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Negermärchen

Adolf Gelber: Negermärchen - Kapitel 25
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authorAdolf Gelber
titleNegermärchen
publisherRikola Verlag A.G.
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illustratorAxel Leskoschek
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Die Pilgerfahrt nach Mekka

Ein gewisser Lehrer wollte nach Mekka gehen, um auch das noch zu seinen Verdiensten hinzuzufügen, denn er war ein sehr frommer Mann. Er hatte ein sehr mageres Pferd, das bestieg er und ritt und ritt, bis sein Pferd ganz erschöpft war. Da kam ihm eine Hyäne entgegen die sagte: »Lehrer, wo willst du hin?« Er sprach: »Auf der Pilgerfahrt bin ich, ich will nach Mekka wandern.« Und sie sagte: »Da wird wohl der Himmel auf dem Wege mit dir sein und dir die Reise leicht machen.« »Ach, antwortete er betrübt, mir scheint, daß der Himmel über mich erzürnt ist; mein Pferd ist so müde und erschöpft.«

Sie betrachtete das Pferd und sagte: »Wirklich, müde ist's, aber es ist kein Wunder, es ist ganz mager und alt. Hast du denn kein anderes?« »Nein,« sagte er. »Das ist traurig,« erwiderte sie, »damit wirst du nicht nach Mekka gelangen. Es wäre besser, du sähest dich nach einem andern Reittier um.« »Wo soll ich es aber hernehmen?« sagte er. Sie antwortete: »Dafür gäbe es einen Rat, wenn du wolltest. Am besten wäre es, wir würden das Tier schlachten und aufessen. Gerne würde ich dich dann weiter tragen, denn auch ich sehne mich nach Mekka. Gleich würdest du sehen, wie rasch es sich auf mir reitet.« »Mir scheint, du willst mich betrügen,« sagte der Lehrer. Sie schlug die Augen zum Himmel auf und sagte: »Wie sprichst du? Habe ich denn kein Gewissen im Leibe? Einen heiligen Mann betrügen, der nach Mekka wandert! . . .« Da sagte der Lehrer: »Also gut, ich verlasse mich auf dein Wort.« Da stieg er ab, und sie zerriß das Pferd; und wie er sie besteigen wollte, um weiter zu reiten, sagte sie: »Einen Augenblick warte nur noch, ich will von meinen Jungen Abschied nehmen, und da wir doch miteinander das ganze Pferd nicht aufessen können, wirst du nichts dagegen haben, wenn ich ein paar Stückchen davon noch zum Abschied meinen Jungen bringe.« Sagte er, gut, und breitete seinen Gebetsteppich im Sande aus, um mit dem Gesichte nach Mekka sein Gebet zu verrichten – und wie er sich umwandte, war die Hyäne nicht mehr da. Und er wartete und wartete. Aber sie kam nicht, und da schlug er sich an die Brust.

Indem kam ein Schakal daher, der sich wunderte, wie er ihn so betrübt dasitzen fand und sagte: »Lehrer, was ist geschehen?« Darauf erzählte er es dem Schakal und weinte. Und der Schakal sagte: »Weine nicht, ich bringe dir die Hyäne zurück.«

Er hob den Sattel, die Satteldecke, Gebiß, Zaum und Sporen auf, sowie die Peitsche und ging damit weg. Und auch ein Stück Fleisch, das die Hyäne noch zurückgelassen hatte, nahm er mit. Unterwegs ließ er die Stücke vom Sattel und Zaumzeug einzeln fallen, bis er in die Nähe der Wohnung der Hyäne kam. Nun legte er die Satteldecke beiseite, ging weiter bis zu der Höhle und rief: »Liebe Kinder, euer Onkel, der Schakal ist da!« Er bekam zunächst keine Antwort, denn die Hyäne hatte ihren Kindern aufgetragen: »Wenn jemand kommt, um nach mir zu sehen, müßt ihr am besten schweigen und wenn es nicht anders geht, sagen, ich wäre nicht da.« Als er aber wieder rief und sagte: »Kinder, euer Onkel hat eine wichtige Botschaft,« antworteten sie: »Unsere Mutter ist nicht zu Hause.« Da rief der Schakal: »Ach, eure arme Mutter hat doch kein Glück! Wenn man die Leute sucht, um ihnen etwas Gutes zu melden, dann hindert sie das Unglück, so daß sie nicht dazu gelangen.« Fragten die Kinder: »Was ist es denn?« Und der Schakal antwortete: »Eine sehr fette Kuh liegt dort auf dem Wege. Sie ist gestorben, und ich bin gekommen, um eure Mutter zu rufen und sie ihr zu zeigen. Und da saget ihr, sie ist nicht da! Also lebet wohl!«

Da rief die Hyäne selbst auf einmal: »Was ist da los? Wer sucht mich?« und der Schakal antwortete:

»Ich bin es, der Schakal. Dort liegt eine sehr fette Kuh auf dem Wege, ich habe ein Stück abgeschnitten und dir mitgebracht, aber deine Jungen sagten, du wärest nicht zu Hause.«

Und die Hyäne rief darauf: »Es ist kein Gott außer Gott! Da sieh, was für Nichtsnutze das sind, meine Kinder. Immer treiben sie es so. Ich habe geschlafen und sie wußten ganz gut, daß sie mich rufen konnten. Aber nein, an das nächste denken sie nicht. Ich wäre nicht da, haben sie dir gesagt, diese Kerle.« Und schon öffnete sie die Türe und begrüßte den Schakal.

