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Onkel Bernac

Arthur Conan Doyle: Onkel Bernac - Kapitel 9
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typefiction
authorArthur Conan Doyle
titleOnkel Bernac
publisherVerlag von Philipp Reclam jun.
translatorVictor Eltz
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
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Neuntes Kapitel.

Das Lager bei Boulogne.

Noch immer stand mein Onkel – das Bild eines Usurpators – im Schloßtor, an dessen beiden Pfeilern, in Stein gehauen, unser Wappenschild mit dem silbernen Bande und den drei Schwalben prangte. Er machte keine Miene zum Gruße, als ich das für mich bereitstehende edle Pferd bestieg; aber unter den tief herabgezogenen Augenbrauen heraus betrachtete er mich gedankenvoll, und das bekannte rhythmische Zucken der Wangenmuskeln verriet seine innere Erregung.

Kalte und zielbewußte Bosheit las ich in seinen grauen Augen. Herzlich froh, dem verhaßten Manne nun wohl für immer den Rücken zu kehren, sprang ich rasch in den Sattel: ein kurzer, scharfer Befehl des Leutnants, Klirren und Rasseln der aufsitzenden Reiter, und wir waren unterwegs. Noch einmal blickte ich zurück nach dem Schlosse meiner Ahnen. Unbeweglich stand der Alte im Torweg und über ihm, in einem der altehrwürdigen Fenster, erschien Sibylle, um mir zuzuwinken. Ein kalter Schauer überlief mich, als ich des furchtlosen Mädchens gedachte und des Mannes, in dessen Händen ich sie wehrlos zurückgelassen.

Auf dem Rücken meines leichtfüßigen Pferdes, das mich mit Windeseile durch die frische Morgenluft trug, hatte ich meine Sorgen bald vergessen. Die glänzendweiße Straße führte in Schlangenlinien über welliges Hügelland; weitab zur Linken lag die See, von uns getrennt durch das große Moor, das der Schauplatz meines nächtlichen Abenteuers gewesen. Sogar die schreckliche Fischerhütte glaubte ich in der Ferne als schwarzen Fleck zu sehen. Die kleinen Häusergruppen von Etaples, Ambleterre und anderen Fischerdörfern hoben sich deutlich vom Horizonte ab; und der Küstenstrich, der gestern abend im Scheine der halb bedeckten, untergehenden Sonne aussah wie ein rotglühendes Schwert, erschien jetzt schneeweiß von den Lagerzelten der großen Armee Napoleons. Weit draußen am Wasser stand eine schwarzgraue Wolke. Sie verdeckte mir das Land, in dem ich meine Jugend verbrachte, das liebliche, gastfreie Land, das mir – nach dem eigenen Vaterland – zeitlebens das teuerste bleiben wird. Ich wandte meine Aufmerksamkeit von dem Landschaftsbilde ab den Husaren zu, die – eher eine Garde als eine Eskorte – an meiner Seite ritten. Waren sie doch bis auf die Patrouille von heute nacht die ersten napoleonischen Soldaten, die ich zu Gesicht bekam. Mit Neugierde und Bewunderung musterte ich diese durch ihre Disziplin und Tapferkeit rasch weltberühmt gewordene Truppe. Bei der Parade hätte sie mit ihrer einfachen Uniform und Ausrüstung kaum Staat gemacht, aber die fleckigen Mäntel, das abgeschabte Riemzeug und die kleinen, struppigen Pferde erzählten von den Strapazen des harten, ruhmreichen Dienstes im Felde.

Es waren kleine, leichte Gestalten mit wettergebräunten Gesichtern und starken Schnurr- und Backenbärten; viele trugen Ohrringe. Besonders setzte mich der üppige Bartwuchs eines blutjungen, sonst ganz knabenhaft aussehenden Soldaten in Verwunderung, bis ich bei näheren Hinsehen entdeckte, daß sein martialischer Backenbart aus schwarzem, an die Wangen geklebtem Wachs geformt war. Der junge Leutnant bemerkte mein Erstaunen und sagte erklärend: »Sie wundern sich über den künstlichen Bart; aber der Bursche ist erst siebzehn Jahre alt, und wir können uns das Aussehen der Truppe durch sein Milchgesicht nicht verderben lassen.«

»In dem warmen Wetter, Leutnant, schmilzt das Wachs so stark,« sagte der junge Husar, sich vertraulich in das Gespräch mischend, wie es in Napoleons Armee üblich war.

