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Namenlose Geschichten - Zweiter Band

Friedrich Wilhelm Hackländer: Namenlose Geschichten - Zweiter Band - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorFriedrich Wilhelm Hackländer
titleNamenlose Geschichten - Zweiter Band
publisherVerlag von Adolph Krabbe
seriesF. W. Hackländer's Werke. Erste Gesammt-Ausgabe
volume2
year1855
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20071019
projectid9b8492a7
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Einundzwanzigstes Kapitel. Unter dem Stadtgraben.

Das Haus, in welchem die Jungfer Kiliane wohnte, war, wie überhaupt die meisten, die, von der Stadt aus gerechnet, diesseits des alten Grabens standen, uralt und zählte noch mehr Lebensjahre, als das Kloster selbst. Es war versehen mit jenem hohen und spitzen Giebeldache, wie es die Alten so gern auf ihre Häuser setzten, mit mehreren Etagen, Böden und Kammern; dasselbe hielt das Haus warm, schützte es vor allen Winterstürmen und es stund darunter da, wie mit einer riesenhaften und warmen Schlafmütze versehen.

Im Hofe dieses Gebäudes befanden sich Wagenschuppen, Holzremisen, die, obgleich sie einer viel, viel späteren Zeit angehörten, doch neben dem gesunden und soliden Hauptbau krüppelhaft und altersschwach dastanden. Auf diesen Remisen waren ein Paar Zimmer, die einmal von einem Handelsherrn erbaut worden, der, im Vorderhause wohnend, im Hintergebäude seine Schreibstuben haben wollte; auch hatte er eine Gallerie bauen lassen, durch welche die verschiedenen Gelasse mit einander verbunden wurden. Nachdem aber nach einer Reihe von Jahren das Geschäft des Kaufmannes in dem Vorderhause aufgehört, wurden die Stuben im Hintergebäude vermiethet – zuerst an ordentliche Leute, solange sie gut aussahen; später, als die Tapeten nach und nach alt wurden, als man die zerbrochenen Fenster nur noch nothdürftig flickte, als die alte Treppe wackelte und unter jedem Fußtritt knarrte, da kam das Logis immer mehr herunter, bis es zuletzt von einer gewissen Madame Müller gemiethet wurde, deren Bekanntschaft wir später machen werden, und die in der schlechten Wohnung vortreffliche und verborgene Eigenschaften erkannte, welche hauptsächlich darin lagen, daß man ihr einen Ausgang durch den finstern Holzschuppen gestattet hatte, durch welchen man in ein Labyrinth dunkler Gäßchen gelangte, vermittelst deren es möglich war, namentlich bei Nacht, fast ungesehen zur Wohnung der Madame Müller zu gelangen.

Die Gallerie, von der wir oben sprachen, wurde, als man die beiden Wohnungen nicht mehr zusammen benutzte, ebenfalls sehr vernachläßigt; die Bretter, über welche man ging, verschwanden nach und nach und flogen in Rauch auf; es blieb nichts als das nackte Gerüst, das, ohne erhaltenden Anstrich, ohne Ausbesserung von Regen und Schneewasser nach und nach zerfressen wurde, und jetzt nur noch zwischen beiden Häusern eine gefährliche Brücke bildete, auf der nur zuweilen die verwegensten der Buben aus der Nachbarschaft durch Herumklettern augenscheinliche Halsbrechungsversuche anstellten und es gründlich untersuchten, wieweit die Langmuth ihres himmlischen Schöpfers und Erhalters gehe. Auch wurde dieses Gerüst zum Waschtrocknen benutzt und that so seine Dienste, aus welchem Grunde man es nicht schon lange abgerissen hatte.

Für dieses Abreißen hatten sich auch schon mehrere Male die Einwohner des Haupthauses ausgesprochen; denn ihnen war die Verbindung zwischen ihren Zimmern und denen der Madame Müller durchaus nicht angenehm; es waren im Haupthause schon einigemal allerlei verdächtige Geschichten passirt: Thüren erbrochen worden, Kleidungsstücke waren verschwunden und dergleichen mehr, überhaupt waren Sachen vorgefallen, zu deren Mitwissenschaft man die Madame Müller im Hinterhause wohl für fähig hielt. Man hätte auch ein schärferes Auge auf sie gehabt; doch gelang es den eifrigen Bemühungen des vortrefflichen Stadtsoldaten Steinmann jedesmal, einen – wenn auch geringen – Theil der im Haupthause gestohlenen Effekten, aber in ganz anderen Gegenden der Stadt, zu entdecken, wodurch natürlicher Weise die Eigenthümer wegen des Verdachtes, welchen sie auf Madame Müller geworfen, diese arme gekränkte Frau in ihrem Innern stets um Verzeihung baten. Aus diesem Grunde, und weil ein Bauverständiger erklärt hatte, daß das alte morsche Gerüst zwischen beiden Häusern nicht im Stande sei, einen erwachsenen Menschen zu tragen, wurde es nicht weggerissen, der Ausspruch des Bauverständigen dagegen mit leserlicher Schrift als Warnung auf dem Gerüste selbst bemerkt. – –

Es war bereits Abend geworden, als der Stadtsoldat Steinmann, nachdem er die Weinstube im Refektorium des Klosters verlassen und noch einige dienstliche Geschäfte besorgt hatte, um abermals durch den Stadtgraben ging, und, als er an dem Hause der Kiliane vorbei kam, beifällig hinauf blinzelte; dann ging er seines Weges durch die Straßen, eine einäugige Nemesis, ein Engel der Gerechtigkeit, hier leise warnend, dort strafend; an diesem Platze jagte er wohlgekleidete Buben, die ein verbotenes Spiel trieben, mit einem entsetzlichen Fratzengesicht nach Hause, an einer andern Stelle, wo er eine Schaar Bettelbuben bei derselben Beschäftigung fand, fuchtelte er sie mit der ledernen Scheide seines Säbels tüchtig zusammen und war auf diese Art streng gerecht und unpartheiisch. Auch verschmähte er es nicht, gelegentlich unter Weges in verschiedene Wirthshäuser einzukehren, und, indem er den Schoppen trank, den ihm der Wirth bereitwillig und gratis vorsetzte, versäumte er es nicht, nach verdächtigen Gesichtern auszuspähen; denn er haßte die fremden Gauner und Vagabunden als Störer der öffentlichen Sicherheit und als – Concurrenten. So gelangte er nach und nach in die breite Straße, wo der Stadtrath Schwämmle wohnte, und wenige Zeit darauf sehen wir ihn auch an der Glasthüre des Genannten die Klingel ziehen. Stadtraths Ricke öffnete die Thür, und nachdem er abermals den vergeblichen Versuch gemacht, das gesunde Mädchen in die dicken Wangen zu kneifen, fragte er nach dem Herrn Stadtrath.

»Der Herr Stadtrath sind zu Hause,« sagte das Mädchen und öffnete ihm die Thüre zum Arbeitszimmer ihres Herrn.

Vater Schwämmle, der eben im Begriffe war, eine Rede zu memoriren, die er in der nächsten Stadtrathssitzung halten wollte pro neue Kirche contra Löschanstalt, ging dem Stadtsoldaten entgegen und fragte nach seinem Begehren.

