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Norwegische Volksmährchen II

Peter Christen Asbjørnsen: Norwegische Volksmährchen II - Kapitel 18
Quellenangabe
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authorPeter Christen Asbjörnsen
titleNorwegische Volksmährchen II
publisherM. Simion in Berlin
year1847
translatorFriederich Bresemann
correctorreuters@abc.de
senderpgus
created20130611
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17. Wohl gethan und schlecht gelohnt

Es war einmal ein Mann, der fuhr mit einem Schlitten in den Wald und wollte sich Holz holen; da begegnete ihm der Bär. »Gieb mir Dein Pferd, oder sonst zerreiß ich alle Deine Schafe diesen Sommer,« sagte der Bär.

»Ach, Gott steh mir bei!« sagte der Mann: »ich habe kein Stück Brennholz mehr im Hause; laß mich bloß erst diesen Schlitten heimfahren, denn sonst müssen wir alle todtfrieren; morgen will ich mit dem Pferd wiederkommen.« Na, der Bär ließ ihn denn auch fahren; wenn er aber nicht wiederkäme, sagte er, dann sollt's kaputt gehen mit all seinen Schafen im Sommer.

Der Mann fuhr nun mit seinem Holz nach Hause; aber er war nicht sehr vergnügt über den Accord, wie man sich wohl denken kann. Unterweges begegnete ihm der Fuchs.

»Warum bist Du so betrübt?« fragte der Fuchs ihn.

»Ach, mir ist der Bär im Wald begegnet,« sagte der Mann: »und ich hab' ihm versprechen müssen, ihm morgen um diese Zeit mein Pferd zu bringen; sonst wollte er alle meine Schafe diesen Sommer zerreißen, sagte er.« –

»Nichts weiter, als das?« sagte der Fuchs: »Willst Du mir den fettsten Bock aus Deinem Stall geben, so will ich Dich von dem Bären befreien.«

Ja, das wollte der Mann gern und gab dem Fuchs sein Wort.

»Wenn Du nun morgen mit Deinem Pferd zu dem Bären kommst,« sagte der Fuchs: »so werde ich dort oben auf dem Berg juchen, und wenn dann der Bär Dich fragt: »Was ist Das?« dann sollst Du sagen: »Das ist Peter der Schütz, der beste Jäger im ganzen Land;« und nachher wirst Du Dir schon selbst weiter helfen.«

Als nun am andern Tag der Mann mit seinem Pferd zu dem Bären in den Wald kam, hörte man es bald oben auf dem Berg juchen.

»Horch! Was ist Das?« sagte der Bär.

»O, das ist Peter der Schütz, der beste Jäger im ganzen Land,« sagte der Mann: »ich kenne ihn an der Stimme.« –

»Hast Du keinen Bären hier gesehen, Erich?« rief es durch den Wald.

»Sag' Nein,« sagte der Bär.

»Nein, ich habe keinen Bären gesehen,« sagte Erich.

»Was ist denn Das, was da neben Dir steht?« rief es im Walde.

»Sag', es ist ein alter Kienstamm,« flüsterte der Bär.

»O, es ist nur ein alter Kienstamm,« sagte Erich.

»Solche Kienstämme pflegen wir bei uns auf den Schlitten zu werfen,« rief es im Walde: »Kannst Du's nicht allein, so will ich kommen und Dir helfen.« –

»Sag', Du kannst Dir schon selbst helfen, und wirf mich auf den Schlitten,« sagte der Bär.

»Nein, danke! ich kann mir schon selbst helfen,« sagte der Mann und warf den Bären auf den Schlitten.

»Solche Kienstämme pflegen wir nachher mit dem Strick festzubinden,« rief es im Walde: »Soll ich Dir helfen?« –

»Sag', Du kannst Dir schon selbst helfen, und binde mich fest,« sagte der Bär.

»Nein, danke! ich kann mir schon selbst helfen,« sagte der Mann und band den Bären fest mit all den Stricken, die er bei sich hatte, so daß er kein Glied rühren konnte.

»Und nachher, wenn wir sie festgebunden haben, pflegen wir in solche alte Kienstämme unsre Axt zu hauen,« rief's im Walde: »dann steuern wir besser über die großen Berge.« –

»Thu', als ob Du Deine Axt in mich hau'test,« flüsterte der Bär.

Da nahm der Mann seine Axt und zerspaltete damit dem Bären die Hirnschale, so daß er nicht mehr mucks'te. Darauf kam Reineke hervor, und sie wurden gute Freunde mit einander.

Als sie nicht mehr weit von dem Gehöft waren, sagte der Fuchs: »Ich habe keine Lust, Dir weiter zu folgen, denn ich kann Deine Hunde nicht gut vertragen; ich will aber hier auf Dich warten, dann kannst Du mir den Bock herbringen; nimm aber einen, der brav fett ist.«

Der Mann gab ihm sein Versprechen und dankte ihm für seine Hülfe; und als er sein Pferd in den Stall gezogen hatte, ging er hinüber zu dem Schafstall.

»Wo willst Du hin?« fragte seine Frau.

»O, ich will nur in den Schafstall und einen fetten Bock für den Fuchs holen, der mein Pferd gerettet hat,« sagte der Mann: »denn ich hab' es ihm versprochen.« –

»Der Henker sollte dem Schelm einen Bock geben!« sagte die Frau: »Unser Pferd haben wir ja und den Bären dazu, und der Fuchs hat uns gewiß schon mehr Gänse gestohlen, als der Bock werth ist, und hat er's noch nicht gethan, so kann er's wohl noch thun. Nein,« sagte sie: »steck lieber ein Paar von Deinen bösesten Hunden in den Sack und schick ihm die auf den Pelz, dann werden wir den alten Schelm vielleicht dazu los.«

Das schien dem Mann ein guter Rath, und er steckte zwei seiner bösesten Hunde in den Sack und damit ging er fort.

»Hast Du den Bock?« fragte der Fuchs.

»Ja, komm und nimm ihn!« sagte der Mann, machte seinen Sack auf und ließ die Hunde heraus.

»Houf!« sagte der Fuchs und nahm einen Satz: »es ist wohl wahr, was ein altes Sprichwort sagt: »Wohl gethan wird schlecht gelohnt,«« und schwang die Fersen, während die Hunde hinter ihm drein waren.

*

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