»Also, das freut mich, daß ich dich doch getroffen habe,« sagte er. »Da nimm dieses Fleisch. Was sagst du? Mir schmeckt es vortrefflich;« und er hielt der Hyäne das Stück Fleisch hin. Sie verschlang es und sagte: »Laß uns gehen.«

Sie machten sich auf den Weg, und die Hyäne lief weit voran, während der Schakal zurückblieb, so daß die Hyäne sagte: »Was ist das, daß du heute so langsam gehst? Sonst pflegst du besser zu laufen.« Worauf der Schakal erwiderte:

»Ich weiß selbst nicht, was mir heute ist, den ganzen Tag tut mir schon der Fuß weh. Ich glaube, ich habe ihn mir verstaucht.«

»Das ist zu dumm,« sagte die Hyäne, »ist's noch weit bis zu der Kuh?«

»Ja, eine hübsche Strecke ist's noch.«

Die Hyäne murrte: »Dann wird vielleicht der Löwe kommen, bis wir dort sind und uns alles wegnehmen. Tut dir wirklich der Fuß so weh?«

»Schrecklich.«

»Also, weißt du was, steig auf mich, dann werden wir rascher hingelangen.«

Sagte der Schakal: »Ach das tut mir aber leid! Werde ich dir nicht zu schwer sein?«

»Nein, nein, steig nur auf, daß wir keine Zeit verlieren, ich habe schon ordentlich Hunger.« Und da stieg der Schakal auf ihren Rücken hinauf.

Auf dem weiteren Wege ächzte der Schakal und seufzte: »O, o . . ., warte einen Augenblick . . . ich steige wieder hinunter. Die Haare auf deinem Rücken sind so rauh.« »Aber nein,« sagte die Hyäne, »bleib doch oben, kann es denn wirklich so weh tun?« »Schrecklich!« wiederholte der Schakal, »du mußt mich hinunterlassen, sie stechen mich durch und durch.« Da kamen sie an der Satteldecke vorbei und die Hyäne sagte: »Nimm das Ding und breite es über meinen Rücken, da wirst du von meinen Haaren nichts mehr spüren, worauf der Schakal sagte: »Wirklich, du hast recht,« und breitete ihr die Decke über und saß wieder auf. Aber nach einigen Augenblicken schrie er wieder: »Es gibt keinen Gott außer Gott, ich kann mich ja gar nicht oben halten, ich muß hinunter, muß hinunter . . .« Da kamen sie an dem Gebiß vorbei. »Hol dich der Teufel,« schrie die Hyäne, »nimm das Gebiß, ich werde es in den Mund nehmen und du wirst dich an den Zügeln halten, so wird's besser gehen. Aber mach nur rasch, damit nicht der Löwe uns alles wegfrißt, mach rasch.« Nun kamen sie zu den Sporen. »Schau, wie schön die sind,« sagte der Schakal. »Dummes Zeug,« antwortete die Hyäne. »Doch aber möchte ich sie,« sagte der Schakal, »meinen Kindern möchte ich sie bringen, und ich will nicht weiter, wenn du mich sie nicht mitnehmen läßt;« und da hielt die Hyäne, der Schakal nahm die Sporen, schnallte sie an seine Füße und weiter ging der Ritt.

Nun gelangten sie an einen Kreuzweg und sahen dort links schon die Stelle, wo der Lehrer saß, und die Hyäne wollte nach rechts abbiegen, worauf der Schakal sagte: »Warum willst du nach rechts?« »Hier ist es angenehmer,« sagte die Hyäne. »Nein, hier links ist's angenehmer.« »Aber was hast du davon?« sagte die Hyäne, »ich kenne doch die Wege besser, hier kann man rascher laufen.« »Aber das Vieh liegt doch dort links,« antwortete der andere. Und nun wollte die Hyäne umkehren. Da gab ihr aber der Schakal die Sporen, daß sie laut aufschrie, und schrie: »Du Pilgersmann, frommer, den es auch drängt nach Mekka zu wandern, wirst du gleich nach links einbiegen? Und merke dir: ›Es gibt keinen Gott außer Gott.‹«

Da sprang denn die Hyäne vorwärts und winselte und weinte, bis sie zu dem Lehrer gekommen waren. Dort sprang der Schakal ab und sagte: »Hier Lehrer, hast du deinen Schuldner. Nun steig auf, nimm auch deine Peitsche und bläue sie gehörig durch, dann wird sie dir folgen. Nicht wahr, du Fromme, es gibt keinen Gott außer Gott?«

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