»Sie verzeihen, Herr Stadtrath,« sagte der Steinmann, »daß ich so spät Abends noch störe; aber es treibt sich wieder auf den Straßen so allerhand verdächtiges Gesindel umher, und ich wollte mir erlauben, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß es gar nicht so schlimm wäre, in der obern Stadt, wo weniger Läden und weniger Verkehr auf den Straßen ist, ein Bischen schärfer patrouilliren zu lassen; in der unteren Stadt, wo ich jedes Haus wie meine Tasche kenne, wird nicht leicht etwas vorfallen, und da – bin ich selber.«

»Allerdings,« sagte der Stadtrath und unterstützte nachdenkend das Kinn mit der Hand, »allerdings muß die Polizei ihren Dienst mit der größten Schärfe versehen; denn ich versichere Ihn, Steinmann, es ist entsetzlich, welche Menge Gaunereien und Diebstähle aller Art in hiesiger Residenz vorkommen; alle Tage bekommt man die Meldung von irgend einem Einbruche, irgend einer Spitzbuberei; es ist ganz entsetzlich, unter den Menschen gibt es weder Treu' noch Glauben mehr; die Immoralität ist furchtbar gestiegen, und weßhalb? das will ich Ihm sagen: weil die Hauptstütze der Moralität, die Religion, in ihren Fundamenten wankt – weil es – weil es – unter den Menschen fast keine Religion mehr gibt; deßhalb, Steinmann, geschehen so viele Gräuelthaten und deßhalb muß jeder redliche Staatsbürger, – – jeder rechtliche, eifrige Staatsbürger, und dazu rechne ich auch Ihn, Steinmann, dafür besorgt sein, daß die Religiosität unter den Menschen immer mehr angeregt wird und daß die christliche Gemeinde, der wir anzugehören die Ehre haben, fest zusammenhalte in Glaube, Liebe und Hoffnung.«

»Allerdings!« sagte der Steinmann, der außerordentlich gerührt schien; »und der Herr Stadtrath haben in jeder Beziehung über mich zu befehlen.«

»Ich weiß das, guter Steinmann,« sagte Vater Schwämmle, »und rechne in allem Guten stark auf Ihn. Wir alle müssen Hand anlegen, daß die Religion wieder zu einem festen Band wird, das uns innig umschlingt und uns stark macht, den Versuchungen zum Bösen zu widerstehen – nicht wahr, Steinmann?«

»Allerdings!« wiederholte der Stadtsoldat und blinzelte mit augenscheinlicher Freude auf das Papier, welches Vater Schwämmle in der Hand hielt und in welches derselbe während des Sprechens zuweilen einen Blick warf.

»Ein festes Band, das uns umschlingt, und dieses feste Band, dessen größter und schönster Theil freilich unsichtbar unsere Herzen zusammenhält, muß auch zur Ehre Gottes an's Tageslicht treten, majestätisch und unvergänglich, in Stein und Eisen, ein würdiger Dom für die gläubigste Gemeinde.«

Der Stadtsoldat wischte an seinem einen Auge, und Vater Schwämmle legte die Hände mit dem Papier auf den Rücken, hob den Kopf in die Höhe und schritt würdevoll auf und ab.

Es entstand eine längere Pause, welche endlich der Stadtsoldat unterbrach, indem er schüchtern sagte: »Es kann mit der neuen Kirche nicht fehlen, Herr Stadtrath, der ganze Honoratiorenstand ist dafür, und die paar Spritzenmacher und Schlauchweber, welche für das Löschcorps stimmen, sind nicht der Rede werth.« »Glaubt Er, Steinmann?« sagte Vater Schwämmle, indem er plötzlich stehen blieb, »glaubt Er, daß wir durchdringen?«

»Ohne Zweifel,« entgegnete der Andere und fügte schlau lächelnd hinzu, indem er eine Verbeugung machte: »Und wenn alsdann der Kirchenoberälteste sich gnädigst daran erinnern wollte, welch' saurer Dienst bei der Polizei ist und wie es sich dagegen in der Meßnerei so angenehm sitzt, so wäre der Tag der glücklichste für den armen Steinmann.«

Der Stadtrath klopfte seinem ergebenen Diener auf die Schulter und sagte sichtlich bewegt: »Sein Eifer, mein Freund, im Dienste der Stadt ist wohl bekannt, wir wollen sehen, was für Ihn zu machen ist; suche er mir aber ja Gewißheit zu verschaffen, wie im Einzelnen die Stimmung ist pro neue Kirche contra Löschcorps – apropos? Er geht doch fleißig in die Kirche? ich sehe Ihn in der That nicht allzu oft.«

Der Steinmann faltete die Hände und sagte mit einer wahren Jammermiene: »der Dienst, Herr Stadtrath, der Dienst läßt unsereins nicht oft dazukommen, das Haus des Herrn zu besuchen. Die Leute haben des Sonntags Morgens eine wahre Wuth, ihre Wäsche zum Fenster hinauszuhängen, sowie ihre Blumentöpfe vor demselben zu begießen; auch kann man es den herrschaftlichen Wagen tausend Mal anempfehlen, bei der Kirche langsam vorbeizufahren, 's hilft Alles nichts, und in dem Punkte sind die Hofkutscher die allerschlimmsten, und unter den Hofkutschern einer – wie heißt er doch gleich? – richtig! Winkler! der allerschlimmste.«

»Winkler – Winkler,« entgegnete der Stadtrath; »sonst kein übler Mann, dieser Winkler; ich kenne ihn, seine Mutter war früher bei den Stadtlaternen angestellt, ich habe ihr jetzt die Museumsquittungen anvertraut.«

»Leider!« entgegnete der Steinmann; »leider! ich muß das wiederholen, leider! Es ist ein altes, böses Weib, und wenn ich mich recht erinnere, so trägt sie gerade im jetzigen Augenblicke ein Circular des Löschcorps herum.«

»Ein Circular des Löschcorps?!« rief entsetzt der Stadtrath; »eine alte Frau, so nahe dem Grabe, agitirt contra neue Kirche? O, das ist ganz entsetzlich!« »Freilich entsetzlich!« seufzte der Stadtsoldat, »und der Herr Stadtrath sollten auf diese Person ein strengeres Auge haben.«

»Das werde ich, guter Steinmann,« entgegnete Vater Schwämmle, und machte in ein Papier auf seinem Pult eine kleine Bemerkung; »das werde ich, wie kann ein vernünftiger Mensch pro Löschcorps contra Kirche sein?«

Der Stadtsoldat, der, innerlich frohlockend, überzeugt war, Unkraut unter den Waizen gesäet zu haben, und den das Gespräch über eine neue Kirche bedeutend langweilte, zog sich sachte nach der Thür zurück, indem er sagte: »also vermelde ich beim Appel dem Polizeiwachtmeister den Befehl des Herrn Stadtraths ....«

»In der obern Stadt fleißig zu patrouilliren,« antwortete bestimmt Vater Schwämmle, »ich will es so, es ist mein Befehl!«

»Wünsche eine geruhsame Nacht, Herr Stadtrath!«

»Adieu, guter Steinmann!«

Der Stadtsoldat stieg die Treppe hinab und konnte kaum an sich halten, um nicht laut hinauszulachen; aber er erschien mit der freundlichsten Miene von der Welt beim Appel der Polizeimannschaft und theilte dem Wachtmeister mit, daß ihn der Stadtrath Schwämmle ersuchen lasse, fleißig in der oberen Stadt zu patrouilliren.

