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Omoo oder Abenteuer im stillen Ocean. Erster Theil

Herman Melville: Omoo oder Abenteuer im stillen Ocean. Erster Theil - Kapitel 12
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typefiction
authorHermann Melville
titleOmoo oder Abenteuer im stillen Ocean. Erster Theil
publisherVerlag von Gustav Mayer
year1847
translatorFriedrich Gerstäcker
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Capitel IX.

Der runde Robin. Der Besuch vom Ufer. Was der Consul that.

Nachdem der Capitän uns verlassen, starb die Landbriese ab und gegen Nachmittag, wie das gewöhnlich bei diesen Inseln der Fall ist, trat eine gänzliche Windstille ein; es blieb jetzt nichts zu thun für uns, als ganz gemüthlich auf den langen Schwellungen herumzurollen. Die Ruhe der Elemente schien sich auch auf die Mannschaft auszudehnen und für kurze Zeit lagen sie alle in gänzlicher Unthätigkeit.

Gleich nach Mittag kehrte der Steuermann zum Schiff zurück, wie aber der Steward sagte, so wollten sie noch einmal mit dem übrigen Theil von des Kapitäns Effekten ans Ufer gehen.

Als Jermin das Deck betrat, wich er uns absichtlich aus und stieg augenblicklich, ohne ein Wort zu sagen, in die Kajüte hinab; indessen arbeitete ich und Doktor Lattengeist hart daran, die Leute zur Ruhe zu bringen, und ihnen begreiflich zu machen wie sie, mit nur ein klein wenig Geduld und dem rechten Geist, am Ende doch Alles das ausrichten würden, und zwar ohne ernsthafte Folgen, was nur durch offne Gewalt geschehen konnte.

Wir befanden uns ja auch unter einer fremden Flagge; ein englischer Konsul war ganz in der Nähe und ich wußte sehr gut, daß Matrosen gegen ihre Obern selten Recht bekommen; das Beste also, was wir thun konnten war, uns vorsichtig zu benehmen. Uebrigens fühlte ich mich so fest davon überzeugt, Capitän Guy behandle uns grausam und ungerecht und unsere Klagen seien keineswegs aus der Luft gegriffen, daß ich mir fest vornahm, im schlimmsten Falle die Sache mit durchzufechten, wie sie auch enden möge.

Einzelne der Mannschaft wurden aber jetzt, trotz aller unserer Vorstellungen so wild und unbändig, daß nichts als offene ungebundene Meuterei ihnen zu dienen schien. Da wir nach Tisch hinunter gingen, machten diese Burschen einen solchen Skandal, daß der alte Rumpf ordentlich zitterte und manche wilde donnernde Reden wurden gehalten. Unter andern stand der lange Jim oder – wie der Doktor ihn später nannte – der lacedämonische Jim, von seinem Platze auf und redete das Vorcastle-Parlament etwa auf folgende Weise an:

– Seht hier, Ihr Britten, wenn, nachdem was vorgefallen ist, dies Fahrzeug hier mit uns wieder in See geht, so sind wir keine Männer – versteht Ihr mich? – Lumpen sind wir – sprecht's aus, meine Herzchen, und ich will sie hinein lootsen, die kleine Jule. Ich bin schon früher in Tahiti gewesen und kenne den Platz.

Dann setzte er sich unter einem allgemeinen Hämmern von Kistendeckeln und dem Zusammenklappen aller erreichbaren Blechgefäße wieder nieder, und auch Einige von den Kranken, die bis dahin noch keinen Antheil genommen, machten ihre Cojen krachen und schaukelten ihre Hängematten.

Wilde, verworrene Schreie, wie: » Segel 'auf!« Hurrahs und dergl. mehr wurden gehört und Mehrere stürmten an Deck; so daß ich schon glaubte, mit mein und des Doktors Regiments sei's vorbei. Endlich gelang es uns aber doch, wenigstens einige Ruhe wieder herzustellen.

