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Oden

Horaz: Oden - Kapitel 2
Quellenangabe
typepoem
booktitleSämtliche Werke
authorHoraz
translatorJohann Heinrich Voß
year1893
publisherPhilipp Reclam jun.
addressLeipzig
titleOden
pages5-92
created20020625
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Erstes Buch.

1. An C. Cilnius Mäcenas.

            O Mäcenas, entsproßt herrschendem Ahnenstamm,
Du mir waltender Schutz, köstliche Zierde mir!
Viel sind, welche den Staub, Renner Olympias,
Aufzuwölken erfreut, und das mit glühendem
Rad umflogene Ziel und der Verherrlichung
Palmzweig hoch zu den weltherrschenden Göttern hebt.
Diesen, wenn der bestandlosen Quiriten Schwarm
Zu dreifältiger Ehr' ihn zu erhöhen ringt;
Jenen, wenn als Besitz er in dem Speicher birgt,
Was von Libyens Fruchttennen gefeget wird.
Wer sein väterlich Feld mutig mit scharfem Karst
Aufwühlt, biete sogar Schätze des Attalus,
Nie wird solcher bewegt, daß er in Cyprus Boot
Dir myrtoische Flut bange durchsegele.
Wann des Afrikus Kampf Ikarus Wog' empört,
Zagt der Krämer und Ruh lobt er und seiner Stadt
Segensgegenden; bald zimmert er neu des Schiffs
Lecken Rumpf und verschmäht arme Genügsamkeit.
Auch giebt's, welche den Trunk alternden Massikers
Und an nächtlichen Schmaus Stunden des Tags zu reihn,
Nicht verachten, gestreckt unter des Arbutus
Hellgrün, oder am sanft plätschernden Nymphenborn.
Dem ist Lager und Wall, und zu Trompetenklang
Heller Zinke Verein, Seligkeit, und der Krieg,
Den die Mutter verwünscht. Jupiters kalte Lust
Trägt der Jäger und nicht denkt er der jungen Frau,
Ob ihm etwa den Hirsch wackere Hund' ersahn,
Ob des Marsergebirgs Eber das Garn durchbrach.

Mich hat Epheu, der Kranz edler Begeisterung,
Himmelsmächten gesellt; mich hat der kühle Hain
Und die Nymphen im Chor schwebend mit Satyrvolk,
Abgesondert vom Volk: falls mir den Flötenklang
Nicht Euterpe versagt, noch Polyhymnia
Mir zu stimmen verschmäht lesbisches Saitenspiel.
Wenn du mich in die Reihn lyrischer Seher fügst,
Mit hochragendem Haupt rühr' ich den Sternenpol.

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