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Odhin's Trost

Felix Dahn: Odhin's Trost - Kapitel 4
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleOdhin's Trost
publisherZehnte Auflage
printrunVerlag von Breitkopf und Härtel
year1901
firstpub1880
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160909
projectide5ee511e
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I.

Viele Winter, ja unvordenklich viele, hatten sich Asen und Riesen bekämpft.

Schaden konnten sie sich thun, manchfaltigen, aber ganz hinzwingen nicht.

Denn weder konnten die von Asgardh die Riesen alle erschlagen, noch konnten die Riesen einbrechen in Walhall's Burgthor.

Da hatten die Riesen den Göttern Botschaft gesandt, friedliche Zwiesprach zu halten, ob nicht der alte Streit beizulegen sei für immer und alle Tage.

Herausgeben wollten die Riesen, falls ein Vergleich vertragen würde, werthvollste Waffe und wonnigstes Weib, die sie beide den Göttern abgewonnen durch List eines Menschenmannes: – der hieß Argr.

Und die Asen mißten Waffe und Weib wie Arm und Auge.

Denn die Waffe war Miölnir, Thors Hammer, und das Weib war Freia.

Argr hatte Thor in Rausch getrunken mit sehr, sehr vielen Hörnern Ael: nicht so gut, als Mancher meint, ist Ael den Erdensöhnen.

Aber auch Asen, scheint es, ist es oft von Uebel.

Argr hatte mit Thor in die Wette getrunken; jeder wettete ein Trinkhorn. Nach sehr vielen Hörnern sagte Argr, er könne nicht mehr. Thor konnte auch nicht mehr: aber er trank fort und gewann so großes Horn, aber größeren Rausch.

Den von Ael und Ael-Sieg berauschten Gott hatte nun Argr zum Würfelspiel gereizt.

Thor verlor Alles, was er bei sich trug.

Endlich setzte er auf den letzten Wurf seinen Hammer.

Da warf Thor ein Auge und Argr acht.

Da hatte Thor seinen Hammer verloren.

Willig hatte der treue Gott den Hammer dem Menschen-Mann hingegeben, der eilig verschwand.

Aber damit hatte Thor seine Freude hingegeben aus seinen Lebenstagen.

Schwer seufzend, wortlos, lag er auf der Haut des großen Riesen in Eisbärengestalt, den er zuletzt mit dem Hammer erlegt, in Thrudhwang, seiner Halle.

Und was das Aergste war: ungekostet stand neben ihm im Becher der Meth.

Da sahen alle Götter, daß Thor sehr krank sein mußte. –

Zu Freia aber war Argr gegangen in Gestalt von Skirnir, der ist Freirs Freund, und hatte ihr, in Skirnirs Gestalt, Botschaft gebracht von Freir, in neun Nächten zu kommen in den Wald der stillen Wege, den beide kannten.

Und Freia kam, denn Liebe zwang sie.

*

Nun hör' ich schon überkluge Skalden schelten: Freia sei nicht Freir's Braut, sondern Schwester.

Aber die Schelter sollen nur glauben, daß mein lieber Vater der Götter Versippung so gut wußte wie sie.

Es giebt aber verschiedene Kunde im Volk von der Götter Geschlecht und Sippezahl.

So ist auch, was mein Vater sang, daß Frigg Thor's Mutter gewesen und Odhin Loki's Vater, in andern Geschlechter-Runen und noch manches derart – so, daß Baldur den Sonnenwagen führe – anders geritzt.

Bei den Heidenleuten durfte darin jeder sagen und glauben, wie er wollte.

Anders ist das und scharf gefährlich geordnet bei den Christenleuten. –

*

Aber in dem Walde traf Freia nicht Freir, sondern sieben Riesen; die schleppten die Weinende fort.

Und die Götter klagten, daß Thor gram-krank liege. Und klagten noch mehr, daß sie Freia nicht mehr hatten, sie anzuschauen. Denn sie welkten nun und wurden alt.

Eifrig verlangten sie, Waffe und Weib wieder zu gewinnen und nahmen gern die Zwiesprach an mit den Riesen.

Was aber diese als Tauschgabe heischten – das hatten sie noch nicht angesagt.

Als nun die Nacht heran gekommen war, nach deren Sinken bei klimmender Sonne die Zwiesprach beginnen sollte, da lagerten seit Abenddunkel in dem beredeten Thal die Riesen zur Mitternachtseite, die Götter aber auf der Mittagseite.

Festadalr oder auch Festadalar hieß das Thal oder hießen die beiden Thalgründe. Denn ein dünner Bach zog sich zwischen beiden hin.

Da schoß aus dem schon nächtigen Gewölk ein rother feuriger Streif hernieder in den Bachgrund zwischen beiden Lagern; er erlosch: aber gleich darauf sah man unablässig, bald zur rechten, bald zur linken des Rinnsals einen Irrwisch huschen, bald zu den Göttern, bald zu den Riesen gleitend.

Auf der Mittag-Seite, fern ab von den andern Asen, die unter Laubhütten schliefen, saß auf einem alten Hünengrab, den Speer in der Hand, einsam, ein Gewaltiger.

Der Nachtwind strich wie liebkosend durch seinen wirren Bart. Das hohe Haupt ruhte auf der um den Schaft geballten Speer-Faust. Aber der Einsame schlief nicht. Nichts entging ihm in des dunkeln Himmels Rundung und in dem noch dunkleren Thal. Jetzt knurrte, leise den Kopf reckend, ein Thier, das dicht zu seinen Füßen, lang ausgestreckt, lag, und es warf einen warnenden Blick nach dem Gebieter empor: dieser aber, ohne sich zu rühren, flüsterte kaum hörbar: »Laß nur, Geri. Wohl seh' ich den Irrwisch. Scharf witterst du Loki. Schärfer doch ahnt ihn dein Herr.«

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