Um ihre Gedanken nun etwas abzulenken, schlug ich vor, daß ein Runder Robin hergestellt und durch Baltimore, den Koch, ans Ufer zum englischen Gesandten geschickt werden solle. Diese Idee gefiel allgemein und man trieb mich an, augenblicklich ans Werk zu gehen. Als ich mich aber an den Doktor wegen der dazu nöthigen Requisiten wandte, hatte dieser keine, denn nicht einmal ein Schmuztitel war mehr in seinen Büchern. Nach langen Suchen entdeckten wir endlich noch einen feuchten, schwartigen Band: »Geschichte der blutdürstigsten und fürchterlichsten Seeräuber«, dessen beide leere Blätter vorn und hinten herausgerissen, und mit Hülfe von etwas Pech zu einem Blatt verlängert wurden. Tinte fertigte einer der Leute, der etwas literarische Neigung zu haben schien, aus Lampenrus und Wasser, und eine ungeheure Feder wurde dem Flügel eines Albatrosses entrissen, das schon lange gegen die Bugsprietbalken genagelt, eine Zierde des Vorcastles gewesen.

Unsere Schreibmaterialien also solcher Art hergestellt, benutzte ich einen Kistendeckel zum Tisch und setzte einen vollen aber bündigen Bericht unserer Leiden auf, während ich mit der Hoffnung schloß, der Consul würde selbst augenblicklich an Bord kommen, und sehen wie unsre Sachen ständen. Dicht unter diesen Bericht nun wurde der sogenannte runde Robin angebracht, um den herum die Namen geschrieben und auf solche Art gestellt werden müssen, daß sie ihn alle im Kreis umziehen und also Keiner als der Führer des Ganzen herausgefunden werden kann.

Wenige unter den Leuten hatten wirklich ordentliche Namen; und fast alle beanspruchten einen Titel, der ihnen durch irgend eine persönliche Eigenschaft oder That zuertheilt worden, und wir beschlossen denn auch die Namen so zu unterschreiben, wie sie unter der Mannschaft selbst gäng und gäbe wären.

Zusammengefaltet und mit einem Tropfen Theer gesiegelt, wurde denn nun unser höchst wichtiges Dokument

Der runde Robin

Der runde Robin

»an den englischen Konsul in Tahiti« adressirt und dem Koch übergeben, der ihn jenem Gentleman überliefern sollte, sobald der Steuermann wieder ans Ufer ging. Baltimore, der dort hatte frei herumlaufen dürfen, erzählte uns denn auch viel Neues, als das Boot endlich, etwas nach Dunkelwerden zurückkehrte.

Allem Anschein nach befand sich ganz Tahiti in Aufruhr; Pritchard, der Missionar-Consul, war abwesend in England und sein Platz indessen durch einen gewissen Wilson ersetzt worden, ein Weißer, jedoch auf der Insel geboren, und der Sohn eines alten, noch dort lebenden Missionärs. Diesen jungen Wilson mochten übrigens so wenig die Eingeborenen wie die Weißen leiden und sein späteres Betragen gegen uns rechtfertigte ganz diesen Widerwillen; man tadelte Pritchard allgemein, daß er einen solchen Mann gewählt hatte, seine Stelle zu ersetzen.

Obgleich er niemals in Europa oder Amerika gewesen war, so hatte dieser Consul doch schon mehrere Reisen nach Sidney in einem Missionsschooner gemacht, und deshalb erstaunten wir auch nicht besonders als uns Baltimore sagte, er und Capitän Guy wären ganz vertraut mit einander und der Letztere hätte sich sogar in Wilsons Hause einquartirt. Das bedeutete für uns wenig Gutes.

