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Gutenberg > Felix Dahn >

Odhin's Trost

Felix Dahn: Odhin's Trost - Kapitel 13
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleOdhin's Trost
publisherZehnte Auflage
printrunVerlag von Breitkopf und Härtel
year1901
firstpub1880
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160909
projectide5ee511e
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X.

So rasch kommt kein Wanderer zielwärts als aller Wanderer Meister, obzwar er niemals hastet, nur steten Schrittes schreitet.

Alsbald stand Odhin an Svardalfaheims Eingang, wo man in dunkel gähnender Bergeshöhle niedersteigt zu den Zwergen. Hier entließ er nach Hause Hugin und Munin, die ihm nachgeflogen und auf seinen Schultern gesessen waren. Allein stieg er abwärts.

Zauberlichter, von den Zwergen hin und wieder entzündet, wiesen den Weg, zumal an den Pfadwendungen. Außerhalb des Bereiches dieser Lichter war es freilich finster. Da tastete der Gott sich vorsichtig weiter an den nackten Felswänden, behutsam mit dem Speerschaft in der Rechten vor spürend, mit der Linken langend an die Steinwand, von der feuchtes Geriesel niederglitt: zur Rechten rauschten aus tiefem Abgrund die Gewässer, welche nach Hel fließen.

Als er eine gute Strecke in dem Berg fortgeschritten war, fand er Runen geritzt in den Felsen, stets dicht neben den Lichtern, daß man sie sehen mußte: er las: »Wanderer, willst du weise werden, suche Zwotto den Zwerg.« – »Zwotto!« sprach da Odhin zu sich selber. »Dich eben such' ich! – Finnen, vermuth' ich, fanden den niedlichen Namen!« – Bald darauf, an einer Gabelung des Weges, las er schaudernd: »hier geht's nordwärts nach Hel.« Und daneben: »südwärts suche Zwotto den Zwerg: er wechselt dir Weisheit um gelbes Gold, er verwettet um Weisheit Leib und Leben!«

Lächelnd strich Odhin den breiten Bart: »Warte, du witziger Wicht, du winziger! Weh' soll dir werden, du Wuchrer mit Weisheit.«

Nach wenigen Schritten stand er vor der Höhle des Alfen: die letzte Strecke hatte ihm blendendes Licht erleuchtet: denn herrlich war der Hort in Schichten Goldes in der Höhle gehäuft: und Fackeln funkelten, vom Zwerg entzündet, oben, unten, an allen Ecken, weithin des Goldes Widerschein werfend. Ein eintönig Gesummse, kaum ein Lied zu nennen, drang dem Lauscher entgegen und ein seltsam klirrend Geräusch: er machte Halt hinter einem Felsvorsprung und sah nun den Zwerg, der, in ekler Nacktheit, auf dem fußhoch mit Goldgeräth bestreuten Boden der Höhle bald bäuchlings, bald rücklings sich wälzte. Kaum schied sich sichtbar ein Schurzfell von den zottigen Haaren seines Leibes: mit allen zehn Fingern und allen zehn Zehen griff er wühlend in das Gold.

Dazu sang er summend: »Gold! Gold! gelbes Gold! gutes Gold! Lieber als Leib und Leben! Ich wälze in Wonne, ich wühle in Wohllust, wälz' ich und wühl' ich und wieg' ich in dir! Mächt'ger als Muth, schöner als Schönheit, witz'ger als Weisheit! Unterthan ist dir Alles auf Erden! Ja, ob nicht Asgardh gäbe um Gold der arge Odhin?«

Da stieß der Wanderer den Schaft seines Speeres an den Felsgrund, daß die Höhle erdröhnte und rief vortretend: »Fragen frägst du, weiser Wirth? Ich wähnte, du wißest. Nicht frommt's, dich fragen. Ich wende die Wandrung!«

Eilfertig wie die Spinne, welche die Fliege am Rande des Gewebes verspürt, war der Zwerg, sowie er des Wanderers gewahrte, an den Eingang der Höhle gehumpelt: er musterte ihn lauernd genau und winkte ihm, einzutreten: »Weisheit willst du werben? Da kamst du, Kluger, von Göttern gesendet, an den rechten Ort. Frage um Frage! Antwort um Antwort. Verstumm' ich, so sterb' ich. Dann frag' ich dich, Fremdling: so oft du mich frugst: verstummst du, so stirbst du. Doch: zahle zuvor! Alles, eracht' ich, werd' ich dir weisen! Nur nicht – hier verzog er verdrießlich die Miene – nur nicht, was die Nornen, die nächtigen, nennen ihr ewiges Eigen. Aber, du Edler, wenig wähn' ich, ist darauf gerichtet dein suchender Sinn, vom ältesten Anfang und äußerstem Ende, vom Schicksal zu schwatzen. Eitel und unnütz! Nur Nützliches nenn' ich – Vortheil vertheil' ich, – Kluges verkauf' ich. Aber, du Edler –: zahle zuvor. –«

