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Oh Ali!

Kurt Aram: Oh Ali! - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorKurt Aram
titleOh Ali!
publisherLeser-Vereinigung Gutenberg Verlag Christensen & Co.
yearo.J.
firstpub1927
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20140415
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Dreizehntes Kapitel

Der kurdische Begleiter hatte Hakob Akunian auf dem schnellsten Wege nach Maku zu bringen. Dieser Weg war sehr anstrengend, denn er ging bergauf und bergab über Geröll und Gestein, durch nackte Einöden, um den Bergkurden mit ihren Schafherden möglichst aus dem Wege zu gehen, wenn sie auch die Makuer Kurden respektieren, denn Maku war ja ihr sicherster Stützpunkt auf dem Wege nach Norden, und der Fürst von Maku der beste Abnehmer für ihre Wolle. Aber wer es eilig hatte, wich ihnen aus, auch wenn er Blutsbrüderschaft mit diesem oder jenem Stamm getrunken hatte. Traf man auf ihn, gab es einen längeren Aufenthalt, denn man mußte für drei Tage die Gastfreundschaft des Stammes in Anspruch nehmen, ob man wollte oder nicht, um ihn nicht tödlich zu beleidigen.

Aufgehalten wurde man aber ohnehin oft genug. Am schlimmsten war es, wenn wieder einmal der Steg über einem Abgrund, der sich nicht umgehen ließ, verschwunden oder nicht in Ordnung war. Der Reisende mußte ihn dann selbst in Ordnung bringen oder neu bauen. Zwei starke Baumstämme mußten gefällt, über den Abgrund gelegt, der Zwischenraum mit starken Ästen und belaubten Zweigen ausgefüllt und dann noch eine Schicht von Erde und Steinen darüber gestreut werden. Stunden nahm das in Anspruch. Fast noch lästiger aber war es, wenn das Pferd mißtrauisch wurde. Kein persisches Pferd traut einem Steg, mag er dem Menschen auch noch so sicher erscheinen. Es betastet ihn erst umständlich mit den Vorderhufen, bevor es ihn betritt. Zieht es die Vorderbeine zurück, bringt es keine menschliche Gewalt über den Steg; und man kann sicher sein, daß er unter ihm zusammenbrechen und Roß und Reiter in den Abgrund befördern würde. Aber es gibt doch immer wieder Pferde, die, von der Ungeduld des Reiters überwältigt, den Steg nicht vorsichtig genug prüfen, bevor sie ihn betreten. Schon ist das Unglück geschehen. Das sind schlechte Pferde, denn ein Pferd muß klüger sein als sein Reiter, um die Seele zu retten. Wenn man erst im Abgrund liegt, kommt die Erkenntnis zu spät, daß man auf einem Pferde saß, das nichts taugt, das die Seele nicht rettet.

Der Kurde hatte seine liebe Not, den Fürsten sicher nach Maku zu bringen, denn er drängte immer ungestümer vorwärts, was sein Pferd mit der Zeit nervös und unsicher machte. Der Kurde ließ daher bald den Fürsten überhaupt nicht mehr zuerst an einen Steg, und seine Hochachtung vor ihm nahm von Tag zu Tag ab. Das will nun ein Fürst sein, dachte der Kurde, ein Mann, der sich vor allem doch noch besser in der Gewalt haben muß als gewöhnliche Leute und benimmt sich so ungeduldig und ungebärdig. Freilich, es war nur ein Christ, und das erklärte einigermaßen seine Unvernunft. Aber weshalb sein Herr soviel Wesens von ihm machte, wurde ihm immer unverständlicher. Dieser christliche Fürst war eigentlich nur dann zu gebrauchen, wenn die kleinen Bergschlangen frech wurden. So einem schwarzen Teufel mit einem kurzen, harten, sicheren Schlag der umgedrehten Reitpeitsche den Schädel einzuschlagen, das verstand er ausgezeichnet. Er sollte Mohammedaner werden. Vielleicht könnte dann doch noch ein tüchtiger Mann aus ihm werden.

Endlich erblickten sie das dürftige Tal, in dem Maku lag. Selbst für persische Verhältnisse mehr ein kümmerliches Dorf als eine Stadt. Hier wohnte der Fürst von Maku? Der Kurde lächelte überlegen. Nicht hier, eine Parasange, sechs Kilometer entfernt lag das Schloß des Fürsten und wurde nicht sichtbar, da ein Gebirgszug es verdeckte.

Der Kurde wußte nicht, was er tun sollte, denn sein Herr hatte ihm keinen diesbezüglichen Befehl gegeben. Langsam ritten sie zu Tal. Sollte er den Fürsten direkt zum Schlosse bringen? Aber das war doch wohl zu viel Ehre für einen Christen. Er beschloß, den Waffenmeister des Fürsten, der in Maku selbst wohnte, um Rat zu fragen.

Auf der Bank im Hofe des Waffenmeisters saß ein zwölfjähriges Mädchen, seine einzige Tochter, frisch gewaschen, stark parfümiert, fein geschmückt und zum erstenmal die Augenbrauen schwarz gefärbt, die Nägel mit Henna bemalt, umdrängt, bewundert von ihren Gefährtinnen und den weiblichen Gästen des Hauses. Unendlich stolz und beglückt sah die Kleine um sich, denn morgen würde ihr der Schleier angelegt, morgen war ihr Hochzeitstag. Möglichst weit fort von ihr auf der Bank saß der Bräutigam, ein Dreizehnjähriger, umdrängt von seinen Verwandten, die eifrig auf ihn einsprachen, bald scheltend, bald lachend. Aber der Bräutigam wollte sich durchaus nicht trösten lassen. Er schluchzte und weinte, und manchmal heulte er sogar laut auf vor Kummer. Er hatte durchaus keine Lust, die Lasten eines Ehemanns jetzt schon auf sich zu nehmen. Er wollte spielen, reiten, Schafe weiden, aber nicht heiraten. Jedoch die Eltern hatten es beschlossen, und der Waffenmeister war der wichtigste Mann in der Stadt, dem niemand einen Wunsch ausschlagen durfte.

Als der Waffenmeister aus dem Haus gerufen wurde, umdrängt von vielen Gästen, heulte der Bräutigam erst recht hemmungslos, so daß es für seine Verwandtschaft eine Schande war. Bis er jäh verstummte und sich eilig die Tränen aus den Augen wischte, weil seine Mutter ihm zugeflüstert hatte, ob er denn gar keine Angst vor dem Waffenmeister habe, der im ganzen Land dafür bekannt war, daß niemand so fein und genau wie er alle Gifte kannte und zu benutzen wußte. Dann doch immer noch lieber mit zusammengebissenen Zähnen heiraten, dachte der Bräutigam und schluckte allen Kummer in sich hinein.

Hakob Akunian verstand zwar nur wenig Kurdisch, aber an der Ratlosigkeit des Waffenmeisters, der den Brief Surejas unentschlossen zwischen den Fingern hielt, nachdem er erfahren hatte, daß es sich um einen Christen handelte, erkannte er doch die allgemeine Verlegenheit. Er befahl dem Kurden, der ihn hierher geleitet hatte, den Brief noch heute abend dem Fürsten zu überbringen, das Weitere werde er in einem armenischen Hause abwarten, wohin ihn sein Begleiter geleiten sollte. Alles war erleichtert, und der Kurde führte den Fürsten auf seinem Pferd langsam durch die Gassen in das Armenierviertel.

Nun war es Nacht geworden, und Hakob Akunian lag erschöpft, leicht fiebernd und voller Unruhe, die ihm wie ein Haufen Ameisen über die Haut und durch die Adern lief, in dem engen, dumpfen, heißen Raum, den ihm das erstbeste armenische Haus, an dem er angeklopft hatte, sofort und willig einräumte. Es waren sehr arme Leute, aber er war so zerschlagen, daß er keine Lust hatte, noch weiter zu reiten; und gerade diesen armen Leuten konnte seine Anwesenheit von größerem Vorteil sein als einer wohlhabenden armenischen Familie.

Das Haus war eine jener Hütten aus Lehm und Büffelmist, durch einige Bretter und junge Baumstämme gestützt, wie er ihnen überall in diesem Fürstentum begegnet war. Mehr als Milch und Brot, ein paar Gurken, Kürbisse und Melonen besaß das alte Ehepaar nicht, das ihn so zuvorkommend aufgenommen hatte. Neben der Hütte reckte sich ein Holzgestell aus geglätteten Baumstämmen viele Meter hoch in die Luft. In zwei Baumstämmen waren Querhölzer zu einer Leiter zusammengeschlagen, auf der man zu einer Art Plattform emporstieg. Auf ihr nächtigten die Hausbesitzer oder ihre Gäste an heißen Tagen.

Als es Nacht wurde, kletterte das alte Ehepaar zu diesem luftigen Nachtlager empor, das Hakob Akunian viel lieber gewesen wäre als der dumpfe heiße Wohnraum, der ihm überlassen wurde. Aber er wollte die alten Leute nicht kränken, die ihm ihr Haus anboten, und er fühlte sich fiebrig und so voller Unrast, daß er nicht sicher war, ob er in diesem Zustand am Ende nicht doch im Schlaf von der luftigen Plattform gestürzt wäre und sich alle Rippen gebrochen hätte.

So lag er denn allein in der Hütte, die außer ihm nur noch zwei junge Büffel beherbergte, die in einem offenen Verschlag untergebracht waren. Sie seufzten viel und schlugen mit den Schwanzquasten immer wieder nach den unzähligen Fliegen, die sich auf ihre haarlose Haut setzten. Hakob Akunian zog seinen Mantel über das Gesicht, auf dem sich immer wieder Scharen von Fliegen niederzulassen versuchten.