Der Steuermann wurde nun von hundert Fragen bestürmt, was mit uns geschehen solle, erwiderte jedoch hierauf nur, daß uns gegen Morgen der Konsul einen Besuch abstatten und Alles in Ordnung bringen würde. Nach Sonnenaufgang entdeckten wir denn auch ein Uferboot, das von Eingeborenen bemannt, diesen Konsul und noch einen Weißen an Bord führte; dies war ein Doktor Johnson, ein Engländer und in Papeetee residirender Wundarzt.

Jermin ging an den Gangweg sie zu empfangen; kaum berührte aber der Consul das Deck, als sich auch schon zeigte, was wir von ihm zu halten hatten.

– Mr. Jermin, rief er hochnasig und hielt es nicht einmal der Mühe werth, die ehrerbietige Begrüßung dieses würdigen Mannes anzuerkennen. – Mr. Jermin, wenden Sie und stehen Sie in See.

Die Mannschaft nahm ihn indessen scharf aufs Korn um herauszubekommen was für ein Gesell er eigentlich sei; er stellte sich aber als ein höchst winziger heraus; mit keck aufgestülpter Nase und einem Paar äußerst dünnen Beinen; sonst ließ sich nichts besonderes an ihm finden und Jermin befolgte mit, wie es schien, keineswegs freudiger Bereitwilligkeit, den Befehl. – Gleich darauf deutete des Schiffes Klüverbaum wieder in See hinaus.

Wie aber der erste Anblick eines Menschen fast stets bestimmt, ob wir ihn hassen oder lieben sollen, so hatte dieser Bursche etwas so unbeschreiblich Widerliches an sich, daß wir schon alle einen ordentlichen Zorn auf ihn bekamen, ehe er nur einmal den Mund recht aufgethan.

– Der Rathsherr ist also da! rief Navy Bob, der ihn wie alle Uebrigen, und sehr zu meinem und des Doktors Ergötzen, von allem Anfange an so nannte.

– Ja wohl, sagte ein Anderer, aber verdammt wenig wird er uns nützen! und dies Letztere schien auch die Meinung aller Uebrigen zu sein.

Wilson und Jermin gingen indessen in die Kajüte hinab.

Niemand übertraf jetzt den Böttcher an Leidenschaftlichkeit, denn Alles verfluchend, was sich ihm in den Weg stellte, rief er den großen Mast zum Zeugen an, daß er, – Spunt – wenn er je wieder in der Julia vom Lande absegelte, den Himmel beschwöre, ihm eine Strafe zuzuertheilen, die viel zu außergewöhnlich war, um hier genannt werden zu können.

Wie ein Rohrsperling schimpfte er dabei auf das, was wir zu essen bekamen und nannte es nicht für Hunde genießbar, wonach er mit besonderer Schärfe dabei verweilte, wie unklug es sei, das Fahrzeug noch länger einem so unmäßigen Manne anzuvertrauen als der Steuermann sei. Was konnten wir auch mit so viel Kranken auf der Fischerei erwarten; Parlamentiren half hier weiter gar nichts; das Einzige was uns zu thun übrig blieb war einfach vor Anker zu gehen. – Dieß war Spunts Meinung.

Da nun Spunt als ein tüchtiger Seemann und auch noch dazu als der Aelteste im ganzen Fahrzeug galt, hier aber seine Meinung in so kräftiger unzweideutiger Sprache dargethan hatte, so wurde er darauf hin, und ganz plötzlich zum Redner ernannt, sobald nemlich eine Unterhandlung mit dem Konsul selbst nöthig werden sollte. Diese Wahl fand übrigens gegen meinen und des Doktors Rath statt; Alle jedoch versprachen uns sich ruhig zu verhalten, und zu hören was Wilson zu sagen habe, ehe sie etwas Entscheidendes unternähmen.

Wir sollten nicht lange darauf zu warten haben. Bald nachher sahen wir ihn auf dem Starbordgangweg, wobei er die lackirte Büchse in der Hand trug, die des Schiffes Papiere enthielt, und Jermins Stimme rief uns gleich darauf aufs Quarterdeck.