Geringschätzig den hohen Wanderer messend von Sohle zu Wirbel fuhr er fort: »Nicht stattlich steht dir Gewand und Gewaffen! Dein Mantel, mein' ich, ist ziemlich zerschlissen: verwaschen, verwettert, häßlich dein Hut: Ranzen und Rucksack fehlen dir völlig! Von Gold seh' ich glänzen an dir ein armselig Etwas allein: recht geringen Ring! Wenig werd' ich, – so fürcht' ich, Freund, – dir dafür weisen! Welch' Wetter etwa morgen auf Midhgard? – Den Bart, den breiten, den wirren, werd' ich schwerlich dir scheren für den Fingerring! Und doch brauchst du das, Bruder: wie struppig Gestrüpp umwogt er dich wallend. Mein Herz ist im Handel so gar gutmüthig. Schon schärf' ich die Schere –: gieb das Gold.«

Der Wanderer aber lächelte durch den Bart: »Gemach, gut Gemüth! Ich behalte den Bart! Schwere Verschwendung scheint es, Gold zu geben und – Haare vom Haupt noch dazu.«

Diese Antwort gefiel dem Geizigen ganz aus der Maßen: Ehrfurcht erfaßte ihn gegen den Gast: er staunte, die Hände in die Hüften gestemmt, ihm in's Antlitz empor: »Bei'm Glanze des Goldes! Das war wirthsam, sparsam gesprochen! Ich wähnte, es werde Keiner mir kommen, der sparsamer sparte als ich. Aber –: Ehrfurcht! Dir weich' ich an Wirthschaft. Tritt, du Trauter, herein an den Herd. Freund werde mir, Fremdling! Schon schöpf' ich dir des trefflichsten Trankes in billigstem Becher.«

Und er fing in seinen beiden schmutzigen Händen das Wasser, das in einer Rinne durch die Höhle floß, und bot es so in beiden Händen, dem Gaste dar.

Dieser schüttelte das Haupt –: sofort trank der Zwerg selbst, obwohl ihn nicht durstete.

Der Gast setzte sich auf den feuerlosen Herd: der Wirth kauerte auf der Erde ihm zu Füßen und sprach: »Frage nun, Fremdling! Ich frage dann wieder: so viele Fragen als du gefragt. Du aber: zahle zuvor.«

Da strich der Gast dreimal über den unscheinbaren Goldring, den er an der linken Hand trug, mit der Rechten: und siehe, drei gleich schwere träuften daraus klirrend zu Boden.

Als der Zwerg das sah, sprang er auf. »Mensch! schrie er, das Spiel gefällt mir!«

Und eilig strich auch er nun mit der Rechten über den Ring: aber nichts rührte sich.

»Beim Glanz des Goldes! Wie geht das zu? Du streichst –: er strotzt! Ich streiche: – er sträubt sich!«

»Dem Eigner allein träuft er treffliche Tropfen.«

Dem Lüsternen lief das Wasser im Munde zusammen; er griff mit beiden Händen nach dem Ring.

»Ich reiche den Ring dir als Eigen, scheid' ich am Schlusse befriedigt in Fragen und –: Fordern, Doch: rett' ich den Ring, frag' ich Frage, auf die dir Antwort ermangelt?«

»Versteht sich, du Stolzer, nickte, schlau und vergnüglich schmunzelnd, der Elbe. Mit der Spitze des Speers darfst du mir dreist die Brust durchbohren, ermangl' ich der Antwort.«

Der Gast hob an zu fragen: »Also zum Ersten: wo ist der Weise, der den trefflichen Trank, die Salbe, gesotten, die unverwundbar für Eisen und alle Waffen und Wehren macht den Mann, der sich salbt mit dem Sude?«

Wohlgefällig wackelte der Wirth mit dem Kopf: »Der aus Kräutern ihn kochte, aus Wurzeln gewann? Zwotto, der zierliche, heißt der Herr des trefflichen Trankes; – hier sitzt er –: ich selber!«

»Zum Zweiten, o Zwerg: wo birgt der Biedre die sichernde Salbe?«

»Schwereres suche, o Freund, zu fragen: zu leicht sonst erlang ich den Lohn! In der Lade dort liegt sie, der treuen Truhe, vor deinen Füßen, in bräunlicher Büchse.«

Da setzte Odhin den Fuß schwer auf den gewölbten Deckel der Truhe: sie dröhnte: »Wenig weise, kleiner Klügling, hast du und hastig dies mir gedeutet! Wenig wirst du mir wehren, zertrümmre ich die Truhe und führte mit fort, ungezählt, unvergolten, die werthvolle Ware. Aber ich ehre den Gründer des Gastrechts: Odhin von Asgardh.«

Da verzerrte der Zwerg heftig das Gesicht, als ob er auf bitterste Wurzel gebissen: »Ich beschwöre dich: schweige! Nenne nicht nochmal, den du genannt: leidig ist mir, nicht lieb, der da raunt mit den Raben.«

