht genannt,
Ist seiner tiefbegründeten Unfehlbarkeit
So ganz gewiß, daß er mir nie das letzte Wort,
Ob ich gleich Herr und Meister bin, gelassen hat.
So dienet er zur Übung mir der Redekunst,
Der Lunge, ja der Galle, das gesteh' ich gern.

Neoterpe Nein, ich werd' es nie vermögen
Diese wundervollen Fratzen,
An der Seite des Verwandten,
Mit Vertrauen anzusehn!

Palaeophron Könnt' ich irgend einem Freunde
Meine würdigen Begleiter
Auf ein Stündchen überlassen;
Tät' ich es von Herzen gern!

Neoterpe Wüßt' ich meine kleinen Schätze
Irgend jemand zu vertrauen,
Der mir sie spazieren führte;
Mir geschäh' ein großer Dienst!

Palaeophron Mein lieber Griesgram! was ich dir bisher verschwieg,
Entdeck' ich nun, so sehr es dich verdrießen muß.
Durch Stadt und Vorstadt zieht ein frecher Mann und lehrt
Und ruft: Ihr Bürger, merket auf mein wahres Wort!
Die Tätigkeit ist was den Menschen glücklich macht.
Die, erst das Gute schaffend, bald ein Übel selbst
Durch göttlich wirkende Gewalt in Gutes kehrt,
Drum auf bei Zeiten morgens! ja, und fändet ihr
Was gestern ihr gebaut schon wieder eingestürzt,
Ameisen gleich nur frisch die Trümmern aufgeräumt!
Und neuen Plan ersonnen, Mittel neu erdacht!
So werdet ihr, und wenn aus ihren Fugen selbst
Die Welt geschoben in sich selbst zertrümmerte,
Sie wieder bauen, einer Ewigkeit zur Lust,
So spricht er töricht und erreget mir das Volk;
Und niemand sitzt mir an der Straße mehr und klagt,
Und niemand stickt in einem Winkel jammervoll.
Ich brauche nicht hinzuzusetzen, eile hin!
Und steure diesem Unheil, wenn es möglich ist.
    Griesgram ab.
Dich aber, edler Haberecht, beleidigt man
Noch ärger fast; denn in den Hallen an dem Markt
Läßt sich ein Fremder hören, welcher schwört,
Es habe grade Haberecht darum kein Recht,
Weil er es immer haben und behalten will.
Es habe niemand Recht, als wer den Widerspruch
Mit Geist zu lösen, Andre zu verstehen weiß,
Wenn er auch gleich von Andern nicht verstanden wird.
Dergleichen ketzerische Reden führet er –
    Haberecht eilig ab.
Du eilest fort zu kämpfen? Ich erkenne dich!

Neoterpe Du hast die beiden wilden Männer fortgeschickt;
Um meinetwillen, merk' ich wohl, ist es geschehn.
Das zeiget gute Neigung an, und ich fürwahr
Bin auch geneigt, die kleinen Wesen hier, die dir
Verdrießlich sind, hinweg zu schicken, wenn ich nur
Auch sicher wäre, daß Gefahr und Not sie nicht
Ergreifen kann, wenn sie allein im Volke gehn.

Palaeophron Kommt nur! ich geb' euch beiden sicheres Geleit.
    Die Kinder treten aus dem Asyl vor den Alten.
Geht nur, ihr Kinder! doch erfüllet mein Gesetz,
Das ich euch wohlbedächtig gebe, ganz genau.
Gelbschnabel soll dem Griesgram, wie der Naseweiß
Dem Haberecht beständig aus dem Wege gehn,
So wird es Friede bleiben in der edlen Stadt.
    Die Kinder gehen ab.

Neoterpe (die aus dem Asyl tritt und sich neben den Alten auf die Mauer setzt)
Ich steige sicher nun heraus
Und komme dir vertraulich nah.
O! sieh mich an und sage mir:
Ist möglich die Veränderung?
Du scheinest mir ein jüngerer,
Ein rüstig frischer Mann zu sein.
Der Kranz von Rosen meines Haupts
Er kleidete fürwahr dich auch.

Palaeophron Ich selber fühle rüstiger
In meinem tiefen Busen mich;
Und wie du mir so nahe bist,
So stellst du ein gesittetes
Und lieblich ernstes Wesen dar.
Der Bürgerkranz auf meinem Haupt,
Von dichtem Eichenlaub gedrängt,
Auf deiner Stirne sah' ich ihn,
Auf deinen Locken, wonnevoll.

Neoterpe Versuchen wir's und wechseln gleich
Die Kränze, die mit Eigensinn
Ausschließend wir uns angemaßt.
Den meinen nehm' ich gleich herab.
    Sie nimmt die Rosenkrone herunter.

Palaeophron (der den Eichenkranz herabnimmt)
Und ich den meinen ebenfalls,
Und mit des Kranzes Wechselscherz
Sei zwischen uns ein ew'ger Bund
Geschlossen, der die Stadt beglückt.
    Er setzt ihr den Eichenkranz auf.

Neoterpe Des Eichenkranzes Würde soll
Mir immer sagen, daß ich nicht
Der edlen Mühe schonen darf,
Ihn zu verdienen jeden Tag.
    Sie setzt ihm die Rosenkrone aufs Haupt.

Palaeophron Der Rosenkrone Munterkeit
Soll mich erinnern, daß auch mir
Im Lebensgarten, wie vordem,
Noch manche holde Zierde blüht.

