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Nord-Nordwest mit halber Kraft

Arnold Alexander Benjamin: Nord-Nordwest mit halber Kraft - Kapitel 2
Quellenangabe
authorArnold Alexander Benjamin
titleNord-Nordwest mit halber Kraft
publisherErich Zander Druck- und Verlagshaus
year1936
firstpub1936
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170711
projectid0b3d9bf3
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1.

Das geht leider nicht«, sagte Kapitän Grady ruhig, mit freundlicher Bestimmtheit, wie ein Mensch, der es gewöhnt ist, daß die Passagiere mit den sonderbarsten Anliegen zu ihm kommen. »Ich habe auf dieser Fahrt sechsundzwanzig Passagiere. Die meisten von ihnen wünschen ein wenig Ablenkung, etwas Musik ...«

»Aber das ist doch nicht mehr zum Anhören!« rief der ältere wohlbeleibte Mann, der in seinem hellen karierten Anzug und mit den blitzenden Steinen an den Fingern einen sehr zahlungsfähigen Eindruck machte. »Die Dame, die in meiner Begleitung reist, leidet an Kopfschmerzen ... Die ewige Radiomusik macht sie einfach verrückt ... Und mich auch ... Im Rauchzimmer steht doch ein Klavier ... Lassen Sie jemand Klavier spielen, wenn Ihre sechsundzwanzig Fahrgäste unbedingt Musik haben müssen ...«

Der Kapitän stand mit dem Rücken gegen die Reling gelehnt und stopfte seine Pfeife. Es war nur die Andeutung eines Lächelns auf seinen Lippen, und der kleine graue Schnurrbart verbarg auch dieses kaum merkbare Verziehen der Lippen.

»Es muß ein merkwürdiger Kopfschmerz sein, an dem die Dame leidet, die in Ihrer Begleitung reist, Mr. Prochorow«, meinte er ruhig. »Klavierspielen verträgt sie, Radioübertragung nicht ...« Er hatte sich halb umgewandt und sah über das Wasser zu den in der Ferne entschwindenden Türmen der Stadt Alexandria. Plötzlich wandte er sich dem Mann im karierten Anzug zu: »Wenn ich Sie recht verstehe, möchten Sie verhindern, daß uns durch Rundfunk eine bestimmte Nachricht erreicht?«

Prochorow schüttelte heftig den Kopf.

»Was ich verhindern will, habe ich Ihnen schon gesagt. Aber ... Machen wir es kurz und schmerzlos: Zwanzig Pfund, wenn Sie das Radio abstellen. Einverstanden?«

»Nein.« Der Kapitän brannte sich, das Streichholz vorsichtig mit der Hand schützend, seine Pfeife an und sah dabei mit listigen, neugierigen Augen den aufgeregten Fahrgast an.

»Dreißig?«

»Nein.«

»Fünfzig? Es ist mein letztes Angebot.«

»Ein schönes Angebot, aber ich lehne es ab. Übrigens möchte ich Ihnen einen Rat geben – kostenlos. Es war ein merkwürdiges Gespräch, das wir beide da eben führten ... Ja, und ... Nun, unsere Reise hat vor zwanzig Minuten begonnen. Es dauert ziemlich lange, bis wir nach Bremen kommen. Wenn Sie solche merkwürdige Gespräche auch fernerhin führen, kommen Sie nie nach Bremen.«

»Aber erlauben Sie mal ...!«

Mit einem kleinen Ruck stieß sich der Kapitän von der Reling ab. Jetzt stand er nicht mehr in nachlässiger Haltung vor Prochorow, sondern militärisch gerade.

»Der Dampfer ›Cardigan‹, auf dem Sie sich befinden, hat zwar auf dieser Reise eine sehr farbige Mannschaft – viel zu viel Malaien –, aber dieser Dampfer ist dennoch britisches Gebiet«, sagte der Kapitän. Dann griff er flüchtig an den Mützenrand und stapfte davon – sehr ruhig, sehr selbstbewußt und sichtlich mit sich zufrieden.