»Sahst du ihn schon?«

Der Elbe schüttelte lebhaft den dicken Kopf: »Nicht lüstet mich. Lieber! ... Weise wähnt er sich, weise wähnen ihn Viele, – mehr als mich –: und es laufen, leider! die Leute, Runen zu ritzen, Würfel zu werfen, Lose zu losen zu ihm, dem Wettbewerber in Weisheit. Ha, er verhunzt mir Handwerk und Handel! Umsonst, der Unsinnige, ohne Entgelt, spendet er Sprüche, weiset er Weisheit: höchstens heischt er von Helden, in der Schlacht erschlagen zu wallen nach Walhall! Ha, hätt' ich ihn hier in der Höhle! bald hielte den Herrischen in Fesseln gefangen durch Zauber der Zwerg.«

Ruhig frug der Fremde fort: »Das deute mir drittens: für wie viel ist dir feil die sichernde Salbe?«

»Für gar nichts, du Guter!« lachte der Zwerg hämisch. »Selber die Salbe behalt ich, o Held.«

»Viertens forsch' ich: so konntest du sie kochen nur Einmal, du Armer?«

»Ich kann sie mir kochen so oft es mir einfällt,« war die stolze Antwort. »Bedauern nicht brauch' ich. Du verschwendest schwer dein fruchtlos Gefrage!«

»Fünftens dann frag' ich: weßhalb weigerst du wohl den Verkauf, du Kluger? Reich macht der Ring. Und du selber doch sicher hast längst dich gesalbt, daß Waffen und Wehr nicht Schaden dir schaffen!«

Da sprang der Elbe auf, öffnete die Truhe und stellte die schmale Bernsteinbüchse, mit Seehundfell sorgfältig zugebunden, auf den Herd. »Thörig mein Trotz! Recht riechst du und redlich! Die Ware dir weis' ich – ich gebe sie gern um den prächtigen Preis.«

Odhin zog den Ring ab und legte ihn neben die Büchse: »Sechstens such' ich: Waffen und Wehr verwunden dich nicht, nicht Spitze des Speeres –: deßhalb darfst du so heiter dein Haupt wohl waglich verwetten?«

Der Zwerg lachte schadenfroh und ward roth vor lauter Freude an sich selber: »Richtig errathen! Scharfsinniger scheinst du als alle Andern, die Fragen mich frugen.«

»Siebentens sage: Doch, wenn wer dich würgte, ohne Waffen und Wehr, mit den Händen am Halse: – sichert die Salbe vor Sterben durch Sticken?«

Und Odhin streckte die Hand aus, als wollte er ihn greifen.

Der Zwerg aber rutschte auf allen Vieren zitternd in die hinterste Ecke der Höhle: »Furchtbarer Frager! jammerte er. Du willst mich würgen! du thust mir den Tod!«

Der Gast aber fuhr fort: »Antwort eracht' ich genug gegeben in solchem Entsetzen. Nicht würg' ich den Wirth, rechtlos und ruchlos. Hier liegt der Lohn für die Ware gewiesen.« Und er wies auf den Ring, ergriff die Salbenbüchse und steckte sie in den Brustlatz seines Wammses. »Nun frage du Freund, wie ich, sieben Sachen. Dann frage ich wieder: und ermangelt die Antwort, – dann, nicht mehr ruchlos und rechtlos, nein: nach deinem Recht, das in Runen du ritztest, listig ladend und lockend den Wandrer zur Wette – nach deinem Rechte dich richtend würg' ich dich wahrlich.«

»Fluch und Verderben,« stöhnte der Kleine, »den ruhmredigen Runen, die den furchtbaren Fremdling hierher mir geholt und den Weg ihm gewiesen, mit meisternder Hand mich zu morden! – Doch – und sich ermuthigend, dem lang erprobten Witz vertrauend, warf er einen listigen Blick auf den Gast – sieben Fragen habe ich nun frei –: verstummst du, so stirbst du! Vom Halse dir hau' ich das hohe Haupt, hier mit der Hacke.« Und er zog ein scharf geschliffen Beil hinter dem Herde hervor. »Eide mir aber, zu knien, daß ich Kurzer mein Recht kann erreichen.«

»– Ich eide! sprach Odhin, die Schwurhand erhebend. Verstumm' ich, so halt' ich das Haupt dir hin – du hack' es herunter.«

Da nahm das Gezwerg den schweren Kopf in beide Hände, wackelte damit eine Weile nachdenklich hin und her und frug endlich:

»Müßige Weisheit muthet mich nicht an: nicht bin ich lüstern leerer Lehren. Ich frage, was frommt. Vor allem, was oben auf Erden ich gierig genoß, wenn ich mich wagte hinauf aus der Höhle – das Seligste fand ich –: Sonnenschein. Er glüht durch die Glieder, durchrieselt den Rücken wie flüssiges Feuer. Sage – was ist süßer als Sonnenschein?«

»Harfenton.«

»Ich muß es dir glauben,« klagte der Zwerg – »ich hörte ihn nie! Ist nun Harfenton das Herrlichste? Oder ist Holderes als Harfenton?«

»Weibeskuß.«

»Ich muß es dir glauben, klagte der Kleine, heiß erregt, – ich fühlte ihn nie! Ein Vetter hatte einst ein Mägdlein geraubt –: der sagte – da hast du richtig geredet: – Kuß sei tausendmal süßer als – dessen Sonnenschein. Also das Weib ist die wohligste Wonne? Oder was ist wonniger als Weibeskuß?