Unterdessen war es spät geworden, die Gaslaternen wurden größtentheils ausgelöscht, und als die Glocken zwölf Uhr ansagten, war die gute Stadt so finster, als es Gauner und Spitzbuben nur wünschen konnten.

In dem engen Gäßchen hinter dem Hause, wo die Madame Müller wohnte, schlich jenes Subjekt, das wir heute Nachmittags bei dem Stadtsoldaten gesehen, langsam einher und that, als es die Thür des Holzschuppens erreicht, drei leichte Schläge mit der Hand an dieselbe und dann spähte der Kerl an den dunklen Fenstern hinauf, und als er nach einer Minute bemerkte, daß droben Feuer geschlagen wurde, zog er einen Schlüssel aus der Tasche, öffnete die Thür und trat in den Schuppen, da ihm jenes Zeichen gesagt, daß droben die Luft rein und nichts Verdächtiges in der Nähe sei. Er tappte zwischen Holzhaufen und altem Gerümpel aller Art vorsichtig nach einer Treppe, die er hinaufstieg, oben die Zimmerthür öffnete und in ein kleines Gemach trat, welches nur ein einziges Fenster nach dem Hofe zu hatte; es war eigentlich eine Glasthür, die auf die früher erwähnte Gallerie führte und welche, von innen mit einem tüchtigen wollenen Vorhang bedeckt, keinen Lichtstrahl in den Hof fallen ließ.

Das Zimmer war klein, mit einer ärmlichen Eleganz möblirt, das heißt, es befand sich ein Sopha da, mit einem, einstens roth gewesenen Plüsch überzogen, dazu Stühle mit andersfarbigen Stoffen, eine alte Commode, in der Ecke stand eine Guitarre, auf der aber sämmtliche Saiten fehlten.

Anwesend war die Madame Müller selbst, eine Frau in den Vierzigen, hoch gewachsen, mit einem verlebten Gesicht, das Spuren früherer Schönheit trug, und diese Frau paßte mit ihrem Anzuge, einem abgeschabten schwarzseidenen Kleide, zu der ärmlichen Eleganz des Zimmers.

»Was gibt's so spät?« fuhr sie den Eintretenden an: »bist du wieder einmal auf der Flucht, oder was hat's sonst gegeben? – was willst du hier?«

»Bst!« machte der Mann und drückte die Thüre hinter sich zu, worauf er sich in das Sopha warf und die Frau mit einem frechen lachenden Blick ansah.

»Nun, werd' ich erfahren, was du hier willst?« sagte diese und stemmte ihre kräftige» Arme in die Seite.

»Thut doch nicht so unwirsch! es ist ja gerade so, als ob Ihr einen fressen wolltet! – wir haben ein Geschäft vor, heute Nacht.«

»Ein Geschäft?« fragte Madame Müller und ließ die Hände herabsinken; »was für ein Geschäft, Taugenichts?«

»Das wird sich Alles finden,« versetzte der Andere; »wo ist die Anna?«

»Was geht dich die Anna an, Dummkopf!« entgegnete die Flau und eine gewisse Verlegenheit malte sich auf ihren harten Zügen.

»Mich geht sie freilich nichts an,« lachte der Andere mit einem entsetzlichen Schielblick und dehnte sich auf dem Sopha; »aber der Steinmann wird heute Nacht kommen, und wenn der nach der Anna fragt, die– setzte er pfiffig lächelnd hinzu – wohl in Geschäften auswärts ist, so werdet Ihr wohl nicht sagen, daß es den nichts angehe! O, ich bin nicht so dumm, wie der Steinmann bei all' seiner Pfiffigkeit, das kann ich Euch versichern.«

»Der Steinmann wird herkommen?« sagte Madame Müller und erschrak sichtlich.

»Ja, der Steinmann wird herkommen,« äffte sie der junge Mensch nach, »und wollt Ihr mich jetzt noch anschnauzen, da ich herkomme, Euch das zu sagen, he?«

»Aber was will er hier und was willst du hier? – was habt Ihr für ein Geschäft?«

»Das will ich Euch einfach sagen, Frau; da drüben die Alte hat heute Abend baar Geld mit nach Hause gebracht, zweihundert Gulden baar Geld, und das wollen wir ohne Quittung bei ihr leihen.«

»So, so!« sagte die Frau und wurde augenscheinlich freundlicher. – »Aber,« setzte sie nach einer Pause hinzu, »es geht nicht, wahrhaftig, es geht nicht! Wir sind schon im Verdacht, und wenn da drüben wieder etwas passirt, so werden wir an's Messer geliefert.«

»Dafür laßt den Steinmann sorgen und antwortet mir: ist Anna im Hause oder nicht?«

»Nein, sie ist nicht im Hause,« entgegnete die Frau, »aber ich kann sie holen.«

»So thut das ja, und schnell, denn es könnte eine Haussuchung geben, und wenn in dem Falle der Steinmann das unschuldige Mädchen nicht in ihrem Bette fände, nun, nun, da wüßtet Ihr selbst, was es geschlagen hat.« »Freilich,« entgegnete Madame Müller, »das wäre schlimm, sehr schlimm! Bleibt Ihr unterdessen hier, ich will sie holen; dort im Wandschrank steht ein Krug Wein, auch was zu essen dabei, und das Tau werdet Ihr wohl mitgebracht haben?«

»Allerdings,« sagte der Andere lachend, »ich gehe nie aus, ohne meinen Strick bei mir zu führen; macht aber jetzt, daß Ihr fort kommt.«

Madame Müller nahm ein Tuch von der Wand, schlug es über die Schultern und verließ leise das Haus. Der junge Mensch aber holte aus dem Wandschrank den Krug Wein und was er zu essen vorfand, und während er soupirte, zog er seinen Frack aus und brachte einen festgedrehten soliden Strick zum Vorschein, den er unter dem Hemde vielfach um den bloßen Leib gewickelt hatte und der von ansehnlicher Länge war. Dann zog er seine Stiefeln aus, nahm aus der Hosentasche einen kleinen Bindfaden, den er abwickelte und durch eine zerbrochene Scheibe des Glasfensters in den Hof rollen ließ; sodann stieg er die Treppe hinab, schlich auf dem Hofe unter der Gallerie bis an das vordere Haus und spähte da nach einem starken, eisernen Haken, an dem früher in der Höhe der Gallerie Brandleitern aufgehängt waren. Richtig! dort war der Haken; er nahm den Strick doppelt und warf die auf solche Art entstandene Schlinge nach einigen fehlgeschlagenen Versuchen in den Haken, so daß sie hängen blieb, band die beiden anderen Enden des Strickes an den Bindfaden fest, der auf dem Boden lag, schlich die Treppen hinauf, leitete den Strick durch die Glasthür in's Zimmer, zog ihn so straff als möglich an und befestigte ihn an dem Steine, auf welchem der Ofen stand. Als er damit fertig war, setzte oder legte er sich vielmehr wieder auf das Sopha und sprach von Zeit zu Zeit dem Weinkruge fleißig zu.