Mit zusammengekniffenen Augen starrte Prochorow dem Kapitän nach und blickte erst auf, als Ignatjew, sein Sekretär, seinen Arm berührte. Es war ein blasser, dürrer Mann, dessen Gesicht keine Schlüsse auf sein Alter zuließ: er konnte fünfundzwanzig Jahre alt sein oder auch vierzig.

»Nun?« fragte Ignatjew. Seine Haltung war unterwürfig, doch der forschende Blick verriet, daß er seinem Herrn mehr war als nur Sekretär.

»Er will nicht«, antwortete Prochorow böse. »Dann eben nicht. Es ist ja sehr fraglich, ob die Deutschen durch den Rundfunk ...«

»Sie tun es bestimmt«, warf der Sekretär leise ein. »Wir hätten einen anderen Dampfer nehmen sollen ...«

Prochorow stampfte zornig mit dem Fuß auf.

»Schweigen Sie! Als ob ich das nicht selbst wüßte! Alle Steine waren doch schon an Bord, als wir das Telegramm bekamen ...«

Ignatjew schien immer noch nicht von der Richtigkeit der Handlungsweise seines Herrn überzeugt.

»Lieber ohne Steine nach Frankreich oder sonstwohin fahren als mit Steinen nach Deutschland ...«

»Nach Deutschland?« Prochorow umspannte jetzt mit beiden Händen das eiserne Geländer, und sein Griff war so fest, daß die Finger eine weiße Färbung annahmen. »Wer sagt denn, daß wir nach Deutschland fahren?«

»Wir fahren Kurs Bremen ...«

»Ach?« Jetzt lächelte Prochorow. Dieses Lächeln war erstaunt und höhnisch zugleich. »Und Sie meinen, ich hätte mich also auf einen Kahn gesetzt, der unmittelbar nach Bremen geht? Sie müssen mich für sehr dumm halten.«

»Aber der Kahn – wie Sie sagen – geht doch nach Bremen!«

»Stimmt: er geht! Aber er kommt nicht dort an. Wenigstens nicht mit uns. Wenn nämlich der Dampfer nicht vorher irgendwo anlegt, so daß wir aussteigen können, dann ...« Er unterbrach sich und sah sich vorsichtig um.

»Was dann? Wir sind allein und völlig hilflos ...«

»Wir sind nicht allein, lieber Ignatjew. Wir haben einen Koffer mit Juwelen. Das ist ebenso gut oder besser als ein Koffer mit Sprengstoff. Ein paar von diesen Steinchen unter die Leute geworfen, und alle mühsam errichtete menschliche Ordnung ist zum Teufel ... Aber zur Sache: Depeschieren Sie an Pearson in London, ich würde in etwa vierzehn Tagen dort sein. Nach Paris müssen wir auch Nachricht geben ... Kommen Sie in den Rauchsalon – ich diktiere Ihnen die Telegramme ...«

*

Lautes Stimmengewirr, nur hin und wieder übertönt von einer leisen, durch Rundfunk übertragenen Tanzmusik, empfing die beiden im Rauchzimmer. Fast alle Tische waren besetzt, und viele Fahrgäste standen an den breiten Fenstern, um noch einen letzten Blick auf das entschwindende Ägypten zu werfen. Prochorow nickte einer elegant gekleideten blonden Frau zu, die etwas abseits von den übrigen am Fenster lehnte; dann setzte er sich mit seinem Sekretär in eine Ecke und zog ein dickes, abgegriffenes Notizbuch aus der Tasche. Ohne sich durch den Lärm und die Gespräche stören zu lassen, begann er mit dem Ansagen der Telegramme.

»Mein Mann ist wie ein Kind!« rief plötzlich eine dicke, etwa vierzigjährige Dame. Sie rief es in schlechtem Englisch, aber als sie sah, daß dieses Englisch fast niemand verstanden hatte, wiederholte sie den Satz in fließendem Deutsch. »Wenn er irgendwo einen Vogel sieht, den er noch nicht kennt, ist er ganz aus dem Häuschen ... Er ist Orni – tho – loge ...« Sie stolperte über die Silben des Wortes. »Im Norden Eritreas hat er einen unbekannten Vogel entdeckt ... Leider können wir ihm nicht unseren Namen geben, denn wir heißen Kaufmann ...«

»Warum soll ein Vogel nicht Kaufmann heißen?« fragte Mr. Scott, ein hagerer Engländer, und rührte emsig in seiner Kaffeetasse. Es war ihm nicht anzumerken, ob er sich über Frau Professor Kaufmann lustig machte.