»Schlachtensieg.«

»Ich muß es dir glauben, der ich Schlachten nie schlug! – Aber da hauen sie heftige Hiebe! Weite Wunden, traurigen Tod da holt man sich, hört' ich. Ich aber, ich ächze, wenn ich nur wenig den Leib mir verletzte. Todesfurcht traun, um das liebe Leben die sehnliche Sorge, schien mir von jeher die mächtigste Macht. Was ist stärker als Todesfurcht?«

»Heldenthum!«

»Ich muß es dir glauben – ich weiß nichts davon. Aber was harret der herrlichen Helden, die dem Tode getrotzt? Was ist Heldentods leuchtender Lohn?«

»Walhall. – Hüte dich: das war schon die fünfte Frage!«

»Ich muß es dir glauben – ich weiß nichts von Walhall! – Aber ich hörte einen Gesippen – ein Haus-Alf war es – einst rühmen, der hatte auf Erden, versteckt unter dem Herde eines hohen Königs, Skalden singen von Walhall gehört. Goldene Hörner, gute Gelage, freudiges Festspiel, weißarmige Walküren hat man da oben. Aber« – und er grinste hämisch – »wohl, daß auf Walhall das Wort sich gewendet! Wenig, wähn' ich, weißt du von Walhall. So frag' ich dich, Fremdling, – und verfallen, fürcht' ich, liegt mir dein Leben – denn wer soll wissen, was ich wissen will?« – Frohlockend sprang der Unterirdische auf: »was ist Walhalls wohligste Wonne?«

Auch der Wanderer stand nun auf –: gewaltig wuchs seine Gestalt, wie er sich streckte, bis an die Wölbung der Höhle: sein Antlitz leuchtete, als er antwortete: »Frigg's Kuß.«

Da stürzte der Nachtelb nieder vor ihm auf beide Knie: wie geblendet hielt er beide Hände abwehrend empor:

»Wehe mir, Wanderer! Alles ahn' ich! Einer nur athmet, der Frigg küßt. Aber ich muß es gewiß erwahren! Ich muß fragen, was ich zitternd ahne: wer bist du, der all' dies weiß?«

»Odhin von Asgardh.« –

Der Zwerg fiel aufstöhnend nieder auf das Antlitz. Aber Odhin fuhr fort: »Versendet sind sieben fruchtlose Fragen, wie verpfuschte Pfeile, verschoßen vom schlechten Schützen. Jetzt frage ich: einmal – und Antwort ist nicht! Was denkt Odhin im Augenblick?«

Der Zwerg richtete sich nur auf eine Hand empor, ohne den Blick zu erheben. »Unerforschlich ist,« so stammelte er, »der grübelnde Ase. Wer wagt zu wissen, was Odhin denkt? Aber ich wage, meinem Leben zu Liebe, ich wage das Wort: du denkst: nun will ich würgen den Zwerg.«

»Verwirkt wäre die Wette, verloren dein Leben: denn ich dachte: ich lasse das Leben dir, zappelnder Zwerg.«

Und der Wanderer wandte sich, schlug den Mantel um und, die gewonnene Salbe fest an die Brust drückend, schritt er langsam hinaus.

Der Zwerg sprang auf: sein häßliches Gesicht überstrahlte Dank, Rührung, Freude: er war nicht so häßlich wie sonst, als er dem Hohen nachrief: »Odhin von Asgardh! größter der Großen! der Guten gütigster! – Allvater rühmen sie dich mit Recht!«

*

Schon sollte die Satarbeit zu Ende gethan sein: denn heute geht der Satmonat aus.

Aber der Winter ist lang und hart. Noch ist kaum auf der sonnigsten Halde die Erde besäbar geworden. –

Mich aber mahnt mehr noch als andere Tage dieser Tag an meinen Vater.

Denn heute, am letzten Tag des Satmonats, war es, vor vielen, vielen Wintern – ich weiß es kaum, vor wie vielen – daß mein hoher Vater fiel.

Im Thorshöfn-Fjordh war's, bei Straumsey, in den Gewässern der Faereyer. Und diente er da dem großen Jarl Halfred Sigurdarsohn, dem Haupt der Heiden in Norge, als Skalde: aber als Schildträger zugleich – denn mein Vater dachte wie Odhin und ich: Keiner ist ein Sänger, der nicht ein Held.

Ich aber trug dem Vater Schild und Harfe.

Oft und oft war Ellida, das gute Drachenschiff, entgangen grimmig gähnender Gefahr, hart von ihres Rachens Zähnen gestreift.