Neoterpe (indem sie aufsteht und vortritt)
Das Alter ehr' ich, denn es hat für mich gelebt.

Palaeophron (indem er aufsteht und vortritt)
Die Jugend schätz' ich, die für mich nun leben soll.

Neoterpe Hast du Geduld, wenn alles langsam reifen wird?

Palaeophron Von grüner Frucht am Baume hoff ich Süßigkeit.

Neoterpe Aus harter Schale sei der süße Kern für mich.

Palaeophron Von meiner Habe mitzuteilen sei mir Pflicht.

Neoterpe Gern will ich sammeln, daß ich einst auch geben kann.

Palaeophron Gut ist der Vorsatz, aber die Erfüllung schwer.

Neoterpe Ein edles Beispiel macht die schweren Taten leicht.

Palaeophron Ich sehe deutlich, wen du mir bezeichnen willst.

Neoterpe Was wir zu tun versprechen, hat Sie längst getan.

Palaeophron Und unsern Bund hat Sie begründet in der Stadt.

Neoterpe Ich nehme diesen Kranz herab und reich' ihn Ihr

Palaeophron Und ich den meinen.

Sie nehmen die Kränze herunter und halten sie vor sich hin.

Neoterpe Lange lebe! Würdige!

Palaeophron Und fröhlich lebe! wie die Rose Dir es winkt.

Neoterpe Sie lebe! rufe jeder wahre Bürger mit.

 
 

Schluß von 1803

Neoterpe Erfreulich holde Töne senken sich herab!

Palaeophron Und sie begleitet ungewohnter Glanz.

Neoterpe Welch eine Gottheit kündet uns das Wunder an?

Palaeophron Der Genius der Eintracht senkt vom Himmel sich.

Neoterpe Er, der die Erde nur berührt und nie verweilt.

Palaeophron Zu kräft'gen unser Bündnis, schwebt er leis heran.

Neoterpe Entgegen ihm! dem Vielwillkommnen auf der Welt.

Palaeophron Was er nicht allen geben kann, gewähr er uns.

Der Wolkenwagen bleibt ohngefähr Manneshöhe halten, in demselben steht der Genius mit zwei umkränzten Zeptern.

Genius Eurer Einigkeit
Unerwartetes Wunder
Lockt mich hernieder,
Aus der Seligen Aufenthalt.
Zu euren Wohnungen,
Woher mir selten
Erfreulich vereinte
Tätigkeit entgegentönt.

Um desto fester
Stehet, als Musterbild,
Allen Wirkenden
Eures Kreises
Und erheitert sie
Mit höhern Gaben,
Die ich euch hier vertraue

– der Wolkenwagen senkt sich so tief, daß der Genius die Zepter den beiden Personen überreichen kann –,

Mit Kränzen, welche die Himmlischen
Mannigfaltig bestimmen
Mannigfaltigem Verdienste;
Auf daß, bunt und heiter,
Geschmückt sei der Wirkenden Chor!
Auf daß jene, welche zusammen
Sich emsig bestrebten,
Auch zusammen, lebhaft,
Im festlichen Kreise glänzen.

Der Wolkenwagen erhebt sich ein wenig.

Ihr aber, gedenket mein,
Des Vorüberschwebenden!
Und wenn die Verworrenheit
Widerstrebenden Strebens
Euch ängstlich umkettet,
O so schauet hinauf
In jene Räume, die unendlichen,
Von woher ich, zwischen rollenden,
Harmonisch kreisenden,
Ewigen Gestirnen wandelnd,
Euch der göttlichen Eintracht Ahndung,
Heilend, heruntersende.

Der Wolkenwagen hebt sich und verschwindet.
Die beiden Personen gehen nach dem Proszenium.

Neoterpe Laß uns die empfangnen Gaben,
Ohne Säumen, weitertragen
Und sie der Versammlung bieten,
Die auf uns die Augen richtet.

Palaeophron Jeder nehme das Verdiente!
Hier sind mannigfalt'ge Kränze.
Auf die Häupter ausgeteilet,
Bilden sie den großen Kranz.

Neoterpe Wer gewonnen für das Ganze,
Wer beschützt und wer befestigt,
Wer geordnet, wer geschlichtet,
Kränze bieten wir euch an!

Palaeophron Wer im Innern seines Hauses
Altes Heil und Wohl bestätigt,
Wer, in groß und kleinen Kreisen,
Freud und Anmut ausgebreitet,

Neoterpe Wer gesäet, wer gepflanzt,
Wer gesonnen, wer gebildet,
Wer gegründet, wer gebauet,
Wer geschmückt und wer vollendet,

Palaeophron Jeder nehme das Verdiente!

Neoterpe Hier sind mannigfalt'ge Kränze!

Beide Ausgeteilt auf eure Häupter,
Bilden sie den großen Kranz.

 
 

Schluß von 1819

Palaeophron Begrüßet Sie, die holde Zierde,
Für die sich dieses Fest verklärt!

Neoterpe Und überlaßt euch der Begierde
Sie zu verehren wie's gehört;
Sie kommt die neue Zeit zu schmücken.

Palaeophron Zur Lust der alten kommt sie an.

Beide Und beide rufen mit Entzücken
Das schönste Glück auf ihre Bahn!

Neoterpe Umschlinget euch mit frohen Kränzen.

Palaeophron Doch eure Freude schränket ein.

Neoterpe Zu würdgem Fest, lebendgen Tänzen

Palaeophron Sind diese Räume viel zu klein.

Wiederholt von Zeile 5 bis 6. [?]

 


 








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