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Fredrika Bremer: Nina - Kapitel 8
Quellenangabe
typefiction
booktitleNina
authorFredrika Bremer
translatorG. Fink
year1843
firstpub1835
publisherFranckh'sche Buchhandlung
addressStuttgart
titleNina
pages520
created20171205
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Der Präsident

hatte sich durch die Erfahrung, die er an Edla gemacht, zu der Ueberzeugung bekehren lassen, daß eine höhere Geistesbildung nur dazu beiträgt, die Frau auch in ihrem Hause angenehmer und glücklicher zu machen. Edla hatte sich zur Aufgabe des Lebens gesetzt, ihrem Vater alles mögliche Glück zu bereiten, und ihm zu Liebe, um ihm eine angenehme Gesellschafterin zu sein, schien sie die Macht zu haben, ihr von Natur ernstes und schweigsames Wesen zu verändern. Bei ihm war sie fröhlich, gesprächig, und sie machte ihm sein Haus so behaglich, wie es selbst zu den Zeiten der seligen Friederike nicht gewesen war. Auch wurde der Präsident allmälig so zärtlich gegen seine Tochter und schenkte ihr sein vollkommenes Vertrauen in dem Grade, daß er sein ganzes Haus unter 52 ihre Obhut stellte und ihr bei der Erziehung Ninas unbeschränkte Vollmacht ertheilte. Er hoffte auf diese Art an seiner jüngeren Tochter eben so viele Freude zu erleben, wie an der älteren, und so ging Alles vortrefflich, bis der Präsident den obenerwähnten Streit mit dem kleinen Kupido bekam und vom Grabe zu sprechen anfing, um zur Hochzeit zu kommen.

Nun gelüstet es aber mich, (mein Leser, darf ich nicht sagen uns?) einen Blick auf Adelaide zu werfen, und was sie im Verlauf dieser vierzehn Jahre gethan hat. Zuerst und zuletzt acht Kinder, alle ausgezeichnet schön, brav und fröhlich, wie ihre Mutter. Sie hatte sie alle aufgesäugt, sie geliebkost, mit ihnen gespielt, sie singen und lesen gelehrt; sie lehrte sie die Sonne, die Freude und Gott zu lieben und an Papa Alarich zu glauben, wie an das Evangelium. Graf Alarich lebte bloß für seine Frau, die er anbetete, für seine Kinder, an deren Erziehung er Theil nahm, und für seine Unterthanen, die er glücklich machte. Adelaide hatte ihn mild und heiter gestimmt; er hatte sie die Geschichte und noch vieles andere Gute gelehrt. Mamsell Rönnqvist las mit den jungen Töchtern französisch und englisch. Keine von ihnen konnte eine Vergleichung mit Nina aushalten, allein sie versprachen gute und lebensfrische Menschen zu werden, die alle Aussicht hatten, glücklich in der Welt fortzukommen. Adelaide widmete ihren Kindern viele Zeit, war aber doch immer für die ganze Gegend ein Gesang der Freude, unentbehrlich bei allen Festen des Lebens, und wo man ihr gutes, schönes Angesicht erblickte, in der Hütte oder im Schloß, am Todtenbett oder bei einer Hochzeit, wurde sie begrüßt, wie ein Bote vom Himmel, herabgesandt zu trösten oder zu erfreuen. Sie war immer noch der Schwan, an Weiße, an frischem Muth, an Fröhlichkeit und Lieblichkeit, ihr Haus aber und die Liebe war die frische Welle, worin sie ihre Schwingen badete.

Auf Alarich und Adelaide ist das anzuwenden, was Hiob von gewissen Leuten sagt: 53

»Sie nehmen zu mit Gütern.«

»Ihr Same ist sicher um sie her, und ihre Nachkömmlinge sind bei ihnen.«

»Ihr Haus hat Frieden vor der Furcht und Gottes Ruthe ist nicht über ihnen.«

»Ihre Kuh kalbet und ist nicht unfruchtbar.«

»Ihre jungen Kinder gehen aus wie eine Heerde, und ihre Kinder blöcken.«

»Sie jauchzen mit Pauken und Harfen und sind fröhlich mit Pfeifen.«

»Sie werden alt bei guten Tagen.«

Mit einem Wort – sie gehörten unter die Glücklichen auf Erden. Ich habe viele Solche gesehen und mit Verwunderung ihre Welt betrachtet, während ein Anderer mit betrübter Seele stirbt und sein Brod nie mit Freuden gegessen hat.«

Aber

»Wer will Gott lehren?«

 


 

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