»Aber ich bitte Sie, Mr. Scott ...«

»Sehr gutes Name für Vogel«, ließ sich der Schiffsarzt, Dr. Pembroke, vernehmen. Er hatte Deutsch im Selbstunterricht gelernt und war besonders auf seine Aussprache stolz.

Eine schwarzhaarige junge Dame, sehr hübsch und sehr gut gekleidet, beugte sich zu ihm vor. Es war Maud Kassala, die Tochter eines hohen ägyptischen Beamten, von dem man behauptete, er hätte in der Politik ein Wort mitzureden.

»Wer ist der junge Mann an dem Fenster dort?« fragte sie leise.

»Es heißt: an das Fenster«, verbesserte Dr. Pembroke mit ruhiger Bestimmtheit. Dann fuhr er in englischer Sprache fort, da seine »1000 Worte Deutsch« zu dem beabsichtigten Satz nicht ausreichten. »Wolfgang Diersch, ein deutscher Ingenieur, hat vier Jahre lang in Kairo Häuser gebaut ... Dann ging das Bauunternehmen pleite ... Sechs Monate lang suchte er anderweitig Arbeit – vergebens. Man zog Engländer vor. Jetzt fährt er nach Hause ...«

» Very nice«, sagte Mr. Scott, der mit halbem Ohr zugehört hatte. »Steht das alles in der Passagierliste?«

»Nein«, antwortete der Schiffsarzt.

»Woher wissen Sie es dann?« fuhr Mr. Scott beharrlich fort.

»Sie fragen sehr viel ... zu viel«, warf Dr. Pembroke nachlässig hin und machte sich an einer schwarzen Zigarre zu schaffen.

Maud Kassala hielt es für angebracht, Scotts Frage zu beantworten:

»Die ständigen Unruhen in unserem Land machen eine genaue Überwachung verdächtiger Elemente notwendig. Wahrscheinlich ist es bei diesem jungen Deutschen überflüssig gewesen, aber man kann das nicht vorher wissen ...« Sie wollte in ihren Erklärungen fortfahren, aber Mr. Scotts gleichgültiges Gesicht machte sie verstummen.

»Oh«, rief der Schiffsarzt, »dieser junge Mann scheint auch anderen Frauen zu gefallen!«

In demselben Augenblick, als Dr. Pembroke diese Feststellung machte, schreckte Wolfgang Diersch jäh aus seiner Versunkenheit auf. Eine schmale Frauenhand hatte leicht seinen Arm berührt. Er sah auf, und auf seinem Gesicht zeigte sich deutlich das Erstaunen über die Schönheit dieser schlanken blonden Frau. Fast noch mehr überraschte ihn aber der angstvolle, erschrockene Ausdruck ihres Gesichts.

»Sprechen Sie deutsch?«, fragte sie hastig, sehr leise. »Bitte, sprechen Sie mit mir – irgend etwas ... Tun Sie, als unterhielten wir uns schon eine Weile ... Ich bitte Sie ...«

»Gnädige Frau, ich begreife nicht ...«

»Sehen Sie den Mann in der Uniform?«

»Den großen, schlanken Schwarzhaarigen?«

»Ja. Er verfolgt mich ...«

»Gnädige Frau, Sie irren sich gewiß. Das ist der Dritte Offizier dieses Dampfers ...«

»Bitte, erzählen Sie etwas, ganz gleich was ... Dann kommt er nicht hierher ... Er wollte auf mich zukommen, da wandte ich mich an Sie ...«

»Verzeihen Sie, gnädige Frau, aber diesem Mann werden Sie doch auf die Dauer unmöglich ausweichen können. Versuchen Sie doch, sich etwas zu beruhigen ... Was kann Ihnen denn hier geschehen, hier, unter soviel Menschen? Reisen Sie allein?«

»Nein, Herr Prochorow, ein Freund begleitet mich ...«

Diersch unterdrückte die Frage, warum sie sich nicht an diesen Freund halte. Es war etwas an dieser Frau, was ihn nachsichtig stimmte. Vielleicht war es das Deutsche an ihr. Viereinhalb Jahre war er seiner Heimat ferngewesen. Er sehnte sich nach Deutschland und nach einer deutschen Frau.