Ob Miryäm überhaupt noch im Harem des Fürsten lebte? Merkwürdig, daß er daran bisher eigentlich nie gezweifelt hatte, trotzdem doch viele Wochen vergangen waren, seitdem Sureja sie hierher hatte bringen lassen. Vielleicht war sie schon auf dem Herweg ihren Räubern entwischt? Das kam häufiger vor. Sureja war weit. Man brauchte ihm das ja nicht mitzuteilen. Ein zwölfjähriges Mädchen war doch keine solche Seltenheit, daß man von ihrem Verschwinden viel Aufhebens machte. Vielleicht auch war sie längst zu einer Nebenfrau des Fürsten geworden. Es war ein wenig viel verlangt für mohammedanische Begriffe, einem Christen ein persisches Mädchen aufzuheben. Es ging sogar jedem echten Mohammedaner gegen den Strich. Sureja mochte darüber anders denken, europäischer sozusagen, freier. Aber sein Bruder hatte sich bisher wenig in der nichtasiatischen Welt umgesehen. In ganz jungen Jahren war er einmal einem russischen Garderegiment attachiert worden, wie Sureja erzählt hatte, aber Rußland war immer noch mehr asiatisch als europäisch, wenn man von Petersburg absah; und soweit sich Hakob Akunian erinnerte, war der Fürst von Maku bei einem Regiment in Tiflis gewesen, das nur ganz oberflächlich russischen, aber keineswegs europäischen Charakter hatte.

Hakob Akunian riß den Mantel vom Gesicht und richtete sich auf. Irgend etwas Lebendiges hatte seine Füße berührt. Das Zimmer war schwarz vor Dunkelheit, so daß er nichts erkennen konnte. Jetzt glaubte er, schwere Schritte zu hören. Die Haustür stand offen. Draußen war es nicht so dunkel wie im Haus. Er erkannte den schwarzen Schatten eines Büffels, dann auch den des zweiten, die aus ihrem Verschlag ins Freie strebten. Vor Fliegen und Hitze hielten sie es offenbar nicht länger in der Hütte aus.

Er hörte, wie die beiden Büffel langsam, schwer, in gleichmäßigen Schritten um die Hütte wanderten, leicht schnaufend, mit den Schwanzquasten sich Rücken und Flanken klopfend.

Er erhob sich, schritt zur Tür und ließ sich vor ihr nieder. Die Büffel hatten ganz recht, hier war es weniger heiß und stickig als drinnen.

Er lehnte den Rücken an die Wand und sah den Sternen zu. Einige flackerten wild und hitzig. Ob es auf ihnen auch keine Ruhe gab? Andere blickten sehr streng, klar und unbewegt in den Raum. Wie unbestechliche Richter. Unbehaglich wurde einem dabei. Wieder andere blinzelten. Ganz verschmitzt und übermütig sah es aus. Als machten sie sich über die Erde und alles Gewürm auf ihr lustig. Komisch genug mochte die Erde ja für einen Beobachter in dieser Entfernung aussehen. Einige aber sahen bewundernd drein. Wie wohl auch ein Mensch vor einem Ameisenhaufen steht. Die einzelnen Ameisen zappelten sich schrecklich ab und mochten sich dabei für Augenblicke ganz unsinnig vorkommen. Aber schon aus der Entfernung des Menschenauges betrachtet, wie geordnet und sinnvoll erschien da jeder Ameisenhaufen. Für die einzelne Ameise, die sich an irgend etwas halbtot schleppt, ist das freilich nur ein magerer Trost. Auf einmal liefen die Sterne da oben sinnlos durcheinander, wie Ameisen. Für den Menschen aber war es schon gar kein Trost, das mit ansehen zu müssen. Wenn die Sterne nun auch nur der riesigen Entfernung wegen so friedlich und wohl geordnet ihre Bahn zu ziehen scheinen? Wenn man aber ganz dicht an sie herankam und näher zusah, am Ende war es dann auch nur ein sinnloses Durcheinander? ... Die Sterne wurden blasser, ihr Licht wurde schwächer. Es war, als ob sie sehr müde würden und im nächsten Augenblick ebenfalls die Augen schlössen. Das beste, was man tun kann, wenn man sich hinreichend abgerackert hat und dann nicht einmal weiß, ob das Ganze überhaupt einen Zweck hatte.

Hakob Akunian fuhr auf, denn die Sonne stach ihm ins Gesicht. Er mußte tüchtig geschlafen haben. Die luftige Plattform war leer, die Büffel wanderten nicht mehr um das Haus. Er rieb sich die Augen und reckte sich. Ganz frisch und munter fühlte er sich. Ausgezeichnet hatte er geschlafen, und der Hunger knurrte ihm im Magen.

Da brachte auch schon die Hausfrau Milch, Brot und Tee vor die Tür. So gut hatte es ihm schon lange nicht mehr geschmeckt.

Er unterhielt sich mit ihr. Gewiß, der Fürst war gerecht und hielt seine Kurden in Zucht. Über Gewalttätigkeiten hatten die Armenier kaum zu klagen. Wenn nur das fruchtbare Land nicht so wenig und der Steine nicht soviel gewesen wären. Wenn nur die Täler nicht so schmal und die Berge so steil wären. Die Alte lächelte ein wenig trübselig. »Wir wollen nur immer an die Unseren in der Türkei denken, dann müssen wir schon zufrieden sein. Seines Lebens ist man wenigstens sicher. Doch wann ist der Mensch auf dieser Erde zufrieden? Es ist ihm nicht gegeben, seitdem er aus dem Paradies vertrieben wurde, und das ist lange her.«

Sie horchte und erhob sich mühsam. Flintenschüsse? Ach so, bei dem Waffenschmied wurde heute Hochzeit gefeiert. Doch nein, die Schüsse kamen näher, man hörte das Trappeln vieler Pferde. Die Alte schlug erschreckt die Hände über dem Kopf zusammen. Ein Wagen, von Bewaffneten eskortiert, kam im Galopp um die Ecke und hielt vor ihrer Hütte. Oh Ali! Ach so, es galt ihrem Gast. Gott sei gedankt!

Surejas Diener überreichte einen Brief des Fürsten, in dem er Hakob Akunian bat, sich des Wagens zu bedienen und bei ihm Wohnung zu nehmen.

Viel zu packen hatte er nicht, und da die Alte kein Geld nehmen wollte, beschloß er, ihr eine Ziege und Lebensmittel zu besorgen, so vieler er nur habhaft werden konnte.

Hakob Akunian trat an den Wagen. Es war eine leichte russische Kaljaßka, und der Kutscher thronte, obwohl es Sommer war, in einem schweren wattierten Mantel auf dem Bock. Man merkte, daß der Fürst von Maku einmal in Tiflis gelebt hatte. Vor das leichte Gefährt waren vier Hengste gespannt, je zwei nebeneinander. Auf jedem Handpferd saß ein Reiter. Seine Hände steckten dem Gast zu Ehren in weißen Baumwollhandschuhen, aber die Füße standen nackt in den Bügeln. Den Wagen umdrängte eine ganze Kavalkade von Soldaten, den Schaft der Flinten auf die Knie gestemmt.

Der Fürst sprang in den Wagen, die Pferde galoppierten an, und die Reiter schossen ihre Flinten ab, sowie sie ins Freie kamen. Das kann gut werden, dachte Hakob Akunian, und schon legte sich auch der leichte Wagen auf die Seite, und er flog in weitem Bogen auf den Boden.

Als sich das in wenigen Minuten zum drittenmal ereignete, trat Hakob Akunian zornig an den Kutscher heran, um ihn auszuschelten und deutlich seine Meinung zu sagen. Er schwieg aber betroffen, denn der Kutscher saß in seinem schweren wattierten Mantel zusammengedrückt wie ein Häuflein Unglück auf dem Bock, und dicke Tränen liefen ihm in den Bart. »Es brennt, es brennt!« jammerte er.

»Was brennt?«

»Es brennt, es brennt!« Er rieb sich ängstlich den Rücken. Wenn sein Herr von dem Unglück erfuhr, würde er furchtbare Schläge beziehen. »Es brennt, es brennt!«

Hakob Akunian lachte, sein Zorn war verflogen. Der arme Teufel hatte offenbar noch nie einen Wagen gelenkt. Er dachte wohl, zwischen Reiten und Fahren sei kein Unterschied. Aber schließlich war er nicht dazu da, um diesen Unglückskutscher im Fahren zu unterrichten.

»Ich werde zu Fuß neben dir hergehen, bis wir das Schloß erreicht haben.«

Der Kutscher heulte laut auf, denn wenn der Fürst das sah, ging es ihm erst recht schlecht. Also einigte sich Hakob Akunian mit dem Kutscher dahin, daß er kurz; bevor das Schloß in Sicht kam, wieder einsteigen würde, und der Kutscher nicht im Galopp, sondern im Schritt vorzufahren hatte.

So glich die festliche Einholung plötzlich einem Trauerzug, und der Kutscher hörte erst auf zu weinen, als der Fürst ihm feierlich versprach, seinem Herrn nichts zu erzählen.