»Nun ja, Kaspar, in ein oder zwei Jahren wirst du deinen Wachsbart verabschieden.«

»Bis dahin hat er vielleicht schon seinen Kopf verabschiedet,« warf ein Korporal ein, und alle lachten so laut, daß man sie in England dafür vor das Kriegsgericht gestellt hätte. Der vertrauliche Ton zwischen Offizieren und Mannschaft war ein Überbleibsel aus den Tagen des Bürgerreiches, und Napoleons leutseliges Benehmen im Kreise seiner Armee dürfte diese Vertraulichkeit noch gesteigert haben. Oft genug traf die kommandierenden Offiziere ein Hagel von Spottworten aus den Reihen ihrer Soldaten, und – leider – ging auch manchmal ein Hagel von Geschossen auf sie nieder. Oft wurden Offiziere von ihren Untergebenen ermordet; und besonders in der Schlacht von Montebello fielen alle Offiziere – mit Ausnahme eines einzigen von der vierundzwanzigsten Halbbrigade – durch Schüsse von rückwärts. Bald jedoch gelang es Napoleon, in aller Güte seinen Truppen einen besseren Geist einzuflößen. In seiner glorreichen Armee bedurfte es nicht der in Preußen und England damals noch üblichen Prügelstrafe, um die Soldaten zu den äußersten Kraftanstrengungen anzuspornen; Pflichtgefühl und Vaterlandsliebe, nicht Hoffnung auf Lohn und Furcht vor Strafe, waren in dieser erlesenen Schar die Triebfedern zur Tapferkeit. Ein französischer General konnte es getrost wagen, die Soldaten seiner Division tagelang frei im Lande umherstreifen zu lassen; zur Schlacht waren sie sicher alle zur Stelle. Nie täuschten sie das Vertrauen ihrer Führer. Aus den wenigen von den Husaren gesprochenen Worten hatte ich erkannt, daß Französisch nicht ihre Muttersprache war. Daher fragte ich den Leutnant, wo dieselben ausgehoben seien; Franzosen könnten sie ja ihrer Aussprache nach nicht sein.

»Sagen Sie das um Gottes willen nicht laut,« antwortete der Offizier, »sonst schlägt Sie einer mit dem Säbel nieder. Wir sind das erste französische Kavallerieregiment, die Husaren von Berchény; und wenn auch die meisten unserer Leute aus dem Elsaß stammen, und viele von ihnen nur Deutsch können, so sind sie doch ebenso gute Franzosen als Kléber oder Kellermann, die ja auch dort zu Hause sind. Die Soldaten unseres Regiments sind stramme Burschen und seine Offiziere die schneidigsten der ganzen Armee.«

Der Leutnant setzte seine Pelzmütze zurecht, warf den blauen Dolman um seine Schultern, zog die Zügel stramm und rasselte mit dem Säbel. Kindliches Entzücken, Stolz auf sein Regiment und sich selbst malte sich in seinem Gesicht. Die prahlerische Eitelkeit des jungen Mannes machte mir Spaß; aber im Grunde genommen hatte er recht, auf seine graziöse Gestalt und seine ritterliche Haltung stolz zu sein. Und was mich noch mehr für ihn einnahm: der treuherzige Blick seiner blauen Augen verriet den guten Kameraden. Vielleicht dachte er dasselbe von mir, denn er wurde plötzlich vertraulich und legte mir die Hand aufs Knie.

»Ich hoffe, der Kaiser wird nicht ungnädig mit Ihnen sein,« sagte er mit aufrichtig besorgter Miene.

»Das hoffe ich auch,« antwortete ich; »bin ich doch aus England herübergekommen, um ihm meine Dienste anzubieten.«

»Als er heute nacht beim Rapport erfuhr, daß Sie sich in Gesellschaft jener Gauner befanden, erteilte er sofort Befehl, Sie ihm vorzuführen. Vielleicht braucht er Ihre Dienste als Führer in England. Sie kennen doch die ganze Insel genau?«

Der Husar schien sich Großbritannien ungefähr in der Ausdehnung einer der normannischen Inseln vorzustellen. Ich versuchte ihm klarzulegen, daß England ein großes Reich, nicht viel kleiner als Frankreich sei.

