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Naturwissenschaftliche Schriften. Optik und Farbenlehre, Physik

Johann Wolfgang von Goethe: Naturwissenschaftliche Schriften. Optik und Farbenlehre, Physik - Kapitel 1
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authorJohann Wolfgang von Goethe
titleNaturwissenschaftliche Schriften. Optik und Farbenlehre, Physik
publisherCarl Hanser Verlag
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Optik und Farbenlehre

Harmonie der Farben

Schwarz mit rot tingiert

I.) harmonisch fordernde
charakteristische
gemeine
negative.

  1. Maximum der Mannigfaltigkeit Totalität
  2. Mannigfaltigkeit die von Einheit wenig abweicht, bedeutend kühn.
  3. Opfert die Einheit auf wegen der Mannigfaltigkeit
  4. Opfert die Mannigf. auf um die Einheit zu retten.

Entwurf Symbolische Annäherung zum Magneten:

Skizze

und Harmonie der Farben:

Skizze

Von Personen welche gewisse Farben nicht unterscheiden können

Jena am 19 Nov. 1798

Erste Versuche mit Herrn Güldemeister wegen des nicht Unterscheidens der Farben

Seine Augen sind grau und haben etwas mattes doch ist der Stern zusammengezogen. Er sieht weit, gut, kann kleinen Druck bei Nacht lesen Sein Vater und Oheim ist in demselbigen Falle.

Abstufung von Hell und Dunkel bemerkt er sehr zart.

Weiß sieht er rein und ohne Beimischung.

Ein lichtes Grau erklärt er für schön hellblau überhaupt die drei ersten Stufen von grau auf meiner optischen Tafel für blau.

Das dunkelste grau so wie schwarz erklärt er für braun und gibt dieser Farbe hauptsächlich die Unterscheidung von der vorigen daß sie gar nichts blaues haben.

Das Blaue erkennt er für blau sowohl das dunkle als das helle.

Gelb nennt er gelb.

Im Orange unterschied er gelb und rot, und bezeichnete auch dabei daß er nicht das mindeste blau sehe.

Zinnober erklärt er für entschieden rot.

Auf die Frage ob er nichts gelbes darinne sehe, sagte er ja denn allem roten läge gelb zum Grunde.

Im blauen hingegen sehe er nichts rotes.

Rosenfarb aber freilich nicht schön gefärbtes Papier erklärt er für blau auch etwas rotes fand er darinne, und erklärte es für einen Übergang von Zinnober zum blauen.

Karmin, in einer weißen Porzellantasse aufgestrichen nannte er rot. Bei näherer Beobachtung wollte er auch etwas bläuliches daran sehen.

Bis hierher klingt alles (verständlich) besonders wenn man es nach den Deduktionen unserer Farbenlehre ansieht. Aber nun erscheint das Hauptphänomen, welches seine ersten Äußerungen die ich bisher nicht aufgezeichnet habe sondern nur nachhole, so paradox macht.

Er scheint nämlich kein grün zu sehen sondern an dessen Stelle ein gelbrot.

Sehr gelb grün erklärt er für gelb in ziemlich rein gemischtem grün wollte er kaum etwas blauliches erkennen hingegen appuierte er immer auf das rot was er sehe.

Seine ersten Äußerungen klingen daher immer höchst sonderbar und sind konfuser als seine Ansicht der Farben.

So nannte er orange zuerst grün denn er sagte daß ihm die Bäume also erschienen; von der Rose, behauptete er sie sähe ihm völlig so blau aus als ein blauer Himmel. Doch zweifle ich hieran, weil er doch den Karmin für rot erkannte und nur wenig blau darinne finden konnte. Freilich sähe er das schwach rosenfarbe Papier auch für blau an.


Wo nicht zur Erklärung doch zu fernerer Leitung der Versuche nehme ich folgende auf meine Theorie gegründete Hypothese an:

Das Auge unterscheidet hell und dunkel äußerst zart das weiße ist ihm weiß hingegen macht die mindeste Beschattung beim grau schon einen Farbeneffekt auf ihn er sieht es entschieden blau.

Das blaue sowohl das helle als das dunkle macht denselben Effekt auf ihn und da das graue blau zu sehen nicht weit von der Erfahrung mit dem trüben Mittel absteht so schiene da ein physischer Zusammenhang, und man könnte nur sagen daß die chromatische Wirkung stärker auf ihn sei als auf andere.

Ebenso unterscheidet er gelb ganz genau er findet in demselben weder eine Spur von blauem noch von rotem und wäre also über die beiden Hauptfarben richtig nur daß er die eine früher sähe als wir andern.

Sobald das grau sehr dunkel wird daß wir es selbst für schwarz halten so wie das echtschwarze Papier erklärt er für braun für eine Farbe die ihm also etwas gelblich erscheinen muß bezeichnet sie aber hauptsächlich dadurch daß ihr alles blau fehle.

Nach diesem machte also dunkelgrau und schwarz schon einen farbigen Effekt auf sein leicht berührbares Auge und zwar einen aktiven weil etwas gelbliches dabei zum Vorschein kommt.

Da er nun den in einer Tasse stark aufgetragnen schönen Karmin für rot erkennt so ist er also die dritte Hauptfarbe zu unterscheiden fähig.

Da er in diesem roten etwas blau zu sehen glaubte hat er in keinem Sinne unrecht da der Karmin sich, wenn man will, ein wenig zum blaulichen neigt.

Daß er in dem Karmin auch etwas gelbes finden wollte gibt zu verschiednen Betrachtungen Anlaß.

  1. Könnte man sagen daß sein Auge auf dem zarten schwebenden Punkt stehe wo sich die Purpurfarbe zwischen dem blauen und gelben hin und her wiegt.
  2. Ist aber seine Äußerung bedeutend daß allem roten ein gelbes zum Grunde läge.

Er sähe also das große Moment was in unserer Farbendeduktion so bedeutend ist die Verdichtung des gelben zum roten immerfort werden und das verdichtete gelb sich aus dem roten immer wieder ablösen jedes verdichtete jedes getrübte jedes verdunkelte gelb erschien ihm also rot.

Eben so ließe sich die Erscheinung erklären daß er statt des grünen rot und zwar eine Art von Orange sieht die blaue Farbe wird in dieser Mischung völlig neutralisiert und diente nur das gelbe zu verdunkeln oder zu verdichten er sähe also nichts als die Wirkung des gestörten gelbes und diese erschien ihm wie uns bei reinern Versuchen rot.

Die Rosenfarbe die sich ihrer Natur nach zum blauen neigt so wie ein sehr verdünnter oder unreiner Karmin käme ihm blau vor, weil er das gelbe, das bei ihm dem roten immer unterliegt nicht mehr finden kann; man könnte also sagen: er sähe auf dieser Seite eben so gut blau als Base des roten wie er auf der andern Seite immer gelb als Base des roten gesehen hat.

Denn ob er gleich das unrein rosenfarbe Papier für blau ansprach, So bemerkte er doch bei näherer Betrachtung bald das rötliche.

Nach allen diesen könnte man das sonderbare Paradox aufstellen daß er im Verhältnis gegen die Farben ein Sonntagskind sei und nicht sowohl ihre Körper als ihre Geister nicht sowohl ihr sein als ihr werden erkenne.

Um diese Versuche recht rein zu halten habe ich ihm bei keiner Farbe er mochte sie nennen wie er wollte rektifiziert sondern nur seine Aussagen bemerkt und aufgeschrieben so wie ich mir zu weitern Versuchen ein Schema aufgestellt habe.

 

Jena am 12 Febr 1799

Setzte ich die Versuche mit Hr. Güldemeister fort.

Er sieht mit dem rechten Auge alles größer.

Ich brauchte zu den Versuchen Farben in Tassen aufgerieben.

Berlinerblau nannte er blau.

Karmin den helleren Teil wo die Tasse durchscheint gleichfalls blau.

Die in der Mitte zusammengefloßne Farbe nannte er rot.

In dem dunkelsten Raum in der Tasse behauptet er etwas gelb zu sehen.

Trocken Gummigutti nannte er Rot; eingeriebnes Gelb

Ich fing an Farben auf Papier zu streichen.