Diesem Befehle wurde augenblicklich Folge geleistet und die Matrosen stellten sich dem Consul gegenüber auf.

Es war eine wilde Gesellschaft; Männer von allen Klimaten; auch nicht besonders eigen in Herstellung ihrer Kleidung, aber doch pittoresk, selbst in den Lumpen. Mein Freund, der lange Doktor, befand sich ebenfalls dabei und mochte wohl gehofft haben, die Sympathie des Consuls für einen Gentleman im Unglück zu erwecken, was seine ausgesuchte Toilette wenigstens verrieth. Unter den Matrosen sah er freilich wie ein in See gewehter Strandläufer aus, der sich zu Sturmvögeln gesellt hat. Der unglückselige Ropey spielte jedoch bei weitem die auffallendste Figur; als Landlubber, der er war, hatte man ihm seine seemännischen Kleider schon lange confiscirt und er ging nun in Allem herum, was er gerade auftreiben konnte; dabei trug er, obgleich ihn der fast täglich vom Rücken gerissen wurde, einen alten Nagelhammerfrack, einen sogenannten Schwalbenschwanz, der früher Capitän Guy gehört und den er während seiner Stewarddienste bekommen.

Neben Wilson stand der Steuermann im bloßen Kopf und seine grauen Locken lagen ihm in festen Ringeln auf der bronzenen Stirn, während sein scharfes Auge die Menge überflog, als ob er jeden ihrer Gedanken kenne. Seine Jacke hing ihm locker auf den Schultern und ließ die runde Kehle und moosige Brust frei, auf der noch wunderliche Devisen mit rauher Hand tättowirt standen.

Inmitten eines feierlichen Schweigens rollte der Consul jetzt seine Papiere auf und suchte uns, allem Anschein nach schon durch seine gewaltigen Blicke, einzuschüchtern.

– Mr. Jermin, lesen Sie die Namen ab; – und er überreichte ihm dabei die Liste der Schiffsmannschaft.

Alle antworteten, nur nicht die zwei Deserteure und die Beiden, die wir, in ihre Hängematten eingenäht, der See übergeben.

Wir vermutheten nun natürlich, daß jetzt der runde Robin vorgebracht werden sollte; das geschah jedoch nicht; allerdings glaubten wir unter des Konsuls Papieren dies merkwürdige Dokument zu entdecken. War das übrigens wirklich der Fall, so hielt er es für viel zu verächtlich, um davon Gebrauch zu machen. Einige der Anwesenden, die den Robin und auch wohl mit Recht, als ein höchst ungewöhnliches literarisches Produkt angesehen, mochten wohl Wunder davon erwartet haben, und fanden sich nun durch dessen so gänzliche Vernachlässigung höchst unangenehm berührt.

– Nun, Leute, begann Wilson endlich, wie ich höre, so sind, obgleich Ihr alle munter genug ausseht, auch einige Kranke zwischen Euch. Mr. Jermin, lesen Sie einmal die Namen von Ihrer Krankenliste da ab, und lassen Sie die Abgelesenen auf die andere Seite vom Deck gehen; ich möchte sehen, wer sie sind.

– Also Ihr, fuhr er dann, als sie alle hinüber waren fort, Ihr seid die Kranken? Nun gut, sehr gut, ich werde Euch untersuchen lassen, Ihr werdet nachher einer nach dem andern zu Doktor Johnson in die Kajüte hinunter gehen, der mir Eure verschiedenen Umstände rapportiren soll. Solche, die er mir als sterbend anzeigt, mögen ans Ufer gehen; die Uebrigen bleiben, mit Allem versehen was ihnen Noth thut, an Bord.