Endlich war es so weit, daß Hakob Akunian wieder einsteigen mußte, und bei einer Biegung des schmalen Tales lag plötzlich das Schloß vor ihm, ein ganz europäisches Schloß, wie er deren namentlich in England viele gesehen hatte. Erst glaubte er, seinen Augen nicht trauen zu können. Eine Luftspiegelung, eine Fata Morgana? Aber nein, ein richtiges europäisches Schloß. Nach all den Hütten aus Lehm und Büffelmist, die er bisher in diesem Fürstentum zu sehen bekommen hatte, wirkte es um so verblüffender. Auch erinnerte es gar nicht an persische Bauten. Eine wirklich höchst absonderliche Überraschung.

Auf dem weiten freien Platz vor dem Schloß war ein großes Zelt aufgeschlagen, vor dem der Wagen hielt. Ein korpulenter, buntgekleideter Mann, der wie ein Eunuch aussah, stand am Eingang des Zeltes und geleitete ihn in sein Inneres, wo der Fürst ihn, umgeben von einer großen Zahl von Persern, erwartete. Woher kamen plötzlich all diese unverkennbar vornehmen Perser? Der Fürst, einen weißen Mantel um die Schultern geschlagen, erhob sich und begrüßte seinen Gast mit viel Würde. Weder äußerlich noch in seiner ganzen Art konnte Hakob Akunian irgendeine Ähnlichkeit mit Sureja entdecken. Wahrscheinlich hatten die Brüder verschiedene Mütter, wie es ja bei einem größeren Harem, der für einen reichen Mohammedaner einfach zu den Repräsentationspflichten gehörte, oft genug vorkam.

Die Perser gehörten zu einer Gesandtschaft des Schah, die erst vor wenigen Tagen aus Teheran angekommen war. Links neben dem Fürsten ein Neffe des ermordeten Schah. Es fiel Hakob Akunian auf, daß der Fürst diesen Ausdruck gebrauchte. Auch die anderen Perser stellte er seinem Gast vor und meinte, sie hätten es sich nicht nehmen lassen, ihn jetzt schon gemeinsam mit ihm zu begrüßen.

Jetzt hatte der Fürst von Maku eine große Ähnlichkeit mit der Art seines Bruders Sureja. Schon daß er den Neffen an die Ermordung seines Onkels erinnerte, und daß er die persischen Herren irgendwie zu der übertriebenen Höflichkeit genötigt hatte, ihn, einen Christen, schon vor dem Haus zu begrüßen, hätte auch Sureja fertig gebracht. Vielleicht war der ganze feierliche Empfang vor dem Hause sogar nur arrangiert worden, um die Perser damit ein wenig zu ärgern.

Es gab eine sehr lange, würdevolle, nichtssagende Unterhaltung, zu der Tee und Zigaretten gereicht wurden. Dann erhob sich der Fürst und trat mit seinen Gästen vor das Zelt.

Hakob Akunian konnte sich nicht enthalten, dem Fürsten seine Verwunderung über den unerwarteten Anblick dieses europäischen Schlosses auszudrücken.

Der Fürst lächelte, wie auch Sureja lächeln konnte, wenn ihn eine Bosheit kitzelte. »Sie haben ganz recht, sich beim Anblick dieses Gebäudes zu wundern, denn die Geschichte seiner Entstehung ist verwunderlich genug, und ich will sie Ihnen gerne erzählen, weil ich nicht befürchten muß, meine Gäste aus Teheran damit zu kränken, da ich annehmen darf, daß die Herren die Geschichte längst kennen.« Er sah sich freundlich im Kreise um, und die Perser aus Teheran lächelten, wenn auch etwas gezwungen.

Gemächlich Umschrift der Fürst von Maku mit seinen Gästen das Schloß und erzählte die Geschichte seiner Entstehung, die in der Tat nicht alltäglich war.

»Mein Vater war noch ganz ein Wolf, ein echter Kurde, wie Sunniten und Schiiten uns seither nennen. Namentlich in der Türkei ist der Name als Schimpf für uns gedacht. Wir Kurden selbst erklären den Namen ein wenig anders. Zur Zeit der Kreuzzüge soll sich nämlich ein Aelman, ein Ritter namens Wolf, zu uns mit seiner schönen Tochter verirrt haben. Sie hatte goldenes Haar, und unser Urahn verliebte sich in das Mädchen und nahm sie zum Weibe. Aber auch seine Untertanen verliebten sich in die neue Herrin, und so beschlossen sie, als ihr der erste Sohn geboren wurde, sich fortan mit dem Namen der Frau mit dem goldenen Haar, Wolf, das heißt Kurd, zu nennen.« Der Fürst lächelte. »Man gibt einem Volk einen Namen, um es dadurch in den Augen aller anderen verächtlich zu machen. Das so bestrafte Volk aber tut das beste, was es in solchen Fällen tun kann und macht für sich selbst aus dem Schimpfnamen einen Ehrennamen.«

Sie waren zur Rückseite des Schlosses gekommen, die schöne Gartenanlagen zeigte, und der Fürst bat seine Gäste, ein wenig anzuhalten und sich die Anlagen zu betrachten.

»Mein Vater«, begann der Fürst von neuem, »kam nie aus seinem Fürstentum heraus. Weder nach Teheran, obwohl man schon zu seiner Zeit begann, zwischen Teheran und Maku die freundlichsten Einladungen auszutauschen, noch nach Rußland oder gar wie mein Bruder Sureja nach Europa. Er war Großherr in seinem Fürstentum, und das genügte ihm. Damals lief die Karawanenstraße von Trapezunt nach Täbris noch dicht bei Maku vorbei. Inzwischen hat man sie längst ganz weit nach Süden verlegt, so daß sie mein Gebiet nicht mehr berührt.« Er lächelte wieder leise. »Der Karawanenweg ist dadurch ja auch verkürzt worden, wenn auch nicht gerade viel. Einst erfuhr mein Vater, daß die Königin von England dem damaligen Schah zu seinem Regierungsjubiläum reiche Geschenke zu übersenden gedachte, denn schon damals erhielten kleine Geschenke, auch große, die Freundschaft. Wenn es den Herren recht ist, können wir jetzt weitergehen!« Er neigte sich zu Hakob Akunian und flüsterte ihm russisch zu: »Als ich meinen Damen gestern abend von Ihrer Ankunft und meines Bruders Brief erzählte, baten sie mich, ihnen doch zu erlauben, Sie zu betrachten. Ich hoffe, sie haben Sie jetzt hinter dem Fenster dort hinreichend bewundert.«

Er wandte sich wieder persisch an seine Gäste: »Mein Vater erfuhr, daß eine ganze Karawane mit Geschenken der Königin von England für den Schah von Persien von Trapezunt aus nach Täbris und von dort nach Teheran aufgebrochen war. Mein Vater kannte, wie gesagt, Europa nicht, nicht einmal Rußland oder gar Persien, er war also gänzlich unzivilisiert, wie ich zu seiner Entschuldigung immer wieder betonen muß, ein Wolf, ein Kurd. Er überfiel die Karawane, als sie auf sein Gebiet kam und nahm an sich, was ihm gefiel. Was ihn nicht interessierte, ließ er mit der Karawane weiterziehen. Aber sehr vieles muß ihm gefallen haben, denn das Schloß ist heute noch voll davon. Unter dem, was in seinen Händen blieb, fanden sich auch mehrere Stiche von englischen Schlössern. Nach einem dieser Stiche, der ihm besonders zusagte, ließ er sich von syrischen Handwerkern dies Schloß bauen und stattete es mit den Geschenken aus, die nicht für ihn bestimmt waren.«

Der Fürst stand mit seinen Gästen wieder am Eingang. »Eigentlich gab es dabei für meinen Vater nur eine Schwierigkeit. Ein europäisches Schloß kennt keinen Harem. Ich war nicht in Europa, aber mein Bruder Sureja, der dort war, behauptet, die Europäer hätten das nicht nötig, denn sie könnten aus jedem Raum in jedem Haus einen Harem machen, wenn sie Lust dazu hätten. Mein Vater war jedenfalls dazu nicht zivilisiert genug, wußte sich aber trotzdem zu helfen, indem er einfach die linke Hälfte des Hauses zum Harem machte. Die rechte Hälfte und auch das Treppenhaus gehört den Männern.«

Der Fürst stieg mit seinen Gästen die schöne breite Wendeltreppe hoch in den ersten Stock und öffnete die erste Tür nach rechts. »Der schönste Raum in diesem Teil des Hauses. Mein Bruder nennt ihn den Herrensalon. Es ist mir eine besondere Freude, ihn für meine erlauchten Gäste aus Teheran stets zur Verfügung zu halten.«

Prachtvolle englische Möbel mit Seidendamast in Erdbeerrot überzogen. Ebensolche Seidenvorhänge an den gewaltigen Fenstern, die nach Westen gingen.

Der Fürst wandte sich an Hakob Akunian: »Sie wundern sich natürlich, daß England sich das gefallen ließ und daß auch der Schah die hohe Gnade hatte, meinem Vater zu verzeihen. Als ich noch sehr jung war, habe ich mich auch oft genug darüber gewundert. Bald aber kam ich zu der Erkenntnis, daß man dem Kurden einfach nicht die Ehre antun wollte, ihn ernst zu nehmen wie eine Macht, zu der man dann die Beziehungen abbricht, oder der man gar den Krieg erklärt. Wenn der Wolf ein Lamm frißt, bellen die Hunde, aber der Löwe bleibt großmütig. Er kann ja jederzeit so viel Schafe und Wölfe fressen, wie ihm beliebt, nicht wahr?«

Alle lächelten mehr oder weniger süß.