Es dauerte nicht lange, so hörte er unten an dem Holzschuppen die Thür öffnen, es stieg Jemand die Treppe hinauf, und einige Augenblicke danach traten Mutter und Tochter in's Zimmer. Letztere, eleganter als erstere angezogen, war groß, schön und schlank gewachsen und hatte etwas wirklich Vornehmes an sich. Sie warf einen Blick unaussprechlicher Verachtung auf den jungen Menschen, der es bei ihrem Eintritt nicht der Mühe werth fand, sich aus seiner Lage zu erheben, und der ihr, mit vollen Backen kauend, vertraulich zuwinkte. Das Mädchen war sehr jung, frisch und blühend, und bei all' diesen Körpervorzügen erschien die Entsittlichung, der sie in ihrer frühen Jugend – sie war wirklich erst achtzehn Jahre alt – anheimgefallen schien, um so entsetzlicher. Sie trug ein graues seidenes Kleid, einen langen grünen Shawl, den sie flüchtig umgeworfen hatte und dessen Enden sie auf dem Boden nachschleppte; ebenso flüchtig hatte sie ihren Hut aufgesetzt, und man sah überhaupt, daß sie ihre Toilette in großer Eile gemacht.

»Ei, ei, mein Lieb,« sagte der junge Mann auf dem Sopha, »warum so verdrießlich? hat man dich gestört? Thut uns gewiß leid, der Mama sowohl, wie mir, aber was ist zu machen, mein Engel? Die Pflicht ruft, die Zeit verrinnt, wir müssen an's Geschäft gehen.«

Er hatte augenscheinlich den Wein zu hastig getrunken und war dadurch lustiger geworden, als es zu seinem Vorhaben gerade nothwendig war. Er wollte auf das Mädchen zu und sie mit täppischer Freundlichkeit umarmen, doch stieß sie ihn mit geballter Faust auf die Brust, daß er auf das Sopha zurücktaumelte; dazu blitzte ihr Auge, ihre Oberlippe hob sich trotzig in die Höhe, und während sie eine Reihe schöner, weißer Zähne sehen ließ, stemmte sie den rechte« Arm in die Seite und richtete sich herausfordernd empor, als wollte sie sagen: komm heran, wenn du noch was willst! Als sich aber der junge Mensch nach diesem Auftritt emporraffte, und, ohne sie weiter zu beachten, an die Glasthüre trat, wandte sich das Mädchen um, schleuderte Hut und Shwal auf das Sopha, öffnete ohne Weiteres ihren grauseidenen Ueberrock, und während sie in's Nebenzimmer ging, ließ sie denselben von ihrem Körper herabgleiten und auf der Schwelle liegen, nicht ohne mit dem Fuße noch einen Versuch zu machen, ihn von sich wegzuschleudern.

»Ihr habt da ein gut Stück Erziehung gemacht!« sagte der junge Mensch, als das Mädchen verschwunden war, zu der Mutter; »die ist Euch famos über den Kopf gewachsen.«

Die Alte zuckte die Achseln, stieß einen tiefen Seufzer aus, ohne Antwort zu geben, raffte die Kleidungsstücke vom Boden und Sopha auf und verschloß sie sorgfältig in einen geheimen Schrank, der sich in der Mauer hinter einem gewöhnlichen Schranke befand, welch' letzterer mit Weiberröcken ganz geringer Art angefüllt war.

Der junge Mann prüfte die Festigkeit des Seiles, und als er es fest genug angespannt fand, zog er seine Kleidungsstücke wieder an, bis auf die Schuhe, welche er an einer kleinen Schnur an dem Halse festband; dann wandte er sich zur Müller und sagte: »paßt mir genau auf, Frau, ich gehe setzt hinüber und will mein Heil versuchen. Ihr bleibt hier an dem Glasfenster stehen und behaltet genau die Thüre drüben im Auge; wenn Ihr mich ruhig zurückkommen seht und nichts weiter hört, als daß ich die Thür wieder schließe, so ist Alles in Ordnung; hört Ihr mich aber wie eine Ratte pfeifen – Ihr kennt das Zeichen? – so habt Ihr nichts weiter zu thun, als den Strick vom Ofenstein loszumachen, ihn in den Hof hinab zu werfen und Euch ins Bett zu legen. – Apropos! ist die Thür am Holzschuppen blos angelegt, daß ich sie im Falle der Flucht nur hinter mir zuzuschlagen brauche?«

»Alles besorgt!« Versetzte die Frau mit einiger Bewegung; »jetzt aber macht, daß Ihr hinüber kommt, mir ist das Herz so schwer, ich habe immer den Gedanken, es müsse ein Unglück geben.«

»Ich auch,« sagte ruhig lächelnd der junge Mensch und fühlte an seine Hosentaschen, ob sein langes Messer auch da sei, das er hier gewöhnlich verwahrte. »Alles in Ordnung!« rief er dann lustig. Madame Müller löschte das Licht aus und der Andere schwang sich durch die Glasthür auf die Gallerie und faßte das Seil, das über seinem Kopfe hing, mit fester Hand. Auf diese Weise war es durchaus nicht schwer, über die morsche Gallerie in's Vorderhaus hinüber zu steigen; er trat mit den Füßen auf die alten Balken, denen er nicht mehr zutraute, als er wußte, daß sie tragen könnten, die jedoch seinem, an dem Seile schwebenden Körper, einen augenblicklichen Unterstützungspunkt boten.

Bald hatte er das Vorderhaus erreicht, und die Thüre, welche von dort auf die Gallerie führte, war so leicht verschlossen und dabei so morsch und alt, daß er mit seinem Messer bequem zwischen den beiden Flügeln durchfahren und von innen den Riegel öffnen konnte. Jetzt einmal im Hause, schlich er die Treppen hinan in den zweiten und dritten Stock und blieb oftmals stehen, um zu lauschen, ob sich in dem weiten Gebäude nichts Verdächtiges rege; da war aber Alles still und ruhig, so still, daß er aus einem Zimmer an der Treppe die schweren Athemzüge eines fest Schlafenden vernahm und hörte, wie im untern Stock ein kleines Kind leise hustete.

Jetzt hatte er die Thür der Kiliane erreicht. Dieselbe war unverschlossen – er trat hinein und sah bei dem Sternenlicht, wie im zweiten Zimmer die alte Person ruhig auf ihrer Matratze am Boden ausgestreckt lag und schlief, und schauderte einen Augenblick, denn die Schlafende auf der Matratze mit der rothen Einfassung sah in dem dämmerigen Licht gerade so aus, als läge die Person in ihrem Blute schwimmend auf der Erde. Dem Gauner pochte das Herz heftig in der Brust, und seine gierig umherschweifenden Augen entdeckten zu seiner größten Freude das rothcarirte Sacktuch mit dem Gelde vor dem Lager der Kiliane auf einem Stuhle liegen, daneben ein Gebetbuch und eine ausgelöschte Kerze.