Er unterscheidet gleich und deutlich wenn eine Farbe aufgestrichen wird.

Leicht aufgestrichnen Karmin nannte er blau

Leicht aufgestrichnes berlinerblau gleichfalls.

Fast nicht zu unterscheiden

Nur ein wenig rot wollte er im Karmin finden.

Blau sei immer das vorstechende.

Ich strich ein violett auf er nannte es ganz blau und konnte es nicht vom reinen blau unterscheiden.

Nun waren blau, violett und rosenfarb neben einander

Er konnte als Farbe keinen Unterschied unter ihnen finden

Nur sei blau am meisten stechend violett weniger und purpur am wenigsten.

Das reine blau verglich er in der Erinnerung der Rose.

Er glaubte zu bemerken daß wo wir rot im blauen sähen, sähe er es nur dunkler.

Karminfläche mit Gummi Gutti überstrichen erklärt er für rot.

Gummigutti Fläche mit berlinerblau überzogen (ein papageigrün) erklärt er für gelb nur dunkler

Es habe Ähnlichkeit mit dem daneben stehenden gelbroten (Chamois) mit dem blau gar nicht.

Im Chamois war ein Streif Karmin ungemischt stehen geblieben wo er sogleich etwas blaues bemerken wollte.

Über blau zog ich Gummigutt woraus ein ziemlich sattes grün entstand[,] er verglich dieses auch wieder mit dem Chamois doch steche bei diesem das gelbe mehr vor.

 

Jena den 13 Febr. 1799

Fernere Versuche mit Herrn Güldenmeister

Ich kam auf den Gedanken daß die Farben nur quantitativ in gewissem Sinne auf ihn wirken besonders die von der passiven Seite.

Blau, violett und karminrot sieht er fast ganz überein und daher mag es kommen daß er grün und orange gleichfalls für Eine Farbe hält denn durch das rot wird das gelbe so gut gedämpft als durchs blau sein reines helles Wesen wird ihm benommen und nur diese Wirkung ist nur dem sonderbar organisierten Auge sichtbar das qualitative daran fällt aber ganz weg dieses scheint sich dadurch noch mehr zu bestärken da er das Lichtgrau schon als blau sieht.

Durchs Prisma sah er das schwarze Kreuz braun die farbigen Ränder am rechten Ort nannte sie gelb und blau. Vom violetten wollte er gar nichts erkennen auch von dem gelbroten nicht selbst dann nicht als ich ihn fragte ob er über dem gelben kein rot sehe. Er sagte: daß sich das Gelbe wohl gegen das braune zu verdunkle und so ins braune hinüber gehe von rot aber wollte er ein für allemal nichts wissen welches um desto sonderbarer ist da er das gelbrot der Pigmente welches mit jenem prismatischen genau korrespondiert sehr gut unterscheidet.

Bei dem violetten schien es mir weniger sonderbar weil er dieses auch nicht bei Pigmenten bemerkt.

Als ich vor eine graue Fläche ein schwarzes Viereck hielt sah er, nachdem ich es weggezogen die lichte Stelle genau und deutlich.

Der Versuch mit den gefoderten Farben wollte nicht gelingen.

 

Jena am 14 Febr. 1799

Abermalige Unterhaltung mit Herrn Güldenmeister

Auf die Frage welche Farbe ihm am angenehmsten wäre? welche er zum Beispiel wählen würde um sein Zimmer zu tapezieren gab er zur Antwort ein helles blau

Ich zeigte ihm die Fensterstäbe durch das Prisma. Den schmalen, der sich uns

blau
purpur
gelb

zeigt sah er

dunkelblau
hellblau
gelb.

Den breitern, der sich uns

blau
violett
unverändert
rot
gelb

zeigt sah er

blau
stark rot
gelb

NB. Das starke rot sah er an dem Platz wo uns der Stab unverändert erscheint. Es hat dieses einen Bezug auf den prismatischen Versuch wo er das schwarze Kreuz braun sah

Reine Schatten an der Stubendecke sah er grau hingegen grau angestrichnes Papier hellblau

Er bemerkt den Unterschied zwischen hell und dunkel sehr genau.

Bei der Fleischfarbe des Menschen bemerkt er das gelbe sehr stark.

Das Rote der Wangen und Lippen wenn es nicht sehr lebhaft ist sieht er blau.

Die Schminke völlig blau.

Was sich dem Schwarzen nähert sieht er braun, deswegen ihm auch dunkelgrün braun vorkommt, indem dieses letzte auch noch einen Schein vom gelben hat.

Durch das Prisma wenn er das schwarze braun sah, verlor das graue etwas von seinem blauen.

Eine schöne rotbraune Tinktur nannte er vollkommen grün und versicherte daß er bei heitern Tagen die Bäume eben so sähe; bei dunklern näherten sie sich dem braunen.

Temperamentenrose

Temperamentenrose

 

Zur Einleitung
[der Farbenlehre]

Die Farbenlehre soll aus der engen Beschränktheit in der sie bisher durch mancherlei Umstände gehalten worden, in das freie Feld der Beobachtungen und Betrachtungen versetzt, aus der Zerstreuung zur Einheit gebracht werden.

Sie soll, da sie bisher in dem weiten Umfange der Naturlehre isoliert und in sich selbst verschlossen gestanden als Glied der großen Kette von Wirkungen aufgenommen werden.

Sie soll sich an die Tätigkeit der Kunst und Technik anschließen.

Die Einrichtung des Werks wird hier mit Wenigem dargelegt. Nur das nötigste Allgemeine wird hier vorausgeschickt, sodann folgen sogleich die Erfahrungen selbst. Vorübergehende Erscheinungen, konstante Phänomene, sichere Versuche werden aufgezählt. Man muß hierbei dem Streben unsres Geistes widerstehen, der solche Elementarphänomene sich zu schnell in einer Einheit vorzustellen begehrt und ihrer Mannigfaltigkeit daher Abbruch tut. Es ist notwendig sie durch Kunst und gleichsam mit Gewalt auseinander zu halten.

Des bequemeren und ordnungsmäßigeren Vortrags willen teilen wir die Erfahrungen in physiologische, physische, chemische, welche Einteilung sich im Folgenden rechtfertigen wird.

Bei der Aufzählung lassen sich folgende Fragen aufwerfen, ob die Erfahrungen richtig angegeben, ob man so viel als möglich sie bequem zu wiederholen und einem jeden darzustellen vermag, ob sie vollständig, ob sie wohl, und faßlich geordnet?

So viel Bemühung man sich auch zu diesem Zweck gegeben; so bleibt doch die völlige Befriedigung dieser Forderungen nur ein frommer Wunsch und gar manches künftigen Zeiten vorbehalten.

Bei dem Vortrag selbst hat man sich nicht aller hypothetischen Ausdrücke enthalten können. Näher betrachtet ist jedes Wort an sich schon hypothetisch; und bei so einfachen, der Behandlung leicht entschwindenden Phänomenen müssen wir uns mit Analogien, Gleichnissen, Symbolen und allerlei Arten von bildlichen Ausdrücken helfen.

Jedoch sind erst, nach aufgeführten Erfahrungen, Betrachtungen angestellt. Wenn wir den Kreis der Erscheinungen übersehen; so sind wir eher berechtigt das als allgemein auszusprechen, was wir bisher im besondern gewahr geworden. Wir sind berechtigt uns zu Ideen zu erheben und die Erfahrung in einen höhern Kreis einzuführen. Wir sprechen ihre Natur und Eigenschaft entschiedner aus.

Haben wir sie dadurch an die übrigen elementaren Naturphänomene angeschlossen; so betrachten wir ihre Wirkung, die sie in ihrer Eigenschaft und Eigenheit auf den Menschen macht, sowohl einzeln als in Zusammenstellung und kommen sodann auf den ästhetischen Gebrauch, den der unterrichtete Maler nunmehr mit Sicherheit von der Farbe machen kann.