Hakob Akunian wurde immer ungeduldiger. Was war mit Miryäm? War sie auch unter denen, die ihn im Garten vom Haremsfenster aus betrachtet hatten? Strenggläubig schien auch dieser Kurde nicht zu sein, und er verstand es, seine Gäste auf die Folter zu spannen.

Wieder trat er zu Hakob Akunian und machte ihn auf die Bilder aufmerksam, die überall in prunkvollen Rahmen herumstanden und alle dasselbe darstellten, nämlich den Mörder des vorigen Schah. »Mein Vater liebte das Bild sehr und konnte gar nicht genug Reproduktionen von ihm in allen Größen in das Haus bekommen. Er verteilte sie über das ganze Schloß und verlangte von mir, daß sie erhalten blieben. Ich freue mich jedes Jahr, daß meine Gäste aus Teheran sich so gut an den Anblick gewöhnt haben. Ich wäre untröstlich, wenn das Bild sie störte, das ich als pietätvoller Sohn meines Vaters nicht entfernen darf.« Er verstand es wirklich, seine Gäste zu quälen.

An der Tür erschien wieder derselbe korpulente, buntgekleidete Mann, der wie ein Eunuch aussah, und meldete, daß das Essen bereit sei. Er schien eine Art Haushofmeister vorzustellen.

Der Fürst geleitete seine Gäste über einen Gang zu dem Speisezimmer, das man auch nach europäischen Begriffen einen Speisesaal nennen konnte. Es lag nach Norden und war am wenigsten heiß. Eine lange Tafel, die ganz nach russisch-europäischem Vorbild gedeckt war. Die Stiele der Messer und Gabeln üppig mit eingelegten Emailleblättern und -blüten in buntem, altbyzantinischen Stil bedeckt. Rechts vom Fürsten saß der Neffe des ermordeten Schahs, links Hakob Akunian. Hinter ihnen stand der Haushofmeister und Obereunuch. Am anderen Ende der Tafel der Koch, bereit, jede Schüssel vorzukosten. Zu jedem Gang gab es zuerst eisgekühlten Schärbät, bei jedem Gang aus einem anderen Fruchtsaft bereitet, dann Champagner.

Das Mahl dauerte lange und dem ungeduldigen Hakob Akunian kam es so vor, als dehne es der Fürst absichtlich in die Länge.

Nach dem Essen zogen sich die Perser in den ihnen zugewiesenen Herrensalon zurück und rollten sich auf dem dicken weichen Teppich zu einem Nachmittagsschläfchen zusammen. Der Fürst geleitete Hakob Akunian, hinter ihnen der Obereunuch, die Wendeltreppe hinab in das Erdgeschoß, wo er eine Tür nach der linken Hälfte des Hauses öffnete und sagte: »Durch den Besuch aus Teheran sind die meisten Räume besetzt. Sie treffen es zu meinem Bedauern da nicht gut. Sureja hätte Sie darauf vorbereiten sollen, denn um diese Zeit ist jedes Jahr diese Gesandtschaft fällig. Er hat aber wohl nicht daran gedacht. Ich muß Sie also bitten, mit diesem Raum gütigst vorlieb nehmen zu wollen, bis mein Haus von den persischen Spionen wieder frei ist.« Er verneigte sich tief und konventionell vor dem Gast: »Möge Ihr Schlaf gut sein!« und zog sich zurück, ehe Hakob Akunian noch etwas erwidern konnte.

Hakob Akunian befand sich in dem üppigen Boudoir einer Haremsschönen. Der Duft einer verwöhnten, gepflegten, jungen Frau erfüllte die Luft des langen, schmalen Zimmers. Anderthalb Meter hoch waren in die Wände prachtvolle persische Kacheln in zartem Taubenblau eingesetzt, darüber bis zur Decke feine Plättchen aus funkelndem Silber. Die Decke war mit Paradiesbäumen bemalt, die weithin ihre Äste mit lockenden Früchten ausbreiteten. Zu Füßen der Bäume weideten friedlich Löwe, Wolf, Lamm und Reh. In den Zweigen sangen bunte Vögel und hockten braune Affen. Über die Bäume schwangen sich langgestreckte Silberreiher durch den lachenden blauen Himmel.

Vorsichtig drückte Hakob Akunian auf einen Türgriff aus vergoldeter Bronze, der einen Wolf in gestrecktem Lauf vorstellte. Die Tür öffnete sich nicht. Mit zwei Sprüngen war Hakob Akunian bei der Tür, durch die er eingetreten war. Derselbe Griff aus vergoldeter Bronze, derselbe Wolf in langgestrecktem Lauf. Die Tür war verschlossen. Immerhin ein üppiges Gefängnis. Er untersuchte das hohe Fenster auf der einen Schmalseite, die nach seiner Orientierung ins Freie ging. Es ließ sich leicht öffnen und das vergoldete Holzgitter davor ohne Schwierigkeit zerschlagen, wenn es nötig sein sollte.

Der Fürst lächelte. Ein echter Kurdenscherz. Wenn möglich, wollte man ihm einen kleinen Schreck einjagen. Dann dachte er vielleicht gar nicht an das Fenster. Vielleicht hoffte man, ihn dann ein wenig blaß und verstört auf den Kissen zu finden, wenn man die Tür wieder öffnete. Auch Sureja hätte sich die Gelegenheit zu einem solchen Scherz schwerlich entgehen lassen.

Ein prachtvoller Toilettentisch aus getriebenem Silber mit einem Dutzend Flakons aus Silber und Kristall darauf. Fast alle Flakons waren noch reichlich gefüllt mit Parfüms und wohlriechenden Essenzen. Auch silberne Dosen mit Puder und Schminken aller Art gab es. Das Boudoir schien bewohnt zu sein. Hatte man das verwöhnte Wesen, einfach ihm zu Ehren ausquartiert? Zwei silbergetriebene Kandelaber. Jeder mit sieben Armen, in denen dicke, hohe, honiggelbe Kerzen steckten. Gehörte das alles am Ende auch noch zu den Geschenken der längst verstorbenen Königin von England?

Bei dieser Vorstellung mußte er unwillkürlich lachen. Nein, das kam sicher nicht aus England, das alles war in der Grundform französisch und dann russisch ins Prunkvolle, Massige gesteigert. Was dem Fürsten von Maku der Handel mit Wolle doch alles einbringen mußte!

Er ließ sich in die üppigen Kissen fallen. Mit den Füßen drückte er auf den dicken, weichen Teppich in Silber und Graublau, der den Boden bedeckte. Es mußten mindestens drei Teppiche übereinanderliegen.

Wer bewohnte oder benutzte sonst dies Zimmer? Hoffentlich nicht Miryäm?

Die Tür zum Harem wurde geräuschlos geöffnet. In ihr erschien der Obereunuch, schob ein tief verschleiertes Wesen, das sich vergebens gegen seinen Griff wehrte, in das Zimmer und schloß sofort hinter ihm wieder die Tür. Jetzt hörte der Fürst auch, wie der Korpulente einen Riegel vorschob.

Hakob Akunian erhob sich. Die Verschleierte war zum Fenster geflüchtet und rührte sich nicht.

Sollte es Miryäm sein? Er hatte sich in diesen Wochen so viel mit ihr beschäftigt. Im Wachen und im Träumen. Sie waren einander dabei so vertraut geworden. Er konnte sich nicht gleich vorstellen, daß Miryäm sich vor ihm fürchtete, wie es die Verschleierte offenbar tat. Es konnte Miryäm nicht sein.

Er trat einen Schritt näher.

»Ich kratze«, flüsterte es hinter dem Schleier. Die Stimme kannte er nicht. Er hatte vergessen, daß er Miryäms Stimme bisher nur im Traum gehört hatte.

Er trat noch einen Schritt näher.

»Ich beiße«, flüsterte es hinter dem Schleier.

»Vielleicht haben Sie die Güte, den Platz mit mir zu tauschen? Ich stelle mich an das Fenster, und Sie lassen sich auf den Kissen nieder. Auf die Dauer wird es bequemer für Sie sein.«

Hinter dem Schleier schwieg es. Da sie gegen das Licht stand, konnte er nichts von ihrem Gesicht sehen, trotzdem der Schleier nicht dick war. Er tastete mit den Augen ihre Gestalt ab, aber sie war so dicht verhüllt, daß er nichts erkennen konnte.

»Belieben Sie sich zu den Kissen zu begeben, damit ich Ihren Platz einnehmen kann. Ich rühre Sie nicht an. Wenn Sie noch lange zögern, werde ich Sie dorthin tragen. Sie werden bemerkt haben, wie ich hoffe, daß ich der weitaus stärkere bin.«

Er trat beiseite. Sie huschte an ihm vorbei zu den Kissen. Eine Weile beobachtete sie ihn. Da er, wie versprochen, zum Fenster trat, ließ sie sich in den Kissen nieder.

»Sie können den Schleier beiseite nehmen, ich kenne Ihr Gesicht«, behauptete er kühn. Wer anderes sollte es sein als Miryäm? dachte er jetzt.

»Woher?« fragte sie verwundert.

Er nannte den Namen ihrer Heimatstadt. »Ich sah Sie bei einem Fest tanzen, das der Gouverneur gab.«

Verwundert schlug sie den Schleier zurück.

»Miryäm!« rief er und wollte auf sie zu. Doch ihr Gesicht wurde so böse, daß er es unterließ.

Sie erkannte ihn offenbar nicht wieder. Wie sollte sie auch? Er war einer unter vielen Gästen gewesen, und ihr Tanz galt jedem in jener Nacht, was so gut war wie keinem. Daß ihm das jetzt erst einfiel! Daran hatte er überhaupt noch nicht gedacht, und es war doch ganz selbstverständlich.