Er drückte sein Messer fest in die Hand zurück und schlich dem Lager näher. Ihm klapperten fast die Zähne im Munde, als er bei sich selbst sprach: »wenn die alte achtzigjährige Person dort auf der Matratze jetzt aufwachte und dich mit weit aufgerissenen Augen anstierte, so müßtest du doch vielleicht dein Messer gebrauchen!«

Glücklicherweise aber schlief die Kiliane ruhig fort, der Dieb nahm ungehindert das Geld von dem Stuhle weg und schlüpfte zurück ins Vorzimmer; dort schaute und tappte er umher, und sah in der halb geöffneten Commode neben andern Dingen, die ihm vollkommen werthlos schienen, ein kleines Packetchen liegen, das er durch einen raschen Griff zu sich brachte, weil es ihm etwas Nützliches zu enthalten schien, und nun entfernte er sich eilig. Ihm war außerordentlich wohl zu Muthe, als er so mit den zweihundert Gulden in der Tasche die Treppen hinabschlüpfte in den zweiten Stock, und dann in den ersten, und als er nur noch wenige Schritte bis zur Gallerie, bis zur Sicherheit hatte.

Da blieb er plötzlich horchend stehen, denn es war ihm, als höre er in dem stillen Hause auf einmal leise schlurfende Tritte, die sich einer der Zimmerthüren näherten, welche auf den Gang hinaus gingen. Ihm stockte das Blut in den Adern, er stand regungslos da, nur seine Augen eilten umher, um einen Versteck zu suchen, wo er sich Verbergen könne. Da war aber nichts wie die platten Wände; hinab in den Parterrestock durfte er sich nicht wagen, er hatte da keinen Ausgang und man konnte ihm oben an der Treppe den Rückzug zur Gallerte abschneiden. – Entsetzlich! Jetzt waren die Tritte an der Thüre, jetzt wurde die Klinke des Schlosses aufgedrückt, und der Gauner hatte kaum die Zeit, sein Messer zu ziehen und eine Stellung anzunehmen, die es ihm leicht machte, sich augenblicklich auf den, der heraus trat, stürzen zu können. Obgleich das Aufklinken des Schlosses keine Sekunde dauerte, so däuchte es dem jungen Menschen doch eine lange Zeit, und wenn er auch schon viel gestohlen und betrogen hatte, so klebte doch noch kein Blut an seinen Fingern, und es war der Augenblick gekommen, wo er sich sagen mußte, er sei vielleicht in der nächsten Sekunde ein Mörder! –

Jetzt öffnete sich die Thüre und es trat ein alter Mann heraus in einem großblumigen Schlafrock, die Nachtmütze auf dem Kopfe, ein Licht in der Hand. Das Entsetzen, als dieser vor sich eine Gestalt erblickte, die mit aufgehobenem Messer dastand, lähmte seine Zunge und er blieb unbeweglich stehen. So standen Beide vielleicht eine Sekunde einander gegenüber, und der Dieb, der wohl wußte, daß, wenn er seine Stellung nur im mindesten ändere, der Andere einen furchtbaren Schrei ausstoßen würde, sagte mit leiser Stimme, ohne die Lippen zu bewegen und ohne seinen Blick von dem Auge desselben wegzuwenden: »Herr, gehen Sie in Ihr Zimmer zurück, oder Sie sind des Todes!«

Mechanisch folgte der alte Mann diesem Befehle, zog sich rückwärts in das Zimmer zurück, und der junge Mensch auf dem Gange hatte die Geistesgegenwart, den Schlüssel der Thüre augenblicklich umzudrehen; im gleichen Moment wurde von innen der Riegel vorgeschoben; doch kaum hatte der draußen die Thüre zur Gallerie erreicht, als er hörte, wie der alte Mann im Zimmer das Fenster nach der Straße zu aufriß und nach den Nachtwächtern und Patrouillen schrie: »Mörder! Räuber! Feuer!«

Der Gauner zog die Thüre fest hinter sich zu und blieb wartend stehen, während er fein und scharf nach dem Hintergebäude hinüberpfiff. Augenblicklich gab der Strick drüben nach und fiel in den Hof, der junge Mensch schwang sich über das Geländer der Gallerie und rutschte an dem andern Ende des Strickes, den er mit den Händen festhielt, ebenfalls hinab; dann zog er ihn aus dem Haken heraus, warf ihn über die Schulter, verschwand durch den Holzschuppen und zog die Thüre desselben, welche in die engen Gäßchen führte, hinter sich zu.

In dem eben noch so stillen Hause wurde jetzt auf das Geschrei des alten Mannes ein furchtbarer Lärmen wach; die Nebenwohnenden, als sie »Mörder« und »Räuber« rufen hörten, schrieen unter ihren Decken ebenfalls hervor, und Jeder glaubte schon, in irgend einem Fenstervorhang oder einem Handtuch einen Kerl zu erblicken, der ihm nach Geld und Leben trachte; Kinder schrieen, Weiber kreischten, und die alte Kiliane, die geträumt hatte, es schleiche Jemand in ihr Zimmer, wurde durch den Spektakel erweckt, rieb sich die Augen, machte Licht und sah beim Scheine desselben zu ihrem größten Entsetzen, daß die zweihundert Gulden von ihrem Stuhle verschwunden waren. Man kann sich denken, wie schnell sie ihr Kleid überwarf und mit Zetergeschrei hinabeilte, um drunten den erwachten Hausgenossen zu verkünden, daß sie bestohlen worden sei.

Der Lärm pflanzte sich von dem Haus auf die Straße fort, ein herbeigeeilter Nachtwächter ließ sein Pfeifchen ertönen, alsbald schritt eine Patrouille heran und einige Polizeisoldaten, unter ihnen der unermüdliche Steinmann, welcher immer der Erste war, wo es galt, für die Ruhe und das Eigenthum der Bürger einzustehen. Vorsichtig wurde die Hausthür geöffnet, der Steinmann mit ein paar Soldaten von der Patrouille hereingelassen, und der alte Mann erzählte von dem Mörder, der mit gezücktem Messer vor ihm gestanden, und die Kiliane berichtete jammernd, daß man ihr zweihundert Gulden baares Geld gestohlen.

»Zweihundert Gulden baares Geld?« sagte der Steinmann entsetzt und schlug die Hände zusammen; »und aus Ihrem Zimmer?«

»Ja!« jammerte die Kiliane, »zweihundert Gulden in lauter Guldenstücken, die ich gestern mit nach Hause gebracht– es ist ganz entsetzlich!« Und der ganze Chor von alten und jungen Weibern, von alten und jungen Männern, in den phantastischsten Costümen jammerte nach: »es ist ganz entsetzlich!«

Der Steinmann und die Soldaten gingen in den ersten Stock hinauf, und Ersterer ließ sich zeigen, wo der Mörder mit dem Messer gestanden; dann untersuchte er den Platz ringsum, ging an die Thüre zur Gallerie und sagte, während er that, als schiebe er den Riegel der Thüre jetzt erst zurück: »wenn der Dieb entkommen ist, so ist er wahrscheinlich hier heraus geflüchtet.«

»Unmöglich!« meinte der alte Herr, »auf die morsche Gallerie kann sich keine Katze wagen, und dann meine ich auch, ich hätte ihn die Treppen hinab in den untern Stock springen hören.«

»In den untern Stock?« kreischten mehrere Weiber, die da wohnten, und der würdige Stadtsoldat Steinmann hatte sein ganzes Ansehen nothwendig, um das Geschrei endigen zu machen und die Ruhe wieder herzustellen. »Wir müssen unbedingt eine Haussuchung halten,« sagte er und ordnete dazu das Nöthige an.

