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Nächte der Venus

Reinhold Eichacker: Nächte der Venus - Kapitel 9
Quellenangabe
authorReinhold Eichacker
titleNächte der Venus
publisherUniversal-Verlag
printrun26.-50. Tausend
yearo.J.
firstpub
illustratorE. Deetjen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170112
projectid755b6cc7
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Die Nacht der Sterne.

Der Park schwieg tausendstimmig in die Nacht – –
vom See ein leiser Hauch,
vom Wunsch entfacht,
geschwült vom Sehnen
veratmeter, zerlebter Sonnenstunden – –
Aus blauer Stille tauchten sich die Kronen
umrauschter Buchen, ahnenalter Eichen,
mit Zweigen, die Erinnerungen gleichen,
tief in des Dunkels lichtumglänzte Wunden
und schüttelten aus mondgeküßten Mähnen
mit ihrer weichen, laubgefüllten Hand
das Spiel der Sterne, wie zerglühte Wünsche
der Leere, die in ihrem Rücken stand. –
Aus ihren Wurzeln wälzte faul und schmeichelnd
vor Wollust sich des Parks verblumtes Fell
und stieß sich an den breitgehegten Wegen.
Das weiche Moos, sich selbst vor Sehnsucht streichelnd,
wie eine Liebkosung, die man vergeben,
bot sich der trägen,
verbuhlten Sommerluft,
wie ein gelöster, satter Frauenschoß,
und aus dem Boden atmete das Leben
und weckte neue Kraft und neue Lüste. – –
– Gleich einer nachtgeborenen Quelle floß
in weichen Wellen Dein geteiltes Haar
auf Deine Brüste,
die zum Mondlicht flehten,
– ein Zwillingspaar von lüsternen Gebeten,
das an Erfüllung glaubt.
Dein aufgestützter, nackter Arm versank im Moos
wie ein Gedanke in des Himmels Ferne,
des Bodens Säfte rauschten uns im Blute,
in Deines Schoßes weicher wiege ruhte
verträumt mein Haupt. – –
– In unseren Augen spiegelten die Sterne – –
In meinem Haare spielte Deine Hand,
und Deine Finger küßten leise Funken,
wir lagen stumm und all der Schönheit trunken,
tief in die Nacht gebannt,
doch unserer Seele Stimme sang ein Lied,
das taumelte hinauf zum Himmelsbau
und floh mit unseren Blicken in die Weiten,
des Herzens Seufzer tranken sich ins Blau,
und fessellose Wünsche rissen sich
Sternschnuppen aus dem Meer der Ewigkeiten.
– Vom Strom der Sonnen brannten wir durchflutet
und wußten alle Wunder dieser Welt,
und während sich ein alter Wunsch verblutet,
und durch ein Netz von mondumsponnenen Zweigen
fern, fern ins Nichts, ins Grenzenlose fällt,
trieb neue Kraft zu ewig neuem Reigen.
– Gleich einer Wolke stand der Sehnsucht Traum
auf unserem hüllenlosen Bund der Glieder,
Glühwürmchen huschten ruhlos durch den Raum
und warfen Liebesfeuer zu uns nieder,
und legten sich auf heißzerwühlte Kissen,
die schwer von Rosen und von Lust geschwellt.
– Von Deines Busens Kelchen floß die Bläue
der Nacht durchleuchtet auf die weißen Hüften,
als Du Dich zärtlich zu mir niederbogst,
und während Du dem Wunsch als Herold flogst,
gabst Du, noch satt von roten Blumendüften,
die aufgeblähten Knospen Deiner Lippen
dem Dürstenden, gleich süßen, reifen Früchten,
die von den Sternen in die Nacht geregnet,
von Säften süß, doch reif von Todestrauer
und mit den Armen, die ein Gott gesegnet,
riß ich der Ewigkeit geheimste Schauer
in Deinen Schoß,
und meine Sehnsucht, die von Ewigem glühte,
warf sich ins All und zeugte heißes Leben –
– da sah ich Dich in meinen Küssen beben,
und Deine Glieder sich zum Himmel weiten.
Dein weißer Leib, der mir entgegenblühte,
trug uns – ein Schwan der Lust – in jede Ferne,
und einte uns den tiefsten Seligkeiten,
– – in Deinen Augen spiegelten die Sterne. – – –

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