Er erzählte von jener Nacht. Er erzählte auch von dem Überfall, den die Kurden unternommen hatten, und bei dem sie geraubt worden war.

Immer verwunderter sah sie ihn an. »Sind Sie auch ein Kurde?«

Er nannte seinen Namen.

Ihr Mund verzog sich ein wenig geringschätzig. »Ein Christ.« Doch schon beherrschte sie sich wieder. Es war nicht klug, diesen Mann zu kränken, der ihr vielleicht nützlich sein konnte.

»Wo bin ich hier?« fragte sie.

»Hat man es Ihnen nicht gesagt?«

»Sonst würde Ich Sie nicht fragen«, meinte sie schnippisch.

»Dann werde ich es Ihnen auch nicht sagen«, erwiderte er ruhig.

Zornig fuhr sie ihn an. »Weshalb zerrt mich der Khayä hierher? Was soll ich hier? Wie kommen Sie hierher? Was wollen Sie hier? Sehen Sie nicht, daß hier ein Frauengemach ist?«

Der Fürst lächelte. »Das sind mehr Fragen, als ich auf einmal beantworten kann. Was ich hier will? Dich mitnehmen.«

Sie lachte höhnisch. Aber sie war doch ein wenig erschrocken, wie man ihr leicht ansehen konnte. »Sind Sie der Besitzer dieses Harems?«

»Nein, aber ein Freund des Besitzers.«

»Ein Isävi und ein Muselmann, die Freunde sind?« Das kam ihr sehr unwahrscheinlich vor.

»So ist es.«

Nachdenklich und neugierig betrachtete sie ihn lange Zeit und meinte: »Dann mußt du sehr reich sein.«

Der Fürst lachte. »Du kannst nicht nur tanzen, sondern auch denken, wie ich sehe.«

»Ich kann noch viel mehr als tanzen und denken«, sagte sie stolz.

»Deshalb will ich dich mitnehmen.«

»Und wohin wollen Sie mich bringen, wenn ich mitgehe.«

»Nach Rußland.«

»Nach Musku, nach Pätär?« fragte sie neugierig.

»Wohin würden Sie lieber gehen?«

Sie lächelte listig. »Das kann ich erst sagen, wenn ich in Musku und Pätär gewesen bin.«

Er verließ das Fenster, ohne daß sie einen Einwand erhob und kam ihr näher.

»Ich würde dich zu meiner Souguli, meiner Lieblingsfrau machen, nicht zu einer Hävu, zur Mitfrau.«

»Du hältst mich immer noch für dumm. Ein Isävi hat keinen Harem.«

»Deshalb kann ich dich doch zur Souguli machen.«

»Man ist so allein, wenn man in keinem Harem ist. Schrecklich muß das sein.«

Er ließ sich in ihrer Nähe nieder, ohne daß sie ihm wehrte. »Ich denke es mir angenehmer für eine Frau, viele Dienerinnen zu haben, als Nebenfrauen.«

»Dann sind die Dienerinnen Nebenfrauen. Wo ist da der Unterschied?«

»Das verstehst du nicht.«

»Wie soll ich mich dafür interessieren, wenn ich es nicht verstehe?«

Mit einem schnellen Griff faßte er ihren Kopf und küßte sie.

Schon war sie seinen Händen entschlüpft und stand auf den Füßen.

»Wollen Sie nicht wieder Platz nehmen?«

»Wenn Sie sich wieder an das Fenster begeben.«

»Und wenn ich es nicht tue?«

Sie tastete nach dem Türgriff, dem bronzenen Wolf in gestrecktem Lauf.

»Sie erlauben, daß man Sie einschließt?« fragte sie spöttisch.

»Da ich mit Ihnen eingeschlossen bin.« Er stand auf. Sie maßen sich wie zwei Gegner. Er war natürlich stärker, so gewandt und geschmeidig sie auch war. Er ging zum Fenster zurück. Sie ließ sich wieder in den Kissen nieder.

»Haben Sie ein Haus in Musku oder in Pätär?« fragte sie nach einer Weile.

»Ich habe ein Haus in Choi, ich habe ein Haus in Tiflis, und es gibt Häuser in Rostow, in Musku und Pätär, an denen ich beteiligt bin. Auch in Baku und Barum.« Er hatte ja an all diesen Orten Bankfilialen oder war liiert mit Banken in diesen Städten.

Sie seufzte leicht. »Ich möchte immer nur tanzen.«

Er lächelte. »So tanze.«

»Wie soll ich tanzen ohne Musik?« fragte sie vorwurfsvoll.

»Also werde ich morgen einen Flötenspieler mitbringen.«

»Hier ist es zu eng«, meinte sie geringschätzig. Ihr Fuß schlüpfte aus dem leichten Schuh und prüfte den Boden. »Hier kann man überhaupt nicht tanzen. Zu viele Teppiche.«

Er kam wieder langsam näher. »Es gefällt dir in diesem Harem?«

Sie seufzte. »Ich kann nur Nebenfrau werden.«

»Ist die Hauptfrau schön?«

Ihre Lippen schürzten sich geringschätzig. »Eine Russin. Der Herr sieht nur sie. Sie hat ihm den Sohn geboren.«

»Und doch kannst du Nebenfrau werden?« Er saß wieder neben ihr.

»Wenn ich mir Mühe gebe, warum nicht?«

Er streckte sich aus, so daß sein Kopf in ihren Schoß zu liegen kam. Sie hatte dagegen nichts einzuwenden.

»Ist der Herr sehr reich?« fragte sie.

»Ich glaube schon«, erwiderte er und haschte nach ihrer rechten Hand. Sie überließ sie ihm. Er spielte mit den schönen, kräftigen, gepflegten Fingern. Er zog die Hand an seinen Mund und drückte einen Kuß auf ihre Innenseite.

Nachsichtig entzog sie ihm die Hand und fragte: »Bist du reicher als er?«

Er haschte wieder nach ihrer Rechten und zupfte am Daumen. Dann spreizte er ihn ab von der Hand und zupfte am Zeigefinger. Dann am Mittelfinger, am Ringfinger, am kleinen Finger.

»Wieviel ist das?« fragte sie.

»Rate, Miryäm khanum.«

Ihr Gesicht rötete sich. Daß er sie Frau nannte, schmeichelte ihr. Sie beugte sich vor, so daß sie ihm in die Augen sehen konnte.

»Jeder Finger für sich?«

Er küßte die Spitze jedes Fingers.

»Jeder Finger tausend Tuman?« fragte sie atemlos.

Er haschte auch nach ihrer anderen Hand und küßte jeden Finger.

Sie neigte sich tiefer über ihn, um ihm schärfer in die Augen sehen zu können. »Zehntausend Tuman?«

Er nickte. Blitzschnell hob er die Arme und zog ihren Kopf zu sich herab, den er mit Küssen bedeckte, bis sie sich ihm wieder entzog. Aber ganz sanft und vorsichtig. »Du tust mir weh«, sagte sie entschuldigend.

Sie rückte von ihm ab, so daß sein Kopf in die Kissen fiel, schlängelte sich behend um ihn herum, so daß sie ihm jetzt zur Seite saß und direkt in die Augen sehen konnte. »Zehntausend Tuman?« wiederholte sie ihre Frage mit eindringlichem Ernst.

»Zehntausend Tuman für jeden deiner zehn Finger, Miryäm khanum.«

Einen Augenblick rechnete sie. »Hunderttausend Tuman?« Zornig sprang sie auf. »Du lügst!«

Er blieb ruhig liegen, wie er lag, und lachte.

Sie stampfte mit den Füßen. »Du lügst!«

Er lachte.

Tränen traten ihr vor Zorn in die Augen. »Du lügst!«

Er lachte immer hemmungsloser, denn er mußte plötzlich an allerhand Liebesromane denken, die er in Paris gelesen hatte. Der Kontrast zu dem Liebesgespräch hier war zu grotesk.

Sie kniete neben ihm nieder, trommelte mit beiden Fäusten auf seine Arme. »Sag', daß du lügst!«

»Aber ich kann das doch nicht sagen, Miryäm, wenn es wahr ist. Sei doch nicht so dumm!«

»Warum kaufst du mich dann nicht?« rief sie zornig.

»Aber von wem, Miryäm khanum? Der Onkel, die Tante sind tot, so viel ich weiß.«

»Von dem Herrn!« rief sie.

»Von welchem Herrn?« fragte er unsicher.

»Von dem Herrn, in dessen Harem ich bin«, sagte sie eifrig.

»Aber der will ja gar keinen Preis.«

»Das ist nicht wahr!« Empört sprang sie auf und dann brach sie schluchzend zusammen, verzweifelt über die Schande, die er ihr angetan hatte.

Der Fürst erschrak und sah verlegen drein. Da hatte er etwas Schönes angerichtet. Das kommt davon, wenn man kein Mohammedaner ist und zu lange in Europa war. Jetzt hatte er sie wider Willen wirklich schwer beleidigt und gekränkt. O weh. Was nun?

»Verzeihe mir, Miryäm, ich habe die Unwahrheit gesagt.«

Sie hob das tränenfeuchte Gesicht aus den Kissen. Es kam ihm jetzt erst recht reizend vor. Er wollte sie in die Arme schließen, aber sie wehrte empört ab. Zu tief war sie gekränkt worden.

»Ich bin kein Muselmann, du mußt mich recht verstehen. Ein Isävi kauft keine Frau, bevor er weiß, ob sie auch zu ihm will.«

»Du hast mich tanzen gesehen und willst mich umsonst haben«, schluchzte sie.

