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Odhin's Trost

Felix Dahn: Odhin's Trost - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleOdhin's Trost
publisherZehnte Auflage
printrunVerlag von Breitkopf und Härtel
year1901
firstpub1880
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160909
projectide5ee511e
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VIII.

Wir sind nun wieder angelangt an dem Tage, da Götter und Riesen Friede geschlossen und darauf Thor das Freudengelage gefeiert und darauf Odhin und Baldur bis zum Anbruch des neuen Morgens ernste Worte gewechselt hatten.

König Harald gönnte der Braut noch Frist, den Tod des Vaters zu betrauern. Aber nach wenigen Nächten sollte der Brautlauf gehalten werden. Der verwaiste Gau König Frodhi's hatte Harald zum König gekoren. König Skadhi aber war nicht todt gefallen, nur wund, und ward gefangen gehalten. Harald berief die Männer der beiden nun von ihm beherrschten Gaue zum Gemeinthing, über Skadhi zu richten.

Und fanden sie da einstimmig Urtheil, daß Skadhi unsühnbare Neidingsthat gethan und daß er sterben müsse.

Es sollte eine große Brautfeier gefeiert werden in dem Walde vor dem geretteten Baldurtempel: das Baldurfest stand nahe bevor: dieser Tag sollte der Hochzeittag sein: und an diesem Tage auch sollte Skadhi hingerichtet werden, Baldur zu sühnen, dessen Friede seine That am Schwersten gebrochen.

Harald hielt ihn gefangen nahe dem Tempel in einem alten großen Grabhügel, welcher dereinst einem alten König war gethürmt worden: und fehlte es da nicht an Luft, nur an Licht.

Die Krieger Skadhi's aber wagten nicht, den Kampf auf zu nehmen gegen Harald: sie erkannten auch, daß das Urtheil gerecht war. Nur baten sie, ihnen dereinst die Leiche zu übergeben, sie in der Heimat im Hügel zu bergen. Das versprach Harald.

Und viele von Skadhi's Thingmännern dachten daran, als dessen Nachfolger Harald zu wählen. –

Und alle Götter und Göttinnen freuten sich, daß das Par nun sicher gesellt sei, dem sie alle sehr wohl wollten. Am meisten aber freute sich Odhin. –

Loki, der seiner Gewohnheit nach durch die Länder der Erde fuhr, ward selten gesehen bei dem Male der Götter.

Verdrießlich aber war Asa-Thor.

Unmuthig lag er an seinem Herd in Thrudhwang auf dem Fell des Eisbär-Riesen, welchen er kurz vor dem Friedensschluß erlegt hatte, schlief viel und, wann er erwachte, trank er aus dem Meth-Horn, das ihm zu Häupten hing, und brummte.

Loki huschte einmal an seiner allzeit offnen Hallenthür vorbei und hörte das. »Was grollst du, Großer?« rief er hinein, an der Schwelle haltend.

»Soll ich nicht schelten?! – Ich habe nichts mehr zu thun! – Thors Arbeit ist ausgethan! Der dumme Friede hat ja alle Fahrt gen Riesenheim gelegt! –

Mein Hammer hat nur mehr Häuser zu weihen, nicht mehr Steinköpfe zu zerklopfen. Und auch Meth zuletzt nicht mehr mundet müssigem Mann!«

Loki lehnte sich lächelnd an den Thürpfosten: »Viel hast du wohl davon getrunken und lang, bevor du diese Weisheit aus dem Horne gehoben! – Nun, wer weiß! Ich bin noch nicht alt und habe schon drei ewige Frieden zwischen uns und den Riesen überlebt.«

»Dieser hält, scheint es! Odhin sei's geklagt! – Gut ist nur, daß ich nicht blos Holzhäuser weihe mit meinem Hammer –: auch Bräute. Gern faß' ich das Kinn der Verschämten, lege ich den Hammer auf ihr Haar. Nach wenigen Nächten kömmt schön Hilde daran. Ich freue mich drauf!«

»Wer weiß?« meinte Loki, sich auf den andern Pfosten lehnend und spöttisch das Haupt seitwärts neigend. »Aber den Hammer nimm immerhin mit. Du weihst ja auch den Scheiterhaufen der Todten. Schon mancher Hochzeitschmaus ward zum Leichentrunk.«

»Hoho,« rief Thor und richtete sich halb auf, »winziger Wicht, was zischest du züngelnd? Hilde ist Haralds Braut – bald theilt sie sein Bett.«

»Wohl möglich,« rief Loki und wandte sich, zu gehn. »Zweischläfrig gegraben ward schon manches Grab.«

Und abermals in Gestalt eines feurigen Sterns mit loderndem Haarschweif schoß er zur Erde.

Deshalb sagen die Leute mit Recht, der Schweifstern bedeute nahendes Unheil.

Denn im Schweifstern fährt Loki zu den Menschen. –

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