Bei dieser Ankündigung sahen wir einander verwundert an; neugierig zu erfahren, wer denn eigentlich sterbend sei; ja es mochte wohl Manchem einfallen, lieber an Bord zu bleiben und gesund, als ans Ufer zu gehen und begraben zu werden. Einige darunter merkten jedoch was Wilson beabsichtige und handelten danach, und ich selbst beschloß einen möglichst kläglichen Ausdruck anzunehmen; das blieb jetzt noch unsere einzige Hoffnung Land zu betreten und zu gleicher Zeit ohne weitere Umstände vom Schiff zu kommen.

In dieser Absicht nahm ich mir vor, keinen Antheil weiter an dem zu nehmen, was verhandelt wurde, bis mein eignes Schicksal entschieden sei; der Doktor hatte sich ebenfalls schon seit längerer Zeit krank gestellt, wobei er mir nun auch einen bedeutenden Blick zuwarf, der mir sogleich verrieth, wie viel schlimmer es auf einmal mit ihm stand.

Da die Invaliden auf solche Art bei Seite gebracht wurden, und während sich Einer von ihnen zur Untersuchung in der Kajüte befand, wandte sich der Consul gegen die Uebrigen um und redete sie auf folgende Art an:

– Leute, ich werde Euch zwei oder drei Fragen vorlegen und Einer von Euch mag Ja oder Nein antworten, die Uebrigen verhalten sich ruhig. Also, habt Ihr etwas gegen Euern Steuermann Mr. Jermin zu sagen? Und er blickte dabei zuerst scharf die Matrosen, dann aber den Böttcher an, dem sich Aller Augen zuwandten.

– Ei nun, Sir, stammelte Spunt, wir können gerade nichts gegen Mr. Jermin als Seemann sagen – aber – – Ich will keine Aber's, unterbrach ihn der Consul schnell, antwortet mir Ja oder Nein. Habt Ihr etwas gegen Mr. Jermin?

– Ich wollte sagen Sir, Mr. Jermin ist ein sehr guter Mann, aber denn – hier blickte der Steuermann Dolche nach Spunt, und dieser, nachdem er noch Einiges herausgestottert hatte, sah aufs Deck nieder und blieb ganz stecken.

So wild und trotzig sich der Böttcher gezeigt hatte, wo er allein zwischen seinen Kameraden gewesen, so sehr gab er jetzt klein bei, wo es galt.

– So viel also, was diesen Theil des Geschäfts betrifft, fiel nun Wilson rasch wieder ein, wäre abgemacht. Ihr habt, wie ich sehe, nichts gegen Euern Steuermann zu sagen.

Mehrere schienen jetzt allerdings sehr viel sagen zu wollen, durch des Böttchers Betragen aber irregemacht, schwiegen sie still, und der Consul fuhr fort.

– Habt Ihr genug zu essen an Bord? Antwortet mir, Ihr da, der Ihr zuerst gesprochen!

– I nun, ich weiß nicht recht, was das anbetrifft, sagte der Böttcher und suchte sich langsam zurückzudrücken, kam aber immer unwillkührlich wieder vor. Manches von dem – Pökelpferd ist gerade nicht so süß, wie es eigentlich sein sollte.

– Das wollte ich nicht von Euch wissen, schrie da der Consul und wurde ordentlich tapfer. Antwortet mir, wie ich Euch frage, oder ich bringe Euch dazu.

Dies hieß die Sache ein kleines Bischen zu weit getrieben. Die Wuth, die durch des Böttchers Betragen in den Matrosen kochte, kam nun zum Ausbruch und Einer von ihnen, den wir Salem Und zwar nach dem Platz, von welchem aus er gesegelt; ein sehr bekannter Hafen an der Küste von Massachusetts. nannten, sprang zwischen den Uebrigen vor, versetzte dem Böttcher einen Schlag, der ihn weithin gegen den Consul zusandte, schwang sein Messer in der Luft und schrie aus:

– Ich bin der, Sir, der Eure Fragen beantworten kann; richtet sie nur an mich, Rathsherr.