»Bemühen Sie sich nicht,« sagte er, »wir werden das alles sehr bald aus eigener Anschauung kennen lernen. Nächster Tage wollen wir England erobern. Im Lager sagt man, daß wir vermutlich nächsten Dienstagabend oder Mittwoch in London einmarschieren werden. Eine Woche lang haben wir Zeit, die Stadt zu plündern; dann soll ein Armeekorps Schottland und ein zweites Irland besetzen.«

Die Zuversicht des Offiziers machte mich lächeln. »Sind Sie sicher,« fragte ich, »daß alles so glatt ablaufen wird?«

»Gewiß,« meinte er, »der Kaiser hat es ja beschlossen.«

»Es wird harte Kämpfe setzen,« entgegnete ich, »die Engländer sind gut vorbereitet und haben ein tapferes Heer.«

»Das wird ihnen wenig nützen, der Kaiser geht selbst hinüber.«

In dieser einfachen Antwort kam das unbedingte Vertrauen, das die Soldaten Napoleons zu ihrem Führer hatten, zum Ausdruck. Fanatisch, mit der Kraft einer religiösen Überzeugung hingen sie an ihm, und Mohammed selbst hätte den rechtgläubigen Islamiten nicht mehr Mut und Todesverachtung einflößen können, als dieser grauröckige Götze seinen Dienern. Mit der letzten Kraft der erlöschenden Stimme riefen die Sterbenden auf dem Schlachtfeld nach ihrem Kaiser und wandten ihm verklärt die todesblassen Gesichter zu.

Nur wer solche Szenen miterlebt hat, kann sich von der Macht, die Napoleon auf seine Soldaten ausübte, einen annähernden Begriff machen. Wahrhaftig, wenn er eines Tages den Entschluß gefaßt hätte – und er war mehr als einmal nahe daran –, sich zum Halbgott ausrufen zu lassen, Millionen hätten sich bereit gefunden, ihm diese Würde unbedenklich zuzuerkennen.

»Sie waren also da drüben?« fragte der Leutnant, auf die über dem Wasser liegende Wolke deutend.

»Gewiß, ich habe mein ganzes Leben dort zugebracht.«

»Warum sind Sie nicht schon längst nach Frankreich gekommen, um für Kaiser und Vaterland zu fechten?«

»Mein Vater wurde aus der Heimat vertrieben, wie alle Adeligen. Solange er lebte, konnte ich meine Dienste dem Kaiser nicht anbieten.«

»Sie haben viel versäumt, aber es wird gewiß noch viele fröhliche Kriege auszufechten geben. Glauben Sie, daß die Engländer eine Schlacht annehmen werden?«

»Ich glaube bestimmt.«

»Wir fürchten, sie werden sofort die Waffen strecken, wenn sie hören, daß der Kaiser selbst nach England kommt. Unter anderem, es soll sehr schöne Frauen dort geben?«

»Die Engländerinnen sind in der Tat sehr schön.«

Der Leutnant streckte die Brust heraus und drehte die Spitzen seines Schnurrbartes. »Sie werden in Booten entfliehen,« murmelte er. Offenbar blieb er hartnäckig dabei, sich England als kleine Insel vorzustellen.

»Wenn sie wüßten, wie wir aussehen, würden sie gewiß nicht fliehen. Von den Berchény-Husaren sagt man, sie setzen überall, wohin sie kommen, die ganze Bevölkerung in Bewegung. Die Weiber laufen ihnen zu, und die Männer rennen davon. Nun, Sie sehen ja selbst, wie schmuck sich unsere Mannschaft präsentiert, und die Offiziere sind die Auslese der ganzen Armee, besonders natürlich die jungen.«

Da ich keine Lust verspürte, mich in Lobeserhebungen über die äußeren Vorzüge meines Begleiters zu ergehen, wechselte ich das Gesprächsthema und fragte ihn, ob er wohl schon eine Schlacht mitgemacht habe. In Anbetracht der Jugend des Offiziers – er mochte kaum älter gewesen sein als ich – hielt ich diese Frage durchaus nicht für beleidigend. Der Husar aber war anderer Meinung. Mit durchbohrendem Blicke maß er mich von oben bis unten.