»Waren Sie lange in Ägypten?« fragte er.

»Seit fünfzehn Jahren«, sagte sie, und jetzt war an ihrer Haltung nichts mehr auszusetzen. Sie lehnte wieder nachlässig am Fenster und blickte hinaus, während sie mit ihm sprach. Es sah so aus, als unterhielten sich zwei einander sehr fremde Menschen über gleichgültige Dinge.

»So lange?« fragte er. »Sie haben Deutschland fünfzehn Jahre lang nicht gesehen?«

Sie schüttelte den Kopf.

»Aber Sie sind doch sicherlich in jedem Blutstropfen deutsch?« fuhr er fort.

»Ich stamme aus dem Rheinland«, antwortete sie tonlos. »Vor fünfzehn Jahren mußte mein Vater seiner Gesundheit wegen das Klima wechseln, und wir zogen nach Ägypten. Später, als er starb, fehlte es an Geld, und als mich vor einigen Jahren auch die Mutter für immer verließ, wurden meine Aussichten, Deutschland wiederzusehen, noch geringer.«

»Und jetzt? Wie ist es denn jetzt doch möglich geworden?«

Sie stutzte.

»Ich kann Ihnen das jetzt nicht sagen ... Seien Sie mir nicht böse ...«

Er begriff sofort.

»Wir kennen einander ja noch gar nicht richtig – Sie haben recht. Gut, dann will ich Ihnen von mir erzählen. Ich habe gerade sechs Monate verzweifelte Arbeitssuche hinter mir. Man wollte mich oft anstellen, aber dann zerschlug sich die Sache doch immer, weil zuerst die Engländer Arbeit haben müssen. Sehen Sie mich nicht so mitleidig an – das liegt ja nun hinter mir. Und jetzt? Jetzt fahre ich nach Hause, nach Deutschland! Meinen Anzug dürfen Sie nicht so aufmerksam betrachten. Er ist nicht besonders, aber es war der billigste, den ich kaufen konnte ... Das Geld dazu bekam ich vom deutschen Konsulat ... Ich bin ganz arm, aber das macht nichts. Vielleicht hat mein Vater noch etwas Geld. Ich habe ihm vier Jahre lang fast meinen ganzen Verdienst nach Berlin geschickt, und davon hat er sich ein kleines Häuschen gekauft. Dort stehen zwei junge Birnbäume, und ein paar Hühner laufen da herum. Eine Ziege wollte Vater auch anschaffen, aber ich habe jetzt schon lange keine Nachrichten von ihm ...«

»Ich beneide Sie«, sagte sie leise. »Ich möchte noch einmal so jung und lebensfroh werden wie Sie ...«

»Ich bitte um Verzeihung!« sagte eine harte Männerstimme dicht neben ihnen. Die Worte wurden in einwandfreiem Deutsch gesprochen.

Diersch und die Frau wandten sich um. Neben ihnen stand der Dritte Offizier. Sein Gesicht war eine glatte, kühle Maske.

»Dürfte ich den Herrn um die Schiffskarte bitten?« fuhr er fort.

Diersch kramte in den Taschen seines wirklich wenig eleganten Anzugs.

»Aha! Hier! Bitte sehr.«

Der Offizier nahm den Schein mit einer knappen Verneigung in Empfang. Nach einem prüfenden Blick gab er ihn wieder zurück.