Haben wir nun auf diese Weise unsern Kreis durchlaufen, indem wir die physiologischen Farben von dem Auge selbst ableiteten, dort die Erregung der Farbe, ihre Verhältnisse und Harmonie fanden, sodann alle äußeren physischen und chemischen Bedingungen aufsuchten, dann durch allgemeine Betrachtungen uns dem Auge wieder näherten und die Wirkung auf Empfindung und Geist durch dessen Vermittlung zum Schlusse darstellten; so bringen wir einen Anhang einzelner Abhandlungen nach, wohin alles Umständlichere verwiesen ist, was den Fortschritt des Vortrages hätte hemmen können, was aber doch zur Vollständigkeit des Ganzen unentbehrlich bleibt.

Weil ferner alles darauf ankommt, daß diese herrlichen Phänomene künftig jedem Naturfreunde bekannt werden können, so ist der Apparat angegeben mit welchem sie sämtlich hervorzubringen sind.

Indem aber der Gebrauch dieses Apparats, die Darstellung der Versuche, ja die Beobachtung selbst manchen Schwierigkeiten unterworfen ist; so sind auch die Kautelen angegeben worden, welche man wohl beherzigen mag, ehe man zum Werke schreitet. Denn obgleich die Versuche nicht schwer, ja gegen andre physische und chemische Versuche nur eine Spielerei sind; so kann man sie doch dergestalt verschränken und komplizieren, daß, wie man es seit hundert Jahren gesehen, selbst aufmerksame und verständige Beobachter irre geführt und in Verwirrung gesetzt werden können. Da denn auch eben deshalb in gegenwärtigem Falle nicht allein zu bauen, sondern auch einzureißen ist, da wir nicht ganz freies Feld haben, sondern dasselbe erst von alten Theorien, Hypothesen und Vorurteilen reinigen müssen; so hat man auch eine polemische Abteilung, besonders gegen die Newtonische Lehre beliebt.

Weil denn aber gegen Irrtümer keine Polemik so wirksam ist, als die Geschichte ihrer Entstehung; weil man ferner einen Kreis von Erfahrungen auch dadurch vorzüglich kennen lernt, wenn man sich unterrichtet, wie solche erst nach und nach den Menschen bekannt geworden; so führen wir daher die Geschichte der Farbenlehre von den ältesten Zeiten bis aufs gegenwärtige Werk und auf diese Weise so gut als möglich ausgestattet übergeben wir es einem neuen Jahrhundert.

 

Geschichte der Farbenlehre

Die Wissenschaften werden selten nach dem was sie zu ihrer Aufklärung bedürfen sondern meist nur nach dem Bedürfnis der Zeit behandelt, in welcher sie zur Sprache kommen, denn die besten Köpfe erhalten doch gewisse Richtungen von ihrer Zeit.

Manchmal auch zeigt sich bei Behandlungen der Wissenschaften das individuelle Bedürfnis eines Menschen.

In diesen beiden Rücksichten will ich flüchtig die Geschichte der Farbenlehre durchgehen.

 
Theophrast

Ein Grieche, ganz im Sinne seines Meisters Aristoteles! freie, weite Übersicht über die Phänomene, gute theoretische Enunziationen, die auf einzelne Abteilungen passen, die aber nicht glücklich zu weit ausgedehnt werden.

 
Alhazen

Mit dem mathematischen Teile der Optik beschäftigt, wenig Interesse für die Farbe.

 
Antonius Thylesius
1537

Das Studium der alten Autoren ist bei auflebender Literatur wichtig, er beschäftigt sich bloß mit Bedeutungen der Farbenbenennung in der griechischen und lateinischen Sprache.

 
Simon Portius
1548

Er übersetzt das Buch des Theophrast und kommentiert es, ohne eine Spur von Sachinteresse; es ist ihm als einen neuen Aristoteliker bloß um Übung seines Geists zu tun.

 
Keppler
1604

Ihm ist bloß um die Gesetze der Refraktion zu tun, er beseitigt die Frage von den Farben.

 
Antonius de Dominis
1611

Dilettant mit Sachinteresse dringt sehr tief in das Phänomen des Regenbogens, doch was die Farbenerscheinung betrifft so zeigt er sie mehr an als daß er ihren Ursprung ableitete.

 
Aguilonius
1613

Jesuit, Aristoteliker, umfassender Lehrer, bearbeitete die Farbenlehre sehr vollständig ohne sie zu erweitern. Vergleichung gegen Theophrast.

 
Descartes
1637

Genie, aufmerksam auf die Masse der Phänomene die nach und nach bekannt geworden. Allzustarke hypothetische Neigung! seine Ansicht der Farben atomistisch, mechanisch und grell.

 
Kircher
1646

Jesuit, aus der aristotelischen Schule, Neigung zum sonderbaren er macht auf schöne Phänomene aufmerksam, doch liebt er sie vorzüglich weil sie seltsam sind. Er fördert die Lehre nicht, hat übrigens große Neigung zu Kunststückchen.

 
Grimaldi
1665

Ein Jesuit und Aristoteliker, der sich aber, wie mehrere dieser Schule, schon dahin neigt das Licht für eine Substanz zu erkennen, eine Meinung die er aber nicht öffentlich bekennen darf. Sein Buch hat daher die seltsamste Form von der Welt. In dem ersten sehr starken Teile stellt er Versuche und Räsonnement so, daß daraus hervorgehen möchte das Licht sei eine Substanz; nun schreibt er aber noch einen ganz kurzen zweiten Teil worin er sich selbst wiederlegt und beweist das Licht sei ein Akzidens. Wahrscheinlich ist dieser zweite Teil geschrieben damit der erste die Zensur passieren konnte. Es kam nach seinem Tode heraus. Seine Versuche zeigen viel Sachinteresse.

 
Boyle
1663

Ein trefflicher Kopf geht von chemischen Versuchen aus, ist der erste seit dem Theophrast der Anstalt macht eine Übersicht der Phänomene aufzustellen, eine Augenkrankheit hindert ihn, er ordnet seine Erfahrungen so gut es gehen will zusammen, in der Form als wenn er das unvollständige einem jungen Freunde zu weiterer Bearbeitung übergäbe. Seine hypothetische Tendenz ist sehr leise und mäßig. Wäre man auf diesem Wege fortgegangen so wäre der Sache geholfen gewesen.

 
Newton
1704

Genie. Das Bedürfnis die Fernröhre zu verbessern führt ihn auf die Betrachtung der Farben die bei Gelegenheit der Refraktion vorkommen. Er übereilt sich in seinem vier und zwanzigsten Jahre eine Hypothese fest zu setzen woraus folgt daß die dioptrischen Fernröhre nicht verbessert werden können, er erfindet sein Spiegelteleskop und gibt sich 38 Jahre lang eine unglaubliche Mühe seine Hypothese als theoretisches Gebäude aufzustellen. Diese Lehre gewinnt nach manchem Widerstand in den Schulen das Übergewicht, alle farbige Phänomene werden aus dem Gesichtspunkte der Refraktion betrachtet und die Phänomene der Refraktion nicht nach der Natur sondern nach der Hypothese dargestellt und so dauert es in allen Kompendien fort bis auf den heutigen Tag.

 
Mariotte

Trefflicher Beobachter zeigt aufs deutlichste daß Newton die Phänomene falsch darstellt. Er wird nicht gehört, seine Erklärungen schmecken nach dem Cartesianismus und können kein Glück machen.

 
Algarotti
1737

Schöngeist, möchte Fontenellen in galanter Darstellung einer wichtigen Naturmaterie nacheifern, er wirkt mit zur Ausbreitung des Buchstabens der Newtonischen Lehre. Das siebenfache Licht gefällt Dichtern und Rednern als Instanz und Gleichnis.

 
Smidt
1738
Martin
1740

bringen die Newtonische Lehre im Auszug in ihre Lehrbücher.

 
Kastel
1740

Dilettant und Technolog. Da er von der Färberei ausgeht muß ihm die newtonische Lehre unbequem sein, er muß die Lehre von drei Grundfarben annehmen. Seine Darstellung derselben so wie der Mischungen, der Übergänge, des hellen und dunklen ist klar lebhaft, ja geistreich. Sein Werk enthält die schätzbarsten Bemerkungen, die aus einer aufmerksamen Anschauung der Phänomene und wahrem Sachinteresse herfließen. Er zeigt deutlich, wie Mariotte, daß die Newtonische Schule das Phänomen falsch vorstelle und daß die wahre Darstellung des Versuchs mit der Theorie unvereinbar sei.