War es doch, als hielte Odhin den Schild oder den Tarnhelm über seines treusten Vorkämpfers Brust oder Haupt; und aus nächster Meernoth rettete uns oft Thor, der absonderlich hilft in Seebedrang: einmal – es war ein furchtbar Gewitter im Hochsommer – war schon der Bugspriet senkrecht im Wasser: Ran, die Meerfrau, zog uns hinab in ihrem Netz.

Da schlug ein kalter Blitz auf unser Steuer: und das gute Schiff, das vorne über schon gekentert, richtete sich wieder steuerwärts hoch.

Da sah Jeder, daß Thor seine Hand auf die Steuerkante gelegt und das Schiff gestellt hatte.

Und hätten sie uns auch an jenem Tage nicht gezwungen, schwamm das Schiff in blauem Wasser.

Aber eingefroren lag es in der Bucht: den Winter über waren wir hier still und versteckt gelegen bei Freunden des alten Rechts und der alten Götter: jetzt, im Satmonat, wollten wir in See gehen: denn schon war einmal der Fjordh auf gegangen gewesen. Aber in neuer, grimmer Kälte hatte sich das Treibeis rings um die Insel wieder geschlossen. Vergebens hatten wir dem guten Schiff Kielraum gehauen mit Eis-Aexten: vor uns hieben wir auf, hinter uns fror das Aufgehauene wieder zu: da lag es hilflos, ächzend, zappelnd, wie der sterbende Hai, der in's Seicht oder auf's Trockene gerathen. Da kamen sie über uns vom Lande her: und auch durch das kaum offene Wasser auf vielen kleinen Boten, König Olaf mit seinen Söldnern: und die Strandwächter und die Inselbauern.

Und wehrten wir uns lange: vom Aufgang bis zum Niedergang der Frühjahrssonne.

Aber es waren zu Viele: wohl vierhundert auf dreißig. Doch hätten wir noch länger ausgehalten: aber endlich weckten die Brandpfeile, welche wir Stunden lang gelöscht, Feuer an Bord. Und brannte der Mittelmast lichterloh: da waren nur drei noch lebendig auf Deck.

Halfred Jarl war eisenfest und steinfest, so sagte man, durch Bund mit Odhin: er hatte Odhin den Bluttod zu sterben versprochen, Odhin aber ihn waffenfest gemacht und ihm gelobt, ihn erst zu »seiner Zeit« zu holen nach Walhall.

Und wunderte mich schon den ganzen Tag, daß ihn von all' den hundert Pfeilen, Speeren, Wurfhammern keiner niedergestreckt hatte.

Aber jetzt stürzte der brennende Mast auf Deck: in den Flammen, im Rauch, unverwundet, starb Halfred Jarl. –

So hielt Odhin in Allem sein Wort: denn der Sat-Monat heißt auch: »Odhin's Zeit.«

Und sah ich über dem todten Jarl etwas Weißes schwebend sich erheben: die Christen sahen es auch, meinten, es sei der weiße Dampfqualm gewesen: ich aber glaube, es war die Walküre, die ihn emportrug.

Nun sprang König Olaf an Bord, das Enterbeil in der Hand: »Gieb dich, Skalde Thormodhr! rief er meinem Vater zu. Ich höre dich gern Harfe schlagen. Lebe und sei mein Skalde.«

»Nicht überleb' ich meinen Herrn!« rief mein Vater. »Und nicht stimme ich meine Harfe um: von Odhin auf die Heiligen!«

Und warf die Harfe in das Meer und sprang gegen den König. Ich hielt den Schild über ihn.

Da fielen wir alle beide: mein lieber Vater todt, ich wund: er mit zwei Speeren in der Brust: mich aber hatte ein Pfeil in's Knie getroffen, daß ich gestürzt war und der Schild ihn nicht mehr deckte.

Schon schwang König Olaf das Beil über meinem Haupt. Da fiel ihm ein Mönch in den Arm, der hinter ihm, Schwert in Faust, auf Deck gesprungen war: er sah an meinem offnen Halse blitzend ein klein Bernsteinstück hängen: »Thors Hammer«: das hatte mir die liebe Mutter umgehängt bei'm letzten Abschied: es ist gut im Kampf gegen Hammerhiebe.

»Schone den Knaben!« rief der Mönch. »Er ist gechristnet.«

Denn er hielt den Thorshammer für ein Kreuz.

Und der König senkte das Beil.

»Schlag zu, sprach ich, mich auf das heile Knie stützend, König Olaf.

Getauft bin ich! Aber das ist kein Kreuz: das ist Thors Hammer.«

Der König aber sprach: »das gefällt mir, Junge, daß du nicht lügst, auch nicht um's Leben.«

Und der Mönch fügte bei: »Gerettet hat dich nicht der Hammer des Götzen, sondern das Kreuz des Herrn, dem er gleicht. Trage das Zeichen fortan im Sinne des Heilands.«

Und der Mönch, der bis dahin – wohl hatte ich es gesehen – grimmig gegen uns gefochten, schnitt mir den Pfeil aus dem Knie: – da vergingen mir die Sinne –: ich fühlte nur noch, daß mich der fromme und starke Mann auf seinen Armen aus dem Schiffe trug.