»Ich hatte das Glück, an neun großen Schlachten und mehr als vierzig Scharmützeln teilzunehmen,« sagte er gereizt. »Ich habe auch eine stattliche Reihe von Duellen ausgefochten und bin jederzeit bereit, mich, wem immer, zum Zweikampf zu stellen – selbst einem Zivilisten, wenn er es darauf anlegen sollte.«

Ich beglückwünschte ihn, daß er trotz seiner Jugend schon so viel mitgemacht habe, was seinen Zorn rasch besänftigte.

Er erzählte von der Schlacht bei Hohenlinden, wo er unter Moreau gefochten, von dem Übergang über die Alpen, von der Schlacht bei Marengo und anderen Gefechten, die er mitgemacht hatte.

»Im Lager werden Sie den Namen Etienne Gerald oft nennen hören. Ich schmeichle mir, der Held einiger Geschichten zu sein, die sich die Soldaten an den Lagerfeuern gern erzählen. Besonders berühmt ist der Kampf geworden, den ich allein gegen sechs ausgezeichnete Fechter erfolgreich bestand, und das Abenteuer mit den österreichischen Husaren, die ich auf eigene Faust überfiel, um ihre Trommel zu erbeuten und auf dem Rücken meines Pferdes heimzubringen. Es war auch kein Zufall, daß gerade ich heute nacht bei der Patrouille war. Colonel Lassalle wollte seine Gefangenen in sicherem Gewahrsam wissen. Leider haben wir nur den einen dingfest gemacht, und dazu noch gerade diesen armseligen Hasenfuß.«

»Und der andere – Toussac?«

»Der scheint aus anderem Teig gemacht zu sein. An ihm hätte ich gern meine Kraft erprobt. Aber er ist entwischt. Bei der Verfolgung bekamen wir ihn einmal zu Gesicht und gaben einige Schüsse auf ihn ab. Dann aber verloren wir seine Spur wieder. Er kennt das Moor zu gut.«

»Welches Schicksal steht Ihrem Gefangenen bevor?« fragte ich.

Leutnant Gerard zuckte die Achseln.

»Der Kaiser hat die Verschwörungen satt und will, wie ich höre, an ihm ein Exempel statuieren. Das tut mir leid, wegen des Fräuleins. Warum muß sie aber auch ihr Herz gerade an diesen Menschen hängen, wo es doch so viele tapfere Soldaten gibt, die dessen würdiger wären.«

Trotz unseres lebhaften Gespräches ritten wir in scharfer Gangart weiter und waren dem Lager schon so nahe gekommen, daß wir die einzelnen Brigaden und Regimenter ganz gut unterscheiden konnten. Eine ganze Stadt von Zelten sahen wir vor uns ausgebreitet in der Niederung, zu der sich nunmehr die Straße senkte; dazwischen unendliche Reihen von aufgezäumten Pferden, zahllose Geschütze und Schwärme von Soldaten. In der Mitte der Ansiedlung befand sich, von einem kreisförmigen freien Raum umsäumt, ein großes Zelt und eine Gruppe von niedrigen Holzhäusern; darüber wehte die Trikolore.

»Das ist das Quartier des Kaisers, und das kleinere Zelt dort gehört dem General Ney, der dieses Korps kommandiert. Natürlich ist das hier nur ein Armeekorps, und zwar das südlichste; das nördlichste befindet sich bei Dünkirchen, und dazwischen liegen viele andere. Zeitweise inspiziert sie der Kaiser der Reihe nach; aber bei uns hält er sich am häufigsten auf; wir sind seine Elitetruppe. Deshalb hat er auch seinen Hofstaat und die Kaiserin selbst in das benachbarte Tour de Briques kommen lassen. Übrigens ist er auch jetzt hier,« fügte er, auf das große weiße Zelt in der Mitte des Lagers zeigend, hinzu.