Die Männer des Hauses schloßen sich den Soldaten und dem Steinmann an, es wurden Laternen gebracht, und man fing zuerst auf dem Boden des Hauses an, emsig zu suchen, um, wie der Steinmann wohl wußte, nichts zu finden; ebenso in den Zimmern der Kiliane und in den andern des dritten Stocks, dann im zweiten Stock, im ersten, im Parterre und zuletzt in dem Keller – nirgends fand sich eine Spur von Räubern und Mördern! Der Steinmann war äußerst ergrimmt und fluchte bedeutend über die Frechheit und Verwegenheit der Diebe; er ging in den Hof hinaus, untersuchte den Holzschuppen unter den Zimmern der Madame Müller, fand aber natürlicher Weise nichts und sah, daß die Hinterthüre fest verschlossen und sogar von innen verriegelt war.

»Es hilft nichts,« sagte der Steinmann, »wir müssen auch die Zimmer da droben im Hinterhause untersuchen, meine Herren, wenn Sie hier unten warten wollen, ich will mit den Soldaten hinauf gehen und mich droben umsehen.«

Mit zitternder Hand zog er an der Klingel, die zur Wohnung der Madame Müller gehörte, und erst, als er sah, daß man droben Feuer schlug, stieg er mit den beiden Soldaten hinauf. Im tiefsten Negligé wurden sie droben von der Bewohnerin empfangen, welche sich schreiend zurückzog, als sie den Steinmann von der Polizei und ein paar Soldaten erblickte und erst nach längerem Parlamentiren dem Ersteren den Eintritt in's Zimmer gewährte; die Soldaten mußten auf der Treppe bleiben.

»Alles in Ordnung?« grinste der Steinmann, als die Thüre hinter ihm in's Schloß fiel, und setzte lauernd hinzu: »Ist die Anna im Bette?«

»Versteht sich von selbst!« sagte die Frau; »das arme Kind ist so erschrocken!«

»Schön,« entgegnete der Stadtsoldat und ein Lächeln flog über sein Gesicht; »ich muß auch in ihrem Zimmer untersuchen, ob sich Niemand dort versteckt hat.«

»Aber, Herr Steinmann,« sagte die Alte und that sehr erschreckt, »die Anna ist in ihrem Bette!«

»Desto besser!« lachte der Andere, heute komme ich im Dienste! und wenn sie sich an meinen Anblick in ihrem Schlafzimmer gewöhnt hat,« grinste er lustig und setzte mit einem finsteren und bösen Blicke hinzu: »so wird sie auch ein anderes Mal nicht mehr so viele Schwierigkeiten machen. Schließt nur immerhin die Thüre auf, es ist nicht anders.«

Die Frau ging an die Thüre ihrer Tochter, klopfte leise an und sagte: »Anna, bist du wach?«

»Was wollt Ihr von mir? Was soll es, Mutter?« erschallte die Stimme des Mädchens zurück.

»Erschrick' nicht,« suhl die Mutter fort, »in dem vorderen Hause hat man eingebrochen und nun ist Jemand von der Polizei da und muß auch in deinem Zimmer, wie in jedem andern nachsehen, ob sich vielleicht Jemand hier versteckt hat.«

»Bei mir ist Niemand versteckt!« sagte grollend das Mädchen, »das muß ich am Besten wissen!«

»Aber wir müssen uns davon überzeugen,« entgegnete der Steinmann und sein Auge funkelte, während er in das Schlafzimmer des Mädchens trat.

Da lag sie oder saß Vielmehr auf ihrem ärmlichen Bette, das Mädchen, welches mit ihrem stolzen Blick und herrischen Wesen so gar nicht in diese Armseligkeit paßte; die blonden, reichen Haare hingen aufgelöst um ihren Kopf und fielen über ihr erhitztes Gesicht, erhitzt von Zorn und – Scham; von Scham, daß sie gezwungen war, sich vor dem Menschen, den sie vor allen anderen grimmig haßte, so wie sie war, zeigen zu müssen. Ihr dunkelblaues Auge blitzte, während sie die schlechte geflickte Decke ihres Bettes so hoch als möglich empor zog und während sie heftig sagte: »und das könnt Ihr leiden, Mutter, daß Der in mein Schlafzimmer kommt?«

Die Frau zuckte mit den Achseln und der Steinmann sagte entschuldigend: »es ist nicht anders, ich muß meine Pflicht thun.«

Das Mädchen drehte ihr Gesicht nach der Wand und gab keine Antwort auf die Frage des Stadtsoldaten, ob sie nichts Verdächtiges gehört oder gesehen, worauf die beiden Eingetretenen das Gemach wieder verließen und der Steinmann die Thüre sorgfältig hinter sich zuzog. Als sie im vorderen Zimmer allein waren, sagte er mit leiser, gepreßter Stimme, während er mit flammendem Auge rückwärts nach der Thüre sah: »'s bleibt dabei, Frau Müller, ich habe die Geschichte jetzt satt und will ernten, wo ich so viel gesäet! Sowie davorn im Hause Alles ruhig ist, komme ich wieder; laßt mir die Thüre offen.«

Die Frau preßte ihre Hände in sichtlicher Angst zusammen und sagte: »Aber, Herr Steinmann, das geht wahrhaftig nicht, es ist rein unmöglich.«

»Was unmöglich?« entgegnete er, und ein böser Blick blitzte aus seinem Auge; »ich werde das Unmögliche schon möglich machen, dafür laßt mich sorgen! Habt Ihr mir nicht schon seit längerer Zeit alle Versprechungen gemacht? warum thut Ihr nicht das Eurige und sorgt nicht, daß Ihr das, was Ihr versprochen, auch halten könnt? Mir ist alles das gleich, jetzt muß ich hinunter, aber sorgt nur dafür, daß ich eine offene Thüre finde.«