Ich erwachte in König Olaf's Zelt: und Hluthart, der Mönch aus Franken, pflegte mich viele Wochen lang: und lehrte mich lesen und schreiben: und als ich halb genesen war, zahlte er dem König, der mich gern gefangen behalten hätte an seinem Hof, das Lösegeld für mich: das mußte er zuvor erbetteln bei den Bauern: denn er hatte nichts als Kutte, Schwert und Kreuz: und zahlte das Fahrgeld für mich auf dem nächsten Kornschiff, das von Norge nach Island fuhr. Denn Mönch wollte ich nicht werden, wie er wünschte: und das Heimweh zehrte an mir nach der Mutter und nach dem alten Haus zu Hofgardhar: »ganz wird er nur genesen unter seiner Mutter Hand,« hatte er zum König gesprochen.

Aber solcher Mönche giebt es nicht Viele wie Hluthart war, mein Lehrer.

Seither sind viele Winter verwichen. Aber kein Tag, an dem ich nicht meines Vaters gedacht hätte. Und seines Todes. So möchte ich auch sterben.

Wo er wohl weilen mag?

Nicht in der Hölle der Christen: da sind nur die Neidinge.

Nicht in der Hel der Heiden: denn nicht den Strohtod starb er.

Aber in den Christenhimmel haben ihn die Heiligen wohl auch nicht gelassen –: denn er hat nicht an sie geglaubt.

So ist er wohl in Walhall bei Odhin: dahin gehört er.

Denn noch steht die Erde: also ist auch Odhin und Walhall noch nicht vergangen.

Der Christengott hat wohl viele Jarle unter sich in vielen Himmel- und Erd-Reichen: und sein Jarl für Nordland ist, mein' ich, Odhin: nicht ein Dämon, wie der Bischof will.

*

Ich konnte in den letzten Tagen nicht viel schreiben.

Es wird Zeit zu denken, daß die See bald wieder aufgeht.

Der Isafjordh zwar soll noch ganz voll Eis sein. Aber die Frühmöwe kam schon in zwei Paren geflogen.

Die Wurflanzen für den Walfang, den Walroß- und den Haifisch-Fang mußte ich fast alle neu schaften. Die Netze für Dorsch und Häring sind arg zerrissen worden im letzten Herbststurm.

Und wenn wir nicht Seebauern wären, so gut wie Landbauern, hätten wir nur karges Leben auf der Insel. Aber wehe freilich den Inselleuten, wenn sie je mehr Fische essen wollten als Korn: das beste Schiff der Insel heißt der Pflug: und der gedeihlichste Fisch hat zwei Hörner und giebt Kuhmilch. –

Und viel Mühe machte es, den Silber-Fuchs zu erlegen, der sich durch Schnee und Kiesgeröll unter den Gänsestall hineingegraben hatte.

Nur bei Nacht war er abzufassen.

Knut fehlte ihn: ich traf ihn, als er zurückfuhr, mit der stumpfen Wurfkeule – unzerrissen blieb das Fell.

Deinen zurückgelassenen Helm, lieber Sohn, laß ich damit umkleiden.

Und Gullskeggi, der böse Nachbar droben auf unserer Hochweide, schickte Ansage, daß er unseren Ziegenhirten verklagen will auf dem nächsten Frühlingsthing, weil er ihn Geita-skeggi, Geißbart – gescholten habe, als der Nachbar unsere Ziegen auf der Grenzhaide einfing. Es ist ihm wohl mehr um das Bußgeld als um die Ehre: denn er heißt so schon Geißdieb im ganzen Inselviertel. – Und auch wegen des Wales wollte er uns verklagen vor dem Dreigodhordhs-Thing, den, ehe die See fror, im letzten Erntemond meine Häuslinge angespült gefunden am Strande. Er behauptete zuerst, er habe ihn gesperrt gehabt. Aber kein Speer stak im Wal. Dann sagte er, er habe ihn vor uns gefunden. Ich wies ihm aber die Floße, in welche Knut unsere Hausmarke, Thors-Hammer, geritzt, und sprach: »Kennst du nicht die Marke von Hofgardhar? Strandrecht ist Landrecht.«

Und deine Gydha machte mir Schmerz, ich meine: Sorge: – zum ersten Mal, seit sie lebt.

Immer schöner blüht das Kind empor: wie Sonnenglanz gleitet sie durch das winterliche Haus – ihr Herz ist golden wie ihr Haar: immer sanft und gut und doch kernig.

Beim Eisschießen im Hof sah sie den Häuslingen zu: da flog ihr ein kleiner Holzsplitter in das Auge: sie klagte nicht.

Und litt doch viel Schmerz.

Aber ich noch viel mehr: bis ich das liebe, goldleuchtende Auge wieder geheilt hatte.

Wie hängt an diesem Kind mein altes Herz! –

Auch waren Gäste da, mit üblen Botschaften.

