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Negermärchen

Adolf Gelber: Negermärchen - Kapitel 2
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authorAdolf Gelber
titleNegermärchen
publisherRikola Verlag A.G.
year1921
illustratorAxel Leskoschek
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Sabulana, die Freundin der Götter

Die Leute von Mahaquene pflegten den Sumpf und die Hügel zu beackern. Ihre Felder brachten viele Jahre lang im Überfluß Ertrag. Aber es sagten die Götter einmal: »Das ist doch nicht in Ordnung, daß sie uns Göttern niemals ein Opfer darbringen«, und wie die Leute im nächsten Jahre wieder ackerten und pflanzten, brach Hungersnot aus, denn nichts wuchs heraus.

Sie zogen fort, siedelten sich weiter weg an und säten dort allerhand aus – es wollte wieder nichts aufgehen. Darauf gingen sie auf die Jagd und gelangten in der Verfolgung der Tiere in die Gegend zurück, aus der sie fortgezogen waren. Da siehe, fanden sie zu ihrem Erstaunen, daß auf einmal wieder alles in voller Blüte stand. Sie freuten sich und sprachen: »Also werden wir wieder hierher zurückkehren.« Doch, als sie ein Zuckerrohr abbrechen wollten, um es auszusaugen, ließ es sich nicht abbrechen und keine Kartoffel ließ sich herausreißen, keine Banane abpflücken, worauf sie schrien: »Was ist denn dahinter?« Aber da trat aus dem nächsten Wald Imana heraus und die andern Götter folgten ihm und Imana sprach:

»Wer hat euch die Erlaubnis gegeben, hierher zu kommen und hier herumzuwühlen? Wer hat euch erlaubt, das Zuckerrohr abzubrechen und die Kartoffel anzufassen? Ihr Undankbaren, fort mit euch!«

Alle rannten in großem Schrecken davon, brachten sich gegenseitig zu Fall, stürzten kopfüber; und als sie zu Hause ankamen und erzählten, was ihnen geschehen war, herrschte große Trauer im Kraal.

Am andern Tag gingen die Frauen ins Holz, um Äste zu sammeln und sie zusammenzubinden. Da kamen sie an einen Baum, von dem Honig herunterfloß. Aber als sie in das Loch griffen, aus dem er heruntergeronnen kam, um die Waben herauszuholen, brach einer jeden, die hineingriff, die Hand ab, so daß sich unter ihnen ein ungeheures Wehklagen erhob. »Oh, wir Verstümmelten!« riefen sie, »oh, wir Verstümmelten!« und als sie in das Dorf zurückkehrten, liefen alle Leute zusammen und klagten mit ihnen: »Oh, die Verstümmelten, oh, die Verstümmelten!« Und sie warfen die Zauberwürfel, woraus sie erkannten, warum die Plage über den Kraal gekommen war; und als sie nochmals die Würfel warfen, sagten die Zauberer, daß jemand ins heilige Holz gehen müsse, um den Göttern zu opfern. Da erschraken alle, denn sie trauten sich nicht zu den Göttern ins Holz.

Als es Nacht war, gingen sie vor das Dorf hinaus und streckten die Arme zu den Göttern im Walde hin und einer sagte: »Imana und ihr anderen Götter, habet Mitleid. Wir wollen euch jemanden schicken. Wer soll es sein, der sich zu euch trauen darf?« Und sie warfen wieder die Würfel. Und sie sagten, daß Sabulana ins heilige Holz gehen solle, um zu opfern, und Sabulana sagte: »Ich will's.«

Als der Tag anbrach, versammelten sich alle, um Sabulana auf dem Weg in den heiligen Wald zu begleiten. Und dort angekommen, setzten sich die Leute draußen vor den Wald hin und wagten nicht hineinzugehen. Nur Sabulana blieb aufrecht stehen und sang:

»Ich bin Sabulana, ich bin Sabulana,
Die Tochter der Steppe bin ich.
Ich will zu den Göttern und traue mich zu den Göttern.
Die Zauberwürfel haben mich bezeichnet,
Und die Götter sagten nicht nein.«

Darauf drang sie in den Wald und alle Bäume standen friedlich und alle Äste und Zweige bogen sich, als sie herankam, zurück. So ging sie und ging; und siehe, da kam sie an einen Ort, wo sie alle Götter versammelt fand; und Imana und die andern Götter sahen freundlich auf sie und sagten:

»Wie kommt es, daß du es wagst, hierherzukommen, während die gereiften Männer Furcht haben?«

Sie sprach: »Die Zauberwürfel bezeichneten mich.«

Die Götter sagten: »Ja, sie bezeichneten dich, Mädchen, und es ist schön, was du gesungen. Und jetzt sag uns, was du hier willst.«

Sie sagte: »Opfern will ich euch und euch bitten, nicht mehr meinem Volk zu zürnen. Freundlich sei ihr, Götter, und Imana, du bist gut.«

Darauf gaben sie ihr einen Sitz und begrüßten sie und sprachen: »Also was braucht ihr? Mais und alle Erzeugnisse des Sumpfes, Kürbisse, Reis und alle Arten von Reichtümern werden wir euch schenken. Und gleich werden wir unsere Götterkinder rufen, daß sie diese Schätze vor den Wald hinaustragen; denn hier herein, in den heiligen Wald dürfen keine anderen Menschen dringen außer dir, Mädchen. Draußen vor dem Walde werden unsere Kinder alles niederlegen, und unter deinen Leuten im Dorfe verteilst du es alsdann.«

Darauf kamen die Kinder der Götter und beluden sich mit dem Mais und allen Erzeugnissen des Sumpfes, mit Kürbissen, Reis und allem Reichtum, den die Götter schenkten; und Sabulana ging voraus, und die Götterkinder folgten ihr und legten alles vor dem Walde nieder und die Leute sangen:

»Sabulana hat uns geholfen,
Die Tochter der Steppe hat uns geholfen.
In den heiligen Wald ist sie gegangen.
Und Imana und alle Götter haben sie erhört.«

Aber Sabulana kehrte in den heiligen Wald zurück, weil die Götter sie geheißen hatten, zurückzukehren, und sie sagten:

»Erkläre deinen Leuten, daß sie gesündigt haben, weil sie die Felder bebaut und geerntet haben, ohne uns Ehrerbietung zu beweisen. Wer, meinst du, hinderte den Mais am Wachsen? Und wer hinderte die Kartoffel am Wachsen und die Bananen und den Reis? Und ebenso als ihr zum Jagen kamt und die Hunde unsere Tiere bis in den Sumpf hinein verfolgten. Wie habet ihr dies wagen können, ohne uns zu fragen und die Erzeugnisse der Felder aufzusammeln und darin herumzuwühlen? Ich, Imana, der Schöpfer, und wir andern Götter waren gut und haben euch wie unsere Kinder gehalten und ihr habt uns nicht geopfert. Sprich, Mädchen, haben wir recht oder haben wir nicht recht?«

»O, Imana,« sagte Sabulana, »und ihr andern Götter, ihr habt recht.«

»So ist es,« sagte Imana, der Schöpfer, »und jetzt sind wir glücklich, daß die Leute wieder zu uns beten. Und nun mögen deine Leute mit Körben und Säcken kommen, um Vorräte einzusammeln, jeder soviel, wie sein Kopf tragen kann. Und du, Mädchen, sollst in Hinkunft die Königin der Leute von Mahaquene sein.«

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