»Weil ich dich tanzen sah, will ich dich haben. Meinst du, ich hätte sonst die weite Reise hierher gemacht? Und meinst du, dein Herr ließe mich mit dir allein, wenn er nicht wüßte, daß ich ein reicher Mann bin, dem es auf Geld nicht ankommt? Aber bevor ich dich kaufe, will ich wissen, ob auch du mich haben willst. Ich bin ein Isävi, Miryäm.«

Sie hatte sich erhoben und ging langsam zum Fenster. Er ging ihr nach und drängte: »Willst du mich haben, Miryäm?«

Sie hatte sich die Augen getrocknet, sah ihn mißtrauisch an und sagte: »Das weiß ich jetzt nicht mehr.« Zu schwer hatte er sie beleidigt.

Es klopfte an der Tür, die zum Harem führte. Ärgerlich fuhr er herum. Für heute hatte er es mit Miryäm verdorben, das sah er deutlich. Er rief laut: »Bäli, ja!«

Der Eunuch steckte den Kopf durch die Tür.

Der Fürst küßte Miryäm die Hand. »Erlauben Sie, Miryäm khanum, daß ich Sie bitte, mich morgen wieder hier zu besuchen?«

Sie nickte stolz und unnahbar und verschwand im Harem.

So eine Dummheit! Hakob Akunian hätte sich die Haare raufen können. Lebte er immer noch nicht lange genug in Persien? Sie kannte ihren Wert. Wenn der Europäer von der Frau eine Mitgift verlangte, war das wirklich soviel edler, als wenn die Frau einen Preis verlangte, weil sie sich als eine Kostbarkeit wertet, die man nicht verschenkt wie eine Gurke oder eine Zwiebel? Weshalb sollte eine Frau nicht lieben können, wenn sie wie jede Kostbarkeit einen Preis haben wollte? Gar zu töricht hatte er sich betragen.

Die Tür nach dem Treppenhaus wurde von dem Eunuchen geöffnet. Den vergoldeten Schlüssel überreichte er dem Fürsten mit einer tiefen Verbeugung. »Ganz zu Ihren Diensten.«

Hakob Akunian bat um eine Zigarette. Als der Eunuch sie ihm reichte, überreichte er ihm einen größeren Geldschein.

»Möge ich dein Haupt umkreisen. Ich will für Sie zum Opfer werden. Ihre Freude mehre sich«, sagte der Eunuch, folgte ihm in den ersten Stock und öffnete die Glastür zu einer großen Veranda, auf welcher der Fürst von Maku saß und rauchte. Von dem weißen Mantel, dem Zeichen seiner Würde, schien er sich zu keiner Tageszeit trennen zu können.

Als sie sich nach der Begrüßung gesetzt hatten, entschuldigte sich der Hausherr nochmals, daß er seinem Gast kein bequemeres Zimmer hatte zur Verfügung stellen können und daß er ihm seine Frau nicht vorstelle. Er lächelte. »Trotzdem sie Russin ist, wünscht sie, auf die hiesigen Sitten Rücksicht zu nehmen. Schon der Dienerschaft wegen muß ich ihr nachgeben, obwohl ich über diese Dinge für meine Person ganz europäisch, das heißt russisch denke.« Er lächelte stärker. »Ich finde übrigens, unsere mohammedanische Sitte hat doch auch ihr Gutes und Angenehmes. Wenigstens denke ich es mir auf die Dauer sehr lästig, im ganzen Haus auf Schritt und Tritt immer seine Frau um sich haben, wie es in Rußland der Fall ist. Lästig ist das für beide Teile. Schließlich kann dabei nur ein Zwitterleben herauskommen, nicht männlich, nicht weiblich. So behält jedes seine eigene Welt, die nur für ihn paßt und in der er leben kann, wie es seiner Natur entspricht. Das gibt die männlichsten Männer und die fraulichsten Frauen. Wenn die Frau etwas will, schickt sie den Eunuchen. Wenn der Mann etwas will, geht er zur Frau.«

»Darüber kann wohl nur die Praxis entscheiden«, meinte Hakob Akunian. »In ihr habe ich noch keine Erfahrung, um mir ein Urteil bilden zu können.«

Wieder lächelte der Fürst von Maku. »Ich habe Ihnen auch noch ein Kompliment zu bestellen. Mein ganzer Harem, der uns sehr kritisch gemustert hat, ist sich darüber einig, daß Sie unter meinen Gästen diesmal am besten aussehen.«

Hakob Akunian wurde fast etwas verlegen, so unerwartet kam ihm dieser Ausspruch aus dem Mund eines Mohammedaners.

»Ich bin nicht nur in Ihren Augen ein schlechter Muselmann,« sagte der Fürst mit leichter Ironie. »Übrigens machte Sureja in seinem Brief Andeutungen über Pläne, die Sie und er mit mir zu beraten hätten. Ich stehe ganz zu Diensten. Oder wünschen Sie, daß wir erst die Ankunft meines Bruders abwarten?«

»Wenn Sie erlauben, scheint mir das praktischer zu sein.«

»Ganz wie Sie wünschen.«

Der Obereunuch tauchte wieder auf und flüsterte mit seinem Herrn.

»Die Gäste aus Teheran sind aufgewacht. Wenn Sie erlauben, lasse ich sie hierher bitten?«

»Ich bin Ihr Diener.«

Man saß zusammen, plauderte, trank Tee und machte einen kleinen Spazierritt, um sich auf die Abendmahlzeit vorzubereiten. Man aß zu Abend, trank Schärbet, plauderte, bis man wieder müde wurde und schlafen ging.

Der Obereunuch neigte sich zum Ohr Hakob Akunians. »Befehlen Sie, daß ich das Mädchen auf Ihr Zimmer bringe?«

Hakob Akunian hatte Mühe, seinen Schreck zu verbergen. »Gott behüte. Ich habe Miryäm khanum gebeten, mir morgen nach dem Essen um dieselbe Zeit wie heute die Ehre ihres Besuches zu erweisen.«

Der Obereunuch und Haushofmeister verneigte sich tief. »Bei meinen Augen!«

Am nächsten Nachmittag erschien Miryäm unverschleiert, und der Khajä brauchte sie nicht in das Zimmer zu zerren.

Als der Khajä den Riegel vorgeschoben hatte, sagte sie ernst: »Wollen Sie sich bitte an das Fenster begeben.«

Lächelnd tat es Hakob Akunian.

Sie machte es sich in den Kissen bequem und schlüpfte aus den leichten Schuhen, die ihr lästig waren.

Er wollte näher kommen, aber er blieb am Fenster, als sie sagte: »Wollen Sie bitte bleiben, wo Sie sind.«

Die gemessene Art der Zwölfjährigen machte ihm Spaß.

»Haben Sie mit dem Herrn gesprochen?«

»Natürlich habe ich mit ihm gesprochen.«

»Welchen Preis hat er gefordert?«

»Zehntausend Tuman«, sagte der Fürst aufs Geratewohl.

»Das ist zu viel, viel zuviel«, sagte sie ärgerlich.

»Ich kann das nicht finden,« meinte er lächelnd.

Aber sie blieb ernst und sagte: »Du mußt mit ihm handeln.«

»Was hieltest du denn für einen angemessenen Preis, Miryäm khanum?« fragte er neugierig.

»Fünftausend Tuman ist mehr als genug dafür, daß er mich hat rauben lassen.«

»Also fünftausend Tuman, wie du befiehlst?«

»Hast du sie auch?« fragte sie mißtrauisch.

»Wenn der Herr glaubt, zehntausend fordern zu können, werde ich wohl fünftausend haben.«

Das schien ihr einzuleuchten.

»Wann gibst du sie ihm?«

»Wann du befiehlst.«

»Beeile dich nicht zu sehr, sonst wird er wieder unverschämt und erhöht die Summe. Sei klug und mache es ihm nicht zu leicht. Biete erst viel weniger, ganz wenig, zweitausend Tuman.«

»Und wenn er mit zweitausend einverstanden ist?« fragte er neckend.

Sie rümpfte verächtlich die Nase. »Dann ist er nicht wert, daß er mehr als tausend bekommt.«

Er lachte hell auf.

»Du scheinst kein sehr ernster Mann zu sein«, meinte sie vorwurfsvoll.

»Magst du nur ernste Männer?«

»Ich mag keine jungen Männer, die immer lachen und lustig sind.«

»Vielleicht bin ich dir zu jung?«

Sie prüfte ihn aufmerksam. »Du bist gerade an der Grenze, um ernst werden zu können. Ich hoffe, du wirst es.«

»Ich werde mir Mühe geben, Miryäm khanum.« Er wollte zu ihr auf die Kissen, aber sie wehrte ab.

»Warte noch einen Augenblick.«

Sie erhob sich, trat auf den Teppich und warf die leichte Burqä ab, die sie eingehüllt hatte. Sie stand in einem Tänzerinnenkostüm vor ihm, wie er sie bei dem Gouverneur gesehen hatte. Sie kam langsam auf ihn zu, wiegte sich, drehte sich, neigte sich, stemmte die Hände in die Hüften, ließ die Lider wie Vorhänge über die Augen fallen, schlug sie wieder hoch und tänzelte immer näher heran. Er sollte sich selbst davon überzeugen, daß er bei fünftausend Tuman nicht übervorteilt wurde. Als sie dicht vor ihm stand, warf sie ihm schnell die Arme um den Hals und küßte ihn, daß es wie Feuer brannte. Im nächsten Augenblick aber hatte sie schon wieder die Burqä umgeworfen und lächelte ihn an.