In den Feldern längs der Straße, die wir ritten, hielten verschiedene Waffengattungen ihre Übungen ab. In ihrem Äußeren entsprachen auch diese Truppen nicht den Vorstellungen, die ich mir nach den Berichten über ihre Heldentaten von ihnen gemacht hatte; ebensowenig als die Husaren meiner Eskorte. Insbesondere die Infanterie bestand aus lauter kleinen Leuten, die in ihren blauen Röcken, weißen Kniehosen und ebensolchen Gamaschen recht unscheinbar aussahen; selbst mit ihren metallglänzenden, mit roten Federn geschmückten Tschakos machten sie keinen gerade imponierenden Eindruck.

Trotz ihrer dürftigen Gestalten aber waren sie zähe, drahtige Kerle, und ihre militärische Ausbildung ließ nach dem mehrjährigen Kriegsdienst nichts zu wünschen übrig.

Zahlreiche altgediente, erprobte Soldaten standen in den Reihen; die jüngsten Offiziere hatten reiche Erfahrung im Felde hinter sich, und die Geschicklichkeit der Generale hatte nirgends ihresgleichen. Wahrhaftig, der Feind, dessen Angriff dem britischen Reiche drohte, war nicht zu unterschätzen. Und hätte Pitt nicht die erste Marine der Welt zur Verfügung gehabt, um die Küste Englands zu verteidigen, die Geschichte Europas böte ein anderes Bild, als es heute der Fall ist.

Leutnant Gerard, der mein Interesse an den Manövern bemerkte, gab mir nähere Aufklärungen über einzelne Truppenkörper, die in unsere Nähe kamen.

»Die Reiter dort auf Rappen mit blauen Decken sind Kürassiere; mit ihren schweren Pferden können sie nur einen langsamen Trab reiten. Wenn sie einen Angriff machen, steht immer eine Abteilung Husaren oder Jäger bereit, um den Erfolg auszunützen.«

»Und wer ist der Zivilist, der die Übungen inspiziert?« fragte ich.

»Das ist kein Zivilist, sondern General St. Cyr, einer von denen, die sich Spartaner vom Rhein nennen. Ihm gilt Einfachheit als die höchste Soldatentugend; aus Prinzip trägt er keine andere Uniform als den einfachen blauen Rock, den er auch jetzt anhat. St. Cyr ist ein hervorragender Offizier, aber er ist unbeliebt, weil er selten mit jemand spricht; manchmal schließt er sich tagelang in sein Zelt ein und spielt Geige. Ich für meinen Teil glaube aber, deswegen noch kein schlechter Soldat zu sein, weil ich einen eleganten Rock trage und mir hier und da ein Glas guten Wein gönne. Wer mich kennt, wird mir das zugestehen. Sehen Sie die Fußtruppen dort auf der linken Seite?«

»Die mit den gelben Aufschlägen?«

»Ganz richtig. Das sind die berühmten Oudinot-Grenadiere. Und die anderen Grenadiere dort mit den roten Achselklappen und den auf dem Tornister aufgebundenen Pelzmützen sind die kaiserliche Leibgarde, die frühere Konsulargarde, die bei Marengo den Ausschlag gab. Achtzehnhundert Mann von ihnen haben nach dieser Schlacht das Ehrenkreuz bekommen. Dort arbeitet das siebenundfünfzigste Infanterieregiment, das den Beinamen des ›Schrecklichen‹ führt, und drüben das siebente leichte Infanterieregiment, das in den Pyrenäen zu Hause ist; seine Leute sind als die besten Fußgänger und die größten Spitzbuben in der Armee bekannt. Die leichte Kavallerie in Grün sind berittene Gardejäger, die als die Lieblingstruppe des Kaisers gelten, obwohl ich es kaum glauben kann, daß er sie höher hält als die Berchény-Husaren. Die anderen Reiter dort in grüner Uniform sind auch Jäger, aber ich weiß nicht, welchem Regiment sie angehören. Sie manövrieren ganz ausgezeichnet. Besser könnten wir selbst es kaum machen. Und nun, Monsieur de Laval, sind wir im Lager angelangt; ich habe den Befehl, Sie unverzüglich dem Kaiser vorzuführen.«

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