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Nächte der Venus

Reinhold Eichacker: Nächte der Venus - Kapitel 6
Quellenangabe
authorReinhold Eichacker
titleNächte der Venus
publisherUniversal-Verlag
printrun26.-50. Tausend
yearo.J.
firstpub
illustratorE. Deetjen
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20170112
projectid755b6cc7
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Die Augen der Venus.

Oft sah ich Deine dunklen Augen lachen
das war, als stürzten Sonnen in die Stille
             des grauen Tags,
verspritzten und verglühten
sternschnuppengleich in winzig-goldene Drachen,
und tausend flinke Leuchtraketen sprühten
durch Deine lichtgewordene Pupille. –
             Lachfältchen tanzten schamlos-nackte Reigen
und schaukelten in Deiner Locken Flimmern,
wie Silbertau hing's in der Wimpern Zweigen
und Amoretten spielten in den Zimmern.
             Das war ein einzig Jubeln und Entzücken
und alles wurde jung in Deinen Blicken.
Und manchmal sah ich Deine Augen weinen
das war, als wüchse Nacht aus Deinen Locken, so tief und schwer,
und dunkle Flammen woben
darüber hin, und teilten sich zu feinen
rotdüstern Schleiern, die im Sturm zerstoben –
und meerversunken klangen ferne Glocken. – – –
– Als wollte sie sich nur verblutend trennen,
gebar die Wimper zögernd ihre Zähren,
auf bleicher Wange sah ich rot sie brennen
und Deiner Leiden Widerschein verklären. –
»Warum? Warum nur?!« schien Dein Blick zu fragen
– und selbst die Uhr hub traurig an zu schlagen. –

Wie tief sind Deine Augen, wenn sie träumen
dann wacht das Märchen, weiß im Glanz der Glieder
             zum Leben auf,
und stolze Schwäne tauchen
aus goldnem Teich, – glatte Delphine bäumen
sich sehnsuchtsvoll, und fahl im Mondlicht hauchen
Seerosen fremde, niegehörte Lieder. –
             Um Deine Brauen liegt der Schatten Leben,
auf Deinen Wangen leuchtet süßes Hoffen,
die zarten Flügel Deiner Nase beben,
und Deine Lippen locken sehnsuchtsoffen –
am weißen Halse atmen blonde Härchen,
und selig träumend wirst Du selbst zum Märchen. – –

             Wie schön sind Deine Augen, wenn sie lieben –!
Das ist, als stiege Venus aus den Fluten
             feuchtglänzend auf!
Um ihre Hüften flammen
blutheiße Wünsche, die versagt geblieben;
die vollen Brüste preßt sie wild zusammen,
als wehre mühsam sie der Sinne Gluten.
             An ihren weißen Sonnen schlummert trunken
der Liebesgott – – und meine Adern singen,
und jauchzend fühl' ich uns ins Moos gesunken
und all mein Leben heiß in Deines dringen ...
Dann bist Du schön! – wenn Deine Augen werben
und bleich vor Lust in meinen Küssen sterben!

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