 
Euler

Genie, widerspricht der Materialität des Lichts, bringt die dynamische Erklärung wieder in Aufnahme. Die Farbenlehre wird dadurch nicht gefördert.

 
Gauthier
1750

Dilettant und wissenschaftlicher Abenteurer geht von der Malerei, oder vielmehr von der Kupferdruckerei mit bunten Farben aus, auch ihm muß die newtonische Hypothese im Wege stehen, er zeigt wie Castel und Mariotte daß die newtonische Schule das Phänomen falsch vorstelle, er wird nicht gehört. Eine Art Scharlatanerie macht seine Behauptungen bei seinen übrigen Verdiensten verdächtig. Er faßt die Idee die prismatischen Erscheinungen aus dem Kapitel der trüben Mittel zu erklären.

 
Meyer
1758

Mathematiker, schöne reine Natur. Kommt bei her auf die Farben, geht von den Pigmenten aus und sucht auf einem quantitativen Wege ihre Mischungen zu bestimmen

 
Lambert

Trefflicher Kopf, Mathematiker. Sucht die Grade des Lichts durch mathematische Formeln zu bestimmen. In Absicht auf die Farben geht er den Meyerischen Weg.

 
Scherfer
1761

Jesuit und Newtonianer. Gibt sehr schöne Beobachtungen über die physiologischen Farben heraus, die er mit Scharfsinn und Gewandtheit der Neutonischen Theorie anzupassen sucht.

 
Dollond

Euler regt eine frühere Frage wieder auf: ob man nicht die Refraktion farblos machen könne? indem man sie durch Mittel von verschiedner Dichtigkeit bewirken ließe. Dollond leugnets, macht aber Versuche welche den Satz bejahen und bringt so ohne es zu wissen und zu bemerken der Newtonischen Theorie einen tödlichen Stoß bei. Die dioptrischen Fernröhre werden verbessert, Newtons Irrtum anerkannt und doch ist die Gewalt der Gewohnheit so groß, daß niemand der Sache auf den Grund sieht und man die neue Entdeckung so gut als möglich an die alte anzuflicken sucht. Die nähere Auseinandersetzung der Personalitäten die in diesem Zeiträume gewirkt und eine Darstellung des Zeitgeistes wird künftig interessant sein.

 
Priestly
1772

Gibt seine Geschichte der Optik heraus. Ein ohnerachtet seiner Mängel sehr verdienstliches Werk. In der Farbenlehre leistet er zwar so viel, daß er die bekannten Phänomene nach den Epochen in denen sie zur Sprache kommen, aufführt; eine Übersicht aber kann er nicht geben indem er als Newtonianer die gewöhnliche Sprache führt, wodurch denn die alten Irrtümer nur noch mehr befestigt und verbreitet werden.

 
Klügel
1776

Übersetzt Priestlys Optik. Seine Anmerkungen zeigen viel Kenntnis, Sorgfalt und Abneigung von hypothetischen Vorstellungen. Er behandelt auf eine stille geräuschlose Weise selbst die Newtonische Theorie als bildliche Dichtung.

 
Marat
1779

Kommt bei Gelegenheit als er die Eigenschaften des Lichtes und des Feuers untersucht auch auf die prismatischen Farbenphänomene, sieht die falsche Darstellung der Newtonianer ein, bleibt aber in so fern bei der Theorie daß er annimmt das weiße Licht sei aus farbigen Lichtern zusammengesetzt, werde aber durch Inflexion an den Rändern dekomponiert und zwar nur in drei farbige Lichter. Bei manchem guten und richtigen Blick ist doch seine Richtung ganz hypothetisch, die Versuche sind mit unnötigen Bedingungen überladen, die Methode auf den hypothetischen Zweck gerichtet und doch verworren. Kein Wunder daß die Arbeit ohne Wirkung blieb.

 
H.F.T.
1782

Eine sonderbare Natur von einem aufmerksamen Beobachter, der auf die farbigen Schatten aufmerksam wurde, der aber nicht fähig war die einzelnen Fälle zu Versuchen zu erheben. Die Beschreibung aller Umstände unter welchen ihm farbige Schatten erschienen ist bis zum lächerlichen genau und doch selten zulänglich.

 
Delaval
1788

Bringt die wichtige Bemerkung, welche Meyer schon urgiert, zur Sprache daß jedes ganz reine Pigment schwarz erscheint, wenn es nicht einen weißen Körper zur Unterlage hat. Doch sind weder die Versuche im ganzen glücklich noch der Vortrag luminos. Weigel übersetzt ihn, Lichtenberg und Klügel machen Vorreden dazu, wodurch aber die Sache um nichts aufgeklärt, vielmehr dieser bedeutende Punkt wieder zugescharrt wird.

 
Der Verfasser
1790

Kommt als Freund der bildenden Kunst aus Italien zurück ohne über die Gesetze des Kolorits aufgeklärt zu sein, er sucht Rat beim Physiker und entdeckt die falsche Darstellung der Phänomene bei der Refraktion, und überzeugt sich von dem Wiederspruch dieser Phänomene mit der Theorie. Er arbeitet dieses Kapitel durch und fängt an in den optischen Beiträgen einen Teil der Versuche heraus zu geben. Man betrachtet sie von Seiten der Schule mit der gewöhnlichen Kälte als fruchtlose Bemühungen, indessen er in seinen Arbeiten fortfährt. Er verbreitet sich über die übrigen Abteilungen dieses Fachs, indem er einsieht daß eine Sammlung aller Phänomene und eine Ordnung derselben das einzige sein kann was ihm und andern nutzt. Diese Sammlung vollständig zu machen und in der Methode des Vortrags den rechten Weg zu treffen sind mehrere Jahre hinter einander seine Bemühung

 
Blair
1791

Ein Schottländer. Nach der Dollondischen Entdeckung war es nicht allein möglich die Farbenerscheinung bei der Refraktion aufzuheben sondern sie sogar umzukehren, so daß die beiden Enden der Erscheinung ihre Farben tauschen. Blair, ein guter Beobachter, quält sich diese Erfahrungen nach der Newtonischen Lehre zu erklären und kommt auf die wunderlichsten Einfälle um zu zeigen wie der gelbrote Strahl beim Durchgang durch verschiedne Mittel endlich der meist refrangible werden könne, da hingegen der violette der wenigst refrangible werde. Seine Versuche sind zu benutzen, mit seinem Räsonnement mag sich quälen wer da will.

 
Ein Unbekannter
1792

Ein Maler der über das Kolorit nachgedacht hat und auf die Spur gekommen zu sein scheint daß die Idee von der Dualität in die Farbenlehre eingeführt werden müsse. Er kam darauf wahrscheinlich weil die Maler ihre Farben als kalt und warm einander entgegensetzen wie weit er übrigens mit der Sache und mit sich selbst im Reinen ist läßt sich aus der kurzen Nachricht davon die im Anzeiger der allgem. Litteraturzeitung stand, nicht wohl einsehen.

 
Wünsch
1792

Ein guter, aber äußerst paradoxer Kopf, der sich auf eine unbegreifliche Weise im widersinnigen gefällt. Er sieht mit so viel andern ein daß die Newtonische Darstellung des Phänomens falsch ist, bleibt aber wie Marat bei dem Resultat der Theorie und gibt zu daß das weiße Licht aus farbigen Lichtern bestehe und findet sich zu der tollsten Erklärungsart genötigt. Man rezensiert ihn wie ein Wundertier mit einiger Achtung und vielen Zweifeln. Und läßt die Sache auf sich beruhen.

Voigt

Chemiker, Schüler Grens, jung in Eisenach gestorben. Da die Chemie überhaupt so große Fortschritte in den letzten Dezennien gemacht hat, so daß sie sich fast zu einer Universalwissenschaft erhub, wenigstens ihren Einfluß überall zeigte, so mußten sie natürlich auch an die Farbenlehre stoßen. Einiges ist von ihnen geschehen doch einseitig und unzulänglich. Voigts Aufsatz ist eine sehr üble Anwendung eines schätzbaren Talents, eine Art von pedantischem vorsätzlichen Irrtum waltet über das Ganze. Die newtonische Lehre sollte erhalten und mit Wärmestoff und Oxygen ausstaffiert werden. Mathematische Berechnungen, physische Hypothesen, chemische Terminologie, sind dergestalt amalgamiert daß der Geist auf eine unangenehme Weise angespannt wird und wenn man die Arbeit in ihre Elemente zerlegt findet sich nicht der geringste Gewinn.