Eine Eisbärin hat am Hunavatn zwei Seehundjäger zerrissen: und ein Bergrutsch hat den Hripihof verschüttet: und ein Steintrümmersturz hat dem Akrar-Godhi den einzigen Gersten-Acker, der fast jährlich Ernte gab, ganz versteint.

Aber das eine ist ein wildes Thier, das andere sind wilde Berge.

Schlimmer ist, was die Menschen anrichten.

Denn auf der Insel geschieht jetzt Vieles, was nicht gut ist, gar nicht gut. Es geschieht im Namen des Christengottes, zu seiner Ehre. Ich mag aber nicht glauben, daß es ihn freut.

Nach dem Volksbeschluß sollen alle Heidentempel verbrannt, alle Opfersteine fortgeschleppt werden von den alten Stätten und in's Meer geworfen: die wenigen Götterbilder aber von Holz und die vielen Opfergeräthe von Gold, Silber, Erz, Kupfer dem Bischof eingeliefert werden, daß er sie zerschlage und einschmelze.

Ein Götterbild hatten wir nie im Hof: häßlich sind sie meist: viel herrlicher denk' ich mir die Götter, viel schöner die Göttinnen, als unserer Schnitzer ungefüge Hand sie darstellt.

Als ganz junger Mann bin ich einmal mit dem Vater auf eines Wikings Drachen nach dem Südmeer gefahren: da freilich, auf jenen Eilanden, ragten oder lagen auch wohl, umgestürzt, unter geborstenen Rundpfeilern, – die aber von Stein waren, nicht von Holz, wie unsere Rundpfeiler – wunderbare Bilder von weißem Stein: Götter und Göttinnen, Helden und Heldinnen der Heidenleute jener Lande.

Oft lagen sie unter dunkelgrünem Gebüsch –: und obwohl es Winterzeit war und Schnee glänzte auf den Bergen, auch auf einem hohen Feuerberg – waren die Büsche frisch und grün, was uns allen sehr wunderbar erschien.

Und wie sie so unter den Buschlauben lagen, schienen die Götter nur zu schlafen, nicht todter Stein zu sein.

Ich sah lange – auf einem Eiland war das – auf ein wunderbar schönes Weib, deren Gewand nur den Unterleib, vom linken Fuß getragen, verdeckte: sie schien mir zu athmen.

Süßes Grauen beschlich meine Seele! Ich eilte scheu hinweg.

Und stand da Einer aufrecht, den Donnerkeil in der Hand, den Adler zu Füßen: der schien Odhins Haupt auf Thors Schultern zu tragen.

Solche Bilder der Asen würde auch ich gerne sehen. Aber die häßlichen Holzblöcke, die unten in einen Pfahl auslaufen, wie sie Nachbar Ansbrand hat, wollten mir nie gefallen.

Opfergeräth aber hatten wir sehr vieles und manches Stück darunter war sehr schön.

Denn seit grauer Vorzeit waren meine Ahnen sehr opferfromm gewesen: und auf diesem Hofgut Hofgardhar war ein Tempel gebaut worden sehr bald, nachdem der Ahn sich hier angesiedelt: und war es der größten einer auf der Insel: achzig Fuß lang, vierzig Fuß breit: das kostete viel Mühe und Gut: denn große Stämme gedeihen nicht oft auf der Insel wegen des Windes: und das Treibholz ist zum Hausbau nicht gut und sehr theuer ist das Balkenholz, das die Schiffe aus Norge bringen. Und daher waren von jeher, seit der Tempel; ein »Haupthof«, zu Hofgardhar stand, meine Vorväter und Väter Hofgodhen gewesen des Godhordhs, hoch geehrt von allen Thingmännern des ganzen Riki's.

Und manche Schale, manchen Kessel hatten die Ahnen von der Raubfahrt mitgebracht aus den warmen Meeren: derselbe von Greifen getragne Erzkessel, aus welchem hier Odhin war geopfert worden, hat vielleicht dereinst dort in Grekaland jenem Marmor-Gott – so heißt der weiße Stein – die Opferspende dargereicht.

Als der Bote des Bischofs kam, das Geräth ausgeliefert zu heischen, ward mir das Herz weh und zornig.

Denn ich gedachte, wie oft ich meinem lieben Vater die Opferschalen nachgetragen hatte zur nahen Quelle, dem alten Opferort unsers Hofes. Und ich mochte nicht selbst die ehrwürdigen Geräthe mit meiner Hand ausliefern, damit sie zerschlagen und zerschmolzen würden – am Ende gar das alte Gold und Erz des Marmorgottes und Odhins zu einem Becher, darin der Priester das Blut des gekreuzigten Gottes trinkt.

So gebot ich Knut dem Knecht, an meiner Statt die Gefäße zu sammeln und hinzugeben. Er fluchte, er weinte –: dreimal mußte ich's befehlen, bis er gehorchte.

In andern Godhordhen folgte aber Herrschaft und Gesinde dem Gebot des Bischofs nicht: sie vertrieben den Boten mit Schlägen.

