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Negermärchen

Adolf Gelber: Negermärchen - Kapitel 24
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authorAdolf Gelber
titleNegermärchen
publisherRikola Verlag A.G.
year1921
illustratorAxel Leskoschek
correctorreuters@abc.de
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senderwww.gaga.net
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Warum Gott noch lebt

Es war einmal ein Mann, der war unzufrieden und sagte, es ginge ihm schlecht. »Warum geht es dir schlecht?« fragten ihn die Leute. Er erwiderte: »Daran ist Gott schuld, er hat einen Haß auf mich, und wenn ich ihn einmal treffe, werde ich Rache nehmen.« »Wie willst du an ihm Rache nehmen?« fragten sie. Er schrie: »Ich werde ihn töten! Gleich jetzt mache ich mich auf und suche ihn durch die ganze Welt, und wenn ich ihn finde, werde ich ihn töten!« Damit rannte er weg und begab sich in die Welt und schrie überall: »Wo ist er denn, damit ich ihn töte?«

Lange suchte er, da kam er an einen Ort, wo auf dem Markte gerade Imana spazieren ging. Die Leute kannten ihn nicht, er aber kannte alle in dem Ort, weil er schon oft dort gewesen war. Da hörte er, wie der wilde Mann durch die Straßen lief mit den Worten, wo er denn sei, damit er ihn töte. Er ging auf ihn zu und fragte ihn, wer er sei. Jener erwiderte: »Ich bin der und der und bin aus dem Dorfe so und so im Sahuogebiete.« »Und wer ist es denn, den du töten willst?« »Gott will ich töten!« schrie der Mann und rannte davon, um weiter Gott zu suchen, und zwar rannte er so rasch davon, daß er verschwunden war, ehe Gott ihn aufhalten konnte.

Einige Tage nachher traf er ihn in einem anderen Orte wieder und erkannte ihn, während der Mann ihn nicht erkannte und nicht wußte, daß er Gott war. Er ging auf ihn zu und sprach:

»Du, Abdallah, wer ist es, den du suchst und den du töten willst?«

Abdallah erwiderte: »Gott.«

»Gut,« sagte Gott, »ich bin Gott. Hier hast du mich. Töte!«

Der Mann sah ihn verblüfft an und sagte nach einer Weile: »Es ist nicht wahr, du bist nicht Gott.«

»Doch, doch,« erwiderte Gott, »du kannst mir glauben, daß ich es bin. Oder verlangst du einen Beweis?«

»Ja,« sagte der Mann, »das wäre mir schon recht. Also was hast du für einen Beweis?«

Sagte Gott: »Was für einen willst du? Mir ist es alles eins.«

Der Mann sprach: »Wenn es dir alles eins ist, also halte mal – was sollen wir sagen – den Himmel und die Erde in einer Hand und zwar jetzt gleich vor meinen Augen, damit ich mich davon überzeuge.«

»Gut,« sagte Gott, »also sieh her.« Und er streckte die Hand aus und faßte Himmel und Erde mit einer Hand, worauf er zu dem Manne sprach: »Also siehst du?«

»Ja.«

»Und glaubst du mir jetzt, daß ich Gott bin?«

Der Mann sagte: »Ja, jetzt glaub ich.«

»Nun denn,« sagte Gott, »du hast mich jetzt also und kannst mich töten, wie du es geschworen hast. Abdallah, warum tötest du mich nicht?«

»Ach,« erwiderte Abdallah, »jetzt, wo ich mich überzeugt habe, daß du so stark bist, soll ich mit dir zu streiten anfangen?«

Und er drehte sich um und ging. Daher kommt es, daß Abdallah den Imana noch immer nicht getötet hat.

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