»Sie haben Zwischendeck«, sagte er gemessen und sah über den Kopf des jungen Mannes hinweg. »Fahrgäste des Zwischendecks haben zu den Gesellschaftsräumen keinen Zutritt.«

»Wieso? Ich ...« Diersch stutzte. Sein Gesicht wurde plötzlich blutrot. »Das heißt wohl, ich soll von hier verschwinden?«

»Ganz recht, mein Herr«, antwortete der Offizier und verneigte sich wieder ein wenig. Seine Haltung war einwandfrei höflich, aber sie wirkte wie eine ausgesuchte Boshaftigkeit. »Der Herr befindet sich in meiner Gesellschaft«, mischte sich die Frau ein. »Ich denke, das genügt?« Ihre Stimme zitterte ein wenig.

»Das genügt leider nicht«, widersprach der Offizier. »Wir haben sehr genaue Anweisungen ...«

»Gut«, lenkte Diersch ein. »Gegen Anweisungen ist nichts zu machen. Ich werde also gehen. Aber nicht eher, als bis ich meine Unterhaltung mit dieser jungen Dame beendet habe.«

Durch den Wortwechsel aufmerksam geworden, waren die Passagiere aufgestanden und drängten sich neugierig heran. Auch Prochorow eilte herbei, denn er hatte bemerkt, daß die Dame, deren Freund er war, sich im Mittelpunkt der Gruppe befand. Ein paar rasche Fragen, und er war unterrichtet.

»Erika«, rief er streng, »ich wünsche nicht, daß du dich mit Zwischendeckpassagieren abgibst ...«

»Mein Herr«, wandte sich der Offizier von neuem an Diersch, »Sie verursachen hier einen Auflauf. Bitte, verlassen Sie sofort diesen Raum.«

»Was kostet die Zuschlag zu der Fahrschein?« fragte eine hohe, klangvolle Frauenstimme. Das war die Stimme Maud Kassalas.

Der Offizier wandte sich um.

»Sechseinhalb Pfund.«

Maud drängte sich vor.

»Ich gebe Ihnen eine Scheck«, erklärte sie ruhig. »Der junge Mann bleibt.«

Der Offizier verneigte sich mit eisigem Gesicht.

»Damit ist der Fall erledigt.«

»Halt!« rief Diersch. »Das stimmt nicht. Ich danke der jungen Dame für ihr Eingreifen, muß aber die Hilfe leider ablehnen. Ich gehe. Jetzt ist der Fall erledigt.«

» Very nice«, warf Mr. Scott ein. »Würden Sie, Herr Diersch ... Verzeihen Sie, daß ich Ihren Namen schon kenne, aber ich kenne ihn eben ... Würden Sie mir gestatten ... als eine Art Sympathiekundgebung sozusagen, für Sie die sechseinhalb Pfund auszulegen? Würde es mir zur Ehre anrechnen.«

Plötzlich strahlte das Gesicht des jungen Mannes.

»Darf ich um Ihren Namen bitten?«

»Scott aus Liverpool.«

»Mr. Scott, ich habe keine Bedenken, von Ihrem Anerbieten Gebrauch zu machen. Sie geben mir Ihre Adresse ...«

»Gewiß. Gern. Der Herr Offizier wird vielleicht die Freundlichkeit haben, den Zahlmeister hierher zu bitten. Und nun finde ich, daß wir diese junge Dame und Herrn Diersch lange genug in ihrer Unterhaltung gestört haben ... Hm?«

Die Passagiere begaben sich mit belustigten Gesichtern wieder an ihre Plätze. Nur Maud Kassala und Ossip Prochorow schienen mit dem Ausgang der Sache nicht zufrieden zu sein. Und ihre Gesichter wurden auch nicht fröhlicher, als der Schiffsarzt sein Bierglas hob und laut in deutscher Sprache rief:

»Eine dreifache Hurrah auf der edle Mr. Scott!«

Alles stimmte begeistert ein, und niemand fiel es auf, daß Dr. Pembroke auf Diersch zueilte und ihm kräftig die Hand drückte.

»Sie hätten unbedingt ablehnen müssen«, sagte der Schiffsarzt. »Jetzt haben Sie sich eine Feindin geschaffen. Entschuldigen Sie sich bei der Kassala. Ich fürchte zwar, daß auch das nichts mehr nützt.« Dieses Mal hatte Dr. Pembroke englisch gesprochen.

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