Sie war zufrieden mit der Wirkung. Hakob Akunian stand immer noch bewegungslos auf demselben Fleck, so überrascht hatte sie ihn.

Sie ließ sich wieder in die Kissen fallen und lachte laut und vergnügt. Er brauchte sich ihrer nicht zu schämen, schien ihr. Kokett blinzelte sie ihm zu. »Sie können ein wenig näher kommen, Agha.«

Wahrhaftig, sie hielt ihn zum Narren, sie spielte mit ihm, diese Zwölfjährige.

Er ließ sich neben ihr nieder.

»Wann werden wir reisen, Agha?«

»Ich erwarte hier noch jemand.«

»Eine Frau?«

»Einen Mann.«

»Kann das noch lange dauern?«

»Acht bis zehn Tage.«

Sie nickte befriedigt. »Khub äst, gut.«

»Du hast es nicht eilig, von hier fortzukommen, wie mir scheint.«

»Wenn du drängst, wird der Herr den Preis zu erhöhen trachten.«

Hakob Akunian wurde ärgerlich. Ihre Gedanken schienen sich nur darum zu drehen.

»Wohin reisen wir von hier?« fragte sie neugierig.

»Nach Tiflis«, sagte er, weil es ihm gerade einfiel. Die Geschäfte, die er nun lange genug vernachlässigt hatte, riefen ihn dringend dorthin.

»Wo sind wir hier?«

»In Maku.«

Das sagte ihr offenbar gar nichts.

»Was tun wir in Tiflis?«

Er lachte. »Meine Mutter besuchen.«

»Ist sie eine alte Frau?«

»Weshalb interessiert dich das, Miryäm khanum?«

»Weil Mütter es nicht leiden können, wenn ihre Söhne sich Frauen nehmen. Sind die Mütter alt, ist es nicht mehr ganz so schwer für sie. Was ist sie für eine Frau?«

Er lachte, denn er wußte nicht, wie er dieser jungen Perserin eine Vorstellung von seiner Mutter geben sollte.

»Ist sie eine böse Frau?«

»Nein, Miryäm khanum, das ist sie nicht.«

Sie seufzte erleichtert. »Das ist gut.«

»Aber sie ist eine strenge Frau«, sagte er, weil er neugierig war, zu erfahren, was sie dazu sagen würde.

»Das sind alle Frauen, wenn sie alt werden«, meinte Miryäm, und sie fand das offenbar ganz selbstverständlich. Es machte weiter keinen Eindruck auf sie.

»Lebt sie von dir oder lebst du von ihr?«

»Jeder hat genug, um für sich zu leben.«

»Wenn sie von dir lebte, wäre es leichter für mich«, meinte Miryäm.

»Wie alt bist du eigentlich, Miryäm?«

»Es fehlt nur noch wenig bis zu dreizehn«, sagte sie etwas bekümmert, denn mit zwanzig war man ja schon keine junge Frau mehr. Nur noch sieben Jahre bis dahin. Kinder machen alt. Aber man verliert den Mann, wenn man ihm keinen Sohn gebiert. Das ewige Dilemma in jedem persischen Frauenleben.

»Hat sie gut getanzt, als sie jung war?« fragte Miryäm.

»Das weiß ich wirklich nicht, Miryäm.

»War sie die Tochter eines Bauern?« fragte sie erschrocken.

»Nein, Miryäm, wie kommst du darauf?«

»Dann hätte sie arbeiten müssen und nie tanzen gelernt.«

Wie sollte er ihr klar machen, daß eine Frau reich sein kann und doch arbeiten? Vorläufig war ihr das überhaupt nicht klar zu machen. Er schwieg besser davon. Sonst gab es wieder Mißverständnisse. Vielleicht erschrak sie sogar über die Möglichkeit, einmal selbst nicht nur tanzen zu können, daß sie ihm jetzt noch einen Korb gab. Der Kaufpreis, von dem er gesprochen hatte, um sie nicht zu kränken, war ja noch nicht bezahlt. Damit war sie nach ihrer Auffassung noch frei und zu nichts verpflichtet. Er aber wollte sie unter allen Umständen festhalten. Jawohl, er liebte sie, er liebte sie leidenschaftlich.

»Habe ich Sie gekränkt, Agha?« fragte sie besorgt.

Er streckte die Arme nach ihr aus und küßte sie. Eine Weile ließ sie ihn gewähren. Dann aber befreite sie sich aus seinen Armen, lief zum Spiegel, der über dem Toilettentisch hing und betrachtete ihr Gesicht und ihr Kostüm sehr eingehend. Mit einem leichten Vorwurf meinte sie: »Sie sehen doch, Agha, ich habe mich als Tänzerin angezogen.«

Er lächelte. »Wann werden Sie sich für mich zum Küssen anziehen, Miryäm khanum?«

Sie warf ihm einen koketten Blick zu. »Vielleicht in Tiflis, wenn ich erst die Madärzän, die Schwiegermutter, gesehen habe, die keinen Mann mehr hat, was schade ist, denn mit dem Pädärzän hat man es leichter, wenn man jung ist.«

»Woher weißt du, daß mein Vater nicht mehr lebt?«

»Dann hättest du zuerst von ihm gesprochen und nicht von der Mutter.«

Sie ließ sich wieder an seiner Seite nieder, und sie plauderten, bis der Khajä wieder klopfte.

Wieder verabschiedete er sich feierlich. »Darf ich hoffen, Sie morgen wiedersehen zu dürfen, Miryäm khanum?«

Ehe er sich dessen versah, sprang sie ihm an den Hals und siegelte seine Lippen mit langen, heißen Küssen. Der Khajä war kein Mann. Vor ihm brauchte sie sich nicht zu genieren. Aber zur Not konnte sie ihn zu Hilfe rufen, wenn Hakob Akunian Agha zu heftig wurde.

Ehe er sich dessen versah, war sie schon hinter der Tür zum Harem verschwunden, die der Khajä verriegelte.

Sie konnte einem schon den Kopf verdrehen. Scheinbar noch ein Kind und zugleich doch schon ein ganz raffiniertes kleines Frauenzimmer. Wie es ihr gerade zweckmäßig erschien. Die Sinne schon wach, aber völlig beherrscht. Beides verdankte sie wohl dem Tanz. Aber das schweifte bei ihr alles noch ins Allgemeine und Weite, hatte sich noch nicht an einen einzelnen verloren. Er würde alles daran setzen, dieser einzelne zu werden, aus dem allein der einzige werden kann.

Endlich verabschiedeten sich die Perser feierlich in großer Audienz von dem Fürsten von Maku, der nicht verfehlte, zu versichern, daß er, sobald es die Verhältnisse gestatteten, nach Teheran aufbrechen und sich dem Zufluchtsort der Welt, dem Schatten Gottes, dem Sultan, Sohn eines Sultans, Gott erhalte seine Herrschaft, zu Füßen legen werde.

Für die Perser hatte es keinen Zweck, länger zu verweilen. Auch der jetzige Fürst war immer noch Großherr in seinem Fürstentum wie sein Vater. Seine Reiterei war stark, zuverlässig und gut ausgerüstet. Er hatte sie den Gästen wiederholt vorgeführt. Der Waffenschmied, den sie ein wenig ausgehorcht hatten, hing fest an seinem Herrn. Mit dem Christen war auch nichts zu machen. Man mußte sich auch weiterhin in Geduld fassen. Es ist kein Schutz und keine Macht außer bei Gott, dem Erhabenen und Erlauchten!

Einen Tag später erschien Sureja, der bei dem Waffenschmied gewartet hatte, bis die Perser abgereist waren.

»Wenn Sie wünschen, steht Ihnen ein geräumigeres Zimmer zur Verfügung«, meinte der Fürst zu Hakob Akunian.

»Ich wäre Ihnen zu Dank verpflichtet, wenn Sie mir erlauben wollten, zu bleiben, wo ich bin, bis ich wieder abreisen kann.«

»Ganz zu Ihren Diensten«, erwiderte der Fürst.

Auch Sureja verzog keine Miene. Damit war diese Angelegenheit für die beiden Kurden erledigt. Hingegen kostete es viel Mühe und bedurfte sehr vieler Unterredungen, bis der Fürst von Maku auch nur begriff, worum es sich bei den Plänen seines Bruders und des Armeniers eigentlich handelte, so fern lagen ihm solche Gedanken. Eine Art Vertrauensverhältnis zwischen Kurden und Armeniern, wo fast jeder Kurdenstamm den anderen bekämpfte, und doch wohl auch die Armenier, die teils in Rußland, teils in Persien, teils in der Türkei wohnten, Interessen hatten, die sich schwerlich miteinander vertrugen, einander oft genug sogar, so weit er sah, entgegengesetzt waren? Er konnte zunächst nur immer wieder den Kopf über so phantastische Pläne schütteln. Es kostete Hakob Akunian große Mühe, Sureja dahin zu bringen, daß er wenigstens die Geduld nicht verlor und allzu heftig wurde.

Wenn man als Ziel beabsichtigt, die Türkei zu erobern, dafür könnte man ganz Kurdistan gewinnen, meinte der Fürst von Maku. »Das versteht jeder Kurde, dafür wäre vermutlich jeder zu haben, wenn man für die nötigen Waffen sorgt, und was sonst noch dazu gehört.«

»Das finde ich nun wieder phantastisch«, sagte Sureja ärgerlich.