Sieht man sich nun gegenwärtig um so läßt sich leicht bemerken daß man in dieser Arbeit von außen keine Spur von Beistand oder Aufmunterung zu erwarten hat.

Das wissenschaftliche Interesse das in der Welt noch übrig bleibt, da die politischen Begebenheiten so manches Gemüt anlocken und die Kriegsnot so vieles zerstörend zerstreut, ist keineswegs auf diesen Punkt gerichtet. Der Chemiker ist in seiner jetzigen Breite arrogant und unteilnehmend, alles was er in unserer Lehre täte würde einseitig sein

Der Physiker, der genug zu tun hat, hütet sich vor einer neuen Arbeit und vom kritischen und idealistischen Philosophen wissen wir daß sie der alten Theorie nicht abgeneigt sind.

Der Engländer erschrickt noch immer wie vor einer Gotteslästerung, wenn man etwas dagegen äußert.

Der Franzos kann gegenwärtig an nichts gehen was eine fortgesetzte Aufmerksamkeit erfordert.

Der Italiäner ist ruiniert, so wie der Holländer auch kommen dergleichen Arbeiten später ins Ausland.

Von dem Deutschen hat man aus mehr als einer Ursache Widerstand zu erwarten und es bleibt also nichts übrig als das Geschäft im stillen so ernst als möglich zu betreiben und es seiner Vollendung entgegen reifen zu lassen.

 

Jena am 10 Febr. 99

 

Geschichte der Arbeiten des Verfassers in diesem Fache

Frühere Aufmerksamkeit auf verschiedene Phänomene.

Erste Veranlassung zu einem genauem Studio.

Rückkehr aus Italien

Einsicht in verschiedene Teile der Kunst und Überzeugung von den Grundsätzen derselben

Von der Farbengebung hingegen keine theoretische Spur.

Weder in den Beispielen der alten und neuern

Noch in den Lehren, welche die Maler ihren Schülern geben.

Noch in den theoretischen Schriften.

Was vorkommt ist mehr was man tue als warum mans tue

Das Allgemeine sind mehr Redensarten als Maximen

Überzeugung daß man sich an den Phisiker zu wenden habe.

Überlegung was aus dem Spectro zu ziehen sei

Und was aus dessen Stufenleiter könne gezogen werden

Verlangen die Versuche selbst zu sehen.

Büttners Prismen

Nicht gleich Gelegenheit eine Camera Obscura einzurichten.

Welches zum Glück gereichte indem ich auf dem Wege war alles nach der Vorschrift einzurichten. Das Foramen roduntum die Distanzen und alles andere.

Die Prismen werden zurückgefordert.

Ich sehe noch einmal durch

Weiße und einfarbige Flächen bleiben unverändert.

Die Erscheinung ist bloß an den Rändern.

In einem Gegensatze

Daß durch Verbindung der Gegensätze das Spektrum erst entsteht wird klar,

So wie daß hier eine Polarität im Spiele sei

Man erinnert sich an das Warme und Kalte der Maler so wie auch klar wird daß Refraktion wenigstens nicht allein hier wirke.

Es werden diese Phänomene auf alle Weise vermannigfaltigt.

Der Purpur wird gefunden das Verhältnis dieser Erscheinung zu farbigen Flächen wird untersucht.

Großes Prisma zu den Objektivversuchen.

Studium der Newtonischen hieher gehörigen Schriften.

Entwicklung der Newtonischen Versuche.

Oft abgerißnes Studium.

Durch Neigung wieder angeknüpft.

Die Erfahrungen, wie sie nach und nach bekannt wurden zusammengestellt.

Weitere Ausbreitung auf andere Phänomene.

Farbige Schatten.

Schon früher Interesse daran

Mannigfaltige Versuche.

Die Erscheinung stärkerm und schwächerm Licht zugeschrieben.

Realistisch objektive Erklärungsart ein langes Hindernis.

Erscheinung durch trübe Mittel.

Bläue des Himmels.

Einsicht in das Grundphänomen

Weitere Fortschritte.

Sogenannte zufällige Farben

Einsicht in den phisiologischen Teil.

Fundament im Organ gesucht.

Die Farbigen Schatten werden unter diese Rubrik gebracht

Große Förderung.

In der Zwischenzeit Druck der Beiträge.

Hoffnung von denselben

Niemand faßte das Apercu auf

Hochmut der Schule

Gefühl der Notwendigkeit sich im Ganzen mehr auszubilden

Fortgesetztes Studium der Geschichte.

Überzeugung einiger Freunde

Arbeit auf Vollständigkeit

Verschiedne Versuche zu ordnen

Haupteinteilung wie sie endlich geblieben ist.

Schwierigkeit der Perioptrischen Versuche, welche zuletzt aufgelöst wird.

Wenig Hülfe von der Chemie selbst der neuern.

Einflüsse der Philosophie

Freunde und Bekannte derselben zugetan.

Einflüsse auf Behandlung und Methode.

Neueste Naturlehre.

Dualismus.

Wichtige Erfahrung besonders des Galvanismus.

Möglichkeit des Anschließens an alles übrige

 

Und so soll auch dieses Werk keineswegs für sich bestehn und dauern vielmehr soll es sich verbreiten und wirken.

Man denke sich es als durchschossen, damit jeder seine Anmerkungen dazu schreibe.

Als Konzept, bei welchem die Verbesserungen eines jeden angenehm sind.

Als Testament, an dem ich selbst zu ändern zu mehren und zu mindern mir vorbehalte.

Man betrachte es als eine Sammlung von Thesen, über die ich mit Jedermann zu disputieren.

Oder von Paragraphen, nach welchen ich Freunden der Natur das Ganze umständlicher vorzutragen und die Versuche selbst vorzuzeigen geneigt bin.


Erscheinung allgemeine Benennung dessen was wir nicht mit völliger Gewißheit gewahr werden.

Phänomen, eine Erscheinung, die einen spezifischen Charakter hat und unter gewissen Bedingungen sich gleich ist.

Versuch, ein Phänomen durch Kunstbedingung hervorgebracht.

 

Inhalt der Abhandlung über die Farbenlehre

  1. Einleitung.
  2. Das Allgemeinste über Farben.
    1. Physiologische Farben.
          Colores adventitii. Boyle.
          ——— imaginarii. Rizetti.
          ——— phantastici. ——
          Couleurs accidentelles. Buffon.
          Scheinfarben.             Scherfer.
          Augentäuschungen. Mehrere,
      [am Rande:] Gesichtsbetrug.
          Vitia fugitiva. Hamberger.
      1. Einleitung
      2. Verhältnis des Auges zum hellen und dunkeln.
      3. Scheinbares Verhältnis schwarzer und weißer Bilder.
      4. Dauer des Eindruckes solcher Bilder sowohl als schwacher Lichteindrücke.
      5. Bestimmter Ort auf der Retina.
      6. Farbloses Abklingen derselben.
      7. Farbiges Abklingen starker Lichteindrücke.
      8. Gegensatz wenn man eine helle oder dunkle Fläche während des Abklingens vor sich sieht.
      9. Farben der Körper die im Auge eine andere hervorrufen. Forderung der Farben. Totalität.
      10. Subjektive Höfe schließen sich an c an ist derselbe Fall nur farbig.
      11. Geschwächtes Licht schließt sich an g. an.
      12. Pathologische Farben
      13. Geschichte der phisiologischen Farben.
    2. Physische Farben
                  ehemals
      Colores fluxi
      ——— apparentes fugitivi.
      ——— phantastici.
      ——— emphatici.
      ——— falsi.
      ——— speciosi.
      ——— variantes.
      1. Katoptrische Versuche
      2. Parenoptrik ———
      3. Dioptrische ———
        1. durch trübe Mittel
        2. durch klare ———
      4. Diamesoptrik. Versuche.
      5. Geschichte der phisischen Farben.
    3. Chemische Farben
                 ehemals
      Colores proprii
      —— corporei
      —— materiales
      —— veri
      —— permanentes
      —— fixi.
      1. Übergang
      2. Erregung
      3. Steigerung.
      4. Hinüberziehen,
        1. ins Minus
        2. ins Majus.
      5. Balancieren.
      6. Fixierung.
      7. Mischung
      8. Mitteilung
        1. Wirkliche
        2. Scheinbare {durchscheinend / widerscheinend}
      9. Entziehung.
            ————
      10. Nomenklatur der spezifischen Farben.
            ————
      11. Farben natürlicher Körper
        1. Mineralien
        2. Pflanzen
        3. Tiere
        4. Menschen.
      12. Geschichte der chemischen Farben.