Und seit des Bischofs Sohn sieben Boten, mit Schwertern, auf einmal ausschickte, welche sich nicht vertreiben ließen, sondern mit Gewalt die Tempel verbrennen, die Gefäße nehmen sollten – da setzten sie zwar anfangs ihren Willen durch, wo der Hofmänner wenige waren und die Gehöfte weit auseinanderlagen. Aber in der letzten Sommersonnenwende kamen die sieben Boten in das Gehöft Blot-Godhi's, des Heiden: Und waren da viele Männer und Weiber aus der Nachbarschaft versammelt –: ich meine wohl, das Fest in alter Weise mit Feuersprung zu feiern. Und als die Boten so thörig waren, mit Gewalt den älgefüllten Kessel zu ergreifen, ergrimmten Wirth und Gäste und erschlugen von sieben Boten sechs: nur Einer entkam, mit Mühe und schwer wund, in den Bischofshof zurück. Und wunderte mich da sehr, daß nicht nur der alte Bischof, sondern der Bischofs-Sohn und der schlimmherzige Seraphicus sich ganz ruhig hielten gegen solchen blutigen Trotz und ihre Häuslingen liegen ließen ungesühnt.

Aber diese Priester sind klug wie die Schlangen: – dies Wort des Himmelserben befolgen sie nach Kräften: sein anderes aber – von der Milde der Tauben – nur, wenn sie gerade müssen.

Die Tauben sind aber gar nicht milde, sondern sehr zornmüthig. Und da das der Himmelserbe, der sie so geschaffen hat, besser weiß und länger als ich, so wird er wohl einen andern Vogel gemeint haben.

Und so hielten sie sich still aus Klugheit, weil sie zu schwach waren, gegen den neu entflammten Zorn der Heiden ihren Willen durchzusetzen.

Aber siehe, nach einigen Monden, kurz bevor die Schifffahrt einfror, lief ein mächtiges Kriegsschiff König Hardhradhi's in den Fjordh vor dem Bischofshof: und alsbald holte der Bischofssohn auf seinen Fischerboten an's Land hundert Söldner: Norweger und Dänen, aber auch Friesen und Sachsen, starrend in Waffen, in viel besseren Waffen als die Inselleute meist haben.

Und schon Tags darauf erschien er mit dieser Schaar vor Blot-Godhi's Hof: und nicht eine Seele ließen die Söldner am Leben, ja nicht einmal den Hofhund, der an seiner Kette wüthend riß, den Mord seines Herrn zu rächen.

Und von da zogen sie weiter zu all den Nachbarhöfen, aus welchen damals Gäste zum Sonnwendfest gekommen waren.

Und machten es ihnen ähnlich. Und sind für die sechs Häuslinge wohl siebzig freie Männer und Frauen und Kinder geschlachtet worden, dazu noch Knechte und Mägde.

Sehr schlimm ist auch, daß viele junge Söhne der mächtigsten Geschlechter an den Hof der fremden Könige gehn, dort zu dienen um Gold, Land und Ruhm. Diese Godhensöhne werden dort zu Adalingen, wenigstens dem Uebermuth nach. Und mehr achten sie auf des fremden Königs, ihres Brodherrn, Wink, als auf das Recht und das Heil unsers Eilands. Zu Allem sind sie dem Fremdherrn zu willen. Leicht bauen sie ihm einmal die Brücke auf die Insel. Soll doch der Führer der Soldlanzen sein – ich habe ihn noch nicht gesehn – Vigulfr Vigbiörns Sohn, aus dem starken Inselgeschlecht der Sturlunge: der rieth dem König Hardhradhi in offner Halle, er solle uns, den »Speckfressern,« (– wie er die eignen Landsleute schalt: das ist sehr böse und hat mich gekränkt: denn gern äßen wir weniger Speck, hätten wir so viel Frischfleisch wie die in Norge, – zumal an König Hardhradhi's Hof) Körner, Schiffsbauholz, Eisen und Salz absperren mit seinen Drachen, bis wir in Allem seinen Willen thäten. Danach werde ich ihn fragen im nächsten Eiland-Viertel-Thing.

Und wagt nun Niemand mehr, des Bischofs Boten zu trotzen.

Sie setzen mit ihren Soldlanzen ihren Willen durch, nach dem Landrecht und gegen das Landrecht.

Und scheint mir dies das allergrößte Uebel, das über die Insel gekommen ist seit Menschengedenken; nicht nur den alten Göttern, der alten Freiheit droh'n die Soldlanzen König Hardhradhi's: wer weiß, ob sie jemals wieder das Eiland räumen, diese Knechte des fremden Herrn, welche er dem Bischof geliehen. Wer weiß, ob nicht bald diesen zehn mal zehn hundert mal zehn folgen und: – der König selbst. Sind deshalb unsere kühnen Väter, die stolzen Männer, aus Norge gewichen in diese letzte eisumgürtete Zuflucht der Freiheit?

Auf dem nächsten Allthing, – wenn ich es noch auf der Insel erlebe – werde ich zwei Gesetze vorschlagen: daß kein Godhensohn fremden Königen dienen und niemand im Lande fremde Lanzen halten darf.

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