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Odhin's Trost

Felix Dahn: Odhin's Trost - Kapitel 17
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleOdhin's Trost
publisherZehnte Auflage
printrunVerlag von Breitkopf und Härtel
year1901
firstpub1880
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160909
projectide5ee511e
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XIV.

Schon stürmten jetzt von beiden Hügeln Riesen und Asen herab zum Nahekampf.

Da trat Odhin in die Mitte zwischen beide Reihen, erhob in der Linken den Schild hemmend gegen die Riesen, in der Rechten den Speer befehlend gegen die Götter und rief: »Friede!« mit so erhabenem Ernst der Stimme, daß die Asen ehrfurchtvoll die Waffen senkten und selbst die wüthigsten Riesen erschrocken inne hielten.

Da sprach Odhin, als es ganz still geworden –: nur die Flammen prasselten der brennenden Bäume – »Unwahr beschuldigt ihr uns. Nur gegen Menschen die Menschen nicht zu schirmen haben wir geeidet. Nicht wir haben Skadhi, den Mörder, getödtet: – das that König Harald selbst. Und nicht wir haben Harald gewarnt vor Argrs gezücktem Stahl –: das that Hilde. Der aber, dem Thor den Hammer auf das Haupt warf –: der war kein Menschenmann.

»Das war Loki der Ase«, erwiederte Surtur.

Finster furchte Odhin die Brauen: »Loki, der – »Ase!« Gut: haben wir geschworen, den Menschen nicht zu schaden? Niemals! Loki wollte Harald tödten: er brach damit nicht den Eid.«

»Aber Thor hemmte ihn«, warf Thrymr, der Neif-Riese, ein.

»Haben wir geeidet, den Menschen nicht beizustehen gegen die Asen? Niemals!«

»Aber Loki half Skadhi, dem Menschen!« heulte der Feuriswolf.

»Ich könnte antworten,« sprach Odhin langsam, –: nicht geholfen hat Loki dem Mörder, ihn in's Verderben geredet. Ich könnte noch stärker antworten: wer Skadhi half, der schadete den Menschen. –«

»Arglistiger! Wortweiser!« fiel Forniotr zürnend ein. »Nie gebricht's dir an Gründen! Nie mangelt's dem Meister der Runen an Reden! Aber du sollst, was selber wir sahen, nicht löschen mit Listen. Erst half Loki, der Ase, Skadhi dem Menschen: dann half Thor, der Ase, Harald dem Menschen.

Da sprach Odhin scharf: »Ihr Alle habt's gehört. Riesen und Asen,: zuerst hat Loki – nach der Riesen eigener Rede – gebrochen den Bund: Thor hob erst den Hammer, als Loki seinen Liebling Skadhi beschützte, als Loki gegen Harald gehoben hatte die Hand.«

»So war es,« sprach Bläster, der Südsturm-Riese. »Aber das schützt euch nicht vor Schuld. Ihr Asen steht alle für Einen – wie wir Riesen! Ob Thor zuerst ob Loki den Bund brach, – immer brach ihn ein Ase.«

Da sprach Odhin laut mit furchtbar ernster Stimme: » Loki ist kein Ase

Alle standen starr vor Staunen.

»Er ist dein Sohn!« riefen endlich mehrere Riesen zugleich.

»Von einer Riesin. Das Kind folgt der ärgeren Hand. Wie des Freien und der Unfreien Kind nicht frei, sondern unfrei, so ist Loki nicht Ase, sondern Riese.«

Abermals zog ein Schweigen des Schauers durch Alle, die es hörten.

Endlich sprach Forniotr: »Uns vergleicht er den Unfreien, der Hochmüthige! Uns, die alten Herren der Erde, die wir herrschten, bevor ein Ase athmete. Wohl ist es wahr: mehr von der Mutter hat Loki ererbt als von Odhin. Aber, ihr Listigen, ihr nennt, wie euch nutzt, Loki bald Asen, bald Riesen. Steht nicht in Asgardh seine prangende Halle?«

Odhin gab Thor einen Wink: dieser schleuderte einen flammenden Blitz nach Oben durch die Wolken, wie er oft thut im Gebirge: Krachen und Prasseln dröhnte sogleich von oben herab aus den Himmeln.

»Loki's Halle brennt: sie zerfällt in Asche. Loki, der Riese, zerbrach den Bund, nicht die edeln Asen. Und wie ich hier zerbreche den dürren Zweig, den in Händen ich halte, so brech' ich das Band, das Loki, den Riesen, und uns verbunden. Und für immer und ewig und alle Tage lös' ich von Loki der Asen Adel, der Götter Gunst, die Wohnung in Walhall: aus Recht und Rath stoß' ich ihn strafend.«

Grauen ergriff Alle, die es hörten.