      [am Rande:]
      1. Ableitung des Weißen
      2. Ableit. des Schwarzen
      3. Erregung.
      4. Steigerung.
      5. Kulmination
      6. Durchwandern des Kr.
      7. Balancieren
      8. Fixieren
      9. Mitteilen
      10. Entziehen
      11. Mischung
  3. Allgemeine Ansichten.
    1. Innerhalb des Kreises der Farbenphänomene.
      1. Wie leicht die Farbe entsteht.
      2. Wie energisch sie sei.
      3. Wie spezifisch entschieden sie sei.
      4. Was aus der Mischung des ursprünglichen entgegengesetzten entstehe.
      5. Von der Steigerung ins rote.
      6. Verbindung der gesteigerten Enden.
      7. Vollständigkeit der mannigfaltigen Erscheinung,
      8. Übereinstimmung der vollständigen Erscheinung.
      9. Wie leicht die Farbe von einer Seite auf die andere zu wenden,
      10. Wie leicht die Farbe verschwindet.
      11. Wie fest die Farbe bleibt.
    2. Nach außen in Verbindung mit den übrigen physischen Elementarphänomenen.
      1. Farbenerscheinung bei Gelegenheit,
        1. der Elektrizität.
        2. der Galvanität.
      2. Chemisch physische Wirkung der spezifizierten Farben.
        1. aufs Hornsilber.
        2. aufs Thermometer.
        3. auf Bologneser Leuchtsteine.
      3. Verhältnis zum Ton.
        Farbenerscheinung überhaupt unter das Prinzip der Dualität subsumiert.
    3. Wirkung der Farbe auf den Menschen.
      1. Materielle
        1. einzeln,
        2. zusammengestellt.
      2. Ästhetische.
    4. Anhang einzelner Abhandlungen.
      1. Argumente für die Ausdehnung der Retina.
      2. Über Dauer der Eindrücke und Reproduktionskraft des Auges in spätern Zeiten und wie solche zusammenfließen.
      3. Von Personen welche gewisse Farben nicht unterscheiden können
        [am Rande:] Ἀκυανοβλεψια
      4. Von Personen, welche die Farben durchs Gefühl zu unterscheiden behaupten.
      5. Farbige Schatten besonders ausgeführt.
      6. Atmosphärische Farben und übrige Meteore.
      7. Wie durchsichtige Mittel auf Licht und Blick im allgemeinen wirken.
      8. Die kompliziertern Phänomene der Refraktion,
      9. Darstellung der newtonischen Lehre mit allen falschen, beschwerlichen, kaptiosen Experimenten,
      10. Vortrag des Regenbogens.
    5. Apparat.
    6. Kautelen bei den Versuchen.
    7. Geschichte der Farbenlehre,
                    vielleicht.
    8. Geschichte der Arbeiten des Verfassers in diesem Fache
      zur Vorarbeit.
      1. Versuche, die noch einzurangieren sind.
      2. Versuche, die noch anzustellen sind.

Figuren

Göttingen d. 2ten August 1801.

 

Das Allgemeinste über Farben

Die Empfindung der Farbe gewährt uns gewöhnlich nur das Auge. Wir müssen sie durch Erfahrung erlangen, kein blinder kann von der Farbe urteilen. Wir nehmen auch deswegen für bekannt an, was man darunter zu verstehn hat.

Was wir Farbe nennen unterscheidet sich von allen andern physischen Erscheinungen. Es läßt sich in einen sehr kleinen Elementarkreis einschließen

Rot
gelbrot blaurot
gelb blau
grün

Wir werden diese Erscheinungen unter verschiedenen allgemeinen Bedingungen gewahr.

Erstlich, als dem Auge mehr oder weniger allein angehörig, da wir sie denn physiologische Farben nennen.

Zweitens, als Wirkung eines farblosen Mittels, innerhalb dessen, neben oder an welchem die Erscheinung erregt wird. Dieses sind unsre physischen Farben.

Drittens als Wirkung eines Körpers, dem wir die Eigenschaft der Farbe zuschreiben. Diese haben wir die chemischen genannt.

Wir verlangen vorerst nur, daß man uns einstweilen diese Einteilung zum Behuf des Vortrages zugebe. Wer lehren will, muß unterscheiden. Wir sprechen überhaupt in diesem Werke manches didaktisch aus, was deshalb noch keinesweges dogmatisch gemeint ist. So haben wir auch alle Bescheidenheitswörtchen, als gleichsam, wie uns dünkt, nach unserm Dafürhalten u.s.w. möglichst vermieden, da es sich überhaupt von selbst versteht, daß jeder nur nach seiner Überzeugung und zwar nach seiner gegenwärtigen augenblicklichen Überzeugung spreche und schreibe, das gesprochene und geschriebene aber keinesweges ein größeres Gewicht erhält, weil es nun auch gedruckt ist.

*

Farbe ein Erfahrenes.

Erfahren durchs Auge.

Ehe man das allgemeine ausspricht soll das besondere ausgesprochen werden. Mancherlei Fälle der Erfahrung des Gewahrwerdens

Überhaupt durchs Auge

Durchs Auge an und für sich

—————   als allgemeine Wirkung phis.

—————   als bes. Wirkung chemisch.

Determinabilität des Auges

Determination einige Dauer

        pp.

Das Auge sieht keine Form es sieht nur Hell Dunkel und Farbe.

Die höchste Empfindlichkeit für alle Abstufungen.

Das Dunkel als ein Repres. der Determinabilität.

Das Licht als indifferente Determination.

Durch die Verbindung des Lichten und des Dunkels Helldunkel.

*

Streben des Geistes der Menschen

————————   der Natur

———   zur Einheit.

Erscheinung und entzweien sind synonym.

Erscheinen sich trennen, sondern, verteilen, Dualität, zwei entgegen stehende Enden desselben Wesens.


Im Gang unsrer Darstellung jedem Phänomen sein Recht anzutun.

Phänomene vorzüglich vor andern auffallend, Aufmerksamkeit erregend. Teils

alle gleich behandelt indem eins wie das andre, das glänzende wie das stumpfe nur immer dieselbe Maxime der Natur ausspricht.

 

Refraktion im Allgemeinen

Vor allen Dingen ist nötig das Phänomen, das wir mit dem Kunstnamen der Refraktion bezeichnen, vollständig darzustellen.

Man lasse das Sonnenlicht schräg auf einen Kubus, hier durch a. b. c. d. bezeichnet fallen, so wird es in der hier angenommenen Richtung nicht den Teil a b d erleuchten, sondern indem es anlangt von seinem geradlinigen Wege abweichen und bis gegen die Mitte des Bodens c d, ohngefähr in e anlangen. Tritt es bei e aus dem Glase, so stellt es sich wieder in die Richtung her, in welcher es bei dem Punkte a angelangt. Dieses Phänomen nennen wir objektiv, weil Ursache und Wirkung außer dem Auge vorgehn, und bezeichnen dasselbe unter dem Namen der Brechung, weil die Richtung des Lichts gleichsam gebrochen erscheint.