»Zugegeben,« erwiderte der Fürst, »aber die Massen kannst du überhaupt nur für phantastische Pläne gewinnen. Du kannst ihnen sagen, wenn ihr mir folgt, werdet ihr in einem Jahr die Herren von Stambul sein. Du mußt die Frist kurz stellen, so kurz als möglich, denn was in zehn oder zwanzig oder noch mehr Jahren sein wird, interessiert die Massen nicht. Was morgen sein wird oder spätestens in einem Jahr, dafür sind sie zu gewinnen. Ein Braten, der ihnen nicht so dicht vor der Nase aufgehängt wird, daß sie ihn riechen, lockt sie nicht. In zehn Jahren sind wir tot, sagen sie. Was hilft uns dann noch der schönste Braten, denken sie. Du willst ihnen aber nicht einmal die Herrschaft über Stambul als Braten vor die Nase hängen. Lohnt es sich dann überhaupt, einig zu werden? Dann bleibt doch alles besser, wie es ist, indem jeder für sich seinen kleinen Vorteil sucht, so gut es geht. Das ist doch wenigstens etwas Sicheres. Und dann noch gar mit den Armeniern sich verbinden, ohne Stambul als lockenden Braten? Dann bringt es doch mehr ein, ihnen ihr Geld abzunehmen, ihr Vieh, ihre Mädchen und Frauen wie bisher. Auch das ist etwas Sicheres, worin man Erfahrung hat.«

»Es handelt sich ja vorläufig noch gar nicht um die Massen, sondern nur um ihre Führer. Auch nicht um jeden Dummkopf unter ihnen, sondern nur um ein Dutzend kluge Köpfe, die sich auch unter ihnen finden müssen. Und was die Massen angeht, habe ich, wenn wir erst soweit sind, einen ganz anderen Plan. Ich werde ihnen überhaupt keinen Braten vor die Nase hängen, mit dem sie dann doch nichts anzufangen wissen. Aber ich werde ihnen, wenn es soweit ist, Derwische wie Blutegel ansetzen, die sie so wild machen, wie wir es brauchen gegen die Sunnis. Sie verstehen es, auch aus Kurden fanatische Schiis zu machen. Darauf verlasse ich mich bei der Masse lieber als auf den schönsten Braten.«

Der Fürst sah seinen Bruder fragend an. »Yäzidian, Teufelanbeter?«

Sureja nickte. Der Fürst von Maku verfiel in Nachdenken, und Hakob Akunian verzog keine Miene, so tief er auch erschrocken war. Also das waren Surejas letzte Absichten, von denen er bisher noch nicht gesprochen hatte? Unmöglich, daß er dazu seine Zustimmung geben konnte. Er wollte schon Einwendungen machen, als ihm einfiel, das seien Sorgen, die noch in weiter Ferne lagen. Sureja hatte damit wohl zunächst auch nur auf seinen Bruder Eindruck machen wollen und dachte selbst im Ernst nicht an solchen Wahnsinn. Mit den Kurden konnte man ja überhaupt nur deshalb an ein Zusammenarbeiten denken, weil sie schlechte Mohammedaner waren. Wurden sie fanatisiert, waren nicht nur die Sunniten, sondern erst recht die Armenier nicht vor ihnen sicher.

Sureja lächelte. Es war nicht schwer für ihn, Hakob Akunian anzusehen, was er dachte. Aber der Weg bis zu seinem Ziel war noch weit. Nur der Weg war aktuell, nicht sein Ziel. Im Augenblick war die Hauptsache, daß er seinen Bruder nachdenklich gestimmt hatte. Er hätte darüber natürlich auch mit dem Bruder unter vier Augen sprechen können, aber wozu? Mitgegangen, mitgehangen. Nach dem Sieg über Scharef würde der Armenier noch eine weite Strecke mit ihm gehen. Wie er mit ihm. Das genügte vorläufig. Nur schadet es nichts, wenn man jetzt schon die Stelle zeigt, wo das letzte Stück Weg wirklich gefährlich wird. Ob er dann noch mitklettern kann, steht bei ihm. Sollten sich die Wege trennen, nimmt er die Höhe allein. Im Tal kann man sich wieder treffen, wenn Hakob Akunian für sich und die Seinen einen weniger gefährlichen Umweg vorziehen sollte.

So gingen die Gespräche zwischen den dreien noch manchen Tag, bis der Fürst von Maku soweit war, anzuerkennen, daß ein Versuch sich lohne, wenigstens die besten Köpfe unter den kurdischen Stämmen, mit denen man nicht in direkter Feindschaft lebte, also vermutlich einige Häuptlinge unter den Bergkurden und einige Khane im eigentlichen Kurdistan über den Plan auszuhorchen. Vorläufig aber nur in den Gegenden am kleinen und am großen Zab, an der persischen Grenze und in der persischen Provinz Ardelan, nicht in der Gegend von Diarbekr und Bitlis, wo die Türkei herrscht und die Kurden durch sie daran gewöhnt sind, sich an Armeniern schadlos zu halten, wenn ihnen irgend etwas wider den Strich geht. Auch Ostanatolien kam aus demselben Grunde vorläufig nicht in Betracht.

Je mehr man sich in die Einzelheiten des Planes vertiefte, um so klarer wurde es, daß man am schnellsten von der Stelle kam, wenn man zunächst die wichtigsten Kurden in Stambul aufsuchte, deren direkter Einfluß in Kurdistan besonders groß war. Da nun auch Hakob Akunian erklären mußte, daß seine besten Leute in Pera und Galata saßen, sowie man über Persien hinausgriff und vorerst nicht an die Armenier in Rußland dachte, denen die türkischen Nöte nicht so unmittelbar auf den Nägeln brannten, kam man zu dem Ergebnis, daß eine Reise nach Stambul der nächste Schritt sei, der unternommen werden mußte. Hatte Sureja diesen und jenen der führenden Kurden, die in Stambul lebten, ernstlich interessiert, und gelang Hakob Akunian dasselbe bei seinen Leuten, war Stambul auch der gegebene Ort, diese Leute vor allem an einem Tische zusammenzubringen, damit sich einer zunächst einmal an den Geruch des anderen gewöhnte, wie Sureja sich ausdrückte.

»Und was wird die türkische Polizei dazu sagen?« fragte der Fürst von Maku lächelnd.

»Wir werden nicht verfehlen, sie sofort aufzusuchen und um ihre Zustimmung zu unseren Absichten zu bitten«, spottete Sureja.

»Wann können Sie reisen, Durchlaucht?« fragte Sureja den Armenier.

Hakob Akunian überlegte. »In drei, vier Wochen wird es möglich sein. Vor allem muß ich nach Tiflis. Die Geschäfte verlangen es dringend.«

Sureja wandte sich lachend an seinen Bruder. »Der Fürst ist auch Bankier. Ich hatte es schon fast vergessen. Übrigens kann ich ihn dir dringend auch als Bankier empfehlen. Oder interessiert Sie Wolle nicht, Durchlaucht?«

»Durchaus, mein Prinz.«

»Sehen Sie sich meinen Bruder an, wie er lebendig wird. Ich schätze, über Wolle verständigen Sie sich mit meinem Bruder leichter als über Politik.«

»Es ist auch das weitaus anständigere Geschäft von beiden«, sagte der Fürst von Maku gemessen.

»Es geht nur um Geld und nicht um Menschen«, meinte Hakob Akunian nachdenklich.

»Wir brauchen beides«, entgegnete Sureja trocken.

»Wann können Sie in Stambul sein?« fragte Hakob Akunian.

»Jederzeit. Mich hält kein Geschäft hier fest. Wenn Sie drei, vier Wochen für Tiflis brauchen, treffen wir uns also in vier Wochen, damit Sie reichlich Zeit haben.«

»Also in vier Wochen. Ich wohne bei Tokatlian.«

»Ein Armenier?«

Hakob Akunian nickte.

»Ich im Pera Palasthotel. Zu einem anständigen Kurdenhotel haben wir es noch nicht gebracht.« Leise fragte er französisch, denn in einer orientalischen Sprache wäre es für ihn unmöglich gewesen: »Und wie denken Sie es mit der Kleinen zu halten?«

»Ich nehme sie mit, wenn Sie gestatten?«

»Nach Tiflis? Zu Ihrer Maman? Soweit ich den Vorzug habe, die Fürstin zu kennen, ich hatte ja nur einmal bei Ihnen das Vergnügen, ich muß Sie schon wieder bewundern, Durchlaucht. In welcher Lage Sie sich auch befinden, Sie sind und bleiben ein mutiger Mann.«

»Es ist nicht immer angenehm, aber immer noch das beste, Hoheit.«

»Aber Sie sind doch in vier Wochen in Stambul?«

Hakob Akunian lachte. »Darauf können Sie sich verlassen.«

»Das ist die Hauptsache ... Warten Sie einmal, da fällt mir etwas ein ... das trifft sich ja ausgezeichnet. Da kann ich mich ja mit eigenen Augen davon überzeugen, ob mein Experiment restlos gelungen ist.«

»Was für ein Experiment?«

»Erinnern Sie sich nicht mehr an den türkischen Spion, und was ich ihm befohlen habe?«

Hakob Akunian erinnerte sich im Augenblick nicht.

»Wir kommen noch zurecht zum Ramasan. Erinnern Sie sich jetzt? Ich sagte dem türkischen Hund: Am Abend des ersten Tages im Ramasan springst du von der neuen Galatabrücke und ertrinkst ... Erinnern Sie sich? Jetzt werde ich mich persönlich davon überzeugen können. Schon darum lohnt sich mir die Reise nach Stambul.«

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