Da legte Baldur bittend die Hand an Odhin's Arm und fragte: »darf auch der Vater den Sohn verstoßen?«

Aber Odhin richtete sich hoch auf und frug Forseti, den Gott des Rechts, der auf Heligoland waltet: »Forseti, weise mir das Recht!«

Forseti aber hob feierlich den weißen Stab mit goldner Kugel und sprach: »Der Bastard nimmt kein Erbe. Der Bastard darbt des Vaters.«

»Wie euch lüstet mit Loki, so thut mit dem Treulosen, sprach Odhin zu den Riesen gewendet. Tödtet den Trüger, bindet den Bösen. Wir wehren's nicht weiter.«

Aber Surtur sprach: »Und richtet das Recht so hart, daß es dem Bastard verbietet den Vater, so richtet es auch rührend: »Kein Kind ist seiner Mutter Kebs-Kind.« Ausstießen die Asen den lodernden Loki, der Vater verfehmte ihn: wohlan, wir wollen ihm Vetterschaft freundlich erfüllen. Lieblich war Laufeja, meine Niftel, leidig ihr Los, das das herrliche Herz der Maid mörderisch brach durch Odhin des Argen verderbliche Werbung. Ich räche die Riesin: ich nehme der Niftel mich an in ihrem Sohne: nicht sippelos sei er.«

»Wahrlich, wir wären, fiel da Forniotr ein, noch dümmer als ihr immer in eurem Dünkel uns denkt, verfolgten als Feind wir den listigen Loki. Aus eurem Erbe stießt ihr den Stolzen: wohlan, wir wollen als Wahlsohn ihn wählen und ihn küren zum König. Klügeren König, findigern Führer, helleres Haupt nähmen wir nirgend. Asenheim ächtet, Thursenheim tröstet, Riesenreich rettet ihn.«

Da riefen laut alle Riesen zusammen: »Uns führe fortan der lodernde Loki. Nun weh' euch in Walhall!«

»Nun wohl uns in Walhall,« rief Thor zurück. »Los sind wir und ledig des Lügenerlisters. Scharf ist geschieden, was zusammen nicht sein soll. Ich hasse das Halbe! Freut' euch des Frevlers, der fortan euer Fürst! – Aber das Eine ist allen nun offen – so hoff' ich im Herzen: Freundschaft und Friede von Asen und euch ist ewig unmöglich! Thörig dünkt manchen Thor: und er wähnt sich selber nicht weise: doch klarer erkannte der thörige Thor als die Weisesten Walhall's wahrlich die Wahrheit: Flammen und Fluthen können nicht künstlich treu sich vertragen! Und wollen sie's wirklich, – bald bricht brausend den Bund, gehäuft in den Herzen, der heilige Haß! So lasset uns leben, wie das Herz es erheischt. He, holla, ihr Helden, wir künden euch Kampf!«

»He holla, ihr Helden, wir künden euch Kampf!« scholl es wie Widerhall von den Riesen herüber.

Odhin aber hatte erwogen, daß mit Loki als König der Riesen doch kein Friede zu festigen sei.

Und auch ihn überkam jetzt jene fortreißende Freude am Kampf, welche er sonst Andern einzuhauchen pflegt.

Schon flogen auch, von den Riesen geschleudert, Stangen und Steine herüber.

Bläster, der Sturm-Riese, hatte eine mächtige Tanne mit der Wurzel ausgerissen und warf sie sausend gegen Baldur, der zur Rechten des Vaters stand: mit Erdklumpen und Gestein zwischen den knorrigen Wurzeln kam sie geflogen und traf Baldur's schildlose rechte Schulter – denn er hatte den Schild über den Vater gehalten: unschädlich fiel der Baum von dem getroffenen Arm zu Boden.

»Gut gebraut ist die sichernde Salbe!« lächelte Odhin dem Liebling zu, holte mit dem Speer aus und rief laut: »Wahr ist das Wort: wuchtger als Weisheit ist der heilige Haß. So wüthe denn wieder, so wüthe denn weiter das freudige Fechten. Kämpfen in Kühnheit ist göttlich, ihr Götter! Der Sieg ist versigelt! verschlossen das Schicksals-Ende der Asen: unsicher der Ausgang: doch sicher und selig des Heldenthums Hohheit! Auf denn, von Asgardh ihr schimmernden Schaaren. Folgt eurem Fürsten! Es kämpft an des Keiles Spitze sein Speer. Folgt ihm, ihr Freudigen, fahrt in den Feind!«

Und vorspringend an die vorderste Stelle, rief er: jauchzend den Speer unter die Riesen werfend: »Odhin hat euch Alle!« Und dem Eisenriesen Isarngrimr, dessen ganze Rüstung von armdicken Eisenringen war (und man sagte: auch seine Knochen) durchbohrte der Speer Schild, Arm, Brünne, Rippen und Herz. Brüllend stürzte der Starke.

Und nun hob an der furchtbare Machtkampf, nur von dem grellen Licht des brennenden Waldes, von Thors Blitzen und Surturs Lohe in zuckendem Scheine erhellt.

Lauter als das Geheul der Riesen scholl Thors Lachen, wie er Steinriesen auf Steinriesen die Häupter zerschlug: aber lauter noch als Thor's Donner und Lachen der Schlachtruf Odhin's, der den Sieg als sicher gewittert hatte und nun mit rasender Wuth jeden Widerstand vor sich nieder warf, wie der Sturmwind vergeblich trotzende Eichen.

Um Mittnacht war die Wahlstatt im halbverbrannten Walde leer von Lebendigen: die Riesen flohen in Schaaren in die Nordberge.

Und hinter ihnen her jagte die Verfolgung der Asen: Odhin voran auf dem Wolkenroß, weit vorgestreckt den bluttriefenden Speer.

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