Entwurf zum Thema Hebung und Brechung

Entwurf zum Thema Hebung und Brechung

Man lege unter gedachten Kubus irgend ein bemerkbares Bild und schaue schräg nach dem Rande a, so werden wir das Bild des Grundes b erblicken, ob uns gleich der Rand dasselbe verbergen sollte. Es scheint von seinem Orte b nach c gehoben und der geraden Richtung des Blickes entgegengebracht. Wir nennen dieses Phänomen subjektiv, weil die Wirkung jener außer uns bestehenden Ursache in dem Auge vorgeht, und bezeichnen es nach seiner Erscheinung mit dem Namen der Hebung. Beide Phänomene, Brechung und Hebung, sind nur die umgekehrten Wirkungen einer und derselben Ursache. Jene des aus dem dünneren Mittel ins dichtere, diese des aus dem dichtern ins dünnere übergehenden Lichtes oder Bildes. Beide sind bekannt genug und wir werden sie zusammen, wie bisher, also auch künftig, unter dem Kunstwort Refraktion bezeichnen.

Warum wir aber beide bekannte Erscheinungen mit ihren Bedingungen nochmals vorführen, wird sich aus dem folgenden ergeben. Die Lehre der Refraktion ist auf den objektiven Versuch allein gebaut und an ihm dargestellt: denn seitdem man entdeckt hat, daß die verschiedenen Einfalls- und Brechungswinkel des Lichtes in einem Mittel sich wie ihre Sinus verhalten, schließt man die Figur an welcher man demonstriert in einen Zirkel ein und geht bei der Demonstration folgendermaßen zu Werke:

Man zieht durch die Brechungsebene a b eine Perpendikularlinie c d; man supponiert daß in der Richtung e f das Licht auf den Punkt g falle; da nun dieses Licht nicht nach f, sondern durch die Brechung nach h gelangt, so ist der Winkel g h i kleiner als der Winkel e g k und ihr Verhältnis durch die Erfahrung gefunden und durch Sinus berechnet, gilt für alle übrigen Einfalls- und Brechungswinkel desselbigen Mittels.

Nun fährt man fort, weil zu einem Brechungswinkel ein Einfallswinkel gehört; so wird jener Null sobald dieser Null wird. Das letzte geschieht nun, wenn der Einfall sich perpendikular ereignet; dann erscheint keine Brechung, das Licht geht gerade durch das Mittel und also – leidet es keine Veränderung.

Mit dem letzten Schlusse hat man sich wie uns dünkt übereilt. Denn wenn es gleich wahr ist, daß bei dem perpendikularen Auffallen des Lichts auf eine brechende Fläche, keine Brechung beobachtet und berechnet werden kann; so folgt doch nicht daraus, daß hier keine physische Wirkung obwalte.

Entzieht sie sich in diesem objektiven Falle der Bemerkung, so ist der andre subjektive geschickt uns von dem wahren Verhältnis zu belehren.

 

Man setze auf eine Fläche, welche hier durch die Linie a b vorgestellt ist, einen gläsernen Kubus und schaue perpendikular auf denselben; so wird sich der unter dem Kubus befindliche Teil der Fläche, welcher hier durch e d bezeichnet ist, dem Auge vollkommen entgegenheben und in e f erscheinen, als einer dem Brechungsverhältnis des Mittels korrespondierenden Höhe.

Um sich zu überzeugen, daß diese Hebung im reinsten Perpendikel geschehe, so führe man das Auge bis über den Rand des Kubus i und man wird an dieser Stelle, wie an den übrigen das Bild sich vollkommen entgegengehoben erblicken.

Durch einen Versuch läßt sich diese Naturwirkung sehr auffallend darstellen. Man schneidet einen Teil des Bildes c d aus der Fläche a b, und lasse ihn unter dem Kubus liegen, er wird alsdann dem Auge in e f erscheinen. Man ziehe nun den unbedeckten Teil der Fläche a b dergestalt in die Höhe, bis die wirklichen Flächen g e und f h mit der erscheinenden e f Horizontal liegen und das Auge wird nunmehr das ganze Bild auf einer Fläche erblicken.

Wäre es richtig, daß die Refraktion im Perpendikel nichts wirke, so müßte ein rundes Gefäß mit flachem Boden mit Wasser gefüllt, wie ein Kessel oder Trichter erscheinen, wenn wir auf dessen Mitte perpendikular heruntersehen. Der subjektive Versuch zeigt uns also, was der objektive verbirgt, und durch Verknüpfung beider lernen wir die ganze Refraktion kennen.

 

Refraktion ohne Farbenerscheinung

Die Refraktion kann ihre Wirkung äußern, ohne daß man eine Farbenerscheinung gewahr werde. So lange farblose oder einfach gefärbte Flächen durch Refraktion verruckt werden, entsteht innerhalb derselben keine Farbenerscheinung. Man kann sich hiervon auf mancherlei Weise überzeugen.

Bei dem obigen subjektiven Versuche mit dem Kubus mag man auf denselben senkrecht oder im Winkel hinsehen, so entsteht auf der völlig gehobenen, reinen Fläche keine Farbenerscheinung. Wenn man durchs Prisma einen rein grauen oder blauen Himmel, eine rein weiße oder farbige Wand betrachtet, so wird der Teil der Fläche den wir eben ins Auge gefaßt haben, völlig von seiner Stelle geruckt sein, ohne daß wir eine Farbenerscheinung darauf gewahr werden. Wenn durch den Kubus das Sonnenlicht hindurchscheint, wird in dem Räume unter c d keine Farbenerscheinung bemerklich sein.

Wie wenig bedeutend oder auffallend die Farbenerscheinung in diesem Falle sein müsse zeigt sich auch daraus, daß man die Gesetze der Refraktion daran entdeckt und festgesetzt hat ohne auf die dabei konkurrierende nur an den Rändern sich zeigende Farbenerscheinung auch nur im mindesten zu achten, deren Gegenwart und Wichtigkeit erst später zur Sprache kam.

Es ist zwar hier noch nicht Zeit polemisch zu sein, noch ist es vorteilhaft im ruhigen Gange eines Vortrags durch irgend einen Wink den Geist des Widerspruchs zu wecken; allein wir sind genötigt hier einen Blick auf die bisherige Behandlung dieser Materie zu werfen, damit der Leser früher bemerke, in welchem Sinne wir sie darstellen.

Indem man sich, seit mehr als einem Jahrhundert, nach und nach von der Materialität des Lichts überzeugte und ihm verschiedenfarbige Lichter als integrierende Teile zuschrieb; so machten die apparenten Farben dem ruhigen Theoristen wenig zu schaffen. Erblickte er sie unter irgend einer Bedingung, so hatte ohne weiteres diese Bedingung das Licht dekomponiert und das verschiedenartige desselben zu Tage gebracht; daher hatten wir denn eine diverse Refrangibilität, Refregibilität, Inflexibilität, Transmissibilität und was man diesen geglaubten Operationen noch alles für Namen geben könnte. Dagegen ward man gegen die nähern Umstände unter welchen die Phänomene erschienen gleichgültig, ja man entfernte die Aufmerksamkeit von den Hauptbedingungen, unter welchen die Phänomene erscheinen, so daß nach und nach nur das auf dem Papier geschriebene und gezeichnete nichts aber von dem, was in der Natur vorging, überliefert wurde. Da wir uns nun aber dieses letzte eigentlich zur Pflicht gemacht haben, so müssen wir die Aufmerksamkeit des Lesers um so mehr hierauf zu lenken suchen, weil der Theorist unsern Vortrag notwendig als unnütz und unbequem verschreien muß; als unnütz, weil er sich gerade im Besitz so vieler Phänomene befindet, als er zur Begründung und Festhaltung seiner Meinung braucht; als unbequem, weil er seine Phänomene auf eine gewisse Weise zurecht zu stellen pflegt, daß sie mit seinen Meinungen notdürftig zusammenzutreffen scheinen. Wenn wir also auf Beobachtung von Bedingungen dringen, welche man gewöhnlich nicht zu beachten pflegt; so geschieht dies mit Überzeugung und Vorsatz.

