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Negermärchen

Adolf Gelber: Negermärchen - Kapitel 7
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authorAdolf Gelber
titleNegermärchen
publisherRikola Verlag A.G.
year1921
illustratorAxel Leskoschek
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Das Parlament der Tiere, oder die Erde, aus der Zähne wachsen

Eines Tages sagte das Wiesel: »Du Hase, wollen wir Verstecken spielen?« Antwortete der Hase: »Sehr gut. Verstecken spiel ich gern.« Sagte das Wiesel: »Gut, aber wir wollen um etwas wetten, und der soll gewinnen, der sich besser versteckt hat.« Darauf der Hase: »Noch besser! Wenn ich mich verstecke, besiege ich jedermann.« »Meinst du?« sagte das Wiesel. Der Hase sprach: »Du wirst es sehen, im Verstecken wirst du von mir besiegt werden.« Und das Wiesel antwortete: »Nun gut, los! Verstecken wir uns.«

»Also wer fängt an?« fragte der Hase. Das Wiesel sagte: »Wir werden beide in derselben Minute anfangen. Du gehst dahin und ich gehe dorthin; aber nicht wahr, du siehst dich nicht um?« Sprach der Hase: »Warum?« Das Wiesel sagte: »Wenn du es tust, dann könntest du ja sehen, wo ich mich versteckt habe.« Sagte der Hase: »Gut, ich sehe mich nicht um.«

Also ging er, um sich zu verstecken, und auch das Wiesel ging; aber dieses schaute sich um und sprach: »Hast du dich schon versteckt?« »Ja,« antwortete der Hase; aber in diesem Augenblicke blickte auch er zurück und beide riefen: »Du hast dich umgesehen. Nein, du hast dich umgesehen.« Endlich kamen sie überein, daß sich erst das Wiesel verstecken und vom Hasen gesucht werden sollte, und dann sollte umgekehrt der Hase sich verstecken und von dem Wiesel gesucht werden: und der Hase mußte sich umdrehen, um nicht zu sehen, wohin das Wiesel laufen würde. »Abgemacht?« fragte das Wiesel. Der Hase sagte: »Abgemacht.«

Darauf lief das Wiesel und lief und kam an einen Weg, wo es sich eingrub; und schon wollte es eins – zwei – drei rufen, da fiel ihm etwas ein. Nämlich es sprang in ein Loch, wo es niemand gewahren konnte, und nur seine Zähne blickten aus dem Loch hervor. Dann rief es drei, worauf es sich rasch wieder duckte und nur die Zähne außen fletschen ließ. Wie nun der Hase kam und dahin und dorthin rannte und die Zähne erblickte, erschrak er, sprang zurück, und wie er sich umsah und wieder die Zähne gewahrte, sprach er entsetzt: »Aus der Erde hier sprießen Zähne!« und lief auf und davon.

Auf dem Wege traf er einen Elefanten, der fragte ihn: »Hase, warum bist du so außer Atem?« Er grüßte ehrerbietig und sagte: »Eure Erlaucht, weil ich jetzt eine Erde gesehen habe, aus der Zähne hervorsprießen.« Darauf trompetete der Elefant: »Jetzt bin ich achtzig Jahre alt, aber eine Erde, aus der Zähne sprießen, habe ich noch nicht gesehen.«

Nun hatte er so laut trompetet, daß es weit weg davon vom Büffel gehört wurde. Der kam herbeigerannt und sagte zum Elefanten ehrerbietig: »Mein Herr warum hast du so trompetet?« Der Elefant antwortete: »Weil ich erstaunt bin; hier gibt es eine Erde, aus der lange Zähne sprießen.«

»Lang sind sie nicht,« sagte der Hase.

»Also gut, sagte der Elefant, »aber Zähne sind Zähne und ich habe es noch nicht erlebt, daß welche aus der Erde sprießen.«

Sagte der Büffel: »Ich auch nicht« und brüllte vor Verwunderung so laut daß es der Eber im Walde hörte. Der kam also jetzt auch grunzend herbei und sagte, vor dem Büffel sich verneigend: »Warum hat deine Hoheit so gebrüllt?« Der Büffel sagte ihm jetzt die Sache, worauf der Eber so erheblich grunzte, daß die Antilope herbeikam und fragte: »Mein König, fehlt dir etwas?« Worauf der Eber sagte: »Nichts fehlt mir, nur deshalb grunze ich, weil da eine Erde ist, aus der Zähne hervorsprießen.« Dachte die Antilope nach und sagte: »Uns haben die Eltern auch nie von einer solchen Erde erzählt,« und da noch andere Tiere kamen, die das gleiche sagten, magerte der Hase vor Schrecken ab und sprach: »Das ist ein schlimmes Zeichen, daß ich der erste war, der diese Erde sah.«

»Was tun?« fragte endlich die Antilope. »Wenn man die Erde nur sehen könnte!«

»Das ist wahr,« sagten die anderen, »also geh du voran.«

»Ich?« sagte sie. »Ich bin die Schwächste. Geht ihr voran, ihr seid stärker.«

Darauf sprachen sie, der Leopard solle gehen; aber er hatte Fußweh, und so setzten sich der Elefant und der Büffel, der Eber, die Antilope, der Leopard und das Nashorn sowie andere Tiere ins Gras, um zu beraten; und während sie sprachen, wurde dem Hasen vor Angst so übel, daß er nebenan ins Gebüsch ging.

Wie er denn dort saß, kam die Schildkröte und sagte: »Hase, was ist dir? Du siehst bleich aus.«

Der Hase sagte: »Ich habe eine Erde gesehen, aus der Zähne sprießen, davon sehe ich so bleich aus, und die Herren nebenan beraten, wer vorausgehen soll, um die Erde zu sehen.«

Sagte die Schildkröte: »Beraten sie? Ich will gehen!« Und sie ging, und er ging ebenfalls mit, um ihr den Ort zu zeigen, nur langsamer. Als sie an den Ort gelangte und der Hase es nicht sah, nahm sie das Wiesel, steckte es in den Sack und rief: »Hase, wo sind denn die Zähne? Ich sehe sie nicht!« Und er suchte sie und sagte verzweifelt: »Wo sind denn die Zähne hingegangen?« »Ach, du hast gewiß geträumt,« erwidert sie, »komm zurück. Meinst du, ich habe meine Zeit gestohlen?« Und so kehrten sie zu den Tieren zurück.

Wie sie dort anlangten, berieten die Tiere noch immer, und da sagte die Schildkröte: »Herrschaften, wollt ihr mit mir gehen? Ich will aus Bananen ein Bier machen und dabei werdet ihr was erleben.« Sie gingen, und als sie ihnen das Bier vorsetzte, kroch das Wiesel aus dem Sack und sprach: Der Hase hat verloren, denn ich habe beim Verstecken gesiegt, und ein Betrüger ist er auch, denn es ist nicht wahr, daß aus der Erde Zähne sprießen.« Darauf schrien aber die Tiere: »Was sagst du – das soll nicht wahr sein? Keine Frömmigkeit hat das Wiesel! Fangt es! Haut zu!« Und sie sprangen alle auf. Und es trompetete der Elefant, der Büffel brüllte, der Eber grunzte, der Leopard hatte kein Fußweh mehr und das Wiesel floh und weinte. Die Schildkröte aber sagte zu ihrem Kind: »Jetzt siehst du, daß der Hase recht hat und daß die Zähne aus der Erde sprießen.«

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