Der Rathsherr hatte aber in dem Augenblick gerade keine Fragen weiter zu thun, denn kaum erkannte er das blitzende Messer und den wunderbaren Erfolg, den Salem's Schlag aus Spunt hervorbrachte, als er die Kajütentreppe hinabsprang und dort auch bleiben zu wollen schien.

Erst da, als ihm der Steuermann versicherte, daß Alles vorüber sei, kam er wieder hervor und schien allerdings sehr erschreckt, wollte aber doch noch gern dabei so grimmig aussehn wie möglich, rief deshalb den Uebrigen drohend zu, sich in Acht zu nehmen. Dann wiederholte er seine Frage, ob wir an Bord genug zu essen hätten.

Jeder wollte aber jetzt sprechen und er wurde durch einen wahren Sturm von Zurufen angebrüllt, in dem die Flüche wie Hagel fielen.

– Was soll das heißen, was meint Ihr damit? schrie er in der ersten durchschreibaren Pause. – Halloh, Ihr da mit dem Messer, Ihr werdet noch Jemand die Augen ausstechen – hört Ihr – Ihr da, Sir, Ihr scheint sehr viel zu sagen zu haben. Wo seid Ihr an Bord gekommen.

– Ich bin weiter nichts als ein blutiger beech-comber, Dies ist ein unter den Matrosen der Südsee sehr gebräuchlicher Ausdruck und wird einigen wandernden Charakteren beigelegt, die sich, ohne einem Schiff auf die ganze Fahrt anzugehören, dann und wann auf kurze Wallfischfahrten einschiffen und zwar nur unter der Bedingung, das nächste Mal, wenn das mit Ehren geschehen kann, ans Land gesetzt zu werden, sobald das Schiff wieder vor einem Hafen vor Anker geht. Es ist dies meistenteils ein wildes, tollkühnes Volk, in der stillen See heimisch, das nie mehr daran denkt, Cap Horn wieder zu dupliren und nach Hause zurückzukehren. erwiderte Salem und trat ihm mit einem richtigen Piratenausdruck entgegen; wenn Ihrs aber wissen wollt: ich schiffte mich vor vier Monaten auf den Inseln ein.

– Erst vor vier Monaten? und führt hier ein größeres Wort, als alle die Uebrigen, die schon die ganze Reise mitgemacht haben? Und der Konsul machte einen verzweifelten Versuch zornig zu scheinen, der ihm aber mißlang. – Von Euch will ich nichts weiter hören, Sir; wo ist jener achtbar aussehende grauköpfige Mann, der Böttcher, der soll meine Fragen beantworten.

– Am ganzen Bord ist kein achtbar aussehender, grauköpfiger Mann, schrie Salem dazwischen; wir sind Alle eine Bande von Piraten und Meuterern. – Verstanden?

Während dieser ganzen Zeit schwieg der Steuermann vollkommen still und Wilson, der jetzt gar nicht mehr wußte was er thun solle, nahm ihn beim Arme und ging einmal mit ihm über Deck. Zu den Matrosen zurückgekehrt, redete er dann diese plötzlich wieder an, ohne überhaupt zu thun, als ob schon irgend etwas vorgefallen sei.

– Aus Gründen, Leute, die Ihr Alle kennt, ist dies Schiff in meine Hände gegeben und da Capitän Guy einige Zeit am Ufer bleiben muß, so soll Euer Steuermann Mr. Jermin unter der Zeit den Befehl übernehmen. So viel ich beurtheilen kann, sehe ich keinen Grund, weshalb die Reise nicht augenblicklich fortgesetzt werden könnte; übrigens werde ich dafür sorgen, daß Ihr noch zwei Harpuniere und genug gute Leute bekommt, drei Boote zu bemannen. Was die Kranken anbetrifft, so haben weder Ihr noch ich damit zu thun. Doktor Johnson wird sie behandeln; doch das ist Euch ja schon früher gesagt worden. Sobald alles arrangirt werden kann, – spätestens in zwei oder drei Tagen – geht

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