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Negermärchen

Adolf Gelber: Negermärchen - Kapitel 16
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authorAdolf Gelber
titleNegermärchen
publisherRikola Verlag A.G.
year1921
illustratorAxel Leskoschek
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Warum die Toten nicht wieder auferstehen

Wie geschah es doch? Es ist Imana, der die Menschen geschaffen hat, und da er Erbarmen hat, sprach er: »Ich will nicht, daß die Menschen ganz und gar sterben, sondern sie sollen, wenn sie gestorben sind, wieder auferstehen.« Und wie er sie denn geschaffen hatte, brachte er sie in ein Gebiet, wo sie wohnen sollten; er aber blieb daheim, weil er noch viel zu tun hatte. Dann schuf er das Chamäleon und den Webervogel, und sie gefielen ihm beide, das heißt, ganz gefielen sie ihm nicht; denn nachdem er drei Tage mit ihnen zusammen gewesen war, erkannte er, daß dem einen wie dem anderen etwas fehlte. Besonders aber dem Webervogel; der machte sehr viele Worte, Lüge und Wahrheit, und der Wahrheitsworte waren wenige und der Lügenworte viel. Dagegen erkannte er, wie er das Chamäleon beobachtete, daß es großen Verstand hatte und alles, was es sagte war wahr, gar keine Lüge war dabei.

Da sprach er am vierten Tage zum Chamäleon: »Geh in jenes Gebiet, wohin ich die Menschen, die ich schuf, gebracht habe und sage ihnen, sie brauchten nicht zu weinen. Auch wenn sie gestorben sind, werden sie auferstehen, und sie werden es, auch wenn sie schon ganz und gar tot sind. Ein jeder Mensch, wenn er gestorben ist, das sagst du ihnen, wird wieder auferstehen.«

Das Chamäleon sagte: »Gut, ich will gehen.«

Und der Webervogel blieb bei Gott zurück. Aber das Chamäleon ging langsam und langsam; und wie Gott hinuntersah, ging das Vieh immer noch langsam und langsam. Denn so geht ja das Chamäleon immer, und wenn es spricht, spricht es auch nur so träge und langsam und richtig ärgerte sich Gott bereits, weil er erkannte, daß die Menschen unten darüber, daß sie sterben sollten, schon ganz unglücklich waren. Da sagte er bei sich selber: »O du langsames Vieh, kannst du denn gar nicht rascher gehen?« Und er wurde schon ganz wild.

Da aber besänftigte er sich doch; denn wie er hinuntersah, war das Chamäleon endlich bei den Menschen und wie er hinunterhorchte – es war aber der Webervogel an seiner Seite – hörte er, wie das Chamäleon zu den Menschen zu sprechen begann. Und zwar begann es, weil es ja wie gesagt, mit der Rede nicht so rasch ist:

»Mir ist gesagt worden – mir ist gesagt worden – mir ist gesagt worden . . .«

Und immer noch wiederholte es: »Mir ist gesagt worden,« sodaß Imana aufschrie: »Nun, Kerl, hört denn dein Mir-ist-gesagt-worden gar nicht auf?«

Da sah er, daß der Webervogel ein wenig seine Flügel ausbreitete und so tat, als ob er wegfliegen wollte, und fragte: »Wohin willst du?« Sagte der Webervogel: »Nichts . . . ich will nur ein wenig auf die Seite . . . du erlaubst doch.« Sagte Imana: »Gut.« Aber ehe er sich umsah, hatte sich der Webervogel bereits in die Luft hinaufgeschwungen und flog so schnell hinunter – denn er ist ja ein Vogel – daß er bereits bei den Menschen war, ehe ihn Gott noch zurückhalten konnte. Und wie er hinunterkam, war es gerade, als das Chamäleon eben zum zehnten und elftenmale zu den Menschen sprach: »Mir ist gesagt worden – und mir ist gesagt worden.« Da rief der Webervogel:

»Was ist uns gesagt worden? Uns ist doch gesagt worden, wenn die Menschen tot sind, werden sie vergehen wie die Wurzeln der Aloe und nimmer auferstehen!«

Das Chamäleon blickte bestürzt auf und sagte: »Was sprichst du da, du Lügner? Uns ist doch gesagt worden – ist doch gesagt – doch gesagt worden . . . wenn die Menschen tot sind, werden sie wieder auferstehen!«

Aber die Menschen hörten es nicht mehr. Denn wie der Webervogel seine Worte gesprochen hatte, liefen sie alle gleich erschrocken davon und verkündeten es überall, daß, wenn sie gestorben wären, es keine Wiederauferstehung für sie mehr geben würde. Und heute noch spricht das Chamäleon sein »Uns ist gesagt worden – uns ist gesagt worden,« und die Menschen sterben und stehen nicht wieder auf.

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