 

[Wirkung der Farben auf den Menschen]

1.2.  2.3.  3.4  4.5.  5.6  
1.3.  2.4.  3.5  4.6.
1.4   2.5.   3.6
1.5.  2.6.
1.6
Eine Gesellschaft Frauenzimmer wurde über Muster, welche nach beiliegendem Schema in Streifen gefärbt waren, befragt und sie druckte ihr Urteil folgendermaßen aus:
1. Gelb.
2. Chamois.
3. Purpur
4. Violett.
5. Blau.
6. Grün.
1.2.) Das Chamois wurde etwas dunkler gewünscht, man fand das Muster leidlich und fein.
1.3.) Spreche nicht an
1.4.) Gefalle, scheine aber g

*

  1. Das orange etwas dunkler. Leidl. fein allenfalls als Tapete das gehöriges Licht hat
  2. Spricht nicht an. Notdürftig zu Gardinen
  3. Nichts gegen. Gefällt sogar. Doch scheint es gemeiner
  4. Eine so gut wie das vorige. 2. Wies vorige
  5. Will nicht recht ein.
  6. Man verlangt eine dritte Farbe, besonders etwas dunkl
  7. Mißfällt
  8. Fällt die Cocart ein.
  9. Sehr lustig. Man verlangt das grün etwas dunkler. – Gemein
  10. Gefällt durchaus.
  11. traurig. Wirkung.
  12. das blau etwas höher das grün etwas heller) in S. vortreffl.
  13. Wird gut gefunden
  14. Gleichfalls.
  15. Gleichfalls.

 

Das Auge

Bau des Auges.

Wirkung des Lichts auf dasselbe.

Sehen überhaupt – wird aus der Anatomie, Physiologie und Optik vorausgesetzt; nur was sich zunächst auf Farbe bezieht kann hier abgehandelt werden.

Das Auge ist vorzüglich das Organ, wodurch wir die Farben gewahr werden; doch sollen Blinde die Farbe gefühlt, ja gerochen haben.

Die Netzhaut, jene markartige Ausbreitung des optischen Nerven, als Organ des Sehens überhaupt so wie des Gewahrwerdens der Farben.

Bau der Retina. Kleine Öffnung mit dem gelben Nimbus in der Mitte.

Konkaver Bau derselben.

Runde Form der Feuchtigkeiten.

Bei manchen Erscheinungen Hindeutung auf kreisartige Wirkungen.

Das Auge sieht keine Gestalten, es sieht nur was sich durch hell und dunkel oder durch Farben unterscheidet.

In dem unendlich zarten Gefühl für Abschattierung des hellen und dunkeln sowie der Farben, liegt die Möglichkeit der Malerei.

Die Malerei ist für das Auge wahrer, als das wirkliche selbst. Sie stellt auf, was der Mensch sehen möchte und sollte, nicht was er gewöhnlich sieht.

Das Gefühl für Formen, besonders für schöne Formen, liegt viel tiefer.

Die Freude an Farben, einzeln oder in Zusammenstimmung, empfindet das Auge als Organ und teilt das Behagen dem übrigen Menschen mit. Die Freude an Form liegt in des Menschen höherer Natur, und der innere Mensch teilt sie dem Auge mit.

Das Auge ist das letzte, höchste Resultat des Lichtes auf den organischen Körper.

Das Auge als ein Geschöpf des Lichtes leistet alles was das Licht selbst leisten kann.

Das Licht überliefert das sichtbare dem Auge; das Auge überliefert's dem ganzen Menschen.

Das Ohr ist stumm, der Mund ist taub; aber das Auge vernimmt und spricht.

In ihm spiegelt sich von außen die Welt, von innen der Mensch.

Die Totalität des Innern und Äußern wird durchs Auge vollendet.

 

Zur Einleitung

[Farbe als Erscheinung]

Indem wir von den Farben zu handeln gedenken befinden wir uns auf jede Weise im Reiche der Erscheinungen. Die Erfahrung allein kann uns von dem Dasein der Farbe unterrichten und wenn wir ihnen im Leben von einer Seite eben soviel Wirklichkeit zugestehen, als allem andern, das wir durch die Sinne gewahr werden; so bemerken wir sie doch gar oft als einen wesenlosen flüchtigen Schein, so daß wir sie unter die Zahl der Zufälligkeiten zu rechnen nicht abgeneigt sind.

Wohin wir unsre Augen wenden, erblicken wir sie, sich mit unendlicher Mannigfaltigkeit bewegend, dabei unter so mancherlei Bedingungen, in so verschiedenen Fällen, daß uns diese ihre wechselnde Allgegenwart sosehr sie uns erfreut sogleich zu verwirren anfängt, wenn wir darüber denken.

So mannigfaltige Wege die Naturforscher eingeschlagen haben diesen Urchamäleon einigermaßen festzuhalten und zu beherrschen; so haben sie doch die einfachsten Mittel versäumt, die man bei allen andern Naturstudien anzuwenden sucht.

Eine vollständige Sammlung der Erfahrungen einigermaßen methodisch aufzustellen, haben Theophrast und späterhin Boyle allein unternommen.

Die Farben mit den Tönen zu vergleichen sind schon frühere Versuche angestellt worden; aber sie an die übrigen Naturerscheinungen anzuknüpfen, sie unter eine Formel mit den übrigen Elementarerscheinungen zu subsumieren war nicht möglich, da die bisherige Hypothese sie in einen besondern Kreis isoliert hatte.

 

Zahl der Farben

Man streitet oft und viel über die Zahl der Farben und zeigt dadurch, daß man nicht wohl überlege, wovon die Rede sei: denn da, wo die Natur so zarte und bedeutende Unterschiede in verwandte Erscheinungen gelegt hat, sollte mehr von Eigenschaften als von Zahlverhältnissen die Rede sein.

Man kann sagen es gebe nur zwei Farben, Gelb und blau: denn diese können ganz rein und ursprünglich und im Gegensatze von einander erregt werden. Man kann sie darstellen ohne daß sie die mindeste Nebenempfindung erregen.

Drei, besonders wenn man von Pigmenten ausgeht und das völlig fertige im Gleichgewicht stehende Rot als das dritte annimmt.

Viere, wenn man Gelb und Blau zusammenbringt und eine Farbe darstellt, in welcher beide genannten abermals völlig das Gleichgewicht halten.

Fünfe, wenn man das reine rot aufgibt, eine Skala annimmt, worin Grün die Mitte macht, Gelbrot und Blaurot aber die beiden Enden. Dieses ist das Newtonische Spektrum, dem eine Hauptfarbe fehlt.

Sechs Farben kann man annehmen, wenn man die erstgedachte Skala von fünfen in einen Kreis schließt und das reine Rot wie billig darin gelten läßt. Dies ist der Kreis den wir zu unsern Vorträgen gewählt haben, welcher vollständig, bequem und naturgemäß ist.

Sieben Farben enthält die Newtonische Skala, wenn man bei den obigen fünfen die beiden roten Seiten noch um eine Stufe unterscheidet.

Acht Farben würden es werden, wenn man diese Skala abermals in einen Kreis zusammen böge und das vollendete Rot darin aufnähme.

Nun könnte man zu sechzehn fortschreiten, indem man zwischen jede Schattierung noch eine hineinstellte, oder zu zweiunddreißig und so ins Unendliche: denn indem der Farbenkreis als eine ewig stätige Reihe erscheint, so ist ja seine Teilbarkeit ins Unendliche hiemit schon ausgesprochen.

Lassen sich nun unendliche Farben denken, ohne daß man gewissermaßen auf Hell und Dunkel reflektiert, so läßt sich ihre Zahl abermals vermehren, indem man sie sämtlich entweder erhellt oder verdüstert und sie zu den unendlichen Stufen des helldunklen Grauen hinzugesellt.

Aber auch hier sind wir noch nicht am Ende: denn die besondern Körper zeigen uns abermals unendliche oft unbestimmbare Farben, welche durch seltsame Mischung verschiedener Teile oder durch organische und chemische Kochung entspringen.

Bedenkt man ferner was die schillernden oder sonst wechselnden Widerscheine für eine unendliche Mannigfaltigkeit in die Oberflächen bringen, was sonst für Zufälligkeiten bei andern farbigen Naturphänomenen obwalten können; so sieht man recht gut, daß hier nicht von Zahl, sondern von einem unendlich lebendigen Spiel die Rede sein könne.

Schema der ganzen Farbenlehre
Schema
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