Die Frau stieß statt aller Antwort einen tiefen Seufzer aus, und der Steinmann ging mit den beiden Soldaten wieder die Treppe hinab und verkündigte den unten Harrenden, daß er auch dort oben nichts gefunden. Es herrschte unter den Einwohnern des Vordergebäudes ein wirres Durcheinandersprechen, ein Beratschlagen über ähnliche Fälle, wenn sie wieder vorkämen, und es wurden Vermuthungen aller Art Preis gegeben über den frechen Dieb und ob er entkommen sei oder trotz des Nachsuchens sich noch irgendwo im Hause versteckt befinde. Die Mehrzahl des weiblichen Theils neigte sich letzterer Ansicht zu und drang mit Bitten in die Männer, doch ja für die heutige Nacht eine Wache zu bestellen, wozu sich auch die Männer bereit erklärten und den Stadtsoldaten Steinmann unter dem Versprechen einer anständigen Belohnung ebenfalls ersuchten, von der Parthie zu sein. Letzterem schien die Idee des Wachehaltens nicht ganz unerwünscht zu kommen und er stimmte bei und setzte hinzu: »wenn der Kerl irgendwo im Hause noch versteckt ist, so kann er seinen Weg nur hinten hinaus nehmen, weßhalb es, glaube ich, das Beste ist, wenn ich da oben die Bewohner des Hinterhauses ersuche, mir bis zum Morgen einen Platz in ihrem Zimmer zu bewilligen.«

Gegen diesen Vorschlag aber erklärten sich Viele, namentlich der alte Herr, der vorhin in Lebensgefahr geschwebt hatte; er schwor mehrere Eide, es sei viel zweckmäßiger, das Vorderhaus zu bewachen und allenfalls eine Patrouille in den Hof gehen zu lassen, als das Hinterhaus polizeilich zu besetzen; er sei zu sehr alterirt und müsse eingestehen, daß er heute Nacht nicht im Stande sei, allein in seinem Zimmer auszuhalten; auch sei es, da der Mordversuch vor seinem Zimmer stattgefunden, das Allerbeste, wenn sich der Steinmann dorthin postire. Er nahm den Stadtsoldaten bei diesen Worten am Arm, versprach ihm, Gesellschaft zu leisten, und setzte leise hinzu: für einen guten kalten Punsch werde er schon sorgen.

Da die ganze Hausbewohnerschaft für die Idee des alten Herrn sich aussprach, dieser auch für alle Fälle erklärte, er gehe heute Nacht unbedingt nur dahin, wo der Steinmann hingehe, und sei es selbst auf die Polizei, so sah sich der Stadtsoldat genöthigt, nachzugeben, und that dies äußerlich mit vielem Anstande und gutem Willen, innerlich aber voll Zorn und Bosheit.

Nun wurde das Haus mit sämmtlichen in demselben wohnenden Männern und Knaben über zwölf Jahre militärisch besetzt, um den versteckten Spitzbuben einzufangen. Im Hofe ging eine beständige Patrouille von Vieren, bewaffnet mit Musketen und rostigen Säbeln; an der Kellertreppe und an der Hausthüre standen wenigstens ebenso viele, auf den Treppen saßen die beherztesten der Weiber und Mädchen, um im Nothfalle Alarmzeichen zu geben, und vor seinem Zimmer auf dem ersten Stocke befand sich der alte Herr mit dem Steinmann bei einem Glase kalten Punsches, und letzterer schielte mit seinem einen Auge beständig nach der Thüre, die zur Gallerie führte, und überlegte, ob es denn wirklich so halsbrechend sei, auf dem alten Gerüst in's Hinterhaus zu gehen, in dem Falle nämlich, daß der alte Herr und die übrige Einwohnerschaft des Wachens noch vor Tagesanbruch müde würden und ihre Betten aufsuchten.

In dem Hinterhause hatten die beiden Bewohner die Ruhe auch nicht wieder gefunden, welche durch den Eintritt des Steinmann gestört und unterbrochen worden war. Die Frau saß am Ofen, gedachte des Gesprächs mit dem Stadtsoldaten, lauschte erschreckt auf jedes Geräusch draußen und marterte ihr Gehirn ab, um einen Gedanken zu finden, auf welche Art es möglich sei, den pfiffigen und gewaltthätigen Steinmann zu überlisten. Dabei warf die Frau von Zeit zu Zeit einen schüchternen Blick auf ihre Tochter, welche auf der anderen Seite des Ofens saß, bald den Kopf in die Hände legte und in tiefes Hinbrüten versank, bald wieder ebenso wie die Mutter auf jedes Geräusch drunten lauschte, aber nicht verzagt und ängstlich, wie diese, sondern wild und herausfordernd, als erwarte sie mit Vergnügen einen heftigen Kampf, der ihr bevorstehe.

Das Geräusch unten, welches die Beiden hie und da verschiedenartig aufregte, kam von der Patrouille im Hofe, und jedesmal, wenn sich die Schritte dem Holzschuppen näherten, richtete sich das Mädchen in die Höhe, schüttelte die blonden Locken aus dem Gesicht, ihre Augen blitzten und unter den trotzig aufgeworfenen Lippen glänzten jedesmal die großen, schneeweißen Zähne.

Die Mutter seufzte mehrere Mal tief auf, als wolle sie die Aufmerksamkeit ihrer Tochter auf sich lenken, und stieß endlich einen wirklichen Seufzer aus, als ihr das nicht gelang und das Mädchen sie in ihren tiefen Gedanken nicht beachtete.

»Wenn die Nacht endlich vorüber ist,« sagte nach einer längeren Pause die Mutter und schauerte vor Frost und Erwartung, »so will ich zufrieden sein.«

»Und was habt Ihr dadurch gewonnen?« sagte das Mädchen rasch auffahrend; »dann kommt der Tag und wieder eine Nacht ähnlich der heutigen; – o, wir sind recht unglücklich!«

»Ja, ja!« seufzte die Mutter, »wir sind freilich recht unglücklich, und du vermehrst meinen Kummer durch deinen Trotz und deine Unbeugsamkeit.«

»Durch meinen Trotz und meine Unbeugsamkeit?« sagte das Mädchen krampfhaft lachend; »bin ich gegen Euch trotzig gewesen? habt Ihr mich nicht unter Euren Willen gebeugt, tief gebeugt, entsetzlich tief gebeugt?! und als ich Euren Willen that und mich herabbeugen ließ – o, so tief! – habt Ihr mir nicht das Versprechen gegeben, daß jener schändliche, schlechte Kerl mir nie zu nah' kommen dürft? habt Ihr das nicht gethan?«

»Allerdings!« sagte die Frau seufzend; »aber was thut die Armuth nicht? habe ich unser Verhältniß anders machen können, habe ich nicht seine Hülfe annehmen müssen?«

»Nein, bei Gott!« rief das Mädchen, »das hättet Ihr nicht gebraucht, das hättet Ihr nie nöthig gehabt, wenn Ihr anders hättet handeln wollen! Warum haben wir bisher nicht gearbeitet? warum habt Ihr mich nichts lernen lassen – als mich anziehen und Guitarre spielen?« setzte sie schrecklich lachend hinzu; »warum nicht? – ich will es Euch sagen,« fuhr sie flüsternd fort: »weil Ihr nicht arbeiten wollt und weil Ihr gesehen, wie ich trotz Elend und Kummer gesund und kräftig heranwuchs, wie ich – ja, ich kann es Euch sagen – ein schönes Mädchen wurde.«

Die Mutter barg das Gesicht in ihre Hände und das Mädchen fuhr fort:

»Geschehene Dinge, Mutter, sind nicht wohl zu ändern; ich will Euch auch nicht fluchen, denn wenn mein Mund gegen Euch harte, zornige Worte sprechen will, so dränge ich sie gewaltsam zurück; denn, Mutter, wenn ich einmal anfangen wollte, Euch zu sagen, wie es mir hier in meinem Herzen zu Muthe ist, dann solltet Ihr entsetzliche Sachen hören! – Wie gesagt, vergangen ist vergangen; ich blicke nur selten rückwärts und möchte gern vorwärts sehen, aber ich kann nicht, bei Gott! ich kann nicht; nur das möchte ich Euch tausend Mal wiederholen: schützt mich vor jenem Menschen, oder es gibt ein furchtbares Unglück!«

»Ich muß deine Worte ertragen,« entgegnete leise die Frau, »obgleich sie nicht ganz gerecht sind; was hätte ich bei unserer Armuth thun sollen, nachdem dein unglückseliger Vater gestorben?«

»Arbeiten. Mutter!«

»Womit hätte ich dich erziehen sollen?« fuhr die Frau fort, ohne jene Antwort zu beachten; »mußte ich nicht alle Mittel ergreifen, um Geld zu verdienen, um –«

»Mich erziehen zu lassen!« lachte das Mädchen. – »Eine vortreffliche Erziehung, die Ihr mir gegeben! Ja, Ihr habt mich erzogen, daß sich Gott erbarm! zu einer ...«

Statt dieses entsetzliche Wort auszusprechen, schlug sie sich selbst mit ihren Händen wie wahnsinnig in's Gesicht.

Es entstand eine längere Pause, dann fuhr das Mädchen, das mühsam mit sich gekämpft, fort zu sprechen: »als der Vater noch lebte, Mutter, da war es schlimm und doch golden gegen jetzt. Wohl erinnere ich mich aus meiner Kindheit einer glücklicheren Zeit, aber sie liegt so fern und war so kurz, daß ich oft glaube, ich habe sie nur geträumt. Dann, Mutter, kam das Unglück in unser Haus, und damals wußte ich nur – so sagtet Ihr mir freilich, wenn Ihr mir des Morgens statt des Frühstücks ein Stück Schwarzbrod gabt, dann sagtet Ihr: Sieh', Kind, an all' unserem Unglück ist dein Vater schuld! Und wenn ich fragte: wie, Mutter? dann gabt Ihr mir zur Antwort: das Geld, von dem wir einen ganzen Tag leben könnten, »ertrinkt dein Vater Abends im Wirthshause; und das war die Wahrheit, denn so jung ich war, so bemerkte ich doch, wie der Vater Abends berauscht nach Hause kam, und zitterte, wenn er kam, Euch schlug und mich, ein kleines, armes, unschuldiges Kind, mit den Füßen von sich stieß; denn er sagte – was sagte er doch, daß ich sei? – wißt Ihr's noch? ich habe es nicht vergessen – ich sei ein Bastard, sagte er, ein Kukuksei! – o Mutter! von da an, obgleich ich nicht wußte, was er damit meinte, hatte ich sogar an dem grünen Walde keine Freude mehr, wie die übrigen Kinder, und wenn der Kukuk schrie, so dachte ich an die Schläge zu Haus und schauderte.«

Die Frau saß da, ohne eine Sylbe zu antworten, ohne einen Blick auf die Tochter zu werfen, den Kopf in die Hände vergraben und seufzte und stöhnte nur zuweilen tief auf.

»Ich habe Euch das noch nie gesagt, Mutter,« fuhr das Mädchen fort, »und ich thue es auch nur wegen der heutigen Nacht und wegen der Zukunft; aber Ihr sollt Alles hören! Freilich mißhandelte uns der Vater, Euch und mich, freilich wurden wir eine Bettler-Familie, freilich suchte und fand er seinen Tod in dem Flusse, aber wer, Frau, hat ihn dazu gebracht? – ich will es Euch sagen – Ihr selbst!«

Bei diesen Worten fuhr die Frau gewaltsam in die Höhe und starrte ihre Tochter mit einem schrecklichen Blicke an; das Mädchen aber erhob sich ruhig und gab der Mutter Blick um Blick zurück.

»Wer hat dir das gesagt?« brachte die Frau endlich mühsam hervor, »wer hat dir das gesagt?« »Ist es vielleicht nicht wahr?« entgegnete ruhig das Mädchen, »bin ich vielleicht kein Bastard – was?«

Die Frau fiel auf ihren Stuhl zurück, ohne eine Antwort zu geben, und die Tochter fuhr fort:

»Wie gesagt, das ist Alles vorbei, und alle Klagen, alle Verwünschungen bessern uns beide nicht; doch, Mutter, ich beschwöre Euch, laßt uns ein anderes Leben anfangen! Ich bin ja jung und stark, ich kann und will arbeiten, laßt uns die Stadt verlassen, laßt uns im Lande herum betteln gehen – das ist ja für mich doch nichts Neues! – bis wir einen ehrlichen Erwerbszweig gefunden haben.«

Nach dieser Rede zum ersten Mal schaute die Mutter ihre Tochter mit einem Blicke an, in welchem sich einige Hoffnung malte, und während sie sich scheu rings umsah, sagte sie hastig, aber mit leiser Stimme: »ja, wir wollen, mein Kind! mein armes, unglückliches Mädchen! – und zahlreiche Thränen entströmten ihren Augen – ja, wir wollen fort von hier, komm! – jetzt gleich! noch heute Nacht!«

»Heute Nacht? jetzt gleich?« entgegnete das Mädchen und eine tiefe Röthe flammte in ihrem Gesicht auf. »Heute Nacht wird's nicht gut gehen, auch ist ja die Nacht bald vorüber, aber Morgen Nacht, dann sicher, Mutter! – Nicht wahr, Ihr versprecht mir das?«

»Ja, wenn du willst, mein Kind,« sagte die Frau sichtlich erleichtert; »aber der Steinmann? – Wenn der Steinmann kommt?«

»Den laßt nur kommen, Mutter,« entgegnete das Mädchen und richtete sich hoch empor, »den laßt kommen, mit dem werde ich fertig, wenn Ihr, Mutter, ihn nicht unterstützt.«

So endigte das Gespräch zwischen Mutter und Tochter, und es war der Frau in diesem Augenblicke mit der projektirten Flucht vollkommen Ernst, und während das Mädchen durch den heranbrechenden Morgen ermuthigt, in ihr Bett zurückging, suchte die Mutter allerlei Kleidungsstücke und andere Sachen in den Schubladen und Schränken zusammen, machte ein Paket daraus und verbarg es in dem geheimen Fache des Wandschrankes.

Drüben in dem Vorderhause saßen der alte Herr und der Steinmann noch immer vor dem Zimmer des Ersteren und Beide rauchten fleißig Cigarren und tranken fleißig kalten Punsch dazu. Der Steinmann bemerkte ebenfalls den Morgen, der heraufdämmerte, und wenn er auch sehnsüchtig nach dem Hinterhause hinüberblickte, so tröstete er sich doch mit dem Gedanken, daß er am heutigen Tage einiges Geld einzunehmen habe, und daß nach demselben eine andere und bessere Nacht folgen werde.

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