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Neues Glockenspiel

Heinrich Seidel: Neues Glockenspiel - Kapitel 105
Quellenangabe
titleNeues Glockenspiel
authorHeinrich Seidel
publisherJ.G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger G.m.b.H.
addressStuttgart
typepoem
sendermagnus.mueller@phys.chemie.uni-giessen.de
firstpub1893
modified20170929
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Das Maiweinlied

Mel.: So Jemand baut ein neues Haus etc.

    Der Wein, der Wein ist Sonnenschein:
Es bannte seine Gluthen
Der kluge alte Vater Rhein
In eitel goldne Fluthen
Zum Feuersaft
Voll Sonnenkraft,
Zum Labsal aller Guten!

Es blüht im Wald ein zierlich Kraut,
Das mögen wohl wir leiden!
Kein andres ist uns so vertraut
Im Feld und auf der Heiden.
Es füllt die Luft
Waldmeisterduft
Gewürzig und bescheiden.

Nun komm hervor, du goldnes Nass
Aus deines Kellers Grüften.
Nun mischen wir mit weisem Maass
Zum Wein des Waldes Düften:
Der Maiwein blinkt,
Das Glas erklingt!
Es läutet in den Lüften!

Wohlauf es soll die Maiweinzeit
Nicht ungenutzt verfliessen!
Im deutschen Lande weit und breit
Soll sich sein Strom ergiessen!
Wir wollen froh
In jubilo
Die goldne Zeit geniessen!

Dem Maiwein tönt mein Lobgesang,
Und laut will ich's bekunden:
Das ist ein echter deutscher Trank,
Wird nirgend sonst gefunden!
In seinem Saft
Liegt Duft und Kraft
Des Vaterlands verbunden.

Drum hebt das volle Glas empor
Und lasst ein Hoch erschallen,
Das soll in donnergleichem Chor
Bis zu den Grenzen hallen:
Hoch deutsches Reich,
Dem keines gleich,
Du herrlichstes von allen!

 


 

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